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15.7.03

 

Widerstand gegenüber Geza von Nemenyis Selbstverpapstung

Geza von Nemenyi, seit Jahrzehnten schillernde Figur der lokalen Berliner Heidenszene und Leiter der dort ansässigen "Germanischen Glaubensgemeinschaft", proklamierte sich unlängst in einer Erklärung, die in der "GGG"-Schrift "Germanen-Glaube" erschien faktisch zum Asatrú-Papst Deutschlands. Nun ist das nicht wirklich etwas Neues, denn diesen Anspruch mit seinem Titel "Allsherjargode" zu verknüpfen tat er schon des öfteren. Insoweit wurde auch diese neue Erklärung in den Heidnischen Szenen nicht allzu Ernst genommen.
Da Geza jedoch diesmal seine Ansprüche etwas sorgfältiger ausformuliert hat, regt sich dennoch auch sichtbarer Widerstand, diesmal vor allem seitens Einzelpersonen. Denn es sind diesmal diese, die Geza vertreten will:

Der Allsherjargode wird keine dieser Gemeinschaften vertreten oder in ihrem Namen sprechen. Der Allsherjargode spricht nur im Namen der traditionellen germanischen Heiden (Einzelpersonen), unabhängig davon, ob und in welcher Vereinigung sie Mitglieder sind.

Gruppen, Vereine und Organisationen nimmt er explizit aus seinem Vertretungsanspruch aus, dafür hofft er, die vielen "Einzelkämpfer" zu vereinnahmen, die sich nicht organisieren wollen, denen Vereine und ähnliches ein Greuel sind oder die einfach (noch) keine Gemeinschaft gefunden haben, die ihnen zusagt.
Geza sieht sich dabei als eine Art "Hüter des wahren Glaubens" und maßt sich Deutungs-, Definitions- und gar Autoritätskompetenz an, die in Anspruch und Tiefe an die eines katholischen Papstes erinnern - und führt damit den eigenen Anspruch, etwas anderes als Christentum vertreten zu wollen faktisch ad absurdum. Wenn er proklamiert

Der Allsherjargode überprüft das Wissen und die Eignung von Godenanwärtern (unabhängig von der jeweiligen Gruppenzugehörigkeit) und führt ggfls. die Einsetzung und Weihe neuer Goden im traditionellen Ritus durch. Alle diese Goden werden mit vollem Stimmrecht in den Godenrat aufgenommen, dem der Allsherjargode vorsteht, und sind dadurch an allen Entscheidungen im Namen des Allsherjargoden demokratisch beteiligt. Eine Liste mit allen, die sich Goden nennen, wird erstellt und gibt über die jeweilige Qualifikation Auskunft. So wird der Missbrauch heidnischer Priestertitel durch Unqualifizierte verhindert.
Der Allsherjargode ist mit dem Godenrat eine Anlaufstelle für alle inhaltlichen Fragen zum traditionellen Heidentum und bewahrt das Heidentum vor Verfälschung und Umdeutung. Für alle einzelnen Heiden und heidnischen Gemeinschaften ist somit eine Richtschnur vorhanden, die das traditionelle Heidentum einheitlich darstellt. Für die Öffentlichkeit ist wie auf Island oder dem Baltikum ein Ansprechpartner vorhanden, der das traditionelle Heidentum repräsentiert.

spricht das für sich: In der Nornirs Aett z.B. werden Godenanwärter nach einem Probejahr über eine Vertrauensfrage von der gesamten Gemeinschaft legitimiert, die im Ergebnis einstimmig ausfallen muss. Damit wird der Einstellung Rechnung getragen, dass "Fachwissen" keinen Goden macht ohne das Vertrauen der Gemeinschaft in Person und Kompetenz - denn Goden sind in der Nornirs Aett keine Autoritäten sondern "Dienstleister". Gezas Anspruch, die Kompetenz von Godenanwärtern nach seinen Maßstäben als Standard zu bewerten und die "Instanz" zu deren Einsetzung sein zu wollen widerspricht damit sämtlichen unserer Ansprüche zur Selbstbestimmung und unseren basisdemokratischen Grundsätzen - sowie unserem Prinzip der "Autorität von Unten" und unserer Ablehnung von vertikalen Hierarchiestrukturen. Geza scheint in unseren Augen nach wie vor nicht verstanden zu haben, wie Demokratie und Selbstbestimmung funktionieren - was uns allerdings auch nicht weiter überrascht.
Insoweit mag Geza bestenfalls mal wieder das Sommerloch durch seine spaßigen Proklamationen füllen, ansonsten ist es schade um die Bäume, die gefällt wurden um das Papier herzustellen, auf das dieser Erguss gedruckt wurde, denn es wird freilich (wieder) kein Hahn danach krähen.

Gezas explizite Vereinnahmung von Einzelpersonen jedoch sorgte vor allem bei diesen für Empörung und Zorn. Entsprechend gibt es von dieser Seite der "direkt betroffenen" eine Unterschriftenaktion, die Geza zeigen soll, dass seine erhofften Schäflein keinen Bedarf sehen, sich einen Papst überstülpen zu lassen und sich strikt dagegen verwehren von Geza "vertreten und repräsentiert" zu werden. Die Nornirs Aett ermuntert entsprechende Einzelpersonen, seien sie organisiert oder nicht, an diesem Spaß teilzunehmen - vielleicht holen ja ein Stapel Unterschriften Gezas Realitätsverlust zurück auf den Boden der Tatsachen, man mag ihm das ja einmal wünschen, dass er irgendwann mal wieder in der selben Welt ankommt, in der der größte Teil der Menschheit zu Hause ist. Man soll ja die Hoffnung niemals aufgeben ...

Links zur Unterschriftenaktion von Highmoe:

Aufruf zur Unterschriftensammlung
Die Erklärung zum Unterschreiben als PDF
"Tagebuch" über den Verlauf der Aktion

posted by Hellblazer 8:43 AM


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