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Freitag, April 15, 2005

 
Politik

Eine etwas andere CD-Rezi, über eine CD, bei der einem ganz anders wird

Fundsache aus der Online-Ausgabe der "Jungle World" vom 13. April 2005 (nicht zu verwechseln mit der ebenfalls "sozialistischen" aber arg betonhaltigen "Jungen Welt" und schon gar nicht mit der "Jungen Freiheit", dem Kampfblatt für den kultivierten Rechtextremisten):
Feuilleton: Nachrichten (Etwas scrollen, steht unter "Schlimmer geht’s nimmer".)


Schlimmer geht’s nimmer

Gedenk-CD. Nein, wir werden jetzt nicht behaupten, dass die Äußerungen, die der Spitzenschriftsteller Rolf Hochhuth über den Holocaustleuger David Irving vor kurzem in der Jungen Freiheit von sich gab, ein Beleg dafür seien, dass in diesem Land immer hemmungsloser antisemitischer Durchfall von sich gegeben wird. Der Spiegel hatte das getan, woraufhin von Hochhuth ausdrücklich kein Leserbrief in die Spiegel-Redaktion segelte, sondern ein Gedicht, das Hochhuths hehre Absichten und seinen ausgeprägten Antifaschismus belegen sollte. Und wir wollen Hochhuth wirklich nicht auf die Idee bringen, auch an die Jungle World einen seiner Verse zu schicken.

Der Anlass, sich überhaupt noch einmal mit Rolf Hochhuth beschäftigen zu müssen, ist eine CD, die man gut und gerne eines der schlimmsten Kulturprodukte der letzten Jahre nennen kann. Selten wurde einem Schwachsinn in solch konzentrierter Form geboten wie auf "Befreit! Lieder und Texte nach dem 8. Mai". Man schaut sich die CD an und denkt sich erst mal: Was ist das denn? Man sieht den Ausruf "Befreit!" und darunter "Pace", gedruckt auf eine Regenbogenflagge, und darunter wiederum die mit Photoshop hineinmontierten Gesichter von Konstantin Wecker, Peter Sodann und Rolf Hochhuth. Man sieht das alles, versucht zu verstehen, und fragt sich weiter: Was ist das denn?

"Befreit!", der Friedensbewegungs- und Anti-Irak-Kriegs-Slogan "Pace", "Lieder und Texte nach dem 8. Mai", der Bänkelsänger für Saddam Hussein, Konstantin Wecker, und der Junge-Freiheit-Spezl Rolf Hochhuth, alles und jeder wird hier zusammengerührt und so eine bizarre Verbindungslinie zwischen dem 8. Mai 1945 und der Friedens- und Anti-Globalisierungsbewegung unserer Tage hergestellt. Sinn ergibt das alles absolut gar keinen, außer für Konstantin Wecker, der im Booklet schreibt: "Wo Krieg um Naturschätze ärmerer Völker zur Normalität wird, findet das Kriegsgeschrei der Nazis vielstimmigen Widerhall." Wenn wir diesen Satz richtig verstehen, meint Wecker eigentlich: Die Amis sind die Nazis von heute. Oder so. …

Über den Inhalt der CD zu berichten, das sparen wir uns. Sie, lieber Leser, können uns dafür dankbar sein. (aha)


Einer jener Fälle, in denen die "Abgrenzung gegen Demokratiefeinde" glatt versagt, weil jemand "früher mal politisch ganz in Ordnung" war, weil man "gemeinsame Feinde" hat, und weil das polare "entweder-oder"-Denken sich, wie bei dem früher durchaus klugen Liedermacher Konstantin Wecker, so tief eingefressen hat, dass er als Gegner des Irakkrieges der USA auf den Trichter kam seine Sympathie für Saddam Hussein entdecken zu müssen.

Es gibt auch eine Tour zur CD, präsentiert von der PDS:

Termine - Befreit!

Schade, "Maurenbrecher" fand ich mal ganz gut, und dem VVN / BdA hätte ich mehr Geschmack zugetraut.

von Martin 13:01 | Einzelansicht & Kommentare (6)


Kommentare:

Was das allgemeine Hochhuth-Bashing betrifft, das finde ich völlig daneben, denn es spielt den Rechten genau die Klischees zu, die sie haben wollen. Ich halte es da mit Giordano.


Du hast insofern recht,weil das "Bashing" auf der unvollständiger Kenntnis der von Hochhuth im Interview vertretenen Positionen beruht.
Allerdings: Kritik hat Hochhuth schon verdient - auch an einigen der Positionen, die Giordano gut findet.


Kritik, ja. Die hat jeder verdient - im positiven Sinne des Wortes "verdient".

Was hier aber läuft ist eine komplette Aburteilung, da hat Giordano recht: jemand macht einen (!) Fehler, OK, der war auch so richtig tief ins Klo, aber das macht einen Hochhuth noch lange nicht von weiß zu schwarz. Dieses monochrome Weltbild ist etwas, was mir zutiefst zuwieder ist. Das ist schon kein schwarz-weiß-Denken mehr, das den Schwellenwert bei 50% oder 30% ansetzt, da wird erwartet, dass im weiß nicht ein Promille Grauwert auftaucht, und wenn doch wird auf "schwarz" definiert. Idealismus ist ja was schönes, es zeigt einem Richtungen und hilft einem, diese zu halten. Man kann Ideale auch als Matritze über die "reale Welt" legen, um sich zu orientieren. Wenn es aber dann darum geht, Realität wahrzunehmen, sollte man tunlichst diese Matritze nicht mit der Realität verwechseln. Die Realität ist bunt, und Farben haben Unschärfen und Näherungswerte.

Klar hat Hochhuth einen kapitalen Bock geschossen. Aber die, die ihn nun verdammen schießen einen noch viel größeren: sie spielen den Nazis mehr in die Hände als es ein Hochhuth in seinem Anflug von Naivität je hätte tun können.


So gesehen war es also ein Fehler, die "Jungle World" Meldung samt Hochhuth-Bashing hier zu posten.

Tatsächlich habe ich sie gepostet, weil ich das (mutmaßliche) Weltbild hinter der CD "Befreit" für bedenklich halte. "Befreit" wurden am 8.Mai nämlich nur jene, die aus der "Deutschen Volksgemeinschaft" ausgeschlossen waren. Auch nach der Darstellung des damaligen Allierten Oberkommandos sollte Deutschland ausdrücklich nicht "befreit", sondern "besiegt" werden - aus gutem Grund und völlig zurecht. Aus diesem Projekt spricht m. E. ein "links-nationales", antiwestliches Weltbild, das munter zusammenmischt, was nicht zusammengehört. Da bricht m. E. die "Abschirmung" zur deutschen nationalen Selbstgerechtigkeit zusammen, und das zusammen mit einer "Abkopplung" vom "Westen".
Ich finde es gut, wenn so ein poltisch gefährliches Projekt und die, die dabei mitmachen, richtig gefetzt wird. Und ich finde es daneben, zumindest erschreckend naiv, wenn sich jemand mit dem Renomee Hochhuths an so einem Projekt beteiligt.


Ein Fehler, den hier zu posten? Warum? Im Gegenteil - So kann man sich auch gut über eine solche Meldung unterhalten - einerseits darüber, dass es gut ist, dass es Leute gibt, die Dinge kritisch betrachten, andererseits darüber, dass Kritik schnell auch mal die Differenzierung vergessen kann.


Zumal "Befreit" natürlich Blödsinn ist, da gebe ich dir Recht - das deutsche Reich wurde nicht "befreit" - dazu hätte es vorher erstmal "gefangen" werden müssen. Hitler hat sich zwar auch un- und antidemokratischer Mittel bedient, um an die Macht zu gelangen, aber auch das hätte nicht gereicht, wenn nicht genügend Leute ihn auch gewählt - und damit gewollt - hätten. Von etwas, was man wollte wird man nicht "befreit".


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