Ist Halle (Saale) eine keltische Gründung?

5. Dezember 2008 | Von | Kategorie: Wissenschaft

Nach einer Faustregel sind Städte, deren Namen das Wort “Hall” enthalten, von Kelten gegründete Orte, an denen Salz gewonnen wurde. Auf Hallstatt, Bad Reichenhall, Schwäbisch Hall, Hall (in Tirol), Hallein und Halle (in Belgien) trifft diese Regel zu.
Auch in Halle an Saale gibt es Salzquellen. Es ist allerdings durchaus umstritten, ob der Name der Stadt wirklich auf die Kelten zurückgeht: erst im Chronicon Moissiacence aus dem Jahr 806 wird der Ort Halle als “Halla” erstmals genannt. Allerdings spricht der Umstand, dass die Region zu dieser Zeit von Slawen bewohnt war, für einen älteren Ortsnamen. Ob dieser wirklich keltisch ist, ist allerdings die Frage, denn es gibt auch ein germanisches Wort “hall”, das mit den Wörtern “Helm” und “hüllen” verwandt ist. Die Namen der Städte Hall in den Niederlanden und auf Gotland (Schweden), und wahrscheinlich auch Halle (Westfalen) sollen auf das “germanische hall” zurückgehen.
Noch eine andere Deutung bietet der Leipziger Professor für Onomastik (Namensforschung), Jürgen Udolph. Ihm zufolge gehen germanische Ortsnamen mit hal auf einen älteren indogermanischen Wortstamm mit der Bedeutung -Schräge, -Abhang oder -neigen zurück.
(Hierzu Jürgen Udolph: Ortsnamen als Geschichtsquelleein durchaus umstrittener Aufsatz, denn einige der Aussagen Udolphs kollidieren heftig mit den Lehrmeinung der Althistoriker, z. B. hinsichtlich des Ursprungs der Germanen, den Udolph im heutigen nördlichen Mitteldeutschland verortet.)

Dennoch spricht vieles dafür, dass Halle (Saale) wirklich keltische Wurzeln hat. Der Anthropologe Horst Claassen vermutet, dass der Salzabbau bei Halle bereits in der älterer Eisenzeit begann – in der Hallstatt-Zeit, zwischen 800 bis 500 Jahre v. u. Z. .
MZ-web: War Halle einst eine Hochburg der Kelten?
Das Gebiet der frühkeltischen Hallstatt-Kultur erstreckte sich grob gesehen von Prag bis Paris, vom Alpenrand bis zur Rhön. Auch im thüringischen Erfurt und Suhl wurden hallstattliche Gräber gefunden. “Der Gedanke liegt nun nah, dass der keltische Einfluss bis Sachsen-Anhalt reichte”, meint Claassen. “Die Kelten selbst haben den Salzabbau beherrscht und vielleicht sogar erfunden. Sie waren dann die ersten in Halle”. Selbst die Burg Giebichenstein könnte keltischen Ursprungs sein und als Bollwerk gegen die Germanen gedient haben. Die Burg gleiche jedenfalls stark der Festung Marienburg in Würzburg, die nachgewiesen aus dieser Zeit stammt.
So plausibel diese Annahme auch ist: solange die Archäologen noch keinen hallstattzeitlichen Grabhügel bei Halle (Saale) ausgegraben haben, ist sie noch reine Hypothese.

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

7 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Ich bin auf die gleiche Idee in Verbindung mit der Himmelsscheib von Nebra gekommen, die aus meiner Sicht eindeutig keltisch ist (Kranich/Rabe, 7 Sterne, Feiertage). Das Stadtwappen von Halle ist keltischen Ursprungs. Es zeigt die 3 Bethen als Morgenstern für die Morgenseite, den Mond für den Kessel der Fülle und der Wiedergeburt sowie den Abendstern für die Abendseite. Das gleiche trifft für Querfurt zu. Dieses ist ein wenig christianisiert. Ebersdorf und Schkopau haben einen Kranich im Wappen, was ebenfalls auf die Kelten hinweist. In Österreich habe ich die Angabe gefunden, dass Saale ebenfalls keltischen Ursprungs ist. Auch hier besteht eine Verbindung mit dem Salz. Herrn Udolphs Theorie mit der Handelsware für die Scheibe ist nicht zu halten, da sie ein eindeutig Religionswerk ist. Was betreffs Himmelsscheibe von den Experten eingeschätzt wurde ist mehr als peinlich. Nun steht wissenschaftlich fest, dass Professoren nicht zählen können und als Astronomen erkennen sie nicht einmal die Sternbilder Schwan, Sommerdreieck und Kassiopeia und die Plejaden können sie nicht von den Hyaden unterscheiden. Auch mit Sonne und Mond haben sie scheinbar Schwierigkeiten. Oh oh, unsere Universitäten!!!

  2. Ein interessanter Gedanke, und meines Erachtens durchaus plausibel. Leider ist das, in Hinsicht auf die Wappen, mehr oder weniger Spekulation, da nicht alles, was keltisch aussieht, auch wirklich keltisch sein muss. Viele Stadtwappen stammen ja erst aus der frühen Neuzeit – und einige scheinbar “uralte” Wappen sind sogar nur Schöpfungen des 19. und 20. Jahrhunderts.
    Zur Scheibe von Nebra: die stammt aus einer Zeit, als sich die “keltische Kultur” noch gar nicht herausgebildet hatte. Daher rate ich bei Versuchen, die Symbolik dieser Scheibe anhand möglicher Parallelen zur “inselkeltischen” Symbolsprache zu deuten, zur Vorsicht. Da lagen mehr als 2000 Jahre und fast 2000 Kilometer dazwischen.
    Was die Kompetenz der Astronomen angeht: da gibt es in der Tat einige wilde Deutungen, bei denen ich eher freihändige Interpretation als fundierte Sachkenntnisse vermute, aber die kommen meines Wissens eher von Aussenseitern, als von ausgewiesenen Astro-Archäologen.

  3. Ich befasse mich seit einiger Zeit mit der Salzstraße Halle-Leipzig und entdeckte auf der Feldmark Karte von Osmünde aus dem Jahre 1718 einen Berg. Der um die 6 km von Halle in Östlicher Richtung entfernt ist mit dem Nahmen Hallberg.
    Es stellt sich die Frage was hat der Name Hallberg mit der Salzstraße zu tun. Der Leipziger Professor für Onomastik (Namensforschung) Jürgen Udolph sagt, dass der indogermanische Wortstamm das Wort „Hall“ kennt. Da bedeutet „Hall“ Schräge, Abhang oder Neigung. Der Name Hallberg heißt abgeleitet vom Germanischen also schräger Berg. Der Name vom keltischen abgeleitet währe Salz Berg das würde aber an dieser Stelle keinen Sinn machen. Schräger Berg dagegen macht in der Verbindung mit der Salzstraße Halle-Leipzig Sinn.
    Als Hallberg bezeichneten die Germanen wahrscheinlich den gesamten Anstieg von der Kabelske bei Kleinkugel (Höhe 95 m über NN) bis zur Einmündung des Poppendorferweges in die Naundorfer Straße (Höhe 112 m über NN). Es sind 17 Höhenmeter auf 2 Km eigentlich im Vergleich mit der Umgebung unbedeutend. Für einen Handelsweg auf den man sich ausschließlich mit Muskelkraft bewegt wird dieser Anstieg bedeutsam und ist es wert benannt zu werden. Der Name Hallberg sagt uns, dass die Salzstraße schon in der Germanischen Zeit existiert haben muss. Und für die Menschen die die Salzstraße nutzten über die Jahrtausende von großer Bedeutung war. Diese Feststellung führt dazu das die Stadt Halle ihre Nahmen auch aus dem indogermanische Wortstamm haben könnte.

  4. Danke für den sachkundigen Hinweis! Die Erklärung “schräger Berg” scheint mir mittlerweile auch sinnvoller zu sein als eine sprachlich Verbindung zum Salzbergbau. Das ändert natürlich nichts daran, dass es wohl wirklich Kelten in der Hallenser Gegend gab, dass dort später Germanen, und noch später Slawen siedelten. (Das heutige Halle geht wahrscheinlich auf eine slawische Siedlung zurück – aber geographische Namen können langlebig sein.)

  5. Ich möchte meinen Kommentar vom 15.09.2011 noch etwas ergänzen. Es ist richtig, dass der Name Hallberg uns nur einen Nutzer aus alter Zeit erkennen lässt, aber nicht den Anleger der Salzstraße. Den Anleger erkennen wir erst dann, wenn wir uns die Sache weiträumiger anschauen. Die bekannte Salzstraße kommt aus Böhmen über Brüx (Most), Seyda und führt nach Wurzen überquert dort die Mulde und führt dann, unter Beachtung der Altstraßenregeln, laut alten Karten nördlich an Leipzig Wiederitsch vorbei, nach Halle. Von Böhmen bis Wurzen ist sie heute als böhmischer- Steig bekannt. Wir wissen, dass das böhmische Becken zur Hallstadt- Zeit von den Kelten besiedelt war. Wir wissen aber auch, dass es im böhmischen Becken kaum Salzvorkommen gab. Ich gehe davon aus, dass die Kelten auf der Suche nach Salz waren, denn dass Mineral Salz ist lebensnotwendig. Bei Ihrer Suche gingen sie wahrscheinlich nach Norden, weil sie wussten, dass es dort Salz gibt. Auf Ihrer Spuren wurde, nach den Regeln der Altstraßen, die Salzstraße angelegt. Es sprechen viele Indizien dafür, dass das Ziel, und nicht der Anfang, der Salzstraße der Ort den wir heute Halle nennen war. Die Frage ist, wurde Halle erobert, und besetzt und wie lange dauerte die Keltische Herrschaft? Waren es Jahrhunderte oder bloß Jahrzehnte? Hatten die Kelten überhaupt die Zeit Dinge zu hinterlassen, die von uns als archäologische Beweise ihrer Existenz angesehen werden könnten?
    Zum Ersten mal wurde Halle im Jahr 806 – im Chronicon Moissiacence – urkundlich erwähnt, mit dem Namen Halla. Man muss wissen, dass die Stadt Halle zu dieser Zeit von den Slawen bewohnt war. Die Slawische Sprache kennt den Laut „Ha“ meinem Wissen nach nicht. Der Name Halla kommt allerdings im keltischen vor und bedeutet Städte der Salzverarbeitung. Das alles Spricht natürlich für die Theorie, dass Halle eine Zeit lang unter keltischen Einfuß stand.

  6. Auch in Österreich gibt es eine Reihe von “Hall”-Orten. In folgender Schrift wird der Verdacht erhärtet, dass dieser Name aus dem Germanischen kommt: “challan” – “(Salz-)Kruste”:

    http://www.landesmuseum.at/eisenzeiten/eisenzeiten%20I%20pdfs/Stifter.pdf

  7. Danke für den Einblick in die Schrift von Herrn David Stifter. Der Einblick war für mich sehr lehrreich.
    Meine Forschung über die Salzstraße endete nicht im September 2011. Das Messtischplatt das mir vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zur Verfügung gestellt wurde zeigte nicht nur die Flurstücke die den Hallberg markierten sondern auch einen Hallrain.
    Der Hallrain liegt etwa 1 Km nördlich vom Hallberg und ist wahrscheinlich die Altstraße Halle-Delitzsch hier besteht aber noch Forschungsbedarf.
    Geologisch sind der Hallberg und der Hallrain alt Moränen aus der Saale-Eiszeit vor 180.000 Jahre. Für Salzbergbau oder Salzquellen gibt es keine Hinweise und ist auch auszuschließen.
    Der Name Hallberg steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der alten Salzstraße Halle-Leipzig-Prag. Der Beweis dafür ist das vor ungefähr 200 Jahren die Salzstraße ihre Bedeutung verlor und mit ihr verloren der Hallberg und der Hallrain ihre Namen sie sind heute aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Daraus lässt sich auf dem ersten Blick ableiten das, dass Salz Wort Hall hier Anwendung fand.
    Das kann mit hoher Wahrscheinlichkeit so sein aber nur dann wenn die Altstraßen erst im Mittelalter angelegt wurden wären. Gegen das Salz Wort spricht auch das die Salzstraße nie Hallstraße hieß, denn die Anwendung des Salz Wortes wäre bei der Salzstraße wahrscheinlicher als nur bei dem Hallberg und der Hallrain hieß in seinem Verlauf hoher Rain. Im Mittelalter hätte man den Hallberg auch Ozminaer oder Osmünder Berg nennen können denn die slawische Siedlung »Ozmina marca« stammt wahrscheinlich aus dem 6 oder 7 Jh. Der Name »Ozmina marca« wurde auf der Urkunde vom 26. Juni 952 als Kaiser Otto I. einen Gebietstausch durchführte zum ersten mal genannt. Da alle Theorien, Vermutungen und Thesen des Salzwortes die auf die Stadt Halle angewendet wurden ausgeschlossen werden können stellt sich die Frage, wo könnten die Namen Hallberg und Hallrain sonst herkommen und was bedeutet in diesem Fall das Wort Hall?
    Schaut man sich die Lockig des Verlauf der Salzstraße mit dem Wissen der Altstraßenforschung an erkennt man das sie den Altstraßenregeln folgt und eine Altstraße ist.
    Ich schätze, dass sie schon vor 4000 Jahren existiert denn, dass die Gegend um Halle vor 4000 Jahren zur Zeit der Aunjetitzer Kultur ein einflussreiches Zentrum war, ist durch zahlreiche archäologische Funde belegt, z.B. die Hort- und Grabfunde von Dieskau und Umgebung, das Grab von Osmünde oder der Hort von Gröbers OT Bennewitz. Diese Funde beinhalten sogenannte Importware, wie Bernstein oder Rohlinge von Randleistenbeilen aus Bronze. Im Hort von Gröbers OT Bennewitz wurden 297 Stück gefunden, die wahrscheinlich als Barren zum Materialhandel dienten und nie Werkzeuge werden sollten. Das Zahlungsmittel war möglicherweise das »weiße Gold« (Salz) aus Halle. Die Aunjetitzer Kultur hat ihren archäologisch nachgewiesenen Ursprung in Böhmen mit Schwerpunkt um Prag. So ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass die uns bekannte Salzstraße aus Böhmen kommt.
    Die Frage ist natürlich welchen Einfluss hatte der indogermanische Wortstamm der das Wort Hall als Schräge oder Abhang kennt zur Zeit der Aunjetitzer Kultur.
    Stammt das Wort Hall des Berges oder des Raines aus dieser Zeit und bedeutet Schräge oder Abhang?
    Für mich war diese Frage nicht zu beantworten und ich stellte sie Professor Udolph.
    Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

    Prof. Udolph: Der Namen Hallberg ist durch die alte Salzstraße motiviert. Das kann allerdings erst dann geschehen sein, als Hall die Bedeutung Salz angenommen hatte, was frühestens im 10./11. Jahrhundert gewesen sein könnte. An eine uralte Benennung ist nicht zu denken, denn das ›H‹ in Halde usw. musste sich erst aus einem indogermanischen ›K‹ entwickeln, was aber nur in den germanischen Sprachen geschah. Wir schätzen, dass das etwa 500 Jahre v. Chr. geschehen ist. Davor gab es in den indogermanischen Sprachen kein ›H‹.
    Aber wenn der Salzweg am Hang, an der Schräge lang geführt hat, dann könnte es sich um nichts anderes als um eine Parallele zum bekannten ›Hellweg‹ handeln.
    Meine Meinung zu Hellweg: Am ehes-ten zu Halde, ›geneigte, abschüssige Seite eines Berges, Abhang, Berghang‹, auch ›Hügel‹.
    Wir finden auch in weiteren Flurbezeichnungen wie Hellberg das Grundwort -berg, es bezeichnet nicht nur einen Berg, wie wir ihn heute verstehen, sondern durchaus auch sanftere Erhebungen, einen Hügel, eine Anhöhe. Das Bestimmungswort Hell- ist mit dem mittelniederdeutschen Wort helde ›Abhang, abschüssige, schräge Stelle‹ zu verbinden, welches mundartlich zu helle verschliffen wurde. Es ist mit dem hochdeutschen Wort Halde verwandt und ist in zahlreichen Flur- und Ortsnamen und auf ihnen beruhenden Familiennamen wie Helle(n)kamp, Hellhorst und Helleberg enthalten.
    Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich hinter Ihrem Hallberg ein Hellberg, also eine schräge Stelle verbirgt. Man marschierte und fuhr früher weder ganz unten – im Sumpf, an feuchten Stellen – noch oben, wo Bäume hinderten. Daher der Begriff Hellweg – auf der Schräge.

    Mit diesem Wissen schaute ich mir den Hallberg und den Hallrain noch einmal an und stelle fest, dass sie tatsächlich schräge Wege an einem Abhang sind. Sie Steige in einen Bogen an der Schräge eines Hanges zu den Wasserscheiden und folgen diesen. Seit wann sie diesen Namen tragen, wissen wir heute nicht genau, aber mit Sicherheit schon seit langer Zeit.
    Ich gehe davon aus, dass in beiden Fällen das Wort Hall schräge bedeutet.
    Herr David Stifter Schreibt auf Seite 237 das Herr Stefan Schumacher anmerkt das das Gefälle von der Innenstadt zum Fluss nicht als dramatisch bezeichnet werden kann. Das ist richtig aber vom Riebeckplatz zum Marktplatz sieht das anders aus vor allen für Händler die sich auf diesem Wege den wir heute Leipziger Straße nennen mit Muskelkraft bewegten.
    Man muss wissen, dass der Riebeckplatz seit alters her der Ausgangs- oder Endpunkt der alten Handelswege war. Das lässt die Theorie zu, dass vielleicht dieser Weg ein Hallweg oder ein Hellweg war und zum Namensgeber der Stadt Halle wurde??????

    Mit freundlichen Grüßen

    I. Brömme

Schreibe einen Kommentar