Warum “Heidentum ist kein Faschismus”?
24. Juli 2010 | Von MartinM | Kategorie: Gjallarhorn Weblog, Ætt Feature, Ætt-NewsViele Heiden – Hexen, Wiccas, Neokelten, Hellenisten, Neoslawen, Asatruar usw. – distanzieren sich zwar von Rassisten, Nazis und “Völkischen”, bezeichnen sich selbst aber als “unpolitisch”.
Das reicht nicht aus!
Es ist falsch, zwar “kein Nazi” zu sein, aber aus falscher Toleranz die Rechtsextremen gewähren zu lassen – denn das stärkt die Position der Rechtsextremen.
Schon allein weil germanische und keltische Symbole, Plätze und Feste für den Transport der völkisch-rassistischen Ideologie missbraucht werden, bleibt modernen Heiden, denen Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte, Sozialstaat und Demokratie etwas wert sind, nicht anderes übrig als Farbe zu bekennen.
Es gibt zwei gute, verdammt gute, Gründe für Initiativen wie “Heidentum ist kein Faschismus”:
Der erste ist, dass die Nazis (und andere Rechtsextremisten, die ähnlich denken und handeln, auch wenn sie nichts mit der NPD, den “freien Kameradschaften” oder anderen NS-Nostalgikern am Hut haben) erneut erstarken, und zwar nicht von ungefähr: Undemokratische “Rezepte” haben auch bei (theoretisch) demokratischen Politikern Konjunktur.
Der zweite Grund ist, dass die Übergriffe durch Antifaschisten auf Anhänger heidnischer Religionen oder auch nur Trägern heidnischer Symbole zunahmen. Meistens aus Unkenntnis, manchmal leider auch aus schlechter Erfahrung mit vorgeblich “unpoltischen”, aber rechtsoffenen Heiden.
Nicht jede Triskele oder jeder Thorshammer weist auf einen Nazi hin!
Schon vor der Kampagne “Heidentum ist kein Faschismus” gab es im Internet viele Seiten zum Thema Heidentum, die Banner und Statements “gegen Rechts” enthalten.
Allerdings sind solche eher symbolische Aktionen eher das Gegenstück zu Lichterketten oder den vielen anderen gut gemeinten, aber wenig effektiven Aktionen nach dem Motto “(irgendetwas / irgendwer) gegen (Rechts / Nazis / Faschos)”.
Wie Marco von “Heidentum ist kein Faschismus” schreibt:
Manchmal bleibt es bei Diskussionen und der klaren Absage an Nazis und manchmal werden sogar Ideen und Protestformen entwickelt, wie eigens eingerichtete Webseiten, ein Wicki, eine Videoaktion und dergleichen mehr. Leider scheiterten bislang diese Aktionen an mangelndem Bewusstsein oder an ganz praktischen Problemen wie ein Mangel an Freizeit oder finanzieller Mittel.
Deshalb begann “Heidentum ist kein Faschismus” parallel dazu auf rein privater Ebene selbst Sticker, Flyer, T-Shirts und Transparente zu produzieren. Sie schreiben in Internetforen, sind mit ihrem Material auf Demonstrationen, versuchen einerseits die Menschen aufzuklären und andererseits eben damit den Nazis “unsere” heidnischen Symbole zu entreißen. Mit anderen Worten: es blieb nicht bei Absichtserklärungen und moralischen Appellen, es wird gehandelt!
Die Nornirs Ætt ist in dieser Beziehung ähnlich gestrickt, obwohl wir selbstverständlich keine “Kampagne” sind – und wir sind auch nicht die “heidnische Antifa”, obwohl wir in braunstichigen Internetforen gern so genannt werden – die politische Arbeit ist nur ein Teil von dem, was uns ausmacht und was wir tun. (Was wir sind, ist hier zu lesen). Moralische Appelle und symbolische Aktionen sind schön und gut, aber waren uns von Anfang an zu wenig.
Angesichts des gemeingefährlichen Germanenbildes, das – propagiert von Nationalromantikern über die Nazis bis zu heutigen Rassequasslern – mehrheitlich absurde Klischees bedient (und bedenkliche aktuelle Strömungen stützt: über “Heiden-” und “Esoterik”-Umfelder hinaus tief in die Alltagswelt des “Normalbürgers” hinein), sehen wir uns in aktiver Verantwortung: theoretisch zugunsten einer historisch sachlicheren Germanenrezeption, praktisch für Erhalt und Weiterentwicklung der demokratisch-pluralistischen Ausrichtung der Gesellschaft.
Das Projekt Odins Auge der Nornirs Ætt (ehemals “Ariosophieprojekt”) hat sich der Aufklärung über Rechtsextremismus in der “Heidenszene”, über “braune Esoterik” und ganz allgemein über Hierarchiedenken, emanzipationfeindliche Tendenzen und Rassismus verschrieben. Unser Konzept bestand dabei nie darin, in ersten Linie einzelne Personen oder Gruppen zu brandmarken oder zu beschreiben – denn Personen verschwinden, die Problematik bleibt bestehen.
Wir versuchen deshalb vielmehr, das Problem von einer strukturellen und gesamtgesellschaftlichen Seite her zu umreißen. Nazis, Faschisten, “Neue Rechte”, aber auch religiöse Fanatiker stehen ja nicht irgendwo draußen am Rande der Gesellschaft, wo man sich bequem von ihnen Distanzieren kann.
Das wäre der eher theoretische Teil. In der Praxis sind “Ættlinge”, einzeln oder im Rudel, oft auf Demos und in politischen und gesellschaftlichen Initiativen zu finden. Einige von uns sind auch parteipolitisch engagiert.
Besonders auffällig ist das musikalische Engagement dreier “Ættlingen” (davon zwei Gründungsmitgliedern) in Form der Band Singvøgel. Wobei die Band und die Nornirs Ætt unabhängig voneinander bestehen – die Singvøgel sind nicht etwa das offizielle Sprachrohr der Nornirs Ætt, sondern allein das Sprachrohr der Singvøgel!
Es gibt, wie gesagt, zwei verdammt gute Gründe für Initiativen wie “Heidentum ist kein Faschismus”:
Der erste ist, dass die Nazis erneut erstarken.
Der Einfluss der Nazis drückt sich weniger in den Wahlergebnissen von NPD und DVU aus als im Alltag. Wie der in einigen deutschen Orten aussieht, zeigt ein bedrückender Artikel im ZEIT-Blog “Störungsmelder”: Ein Ort in Angst – „Wenn wir das Haus wegfliegen könnten, wären wir schon lange weg“
Was bedeutet das Schlagwort der “national befreiten Zonen” praktisch? Wie lebt es sich, wenn man Grundstücksnachbar einer führenden Nazi-Familie im Ort wird? Oder wenn eine Familie zum Ziel rechtsextremer Angriffe wird, weil ein Sohn Musik in einer Band macht? Wenn man sich nachts nicht mehr auf die Straße traut, weil dort die Rechtsextremen Streife fahren?
Das Schlimme: Die Macht der Gewalt reicht weit. Bis tief in die öffentlichen Ämter hinein, deren Inhaber sich ihr ohne Widerstand beugen. Indirekt und unfreiwillig sogar bis in die Redaktion der ZEIT, die – zum notwendigen Schutz ihrer Informanten – den Namen des betroffenen Ortes geheimhalten muss.
Der zweite Grund ist, dass die Übergriffe durch Antifaschisten auf Anhänger heidnischer Religionen oder auch nur Trägern heidnischer Symbole zunahmen.
Dagegen helfen Aufklärung und praktische, sichtbare und deutliche Aktionen von bekennenden Neuheiden gegen Nazis und für Demokratie und Menschenrechte!
“Fest der Völker” der Nazis verhindern!
Die Kampagne “Heidentum ist kein Faschismus” bringt sich im Bürgerbündnis gegen Rechts im thüringischen Pößneck ein und organisiert eigene Gegena(tra)ktivitäten zum Nazifest”.
Heidentum ist kein Faschismus – So genanntes “Fest der Völker” verhindern!
Erfreulich ist, dass das Konzept von “Heidentum ist kein Faschismus” einstimmig in das Programm des Bündnisses aufgenommen wurde.
Damit hat Marco es wesentlich leichter logistische und finanzielle Probleme zu lösen. Allerdings gibt es zahlreiche offene Fragen. Insbesondere das geplante Konzert mit den Singvøgeln in die flexible Planung einzubinden ist nicht leicht.


sind dann nicht die linken die intolleranten die ein symbol sehen und das veralgemeinern?
sollte der kampf dann nicht eher den linkextreme gewalttätern gelten?
Linksextreme Überreaktionen gäbe es ohne rechtsextremen Symbolmissbrauch nicht. Übrigens: in den meisten mir bekannten Fällen, in denen jemand Ärger wegen heidnischer Symbole hatte, ging der Ärger von übereifrigen Polizisten oder von “besorgten Bürgern” meist christlich-konservativer Orientierung aus, nicht von ausgesprochenen “Linken”.
Was die linksextremen Gewalttäter angeht – die gibt es, das ist ärgerlich, aber die “linke Gewalt” ist um Größenordnungen geringer als die “rechte”: Knapp 8000 rechtsextreme Straftaten in ersten Halbjahr darunter 387 Gewalttaten.
Netter Versuch, bei der Betrachtung Rechtsextremer gleich wieder mit irgendwelchen anderen ablenken zu wollen. Naja, nicht wirklich netter Versuch. Eigentlich ziemlich blöder und durchsichtiger Versuch: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/rechtsextreme-argumentationsmuster-soziale-netzwerke-9811
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4167/funfzig-jahre-afrikanische-entkolonisierung#more-4167
Eine verständliche Zusammenfassung der Trends und Zusammenhänge