Ætt Feature

    Ásatrú und das „Bullerbü-Syndrom“

    Neulich behauptete ein mir persönlich bekannter evangelischer Christ, als wir uns in einem angenehm ruhigen italienischen Restaurant trafen, und noch auf einen Rotwein und ein anregendes Gespräch nach dem Essen blieben, dass es den meisten „Neuheiden“ ja gar nicht um Spritualität, Sinnsuche, Auseinandersetzung mit den „letzten Dingen“ und dergleichen ernsthafte Themen ginge. Letzten Endes sei „Neuheidentum“ doch so etwas wie eine „Spaßreligion“, ein „spiritueller Mittelaltermarkt“ – analog zum „sprirituellen Supermarkt“ zwischen Esoterik-Buchhandlung und „Lebenshilfe“-Kursus.

    Mein guter alter Bekannte ist sehr in der Gemeindearbeit engagiert, er ist ein netter, umgänglicher und sehr sozial eingestellter Mensch, weshalb ich keine weiteren Hinweise auf seine Identität gebe.

    Carl Larsson: „Lilla Hyttnäs" im Winter

    Letzten Endes, so führte er beim dritten Glas Rotwein aus, würden erwachsene Menschen „Wikinger“ spielen, so wie andere „Indianer“ spielen, aber solange das ein Freizeitvergnügen bliebe, wäre das nicht weiter problematisch. Problematisch wäre es, wenn die „Freizeit-Indianer“ auch das zu leben versuchten, was sie für „Spiritualität der amerikanischen Ureinwohner“ hielten – Stichwort: „kulturelle Aneignung“ Aber auch eine „nachgemachte Spiritualität des vorchristlichen Europas“ sei höchst problematisch.
    Ich muss gestehen, ich traute mich nicht, den sympathischen Christen darauf hinzuweisen, dass die meisten „Neuheiden“ sich längst mit diesen uralten Behauptungen auseinandergesetzt hätten, und zwar so sehr, dass manche ein Gähnen nicht unterdrücken können, wenn sie auch nur erwähnt werden. Wobei ich gerechterweise erwähnen sollte, dass sie für meinen alten Bekannten anscheinend wirklich neu waren.
    Eine interessante These nahm ich aus dem Gespräch dann doch mit: Das „germanische Heidentum“ sei wegen der völkischen Germanenschwärmer, und vor allem und immer wieder den Nazis, doch eine eher unbequeme Religion. Das keltische, baltische, altslawische, altrömische und so weiter Heidentum wäre doch auch original europäisch, warum müssen es ausgerechnet die Germanen sein? Die Wikinger seien zwar zugegeben faszinierend, aber hätten auch nicht unbedingt einen guten Ruf. Warum sei nun gerade das „Heidentum des Nordens“ so beliebt?
    Von den uneingestandenen Fans des „nordischen Übermenschen“ abgesehen, also den geistigen Erben des SS-eigenen „Ahnenerbes“, hätte er einen dringenden Verdacht, wieso das so sei: Es läge wohl am leidigen „Büllerbü-Syndrom“, das auch Schuld daran sei, dass naive deutsche Verbraucher „unter menschenunwürdigen Umständen in Vietnam zusammengeklebte Presspappe“ für „praktische Möbel aus Schweden“ halten würden.

    Die These meines engagiert christlichen Bekannten möchte ich so ausformulieren:
    Es liegt am Bullerbüsyndrom, dass so viele von jenen, die spirituell an vorchristliche Traditionen anknüpfen möchten, ausgerechnet auf die altnordische Mythologie verfallen. (mehr …)

    Angst – der Treibstoff für die „neue Prüderie“

    Die „neue Prüderie“, auch „Neoprüderie“ genannt, ist ein rätselhaftes Phänomen der letzte 30 Jahre. Das Schamgefühl hat offensichtlich nicht zugenommen, der Körperkult einschließlich Selbstoptimierung und Körpermodifikationen boomt mehr denn je, und mit sexuellen Themen wird offener umgegangen als sogar in Zeiten der „Sexwelle“ und der scheinbar unverklemmten „Swinging Seventies“. Trotzdem gibt es sie, die wachsende […]


    „Hypermoral“ – der posthume Sieg eines Nazi-Philosophen

    Ein persönlicher Kommentar zu einem in Mode gekommenen Schlagwort Hin und wieder benutzte ich den Ausdruck „Hypermoral“ für eine Haltung, ein „Ethos“, das ich für sehr problematisch halte. Inzwischen halte ich dieses griffige Schlagwort selbst für äußerst problematisch, nicht etwa, weil ich die Haltung, die ich „hypermoralisch“ nannte, nun für weniger problematisch halten würde. Das […]


    Alte Prüderie, neue „Prüderie“

    Im Rückblick auf das „Sommerloch 2018“ fällt auf, dass es in Deutschland fast völlig vom Versuch wahlkämpfender CSU-Politiker, die AfD rechts zu überholen, gefüllt wurde. Angeblicher Stoßseufzer eines für Inlandsnachrichten zuständigen Redakteurs: „immer nur Flüchtlinge! Kann nicht mal jemand einen Alligator in einem Badesee aussetzen?“ Das heißt nun nicht, dass „klassische Sommerlochthemen“ völlig fehlten. Das […]


    Haithabu und Danewerk endlich Weltkulturerbe

    Was lange währt … Nach über 14 Jahren (!) „Bewerbungs- und Auftragsmaraton“ durch die Initiative von Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim wurden Haithabu und Danewerk nun endlich in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Einen sehr lesenwerten Artikel (UNESCO Weltkulturerbe Haithabu und Danewerk) zu dieser längst überfälligen Entscheidung schrieb Martje von Beowulf, wobei sie auch auf […]


    Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Aleida und Jan Assmann

    Mit dem Ehepaar Aleida und Jan Assmann erhalten zwei Kulturwissenschaftler den Friedenspreis, deren Arbeiten für uns Heiden ungewöhnlich relevant sind. Beide Assmanns sind mit stehenden kulturwissenschaftlichen Begriffen verbunden, die sogar in politische Debatten eingegangen sind. Aleida Assmann prägte den Begriff „Kulturelles Gedächtnis“, und wird für ihre engagierten und wissenschaftlich fundierten Studien zu Geschichtsvergessenheit und Erinnerungskultur […]


    Der völkische General und die Novemberrevolution (1)

    Generalquartiermeister Erich Ludendorf: Der heimliche Diktator Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen – und zwar zweimal, von Karl Liebknecht und Wilhelm Scheidemann. Schon dieser Umstand deutet darauf hin, dass die deutsche Novemberrevolution eine eher uneindeutige Angelegenheit war, sowohl was ihre Ursachen, ihren Verlauf und erst recht, was ihre Ergebnisse anging. Sogar […]


    Der völkische General und die Novemberrevolution (3)

    Die Revolution kommt von der See Die Seekriegsleitung unter ihrem Stabschef Admiral Reinhardt Scheer und der als „Draufgänger“ bekannte Kommandeur der Seestreitkräfte Admiral Franz von Hipper hielten auch nach Ludendorffs Entlassung am Flottenbefehl vom 24. Oktober fest. Nach ihm sollte die Schlachtflotte, begleitet von U-Booten, in Richtung Ärmelkanal auslaufen. Eine Niederlage gegen die britische Flotte […]


    Der völkische General und die Novemberrevolution (4)

    Das Ende des Kaiserreiches – und ein harter Waffenstillstand Der Tag, an dem das Kaiserreich endete, war der 9. November 1918. Am Morgen dieses ereignisreichen Tages wurde Ebert durch Max von Baden zum Reichskanzler ernannt. Von Baden fungierte eigenmächtig als Stellvertreter des Kaisers, denn Wilhelm II. hielt sich, aus Angst vor den Unruhen in Berlin, […]


    Ásatrú und das „Bullerbü-Syndrom“

    Neulich behauptete ein mir persönlich bekannter evangelischer Christ, als wir uns in einem angenehm ruhigen italienischen Restaurant trafen, und noch auf einen Rotwein und ein anregendes Gespräch nach dem Essen blieben, dass es den meisten „Neuheiden“ ja gar nicht um Spritualität, Sinnsuche, Auseinandersetzung mit den „letzten Dingen“ und dergleichen ernsthafte Themen ginge. Letzten Endes sei […]


    Homöopathie – eine Form der „medizinischen Magie“

    Vor kurzem jährte sich der Todestag Samuel Hahnemanns, des Begründers der Homöophathie, zum 150. Mal. Das nahmen nicht wenige Gegner der „Zuckerkügelchen“ zum Anlass zur zum Teil heftiger Polemik gegen die „Quacksalberei“, die – ihrer Ansicht nach skandalöserweise – auch von einige Krankenkassen bezahlt wird. Der zentrale Vorwurf: Hier würde das Geld von Versicherten verschwendet, […]


    Die Sonnenwendfeierfrage

    Einiges an der Sommersonnenwende ist sonnenklar: Auf der Nordhalbkugel der Erde – also unter anderem in Deutschland und im restlichen Europa – ist Sommersonnenwende, und damit der kalendarische Sommeranfang, dieses Jahr am 21. Juni 2018 um 12:07 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Sonnenklar ist auch, dass „Midsommar“ vor allem im europäischen Norden groß gefeiert wird. Zum […]


    Vor 14 Jahren …

    ..wurde zu Schweinfurt in einer gemütlichen Runde von nur fünf Ættlingen (von denen zwei heute nicht mehr dabei sind), das Dagans Viðri Fylki gegründet. Auf den Namen „Wetter des Tagesanbruchs“ kam Karan, die nicht wollte, dass wir die Namensfindung vertagen, was wir beinahe getan hätten. Ähnlich wie das fast zur gleichen Zeit in Gütersloh formierte […]


    Die Ætt im Laufe der Zeiten

    Wir nannten uns bei unserer Gründung 1995 „Hrafnsgaldr Fylki” und man nannte uns einfach die „Ásatrú im Rabenclan”. 1997 reichte uns das nicht mehr, wir wollten auch Menschen bei uns aufnehmen können, die nicht dem Verein Rabenclan angehörten. Daher komplettierten wir unsere Verfassung zu einer eigenständigen und gaben uns einen neuen Namen. Wir verwarfen alle […]


    10 Jahre Dagans Viðri

    Heute vor 10 Jahren wurde in Svens damaliger Wohnung bei Schweinfurt das Dagans Viðri Fylki gegründet. Soweit ich mich erinnere, waren wir zu fünf. Den Namen – Wetter des Tagesanbruchs – fand Karan, die erst wenige Monate zuvor, am Allthing desselben Jahres, in die Ætt eingestiegen war.


Ætt-News

Unter dem Blutmond – Nornirs Ætt-Althing 2018

Am 28. Juli 2018 hielt die Nornirs Ætt ihren 23. Althing - oder, für Freunde des Altnordischen, Alþing - ab. ...

1000 (in Worten: Eintausend)

Dieses ist der 1000. Beitrag auf nornirsaett.de! Nein, tausend Artikel und Aufsätze auf unserer Webpräsenz sind das leider noch nicht. Es ...

Frohes Jul & besinnliche Raunächte!

Wir wünschen allen unseren Freunden ein fröhliches Jul, besinnliche Raunächte und ein friedliches 2018! Unser gemeinsames Julfest begingen wie dieses ...

Gjallarhorn

Angst – der Treibstoff für die „neue Prüderie“

Die „neue Prüderie“, auch „Neoprüderie“ genannt, ist ein rätselhaftes Phänomen der letzte 30 Jahre. Das Schamgefühl hat offensichtlich nicht zugenommen, ...

Mysteriöses Kelten-Heiligtum im Hunsrück entdeckt

Archäologen der Saar-Uni sind in der Nähe von Trier auf antike Funde, die interessante historische Fragen aufwerfen: Nur wenige hundert Meter neben den Überresten eines Römerlagers aus der Zeit des „gallischen Krieges“ entdeckten sie Überrester einer niedergebrannten Siedlung des Keltenstammes der Treverer, zu der auch ein Heiligtum gehörte. Wurde die Siedlung im Zuge der aus […]

Guter Rundfunkbeitrag über das „International Asatru Summer Camp 2018“

Der Deutschlandfunk brachte in seiner Sendung „Tag für Tag“ am 23. August 2018 einen bemerkenswert positiven Beitrag über das IASC 2018 in Gerolstein. Der Kreis ist offen Das germanische Neu-Heidentum hat einen zweifelhaften Ruf: Die auch „Asatru“ genannten Polytheisten leiden darunter, wie ihre Traditionen von Nazis vereinnahmt wurden und werden. Bei ihrem internationalen Sommer-Camp in […]

Lydia Benecke: „Satanic Panic Reloaded“

Vor gut 20 Jahren schwappte die „Satanic Panic“ das vorerst letzte Mal auch nach Deutschland über, woran ich mich ungern erinnere. Damals gerieten nämlich auch „Neuheiden“ und vor allem „neue Hexen“ in den Verdacht, „Satanisten“ zu sein. Das war allerdings nicht das erste Mal, dass die in den USA immer wieder auftretende Satanismushysterie auf das […]

Heiden-TV-Projekt „Swastika“: Einladung an Nazis und völkische Verharmloser

Thomas „Voenix“ Vömel ist ein begabter Zeichner und ist als Künstler in „Heidenkreisen“ sehr beliebt. Auch ich schätze viele seiner künstlerischen Arbeiten. Nicht alle, da viele seiner Karikaturen unübersehbar sexistisch sind. Und vieles, was es so schreibt und sagt, kommt mir ausgesprochen esobärmlich vor: Unreflektiert und mitunter naiv bis zur Weltfremdheit. Bei vielen von seinen […]

Guten-Abend-Tee

Er schmeckt nicht nur angenehm, er wirkt entspannend und bei Bedarf schlaffördernd. Guten-Abend-Tee (Rezeptur von Grenzgaengerin) Zutaten: 2 Teile Lavendelblüten 1 Teil Kamillenblüten 1 Teil duftendes Eisenkraut 1/4 Teil Holunderblüten 1/4 – 1/2 Teil Süßholzraspeln (Zum Jultreffen 2016 mischten wir anstatt Süßholz noch Ringelblumen hinzu – „3-Finger-Prise“.) Mörser Gefäß (z.B.: ein Marmeladenglas) Erklärung zu „Teil/e“: […]