Kriegerische Götter – friedliebende Asenfreunde?

16. Januar 2017 | Von | Kategorie: Kultur & Weltbild, Ætt Feature

Wie Eibensang es einmal so schön sagte: In einem Punkt stimmen Tatsachen und „Germanenklischee“ ausnahmsweise überein – „die Germanen“ waren kriegerisch. Jedenfalls waren jene Völkerstämme, die bei den Römern unter der Sammelbezeichnung „Germanen“ liefen, für ihre Gewaltbereitschaft berüchtigt – zumindest bei den Römern.

Peace-Symbol
Das wohl bekannteste Friedenszeichen, das „Peace Symbol“. Es wurde 1958 vom britischen Künstler Gerald Holtom im Auftrag der britischen „Campaign for Nuclear Disarmament“, CND entworfen. Laut Holtom stellt das Symbol eine Kombination zweier Zeichen aus dem Winkeralphabet dar, nämlich von N für „nuclear“ und D für „disarmament“. Außerdem gleicht es einer Rune – einer „gestürzten Algiz“ oder „Elhaz“ im älteren Furthark oder einer „Yr“ im jüngeren Futhark – in einem Kreis. Ob Holtholm das wußte, ist ungewiss. Die populäre Deutung der „Yr“ als „Todesrune“ geht auf eine „Schauung“ des Ariosophen Guido „von“ List zurück, ist also purer „Yrrsinn“. Seine Popularität verdankt das „Peace Symbol“ auch dem Umstand, dass es einfacher zu zeichnen ist, als z. B. eine Friedenstaube.

Selbstverständlich beruht diese Einschätzung auf einem gnadenlos subjektiven Weltbild. Volksstämme, die weder potenzielle militärische Gegner noch potenzielle Verbündete waren, waren schlicht nicht relevant. Halbwegs objektive Völkerkunde interessierte weder Caesar noch Tacitus. Die Schriften jener Römer, die wie Plinius der Ältere keine bloße Propaganda ablieferten, sondern Erfahrungsberichte, sind nicht oder nur äußerst bruchstückhaft überliefert. Der spätantike Bücherverlust leistete hier ganze Arbeit.

Ähnlich ist die Situation im frühen Mittelalter und im hohen Norden. Eine ganze Epoche, die „Wikingerzeit“, ist nach den „Geschäftsreisenden“ aus Skandinavien und Dänemark benannt. Die „Viking“ ist eine „lange Seereise“, ein „Vikingr“ also jemand, der, aus welchem Grund auch immer, mit dem Schiff weit reist. Erst später verschob sich die Bedeutung zu „Seeräuber“. Obwohl die meisten jener, die auf „Viking“ gingen, Kaufleute oder Siedler waren, erwähnten die mittelalterlichen Chronisten praktisch nur die Räuber, Plünderer und Krieger unter ihnen. Entsprechend verzerrt ist das Image der frühmittelalterlichen Nordlandbewohner – bis heute.

Aber so sehr die durchweg bäuerliche Bevölkerung der „Germania magna“ wie die des „alten Nordens“ sich ein „gutes Jahr und Frieden“ („til árs ok friðar“) wünschte, kann nicht bestritten werden, dass ihre Gesellschaft nicht eben pazifistisch war. Die archäologischen Funde von zahlreichen Waffen und von Skeletten, die die Resultate der Anwendung dieser Waffen zeigen, sprechen eine überdeutliche Sprache.

Auch ihre Göttinnen und Götter waren ausgesprochen wehrhaft. Es ist nicht möglich zu sagen, wer „der altnordisch Kriegsgott“ ist, denn es kommen so viele Göttinnen und Götter für dieses Amt infrage – Odin, als „Walvater“ (Valföðr), Freya, die unter den Gefallenen die erste Wahl hat, ihr Bruder Freyr, ein „Schwertgott“ oder doch der oft mit Mars gleichgesetzte Tyr, ebenfalls „Schwertgott“ – und Thor, der als Beschützer der Menschen vor den Naturgewalten / Riesen, ebenfalls nicht gerade gewaltlos vorgeht?

Wie kann ein pazifistischer Ásatrú aussehen?

Wir berufen uns (mehr oder weniger) auf kriegerische Götter und eine gewaltlastige Mythologie. (Sie ist nicht gewaltlastiger als die Bibel, aber das tut nichts zur Sache.) Viele von uns sind Wikingerfans, einige von uns betreiben Re-Enactment bzw. Living History, was das Tragen von Waffenrepliken nicht ausschließt.
Beim letzten Althing trug ein Gode der Nornirs Ætt sein zeremonielles Schwert – ein Schwert, das beim Reenactment nicht eingesetzt werden könnte, weil seine Klinge aus gehärtetem Stahl besteht und scharf geschliffen ist. Anders gesagt: Es ist eine potenziell tödliche Waffe.
Wie können wir da Pazifisten sein?

Ich war nicht immer Pazifist. Hm, stimmt nicht, ich war es eigentlich schon, aber ich hätte mich nicht immer als solcher bezeichnet.

Das schrieb Sven Scholz 2014 in seinem unbedingt lesenswerten Artikel: Warum ich jetzt halt doch Pazifist bin …

Sven verweigerte den Kriegsdienst trotz seiner Vorliebe für „Ballerspiele“, für Filme, in denen es rummst und kracht und sogar für (bestimmte) Waffen. Ein von einer übermächtigen Gesinnungsethik durchdrungener und um jeden Preis friedlich bleibender Klischee-Kuschel-Pazifist ist er jedenfalls nicht; und wie ich ihn einschätze, würde er nicht gequält lächelnd auch noch die andere Wange hinhalten, wenn man ihm eine betoniert.

[…] Damals kam ich zu dem Schluss, dass ich mir nicht vorschreiben lassen wollte, wer mein Feind zu sein hat. Dass jemand kommt und sagt „Du kennst den zwar nicht, aber töte ihn, denn er ist unser Feind“ drehte mir den Magen um. Ich schrieb genau das in meine Verweigerung. Und natürlich, dass ich in einer pazifistisch denkenden Familie aufwuchs und entsprechende Werte hatte, die ich nicht aufzugeben gedächte.

Eine Grundlage für einen „Ásatrú-Pazifismus“, die tatsächlich mit dem Denken der „Wikingerzeit“ übereinstimmt, und die sich sogar in den nicht eben friedlichen Heldenmythen und Sagas findet, ist in der Tat der Grundsatz: „Ich lasse mir nicht vorschreiben, wer mein Feind zu sein hat!“
Wenn jemand mit jemanden anders „bis aufs Blut“ verfeindet war, hatte er dafür, jedenfalls in diesen alten Geschichten, gute persönliche Gründe – und vor allem kannten sich die Krieger persönlich, in den Sagen (in der Realität wohl eher nicht) sogar bis zum letzten Gefolgsmann. Ein durchaus kriegerisches Ideal – aber eines, auf das sich ein friedfertiges Handeln aufbauen lässt.

Ein Slogan gegen die Gründung der Bundeswehr und die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik in den 1950er-Jahren war: „Ohne mich!“
Die Anhänger dieser Kampagne dachten viel „germanischer“ als jene Möchtegern-Germanen, die bis Mai ’45 willig und gehormsam Menschen, die sie nicht kannten und die ihnen nichts getan hatten, umbrachten. Die jeden noch so verbrecherischen Befehl ausführten, übrigens entgegen dem eigenen Anspruch der Wehrmacht. Ich rede wohlgemerkt von der regulären Wehrmacht, nicht von den Kriegsverbrechen der „Sondereinsatzgruppen“ und erst recht nicht von den deutschen Mordfabriken! Die sind ein grausames Kapitel für sich und haben keine historischen Vorläufer, während der Vernichtungskrieg Vorbilder in kolonialen Ausrottungskriegen hatte. (Die übrigens beinahe alle Kolonialmächten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts führten; es ist eine bis heute nachwirkende Legende, deutsche Kolonialherren wären „anständiger“ gewesen als jene der Briten, Franzosen, Russen, Italiener, Japaner, USA usw. – siehe der Völkermord an den Herero in Südwestafrika.)

Genug des Abschweifs: Ziviler Ungehormsam gegen militärisches Denken und Handeln ist jedenfalls sehr gut in der altnordischen Mythen- und Sagenwelt verankert.

Zentraler Wert des modernen Ásatrú: die Menschenrechte

Der zweite entscheidende Punkt sind die Werte. Und die sind bei uns heute zuweilen völlig andere, als jene, für die Wikingerkrieger ihre Drachenschiffe bestiegen und ihre Schwerter und Streitäxte in die Hand nahmen.

Menschenrechte waren „damals“ kein Thema – wer nicht zum Stamm oder zur Gefolgschaft gehörte, der war eben „keiner von uns“ und wurde gegebenenfalls umgebracht oder versklavt. Das gilt, obwohl es schon in der Antike Ansätze für Menschenrechte gab.
Das antike Persien gilt als Ursprungsland der Menschenrechte. Als 539 v. u. Z. die Armeen von Kyros „dem Großen“, die Stadt Babylon eroberten, befreite er die Sklaven und erklärte, dass alle Menschen das Recht haben, ihre eigenen Götter zu wählen. Er erklärte ferner die Gleichheit der Menschen aus allen Teilen der bekannten Welt. Diese Erlasse wurden auf einem gebrannten Tonzylinder – dem Kyros-Zylinder – aufgezeichnet, welche offiziell als erste Menschenrechtserklärung durch die Vereinten Nationen anerkannt wurde. In Griechenland und Rom entwickelten Philosophen der Stoa und des Epikureismus Lehren der universellen Rechte aller Menschen.

Diese Ansätze wirkten im frühen Mittelalter nicht mehr nach, und auch mit den aus der Idee der „Gottebenbildlichkeit des Menschen“ entspringenden christlichen Vorstellungen der „gottgegebene Rechte aller Menschen“ war es in der mittelalterlichen christlichen Praxis nicht weit her. Der „christliche Universalismus“ tobte sich damals und auch später vor allem im Missionseifer aus.
Nicht unterschlagen werden darf, dass es auch in der buddhistischen Philosophie ein Konzept der universellen Menschenrechte gibt. Nicht nur das alte Persien zeigt, dass die Menschenrechte keine Erfindung der „westlichen Kultur“ sind, die nur für das „christliche Abendland“ Gültigkeit hätten.

In der juristischen und politischen Praxis sind die Menschenrechte eine Errungenschaft der Aufklärung. Sie müssen immer und immer wieder verteidigt werden, und sind vielleicht die einzigen Werte, die legitimerweise im äußersten Notfall sogar mit Waffengewalt verteidigt werden dürfen.
Das ändert nichts daran, dass Krieg, Bürgerkrieg und die Vorbereitung zum Krieg die Menschenrechte aufs Äußerste gefährden.
Und eine „Freiheit“ um den Preis, dass Menschen- und Bürgerrechte verletzt, eingeschränkt oder abgebaut werden, ist buchstäblich keinen Schuß Pulver wert!

Kämpferische Spiritualität und gewaltfreie Praxis sind kein Widerspruch

Nun ist es wirklich kein Geheimnis, dass eine pazifistische Religion und die damit verbundenen pazifistische Gesinnung nicht immer eine entsprechende friedliche Praxis ihrer Anhänger nach sich zieht.
Das Christentum beruft sich auf einen Menschen, der, jedenfalls in der üblichen Lesart, Pazifist war. (Es gibt allerdings einige Worte Jesu, die darauf schließen lassen, dass er unter Umständen auch ziemlich militant sein konnte. Solche Widersprüche lassen sich in mündlich weitergegeben Überlieferungen nie ganz aufklären. Bekanntlich war kein Evangelist Zeitgenosse, geschweige den Augenzeuge des Lebens Jesu, und jeder hatte seine ganz spezielle Sichtweise.) Immerhin gehen radikale ethische Forderungen wie die Feindesliebe unmittelbar auf die jesuanische Tradtion zurück, und immerhin war das frühe Christentum pazifistisch und solidarisch, bis zur „Kostantianischen Wende“ nach 313, als es von der teilweise verfolgten „Untergrundreligion“ zur staatstragenden Reliogion und dann 380 zur Staatsreligion aufstieg.
Dennoch gibt es eine lange „Kriminalgeschichte des Christentums“ mit unzähligen im Namen Christi verübten Kriegen, Verfolgungen und Morden – bis heute. Tatsächlich dürfte keine Religion derart viele „heilige Kriege“ auf dem Gewissen haben wie das Frieden predigende Christentum.

Aus polytheistischer bzw. heidnischer Sicht liegt es nahe, diesen bedauerlichen Umstand auf ein Grundproblem des Monotheismus, dessen „eingebaute Unduldsamkeit“ und universellen und alleinigen Wahrheitsanspruch zurückzuführen.

Aber Vorsicht! Es gibt ja auch kriegerische Buddhisten, und der an sich pazifistische Buddhismus ist keine monotheistische Religion. Es ist sogar fraglich, ob er überhaupt eine „Religion“ nach christlichem Verständnis ist; er kommt grundsätzlich ohne Glaubensbekenntnis und ohne Gott bzw. Götter aus. In der Praxis sind die meistens Buddhisten, jedenfalls jene, die den zahlreichen Mahayana-Traditionen folgen, eher polytheistisch bzw. halten an älteren, vor-buddhistischen polytheistischen Traditionen fest. Das Gebot „Du sollst keine anderen Götter außer mir haben“ gibt es im Buddhismus jedenfalls nicht, auch nicht im Hinayana-Buddhismus, der sich als „Selbsterlösungsphilosophie“ beschreiben ließe und sich wenig um „höhere Wesen“ schert.

Der Buddhismus ist, und zwar anders als das Christentum ohne jeden Zweifel, von der Grundlehre her pazifistisch. Trotzdem gibt es militante, religiös intolerante und gegenüber den Anhängern anderer Religionen bzw. spiritueller Wege gewalttätige Buddhisten.

Aktuelles Beispiel ist die Verfolgung der muslimischen Minderheit im buddhistischen Myanmar, den Rohingya. Ihnen wird die Staatsangehörigkeit verwehrt und ihre Bürgerrechte werden, trotz der Demokratisierung Myanmars bzw. Birmas, stark eingeschränkt. Das Ziel des früheren Miltärregimes war es, den Bundesstaat Rakhaing in eine rein buddhistische Region umzuwandeln. Auch die heutige (2017) Regierung unter Präsident Htin Kyaw bricht bislang nicht entschieden mit der Verfolgungspolitik, zu der Sondersteuern, Zwangsarbeit und Zerstörung von Moscheen gehören. Hinzu kommen illegale Inhaftierungen, Folter, Vergewaltigungen und Morde. Diese ethnische Verfolgung wird ausdrücklich als „buddhistisch“ begründet!

Ein bekanntes Bespiel für einen in der Praxis kriegerischen Buddhismus gibt es in Japan. Um gegen den nach der „Meji-Restauration“ 1868 als „Nationalglauben“ geförderten Shintō zu bestehen, definierten vor allem Zen-Buddhisten ihre Lehre neu, wobei auch sie nach der „Essenz Japans“ strebten, um das Land dem modernen (christlich geprägten) „Westen“ gleichrangig oder sogar überlegen zu sehen. Tatsächlich entwickelte sich so etwas wie ein „spiritueller Nationalismus“, in dem z.B. Bushidō eine wichtige Rolle einnahm. Bushidō in dem Sinne, wie er nach der Meiji-Restauration geprägt wurde, beruft sich neben einer verklärten Samurai-Tradition auf das zen-buddistische Budo (meditative bzw. spirituell geprägte Kampfkünste). Nebenbei: Shintō und Buddhismus schließen sich nicht aus, sehr viele Japaner praktizieren beides neben- und durcheinander.

Nun blieb auch in Japan die Entwicklung nicht stehen, zumal es im Bushidō neben der nationalistischen „Kriegs-Spritualität“ von Anfang an auch friedfertige Traditionen gab. Spätestens seit Ende des 2. Weltkriegs gibt es Formen des Bushidō, die ausdrücklich kämpferische Spiritualität und gewaltfreies Leben in Einklang zu bringen versuchen. Denn „kämpferisch“ bedeutet ja nicht aggressiv, und erst recht nicht gewaltätig – und, verstanden im Sinne des Budo, auf keinen Fall respektlos! Es geht in diesen Traditionen um Selbstverteidigung, bei der der Angreifer effizent und mit so wenig Schaden wie möglich kampfunfähig gemacht werden soll, und um Stärkung des Charakters und des Selbstbewusstseins, was auch die friedliche Lösung von Konflikten erleichtert.

Wer nun an Jiu Jitsu denkt, weiß, was ich meine. Eine meiner Ansicht nach attraktive Alternative sowohl zur (gesinnungsethischen) Haltung des „halte die andere Wange hin“ wie zum (erfolgsethischen) „Angriff ist die beste Verteidigung“. Eine Ethik, die mit Ásatrú genau so gut zusammengeht, wie sie nachweislich schon lange mit Shintō zusammengeht. (Ásatrú und Shintō haben mehr gemeinsam als „nur“ Ahnenverehrung, Naturverehrung und ein umfangreiches Pantheon. Aber das sollte Thema eines anderen Artikels sein.)

So wie pazifistische sprituelle Tradtionen bzw. Religionen in der Praxis kriegerisch sein können, so können auch kämpfersche Traditionen in der Praxis friedenstiftend sein. Ganz im Sinne einer pragmatischen und werteorientierten Verantwortungsethik.

Martin Marheinecke, Januar 2017

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3 Kommentare
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  1. Ok, Du führst also jede Menge gute Beweise dafür an, dass jede noch so friedliche Gesellschaft sich gelegentlich gezwungen sieht, sich gewaltsam zu verteidigen. Und deswegen ist Pazifismus toll. Deine Argumentationskette erschließt sich mir irgendwie nicht. Aus Deinen Argumenten erschließt sich mir eher das genaue Gegenteil Deiner Titel.

    Ein Beispiel ist Deine Behauptung „ZENTRALER WERT DES MODERNEN ÁSATRÚ: DIE MENSCHENRECHTE“, den Du auf den Titel beschränkst und weder Begründung lieferst, noch die Behauptung wenigstens erklärst sondern nur klar stellst, dass es nie so war. So steht der Titel leider einsam und hilflos da. Dein letzte Absatz dieses Kapitels ist wieder eine unerklärte zusammenhanglose Behauptung, die sich weder durch die Realität noch durch die Absätze davor herleiten lässt.

    Die nächste vertitelte Behauptung „KÄMPFERISCHE SPIRITUALITÄT UND GEWALTFREIE PRAXIS SIND KEIN WIDERSPRUCH“ wird auch sofort von Dir selbst widerlegt und Du stellst klar, dass es sowas nicht gibt. Kampfsport als Beispiel für Gewaltfreiheit ist vielleicht nicht die richtige Wahl. Und dann machst Du sinngemäß die Aussage: „Weil Wasser bergab fließt, fließt es auch bergauf!“

    Ein zugegeben seltsamer Artikel, es scheint fast als wolltest Du nur Deine Titel nennen und hast im Versuch einer Begründung festgestellt, dass Du Dich geirrt hast.

  2. Meine Überlegungen zum pazifistischen Verhalten bei „kämpferisch orientierter Spiritualität gehen deutlich über den Allgemeinplatz, dass Selbstverteidigung legitim sei, hinaus. Wer friedenschaffend handeln will, verteidigt sich nämlich nicht mit allen Mitteln. Wofür Kampfsport / Kampfkünste sehr gutes Anschauungmaterial geben,

    Kampfsport ist, jedenfalls wenn er nach Regel praktiziert wird, kein Gewaltakt. Wird im regelgerechten, fairer Kampf jemand dabei verletzt, handelt es sich auch juristische um einen Sportunfall, und nicht um Körperverletzung. Jiu Jitsu ist zudem eine Technik der Selbstverteidigung, bei der der Angreifer so wenig wie möglich geschädigt wird.

    Das Prinzip der effizienten Selbstverteidigung (also: Gewalt, wenn nötig, vermeiden, wenn Gewalt doch nötig ist, sparsamer Einsatz von Kraft und Ressourcen, nie mehr Schaden anrichten als unbedingt nötig) kann durchaus vom Jui Jitsu und verwandten Kampfkünsten verallgemeinert werden. Dieses Prinzip ist Bestandteil einer deeskalierenden Polizeitaktik.

    Dass der zentrale Wert des modernen Àsatrú, jedenfalls was die Nornirs Ætt angeht, die Menschenrechte sind, ergibt sich aus etlichen Texten auf dieser Website. Es erschien mir überflüssig, ausdrücklich auf diese Texten hinzuweisen.

  3. Hallo Martin,

    danke für die Erläuterungen. Nun lese ich aus Deiner Antwort ein „Wer sich auf den Krieg vorbereitet, verhindert ihn“, wie ich es gerne äußere. Für mich eine der Grundlagen des Asatru jeder Zeit. Und vor allem: Eine Grundlage des gesunden Menschenverstandes. Gleichzeitig muss ich jedoch zugeben, dass auch ich hier erhebliches Verbesserungspotential habe. In Deinem Text widersprichst Du dieser Aussage aber, indem Du Vorbereitungen zum Krieg als Menschenrechtsgefährdend betitelst, obwohl Wehrhaftigkeit doch die einzige Möglichkeit zur Durchsetzung der Menschenrechte ist und eine schwache Gesellschaft in unserer Welt faktisch leider keinerlei Rechte genießt.

    Viel wichtiger finde ich jedoch, dass Du in Deiner Antwort erklärst, gar nicht für Dich die Deutung des Asatru zu beanspruchen, wie es Deine Titel im Text jedoch suggerieren. Du schreibst nun, dass es sich um die Sicht des NA handelt. Da die Freiheit der freien Menschen nach meiner Überzeugung eine ebenso wichtige Grundlage des Asatru ist, respektiere ich das natürlich. Es wäre nur schön, um Missverständnisse und falsche Eindrücke bei Dritten zu vermeiden, die Formulierungen der Titel entsprechend anzupassen. Im Moment erweckst Du den Eindruck, für alle Asatruer sprechen zu wollen.

    Gruß.

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