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	<title>Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt&#187; Odins Auge Artikel</title>
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		<title>Symbolische Probleme</title>
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		<comments>http://www.nornirsaett.de/symbolische-probleme/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 21:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nazis]]></category>
		<category><![CDATA[neonazis]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Symbole]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Aus <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/36/36285/1.html" target="_blank">aktuellem</a> <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,811808,00.html" target="_blank">Anlass</a> rückt eine Karikatur zu <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/538318/Keinem-ist-bewusst-was-ACTA-bedeutet" target="_blank">ACTA</a> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank">Anti-Counterfeiting Trade Agreement</a>) wieder in den Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit, die etwas mit dem <a href="http://www.nornirsaett.de/wo-der-hammer-hangt/" target="_blank">Thorshammer</a> und der Triskele gemeinsam hat: sie steht unter &#8220;Nazi-Verdacht&#8221;.</p>
<p>Für ihre <a href=""http://stopp-acta.info/" target="_blank">Stopp-Acta-Kampagne</a>  verwenden Piratenparteien verschiedener Länder das Motiv eines Kraken, der den Erdball mit seinen Tentakeln umschlingt.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" rel="lightbox[4990]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" alt="Stopp-Acta-Krake" title="stopp_acta_mid" width="345" height="400" class="aligncenter size-full wp-image-4994" /></a><br />
<i>Ja, es heißt tatsächlich <b>der</b> Krake &#8211; jedenfalls im Duden &#8230; </i> <span id="more-4990"></span></p>
<p>Die Bildkomposition sei faktisch identisch mit einer Darstellung aus dem Jahr 1938, die in der antisemitischen Wochenzeitung “Der Stürmer” publiziert wurde, schreibt Robert Hampicke 2010 auf &#8220;Publikarive&#8221; <a href="http://www.publikative.org/2010/07/22/krake-200/" target="_blank">Die Fallhöhe der Krake</a><br />
Der Krake der Piratenpartei sei extrem erklärungsbedürftig, denn er sei &#8211; ohne den entsprechenden Kontext &#8211;  nicht als Daten-Krake erkennbar. Dabei betont Hampicke den Kontext, in dem der Krake steht, die der politischen Agitation, und für die gelten strenge Maßstäbe:<br />
<blockquote>Während die Karikatur in der Zeitung ohne schlechtes Gewissen überspitzen darf, verfolgt sie eben kein direktes politisches Ziel, ist die “Fallhöhe” der Karikatur in der politischen Agitation unweit höher.</p></blockquote>
<p>Nun ist der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datenkrake" target="_blank">Datenkrake</a> ein so geläufiger Begriff und der Krake, der die Welt aussaugt, ein schon lange vor der Nazi-Zeit geläufiges Motiv der Karikatur (<a href="http://vulgararmy.com/" target="_blank">Octopus in Propaganda and Political Cartoons</a>), dass die Verbindung zwischen &#8220;ACTA-Kraken&#8221; und Antisemitismus doch sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt. An sich ist das Kraken-Motiv nicht anti-semitisch, da es als Metapher für so unterschiedliche Organisationen (von Scientology bis zu Großkonzernen), so unterschiedliche Ideologien (vom Kolonialismus bis zum Kommunismus) und so unterschiedliche Regierungen (praktisch alle) verwendet wurde, dass der Krake im Allgemeinen nicht antisemitisch konnotiert ist. Anderseits gibt es tatsächlich antisemitische Kraken-Karrikaturen. Selbst wenn der Krake keine jüdischen Symbole trägt oder anders als jüdisch gekennzeichnet ist, ist ein Krake, der als Metapher der jüdischen Weltverschwörung erkennbar ist, eindeutig antisemitisch.<br />
Es kann vom Kontext, in dem eine Karikatur steht, abhängen, ob sie antisemitisch ist oder nicht!<br />
Der Kontext der &#8220;Stopp Acta&#8221;-Kampagne ist allerdings eindeutig nicht antisemitisch.</p>
<p>Der Krake mit der Erde ist aber, anders als ein Thorshammer, kein Symbol.<br />
Zu einem Symbol wird ein Zeichen dann, wenn<br />
sich über den reinen Bildgegenstand hinaus weitere Inhalte mit ihm verknüpfen. Ein Symbol steht für einen Begriff, wobei gleich aussehende Zeichen völlig unterschiedlichen Symbolgehalt haben können  &#8211; z. B. die indische Swastika, das alteuropäische Sonnenrad und das Hakenkreuz der Nazis. (Ja, das sind unterschiedliche Symbole, auch wenn sie gleich aussehen mögen!)<br />
Die Doppelaxt ist ein Symbol des Feminismus, ein altkretisches Symbol mit heute nicht mehr eindeutig zu rekonstruierender Bedeutung &#8211; und ein Symbol der griechischen Faschisten. Dennoch käme in Deutschland kaum jemand auf die Idee, eine Frau mit einem Doppelaxt-Anhänger für eine Faschistin zu halten. Hingegen muss bei einem Hakenkreuz-Anhänger im deutschen Kontext davon ausgegangen werden, dass er in der Tat das Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Ein sehr großes praktisches Problem mit Symbolen besteht darin, dass solche Mehrdeutigkeiten entweder nicht bekannt sind oder einfach ignoriert werden.<br />
Eindeutigkeit ist eben bequem, und wenn man die in unserer Kultur tief verwurzelte Neigung zum Denken in sich ausschließenden Gegensätzen hinzurechnet, ist es eigentlich nicht weiter erstaunlich, dass die Nazi-Symbolik jede andere Bedeutung eines Zeichens erdrückt.</p>
<p>Es gibt aber auch einen ernstzunehmenderen, tieferen Grund, weshalb es so schwierig ist, Zeichen, die einmal in der Nazisymbolik missbraucht wurden, als etwa anderes zu sehen.<br />
Anders als viele ihrer Gegner kennen alte und neue Nazis die Kraft von Symbolen. Auf einer rationalen, argumentativen Ebene wären die geradezu wahnhaften  Rache-, Rassen- und Überlegenheitsideen nicht zu vermitteln &#8211; daher funktioniert Nazipropaganda auf der Gefühlsebene und auf der Ebene eines geradezu religiösen Glaubens. (Deshalb sind überzeugte Nazis so immun gegen Argumente wie sonst nur besonders fanatische religiöse Fundamentalisten. Und wie religiöse Fundis denken Nazis ganz extrem in Gegensätzen, schwarz-weiß, ohne Graustufen und Übergänge, und wähnen sich im alleinigen Besitz der Wahrheit. Sie sehen sich immer und grundsätzlich als die wahren, ordentlichen Deutschen.)<br />
Nazi-Symbole sind die &#8220;heiligen Symbole&#8221; einer Polit-Religion.<br />
Der &#8211; meiner Ansicht nach einzige! &#8211; Sinn der Verbote und Einschränkungen nationalsozialistischer Symbole<br />
liegt darin, ihnen die &#8220;offizielle Erlaubnis&#8221;, die die schwarz-weiß denkenden Nazis als &#8220;offizielle Anerkennung&#8221; sehen würden, zu verwehren. Indem das Hakenkreuz und die SS-Runen verboten sind, zeigt der deutsche Staat den Nazis, dass er sie als Gegner betrachtet.<br />
Ein Schema, das allerdings nicht beliebig, im Sinne einer <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-exkurs-null-toleranz/" target="_blank">falsch verstandenen &#8220;Null-Toleranz&#8221;</a>, auf alle Zeichen, die alte und neue Nazis symbolisch besetzt haben, ausgeweitet werden kann.<br />
Eine bekannte Nazi-Taktik besteht darin, möglichst viele Symbole zu besetzen, so, wie sie alles Mögliche, was ihnen gefällt, in ihre Patchwork-Ideologie einbauen und missbrauchen, vorzugsweise Kulturgüter, deren Schöpfer sich nicht mehr wehren können.<br />
Die meisten Symbole die in den Aufklärungsbroschüre oder auch <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-teil1/" target="_blank">bei uns</a> als Nazi-Symbole gelistet sind, sind ohnehin Ersatzsymbole für verbotene Symbole &#8211; etwa das Keltenkreuz als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz. Die Nazis juckt das Verbot eines Ersatzsymboles (genauer: eines Zeichens, dass auf ein verbotenes Symbol verweist) wenig, sie greifen einfach auf das Nächste zurück &#8211; es ist ja nur ein Code, der für ein &#8220;heiliges Symbol&#8221;, das nicht gezeigt werden darf, steht. Sehr deutlich ist das bei der Reichskriegsflagge aus dem Kaiserreich, die als Platzhalter für die verbotenen Hakenkreuz-Kriegsflagge aus dem Nazireich steht.<br />
Leider dienen auch Triskelen, Thorshämmer, alle möglichen Runen usw. als Platzhalter für NS-Symbole.<br />
Daher ist es auch so wichtig, darüber aufzuklären, dass nicht alles, was wie ein Nazi-Symbol aussieht, (geschweige denn alles, was eventuell ein Nazi-Symbol sein könnte) auch ein Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Was würde z. B. geschehen, wenn z. B. die Verwendung des Hakenkreuzes in Deutschland ohne Einschränkung erlaubt würde &#8211; wie es z. B. in den USA der Fall ist?<br />
Mit einiger Sicherheit kann gesagt werden, dass die Nazis das als gewaltigen Sieg, als Ermutigung sehen würden, und als ersehnte Anerkennung durch den Staat (denn autoritäre Persönlichkeiten sind obrigkeitsfixiert, sogar dann, wenn sie die jeweilige &#8220;Obrigkeit&#8221; ablehnen). Sehr wahrscheinlich würde eine &#8220;Hakenkreuz-Freigabe&#8221; indirekt Menschenleben kosten. </p>
<p>Erst wenn das <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/sonnenrad-song/" target="_blank">Sonnenrad wieder weiß</a> ist, kann man überhaupt daran denken, die Verbote nach § 86b StGB aufzuheben!</p>
<p>Der Krake ist dagegen ist eher mit &#8220;Paulchen Panther&#8221; zu vergleichen. Nazi-Terroristen der &#8220;NSU&#8221; benutzten ihn in einem Propaganda-Video, in dem sich sich ihrer feigen Mordtaten rühmten. Seitdem gibt es Nazis, die diese Comic-Figur oder auch die &#8220;Pink Panther&#8221; Melodie als Zeichen verwenden.<br />
Offensichtlich wäre es dennoch absurd, den rosaroten Panther als &#8220;Nazi-Code&#8221; zu bezeichnen, oder anzunehmen, dass jemand mit einem &#8220;Paulchen Panther&#8221;-T-Shirt ein Neonazi wäre.</p>
<p>Zum Abschluss etwas Musik:<br />
<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/GtFjCkf3jXQ&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/GtFjCkf3jXQ&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p>Der Song wurde von <a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">Chrstiopher Schirner</a> und <a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">Karan von den Singvøgeln</a>  zusammen produziert. Das Lied ist unter der <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank">CC-BY-NC-SA</a> lizenziert.<br />
Bei Weiterverwendung bitte die Autoren<br />
Christopher Schirner (<a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">http://twitter.com/Beerweasledev</a>)<br />
und Karan (<a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">http://www.singvoegel.com</a>) angeben!</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/symbolische-probleme/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/36/36285/1.html" target="_blank">aktuellem</a> <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,811808,00.html" target="_blank">Anlass</a> rückt eine Karikatur zu <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/538318/Keinem-ist-bewusst-was-ACTA-bedeutet" target="_blank">ACTA</a> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank">Anti-Counterfeiting Trade Agreement</a>) wieder in den Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit, die etwas mit dem <a href="http://www.nornirsaett.de/wo-der-hammer-hangt/" target="_blank">Thorshammer</a> und der Triskele gemeinsam hat: sie steht unter &#8220;Nazi-Verdacht&#8221;.</p>
<p>Für ihre <a href=""http://stopp-acta.info/" target="_blank">Stopp-Acta-Kampagne</a>  verwenden Piratenparteien verschiedener Länder das Motiv eines Kraken, der den Erdball mit seinen Tentakeln umschlingt.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" rel="lightbox[4990]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" alt="Stopp-Acta-Krake" title="stopp_acta_mid" width="345" height="400" class="aligncenter size-full wp-image-4994" /></a><br />
<i>Ja, es heißt tatsächlich <b>der</b> Krake &#8211; jedenfalls im Duden &#8230; </i> <span id="more-4990"></span></p>
<p>Die Bildkomposition sei faktisch identisch mit einer Darstellung aus dem Jahr 1938, die in der antisemitischen Wochenzeitung “Der Stürmer” publiziert wurde, schreibt Robert Hampicke 2010 auf &#8220;Publikarive&#8221; <a href="http://www.publikative.org/2010/07/22/krake-200/" target="_blank">Die Fallhöhe der Krake</a><br />
Der Krake der Piratenpartei sei extrem erklärungsbedürftig, denn er sei &#8211; ohne den entsprechenden Kontext &#8211;  nicht als Daten-Krake erkennbar. Dabei betont Hampicke den Kontext, in dem der Krake steht, die der politischen Agitation, und für die gelten strenge Maßstäbe:<br />
<blockquote>Während die Karikatur in der Zeitung ohne schlechtes Gewissen überspitzen darf, verfolgt sie eben kein direktes politisches Ziel, ist die “Fallhöhe” der Karikatur in der politischen Agitation unweit höher.</p></blockquote>
<p>Nun ist der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datenkrake" target="_blank">Datenkrake</a> ein so geläufiger Begriff und der Krake, der die Welt aussaugt, ein schon lange vor der Nazi-Zeit geläufiges Motiv der Karikatur (<a href="http://vulgararmy.com/" target="_blank">Octopus in Propaganda and Political Cartoons</a>), dass die Verbindung zwischen &#8220;ACTA-Kraken&#8221; und Antisemitismus doch sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt. An sich ist das Kraken-Motiv nicht anti-semitisch, da es als Metapher für so unterschiedliche Organisationen (von Scientology bis zu Großkonzernen), so unterschiedliche Ideologien (vom Kolonialismus bis zum Kommunismus) und so unterschiedliche Regierungen (praktisch alle) verwendet wurde, dass der Krake im Allgemeinen nicht antisemitisch konnotiert ist. Anderseits gibt es tatsächlich antisemitische Kraken-Karrikaturen. Selbst wenn der Krake keine jüdischen Symbole trägt oder anders als jüdisch gekennzeichnet ist, ist ein Krake, der als Metapher der jüdischen Weltverschwörung erkennbar ist, eindeutig antisemitisch.<br />
Es kann vom Kontext, in dem eine Karikatur steht, abhängen, ob sie antisemitisch ist oder nicht!<br />
Der Kontext der &#8220;Stopp Acta&#8221;-Kampagne ist allerdings eindeutig nicht antisemitisch.</p>
<p>Der Krake mit der Erde ist aber, anders als ein Thorshammer, kein Symbol.<br />
Zu einem Symbol wird ein Zeichen dann, wenn<br />
sich über den reinen Bildgegenstand hinaus weitere Inhalte mit ihm verknüpfen. Ein Symbol steht für einen Begriff, wobei gleich aussehende Zeichen völlig unterschiedlichen Symbolgehalt haben können  &#8211; z. B. die indische Swastika, das alteuropäische Sonnenrad und das Hakenkreuz der Nazis. (Ja, das sind unterschiedliche Symbole, auch wenn sie gleich aussehen mögen!)<br />
Die Doppelaxt ist ein Symbol des Feminismus, ein altkretisches Symbol mit heute nicht mehr eindeutig zu rekonstruierender Bedeutung &#8211; und ein Symbol der griechischen Faschisten. Dennoch käme in Deutschland kaum jemand auf die Idee, eine Frau mit einem Doppelaxt-Anhänger für eine Faschistin zu halten. Hingegen muss bei einem Hakenkreuz-Anhänger im deutschen Kontext davon ausgegangen werden, dass er in der Tat das Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Ein sehr großes praktisches Problem mit Symbolen besteht darin, dass solche Mehrdeutigkeiten entweder nicht bekannt sind oder einfach ignoriert werden.<br />
Eindeutigkeit ist eben bequem, und wenn man die in unserer Kultur tief verwurzelte Neigung zum Denken in sich ausschließenden Gegensätzen hinzurechnet, ist es eigentlich nicht weiter erstaunlich, dass die Nazi-Symbolik jede andere Bedeutung eines Zeichens erdrückt.</p>
<p>Es gibt aber auch einen ernstzunehmenderen, tieferen Grund, weshalb es so schwierig ist, Zeichen, die einmal in der Nazisymbolik missbraucht wurden, als etwa anderes zu sehen.<br />
Anders als viele ihrer Gegner kennen alte und neue Nazis die Kraft von Symbolen. Auf einer rationalen, argumentativen Ebene wären die geradezu wahnhaften  Rache-, Rassen- und Überlegenheitsideen nicht zu vermitteln &#8211; daher funktioniert Nazipropaganda auf der Gefühlsebene und auf der Ebene eines geradezu religiösen Glaubens. (Deshalb sind überzeugte Nazis so immun gegen Argumente wie sonst nur besonders fanatische religiöse Fundamentalisten. Und wie religiöse Fundis denken Nazis ganz extrem in Gegensätzen, schwarz-weiß, ohne Graustufen und Übergänge, und wähnen sich im alleinigen Besitz der Wahrheit. Sie sehen sich immer und grundsätzlich als die wahren, ordentlichen Deutschen.)<br />
Nazi-Symbole sind die &#8220;heiligen Symbole&#8221; einer Polit-Religion.<br />
Der &#8211; meiner Ansicht nach einzige! &#8211; Sinn der Verbote und Einschränkungen nationalsozialistischer Symbole<br />
liegt darin, ihnen die &#8220;offizielle Erlaubnis&#8221;, die die schwarz-weiß denkenden Nazis als &#8220;offizielle Anerkennung&#8221; sehen würden, zu verwehren. Indem das Hakenkreuz und die SS-Runen verboten sind, zeigt der deutsche Staat den Nazis, dass er sie als Gegner betrachtet.<br />
Ein Schema, das allerdings nicht beliebig, im Sinne einer <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-exkurs-null-toleranz/" target="_blank">falsch verstandenen &#8220;Null-Toleranz&#8221;</a>, auf alle Zeichen, die alte und neue Nazis symbolisch besetzt haben, ausgeweitet werden kann.<br />
Eine bekannte Nazi-Taktik besteht darin, möglichst viele Symbole zu besetzen, so, wie sie alles Mögliche, was ihnen gefällt, in ihre Patchwork-Ideologie einbauen und missbrauchen, vorzugsweise Kulturgüter, deren Schöpfer sich nicht mehr wehren können.<br />
Die meisten Symbole die in den Aufklärungsbroschüre oder auch <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-teil1/" target="_blank">bei uns</a> als Nazi-Symbole gelistet sind, sind ohnehin Ersatzsymbole für verbotene Symbole &#8211; etwa das Keltenkreuz als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz. Die Nazis juckt das Verbot eines Ersatzsymboles (genauer: eines Zeichens, dass auf ein verbotenes Symbol verweist) wenig, sie greifen einfach auf das Nächste zurück &#8211; es ist ja nur ein Code, der für ein &#8220;heiliges Symbol&#8221;, das nicht gezeigt werden darf, steht. Sehr deutlich ist das bei der Reichskriegsflagge aus dem Kaiserreich, die als Platzhalter für die verbotenen Hakenkreuz-Kriegsflagge aus dem Nazireich steht.<br />
Leider dienen auch Triskelen, Thorshämmer, alle möglichen Runen usw. als Platzhalter für NS-Symbole.<br />
Daher ist es auch so wichtig, darüber aufzuklären, dass nicht alles, was wie ein Nazi-Symbol aussieht, (geschweige denn alles, was eventuell ein Nazi-Symbol sein könnte) auch ein Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Was würde z. B. geschehen, wenn z. B. die Verwendung des Hakenkreuzes in Deutschland ohne Einschränkung erlaubt würde &#8211; wie es z. B. in den USA der Fall ist?<br />
Mit einiger Sicherheit kann gesagt werden, dass die Nazis das als gewaltigen Sieg, als Ermutigung sehen würden, und als ersehnte Anerkennung durch den Staat (denn autoritäre Persönlichkeiten sind obrigkeitsfixiert, sogar dann, wenn sie die jeweilige &#8220;Obrigkeit&#8221; ablehnen). Sehr wahrscheinlich würde eine &#8220;Hakenkreuz-Freigabe&#8221; indirekt Menschenleben kosten. </p>
<p>Erst wenn das <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/sonnenrad-song/" target="_blank">Sonnenrad wieder weiß</a> ist, kann man überhaupt daran denken, die Verbote nach § 86b StGB aufzuheben!</p>
<p>Der Krake ist dagegen ist eher mit &#8220;Paulchen Panther&#8221; zu vergleichen. Nazi-Terroristen der &#8220;NSU&#8221; benutzten ihn in einem Propaganda-Video, in dem sich sich ihrer feigen Mordtaten rühmten. Seitdem gibt es Nazis, die diese Comic-Figur oder auch die &#8220;Pink Panther&#8221; Melodie als Zeichen verwenden.<br />
Offensichtlich wäre es dennoch absurd, den rosaroten Panther als &#8220;Nazi-Code&#8221; zu bezeichnen, oder anzunehmen, dass jemand mit einem &#8220;Paulchen Panther&#8221;-T-Shirt ein Neonazi wäre.</p>
<p>Zum Abschluss etwas Musik:<br />
<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/GtFjCkf3jXQ&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/GtFjCkf3jXQ&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p>Der Song wurde von <a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">Chrstiopher Schirner</a> und <a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">Karan von den Singvøgeln</a>  zusammen produziert. Das Lied ist unter der <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank">CC-BY-NC-SA</a> lizenziert.<br />
Bei Weiterverwendung bitte die Autoren<br />
Christopher Schirner (<a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">http://twitter.com/Beerweasledev</a>)<br />
und Karan (<a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">http://www.singvoegel.com</a>) angeben!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Artamanen &#8211; die &#8220;netten&#8221; Ökofaschisten vom Dorf</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/artamanen-die-netten-okofaschisten-vom-dorf/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/artamanen-die-netten-okofaschisten-vom-dorf/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 08:50:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[antifa]]></category>
		<category><![CDATA[Ariosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Artamanen]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Mecklenburg-Vorpommern]]></category>
		<category><![CDATA[Nazis]]></category>
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		<category><![CDATA[NPD]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Berichte, Leitartikel und Reportagen über Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern gibt es viele. Nur wenige von ihnen gehen auf die &#8220;deutschvölkischen&#8221; Strukturen, die nicht nur von frustrierter Jungmännern ohne Perspektive und NPD-&#8221;Protestwählern&#8221; geprägt werden, ein. Auch wenn die NPD Stimmen bei der Landtagswahl verlor, stabilisiert sich der rechte &#8220;Protest&#8221; abseits des Parteienspektrums: <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-09/Mecklenburg-Vorpommern-Wahl-NPD" target="_blank">Kümmern, hetzen, Erfolg haben (Zeit.de)</a></p>
<p>Auch Nazis haben Kinder. Meistens gar nicht so wenige. Damit haben sie, vor allem im ländlichen Raum, auch Einfluss auf Krippen, Kindergärten, Schulen und Jugendklubs, und nicht nur ihre eigenen Kinder werden &#8220;völkisch&#8221; indoktriniert. <a href="http://www.zeit.de/2011/47/Kindergarten-Schule-Rechtsextreme/komplettansicht" target="_blank">Bullerbü in braun (Zeit.de)</a>. </p>
<p>Warum gibt es diese &#8220;braunen&#8221; Strukturen ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern? Der &#8220;Zeit&#8221;-Artikel gibt eine interessante Antwort, die auf die (historischen) Strukturen hinter den modernen &#8220;völkischen&#8221; Strukturen verweist:</p>
<blockquote><p>Wegen der letzten 700 Jahre. Wegen der letzten 70 Jahre. Und wegen der letzten 20 Jahre.</p>
<p>Freie Bauern gibt es in Ostelbien seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr. Der Boden ist von jeher in der Hand von Großgrundbesitzern, die Landbewohner waren jahrhundertelang Leibeigene. Karl-Georg Ohse, Einheimischer, Vater und bis vor Kurzem Chef des Regionalzentrums für demokratische Kultur in Ludwigslust, sagt: »Es gibt hier immer noch eine hohe Affinität zu autoritären Strukturen. Ketten von Befehl und Gehorsam haben sich hier über Jahrhunderte gehalten.« Die DDR-Zeit verhieß Aufbruch. Man siedelte Industrieunternehmen und Armeestützpunkte an, Mecklenburg-Vorpommern hatte 1989 die jüngste Bevölkerung aller Bundesländer. Heute ist es die älteste. Die Demokratie hat den Menschen babypoglatten Straßenasphalt gebracht, McDonald’s und Nutella. Und dennoch fehlt etwas.</p>
<p>Ein Land, das sich über jeden selbst gebackenen Kuchen, über jeden von Eltern gestrichenen Kitazaun freuen muss – selbst wenn die manchmal merkwürdige Ansichten haben. Einen solch fruchtbaren Boden für ihre braune Saat müssten die NPD und ihre Kader eigentlich erfinden – wenn es ihn nicht schon gäbe. So freut sich der NPD-Kreisverband Westmecklenburg auf seiner Internetseite über das »wachsende nationale Wurzelgeflecht«. Der Landeschef sagt: »Es wohnen sehr viele Nationale in Mecklenburg und in Pommern. Wir arbeiten daran, dass es mehr werden.«</p></blockquote>
<p>Ein nicht zu unterschätzender Teil der Problems sind die im &#8220;Zeit&#8221;-Artikel erwähnten &#8220;Artamanen&#8221;. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Artamanen" target="_blank">Wikipedia: Artamanen</a> &#8211; <a href="http://rechte-jugendbuende.de/?p=1656" target="_blank">Report München über “braune Ökos”</a>.<br />
Die &#8220;alten&#8221; Artamanen verbanden den völkischen Okkultismus der <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/"target="_blank">Ariosophie</a> mit der Naturschwärmerei der Lebensreform, Ideen der Naturschutzbewegung und dem Kulturpessimismus Oswald Sprenglers (“Der Untergang des Abendlandes”). Die Artamanen verfolgten dabei eine stramm agroromantische Zielsetzung, verherrlichten die Bauern als die einzigen “organischen Menschen” und predigten die Abkehr von der “internationalen Asphaltkultur der Großstädte”. Sie verabscheuten die westliche “Zuvielisation” und träumten von einem naturverbundenen Leben ohne Industrie. Das Mittel zu diesem “sanften” Zweck war brutale Gewalt bis zum Völkermord: “Lebensraum” sollte im Osten erobert werden, damit das deutsche Volk wieder zur Scholle zurückkehren könne.<br />
Der ehemalige bayrische Gauleiter der Artamanen, “Reichsführer SS” Heinrich Himmler, betrachtete “seine” SS als legitime Erbin der Artamanen. Er übernahm nicht nur die Uniform, das “Artamanenschwarz”, sondern auch die Weltanschauung.<br />
Seit Anfang der 1990er Jahre haben sich mehrere Familien als sogenannte Neo-Artamanen zwischen Teterow und Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt. Damit knüpfen sie an eine regionale Tradition an: Dem 1931 gegründeten &#8220;Bund der Artamanen in Mecklenburg&#8221; durften nur Mitglieder von NS-Organisationen angehören. 1934 bildete dieser Bund in Güstrow die Keimzelle für den Landdienst der Hitlerjugend, der stark von der SS gefördert und als Rekrutierungsfeld für zukünftige Wehrbauern gesehen wurde. Erstaunlicherweise scheinen einige dieser Siedler später keine Schwierigkeiten damit gehabt zu haben, sich in die landwirtschaftlichen Produktionsgenonossenschaften (LPG) der DDR einzufügen.<br />
Mit dem Tod der letzten Alt-Siedler schien aber das Thema &#8220;Artamanen&#8221; abgeschlossen zu sein.<br />
Zu Unrecht, wie sich in den 1990er Jahren zeigte.<br />
<a href="http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&#038;view=item&#038;id=2758:%C3%B6kologische-rechtsgesinnte&#038;Itemid=774" target="blank">Ökologische Rechtsgesinnte (Endstation Rechts)</a><br />
<a href="http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/neonazi-siedlungsprojekt-mecklenburg-vorpommern-wohnen-und-leben-nazi-tradition-1298" target="_blank">Siedlungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern: Wohnen und Leben in Nazi-Tradition</a></p>
<p>Vor einem Eindruck sollte man sich hüten: Die modernen Artamanen mögen &#8220;völkische Sektierer&#8221; sein, und äußerlich altmodisch bis altväterlich wirken, sie sind aber nicht &#8220;von gestern&#8221;. Sie sind ökologisch, sozial und durchaus bürgerlich. Nach außen hin gibt man sich harmlos. Nach innen vertreten sie eine Blut-und-Boden-Ideologie und praktizieren die Idealisierung des &#8220;deutschen Volkstums. Zu ihnen gehören in der Gegend um Güstrow etwa Helmut Ernst, Gründer der &#8220;Gentechnikfreien Region Nebel/Krakow am See&#8221;; Huwald Fröhlich aus Koppelow, der &#8220;ökologische Baustoffe für gesundes Wohnen&#8221; anbietet, und der Kunstschmied Jan Krauter aus Klaber, der die Montagsdemonstrationen gegen die Hartz-IV-Reformen organisierte, und Marc und Petra Müller, die der rassistischen &#8220;Artgemeinschaft&#8221; angehören. Marc Müller ist auch Vorsitzender der von Jürgen Rieger gegründeten &#8220;Gesellschaft für biologische Anthropologie&#8221;. (<a href="http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/die-netten-oekofaschisten-besuch-bei-familie-mueller-lalendorf-6463" target="_blank">Die netten Ökofaschisten &#8211; Besuch bei Familie Müller in Lalendorf</a>.)<br />
Wahrscheinlich hatte der verstorbene Multi-Funktionär und &#8220;Nazitru&#8221; Jürgen Rieger als Initiator, Finanzier und &#8220;Ideengeber&#8221; eine weitaus wichtigere Rolle innerhalb der &#8220;Völkischen&#8221;, als normalerweise angenommen wird. Ein klassischer Denkfehler bei der Analyse der Nazi-Szene ist, dass sie von außen organisierter aussieht, als sie es wahrscheinlich ist. Dass unter den &#8220;braunen Kameraden&#8221; jeder jeden irgendwie kennt, heißt nicht unbedingt, dass man &#8220;organisiert&#8221; zusammenarbeitet oder dass gar übergeordnete Steuerungsstrukturen vorhanden wären. In solchen lockeren Strukturen werden &#8220;völkische Gurus&#8221;, vor allem solche mit Geld, leicht zu &#8220;Vordenkern&#8221;.<br />
Die (pseudo-)germanische, rassistische und elitäre Ideologie mit &#8220;heidnischen&#8221; Versatzstücken ist unter Umständen der Kitt, der Ökofaschisten wie die Artamanen, die gewaltfreudigen &#8220;Kameradschaften&#8221; und die &#8220;Schlipsnazis&#8221; der NPD zusammenhält. </p>
<p>(Neo-)artamanische Siedler sind kein rein mecklenburg-vorpommersches Phänomen. Nach Erkenntnissen der Antifa gibt es z. B. auch in Schleswig-Holstein (Nordfriesland) und in Brandenburg Artamanen.  Der wichtigste Faktor scheint banal zu sein: die &#8220;völkischen&#8221; Siedler kaufen günstig leer stehende Bauernhöfe auf. &#8220;Landflucht&#8221; und der wirtschaftliche Niedergang ländlicher Regionen spielen ihnen in genau so in die Hände wie überlieferte &#8220;völkische&#8221; Ideologiebruchstücke. Es ist auch relativ einfach, Zivilcourage &#8220;gegen Rechts&#8221; in einer Großstadt, etwa auf eine Demo, zu zeigen. Sich auf dem Dorf gegen Nachbarn zu wenden, die &#8220;komisches&#8221; Gedankengut vertreten, ist dagegen schwierig. Vor allem, wenn dieser Nachbarn wegen ihres Engagements z. B. in der Feuerwehr, in der Jugendarbeit, oder im Natur- und Umweltschutz angesehen sind. Und erst recht, wenn diese &#8220;komischen&#8221; Nachbarn Freunde haben, die groß, stark und gewaltbereit sind.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/artamanen-die-netten-okofaschisten-vom-dorf/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Berichte, Leitartikel und Reportagen über Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern gibt es viele. Nur wenige von ihnen gehen auf die &#8220;deutschvölkischen&#8221; Strukturen, die nicht nur von frustrierter Jungmännern ohne Perspektive und NPD-&#8221;Protestwählern&#8221; geprägt werden, ein. Auch wenn die NPD Stimmen bei der Landtagswahl verlor, stabilisiert sich der rechte &#8220;Protest&#8221; abseits des Parteienspektrums: <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-09/Mecklenburg-Vorpommern-Wahl-NPD" target="_blank">Kümmern, hetzen, Erfolg haben (Zeit.de)</a></p>
<p>Auch Nazis haben Kinder. Meistens gar nicht so wenige. Damit haben sie, vor allem im ländlichen Raum, auch Einfluss auf Krippen, Kindergärten, Schulen und Jugendklubs, und nicht nur ihre eigenen Kinder werden &#8220;völkisch&#8221; indoktriniert. <a href="http://www.zeit.de/2011/47/Kindergarten-Schule-Rechtsextreme/komplettansicht" target="_blank">Bullerbü in braun (Zeit.de)</a>. </p>
<p>Warum gibt es diese &#8220;braunen&#8221; Strukturen ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern? Der &#8220;Zeit&#8221;-Artikel gibt eine interessante Antwort, die auf die (historischen) Strukturen hinter den modernen &#8220;völkischen&#8221; Strukturen verweist:</p>
<blockquote><p>Wegen der letzten 700 Jahre. Wegen der letzten 70 Jahre. Und wegen der letzten 20 Jahre.</p>
<p>Freie Bauern gibt es in Ostelbien seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr. Der Boden ist von jeher in der Hand von Großgrundbesitzern, die Landbewohner waren jahrhundertelang Leibeigene. Karl-Georg Ohse, Einheimischer, Vater und bis vor Kurzem Chef des Regionalzentrums für demokratische Kultur in Ludwigslust, sagt: »Es gibt hier immer noch eine hohe Affinität zu autoritären Strukturen. Ketten von Befehl und Gehorsam haben sich hier über Jahrhunderte gehalten.« Die DDR-Zeit verhieß Aufbruch. Man siedelte Industrieunternehmen und Armeestützpunkte an, Mecklenburg-Vorpommern hatte 1989 die jüngste Bevölkerung aller Bundesländer. Heute ist es die älteste. Die Demokratie hat den Menschen babypoglatten Straßenasphalt gebracht, McDonald’s und Nutella. Und dennoch fehlt etwas.</p>
<p>Ein Land, das sich über jeden selbst gebackenen Kuchen, über jeden von Eltern gestrichenen Kitazaun freuen muss – selbst wenn die manchmal merkwürdige Ansichten haben. Einen solch fruchtbaren Boden für ihre braune Saat müssten die NPD und ihre Kader eigentlich erfinden – wenn es ihn nicht schon gäbe. So freut sich der NPD-Kreisverband Westmecklenburg auf seiner Internetseite über das »wachsende nationale Wurzelgeflecht«. Der Landeschef sagt: »Es wohnen sehr viele Nationale in Mecklenburg und in Pommern. Wir arbeiten daran, dass es mehr werden.«</p></blockquote>
<p>Ein nicht zu unterschätzender Teil der Problems sind die im &#8220;Zeit&#8221;-Artikel erwähnten &#8220;Artamanen&#8221;. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Artamanen" target="_blank">Wikipedia: Artamanen</a> &#8211; <a href="http://rechte-jugendbuende.de/?p=1656" target="_blank">Report München über “braune Ökos”</a>.<br />
Die &#8220;alten&#8221; Artamanen verbanden den völkischen Okkultismus der <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/"target="_blank">Ariosophie</a> mit der Naturschwärmerei der Lebensreform, Ideen der Naturschutzbewegung und dem Kulturpessimismus Oswald Sprenglers (“Der Untergang des Abendlandes”). Die Artamanen verfolgten dabei eine stramm agroromantische Zielsetzung, verherrlichten die Bauern als die einzigen “organischen Menschen” und predigten die Abkehr von der “internationalen Asphaltkultur der Großstädte”. Sie verabscheuten die westliche “Zuvielisation” und träumten von einem naturverbundenen Leben ohne Industrie. Das Mittel zu diesem “sanften” Zweck war brutale Gewalt bis zum Völkermord: “Lebensraum” sollte im Osten erobert werden, damit das deutsche Volk wieder zur Scholle zurückkehren könne.<br />
Der ehemalige bayrische Gauleiter der Artamanen, “Reichsführer SS” Heinrich Himmler, betrachtete “seine” SS als legitime Erbin der Artamanen. Er übernahm nicht nur die Uniform, das “Artamanenschwarz”, sondern auch die Weltanschauung.<br />
Seit Anfang der 1990er Jahre haben sich mehrere Familien als sogenannte Neo-Artamanen zwischen Teterow und Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt. Damit knüpfen sie an eine regionale Tradition an: Dem 1931 gegründeten &#8220;Bund der Artamanen in Mecklenburg&#8221; durften nur Mitglieder von NS-Organisationen angehören. 1934 bildete dieser Bund in Güstrow die Keimzelle für den Landdienst der Hitlerjugend, der stark von der SS gefördert und als Rekrutierungsfeld für zukünftige Wehrbauern gesehen wurde. Erstaunlicherweise scheinen einige dieser Siedler später keine Schwierigkeiten damit gehabt zu haben, sich in die landwirtschaftlichen Produktionsgenonossenschaften (LPG) der DDR einzufügen.<br />
Mit dem Tod der letzten Alt-Siedler schien aber das Thema &#8220;Artamanen&#8221; abgeschlossen zu sein.<br />
Zu Unrecht, wie sich in den 1990er Jahren zeigte.<br />
<a href="http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&#038;view=item&#038;id=2758:%C3%B6kologische-rechtsgesinnte&#038;Itemid=774" target="blank">Ökologische Rechtsgesinnte (Endstation Rechts)</a><br />
<a href="http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/neonazi-siedlungsprojekt-mecklenburg-vorpommern-wohnen-und-leben-nazi-tradition-1298" target="_blank">Siedlungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern: Wohnen und Leben in Nazi-Tradition</a></p>
<p>Vor einem Eindruck sollte man sich hüten: Die modernen Artamanen mögen &#8220;völkische Sektierer&#8221; sein, und äußerlich altmodisch bis altväterlich wirken, sie sind aber nicht &#8220;von gestern&#8221;. Sie sind ökologisch, sozial und durchaus bürgerlich. Nach außen hin gibt man sich harmlos. Nach innen vertreten sie eine Blut-und-Boden-Ideologie und praktizieren die Idealisierung des &#8220;deutschen Volkstums. Zu ihnen gehören in der Gegend um Güstrow etwa Helmut Ernst, Gründer der &#8220;Gentechnikfreien Region Nebel/Krakow am See&#8221;; Huwald Fröhlich aus Koppelow, der &#8220;ökologische Baustoffe für gesundes Wohnen&#8221; anbietet, und der Kunstschmied Jan Krauter aus Klaber, der die Montagsdemonstrationen gegen die Hartz-IV-Reformen organisierte, und Marc und Petra Müller, die der rassistischen &#8220;Artgemeinschaft&#8221; angehören. Marc Müller ist auch Vorsitzender der von Jürgen Rieger gegründeten &#8220;Gesellschaft für biologische Anthropologie&#8221;. (<a href="http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/die-netten-oekofaschisten-besuch-bei-familie-mueller-lalendorf-6463" target="_blank">Die netten Ökofaschisten &#8211; Besuch bei Familie Müller in Lalendorf</a>.)<br />
Wahrscheinlich hatte der verstorbene Multi-Funktionär und &#8220;Nazitru&#8221; Jürgen Rieger als Initiator, Finanzier und &#8220;Ideengeber&#8221; eine weitaus wichtigere Rolle innerhalb der &#8220;Völkischen&#8221;, als normalerweise angenommen wird. Ein klassischer Denkfehler bei der Analyse der Nazi-Szene ist, dass sie von außen organisierter aussieht, als sie es wahrscheinlich ist. Dass unter den &#8220;braunen Kameraden&#8221; jeder jeden irgendwie kennt, heißt nicht unbedingt, dass man &#8220;organisiert&#8221; zusammenarbeitet oder dass gar übergeordnete Steuerungsstrukturen vorhanden wären. In solchen lockeren Strukturen werden &#8220;völkische Gurus&#8221;, vor allem solche mit Geld, leicht zu &#8220;Vordenkern&#8221;.<br />
Die (pseudo-)germanische, rassistische und elitäre Ideologie mit &#8220;heidnischen&#8221; Versatzstücken ist unter Umständen der Kitt, der Ökofaschisten wie die Artamanen, die gewaltfreudigen &#8220;Kameradschaften&#8221; und die &#8220;Schlipsnazis&#8221; der NPD zusammenhält. </p>
<p>(Neo-)artamanische Siedler sind kein rein mecklenburg-vorpommersches Phänomen. Nach Erkenntnissen der Antifa gibt es z. B. auch in Schleswig-Holstein (Nordfriesland) und in Brandenburg Artamanen.  Der wichtigste Faktor scheint banal zu sein: die &#8220;völkischen&#8221; Siedler kaufen günstig leer stehende Bauernhöfe auf. &#8220;Landflucht&#8221; und der wirtschaftliche Niedergang ländlicher Regionen spielen ihnen in genau so in die Hände wie überlieferte &#8220;völkische&#8221; Ideologiebruchstücke. Es ist auch relativ einfach, Zivilcourage &#8220;gegen Rechts&#8221; in einer Großstadt, etwa auf eine Demo, zu zeigen. Sich auf dem Dorf gegen Nachbarn zu wenden, die &#8220;komisches&#8221; Gedankengut vertreten, ist dagegen schwierig. Vor allem, wenn dieser Nachbarn wegen ihres Engagements z. B. in der Feuerwehr, in der Jugendarbeit, oder im Natur- und Umweltschutz angesehen sind. Und erst recht, wenn diese &#8220;komischen&#8221; Nachbarn Freunde haben, die groß, stark und gewaltbereit sind.</p>
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		<title>&#8230; wo der Hammer hängt!</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2011 12:43:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Der Mjölnir hat leider ein Imageproblem. Oder genauer gesagt: wer einen Thorshammer trägt, kann unter Umständen in den Verdacht geraten Rechtsextremist zu sein &#8211; oder zumindest Anhänger eines <a href="http://www.nornirsaett.de/tragen-coole-kids-wirklich-keinen-thorshammer/" target="_blank">emanzipationsfeindlichen und die soziale Wirklichkeiten verschleiernden</a> Weltbildes.</p>
<p>Den Fäden der Nornen sei dank sieht die Wirklichkeit doch etwas anders aus, als sie von engagierten, wenn auch leider etwas engstirnigen Antifas konstruiert wird. Anders als die nicht nur engstirnige, sondern paranoide Weltsicht vieler fundamentalistischer Christen, die mitunter buchstäblich eine Heidenangst vor Thorshämmern zeigen, sieht sie sowieso aus.<span id="more-4572"></span><br />
Zum Glück ist es, anders als es etwa die Marburger “Antifa Gruppe 5″ gerne hätte, in der links-alternativen Subkultur nicht Konsens, dass Symbolen der nordgermanischen Mythologie auf Veranstaltungen ein Platzverweis erteilt wird. Und immerhin weisen sogar die knapp gehaltenen Informationsseiten der Polizei unter <a href="http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/rechtsextremismus/erkennungszeichen/symbole-und-zeichen.html" target="_blank">Codes und Chiffren der „Rechten“</a> darauf hin, dass Thors Hammer in verschiedenen Jugendkulturen verbreitet ist, also nicht zwangsläufig auf &#8220;rechte&#8221; Gesinnung hinweist, <i>(Wobei ich mich wundere, wieso z. B. die Metal-Szene offenbar unter &#8220;Jugendkultur&#8221; verschlubladisiert wird. Die Alterspanne dort geht bis 50+.)</i> Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mj%C3%B6lnir" target="_blank">Wikipedia</a> verrät sogar:<br />
<blockquote>Aufgrund seiner Beliebtheit auch bei Personen, die nicht der rechten Szene angehören, und weil ihm ein unmittelbarer Bezug zur NS-Zeit fehlt, weil er nicht als offizielles Zeichen der NS-Regierung oder irgendeines ihrer Organe geführt wurde, kann der Thorshammer für sich genommen allerdings nicht als rechtsextremes Erkennungsmerkmal gelten.</p></blockquote>
<p> Trotzdem ist der Thorshammer in  Deutschland (und Österreich) ein &#8220;suspektes Symbol&#8221;. Und es bleiben Fragen. Einige dieser Fragen versuche ich zu beantworten:</p>
<h3>Wofür steht der Mjölnir bzw. Thorshammer?</h3>
<p>Mjölnir ist das typische Attribut des germanischen Donnergottes, und daher auch das Symbol für Thor. Thor wiederum ist der Beschützer der Menschen vor bösartigen und gefährlichen Riesen (wobei nicht alle Riesen / Thursen in der nordgermanischen Mythologie bösartig sind &#8211; es sind noch nicht einmal alle körperlich besonders groß). Diese bedrohlichen Riesen können als Personifikation von gefährlichen Naturgewalten gedeutet werden. (<i>Besonders eindrucksvoll ist, wie so oft, die Interpretation meines bevorzugten Schweinepriesters:</i> <a href="http://www.eibensang.de/index.php/thor/#more-313" target="_blank">Thor</a>.) Mjölnir ist Thors Waffe gegen diese Riesen, womit ein Thorshammeranhänger zum Schutzamulett taugt. Ferner ist Thor ein Wetter- und damit auch ein Fruchtbarkeitsgott. Wieso, wird vielleicht deutlich, wenn nach langer Dürre ein ferner Donner endlich ergiebigen Regen verspricht. Für die menschliche Fruchtbarkeit ist Thor ebenfalls hilfreich, weshalb zumindest im vorchristlichen Island nach einer Hochzeit so ein Hammer ins Ehebett gelegt wurde. Was betont &#8220;männliche&#8221; und &#8220;kämpferische&#8221; Freizeit-Wikinger im ebenso martialischem wie unhistorischem  &#8220;Barbaren-Look&#8221; oft verwundert: Tatsächlich wurden fast alle der aus dem 9. und 10. Jahrhundert stammenden Thorshämmer in Frauengräbern gefunden!<br />
Es ist jedenfalls verkehrt, den Mjölnir auf seine Funktion als Waffe und damit Thor auf den kämpferischen Aspekt zu reduzieren.<br />
Oft wird behauptet, der Thorshammer sei eine Reaktion auf das christliche Kreuz gewesen, was stimmen könnte, denn aus der Zeit vor 800 sind meines Wissens keine Mjölnir-Anhänger bekannt. Fraglich ist, ob er wirklich ein Symbol des &#8220;Kampfes gegen das Christentum&#8221; war. Sicher war er ein Symbol des Bekenntnisses zu Thor, und die &#8220;ollen Wikinger&#8221; sahen Glaubensdinge damals pragmatischer, als manch ein Neuheide heute glaubt. Auf einen Gott mehr oder weniger kommt es Polytheisten nicht an, worauf ein  Thorshammer mit kreuzförmiger Punzierung hindeutet. Es wurden Gussformen gefunden, mit denen sich sowohl Kreuzanhänger wie Thorshämmer gießen ließen, je nach Kundenwunsch, und aus Island ist ein für praktischer Hammer-Anhänger bekannt, der mit dem Stil nach unten als christliches Kreuz durchgeht.<br />
Zu diesem Thema, bei <a href="http://neunholz.de/" target="_blank">Neunholz: <a href="http://neunholz.de/?p=2369" target="_blank">Hammer-Amulette bei den Wikingern</a>.</p>
<p><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" rel="lightbox[4572]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" alt="Thorshammer in Busdorf bei Schleswig" title="Thorshammer" width="333" height="359" class="aligncenter size-full wp-image-4573" /></a><br />
<i>Der Thorshammer in Busdorf bei Schleswig.</i> </p>
<h3>Warum tragen Menschen heutzutage einen Thorshammer?</h3>
<p>Das Ásatrú-Anhänger gerne Mjölnir-Anhänger als Zeichen ihrer spirituellen Orientierung tagen, dürfte nicht überraschen.<br />
Die meisten Thorshämmer werden allerdings von Nicht-Heiden getragen, als Schmuck ohne tiefere Bedeutung, abgesehen von einem Interesse an der Wikingerzeit. Für die meisten skandinavischen Thorshammerträger dürfte er allenfalls die Verbundenheit mit nordischer bzw. skandinavischer Kultur und Geschichte sybolisieren.<br />
Auch im äußersten Norden Deutschlands kann der Mjölnir ein Bekenntnis zur Heimat und deren besonderen Geschichte sein. Ein Radwanderweg in dieser Gegend trägt den Namen &#8220;Thorshammerweg&#8221; und einige Gemeinden im Landkreis Schleswig-Flensburg tragen den Thorshammer im Wappen. </p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" rel="lightbox[4572]"><img class="alignleft size-full wp-image-4577" title="Wappen von Taarstedt" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" alt="Wappen von Taarstedt" width="180" height="195" /></a></div>
<p>Zum Beispiel <a href="http://www.taarstedt.de/" target="_blank">Taarstedt</a>, dänisch: Torsted &#8220;Stätte des Thor&#8221;.<br />
Jedenfalls in dieser Gegend wäre es schwerlich möglich, in einem Thorshammer ein Zeichen für rechtsextreme bzw. völkische Gesinnung zu sehen.<br />
Ein weiterer Grund dafür einen Thorshammer zu tragen, ist Rebellionsromantik. Der Thorshammer, als <i>das</i> &#8220;Wikingersymbol&#8221; schlechthin, hat einen ähnlichen Appeal wie der &#8220;Jolly Roger&#8221;, die einst von karibischen Piraten verwendete Totenkopfflagge.<br />
Kein Wunder also, dass der Mjölnir in der Metalszene gern getragen wird. Beliebt ist der Thorshammer außerdem bei Angehörigen der &#8220;Schwarzen Szene&#8221; und beinahe schon traditionell bei Rockern bzw. Bikern. Auch in Teilen der Alternativ-Szene wurde der Thorshammer schon gesichtet. </p>
<h3>Und warum verwenden auch Neonazis den Thorshammer?</h3>
<p>Schon die originalen &#8220;Nationalsozialisten&#8221; okkupierten zahlreiche germanische Zeichen und Symbole und deuteten sie im Sinne ihrer &#8220;Weltanschauung&#8221; um. Der Thorshammer war allerdings nicht darunter.<br />
Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis nach dem ersten Weltkrieg war der Thorshammer das populärste Symbol der &#8220;völkischen Bewegung&#8221;, und zwar wegen des Einflusses <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">ariosophischer</a> Germanentümler.<br />
Aus dieser Ecke stammt die unter Neonazis und Freunden der &#8220;braunen Esoterik&#8221; auch heute noch beliebte falsche Deutung, Thor stünde für &#8220;die reinigende Kraft&#8221; und würde mit seinem Hammer &#8220;das deutsche Volk vom verderbenden Ungeziefer&#8221; reinigen. Nicht eindeutig ariosophisch, aber mythologisch nicht haltbar sind die Deutungen, Thor würde mit dem Hammer &#8220;Lebensraum&#8221; erobern oder stünde für Stärke und Gewalt als &#8220;richtigem&#8221; oder gar &#8220;einzig legitimem&#8221; Mittel, &#8220;sich durchzusetzen&#8221; und &#8220;Ordnung zu schaffen&#8221;.<br />
Hitler baute zwar jede Menge ariosophischen Gedankenguts bzw. -schrotts in seine Weltanschauung ein, aber von den weltfremden und undisziplinierten &#8220;völkischen Wanderscholaren&#8221; hielt er nicht viel. Vielleicht deshalb wurde der Thorshammer, anders als einige Runen, nie das Emblem einer der zahllosen NS-Organisationen.<br />
Für die meisten der meist intellektuell eher schlicht gestrickten Neonazis reicht es aus, dass der Mjölnir  nordisch-germanischen Ursprungs und nicht verboten ist.<br />
Der Thorshammer ist aus Neonazisicht also ein Ersatzsymbol. Einige der gebildeteren unter den Rechtsextremisten kamen sogar darauf, dass in Island im 16. Jahrhundert ein magisches Zeichen namens <i>þórshamarr</i> verwendet wurde, das der Swastika ähnelt. Auch gibt es wikingerzeitliche swastika-ähnliche Ornamente an Figuren, die wahrscheinlich Thor darstellen, zum Beispiel im Schatz von Oseberg. Damit ist der Thorshammer sozusagen  &#8220;Platzhalter&#8221; für das verbotene Hakenkreuz. </p>
<p>Es ist eine sattsam bekannte Strategie der Rechtsextremisten, Symbole zu besetzen, d. h. dafür zu sorgen, dass sie nur noch im Kontext ihrer Ideologie öffentlich wahrgenommen werden. Die Nazis hätten gern den Thorshammer als &#8220;ihr&#8221; Symbol. Zeigen wir ihnen also, wo der Hammer hängt!<br />
<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/dkiC3n0r5B4?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/dkiC3n0r5B4?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/wo-der-hammer-hangt/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mjölnir hat leider ein Imageproblem. Oder genauer gesagt: wer einen Thorshammer trägt, kann unter Umständen in den Verdacht geraten Rechtsextremist zu sein &#8211; oder zumindest Anhänger eines <a href="http://www.nornirsaett.de/tragen-coole-kids-wirklich-keinen-thorshammer/" target="_blank">emanzipationsfeindlichen und die soziale Wirklichkeiten verschleiernden</a> Weltbildes.</p>
<p>Den Fäden der Nornen sei dank sieht die Wirklichkeit doch etwas anders aus, als sie von engagierten, wenn auch leider etwas engstirnigen Antifas konstruiert wird. Anders als die nicht nur engstirnige, sondern paranoide Weltsicht vieler fundamentalistischer Christen, die mitunter buchstäblich eine Heidenangst vor Thorshämmern zeigen, sieht sie sowieso aus.<span id="more-4572"></span><br />
Zum Glück ist es, anders als es etwa die Marburger “Antifa Gruppe 5″ gerne hätte, in der links-alternativen Subkultur nicht Konsens, dass Symbolen der nordgermanischen Mythologie auf Veranstaltungen ein Platzverweis erteilt wird. Und immerhin weisen sogar die knapp gehaltenen Informationsseiten der Polizei unter <a href="http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/rechtsextremismus/erkennungszeichen/symbole-und-zeichen.html" target="_blank">Codes und Chiffren der „Rechten“</a> darauf hin, dass Thors Hammer in verschiedenen Jugendkulturen verbreitet ist, also nicht zwangsläufig auf &#8220;rechte&#8221; Gesinnung hinweist, <i>(Wobei ich mich wundere, wieso z. B. die Metal-Szene offenbar unter &#8220;Jugendkultur&#8221; verschlubladisiert wird. Die Alterspanne dort geht bis 50+.)</i> Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mj%C3%B6lnir" target="_blank">Wikipedia</a> verrät sogar:<br />
<blockquote>Aufgrund seiner Beliebtheit auch bei Personen, die nicht der rechten Szene angehören, und weil ihm ein unmittelbarer Bezug zur NS-Zeit fehlt, weil er nicht als offizielles Zeichen der NS-Regierung oder irgendeines ihrer Organe geführt wurde, kann der Thorshammer für sich genommen allerdings nicht als rechtsextremes Erkennungsmerkmal gelten.</p></blockquote>
<p> Trotzdem ist der Thorshammer in  Deutschland (und Österreich) ein &#8220;suspektes Symbol&#8221;. Und es bleiben Fragen. Einige dieser Fragen versuche ich zu beantworten:</p>
<h3>Wofür steht der Mjölnir bzw. Thorshammer?</h3>
<p>Mjölnir ist das typische Attribut des germanischen Donnergottes, und daher auch das Symbol für Thor. Thor wiederum ist der Beschützer der Menschen vor bösartigen und gefährlichen Riesen (wobei nicht alle Riesen / Thursen in der nordgermanischen Mythologie bösartig sind &#8211; es sind noch nicht einmal alle körperlich besonders groß). Diese bedrohlichen Riesen können als Personifikation von gefährlichen Naturgewalten gedeutet werden. (<i>Besonders eindrucksvoll ist, wie so oft, die Interpretation meines bevorzugten Schweinepriesters:</i> <a href="http://www.eibensang.de/index.php/thor/#more-313" target="_blank">Thor</a>.) Mjölnir ist Thors Waffe gegen diese Riesen, womit ein Thorshammeranhänger zum Schutzamulett taugt. Ferner ist Thor ein Wetter- und damit auch ein Fruchtbarkeitsgott. Wieso, wird vielleicht deutlich, wenn nach langer Dürre ein ferner Donner endlich ergiebigen Regen verspricht. Für die menschliche Fruchtbarkeit ist Thor ebenfalls hilfreich, weshalb zumindest im vorchristlichen Island nach einer Hochzeit so ein Hammer ins Ehebett gelegt wurde. Was betont &#8220;männliche&#8221; und &#8220;kämpferische&#8221; Freizeit-Wikinger im ebenso martialischem wie unhistorischem  &#8220;Barbaren-Look&#8221; oft verwundert: Tatsächlich wurden fast alle der aus dem 9. und 10. Jahrhundert stammenden Thorshämmer in Frauengräbern gefunden!<br />
Es ist jedenfalls verkehrt, den Mjölnir auf seine Funktion als Waffe und damit Thor auf den kämpferischen Aspekt zu reduzieren.<br />
Oft wird behauptet, der Thorshammer sei eine Reaktion auf das christliche Kreuz gewesen, was stimmen könnte, denn aus der Zeit vor 800 sind meines Wissens keine Mjölnir-Anhänger bekannt. Fraglich ist, ob er wirklich ein Symbol des &#8220;Kampfes gegen das Christentum&#8221; war. Sicher war er ein Symbol des Bekenntnisses zu Thor, und die &#8220;ollen Wikinger&#8221; sahen Glaubensdinge damals pragmatischer, als manch ein Neuheide heute glaubt. Auf einen Gott mehr oder weniger kommt es Polytheisten nicht an, worauf ein  Thorshammer mit kreuzförmiger Punzierung hindeutet. Es wurden Gussformen gefunden, mit denen sich sowohl Kreuzanhänger wie Thorshämmer gießen ließen, je nach Kundenwunsch, und aus Island ist ein für praktischer Hammer-Anhänger bekannt, der mit dem Stil nach unten als christliches Kreuz durchgeht.<br />
Zu diesem Thema, bei <a href="http://neunholz.de/" target="_blank">Neunholz: <a href="http://neunholz.de/?p=2369" target="_blank">Hammer-Amulette bei den Wikingern</a>.</p>
<p><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" rel="lightbox[4572]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" alt="Thorshammer in Busdorf bei Schleswig" title="Thorshammer" width="333" height="359" class="aligncenter size-full wp-image-4573" /></a><br />
<i>Der Thorshammer in Busdorf bei Schleswig.</i> </p>
<h3>Warum tragen Menschen heutzutage einen Thorshammer?</h3>
<p>Das Ásatrú-Anhänger gerne Mjölnir-Anhänger als Zeichen ihrer spirituellen Orientierung tagen, dürfte nicht überraschen.<br />
Die meisten Thorshämmer werden allerdings von Nicht-Heiden getragen, als Schmuck ohne tiefere Bedeutung, abgesehen von einem Interesse an der Wikingerzeit. Für die meisten skandinavischen Thorshammerträger dürfte er allenfalls die Verbundenheit mit nordischer bzw. skandinavischer Kultur und Geschichte sybolisieren.<br />
Auch im äußersten Norden Deutschlands kann der Mjölnir ein Bekenntnis zur Heimat und deren besonderen Geschichte sein. Ein Radwanderweg in dieser Gegend trägt den Namen &#8220;Thorshammerweg&#8221; und einige Gemeinden im Landkreis Schleswig-Flensburg tragen den Thorshammer im Wappen. </p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" rel="lightbox[4572]"><img class="alignleft size-full wp-image-4577" title="Wappen von Taarstedt" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" alt="Wappen von Taarstedt" width="180" height="195" /></a></div>
<p>Zum Beispiel <a href="http://www.taarstedt.de/" target="_blank">Taarstedt</a>, dänisch: Torsted &#8220;Stätte des Thor&#8221;.<br />
Jedenfalls in dieser Gegend wäre es schwerlich möglich, in einem Thorshammer ein Zeichen für rechtsextreme bzw. völkische Gesinnung zu sehen.<br />
Ein weiterer Grund dafür einen Thorshammer zu tragen, ist Rebellionsromantik. Der Thorshammer, als <i>das</i> &#8220;Wikingersymbol&#8221; schlechthin, hat einen ähnlichen Appeal wie der &#8220;Jolly Roger&#8221;, die einst von karibischen Piraten verwendete Totenkopfflagge.<br />
Kein Wunder also, dass der Mjölnir in der Metalszene gern getragen wird. Beliebt ist der Thorshammer außerdem bei Angehörigen der &#8220;Schwarzen Szene&#8221; und beinahe schon traditionell bei Rockern bzw. Bikern. Auch in Teilen der Alternativ-Szene wurde der Thorshammer schon gesichtet. </p>
<h3>Und warum verwenden auch Neonazis den Thorshammer?</h3>
<p>Schon die originalen &#8220;Nationalsozialisten&#8221; okkupierten zahlreiche germanische Zeichen und Symbole und deuteten sie im Sinne ihrer &#8220;Weltanschauung&#8221; um. Der Thorshammer war allerdings nicht darunter.<br />
Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis nach dem ersten Weltkrieg war der Thorshammer das populärste Symbol der &#8220;völkischen Bewegung&#8221;, und zwar wegen des Einflusses <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">ariosophischer</a> Germanentümler.<br />
Aus dieser Ecke stammt die unter Neonazis und Freunden der &#8220;braunen Esoterik&#8221; auch heute noch beliebte falsche Deutung, Thor stünde für &#8220;die reinigende Kraft&#8221; und würde mit seinem Hammer &#8220;das deutsche Volk vom verderbenden Ungeziefer&#8221; reinigen. Nicht eindeutig ariosophisch, aber mythologisch nicht haltbar sind die Deutungen, Thor würde mit dem Hammer &#8220;Lebensraum&#8221; erobern oder stünde für Stärke und Gewalt als &#8220;richtigem&#8221; oder gar &#8220;einzig legitimem&#8221; Mittel, &#8220;sich durchzusetzen&#8221; und &#8220;Ordnung zu schaffen&#8221;.<br />
Hitler baute zwar jede Menge ariosophischen Gedankenguts bzw. -schrotts in seine Weltanschauung ein, aber von den weltfremden und undisziplinierten &#8220;völkischen Wanderscholaren&#8221; hielt er nicht viel. Vielleicht deshalb wurde der Thorshammer, anders als einige Runen, nie das Emblem einer der zahllosen NS-Organisationen.<br />
Für die meisten der meist intellektuell eher schlicht gestrickten Neonazis reicht es aus, dass der Mjölnir  nordisch-germanischen Ursprungs und nicht verboten ist.<br />
Der Thorshammer ist aus Neonazisicht also ein Ersatzsymbol. Einige der gebildeteren unter den Rechtsextremisten kamen sogar darauf, dass in Island im 16. Jahrhundert ein magisches Zeichen namens <i>þórshamarr</i> verwendet wurde, das der Swastika ähnelt. Auch gibt es wikingerzeitliche swastika-ähnliche Ornamente an Figuren, die wahrscheinlich Thor darstellen, zum Beispiel im Schatz von Oseberg. Damit ist der Thorshammer sozusagen  &#8220;Platzhalter&#8221; für das verbotene Hakenkreuz. </p>
<p>Es ist eine sattsam bekannte Strategie der Rechtsextremisten, Symbole zu besetzen, d. h. dafür zu sorgen, dass sie nur noch im Kontext ihrer Ideologie öffentlich wahrgenommen werden. Die Nazis hätten gern den Thorshammer als &#8220;ihr&#8221; Symbol. Zeigen wir ihnen also, wo der Hammer hängt!<br />
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		<title>Als die Sau noch Göttin war</title>
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		<comments>http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 May 2011 22:58:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eibensang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Ariosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
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		<category><![CDATA[Theosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Yggdrasil]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=113</guid>
		<description><![CDATA[<p><b>Noch immer haben die meisten Zeitgenossen, wenn von Germanen die Rede ist, Bilder im Kopf, die aus dem Kuriositätenmuseum der Nationalromantik stammen. Vom &#8220;blonden Recken&#8221; bis zum &#8220;Arier&#8221; der Nazis ist es anscheinend nur ein kleiner Schritt. Befasst man sich jedoch eingehender mit germanischer Kultur, Geschichte und Mythologie, gewinnt man eher den Eindruck: Einen Hitler hätten historische Germanen nicht bejubelt, sondern umgebracht.</b><span id="more-113"></span></p>
<h3>Vorwort, oder: warum, wieso, weshalb</h3>
<blockquote><p>
“Die alten Germanen, sie lagen /<br />
zu beiden Ufern des Rheins /<br />
Sie lagen auf Bärenfellen /<br />
und tranken immer noch eins.”</p></blockquote>
<p>Dieser leicht dümmliche Spruch, gefunden auf dem Etikett einer im fränkischen Bayreuth erstandenen Flasche Met, spiegelt eins der wohl noch harmloseren Klischees über “die Germanen” wider.</p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein.jpg" rel="lightbox[113]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Wildschwein" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein-300x244.jpg" alt="Wildschwein - nach einer antiken Bronzefibel" width="300" height="244" /></a></div>
<p>Auf wild wogenden Wellen heranwallende wotanwütige Wagner-Wikinger mit Hörnerhelmen, darüber wolkenreitende Walküren, die nach wie vor hurtig (hoyotoho!) durch die sog. Hochkultur von Oper und Operette herumgeistern, sind höchstens abschreckend lächerlich und schaden, möchte man meinen, doch eigentlich niemandem – auch wenn solche Figuren mit der vormittelalterlichen Wirklichkeit Europas ebensowenig zu tun haben wie z.B. (sagen wir mal) die Lebenswirklichkeit nordamerikanischer Ureinwohner mit der altdeutsch eingekitschten Indianerromantik eines Karl May.</p>
<p>Wenn jedoch ein Rechtsradikaler Amok läuft, auf Menschen schießt und anschließend behauptet, er habe Mord und Mordversuche “im Auftrag Odins” begangen, wird die Sache schon etwas ernster – besonders, wenn sich niemand über einen solchen Zusammenhang groß wundert oder ihm gar widerspricht. So geschehen 1996 im rheinischen Recklinghausen – aber nicht nur dort, und nicht nur dann. Anderes Beispiel, eines von vielen: Der berüchtigte Berliner Neonazi Arnulf Priem nennt seine paramilitärische Terrorgruppe “Wotans Volk”, und keiner widerspricht ihm. Auch zahlreiche andere Gruppen, vom rassistischen “Armanen-Orden” bis zur faschistischen “Wiking-Jugend”, berufen sich auf angeblich “germanisches” Erbe, benutzen willkürlich Runen und andere germanische Symbole, und keiner widerspricht ihnen. Warum auch? Es ist ja allgemein bekannt, dass sich die Nazis auf die “alten Germanen” beriefen, sich ihrer Symbolik und ihres Mythenschatzes bedienten. Und spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind Germanentum und Sieg-Heil-Gebrüll für die meisten zivilisierten Menschen dieselbe oder doch zumindest die gleiche braune Soße. Germanentum, jegliches: heutzutage (ist es) zutiefst diskreditiert, auch und gerade für die seriöse Wissenschaft. Der Holocaust erschreckte die zivilisierte Menschheit, doch was unterscheidet die deutschen Verbrechen wirklich von denen eines Pol Pot, eines Bokassa oder eines Stalin? Nicht die ungeheure Zahl der Opfer, auch nicht die Mordmethoden, die m.E. nur (den Schattenseiten) der jeweiligen Kultur entsprechen, nein: Es ist der ideologische Hintergrund – er allein macht die Verbrechen Hitlerdeutschlands so schwer vergleichbar mit den anderen und sonstigen Barbareien unserer Epoche.</p>
<p>Der Rassismus der Nazis – und die (heutzutage so auffällig schwer begründbare) Begeisterung des damals fast gesamten deutschen Volkes für Hitler – hatte letztlich auch und vor allem okkulte Wurzeln, die fern jedes zivilisatorischen Verständnisses lagen. Die Menschheit (inklusiv mancher Deutscher) erschrak nach der lückenlosen Aufdeckung der Naziverbrechen tatsächlich. Mit solch einem grauenhaften Sumpf wollte man nichts (mehr) zu tun haben. Und genau deshalb fand eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den pseudoreligiösen Inhalten der Nazis niemals statt, nicht in den Nürnberger Prozessen, und schon gar nicht danach. Der seitdem andauernde stillschweigende Großversuch, das Thema ausschließlich rational zu erklären, füllt Bände und Filmrollen ebenso tonnenweise wie vergeblich. Was ebenfalls nicht stattfand, war eine Rehabilitation der Germanen. Das lag wohl auch an der Scham einer internationalen Wissenschaft, die im 19. Jh. drauf und dran gewesen war, krudesten Rassismus salonfähig zu machen – dies im Gefolge einer (nach heutigen Maßstäben und Erkenntnissen gründlich unwissenschaftlichen, jedenfalls aber unreflektierten) Begeisterung für angeblich germanisch-keltische Wurzeln des Abendlandes, die absurd zu überhöhen und zu idealisieren um die Jahrhundertwende offensichtlich Mode war. Oder inhumane Konsequenz: denn schließlich musste weltweiter Kolonialismus gerechtfertigt werden – ausgerechnet von Nationen, deren Religion angeblich die Nächstenliebe war und ist.<br />
Dieser offensichtliche Widerspruch zwischen Sklavenhalterei und Ausbeutung einerseits und christlicher Bergpredigt anderseits ließ sich wohl nur mit der Lehre von “unterschiedlich wertvollen Rassen” übertünchen. Groteske Ergebnisse solcher Bemühungen waren u.a. die Theosophie im allgemeinen und deren Kind, die <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">Ariosophie</a>, im besonderen.</p>
<p>Kurze Erklärung: Die Anhänger der Ariosophie behaupten (damals wie heute), die Menschheit stamme angeblich vom fernen Stern Aldebaran. Auf der langen Reise zur Erde hätten sich die “fünf Wurzelrassen” der Menschheit illegal miteinander vermischt, das Ergebnis seien “niedere” und “minderwertige Rassen” auf der Erde, die dazu bestimmt seien, von den “höheren Rassen” beherrscht zu werden. Als “höher” gelten dabei die Hellhäutigen und (im Idealfall) Blondhaarigen, die sich vor weiterer Vermischung schützen müssten, um nicht unterzugehen. Eine einfache Sündenbock-Theorie: Denn was an den angeblich “höheren Rassen” im Einzelfall nicht astrein sein sollte, verschulden laut Ariosophie immer die anderen, die “dunklen”. Da natürlich niemand perfekt ist, geht diese Sündenbock-Rechnung immer auf: Die Feindbilder können wechseln, ein Feind – auf den das eigene Minderwertigkeitsgefühl projiziert wird – ist aber immer präsent.<br />
Der aus all dem letztlich resultierende fremden- und judenfeindliche Okkultismus der Nazis hat sich fast wahllos germanischer Symbolik bedient und diese gründlich missbraucht – seit Auschwitz haftet auch allem Germanischen der Ruch des Verbrechens an, zumindest für aufgeklärte und rationalistische Zeitgenossen. Die weniger rationalistischen indes, namentlich sogenannte Neuheiden, neigen heute dazu, in dieselben Fallen zu tappen wie ihre historischen Vorgänger vor über 100 Jahren. Theosophie und Ariosophie, die metaphysischen Grundlehren für rassistische Verschwörungstheorien aller Art, feiern unter zeitgenössischen esoterischen Sinnsuchern unerkannt giftige Urständ´.<br />
Doch bleiben wir einstweilen bei der Mehrheit. Die tiefe, ja beinahe instinktive Ablehnung all dessen, was irgendwie “germanisch” riecht, geht leider so weit, dass das Thema heute niemanden mehr interessiert.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-nazis-und-germanen-–-der-unerkannte-gegensatz">Nazis und Germanen – der unerkannte Gegensatz</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by Eibensang <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Noch immer haben die meisten Zeitgenossen, wenn von Germanen die Rede ist, Bilder im Kopf, die aus dem Kuriositätenmuseum der Nationalromantik stammen. Vom &#8220;blonden Recken&#8221; bis zum &#8220;Arier&#8221; der Nazis ist es anscheinend nur ein kleiner Schritt. Befasst man sich jedoch eingehender mit germanischer Kultur, Geschichte und Mythologie, gewinnt man eher den Eindruck: Einen Hitler hätten historische Germanen nicht bejubelt, sondern umgebracht.</b><span id="more-113"></span></p>
<h3>Vorwort, oder: warum, wieso, weshalb</h3>
<blockquote><p>
“Die alten Germanen, sie lagen /<br />
zu beiden Ufern des Rheins /<br />
Sie lagen auf Bärenfellen /<br />
und tranken immer noch eins.”</p></blockquote>
<p>Dieser leicht dümmliche Spruch, gefunden auf dem Etikett einer im fränkischen Bayreuth erstandenen Flasche Met, spiegelt eins der wohl noch harmloseren Klischees über “die Germanen” wider.</p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein.jpg" rel="lightbox[113]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Wildschwein" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein-300x244.jpg" alt="Wildschwein - nach einer antiken Bronzefibel" width="300" height="244" /></a></div>
<p>Auf wild wogenden Wellen heranwallende wotanwütige Wagner-Wikinger mit Hörnerhelmen, darüber wolkenreitende Walküren, die nach wie vor hurtig (hoyotoho!) durch die sog. Hochkultur von Oper und Operette herumgeistern, sind höchstens abschreckend lächerlich und schaden, möchte man meinen, doch eigentlich niemandem – auch wenn solche Figuren mit der vormittelalterlichen Wirklichkeit Europas ebensowenig zu tun haben wie z.B. (sagen wir mal) die Lebenswirklichkeit nordamerikanischer Ureinwohner mit der altdeutsch eingekitschten Indianerromantik eines Karl May.</p>
<p>Wenn jedoch ein Rechtsradikaler Amok läuft, auf Menschen schießt und anschließend behauptet, er habe Mord und Mordversuche “im Auftrag Odins” begangen, wird die Sache schon etwas ernster – besonders, wenn sich niemand über einen solchen Zusammenhang groß wundert oder ihm gar widerspricht. So geschehen 1996 im rheinischen Recklinghausen – aber nicht nur dort, und nicht nur dann. Anderes Beispiel, eines von vielen: Der berüchtigte Berliner Neonazi Arnulf Priem nennt seine paramilitärische Terrorgruppe “Wotans Volk”, und keiner widerspricht ihm. Auch zahlreiche andere Gruppen, vom rassistischen “Armanen-Orden” bis zur faschistischen “Wiking-Jugend”, berufen sich auf angeblich “germanisches” Erbe, benutzen willkürlich Runen und andere germanische Symbole, und keiner widerspricht ihnen. Warum auch? Es ist ja allgemein bekannt, dass sich die Nazis auf die “alten Germanen” beriefen, sich ihrer Symbolik und ihres Mythenschatzes bedienten. Und spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind Germanentum und Sieg-Heil-Gebrüll für die meisten zivilisierten Menschen dieselbe oder doch zumindest die gleiche braune Soße. Germanentum, jegliches: heutzutage (ist es) zutiefst diskreditiert, auch und gerade für die seriöse Wissenschaft. Der Holocaust erschreckte die zivilisierte Menschheit, doch was unterscheidet die deutschen Verbrechen wirklich von denen eines Pol Pot, eines Bokassa oder eines Stalin? Nicht die ungeheure Zahl der Opfer, auch nicht die Mordmethoden, die m.E. nur (den Schattenseiten) der jeweiligen Kultur entsprechen, nein: Es ist der ideologische Hintergrund – er allein macht die Verbrechen Hitlerdeutschlands so schwer vergleichbar mit den anderen und sonstigen Barbareien unserer Epoche.</p>
<p>Der Rassismus der Nazis – und die (heutzutage so auffällig schwer begründbare) Begeisterung des damals fast gesamten deutschen Volkes für Hitler – hatte letztlich auch und vor allem okkulte Wurzeln, die fern jedes zivilisatorischen Verständnisses lagen. Die Menschheit (inklusiv mancher Deutscher) erschrak nach der lückenlosen Aufdeckung der Naziverbrechen tatsächlich. Mit solch einem grauenhaften Sumpf wollte man nichts (mehr) zu tun haben. Und genau deshalb fand eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den pseudoreligiösen Inhalten der Nazis niemals statt, nicht in den Nürnberger Prozessen, und schon gar nicht danach. Der seitdem andauernde stillschweigende Großversuch, das Thema ausschließlich rational zu erklären, füllt Bände und Filmrollen ebenso tonnenweise wie vergeblich. Was ebenfalls nicht stattfand, war eine Rehabilitation der Germanen. Das lag wohl auch an der Scham einer internationalen Wissenschaft, die im 19. Jh. drauf und dran gewesen war, krudesten Rassismus salonfähig zu machen – dies im Gefolge einer (nach heutigen Maßstäben und Erkenntnissen gründlich unwissenschaftlichen, jedenfalls aber unreflektierten) Begeisterung für angeblich germanisch-keltische Wurzeln des Abendlandes, die absurd zu überhöhen und zu idealisieren um die Jahrhundertwende offensichtlich Mode war. Oder inhumane Konsequenz: denn schließlich musste weltweiter Kolonialismus gerechtfertigt werden – ausgerechnet von Nationen, deren Religion angeblich die Nächstenliebe war und ist.<br />
Dieser offensichtliche Widerspruch zwischen Sklavenhalterei und Ausbeutung einerseits und christlicher Bergpredigt anderseits ließ sich wohl nur mit der Lehre von “unterschiedlich wertvollen Rassen” übertünchen. Groteske Ergebnisse solcher Bemühungen waren u.a. die Theosophie im allgemeinen und deren Kind, die <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">Ariosophie</a>, im besonderen.</p>
<p>Kurze Erklärung: Die Anhänger der Ariosophie behaupten (damals wie heute), die Menschheit stamme angeblich vom fernen Stern Aldebaran. Auf der langen Reise zur Erde hätten sich die “fünf Wurzelrassen” der Menschheit illegal miteinander vermischt, das Ergebnis seien “niedere” und “minderwertige Rassen” auf der Erde, die dazu bestimmt seien, von den “höheren Rassen” beherrscht zu werden. Als “höher” gelten dabei die Hellhäutigen und (im Idealfall) Blondhaarigen, die sich vor weiterer Vermischung schützen müssten, um nicht unterzugehen. Eine einfache Sündenbock-Theorie: Denn was an den angeblich “höheren Rassen” im Einzelfall nicht astrein sein sollte, verschulden laut Ariosophie immer die anderen, die “dunklen”. Da natürlich niemand perfekt ist, geht diese Sündenbock-Rechnung immer auf: Die Feindbilder können wechseln, ein Feind – auf den das eigene Minderwertigkeitsgefühl projiziert wird – ist aber immer präsent.<br />
Der aus all dem letztlich resultierende fremden- und judenfeindliche Okkultismus der Nazis hat sich fast wahllos germanischer Symbolik bedient und diese gründlich missbraucht – seit Auschwitz haftet auch allem Germanischen der Ruch des Verbrechens an, zumindest für aufgeklärte und rationalistische Zeitgenossen. Die weniger rationalistischen indes, namentlich sogenannte Neuheiden, neigen heute dazu, in dieselben Fallen zu tappen wie ihre historischen Vorgänger vor über 100 Jahren. Theosophie und Ariosophie, die metaphysischen Grundlehren für rassistische Verschwörungstheorien aller Art, feiern unter zeitgenössischen esoterischen Sinnsuchern unerkannt giftige Urständ´.<br />
Doch bleiben wir einstweilen bei der Mehrheit. Die tiefe, ja beinahe instinktive Ablehnung all dessen, was irgendwie “germanisch” riecht, geht leider so weit, dass das Thema heute niemanden mehr interessiert.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-nazis-und-germanen-–-der-unerkannte-gegensatz">Nazis und Germanen – der unerkannte Gegensatz</a></p>
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		<title>Als die Sau noch Göttin war: Nazis und Germanen – der unerkannte Gegensatz</title>
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		<comments>http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-nazis-und-germanen-%e2%80%93-der-unerkannte-gegensatz/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 May 2011 22:47:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eibensang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Nazis und Germanen – der unerkannte Gegensatz</h3>
<p>Germanen – dieses Thema ist kein Thema. Dadurch wird die Definition dessen, was germanisch war, und was germanisch ist, den ideologischen Nachfolgern der alten Nazis überlassen. Auf deutsch: Wir lassen uns wichtige Teile der Geschichte und Vorgeschichte von Völkermördern und deren Sympathisanten deuten. Ich will etwas anderes. Ich will die Spreu vom Weizen trennen. Ich will mir europäische Geschichte und Vorgeschichte nicht von Kulturverächtern, sozialdarwinistischen Mördern und Menschheitsverbrechern diktieren lassen. Ich will mir dieselbe Geschichte und Vorgeschichte auch nicht von bewusst frömmlerischen, unbewusst faschistoiden Esoterikern venebeln (und damit abermals verdrehen) lassen. Ich will ferner nicht mindestens sechs (bis maximal 15) Jahrhunderte weiterhin totgeschwiegen oder mit Nebensätzen übergangen wissen von gutmeinenden Geschichtsschreibern, die sich schämen für Schauergeschichten über Heidenbräuche, die altrömischer oder frühkirchlicher Propaganda – oder eben der Goebbels´ – entspringen. Ich will Tatsachen aufzeigen und belegen. Ich will ansatzweise erläutern, was Germanen von denen unterscheidet, die sich (gestern und heute) so gern auf sie berufen.</p>
<p>Mein Fazit: Hält man sich an historische Fakten, sind Germanentum und Nazitum unvereinbar. Ihre Werte und Weltbilder sind nicht nur verschieden, sondern diametral entgegengesetzt. Hätten die Deutschen wirklich germanisch empfunden, wäre Hitler Anstreicher geblieben und Himmler ausgelacht worden. Falls es solche Gestalten tatsächlich zu irgendeiner Führerschaft gebracht hätten, wären sie allerspätestens 1942 als Sakralopfer fällig gewesen (vermutlich aber schon 1939. Zugegeben: Zum Sakralopfer hätte es wohl doch nicht ganz gereicht, weil man Hitler eher schon 1933 abgesetzt hätte: dies ganz unsakral, aber herzhaft) – ganz davon abgesehen, dass die Ausgrenzung ganzer Volksteile (von deren Ermordung mal zu schweigen) germanischem Denken und Handeln total widerspricht. Soziale Ausgrenzung von Teilen der Gemeinschaft (im deutschen Falle damals vor allem der Juden) ist historisch belegbar das Ungermanischste, was man sich überhaupt vorstellen kann. Es gibt keinen einzigen nationalsozialistischen Kernsatz oder Wunsch, der irgendwie “germanisierbar” wäre – hält man sich an die historischen Fakten.<br />
Germanische Kulturen waren weder rassistisch noch nationalistisch; Stechschritt und Kadavergehorsam sind keine germanischen Werte, sondern preußische Erfindungen; germanische Stämme definierten sich nicht über reale Blutsverwandtschaften, sondern spirituelle Bindungen; germanische Führer hatten keine diktatorische Macht, sondern soziale Verantwortung, zu der sie ggf. sehr real gezogen wurden; kurz – eine germanische Nation hat es nie gegeben, denn: Mit Stammeskulturen ist kein Staat zu machen.</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/36068/2969772"><img src="http://u1.ipernity.com/8/97/72/2969772.5b6b1336.500.jpg" width="500" height="375" alt="Straßentempel der Nemesis" border="0"/></a><br />
<i>Straßentempel der Nemesis in</i> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carnuntum" target="_blank"><i>Carnuntum</i></a>. <i>Nicht &#8220;germanisch&#8221;, aber den Nazis und ihren Nachbetern angemessen! &#8211; Foto: Brigh</i></p>
<p>Das Böse will ich nicht beklagen, sondern bekämpfen. Dazu muss ich Gutes tun, muss sozusagen im Guten wurzeln – und der unpopuläre Aspekt meiner These ist, dass dieses Gute mit germanischer Kultur zu tun hat. Die kann und will ich keineswegs idealisieren – vielleicht, weil germanische Kultur selbst kaum Ideale in unserem Sinne kannte, sondern nur Rezepte, die sich als praktisch, als alltagstauglich erwiesen. Das bedingte deren ständige Veränderungsbereitschaft, sprich: Flexibilität. Die germanische Mythologie kennt kein Paradies, sondern nur ein geschicktes Balancieren zwischen kosmischen Spannungsverhältnissen. Dementsprechend rau, kantig und unrund klingen ihre Überlieferungen.<br />
Germanische Götter sind keine allmächtigen Schöpfer, sondern Vorbilder: übermenschlich zwar, aber mit erheblichen Macken. Auf deren Form und Sinn komme ich noch zu sprechen. Die Nazis jedenfalls hatten und haben von germanischen Göttern nicht die geringste Ahnung. Sie erschlugen Europa mit dem Knauf des germanischen Schwerts, doch sie umfassten es stets an der Schneide. Tatsächlich meine ich es so wie ich´s sage. Die Nazis stellten die germanische Kultur auf den Kopf. Sie konnten sich der sogenannten “Germanen” nur bedienen, indem sie germanische Werte in ihr Gegenteil verkehrten. Zum Teil sogar buchstäblich, wie das sogenannte Hakenkreuz zeigt: Die Swastika drehte sich bei Germanen und deren Vorfahren anders herum (spiegelverkehrt, müsste man heute sagen); als altes Sonnensymbol war sie weiß, nicht schwarz. Aus dem mindestens fünf Jahrtausende alten Zeichen göttlichen Lebens wurde in nur wenigen Jahren weltweit das des fanatischen Mordes. Doch ich will mich nicht mit Äußerlichkeiten begnügen. Mit “rassischer Reinheit” hätte das historische Völkergemisch der echten “Germanen” ebensowenig anzufangen gewusst wie mit dem asozialen “Herrenmenschen”-Ideal der deutschen Faschisten. Sogar noch der in der Edda postpagan überlieferte nordische Götterhimmel  präsentiert sich weniger als blauäugiges Heldenepos denn als burschikoses Behindertenballett – davon später mehr.</p>
<p>“Wer Wind sät, wird Sturm ernten,” sagt die Bibel. Ich ergänze hiermit: “Wer Sturm ruft, erntet Wotan” – und dessen archaischer Kraft (samt kultureller Implikation) sind Rassisten, wie die Geschichte schon einmal bewies, nicht gewachsen. Aus dem beschworenen “Endsieg” Deutschlands wurde dessen bedingungslose Kapitulation, aus “Ahnenerbe” Geschichtsvergessenheit, aus dem drittklassigen deutschen “Reich” eine erstrangige Katastrophe. Vielleicht hätten sich die Deutschen des 20. Jahrhunderts doch etwas besser informieren sollen, welche Geister sie da riefen – und welcher unbekannten, ja fremden Kultur die tatsächlich entstammten. Über diese unbekannte Kultur möchte ich sprechen.</p>
<p>Weiter: <a href="als-die-sau-noch-gottin-war-wer-waren-“die-germanen”">Wer waren die &#8220;Germanen?&#8221;</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by Eibensang <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-nazis-und-germanen-%e2%80%93-der-unerkannte-gegensatz/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Nazis und Germanen – der unerkannte Gegensatz</h3>
<p>Germanen – dieses Thema ist kein Thema. Dadurch wird die Definition dessen, was germanisch war, und was germanisch ist, den ideologischen Nachfolgern der alten Nazis überlassen. Auf deutsch: Wir lassen uns wichtige Teile der Geschichte und Vorgeschichte von Völkermördern und deren Sympathisanten deuten. Ich will etwas anderes. Ich will die Spreu vom Weizen trennen. Ich will mir europäische Geschichte und Vorgeschichte nicht von Kulturverächtern, sozialdarwinistischen Mördern und Menschheitsverbrechern diktieren lassen. Ich will mir dieselbe Geschichte und Vorgeschichte auch nicht von bewusst frömmlerischen, unbewusst faschistoiden Esoterikern venebeln (und damit abermals verdrehen) lassen. Ich will ferner nicht mindestens sechs (bis maximal 15) Jahrhunderte weiterhin totgeschwiegen oder mit Nebensätzen übergangen wissen von gutmeinenden Geschichtsschreibern, die sich schämen für Schauergeschichten über Heidenbräuche, die altrömischer oder frühkirchlicher Propaganda – oder eben der Goebbels´ – entspringen. Ich will Tatsachen aufzeigen und belegen. Ich will ansatzweise erläutern, was Germanen von denen unterscheidet, die sich (gestern und heute) so gern auf sie berufen.</p>
<p>Mein Fazit: Hält man sich an historische Fakten, sind Germanentum und Nazitum unvereinbar. Ihre Werte und Weltbilder sind nicht nur verschieden, sondern diametral entgegengesetzt. Hätten die Deutschen wirklich germanisch empfunden, wäre Hitler Anstreicher geblieben und Himmler ausgelacht worden. Falls es solche Gestalten tatsächlich zu irgendeiner Führerschaft gebracht hätten, wären sie allerspätestens 1942 als Sakralopfer fällig gewesen (vermutlich aber schon 1939. Zugegeben: Zum Sakralopfer hätte es wohl doch nicht ganz gereicht, weil man Hitler eher schon 1933 abgesetzt hätte: dies ganz unsakral, aber herzhaft) – ganz davon abgesehen, dass die Ausgrenzung ganzer Volksteile (von deren Ermordung mal zu schweigen) germanischem Denken und Handeln total widerspricht. Soziale Ausgrenzung von Teilen der Gemeinschaft (im deutschen Falle damals vor allem der Juden) ist historisch belegbar das Ungermanischste, was man sich überhaupt vorstellen kann. Es gibt keinen einzigen nationalsozialistischen Kernsatz oder Wunsch, der irgendwie “germanisierbar” wäre – hält man sich an die historischen Fakten.<br />
Germanische Kulturen waren weder rassistisch noch nationalistisch; Stechschritt und Kadavergehorsam sind keine germanischen Werte, sondern preußische Erfindungen; germanische Stämme definierten sich nicht über reale Blutsverwandtschaften, sondern spirituelle Bindungen; germanische Führer hatten keine diktatorische Macht, sondern soziale Verantwortung, zu der sie ggf. sehr real gezogen wurden; kurz – eine germanische Nation hat es nie gegeben, denn: Mit Stammeskulturen ist kein Staat zu machen.</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/36068/2969772"><img src="http://u1.ipernity.com/8/97/72/2969772.5b6b1336.500.jpg" width="500" height="375" alt="Straßentempel der Nemesis" border="0"/></a><br />
<i>Straßentempel der Nemesis in</i> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carnuntum" target="_blank"><i>Carnuntum</i></a>. <i>Nicht &#8220;germanisch&#8221;, aber den Nazis und ihren Nachbetern angemessen! &#8211; Foto: Brigh</i></p>
<p>Das Böse will ich nicht beklagen, sondern bekämpfen. Dazu muss ich Gutes tun, muss sozusagen im Guten wurzeln – und der unpopuläre Aspekt meiner These ist, dass dieses Gute mit germanischer Kultur zu tun hat. Die kann und will ich keineswegs idealisieren – vielleicht, weil germanische Kultur selbst kaum Ideale in unserem Sinne kannte, sondern nur Rezepte, die sich als praktisch, als alltagstauglich erwiesen. Das bedingte deren ständige Veränderungsbereitschaft, sprich: Flexibilität. Die germanische Mythologie kennt kein Paradies, sondern nur ein geschicktes Balancieren zwischen kosmischen Spannungsverhältnissen. Dementsprechend rau, kantig und unrund klingen ihre Überlieferungen.<br />
Germanische Götter sind keine allmächtigen Schöpfer, sondern Vorbilder: übermenschlich zwar, aber mit erheblichen Macken. Auf deren Form und Sinn komme ich noch zu sprechen. Die Nazis jedenfalls hatten und haben von germanischen Göttern nicht die geringste Ahnung. Sie erschlugen Europa mit dem Knauf des germanischen Schwerts, doch sie umfassten es stets an der Schneide. Tatsächlich meine ich es so wie ich´s sage. Die Nazis stellten die germanische Kultur auf den Kopf. Sie konnten sich der sogenannten “Germanen” nur bedienen, indem sie germanische Werte in ihr Gegenteil verkehrten. Zum Teil sogar buchstäblich, wie das sogenannte Hakenkreuz zeigt: Die Swastika drehte sich bei Germanen und deren Vorfahren anders herum (spiegelverkehrt, müsste man heute sagen); als altes Sonnensymbol war sie weiß, nicht schwarz. Aus dem mindestens fünf Jahrtausende alten Zeichen göttlichen Lebens wurde in nur wenigen Jahren weltweit das des fanatischen Mordes. Doch ich will mich nicht mit Äußerlichkeiten begnügen. Mit “rassischer Reinheit” hätte das historische Völkergemisch der echten “Germanen” ebensowenig anzufangen gewusst wie mit dem asozialen “Herrenmenschen”-Ideal der deutschen Faschisten. Sogar noch der in der Edda postpagan überlieferte nordische Götterhimmel  präsentiert sich weniger als blauäugiges Heldenepos denn als burschikoses Behindertenballett – davon später mehr.</p>
<p>“Wer Wind sät, wird Sturm ernten,” sagt die Bibel. Ich ergänze hiermit: “Wer Sturm ruft, erntet Wotan” – und dessen archaischer Kraft (samt kultureller Implikation) sind Rassisten, wie die Geschichte schon einmal bewies, nicht gewachsen. Aus dem beschworenen “Endsieg” Deutschlands wurde dessen bedingungslose Kapitulation, aus “Ahnenerbe” Geschichtsvergessenheit, aus dem drittklassigen deutschen “Reich” eine erstrangige Katastrophe. Vielleicht hätten sich die Deutschen des 20. Jahrhunderts doch etwas besser informieren sollen, welche Geister sie da riefen – und welcher unbekannten, ja fremden Kultur die tatsächlich entstammten. Über diese unbekannte Kultur möchte ich sprechen.</p>
<p>Weiter: <a href="als-die-sau-noch-gottin-war-wer-waren-“die-germanen”">Wer waren die &#8220;Germanen?&#8221;</a></p>
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		<title>Als die Sau noch Göttin war: Wer waren “die Germanen”?</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 22:44:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eibensang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Wer waren “die Germanen”?</h3>
<p>Sehr einfach: Es hat sie nie gegeben.</p>
<p>Das Wenige, was wirklich über germanische Kultur(en) bekannt ist und bekannt war, taugt seit je allen Außenstehenden zur beinahe beliebigen Projektion. Für den römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar waren “die Germanen” einfach jene Barbarenstämme, die östlich des Rheins lebten. Die Stämme westlich des Rheins seien die Kelten – so einfach machten es sich die römischen Eroberer vor 2000 Jahren. Caesars Bestreben war es, mit <i>“de bello gallico”</i> einen Eroberungskrieg vor dem römischen Senat zu rechtfertigen.<br />
Der römische Geschichtsschreiber Tacitus wiederum benutzte mit seinem Wissen aus zweiter Hand (Gymnasiasten leidvoll bekannt als <i>“Germania”</i>) Erzählungen über germanische Kultur dazu, der von ihm als dekadent empfundenen römischen Stadtbevölkerung das Ideal der “edlen Wilden” vorzuhalten.<br />
Ein Polit-Stratege hie, ein antiker Karl May da – unbrauchbar sind beide Schriftzeugnisse dennoch nicht; man muss sich nur vergegenwärtigen, welcher Intention sie folgten. Ob antikes Rom oder jüngstes Deutschland: An einer realistischen Darstellung germanischer Verhältnisse war jedenfalls die längste Zeit der Geschichte niemand interessiert!</p>
<p>Wechselnde Bündnisse und Fehden sowie gegenseitige Kultureinflüsse unter den mittel- und nordeuropäischen Völkerschaften machten es den Römern sicher auch schwer,<br />
zwischen der bunten Vielfalt germanischer und keltischer Stämme zu unterscheiden – die entsprechenden Fehldeutungen pflanzen sich bis in unseren heutigen Sprachgebrauch fort. Wer hält z.B. die Teutonen nicht für Germanen? Tatsächlich neigt die Wissenschaft inzwischen eher dazu, die Teutonen zu den Kelten zu rechnen. Geht womöglich der Stammesname auf den Gott Teutates zurück? Die Asterix-Leser unter uns atmen auf, endlich mal wieder was Vertrautes … Tatsächlich: Teutates ist eindeutig ein gallischer, also keltischer Gott. Wer aber waren denn nun Kelten und Germanen, und wieso hat es zumindest letztere laut meiner Aussage nicht gegeben?</p>
<p>In der heutigen Wissenschaft werden Völker, neudeutsch “Ethnien”, und Volksgruppen nach ihrer Sprachzugehörigkeit definiert. Demnach kann man solche Kulturen germanisch nennen, in welchen germanische Sprachen gesprochen wurden. Macht man sich die Mühe, einen historischen Atlas aufzuschlagen, der mit heutigen Mitteln Europa vor 2000 Jahren zu gliedern versucht, wird man über die geographischen Gegebenheiten nördlich des Limes folgendermaßen informiert: “Vermutlich Wald”, “vermutlich Sumpf” lauten die lapidaren Angaben über den halben Kontinent nördlich des Römischen Imperiums.</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/36068/8935156"><img src="http://u1.ipernity.com/16/51/56/8935156.6247c00b.500.jpg" width="500" height="334" alt="Elsarn" border="0"/></a><br />
<i>Germanisches Gehöft Elsarn &#8211; rekonstruiertes Haus &#8211; Foto: Brigh</i></p>
<p>Die sog. Indoeuropäer – Vorläufer der Kelten, Slawen, diverser Mittelmeerkulturen und auch der späteren Germanen – kamen aus dem vorderindischen bis kaukasischen Raum. Einwanderungswellen indoeuropäischer Hirtenvölker aus asiatischen Steppen gab es mehrere, und die anschließende Vermischung mit den bäuerlichen Urbevölkerungen Europas erstreckt sich über den Zeitraum von Jahrtausenden: Was davon erhalten blieb, sind spärliche Scherbenfunde, Keramikreste, ein paar Gräber, und vergleichbare Misch-Mythen quer durch die Kulturen.<br />
Der indoeuropäische Zug der späteren Germanen jedenfalls endete im Gebiet des heutigen Dänemark, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern sowie im ostrheinischen Teil der heutigen Niederlande (was archäologisch der Ausdehnung der sog. Harpstedt- und Jastorfkultur entspricht). Die urgermanische Sprache wird auf ca. 2000 v.Chr. datiert; erst 200 v.Chr. teilte sie sich auf in einen nord- und einen südgermanischen Dialekt. Bemerkenswert bleibt, dass ein gutes Drittel des urgermanischen Wortschatzes sich heute nicht mehr zuordnen lässt. Dieses Drittel ist nicht indoeuropäisch, es stammt auch definitiv nicht aus der Megalithkultur (den mutmaßlichen Erbauern von Stonehenge) 2000 v.Chr.; seine Herkunft verliert sich völlig im Dunkeln. Die unbekannten Worte müssen kurz vor 2000 v.Chr. übernommen worden sein: kein Mensch weiß, von wem.</p>
<p>Von “germanischer Kultur” lässt sich allerfrühestens ab 500 v.Chr. sprechen – je nachdem, wie man die archäologischen Funde deutet. Jenseits sprachlicher Zuordnungsmöglichkeit wird dies schnell spekulativ. Germanen sind ein Ergebnis zahlloser Wanderungen, Kämpfe und Vermischungen verschiedenster Volksstämme. Nicht Geschichte, nicht Politik, nicht Verwandtschaft, nein: Kultur war das einzige, was sie gemeinsam hatten. Und selbst das  ist ein relativer Begriff. Denn der Gesamtheit der germanischen Stämme – also derjenigen Stämme mit germanischen Dialekten und Sitten – fehlte jedes Gemeinschaftsbewusstsein über den eigenen Stamm hinaus.<br />
Fehlte? Tatsächlich ist diese Haltung üblich bei archaischen Stammeskulturen in aller Welt.</p>
<p>Die Germanen hat es also schon deshalb nie gegeben, weil sich zwischen 500 Jahren vor und 900 Jahren nach Christus niemand selbst so bezeichnet oder gesehen hat. Diejenigen Leute von damals, die wir heute Germanen nennen, hätten sich selbst Chatten, Sueben, Istwäonen, Ingwäonen, Langobarden, Burgunder, Goten, Vandalen, Alamannen, Markomannen, Quaden, Hermunduren, Cherusker, Semnonen, Bataver, Gepiden, Rugier, Ambronen, Hasdingen, Warnen, Kimbern, Thüringer, Saxen, Angeln, Bajowaren, Franken – oder sogar vollkommen anders genannt, denn viele Stammesnamen, die wir heute kennen, stammen nicht von diesen Stämmen selber.</p>
<p>Was diese aber über sich und ihre Gepflogenheiten im einzelnen hätten sagen können, hätte zwangsläufig nur für Chatten, oder für Langobarden, oder für Vandalen, oder eben jenen einen Stamm gegolten, dessen Angehörigen wir gerade angesprochen hätten – nicht aber für die sprachlich verwandten “Stämme nebenan”. Wenn ich sage, es hat keine Germanen gegeben, meine ich damit:<br />
Es hat – über die gemeingermanische Kultur und Mentalität hinaus – kein germanisches Selbstverständnis gegeben: kein politisches, und schon gar kein “rassisches”. Die germanischen Stämme waren Personenverbandsgesellschaften; sie definierten sich nicht nach Territorien wie Staaten, sondern nach Zugehörigkeit zu Personen – und zu Göttern. Der Gedanke eines pan-germanischen Selbstverständnisses im Sinne eines faktischen oder auch nur theoretischen germanischen Nationalstaates ist ein Widerspruch in sich: Mit Stammeskulturen ist kein Staat zu machen – schon gar kein militärischer.<br />
Berserker laufen nicht auf Befehl, und schon gar nicht im Gleichschritt: Grundlage ihrer Kampfmethode ist nicht soldatischer Gehorsam, sondern schamanische Ekstase. Berserker, Bärenfellkrieger – das waren nach germanischem Verständnis Kämpfer, die sich in wilde Tiere verwandelten. Wolf, Bär und Katze waren dabei nur die populärsten. Die Geschichte beweist, dass man damit zwar viel Ruhm gewinnen kann, aber keine Kriege. Den disziplinierten, bestens bewaffneten, hocheffizient organisierten und straff geführten Heeren des Römischen Reiches waren die schlechtausgerüsteten germanischen Horden militärisch ähnlich hoffnungslos unterlegen wie die amerikanischen Ureinwohner der U.S.-Kavallerie; Ausnahmesiege wie Teutoburger Wald hie oder Little Big Horn da bestätigen die traurige Regel. Als militärisches Vorbild taugen die hoch individualistischen Germanenkriegerinnen und -krieger nun wirklich nicht.<br />
Kriegerinnen? Schriftliche Quellen wollen nichts von ihnen gewusst haben, aber was sagen schon schriftliche Quellen über eine Kultur, die ihre literarische Hinterlassenschaft auf vereinzelte Glyphen (und auch noch viel später auf ledigliche Spruchband-Kritzeleien a la &#8220;Kilroy was here und versank mit Mann und Maus&#8221;) beschränkt? Von der Höhe ihrer urbanen Zivilisation sahen bereits die seit je geschichtsschreibenden Römer naserümpfend auf die schriftlosen Länder der Analphabeten herab, und sahen dort eigentlich nur Wald. Und deshalb zeigen auch unsere heutigen Atlanten nicht mehr als &#8220;&#8230;vermutlich Wald&#8230; vermutlich Sumpf&#8230;&#8221;, und selbst für die Völkerwanderung ein vages Wirrwarr quer durch Europa wuselnder Pfeile. Pikantes Detail am Rande: Hunderte von Jahren innergermanischer Kriegswirren sind überhaupt nicht dokumentiert, weil sich die Römer, da selbst nicht bedroht, dafür schlicht nicht interessierten. Über manche Moorleichenfunde wird noch gestritten; doch im frühmittelalterlichen Gräberfeld von Niederstotzingen z.B., (nicht groß, aber überdurchschnittlich reich an Waffen- und Panzerbeigaben), fand man auch eine schwerbewaffnete Frau.<br />
Eine Randentdeckung, die – rein historisch – nicht viel bedeuten braucht. Aber gerade solche Kleinigkeiten, die sich schwer ins Schema der Erwartungen fügen mögen, könnten – auch und weil sie mehr Fragen aufwerfen als beantworten – allzu festgefahrene Annahmen relativieren helfen: was uns selber, uns Heutige betrifft. Die Tragik an unseren Vorstellungen von germanischer Kultur erwächst nicht aus unserem tatsächlichen Mangel an Gewissheiten darüber, sondern aus dem stetig vorausgaloppierenden Irrtum, sie besser zu kennen als wir können. Woher denn? Gute Frage! Wichtige Frage! Sie kann nicht oft genug gestellt werden. Ihr gilt meine ganze Rede.</p>
<p>A propos Moorleichen: Sie liefern ein prächtiges Beispiel dafür, wie sehr die Deutung archäologischer Funde davon abhängt, was man zu finden erwartet. Das berühmte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moorleiche_von_Windeby_I" target="_blank">&#8220;Mädchen von Windeby&#8221;</a> musste jahrzehntelang als &#8220;Beweis&#8221; herhalten für die angeblich rigiden germanischen Ehegesetze – auf die ja auch schon Tacitus angespielt hatte. Die &#8220;obszöne Geste&#8221; der Moorleiche (Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt)<br />
schien dies zu untermauern; der Fachwelt wie dem Publikum war felsenfest klar: Das  Mädchen wurde als &#8220;Ehebrecherin&#8221; im Moor versenkt. So musste es sein! Klar wie Kloßbrühe? Klar wie Moorsumpf. Generationen aufgeklärter Menschen gruselten sich wohlig in finstersten Phantasien über grausame Heidensitten. Inzwischen stellte sich heraus: Die Geste existierte nur auf einem Foto (&#8220;entstand&#8221; lediglich perspektivisch durch ein solches), die Hände der Leiche selbst sind völlig normal verschrumpelt und verkrümmt (ohne besondere Kennzeichen) – und überhaupt ist das &#8220;Mädchen von Windeby&#8221; &#8230; ein Junge.</p>
<p>Wie macht die Seifenblase? Plopp. Ganz, ganz leise. Und ward nicht mehr gesehen.<br />
Es darf gelächelt werden. Aber ja: Es gibt noch so viele&#8230;</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-mythos-religion/">Mythos Religion</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by Eibensang <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-wer-waren-%e2%80%9cdie-germanen%e2%80%9d/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wer waren “die Germanen”?</h3>
<p>Sehr einfach: Es hat sie nie gegeben.</p>
<p>Das Wenige, was wirklich über germanische Kultur(en) bekannt ist und bekannt war, taugt seit je allen Außenstehenden zur beinahe beliebigen Projektion. Für den römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar waren “die Germanen” einfach jene Barbarenstämme, die östlich des Rheins lebten. Die Stämme westlich des Rheins seien die Kelten – so einfach machten es sich die römischen Eroberer vor 2000 Jahren. Caesars Bestreben war es, mit <i>“de bello gallico”</i> einen Eroberungskrieg vor dem römischen Senat zu rechtfertigen.<br />
Der römische Geschichtsschreiber Tacitus wiederum benutzte mit seinem Wissen aus zweiter Hand (Gymnasiasten leidvoll bekannt als <i>“Germania”</i>) Erzählungen über germanische Kultur dazu, der von ihm als dekadent empfundenen römischen Stadtbevölkerung das Ideal der “edlen Wilden” vorzuhalten.<br />
Ein Polit-Stratege hie, ein antiker Karl May da – unbrauchbar sind beide Schriftzeugnisse dennoch nicht; man muss sich nur vergegenwärtigen, welcher Intention sie folgten. Ob antikes Rom oder jüngstes Deutschland: An einer realistischen Darstellung germanischer Verhältnisse war jedenfalls die längste Zeit der Geschichte niemand interessiert!</p>
<p>Wechselnde Bündnisse und Fehden sowie gegenseitige Kultureinflüsse unter den mittel- und nordeuropäischen Völkerschaften machten es den Römern sicher auch schwer,<br />
zwischen der bunten Vielfalt germanischer und keltischer Stämme zu unterscheiden – die entsprechenden Fehldeutungen pflanzen sich bis in unseren heutigen Sprachgebrauch fort. Wer hält z.B. die Teutonen nicht für Germanen? Tatsächlich neigt die Wissenschaft inzwischen eher dazu, die Teutonen zu den Kelten zu rechnen. Geht womöglich der Stammesname auf den Gott Teutates zurück? Die Asterix-Leser unter uns atmen auf, endlich mal wieder was Vertrautes … Tatsächlich: Teutates ist eindeutig ein gallischer, also keltischer Gott. Wer aber waren denn nun Kelten und Germanen, und wieso hat es zumindest letztere laut meiner Aussage nicht gegeben?</p>
<p>In der heutigen Wissenschaft werden Völker, neudeutsch “Ethnien”, und Volksgruppen nach ihrer Sprachzugehörigkeit definiert. Demnach kann man solche Kulturen germanisch nennen, in welchen germanische Sprachen gesprochen wurden. Macht man sich die Mühe, einen historischen Atlas aufzuschlagen, der mit heutigen Mitteln Europa vor 2000 Jahren zu gliedern versucht, wird man über die geographischen Gegebenheiten nördlich des Limes folgendermaßen informiert: “Vermutlich Wald”, “vermutlich Sumpf” lauten die lapidaren Angaben über den halben Kontinent nördlich des Römischen Imperiums.</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/36068/8935156"><img src="http://u1.ipernity.com/16/51/56/8935156.6247c00b.500.jpg" width="500" height="334" alt="Elsarn" border="0"/></a><br />
<i>Germanisches Gehöft Elsarn &#8211; rekonstruiertes Haus &#8211; Foto: Brigh</i></p>
<p>Die sog. Indoeuropäer – Vorläufer der Kelten, Slawen, diverser Mittelmeerkulturen und auch der späteren Germanen – kamen aus dem vorderindischen bis kaukasischen Raum. Einwanderungswellen indoeuropäischer Hirtenvölker aus asiatischen Steppen gab es mehrere, und die anschließende Vermischung mit den bäuerlichen Urbevölkerungen Europas erstreckt sich über den Zeitraum von Jahrtausenden: Was davon erhalten blieb, sind spärliche Scherbenfunde, Keramikreste, ein paar Gräber, und vergleichbare Misch-Mythen quer durch die Kulturen.<br />
Der indoeuropäische Zug der späteren Germanen jedenfalls endete im Gebiet des heutigen Dänemark, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern sowie im ostrheinischen Teil der heutigen Niederlande (was archäologisch der Ausdehnung der sog. Harpstedt- und Jastorfkultur entspricht). Die urgermanische Sprache wird auf ca. 2000 v.Chr. datiert; erst 200 v.Chr. teilte sie sich auf in einen nord- und einen südgermanischen Dialekt. Bemerkenswert bleibt, dass ein gutes Drittel des urgermanischen Wortschatzes sich heute nicht mehr zuordnen lässt. Dieses Drittel ist nicht indoeuropäisch, es stammt auch definitiv nicht aus der Megalithkultur (den mutmaßlichen Erbauern von Stonehenge) 2000 v.Chr.; seine Herkunft verliert sich völlig im Dunkeln. Die unbekannten Worte müssen kurz vor 2000 v.Chr. übernommen worden sein: kein Mensch weiß, von wem.</p>
<p>Von “germanischer Kultur” lässt sich allerfrühestens ab 500 v.Chr. sprechen – je nachdem, wie man die archäologischen Funde deutet. Jenseits sprachlicher Zuordnungsmöglichkeit wird dies schnell spekulativ. Germanen sind ein Ergebnis zahlloser Wanderungen, Kämpfe und Vermischungen verschiedenster Volksstämme. Nicht Geschichte, nicht Politik, nicht Verwandtschaft, nein: Kultur war das einzige, was sie gemeinsam hatten. Und selbst das  ist ein relativer Begriff. Denn der Gesamtheit der germanischen Stämme – also derjenigen Stämme mit germanischen Dialekten und Sitten – fehlte jedes Gemeinschaftsbewusstsein über den eigenen Stamm hinaus.<br />
Fehlte? Tatsächlich ist diese Haltung üblich bei archaischen Stammeskulturen in aller Welt.</p>
<p>Die Germanen hat es also schon deshalb nie gegeben, weil sich zwischen 500 Jahren vor und 900 Jahren nach Christus niemand selbst so bezeichnet oder gesehen hat. Diejenigen Leute von damals, die wir heute Germanen nennen, hätten sich selbst Chatten, Sueben, Istwäonen, Ingwäonen, Langobarden, Burgunder, Goten, Vandalen, Alamannen, Markomannen, Quaden, Hermunduren, Cherusker, Semnonen, Bataver, Gepiden, Rugier, Ambronen, Hasdingen, Warnen, Kimbern, Thüringer, Saxen, Angeln, Bajowaren, Franken – oder sogar vollkommen anders genannt, denn viele Stammesnamen, die wir heute kennen, stammen nicht von diesen Stämmen selber.</p>
<p>Was diese aber über sich und ihre Gepflogenheiten im einzelnen hätten sagen können, hätte zwangsläufig nur für Chatten, oder für Langobarden, oder für Vandalen, oder eben jenen einen Stamm gegolten, dessen Angehörigen wir gerade angesprochen hätten – nicht aber für die sprachlich verwandten “Stämme nebenan”. Wenn ich sage, es hat keine Germanen gegeben, meine ich damit:<br />
Es hat – über die gemeingermanische Kultur und Mentalität hinaus – kein germanisches Selbstverständnis gegeben: kein politisches, und schon gar kein “rassisches”. Die germanischen Stämme waren Personenverbandsgesellschaften; sie definierten sich nicht nach Territorien wie Staaten, sondern nach Zugehörigkeit zu Personen – und zu Göttern. Der Gedanke eines pan-germanischen Selbstverständnisses im Sinne eines faktischen oder auch nur theoretischen germanischen Nationalstaates ist ein Widerspruch in sich: Mit Stammeskulturen ist kein Staat zu machen – schon gar kein militärischer.<br />
Berserker laufen nicht auf Befehl, und schon gar nicht im Gleichschritt: Grundlage ihrer Kampfmethode ist nicht soldatischer Gehorsam, sondern schamanische Ekstase. Berserker, Bärenfellkrieger – das waren nach germanischem Verständnis Kämpfer, die sich in wilde Tiere verwandelten. Wolf, Bär und Katze waren dabei nur die populärsten. Die Geschichte beweist, dass man damit zwar viel Ruhm gewinnen kann, aber keine Kriege. Den disziplinierten, bestens bewaffneten, hocheffizient organisierten und straff geführten Heeren des Römischen Reiches waren die schlechtausgerüsteten germanischen Horden militärisch ähnlich hoffnungslos unterlegen wie die amerikanischen Ureinwohner der U.S.-Kavallerie; Ausnahmesiege wie Teutoburger Wald hie oder Little Big Horn da bestätigen die traurige Regel. Als militärisches Vorbild taugen die hoch individualistischen Germanenkriegerinnen und -krieger nun wirklich nicht.<br />
Kriegerinnen? Schriftliche Quellen wollen nichts von ihnen gewusst haben, aber was sagen schon schriftliche Quellen über eine Kultur, die ihre literarische Hinterlassenschaft auf vereinzelte Glyphen (und auch noch viel später auf ledigliche Spruchband-Kritzeleien a la &#8220;Kilroy was here und versank mit Mann und Maus&#8221;) beschränkt? Von der Höhe ihrer urbanen Zivilisation sahen bereits die seit je geschichtsschreibenden Römer naserümpfend auf die schriftlosen Länder der Analphabeten herab, und sahen dort eigentlich nur Wald. Und deshalb zeigen auch unsere heutigen Atlanten nicht mehr als &#8220;&#8230;vermutlich Wald&#8230; vermutlich Sumpf&#8230;&#8221;, und selbst für die Völkerwanderung ein vages Wirrwarr quer durch Europa wuselnder Pfeile. Pikantes Detail am Rande: Hunderte von Jahren innergermanischer Kriegswirren sind überhaupt nicht dokumentiert, weil sich die Römer, da selbst nicht bedroht, dafür schlicht nicht interessierten. Über manche Moorleichenfunde wird noch gestritten; doch im frühmittelalterlichen Gräberfeld von Niederstotzingen z.B., (nicht groß, aber überdurchschnittlich reich an Waffen- und Panzerbeigaben), fand man auch eine schwerbewaffnete Frau.<br />
Eine Randentdeckung, die – rein historisch – nicht viel bedeuten braucht. Aber gerade solche Kleinigkeiten, die sich schwer ins Schema der Erwartungen fügen mögen, könnten – auch und weil sie mehr Fragen aufwerfen als beantworten – allzu festgefahrene Annahmen relativieren helfen: was uns selber, uns Heutige betrifft. Die Tragik an unseren Vorstellungen von germanischer Kultur erwächst nicht aus unserem tatsächlichen Mangel an Gewissheiten darüber, sondern aus dem stetig vorausgaloppierenden Irrtum, sie besser zu kennen als wir können. Woher denn? Gute Frage! Wichtige Frage! Sie kann nicht oft genug gestellt werden. Ihr gilt meine ganze Rede.</p>
<p>A propos Moorleichen: Sie liefern ein prächtiges Beispiel dafür, wie sehr die Deutung archäologischer Funde davon abhängt, was man zu finden erwartet. Das berühmte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moorleiche_von_Windeby_I" target="_blank">&#8220;Mädchen von Windeby&#8221;</a> musste jahrzehntelang als &#8220;Beweis&#8221; herhalten für die angeblich rigiden germanischen Ehegesetze – auf die ja auch schon Tacitus angespielt hatte. Die &#8220;obszöne Geste&#8221; der Moorleiche (Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt)<br />
schien dies zu untermauern; der Fachwelt wie dem Publikum war felsenfest klar: Das  Mädchen wurde als &#8220;Ehebrecherin&#8221; im Moor versenkt. So musste es sein! Klar wie Kloßbrühe? Klar wie Moorsumpf. Generationen aufgeklärter Menschen gruselten sich wohlig in finstersten Phantasien über grausame Heidensitten. Inzwischen stellte sich heraus: Die Geste existierte nur auf einem Foto (&#8220;entstand&#8221; lediglich perspektivisch durch ein solches), die Hände der Leiche selbst sind völlig normal verschrumpelt und verkrümmt (ohne besondere Kennzeichen) – und überhaupt ist das &#8220;Mädchen von Windeby&#8221; &#8230; ein Junge.</p>
<p>Wie macht die Seifenblase? Plopp. Ganz, ganz leise. Und ward nicht mehr gesehen.<br />
Es darf gelächelt werden. Aber ja: Es gibt noch so viele&#8230;</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-mythos-religion/">Mythos Religion</a></p>
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		<title>Als die Sau noch Göttin war: Mythos Religion</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 22:39:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eibensang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Mythos Religion</h3>
<p>Noch in den späten (erst in längst christlicher Zeit niedergeschriebenen – und uns allein daher überlieferten) Mythen Islands finden sich die merkwürdigsten Hinweise auf Geschöpfe und Gebräuche, die ebenfalls zu dem, was einst ein Tacitus über &#8220;sittsame&#8221; Germaninnen (versus &#8220;verderbte&#8221; Römerinnen) zu fabulieren nötig hatte, auffallend wenig passen wollen.<br />
Ich denke an Mythen wie die der Rabengeist-Dämoninnen, der leichenfressenden Valkyries &#8230; Auch wenn sich allein daraus kaum erwägen lässt, inwiefern &#8220;weibliche Tugenden&#8221; damals auch und gerade auf Erden anders beinhaltet gewesen sein könnten als tausend Jahre später: Im Filter heutiger Moral werden nicht mal die postpagan überlieferten Edda-Mythen scharf. Die wir im Folgenden ein wenig beschnuppern wollen.</p>
<p>Selbst hinter Vielzitiertem verbergen sich oft die interessantesten Details – und stellen bei näherer Betrachtung scheinbar Altvertrautes in unerwartet neues Licht. Ein Beispiel: Von dem (in der späten Völkerwanderungszeit aufgekommenen) Mythos, dass in der Schlacht gefallene Krieger &#8220;zu Odin nach Walhall kommen&#8221;, hat so ziemlich jeder Depp schonmal was gehört. Und so mancher germanengläubige Neuheide von heute, der vor lauter Rollenspielbegeisterung sein Schwertgeklirr im Eifer des Freizeitgefechtes mit &#8220;Krieg&#8221; verwechselt und solchen &#8220;im Namen Odins&#8221; lauthals propagiert <i>(soll alles schon vorgekommen sein. Ich war  Zeuge, Anm.d. Verf.)</i>, vergisst dabei, dass er selbst als echter Schlagetot im Falle des Falles (seines niedergesäbelten sterblichen Rumpfes) für den großen Speerschüttler Odin nichts weiter gewesen wäre als – zweite Wahl. Die erste hat nämlich immer noch Freyja. Diese als &#8220;Liebesgöttin&#8221; nur äußerst unzureichend erahnbare Wildsau (jaja, ich weiß schon: Sie reitet nur auf einer, aber es gibt Situationen, da ähneln sich Ross und Reiter) sammelt auf demselben Schlachtfeld erstmal diejenigen Krieger ein, die ihr am besten gefallen. Ihre Auswahlkriterien sind dabei ebensowenig überliefert wie das, was diese Besten der Besten dann hinterher in Folkvang, wohin sie von Freyja verbracht werden, eigentlich so treiben. Hier schwieg des Christenmenschen Federkiel – der nur das auf Pergament kratzte, was die zweite Wahl der Erschlagenen, die Freyja für den ollen Schlachtenbummler Odin übrig lässt, in Walhall erwartet: Kämpfe, Met und Fressgelage, jeweils ohne Ende.<br />
Unbeantwortet bleibt die Frage, was derweil die Göttin Freyja mit ihren ganzen Erste-Wahl-Kriegern so anstellt. Ob sie ihnen das Stricken beibringt, das Sticken oder das Flicken – so als sittsame Germanin, ich meine ja nur – wir können uns diesen oder jenen Reim drauf machen, aber wir wissen es nicht. </p>
<p>Eindeutiger sind Hinweise darauf, dass der schon erwähnte Odin all seine <a href="http://www.nornirsaett.de/6-germanische-schamanen/">schamanischen Künste und Überlebenstricks von keiner Geringeren als ebenjener Freyja erlernte.</a> Auch ist der Mann Odin ein Wissenssucher, während sein weibliches Pendant, die Obergöttin Frigg, ebendieses Wissen in persona bereits verkörpert. Um hinter die Dinge schauen zu können, opfert Odin ein Auge – von Frigg selbst erfährt er nichts: Da ist er schon auf deren Zofe Saga angewiesen, die ihm ab und zu eine Info der Herrin steckt.</p>
<p>Die Quellen dieser Mythenbilder sind literarisch, womit sie als Echtheitsbeleg für tatsächliche altgermanische Glaubensvorstellungen ausscheiden. Klaubt man die Bruchstücke aus den Hinterlassenschaften der Völkerwanderungszeit zusammen, bleibt von &#8220;altgermanischer Religion&#8221; durchaus weniger übrig als die Edda suggeriert – die ja schließlich nur ein Lehrbuch für hochmittelalterliche Skaldendichtung war. Die damals schon &#8220;ollen heidnischen Mythen&#8221; waren für den Verfasser lediglich &#8220;Stoff&#8221; im Sinne von Übungs- und Anschauungsmaterial für eine hochartifizielle Methode des Verseschmiedens.<br />
Das diskreditiert die nordischen Schriftquellen zwar keineswegs: Ohne sie wüssten wir noch viel weniger über mögliche mythologische Vorstellungen vorchristlicher Zeit. Nur darf man die überlieferten Legenden und Dichtungen halt nicht für original &#8220;altgermanische Religion&#8221; halten.<br />
Es ist ohnedies die Frage, ob die altgermanische &#8220;Siðr&#8221;, die moralisches Wertesystem, Riten und Brauchtum, spirituelle Vorstellungen, empirische Weisheiten und alltägliche Gesellschaftsregeln gleichermaßen enthalten haben dürfte (und selbstverständlich ausschließlich mündlich überliefert wurde), nach heutigem Verständnis <a href="http://www.nornirsaett.de/die-alten-germanen-hatten-keine-religion/">überhaupt als &#8220;Religion&#8221; auffassbar wäre</a>.</p>
<p>Mit großer Wahrscheinlichkeit gab es bei den heidnischen Germanen keinerlei allgemeinverpflichtenden Glaubensinhalte, stammesübergreifend schon gar nicht. Ansätze irgendeiner Indoktrination oder auch nur Organsation des Sakralen sind nirgends erkennbar. Stattdessen bekommt man – beim Betrachten des Neben-, Mit- und Durcheinanders sich dynamisch verändernder Entwicklungsstränge – den Eindruck eines insgesamten (aus sittenchristlicher Sicht eher gemütlich anmutenden) individuellen, vielleicht gerade noch sippenverbindlichen (?) Gustos. Einflüsse anderer Kulturen (Römer, Kelten usw.) wurden, wo und wann immer sie stattfanden, auffällig bereitwillig aufgenommen, umgewandelt, integriert – Mischmasch allenthalben. Zudem war die uns Heutigen so selbstverständlich dünkende Trennung von Spirituellem und Profanem mit einiger Sicherheit unbekannt: Brauchtum, Glaubenswelt und Verhaltensregeln waren ineinanderfließend verwoben, ohne deren Trennbarkeit überhaupt nur erwägen zu lassen. Von der Abwesenheit theoretisch definierter Glaubenskonstrukte darf bei all denjenigen Germanenstämmen, die noch nicht (pauschal via Häuptlingstaufe) &#8220;christianisiert&#8221; waren, ausgegangen werden.<br />
Als wesentliches Merkmal – und einziger gemeinsamer Nenner –  altgermanischer Glaubensvorstellungen ist die Bereitschaft auszumachen, ebendiese Vorstellungen bei nächstbester Gelegenheit zu modifizieren, zu verändern – oder ganz aufzugeben. Auffallend viele germanische Stämme kennen wir überhaupt nur als christlich, und noch die bekanntesten unter ihnen wurden es früh: die Vandalen zum Beispiel, oder die Goten.<br />
Gewaltsame Missionierung? Wie so vieles, mag es auch die gegeben haben: da und dort.<br />
Allein: Es fehlen die Spuren. (Die eine legendäre, das vielzitierte <a href="http://www.nornirsaett.de/die-sachsenkriege-teil-1/">Sachsenköpfen durch Karl den Großen</a>, geschah ein gerüttelt´ Halbjahrtausend später. Da waren die <a hre="http://www.nornirsaett.de/hausen-wie-die-vandalen-von-wegen/">Vandalen</a> – gute arianische Christen übrigens, die ihren sprichwörtlichen Ruf kurioserweise dem Umstand verdanken, dass sie bei der gründlichen Plünderung Roms keine einzige Kirche antasteten! – längst Legende, ihr Reich zerfallen.) </p>
<p>Und was geschah dem berühmten Bonifatius? Der Missionar wurde erschlagen, aber nicht weil er die heilige Donareiche bei Geismar fällte – das nahm heid hin – sondern viele Jahre später in Friesland.</p>
<p>Was beweist das? Nichts. Eben!<br />
Aber kehren wir getrost zurück zu den Mythen der Edda, die wir ja nunmal haben – als das was sie sind (auch wenn sie nicht sein können, was manche katechismus-ersatzwütigen Neuheiden gern hätten).<br />
Da reicht die Bandbreite der Weiblichkeit von der sanft-heilerischen Idun über die katzenartig aufbrausende Freyja bis hin zur Hel, der Herrin des Totenreichs. Ich kenne mehr nordische Göttinnen als Götter, und selbst die allen Gottheiten weit übergeordneten Schicksalsmächte, die drei Nornen, erscheinen personifiziert  weiblich.<br />
Hinweisen lässt sich auch, schon realer, auf die (mehrfach von Römern überlieferte) germanische Sitte, dass germanische Frauen ihre Männer vielfach in den Kampf begleiteten und bei wankendem Schlachtglück durchaus selbst mit eingriffen. Vielfach belegt ist auch die Tradition der germanischen Seherinnen, der Völvas. Die bekannteste heißt Walpurga, und eine interessante Nacht ist heute noch nach ihr benannt.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/eibensang/4149894"><img src="http://u1.ipernity.com/1/98/94/4149894.0f517e26.560.jpg" width="419" height="560" alt="Walpurgizz" border="0"/></a><br />
<i>Zeichnung: Eibensang</i></p>
<p>Es ist halt immer die Frage, wer Geschichte schreibt, wofür, und für wen. Tatsache ist, dass die Männer meist lauter schreien: nicht nur im Kampf, sondern per se. Wer auf die Macht der Frauen stoßen will, darf sich nicht vom männlich-angeberischen Lärm davor abschrecken lassen. Das echte Potential liegt in der Tiefe, und dahinter. Geschichts-Schreibung ist nicht die einzige Art, Geschichte zu überliefern.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-geschichtliches-umfeld/">Geschichtliches Umfeld</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by Eibensang <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-mythos-religion/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mythos Religion</h3>
<p>Noch in den späten (erst in längst christlicher Zeit niedergeschriebenen – und uns allein daher überlieferten) Mythen Islands finden sich die merkwürdigsten Hinweise auf Geschöpfe und Gebräuche, die ebenfalls zu dem, was einst ein Tacitus über &#8220;sittsame&#8221; Germaninnen (versus &#8220;verderbte&#8221; Römerinnen) zu fabulieren nötig hatte, auffallend wenig passen wollen.<br />
Ich denke an Mythen wie die der Rabengeist-Dämoninnen, der leichenfressenden Valkyries &#8230; Auch wenn sich allein daraus kaum erwägen lässt, inwiefern &#8220;weibliche Tugenden&#8221; damals auch und gerade auf Erden anders beinhaltet gewesen sein könnten als tausend Jahre später: Im Filter heutiger Moral werden nicht mal die postpagan überlieferten Edda-Mythen scharf. Die wir im Folgenden ein wenig beschnuppern wollen.</p>
<p>Selbst hinter Vielzitiertem verbergen sich oft die interessantesten Details – und stellen bei näherer Betrachtung scheinbar Altvertrautes in unerwartet neues Licht. Ein Beispiel: Von dem (in der späten Völkerwanderungszeit aufgekommenen) Mythos, dass in der Schlacht gefallene Krieger &#8220;zu Odin nach Walhall kommen&#8221;, hat so ziemlich jeder Depp schonmal was gehört. Und so mancher germanengläubige Neuheide von heute, der vor lauter Rollenspielbegeisterung sein Schwertgeklirr im Eifer des Freizeitgefechtes mit &#8220;Krieg&#8221; verwechselt und solchen &#8220;im Namen Odins&#8221; lauthals propagiert <i>(soll alles schon vorgekommen sein. Ich war  Zeuge, Anm.d. Verf.)</i>, vergisst dabei, dass er selbst als echter Schlagetot im Falle des Falles (seines niedergesäbelten sterblichen Rumpfes) für den großen Speerschüttler Odin nichts weiter gewesen wäre als – zweite Wahl. Die erste hat nämlich immer noch Freyja. Diese als &#8220;Liebesgöttin&#8221; nur äußerst unzureichend erahnbare Wildsau (jaja, ich weiß schon: Sie reitet nur auf einer, aber es gibt Situationen, da ähneln sich Ross und Reiter) sammelt auf demselben Schlachtfeld erstmal diejenigen Krieger ein, die ihr am besten gefallen. Ihre Auswahlkriterien sind dabei ebensowenig überliefert wie das, was diese Besten der Besten dann hinterher in Folkvang, wohin sie von Freyja verbracht werden, eigentlich so treiben. Hier schwieg des Christenmenschen Federkiel – der nur das auf Pergament kratzte, was die zweite Wahl der Erschlagenen, die Freyja für den ollen Schlachtenbummler Odin übrig lässt, in Walhall erwartet: Kämpfe, Met und Fressgelage, jeweils ohne Ende.<br />
Unbeantwortet bleibt die Frage, was derweil die Göttin Freyja mit ihren ganzen Erste-Wahl-Kriegern so anstellt. Ob sie ihnen das Stricken beibringt, das Sticken oder das Flicken – so als sittsame Germanin, ich meine ja nur – wir können uns diesen oder jenen Reim drauf machen, aber wir wissen es nicht. </p>
<p>Eindeutiger sind Hinweise darauf, dass der schon erwähnte Odin all seine <a href="http://www.nornirsaett.de/6-germanische-schamanen/">schamanischen Künste und Überlebenstricks von keiner Geringeren als ebenjener Freyja erlernte.</a> Auch ist der Mann Odin ein Wissenssucher, während sein weibliches Pendant, die Obergöttin Frigg, ebendieses Wissen in persona bereits verkörpert. Um hinter die Dinge schauen zu können, opfert Odin ein Auge – von Frigg selbst erfährt er nichts: Da ist er schon auf deren Zofe Saga angewiesen, die ihm ab und zu eine Info der Herrin steckt.</p>
<p>Die Quellen dieser Mythenbilder sind literarisch, womit sie als Echtheitsbeleg für tatsächliche altgermanische Glaubensvorstellungen ausscheiden. Klaubt man die Bruchstücke aus den Hinterlassenschaften der Völkerwanderungszeit zusammen, bleibt von &#8220;altgermanischer Religion&#8221; durchaus weniger übrig als die Edda suggeriert – die ja schließlich nur ein Lehrbuch für hochmittelalterliche Skaldendichtung war. Die damals schon &#8220;ollen heidnischen Mythen&#8221; waren für den Verfasser lediglich &#8220;Stoff&#8221; im Sinne von Übungs- und Anschauungsmaterial für eine hochartifizielle Methode des Verseschmiedens.<br />
Das diskreditiert die nordischen Schriftquellen zwar keineswegs: Ohne sie wüssten wir noch viel weniger über mögliche mythologische Vorstellungen vorchristlicher Zeit. Nur darf man die überlieferten Legenden und Dichtungen halt nicht für original &#8220;altgermanische Religion&#8221; halten.<br />
Es ist ohnedies die Frage, ob die altgermanische &#8220;Siðr&#8221;, die moralisches Wertesystem, Riten und Brauchtum, spirituelle Vorstellungen, empirische Weisheiten und alltägliche Gesellschaftsregeln gleichermaßen enthalten haben dürfte (und selbstverständlich ausschließlich mündlich überliefert wurde), nach heutigem Verständnis <a href="http://www.nornirsaett.de/die-alten-germanen-hatten-keine-religion/">überhaupt als &#8220;Religion&#8221; auffassbar wäre</a>.</p>
<p>Mit großer Wahrscheinlichkeit gab es bei den heidnischen Germanen keinerlei allgemeinverpflichtenden Glaubensinhalte, stammesübergreifend schon gar nicht. Ansätze irgendeiner Indoktrination oder auch nur Organsation des Sakralen sind nirgends erkennbar. Stattdessen bekommt man – beim Betrachten des Neben-, Mit- und Durcheinanders sich dynamisch verändernder Entwicklungsstränge – den Eindruck eines insgesamten (aus sittenchristlicher Sicht eher gemütlich anmutenden) individuellen, vielleicht gerade noch sippenverbindlichen (?) Gustos. Einflüsse anderer Kulturen (Römer, Kelten usw.) wurden, wo und wann immer sie stattfanden, auffällig bereitwillig aufgenommen, umgewandelt, integriert – Mischmasch allenthalben. Zudem war die uns Heutigen so selbstverständlich dünkende Trennung von Spirituellem und Profanem mit einiger Sicherheit unbekannt: Brauchtum, Glaubenswelt und Verhaltensregeln waren ineinanderfließend verwoben, ohne deren Trennbarkeit überhaupt nur erwägen zu lassen. Von der Abwesenheit theoretisch definierter Glaubenskonstrukte darf bei all denjenigen Germanenstämmen, die noch nicht (pauschal via Häuptlingstaufe) &#8220;christianisiert&#8221; waren, ausgegangen werden.<br />
Als wesentliches Merkmal – und einziger gemeinsamer Nenner –  altgermanischer Glaubensvorstellungen ist die Bereitschaft auszumachen, ebendiese Vorstellungen bei nächstbester Gelegenheit zu modifizieren, zu verändern – oder ganz aufzugeben. Auffallend viele germanische Stämme kennen wir überhaupt nur als christlich, und noch die bekanntesten unter ihnen wurden es früh: die Vandalen zum Beispiel, oder die Goten.<br />
Gewaltsame Missionierung? Wie so vieles, mag es auch die gegeben haben: da und dort.<br />
Allein: Es fehlen die Spuren. (Die eine legendäre, das vielzitierte <a href="http://www.nornirsaett.de/die-sachsenkriege-teil-1/">Sachsenköpfen durch Karl den Großen</a>, geschah ein gerüttelt´ Halbjahrtausend später. Da waren die <a hre="http://www.nornirsaett.de/hausen-wie-die-vandalen-von-wegen/">Vandalen</a> – gute arianische Christen übrigens, die ihren sprichwörtlichen Ruf kurioserweise dem Umstand verdanken, dass sie bei der gründlichen Plünderung Roms keine einzige Kirche antasteten! – längst Legende, ihr Reich zerfallen.) </p>
<p>Und was geschah dem berühmten Bonifatius? Der Missionar wurde erschlagen, aber nicht weil er die heilige Donareiche bei Geismar fällte – das nahm heid hin – sondern viele Jahre später in Friesland.</p>
<p>Was beweist das? Nichts. Eben!<br />
Aber kehren wir getrost zurück zu den Mythen der Edda, die wir ja nunmal haben – als das was sie sind (auch wenn sie nicht sein können, was manche katechismus-ersatzwütigen Neuheiden gern hätten).<br />
Da reicht die Bandbreite der Weiblichkeit von der sanft-heilerischen Idun über die katzenartig aufbrausende Freyja bis hin zur Hel, der Herrin des Totenreichs. Ich kenne mehr nordische Göttinnen als Götter, und selbst die allen Gottheiten weit übergeordneten Schicksalsmächte, die drei Nornen, erscheinen personifiziert  weiblich.<br />
Hinweisen lässt sich auch, schon realer, auf die (mehrfach von Römern überlieferte) germanische Sitte, dass germanische Frauen ihre Männer vielfach in den Kampf begleiteten und bei wankendem Schlachtglück durchaus selbst mit eingriffen. Vielfach belegt ist auch die Tradition der germanischen Seherinnen, der Völvas. Die bekannteste heißt Walpurga, und eine interessante Nacht ist heute noch nach ihr benannt.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/eibensang/4149894"><img src="http://u1.ipernity.com/1/98/94/4149894.0f517e26.560.jpg" width="419" height="560" alt="Walpurgizz" border="0"/></a><br />
<i>Zeichnung: Eibensang</i></p>
<p>Es ist halt immer die Frage, wer Geschichte schreibt, wofür, und für wen. Tatsache ist, dass die Männer meist lauter schreien: nicht nur im Kampf, sondern per se. Wer auf die Macht der Frauen stoßen will, darf sich nicht vom männlich-angeberischen Lärm davor abschrecken lassen. Das echte Potential liegt in der Tiefe, und dahinter. Geschichts-Schreibung ist nicht die einzige Art, Geschichte zu überliefern.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-geschichtliches-umfeld/">Geschichtliches Umfeld</a></p>
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		<title>Als die Sau noch Göttin war: Geschichtliches Umfeld</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 22:34:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eibensang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Geschichtliches Umfeld</h3>
<p>Germanische und keltische Stämme hatten, ebenso wie die Vorfahren der klassischen griechischen Völker, indoeuropäische Wurzeln, und die liegen in der asiatischen Steppe. Hirtenvölker in grauer Vorzeit wanderten in Abständen von mehreren tausend Jahren aus Asien nach Indien, Mittel- und Nordeuropa ein und vermischten sich mit der dort ansässigen ackerbauenden Urbevölkerung, über die uns heute fast nichts bekannt ist.<br />
Aus diesen Vermischungen gingen im Verlauf der Bronzezeit die späteren Kelten und Germanen hervor, die eine Reihe von Gemeinsamkeiten hatten. Beide hinterließen sie keinerlei schriftliche Aufzeichnungen, sondern nur rätselhafte Ritzzeichen: Ogham, das Zeichensystem der Kelten, symbolisierte verschiedene Bäume und gehört zu den wenigen Hinterlassenschaften der sagenumwobenen Druiden; die germanischen Runen dagegen sind, zumindest in ihrer Frühzeit, der mögliche Schlüssel zu einer ganzen Kosmologie. Die<br />
beiden Ritzzeichen-Systeme haben nichts miteinander gemein, außer dass ihre Herkünfte strittig sind. Man nimmt  an, dass sie beide für magische Zwecke gebraucht wurden (wobei das für die Runen des Jüngeren Futhark, das vornehmlich durch die Wikinger verbreitet wurde, schon überhaupt nicht mehr gilt).</p>
<p>Der vielleicht augenfälligste Unterschied zwischen germanischer und keltischer Kultur besteht in der Gesellschaftsstruktur. Sowohl Kelten als auch Germanen waren Polytheisten mit animistischem Weltbild, bekannten sich also zu einer ganzen Reihe verschiedenster Gottheiten, die im Wesentlichen personifizierte Naturkräfte darstellten.<br />
Was aber die keltischen Stämme, obgleich (stammestypisch) oft untereinander zerstritten und verfeindet, über den Glauben hinaus verband, war die Organisation ihrer Druiden – eine Priesterschaft, die von ihren Adepten eine Ausbildung verlangt, die mehrere Jahrzehnte gedauert und zu der das Auswendiglernen einiger zehntausend Verse gehört haben soll.<br />
Da die Druiden der verschiedenen Keltenstämme untereinander rege Verbindung hielten, gaben sich die antiken Römer alle Mühe, bei ihren Kriegen gegen die Kelten als erstes das Druidensystem zu zerschlagen. Einen vergleichbar stammesübergreifenden Aspekt wie die Druiden gab es bei germanischen Stämmen nicht. Vielerorts ist bei denen sogar hauptberufliche Priesterschaft ungewiss. Ob Trauung, Kindstaufe oder Grabrede: War kein Goði oder keine Gydhia vorhanden oder greifbar, übernahm die priesterlichen Aufgaben einfach der jeweilige Haus- oder Sippenvorstand. Und die jeweiligen Opferzeremonien, den Gottesdienst, vollzog der Einzelne wie auch die Gemeinschaft sowieso von selbst und nach persönlichem Gusto. (Details jener Gottesdienstformen sind nicht überliefert.)<br />
Während sich die Kelten mit ihren überlegenen Eisenwaffen über weite Teile Europas verbreiteten – von Portugal bis zum Ural –, bestellten die Germanen die kargen Böden ihres nördlichen Refugiums noch mit allerprimitivsten Holzpflügen und hielten Bronzeäxte für Hi Tech. Erst mit dem Rückgang des keltischen Einflusses, bedingt durch das expandierende Römerreich, wagten sich die germanischen Stämme weiter nach Süden, und erst ab da lässt sich, zumindest in Bruchstücken, von so etwas wie germanischer Geschichte sprechen. Uns Heutigen präsentiert sich diese Geschichte vor allem als das schwer durchschaubare – und vielleicht ja typisch germanische – Chaos der Völkerwanderung, denn mit der Übernahme des römischen Rechtssystems war es mit germanischer Kultur auch schon wieder vorbei. Der zunehmenden Christianisierung, die öfter politisch und weniger religiös motiviert war (wie das Beispiel Islands zeigt) haben wir mutmaßlich – als Spätfolge, sozusagen – die Erfindung von Glaubensstreit und<br />
Religionskrieg in Europa zu verdanken. Als letzte Nachzügler germanischer Völkerwanderungen machten die skandinavischen Wikinger Meere und Küsten unsicher (wenn auch ganz ohne Hörnerhelme) – kamen sogar bis nach Amerika, was damals freilich niemanden groß interessierte – und gingen schließlich in den Völkern, die sie überfielen, einfach und restlos auf.<br />
Auch die Geschichte der Wikinger ist vornehmlich von deren Feinden überliefert und liest sich entsprechend. Wesentliche Teile des heutigen Germanenbildes stammen aus dieser Spätzeit, und davon ist das meiste auch noch falsch (siehe Hörnerhelme: mit einem solchen auf der Birne kann man nämlich nicht kämpfen, und wenn, dann nur einmal).</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/8017290"><img src="http://u1.ipernity.com/15/72/90/8017290.6d3fce8b.500.jpg" width="375" height="500" alt="Bergstedt-Mai-2010-09" border="0"/></a><br />
<i>Replik eines Wikingerhelmes, künstlich gealtert, garantiert hornfrei. Foto: MartinM</i></p>
<p>Von den skandinavischen Felszeichnungen der Bronzezeit, die erstmals die Swastika (besser bekannt als “Hakenkreuz&#8221;) und andere (vor-)germanische Mythen und Symbole zeigten (wie z.B. eine hammertragende männliche Gottheit) bis hin zu den rheumageplagten jungen Seefahrern des 10. Jh. n.Chr., die den hammerschwingenden Thor anriefen und den wütenden Kriegsgott Odin, führt nicht eine lange Entwicklung, sondern ein ganzes Gewirr verschiedenster Entwicklungen. Ebenso wie es “die Germanen” nicht gegeben hat, gab es “die germanische Geschichte”, oder irgendeinen “typisch germanischen” Zustand – vielleicht ausgenommen den der kollektiven Unruhe. Aber bleiben wir beim Thema.</p>
<h3>Germanische Gesellschaftsstrukturen</h3>
<p>Die Forschung versuchte lange, die germanischen Stämme als Groß- oder Übersippe zu sehen, um das Sippenschema – als Kernelement germanischer Gesellschaft – auf den Stamm zu übertragen, diesen also als überdimensionale Großfamilie zu deuten. Zu dieser Erklärung trug auch die Mitte des 18. Jh. grassierende Stammesromantik bei, aus deren wohlmeinenden Irrtümern dann handfeste Perversionen wie Ariosophie und die “Blut-und-Boden”-Ideologie der Nazis erwuchsen. Allerdings vertrug sich die Sippentheorie nicht mit der Tatsache, dass sich die zahlreichen germanischen Kleinstämme und lockeren Kultgemeinschaften aus der Zeit des Tacitus (100 n.Chr.) zwischen dem 4. und 6. Jh. zunehmend zu Stammesverbänden und Großstämmen zusammenschlossen.<br />
So deutete die Forschung germanische Gesellschaften mal als Kult-, mal als Wirtschafts-, dann wieder als Heiratsgemeinschaften – nur um festzustellen, dass es all das bei einigen Stämmen gab, bei anderen wieder nicht. Es gab Arbeitsteilungen unter Stämmen, ohne dass diese zu einem zusammenwuchsen. Andere gingen plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ineinander auf. Es half nichts, dass die Stämme offensichtlich behaupteten, Abstammungsgemeinschaften zu sein, es aber ebenso offensichtlich nicht waren.<br />
Typischstes Beispiel hierfür ist das Phänomen des sog. “Gotischen Rückstromhorizonts”: Dieses archäologische Begriffsungetüm bezeichnet eine Gotenwanderung, die von drei Auswandererschiffen ausging. Drei handgeruderte Schiffe – das bedeutet eine maximale Anzahl von 100 Personen, mit Gepäck und Tieren eher weniger. Diese kleine Schar wanderte zunächst durch das heutige Polen in den pontischen Steppenraum, von dort aus um das Schwarze Meer herum in den Karpatenraum und an den Unterlauf der Donau. Dann kamen sie über Italien bis nach Spanien. 100 Jahre nach dem Aufbruch der drei Schiffe zählte der Stamm dieser Wandergoten schon mehrere tausend Personen. Eine derartige Massenvermehrung ist auf biologischem Wege bestenfalls bei Karnickeln vorstellbar – unter Menschen konnte das nur erreicht werden, indem ganze Sippen anderer Stämme und Kulturen in den Stamm der Goten aufgenommen wurden. Obendrein riss der Kontakt zur alten Heimat nie ab. Neue Schmuck- und Waffenformen der Donaugoten wurden von den Daheimgebliebenen noch in derselben Generation kopiert.<br />
Das Rätselraten der Wissenschaft über dergleichen Phänomene hat einige einfache Ursachen. Zum einen wurde aufgrund nachträglich projizierter Stammesromantik und althergebrachter Primitivitäts-Klischees lange Zeit übersehen, dass es sich bei Germanenstämmen um sehr differenzierte Gesellschaften mit (wenn auch ungeschriebener) Verfassung handelte. Diese Stammesverfassungen erlaubten, ganze Völkerschaften in die Gemeinschaft aufzunehmen und zu integrieren.<br />
Zum andern stolpert rationelle Wissenschaft über ihre eigene Sichtweise: Denn die Vorstellungswelt der Germanen war keine rationale. (Darüber staunten bereits Römer, die mitansehen konnten, wie germanische Kriegergruppen ihre komplette Beute nach gelungenem Raubzug in den Fluss warfen, um die Schätze ihren Göttern zu opfern.)<br />
Die Stämme selbst behaupteten wie gesagt, Abstammungsgesellschaften zu sein. Die Forschung bewies eindeutig, dass die Stämme genau das nicht waren. Hier treffen unvereinbare Weltbilder aufeinander: Wissenschaft lebt vom Vergleich handfester atsachen, die zeitlich linear, also  chronologisch, datierbar sind oder datierbar sein müssen. Naturreligiöse Stammesgesellschaften dagegen haben ein zyklisches Weltverständnis: Für sie ist die Welt schon immer wie sie war, und die Mythen erklären in phantasiereichen Bildern höchstens, warum. Stammesgeschichte kennt (und braucht) keine Jahresdaten, sondern bildhafte und psychologisch stärkende Erklärungen über den ewigen Kreislauf des Lebens und Sterbens, sowie die eigene Rolle darin. Was über ein paar Generationen hinausgeht, ist graue Vorzeit. Gegenwärtige Realität und Sagenstoff vermengen sich ganz selbstverständlich. In naturreligiöser Vorstellungswelt bedingen sie einander. Zeitliche Linearität ist da wenig hilfreich und daher vollkommen uninteressant. Die innere Uhr des Stammes tickt nicht anders, sondern gar nicht <i>(vielleicht explodiert sie deshalb auch nicht so leicht wie der klassische Nationalstaat. Aber Ernstfall beiseite).</i> Konkret auf die Germanen bezogen heißt das: Alle Stammesmitglieder leiten sich von einem göttlichen Urahn her. Die Betonung dieser rein spirituellen Komponente (die der realen Korrektheit überhaupt nicht bedarf) gründet auf der germanischen Vorstellung, dass eine Gemeinschaft ein gemeinsames Schicksal hat. Dieses ist personifiziert im heils- und glücksbringenden Schutzwesen der Hamingja, die den Haufen so oder so zusammengewürfelter Individuen zu einer Gemeinschaft erst macht. Eine solche Auffassung ermöglicht die Integration nichtblutsverwandter Personen in germanische Gesellschaften – was während der Völkerwanderung zahlreich geschah. Ebenso war die Aufnahme von Kriegsgefangenen als vollwertige Mitglieder in den Stamm möglich – unter Wahrung der Integrität des Stammes. Mit der Zeit wurde auch die Aufnahme von Nichtangehörigen in die (germanentypischen) Kriegergefolgschaften üblich.<br />
Nicht nur das große Europa war von vornherein eine Mischkultur aus keltischen, römischen, hunnischen, slawischen, türkischen, semitischen und sonstwelchen Einflüssen; nicht nur die keltischen, griechischen, mediterranen und germanischen Völker waren von vornherein Ergebnisse der Vermischung alteingesessener Europäer mit asiatischen Einwanderern – auch den germanischen Stämmen selbst wäre der Gedanke an “rassische Reinheit” so absurd vorgekommen wie ein aufwärtsfließender Fluss oder die Umkehrung der Schwerkraft (mal davon abgesehen, dass konsequente &#8220;rassische Reinheit” auf pure Inzucht und damit generative Debilität, also auch biologischen Schwachsinn, hinausläuft).<br />
Die Abstammungsbehauptungen der Stämme sind ausschließlich in ihrem spirituellen Kontext begreifbar und nur in diesem logisch. Das hängt wiederum mit dem besonderen germanischen Begriff des <a href="http://www.nornirsaett.de/heil-1/" target="_blank">Heils</a><br />
zusammen.<br />
Das Heil einer Gemeinschaft erwies sich an ihrem Überleben, Erfolg und Glück. Metaphysisch war die Hamingja die Heilsträgerin des Stammes, auf der materiellen Ebene war es der Sakralkönig. Dieser unterlag ungemein strengen Lebensregeln. Dem Sakralkönig als Heilsträger war es weder politisch, noch physisch, noch ökonomisch möglich, Gewalt gegen Stammesmitglieder auszuüben. Sein Amt war repräsentativ, spirituell und charismatisch. Eine intensive Erläuterung des germanischen Heils- und Ehrbegriffs würde hier zu weit führen, zumal dafür die ganze Komplexität germanischer Religions- und Rechtsbegriffe in ihren (uns durchaus fremden) Einzelheiten erörtert werden müsste. Vereinfachend lässt sich, am Beispiel des Sakralkönigs, die Formel aufstellen: Erfolg der Gemeinschaft war der Verdienst des Heilträgers – Misserfolg seine<br />
Verantwortung. Diese Verantwortung war spirituell begründet und ging damit über heutiges Verständnis weit hinaus. So konnte es z.B. passieren, dass ein Stamm, der sich (bzw. seine “Abstammung”) über den Fruchtbarkeitsgott Freyr definierte, das Leben seines Sakralkönigs opferte, wenn die Ernte mal zu schlecht ausfiel oder ein Unwetter sie gründlich genug verhagelte.<br />
Man übertrage spaßeshalber dieses System auf heutige oder gestrige politische Verhältnisse – kaum ein deutscher Bundestags-Mandatsträger, geschweige denn ein Diktator, hätte es im germanischen Gesellschaftssystem sonderlich weit gebracht. Man stelle sich vor: je höher das Amt, desto unfreier der Amtsträger – soziale Kontrolle statt Abgeordneten-Immunität, im Erfolgsfall höhere Ehre statt höherer Diäten, im Misserfolgsfall persönlich haftende Verantwortung statt lebenslanger Rentenbezug auf Steuerzahlerkosten. Lang, lang ist´s her. Und natürlich lässt sich dieserart Ruhm gewinnen, aber kein Staat lenken.<br />
Ein historisches Beispiel dafür ist die Geschichte von Ariovist, einem König der Sueben. Bereits seit längerer Zeit hatten suebische Gefolgschaften einige sehr erfolgreiche Kriegszüge nach Gallien unternommen. Die Gefolgschaftsführer erlangten dadurch ungeheures Prestige. Die Folge: mehr Gefolgsleute strömten ihnen zu, die Beutezüge wurden noch erfolgreicher. Das Prestige der Sueben steigerte sich derart, dass sie andere Stämme zu assimilieren begannen, die am Erfolg und am Heil der Sueben teilhaben wollten. Dadurch wurden die Sueben immer mächtiger, mit der Folge, dass auch die Kriegszüge immer reichere Beute brachten. Nach diesem Prinzip schaukelte es sich hoch, die Dynamik wuchs über die Beteiligten hinaus.Das wiederum zog weitere Assimilierungen nach sich. Schließlich begab sich der Suebenkönig Ariovist persönlich nach Gallien, die Mehrzahl der Sueben folgte ihm. Nicht nur die Kriegergefolgschaften, der ganze Stamm kam in Bewegung, in Gallien breitete sich Panik aus. Indes genügte eine einzige Niederlage gegen die römischen Legionen, um den Spuk zu beenden: Das Heil hatte Ariovist verlassen, und damit den Stamm. Ariovist überlebte, tauchte aber als politischer Faktor nicht mehr auf.<br />
Dies zeigt nicht nur den Einfluß der Gefolgschaften auf die germanischen Stämme, sondern vor allem die wortwörtlich magische Anziehungskraft des Heils.</p>
<p>Dieses Heilsverständnis – und der Umgang damit – mag vielleicht ans irrational motivierte Auf und Ab moderner Börsenkurse erinnern. Von der nazideutschen Führerhörigkeit mit ihrem Gehorsamsfatalismus bis zum Untergang aber ist es so weit entfernt wie Hitler vom Blondsein und seinen sonstigen “arischen” Idealen.<br />
Die Befugnisse germanischer Befehlsgeber waren eng begrenzt, ihre Macht nur geliehen.<br />
Gegen die spirituell tradierten Sitten und Interessen der Gemeinschaft konnte keiner Führer werden: ganz schlechte Chancen für Revolutionäre und Despoten.<br />
Und die berüchtigte “Nibelungentreue”? In der Sage versprechen die Hunnen den (unterlegenen) Burgundern freien Abzug unter der Bedingung, ihren König und seine Brüder auszuliefern. Die Burgunder weigern sich, weil der Verlust der Heilsträger den Stamm die Identität gekostet (und die Überlebenden zu heillosen, unglücksverfolgten Niemanden gemacht) hätte. Sie zogen es vor, im Besitz des Heils zu sterben, anstatt ihre Heilsrepräsentanten zu verraten. Was burgundische Könige von deutschen Hitlers oder Himmlers unterscheidet, ist der Umstand, dass erstere tatsächlich (also im bereits beschriebenen Sinne) Heilsträger waren, sich dem Stamm als solche erwiesen hatten. Was man von den ehrlosen Braunhemden mit ihren von vornherein asozialen und gemeinschaftsfeindlichen Umtrieben nicht behaupten kann.<br />
Treue ist demnach ein äußerst zweischneidiger Begriff. Um kein Unheil auszulösen, erfordert er zwangsläufig eine zweifache, also gegenseitige Absicherung. Im germanischen Fall findet die einerseits weltlich, anderseits spirituell statt. Sowieso missverständlich ist der Begriff von Führerschaft, ob es nun um Dróttinns, Drichten, Truchsesse, Häuptlinge oder Könige geht: Oberste Instanz größerer germanischer Gemeinschaften war nicht eine Person, sondern das (oder der) Thing: eine demokratische Volksversammlung in spirituellem Kontext. Das letzte Wort hatte, im Namen der wachenden Götter, die abstimmende Gemeinschaft. In schriftlosen Kulturen ist ein Wortbruch schlimmer als bei sogenannten Zivilisierten die Nichterfüllung von Schriftverträgen, denn er macht ehrlos: nicht nur vor der Gemeinschaft, sondern auch vor deren Göttern.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-germanisches-weltverstandnis/">Germanisches Weltverständnis</a></p>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Geschichtliches Umfeld</h3>
<p>Germanische und keltische Stämme hatten, ebenso wie die Vorfahren der klassischen griechischen Völker, indoeuropäische Wurzeln, und die liegen in der asiatischen Steppe. Hirtenvölker in grauer Vorzeit wanderten in Abständen von mehreren tausend Jahren aus Asien nach Indien, Mittel- und Nordeuropa ein und vermischten sich mit der dort ansässigen ackerbauenden Urbevölkerung, über die uns heute fast nichts bekannt ist.<br />
Aus diesen Vermischungen gingen im Verlauf der Bronzezeit die späteren Kelten und Germanen hervor, die eine Reihe von Gemeinsamkeiten hatten. Beide hinterließen sie keinerlei schriftliche Aufzeichnungen, sondern nur rätselhafte Ritzzeichen: Ogham, das Zeichensystem der Kelten, symbolisierte verschiedene Bäume und gehört zu den wenigen Hinterlassenschaften der sagenumwobenen Druiden; die germanischen Runen dagegen sind, zumindest in ihrer Frühzeit, der mögliche Schlüssel zu einer ganzen Kosmologie. Die<br />
beiden Ritzzeichen-Systeme haben nichts miteinander gemein, außer dass ihre Herkünfte strittig sind. Man nimmt  an, dass sie beide für magische Zwecke gebraucht wurden (wobei das für die Runen des Jüngeren Futhark, das vornehmlich durch die Wikinger verbreitet wurde, schon überhaupt nicht mehr gilt).</p>
<p>Der vielleicht augenfälligste Unterschied zwischen germanischer und keltischer Kultur besteht in der Gesellschaftsstruktur. Sowohl Kelten als auch Germanen waren Polytheisten mit animistischem Weltbild, bekannten sich also zu einer ganzen Reihe verschiedenster Gottheiten, die im Wesentlichen personifizierte Naturkräfte darstellten.<br />
Was aber die keltischen Stämme, obgleich (stammestypisch) oft untereinander zerstritten und verfeindet, über den Glauben hinaus verband, war die Organisation ihrer Druiden – eine Priesterschaft, die von ihren Adepten eine Ausbildung verlangt, die mehrere Jahrzehnte gedauert und zu der das Auswendiglernen einiger zehntausend Verse gehört haben soll.<br />
Da die Druiden der verschiedenen Keltenstämme untereinander rege Verbindung hielten, gaben sich die antiken Römer alle Mühe, bei ihren Kriegen gegen die Kelten als erstes das Druidensystem zu zerschlagen. Einen vergleichbar stammesübergreifenden Aspekt wie die Druiden gab es bei germanischen Stämmen nicht. Vielerorts ist bei denen sogar hauptberufliche Priesterschaft ungewiss. Ob Trauung, Kindstaufe oder Grabrede: War kein Goði oder keine Gydhia vorhanden oder greifbar, übernahm die priesterlichen Aufgaben einfach der jeweilige Haus- oder Sippenvorstand. Und die jeweiligen Opferzeremonien, den Gottesdienst, vollzog der Einzelne wie auch die Gemeinschaft sowieso von selbst und nach persönlichem Gusto. (Details jener Gottesdienstformen sind nicht überliefert.)<br />
Während sich die Kelten mit ihren überlegenen Eisenwaffen über weite Teile Europas verbreiteten – von Portugal bis zum Ural –, bestellten die Germanen die kargen Böden ihres nördlichen Refugiums noch mit allerprimitivsten Holzpflügen und hielten Bronzeäxte für Hi Tech. Erst mit dem Rückgang des keltischen Einflusses, bedingt durch das expandierende Römerreich, wagten sich die germanischen Stämme weiter nach Süden, und erst ab da lässt sich, zumindest in Bruchstücken, von so etwas wie germanischer Geschichte sprechen. Uns Heutigen präsentiert sich diese Geschichte vor allem als das schwer durchschaubare – und vielleicht ja typisch germanische – Chaos der Völkerwanderung, denn mit der Übernahme des römischen Rechtssystems war es mit germanischer Kultur auch schon wieder vorbei. Der zunehmenden Christianisierung, die öfter politisch und weniger religiös motiviert war (wie das Beispiel Islands zeigt) haben wir mutmaßlich – als Spätfolge, sozusagen – die Erfindung von Glaubensstreit und<br />
Religionskrieg in Europa zu verdanken. Als letzte Nachzügler germanischer Völkerwanderungen machten die skandinavischen Wikinger Meere und Küsten unsicher (wenn auch ganz ohne Hörnerhelme) – kamen sogar bis nach Amerika, was damals freilich niemanden groß interessierte – und gingen schließlich in den Völkern, die sie überfielen, einfach und restlos auf.<br />
Auch die Geschichte der Wikinger ist vornehmlich von deren Feinden überliefert und liest sich entsprechend. Wesentliche Teile des heutigen Germanenbildes stammen aus dieser Spätzeit, und davon ist das meiste auch noch falsch (siehe Hörnerhelme: mit einem solchen auf der Birne kann man nämlich nicht kämpfen, und wenn, dann nur einmal).</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/8017290"><img src="http://u1.ipernity.com/15/72/90/8017290.6d3fce8b.500.jpg" width="375" height="500" alt="Bergstedt-Mai-2010-09" border="0"/></a><br />
<i>Replik eines Wikingerhelmes, künstlich gealtert, garantiert hornfrei. Foto: MartinM</i></p>
<p>Von den skandinavischen Felszeichnungen der Bronzezeit, die erstmals die Swastika (besser bekannt als “Hakenkreuz&#8221;) und andere (vor-)germanische Mythen und Symbole zeigten (wie z.B. eine hammertragende männliche Gottheit) bis hin zu den rheumageplagten jungen Seefahrern des 10. Jh. n.Chr., die den hammerschwingenden Thor anriefen und den wütenden Kriegsgott Odin, führt nicht eine lange Entwicklung, sondern ein ganzes Gewirr verschiedenster Entwicklungen. Ebenso wie es “die Germanen” nicht gegeben hat, gab es “die germanische Geschichte”, oder irgendeinen “typisch germanischen” Zustand – vielleicht ausgenommen den der kollektiven Unruhe. Aber bleiben wir beim Thema.</p>
<h3>Germanische Gesellschaftsstrukturen</h3>
<p>Die Forschung versuchte lange, die germanischen Stämme als Groß- oder Übersippe zu sehen, um das Sippenschema – als Kernelement germanischer Gesellschaft – auf den Stamm zu übertragen, diesen also als überdimensionale Großfamilie zu deuten. Zu dieser Erklärung trug auch die Mitte des 18. Jh. grassierende Stammesromantik bei, aus deren wohlmeinenden Irrtümern dann handfeste Perversionen wie Ariosophie und die “Blut-und-Boden”-Ideologie der Nazis erwuchsen. Allerdings vertrug sich die Sippentheorie nicht mit der Tatsache, dass sich die zahlreichen germanischen Kleinstämme und lockeren Kultgemeinschaften aus der Zeit des Tacitus (100 n.Chr.) zwischen dem 4. und 6. Jh. zunehmend zu Stammesverbänden und Großstämmen zusammenschlossen.<br />
So deutete die Forschung germanische Gesellschaften mal als Kult-, mal als Wirtschafts-, dann wieder als Heiratsgemeinschaften – nur um festzustellen, dass es all das bei einigen Stämmen gab, bei anderen wieder nicht. Es gab Arbeitsteilungen unter Stämmen, ohne dass diese zu einem zusammenwuchsen. Andere gingen plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ineinander auf. Es half nichts, dass die Stämme offensichtlich behaupteten, Abstammungsgemeinschaften zu sein, es aber ebenso offensichtlich nicht waren.<br />
Typischstes Beispiel hierfür ist das Phänomen des sog. “Gotischen Rückstromhorizonts”: Dieses archäologische Begriffsungetüm bezeichnet eine Gotenwanderung, die von drei Auswandererschiffen ausging. Drei handgeruderte Schiffe – das bedeutet eine maximale Anzahl von 100 Personen, mit Gepäck und Tieren eher weniger. Diese kleine Schar wanderte zunächst durch das heutige Polen in den pontischen Steppenraum, von dort aus um das Schwarze Meer herum in den Karpatenraum und an den Unterlauf der Donau. Dann kamen sie über Italien bis nach Spanien. 100 Jahre nach dem Aufbruch der drei Schiffe zählte der Stamm dieser Wandergoten schon mehrere tausend Personen. Eine derartige Massenvermehrung ist auf biologischem Wege bestenfalls bei Karnickeln vorstellbar – unter Menschen konnte das nur erreicht werden, indem ganze Sippen anderer Stämme und Kulturen in den Stamm der Goten aufgenommen wurden. Obendrein riss der Kontakt zur alten Heimat nie ab. Neue Schmuck- und Waffenformen der Donaugoten wurden von den Daheimgebliebenen noch in derselben Generation kopiert.<br />
Das Rätselraten der Wissenschaft über dergleichen Phänomene hat einige einfache Ursachen. Zum einen wurde aufgrund nachträglich projizierter Stammesromantik und althergebrachter Primitivitäts-Klischees lange Zeit übersehen, dass es sich bei Germanenstämmen um sehr differenzierte Gesellschaften mit (wenn auch ungeschriebener) Verfassung handelte. Diese Stammesverfassungen erlaubten, ganze Völkerschaften in die Gemeinschaft aufzunehmen und zu integrieren.<br />
Zum andern stolpert rationelle Wissenschaft über ihre eigene Sichtweise: Denn die Vorstellungswelt der Germanen war keine rationale. (Darüber staunten bereits Römer, die mitansehen konnten, wie germanische Kriegergruppen ihre komplette Beute nach gelungenem Raubzug in den Fluss warfen, um die Schätze ihren Göttern zu opfern.)<br />
Die Stämme selbst behaupteten wie gesagt, Abstammungsgesellschaften zu sein. Die Forschung bewies eindeutig, dass die Stämme genau das nicht waren. Hier treffen unvereinbare Weltbilder aufeinander: Wissenschaft lebt vom Vergleich handfester atsachen, die zeitlich linear, also  chronologisch, datierbar sind oder datierbar sein müssen. Naturreligiöse Stammesgesellschaften dagegen haben ein zyklisches Weltverständnis: Für sie ist die Welt schon immer wie sie war, und die Mythen erklären in phantasiereichen Bildern höchstens, warum. Stammesgeschichte kennt (und braucht) keine Jahresdaten, sondern bildhafte und psychologisch stärkende Erklärungen über den ewigen Kreislauf des Lebens und Sterbens, sowie die eigene Rolle darin. Was über ein paar Generationen hinausgeht, ist graue Vorzeit. Gegenwärtige Realität und Sagenstoff vermengen sich ganz selbstverständlich. In naturreligiöser Vorstellungswelt bedingen sie einander. Zeitliche Linearität ist da wenig hilfreich und daher vollkommen uninteressant. Die innere Uhr des Stammes tickt nicht anders, sondern gar nicht <i>(vielleicht explodiert sie deshalb auch nicht so leicht wie der klassische Nationalstaat. Aber Ernstfall beiseite).</i> Konkret auf die Germanen bezogen heißt das: Alle Stammesmitglieder leiten sich von einem göttlichen Urahn her. Die Betonung dieser rein spirituellen Komponente (die der realen Korrektheit überhaupt nicht bedarf) gründet auf der germanischen Vorstellung, dass eine Gemeinschaft ein gemeinsames Schicksal hat. Dieses ist personifiziert im heils- und glücksbringenden Schutzwesen der Hamingja, die den Haufen so oder so zusammengewürfelter Individuen zu einer Gemeinschaft erst macht. Eine solche Auffassung ermöglicht die Integration nichtblutsverwandter Personen in germanische Gesellschaften – was während der Völkerwanderung zahlreich geschah. Ebenso war die Aufnahme von Kriegsgefangenen als vollwertige Mitglieder in den Stamm möglich – unter Wahrung der Integrität des Stammes. Mit der Zeit wurde auch die Aufnahme von Nichtangehörigen in die (germanentypischen) Kriegergefolgschaften üblich.<br />
Nicht nur das große Europa war von vornherein eine Mischkultur aus keltischen, römischen, hunnischen, slawischen, türkischen, semitischen und sonstwelchen Einflüssen; nicht nur die keltischen, griechischen, mediterranen und germanischen Völker waren von vornherein Ergebnisse der Vermischung alteingesessener Europäer mit asiatischen Einwanderern – auch den germanischen Stämmen selbst wäre der Gedanke an “rassische Reinheit” so absurd vorgekommen wie ein aufwärtsfließender Fluss oder die Umkehrung der Schwerkraft (mal davon abgesehen, dass konsequente &#8220;rassische Reinheit” auf pure Inzucht und damit generative Debilität, also auch biologischen Schwachsinn, hinausläuft).<br />
Die Abstammungsbehauptungen der Stämme sind ausschließlich in ihrem spirituellen Kontext begreifbar und nur in diesem logisch. Das hängt wiederum mit dem besonderen germanischen Begriff des <a href="http://www.nornirsaett.de/heil-1/" target="_blank">Heils</a><br />
zusammen.<br />
Das Heil einer Gemeinschaft erwies sich an ihrem Überleben, Erfolg und Glück. Metaphysisch war die Hamingja die Heilsträgerin des Stammes, auf der materiellen Ebene war es der Sakralkönig. Dieser unterlag ungemein strengen Lebensregeln. Dem Sakralkönig als Heilsträger war es weder politisch, noch physisch, noch ökonomisch möglich, Gewalt gegen Stammesmitglieder auszuüben. Sein Amt war repräsentativ, spirituell und charismatisch. Eine intensive Erläuterung des germanischen Heils- und Ehrbegriffs würde hier zu weit führen, zumal dafür die ganze Komplexität germanischer Religions- und Rechtsbegriffe in ihren (uns durchaus fremden) Einzelheiten erörtert werden müsste. Vereinfachend lässt sich, am Beispiel des Sakralkönigs, die Formel aufstellen: Erfolg der Gemeinschaft war der Verdienst des Heilträgers – Misserfolg seine<br />
Verantwortung. Diese Verantwortung war spirituell begründet und ging damit über heutiges Verständnis weit hinaus. So konnte es z.B. passieren, dass ein Stamm, der sich (bzw. seine “Abstammung”) über den Fruchtbarkeitsgott Freyr definierte, das Leben seines Sakralkönigs opferte, wenn die Ernte mal zu schlecht ausfiel oder ein Unwetter sie gründlich genug verhagelte.<br />
Man übertrage spaßeshalber dieses System auf heutige oder gestrige politische Verhältnisse – kaum ein deutscher Bundestags-Mandatsträger, geschweige denn ein Diktator, hätte es im germanischen Gesellschaftssystem sonderlich weit gebracht. Man stelle sich vor: je höher das Amt, desto unfreier der Amtsträger – soziale Kontrolle statt Abgeordneten-Immunität, im Erfolgsfall höhere Ehre statt höherer Diäten, im Misserfolgsfall persönlich haftende Verantwortung statt lebenslanger Rentenbezug auf Steuerzahlerkosten. Lang, lang ist´s her. Und natürlich lässt sich dieserart Ruhm gewinnen, aber kein Staat lenken.<br />
Ein historisches Beispiel dafür ist die Geschichte von Ariovist, einem König der Sueben. Bereits seit längerer Zeit hatten suebische Gefolgschaften einige sehr erfolgreiche Kriegszüge nach Gallien unternommen. Die Gefolgschaftsführer erlangten dadurch ungeheures Prestige. Die Folge: mehr Gefolgsleute strömten ihnen zu, die Beutezüge wurden noch erfolgreicher. Das Prestige der Sueben steigerte sich derart, dass sie andere Stämme zu assimilieren begannen, die am Erfolg und am Heil der Sueben teilhaben wollten. Dadurch wurden die Sueben immer mächtiger, mit der Folge, dass auch die Kriegszüge immer reichere Beute brachten. Nach diesem Prinzip schaukelte es sich hoch, die Dynamik wuchs über die Beteiligten hinaus.Das wiederum zog weitere Assimilierungen nach sich. Schließlich begab sich der Suebenkönig Ariovist persönlich nach Gallien, die Mehrzahl der Sueben folgte ihm. Nicht nur die Kriegergefolgschaften, der ganze Stamm kam in Bewegung, in Gallien breitete sich Panik aus. Indes genügte eine einzige Niederlage gegen die römischen Legionen, um den Spuk zu beenden: Das Heil hatte Ariovist verlassen, und damit den Stamm. Ariovist überlebte, tauchte aber als politischer Faktor nicht mehr auf.<br />
Dies zeigt nicht nur den Einfluß der Gefolgschaften auf die germanischen Stämme, sondern vor allem die wortwörtlich magische Anziehungskraft des Heils.</p>
<p>Dieses Heilsverständnis – und der Umgang damit – mag vielleicht ans irrational motivierte Auf und Ab moderner Börsenkurse erinnern. Von der nazideutschen Führerhörigkeit mit ihrem Gehorsamsfatalismus bis zum Untergang aber ist es so weit entfernt wie Hitler vom Blondsein und seinen sonstigen “arischen” Idealen.<br />
Die Befugnisse germanischer Befehlsgeber waren eng begrenzt, ihre Macht nur geliehen.<br />
Gegen die spirituell tradierten Sitten und Interessen der Gemeinschaft konnte keiner Führer werden: ganz schlechte Chancen für Revolutionäre und Despoten.<br />
Und die berüchtigte “Nibelungentreue”? In der Sage versprechen die Hunnen den (unterlegenen) Burgundern freien Abzug unter der Bedingung, ihren König und seine Brüder auszuliefern. Die Burgunder weigern sich, weil der Verlust der Heilsträger den Stamm die Identität gekostet (und die Überlebenden zu heillosen, unglücksverfolgten Niemanden gemacht) hätte. Sie zogen es vor, im Besitz des Heils zu sterben, anstatt ihre Heilsrepräsentanten zu verraten. Was burgundische Könige von deutschen Hitlers oder Himmlers unterscheidet, ist der Umstand, dass erstere tatsächlich (also im bereits beschriebenen Sinne) Heilsträger waren, sich dem Stamm als solche erwiesen hatten. Was man von den ehrlosen Braunhemden mit ihren von vornherein asozialen und gemeinschaftsfeindlichen Umtrieben nicht behaupten kann.<br />
Treue ist demnach ein äußerst zweischneidiger Begriff. Um kein Unheil auszulösen, erfordert er zwangsläufig eine zweifache, also gegenseitige Absicherung. Im germanischen Fall findet die einerseits weltlich, anderseits spirituell statt. Sowieso missverständlich ist der Begriff von Führerschaft, ob es nun um Dróttinns, Drichten, Truchsesse, Häuptlinge oder Könige geht: Oberste Instanz größerer germanischer Gemeinschaften war nicht eine Person, sondern das (oder der) Thing: eine demokratische Volksversammlung in spirituellem Kontext. Das letzte Wort hatte, im Namen der wachenden Götter, die abstimmende Gemeinschaft. In schriftlosen Kulturen ist ein Wortbruch schlimmer als bei sogenannten Zivilisierten die Nichterfüllung von Schriftverträgen, denn er macht ehrlos: nicht nur vor der Gemeinschaft, sondern auch vor deren Göttern.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-germanisches-weltverstandnis/">Germanisches Weltverständnis</a></p>
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		<title>Als die Sau noch Göttin war: Germanisches Weltverständnis</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 22:32:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eibensang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Germanisches Weltverständnis</h3>
<p>Als die Sau noch Göttin war, hatten´s die Schweine besser – sie wurden nicht mit unliebsamen Menschen verglichen, sondern galten als heilig. Dass Vieh und Volk sich die Schlafräume teilten, mag pragmatische Gründe gehabt haben – es ist halt wärmer im Kabuff, wenn´s draußen schneit und frostet. Parfümfans mögen die Nase rümpfen, doch für vorchristliche Germanen hatten Tiere und Gottheiten oft denselben Stallgeruch. Man fühlte sich umgeben von einer Unzahl benamter Gestalten mit unheimlichen Kräften; mit den einen musste man sich gut stellen, damit sie einem die anderen vom Leibe hielten; der Alltag war magisch und das Spirituelle alltäglich, die ganze Welt beseelt, voller Sinn und Bedeutung. Schenken wir den literarischen Quellen Glauben, galt das Getreide auf dem Feld als das goldene Haar der Göttin Sif, der Gattin des erdverbundenen Donnergottes Thor, der die Menschheit beschützt vor den Riesen.<br />
Schriftliche Überlieferungen über angeblich germanische Götter sind erst in christlicher Zeit entstanden und auch aus anderen Gründen nicht als Belege originär altgermanischer Spiritualität verwendbar. Auf die sich daraus ergebenden Zweifel bzw. unser faktisches Unwissen über definitive Inhalte vorchristlichen Heidentums germanischer Prägung ist an anderer Stelle eingegangen worden (siehe hierzu meinen Artikel <a href="http://www.nornirsaett.de/der-kleine-unterschied/" target="_blank">&#8220;Der kleine Unterschied&#8221;</a>, Anm.d.Verf.).<br />
Ich halte mich im Folgenden dennoch weiter an die aus der &#8220;Edda&#8221; bekannten Bilder – zum einen haben wir keine anderen, zum anderen taugen sie trotz ihrer Unbeweisbarkeit hinsichtlich altgermanischer Göttervorstellungen meines Erachtens durchaus als beispielhafte Platzhalter solcher: da sich die daraus resultierenden Welt- und Wertvorstellungen zumindest von unserer heutigen Natur- und Umweltauffassung derart tiefgreifend unterscheiden, dass wir erahnen können, wie untrennbar &#8220;spirituelle&#8221; und &#8220;materielle&#8221; Lebensaspekte verwoben waren für Kulturen, denen der Begriff einer definierbaren &#8220;Religion&#8221; (in heutigem Sinne) fremd war. Die bewusste Freistellung solcher Aspekte wie &#8220;spirituell&#8221; und &#8220;religiös&#8221;, ihre begriffliche Herauslösung aus dem &#8220;übrigen Leben&#8221; ist für uns freilich seit vielen Generationen derart normal, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, dass altvordere Heiden diese Begriffstrennung nichtmal denken konnten.<br />
Nebenbei sehe ich hierin einen wichtigen Grund für die rasche Verbreitung des Christentums unter germanischen Stämmen: Die historischen Heiden ahnten in gar keiner Weise, was da auf sie zukam. Warum hätten sie einen neuen Gott als störend oder unpassend empfinden sollen? Was uns heute an &#8220;Religion&#8221; so typisch erscheint – das (jegliche Alternativen kategorisch ausschließende) Monopol auf eine Wahrheit, an die alle glauben sollen – war der gesamten heidnischen Antike unbekannt. Und gerade Germanen nahmen neue spirituelle Angebote und Vorstellungen oft besonders begeistert auf – kein Mensch germanischer Provinienz wäre damals auf die Idee gekommen, ein &#8220;Heidentum&#8221; in Gefahr zu sehen und &#8220;es&#8221; daher etwa gegen &#8220;das Christentum&#8221; verteidigen zu wollen.</p>
<p>Was immer sich vorchristliche Germanen vorgestellt haben mögen spirituell – sie kannten kein &#8220;-tum&#8221;. Woraus wir folgern: Echte Germanen &#8220;tümeln&#8221; nicht. (Aaachtung Germanentümelnde! Stillgestanden! Wegtreten!) </p>
<p>Jetzt aber weiter eingetaucht in unsere imaginierte Welt vielleicht nicht allzu echter, nichtsdestotrotz beispielhafter Ansichten und Auffassungen ganz selbstverständlicher Naturbeseeltheit:<br />
Riesen, das waren der bösartige Gletscher weiter nördlich oder die Lawine vom vorigen Jahr, der gefürchtete Hagel vor dem Herbst oder die plötzliche Feuersbrunst – aber auch die liebreizende Gjerda, die immer im Frühling kommt, um als blühende Vegetation die Erde neu zu beleben. Man huldigte Mani, dem bleichen Nachtauge am Himmel, und wenn der nicht mehr zu sehen war, stand der Mond unter dem Einfluss von Bil, der Schwarzmondgöttin. Im tiefen Wald tanzten Elfen, in den Flüssen wohnten die Nymphen, das Haus bewachten Kobolde, denen geopfert wurde, und als Stützen des Himmelsgewölbes wusste man vier weit entfernte Zwerge mit den sinnigen Namen Austri, Sudri, Westri und Nordri. Ehrfürchtig gewahrte man den Regenbogen als Bifröst, die Brücke zu den Göttern des Bewusstseins, den Asen.<br />
Ausgefeilte Bestattungsriten sorgten dafür, dass keine toten Menschen umgingen in den Häusern der Lebenden (obschon man an ihre baldige Reinkarnation glaubte); dem alljährlichen Wedererwachen der Erdgöttin Nerthus aber widmete man ausgelassene Umzüge mit geschmückten Wagen quer durch die Dörfer.<br />
Ähnlichkeiten zum katholischen Fronleichnam oder Karneval u.ä. sind selbstverständlich rein zufällig, ebenso wie Weihnachten, Ostern, Lichtmess oder Allerseelen. Tatsächlich ist das einzige heidnische Fest, das (früherer oder späterer) christlicher Umdeutung entging, Beltane, besser bekannt als Walpurgisnacht. Das war kein germanisches, sondern ein keltisches Fest für den Feuergott Bel und die Fruchtbarkeit – möglicherweise tatsächlich inklusiv menschlicher Sinnenlust. Letztere wird den Germanen ja gern abgesprochen, was nicht zuletzt an Tacitus liegt, der dem Brot-und-Spiele-Zirkus seiner römischen Zeitgenossen unbedingt die moralischen Wilden entgegensetzen wollte, bei welchen eben “keine heimlichen Briefchen zwischen Unverheirateten kursieren” (wie auch: waren ja Analphabeten).<br />
Die Skandinavier jedoch bildeten den Fruchtbarkeitsgott Freyr ab mit einem Phallus, der das wirklich &#8220;herausragende&#8221; Merkmal der ganzen Götterfigur darstellt; und der Volksbrauch der Wölsi-Verehrung hat sich, wenn auch bereits christlich angeschmäht, bis in die Edda gerettet (ein Wölsi ist ein Gegenstand zu nicht mehr bekannten Kultzwecken. Es handelt sich dabei um das irgendwie ohne künstliche Konservierungsstoffe haltbar gemachte Geschlechtsteil eines ausgewachsenen Hengstes).</p>
<p>Der geheimnisvolle Kriegs- und Totengott Odin (im Süden in einfacherer und älterer Form als Sturmgott Wodan verehrt) war aufgrund seines äußerst zwiespältigen Charakters und seiner verschlungenen schamanischen Lehren wohl kaum eine Konkurrenz für das aufkommende Christentum mit seinen einfachen Heilsversprechen – von einem Kult um Freyja ist uns leider noch weniger überliefert: gar nichts. Kann also sein, dass es gar keinen solchen gegeben hat. Was aber, wenn doch? Und ganz unabhängig davon, was war oder vielleicht auch nicht: Spätestens heute sollte es einen geben: Freyja, die schillerndste weibliche Gestalt des germanischen Götterhimmels, verkörpert (doch spätestens für uns Heutige) die freie Frau in jeder möglichen Hinsicht. Freyja bedeutet einfach “Herrin”, doch Namen hatte sie viele. Moderne Forscher haben sich generationenlang die Köpfe zerbrochen über das Fehlen eines germanischen Sonnengottes. Baldur ließ sich dazu nicht machen – ein Lichtgott mochte er sein, aber sein Mythos rankt sich zu sehr um seine Ermordung, die das Götterschicksal einläutet, die Ragnarök – Analogien zur Sonne lassen sich da schwerlich (er-)finden. Man hat versucht, Freyja in ihrer Erscheinungsform als Mardøll – in einer Lesart “die Pferdefrohe”, in einer anderen “die das Meer Erleuchtende” – als eine Art nordische Meeresnixe zu deuten. Ich persönlich habe noch nie gehört oder gesehen, dass Nixen leuchten. Als Erleuchtung kam mir die Sonne.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wer-erleuchtet-das-meer-teil-1/" target="_blank">Wer sonst “erleuchtet” das Meer?</a> Ihre Mythen sind vielfältig. Für die einen umfährt sie das Erdenrund auf einem Wagen, der von Katzen gezogen wird; den anderen fällt ihre Geilheit auf: “…wie zwischen Böcken die Ziege rennt”, wird in der Edda Freyjas Neigung zu wechselnden Liebschaften beschrieben. Sicherlich ist ihr Charakter kätzisch: Liebe, Hexerei und Krieg sind die Hauptressorts der Vánadis, der Vanen-Dise,<br />
der berühmtesten der Vanen – jener (zwar wiederum nur von Snorri erwähnten, s.o.) Gottheiten der Instinkte, des Intuitiven und des sinnlichen Gedeihens (in symbiotischem Kontrast zu den Bewusstseinsgöttern, den Asen. Obwohl eine genaue Grenze zwischen den beiden germanischen Göttergeschlechtern nichtmal von deren mutmaßlichem Erfinder gezogen wird. Nicht als einzige wird Freyja sogar von Snorri mal den einen, mal den anderen zusortiert).<br />
Einer ihrer Namen leiht diesem Vortrag den Titel. Denn die Germanen riefen ihre große Herrin auch Syr, das heißt wortwörtlich Sau.<br />
Meine Deutung von Syr, Mardøll, Vanadis oder Freyja als germanische Sonnengöttin wird unterstützt vom Mythos des Brisingamen, Freyjas magischem Halsschmuck, dessen Sinn und Zweck darin besteht, unglaublich hell und strahlend zu leuchten; außerdem wird seine Trägerin als die “tränenschöne Göttin” besungen. Nicht im Sinne von Heulsuse: Vielmehr heißt es, man könne dieser Göttin nicht ins Angesicht schauen, ohne tränende Augen zu bekommen. Nachdem das Tränengas noch nicht erfunden war, bleibt als mögliche Erklärung eigentlich nur die große Sonne übrig. (Die Sonnengöttin-Theorie wird auch von anderen vertreten, aber das sind wie ich alles keine Wissenschaftler. Es mag also wahrscheinlich sein, bleibt jedoch spekulativ. Immerhin würde es dazu passen, dass Tacitus standhaft behauptete, die Germanen hätten “Sonne und Mond” angebetet.)<br />
Doch hinter der scheinbar primitiven Verehrung augenfälliger Naturerscheinungen verbirgt sich oft eine nicht zu unterschätzende Kosmologie – wir haben keinen Anlass anzunehmen, dass das bei germanischen Stämmen prinzipiell anders gewesen ist als überall sonst und bis heute auf unserer schönen, geplagten Planetin (wo jeweils die sogenannte &#8220;Zivilisation&#8221; noch nicht alles plattwalzte oder wenigstens so spät kam, um noch einen Blick auf archaische Gesellschaftsformen stammesartiger Gruppierungen zuzulassen).</p>
<p>In der Edda rankt sich die Kosmologie um einen Weltenbaum, der auch in seriösen Quellen meist als “Weltesche” bezeichnet wird. Meiner Auffassung nach handelt es sich dabei um einen Übersetzungsfehler: Der altnordische Begriff “barraskr” bedeutet wortwörtlich “Winteresche”, womit ein Baum gemeint ist, der auch im Winter grünt. Das ist bei einer Esche <i>(Fraxinus excelsior)</i> aber nicht der Fall, und die immergrüne Eigenschaft<br />
des Weltenbaums wird in den alten Quellen mehrfach betont. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei der mythischen Weltachse Yggdrasil (wörtlich: &#8220;Pferd des Schrecklichen&#8221; – eine Anspielung auf Odins schamanisches Selbstopfer) um einen Baum der Sorte <i>Taxus baccata</i> handelt, auf deutsch: Eibe.<br />
Von allen europäischen Baumsorten ist ihr Holz das härteste und wächst bei weitem am langsamsten. Nicht nur ihre Seltenheit machte die Eibe schon früh heilig (Buchenwälder verdrängten die Eibenwälder zu Zeiten, als die Menschen noch keine Bäume fällen konnten), sondern auch die Tatsache, dass dieser Baum in der Sommerzeit ein halluzinogenes Gas ausströmt, an welchem man sich regelrecht berauschen kann – oder unversehens berauscht wird, wenn man auf diesen Umstand nicht vorbereitet ist. Eiben lieferten das haltbarste und beste Holz für Pfeil und Bogen, und den Schnee- und Jagdgott Ullr wusste man zuhause in Ydalir, das heißt Eibental.<br />
Im ältesten germanischen Runensystem, das mindestens von 200 bis etwa 600 n.Chr. in Gebrauch war, dem sog. Älteren Futhark (benannt nach den ersten sechs Runen Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho und Kenaz), hat die Eibe eine auffällige Position: Als dreizehnte Rune liegt sie nicht nur in der Mitte des 24 Runen umfassenden Systems, das aus drei Achterreihen besteht, sondern ist auch der Dreh- und Angelpunkt der mittleren Reihe, der sog. Hels Ætt oder Zauberer-Acht, deren Runenabfolge als Anleitung für einen Initiationsweg gelesen werden kann: den sog. Helsweg. Die Eibenrune Eiwaz folgt der Jera, die das Jahresrad bzw. den Zeitenzyklus symbolisiert, und bringt diese(n) erst in Bewegung. Auf Eiwaz wiederum folgt die Wiedergeburts- und Weisheitsrune Perthro.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/eibensang/4151410"><img src="http://u1.ipernity.com/1/14/10/4151410.e0f22f54.jpg" width="300" height="400" alt="Eiwaz" border="0"/></a> <i>Eiwaz</i><br />
Außer der Eibe ist im Älteren Futhark nur eine einzige weitere Rune einem Baum gewidmet, und zwar die 18. Rune Berkana, die als Birke u.a. für Mütterlichkeit, Fürsorge und Nestwärme steht. Diese Sinndeutungen sind zwar nur meine <a href="http://www.eibensang.de/index.php/category/schweinepriester/runen/" target="_blank">eigenen, persönlichen.</a><br />
Unumstritten ist jedoch die Tatsache, dass es im Älteren Futhark eine Rune für die Eibe und eine für die Birke gibt – aber keine, die &#8220;Esche&#8221; bedeutet oder diesem Baum  zugeordnet wäre.<br />
Über solches Kniefieseln hinaus dürfen wir insgesamt davon ausgehen, dass historisches Heidentum germanischer Prägung ohne Paradiesvorstellungen und Heilsversprechen auskam. Der Mythos von Walhall, wo die gefallenen Krieger Odins bewirtet werden, scheint erst gegen Ende der Völkerwanderungszeit aufgekommen zu sein – massive Ableitung christlichen Jenseitsvorstellungsvermögens darf hierfür angenommen werden, immerhin huldigte die überwiegende Mehrzahl der germanischen Stämme längst Christus – auch wenn im damals populären <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arianismus" target="_blank">Arianismu</a> der Gottessohn selbst eher als Mensch denn als Gott gesehen wurde (was wiederum noch recht germanisch dünkt).<br />
Den in der Edda als germanisch apostrophierten Göttern übergeordnet waren (ebenda) die Nornir oder Nornen, die das Schicksalsgefüge verkörpern. Bei näherer Betrachtung ihrer Eigenschaften lässt sich spekulieren, dass <a href="http://www.nornirsaett.de/no-future-warum-das-germanische-keine-zukunft-hat/" target="_blank">germanisches Denken keines Zukunftbegriffes bedurfte:</a> im Sinne der uns heute so logisch und alternativlos erscheinenden linearen Zeitachse Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft (die für meinen Geschmack auffällig zu linearen Schöpfungsmythen wie dem der Bibel passt. Wer mir jetzt aber die Völuspa vorhalten mag – als eine &#8220;germanische Schöpfungsgeschichte inklusiv Untergangs-Showdown&#8221; etwa –, sei daran erinnert, dass diese Verse irgendwann in der Wikingerzeit entstanden – die überwältigende Mehrheit der germanischen Welt dachte da längst schon in christlichen Mustern). Interessanterweise (und auch ganz ohne Nornengeraune mit zu bemühen) kannte die gemeingermanische Sprache kein Futur: Noch in ihren heutigen Ablegern ist ein solches nur mittels Hilfsverben grammatikalisch korrekt konstruierbar &#8230;<br />
Ein zyklisches Weltbild braucht weder abstrakte Zukunftsbegriffe noch Offenbarungen: sein Wesen erfüllt sich in Kreisläufen, in Wiederholungen, von denen Varianten denk- und erfahrbar sind, die sich aber selbst nicht ändern brauchen. Erst das Annehmen göttlicher &#8220;Offenbarungen&#8221; als religiösen Kern und Impuls zwingt Spiritualität auf die lineare Zeitachse: Propheten, Prophezeihungen, Missionierung, Weltuntergangs-Szenarien für den Glaubens-Verweigerungsfall etc. pp. sind anders nicht sinnvoll sortierbar.<br />
Erst die Abwesenheit eines zentralen Offenbarungsmythos erlaubt eine – dann fast selbstverständlich aufblühende – Vielfalt in Bräuchen, Auslegungen, Handhabungen: weshalb sich für altgermanische Kultgepflogenheiten, ohne diese selbst kennen zu können, Entsprechendes – samt mehr oder minder individueller, zumindest aber sippen- und stammesbezogener Freiheiten – annehmen lässt. Das Einhämmern religiöser Dogmen in ganze Bevölkerungen bedarf gewaltiger Anstrengungen (sowie die Errichtung möglichst dauerhafter Kontrollinstanzen, damit sich der beinharte Schmarren nicht wieder alsbalden in unzählige esoterische Beliebigkeitsvarianten verflüchtigt, sondern &#8220;auf Linie&#8221; gehalten werden kann) – es gibt nicht nur keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass heidnische Germanen etwas Vergleichbares veranstaltet hätten, es spricht vielmehr alles dagegen.</p>
<p>Das Heil hing mit den Göttern zusammen, wurde von diesen jedoch nicht gespendet, sondern auf der Erde durch menschliches Geschick und Ehre erworben. &#8220;Mattr ok megin&#8221;, Macht und Vermögen – das bezog sich auf die Fähigkeit des Einzelnen, in der rauen Wirklichkeit zurechtzukommen, als deren Angelpunkt man / frau sich begriff. Kein Glaube für Esoteriker.</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/londo42/918873"><img src="http://u1.ipernity.com/1/88/73/918873.24e17d59.500.jpg" width="500" height="375" alt="Lögberg" border="0"/></a><br />
<i>Lögberg im Thingvellir in Island. An dieser Stelle stand früher der Sprecher beim Althing. Foto: Londo</i></p>
<p>Edda-Poet Snorri schwadroniert außer von der Menschenwelt noch von weiteren acht. Die &#8220;neun Welten&#8221; sind nirgendwoanders belegt als nur bei ihm – wir dürfen oder müssen daher annehmen, dass dieser christliche Skaldenlehrer sich alle Neune aus der Fantasie gesaugt hat. Auf der andern Seite darf man durchaus fragen: woher? Welche damals schon alten Mythen, wie viele unterschiedliche Erzählungen mag er gefleddert haben, um seinen Schülern das Verseschmieden beizubringen – und was hat er selbst noch mit dazugedichtet – viel oder wenig, alles oder nichts? Kurz (und dichterisch gefragt): Welche Germanen haben das Garn gesponnen, wann wurde es zu Tuch verwoben, aus welchen Stücken schrieb uns Sturluson den Stoff?<br />
Poetisch bleibt, für alle Zeit (so hofft man ja), zumindest das Ergebnis. Alle neun Welten hängen am bereits erwähnten großen Baum, den ich mal, in meiner eigenen Ausdeutung, ganz frech &#8220;Welteibe&#8221; nenne: in der Mitte die Welt der Menschen, Midgard genannt – die einzige Welt von allen, die, wie es so schön heißt, &#8220;der Zeit unterworfen&#8221; ist &#8230; und außerdem so eine Art Bahnhof (oder sollte man es heute eher &#8220;Schnittstelle&#8221; nennen, &#8220;Interface&#8221;?) zu den anderen Welten darstellt. Acht weitere Welten aus Feuer und Eis, für Riesen, Elfen und  Zwerge, für Fruchtbarkeits- und für Bewusstseinsgötter, nebst einer Wiedergeburts-Wartestation male sich aus wer mag – oder lese die Edda, die ich hier nicht nacherzählen mag. Mir gefällt an diesen Mythen, dass sie – anstatt eine Aufteilung in &#8220;gute&#8221; und &#8220;böse&#8221; Mächte vornehmen – vielmehr ein Ausbalancieren von Spannungsverhältnissen beschreiben: ein Weltverständnis, das mir in seiner pittoresken Differenziertheit alles andere als &#8220;barbarisch&#8221;, geschweige denn als &#8220;primitiv&#8221; erscheint.</p>
<p><a hre="http://www.eibensang.de/index.php/category/schweinepriester/welten/" target="_blank">Sehen wir uns das mal an:</a> An der Wurzel des Großen Baumes nagt der eher unsympathische Drache Nidhöggr, auf der Krone hockt ein seltsamerweise namenloser Adler, und die beiden können sich nicht riechen. Ein unermüdlich am Weltenbaumstamm rauf- und runterrasendes Eichhörnchen namens Ratatösk ist so freundlich, den Kontrahenten die gegenseitigen Schmähworte auszurichten –  vermutlich war das der erste Postbetrieb der Welt. An den Knospen des Baumes nagen vier gewaltige Hirsche &#8230; Ökokenner/innen unter uns wissen, was das heißt: Es kann nicht mehr lang dauern mit dem Baum, der auch Yggdrasill, Pferd des Schrecklichen, genannt wird, weil sich der schreckliche Odin mal zu Selbstfindungszwecken dran aufgehängt hat.<br />
Und es dauert doch. Nichts klappt wie es soll: Odin hat nicht sich selbst, sondern die Runen gefunden, doch musste für höhere Erkenntnisse ein Auge lassen. Überhaupt ist sein Charakter eher zwie- bis vielspältig – aber was soll man schon halten von einem intellektuellen Workaholic, der gleichzeitig Gott der Dichter und der Krieger ist und obendrein schamanisch tätig sein muss, wenn er nicht gerade im Aufsichtsrat der Asen hockt &#8230; wobei er sein Gedächtnis und seine Gedanken in Form von zwei Raben auslagert, um die er regelmäßig bangt, dass sie mal nicht zurückkommen und vielleicht abstürzen wie uns heutzutage der Rechner. Kein Wunder, dass Odin niemals isst, sondern sich ausschließlich von Wein und Met ernährt. Und dafür hat er zu Tacitus&#8217; Zeiten den alten Himmelsgott Tyr, Teiwaz, Tiu oder Saxnot (je nach Stamm) abgelöst &#8230; Aber für einen, der als einfacher Sturmgott angefangen hat, doch keine schlechte Karriere, oder?</p>
<p>Und was ist aus Tyr geworden? Der Gott der Gerechtigkeit. Bevor er das wurde – und anders hätte er&#8217;s nicht werden können – büßte er erstmal seine rechte Hand ein, weil er einen Schwur einhielt, der genau genommen ein handfester Betrug war &#8230; wenn auch nur an einem Untier wie dem Wolfsmonster Fenrir. Selbst der Kraftprotz Thor ist nicht ohne Tadel: nicht nur wird er ohne seinen Hammer hilflos, dass er sich verkleiden muss, er hat auch von irgendeinem Abenteuer noch einen Splitter in der Stirn, der ihm immer wieder mal Kopfschmerzen bereitet. Wächtergott Heimdall hat von vornherein sehr seltsam angefangen: als Sohn von neun Müttern – die wiederum sind die Töchter der dunklen Meeresgöttin Ran. Auch heute kann man sie noch sehen, wie sie sich winden, heranwallen, im Wind tanzen und toben, und manchmal tragen sie weiße  Krönchen auf den nassen Häuptern. Manche sind riesengroß, andere klein, zuweilen kommen sie in Scharen, dann wieder räkeln sie sich sanft entlang und lachen. Im Meer sieht man meist welche – sie bilden sozusagen dessen oberen Rand. Wir nennen sie Wellen.</p>
<p>Die einzige Gestalt im nordischen Mythos, die einer Idealfigur nahekommt, ist der Lichtgott Baldur. Seine Behinderung besteht darin, dass er tot ist – versehentlich erschossen von einem Gott namens Hödur, der an Blindheit leidet. Angestiftet wurde die Tat vom listigen Loki, auf den dann alle anderen Götter auch entsprechend sauer waren. Bei Loki weiß man nie, ob man ihm die Füße küssen oder ihn hochkant rausschmeißen soll – er ist nämlich für die größten Katastrophen und Ungeheuer ebenso verantwortlich wie für das Entstehen der wichtigsten Waffen und Helfer der Götter. Verlassen kann man sich bei ihm darauf, dass man sich nicht auf ihn verlassen kann. Du hast ein Problem? Ruf ihn an – er löst es dir: rasant und auf höchst originelle Weise. Und wenn er wieder geht, hast du dann ein anderes – das mit einiger Wahrscheinlichkeit größer ist als das von ihm gelöste. Ein ziemlich modern anmutender Gott, könnte man sagen – und seltsamerweise gerade unter vielen Neuheiden beliebt (seltsam finde ich das deswegen, weil Neuheiden sonst eher allem Altbekannten zugeneigt – und für Änderungen, besonders rasante, sonst nicht so schnell zu begeistern sind. Vermutlich mögen sie Loki deswegen, weil seine Beschreibung die der andern Götter an widersprüchlichen Facetten um ein Vielfaches übertrifft. Er hat einfach den schillerndsten Charakter.)<br />
Die binär (hie schwarz, da weiß) kolorierte Totengöttin Hel ist ebenso seine Tochter wie die erdumspannende Midgardschlange Jörmungandr; Loki ist der Vater Fenrirs, aber auch die Mutter des achtbeinigen Götterrosses Sleipnir. Loki hatte sich nämlich in eine Stute verwandelt, um den Arbeitshengst eines Riesen von der Arbeit abzuhalten – auf diese Art gewannen die Asen eine ziemlich hinterlistige Wette, die ihnen die Götterburg Asgard einbrachte. Und hätte Loki als Stute nicht den Hengst gevögelt, hätten die Götter ihre geliebte Vánadis, die Vanengöttin Freyja an die ungeschlachten Riesen ausliefern müssen. Alles klar?<br />
Loki ließ den zauberkräftigen Thorshammer Mjöllnir schmieden – stach aber dem das Werk ausführenden Zwerg Brock als Fliege so lange in die Augen, bis der sich das Blut rauswischen musste: wodurch die Arbeit unterbrochen und der Stiel des Hammers ungewöhnlich kurz wurde. (Es ist aber ein Gerücht, dass Loki auch &#8220;Windows Vista&#8221; mitprogrammiert habe – das hat nichtmal Snorri so behauptet.) Zusammenfassend kann man sagen: Loki ist Murphy&#8217;s Gesetz auf germanisch und der Ausweg daraus in einem – unberechenbar ist nur die jeweilige Reihenfolge. Und woher kommt diese/r Loki?<br />
Genetisch ist er &#8220;reinrassiger&#8221; Riese – durch Blutsbrüderschaft mit Odin wird er jedoch zum vollwertigen Asen.<br />
Dies nur als weiterer Hinweis dafür, dass germanische Lebensart vor keiner machbaren Vermischung zurückschreckt. Nicht nur die Mythen – angefangen bei der Vermischung der Asen und Vanen – auch die historische Entstehung und Entwicklung der Germanen ist eine einzige Geschichte der Völkervermischung.<br />
Fazit: Angst vor Fremden ist dem Germanen fremd!<br />
Der Lustgott Freyr ist nicht nur ein sinnenfroher Lover seiner leiblichen Schwester Freyja – sowie der schönen Riesin Gjerda, de er dann unter Androhung eher übler Zaubereien heiratet (er droht ihr, nicht umgekehrt) – sondern auch ein richtiger Kämpfer. Typisch germanisch, möchte man meinen. Nur: Zu Ragnarök, dem entscheidenden Schicksalskampf der Götter, ist Freyr leider waffenlos – sein magisches Schwert hat er nämlich gerade an einen Kumpel verliehen, weshalb der Kampf auch des Happy Ends entbehrt. Dafür war Freyr vorher ein ziemlicher Zampano: besaß er doch ein Hosentaschen-Faltboot, in das die ganze Götterwelt hineinpasste, oder ein Schwert, das ebenso einen Felsen zerhacken konnte wie stehend im Wasser eine herandümpelnde Flaumfeder spalten – haarscharf.<br />
Der Traum vom perfekten Equipment war demnach auch ein germanischer. Kein Wunder – man braucht sich nur vorstellen, welche Mühe es macht, mit einem wackeligen Ochsenkarren zwischen Wald und Sumpf einherzuzuckeln, und nirgends eine Vertragswerkstatt. Ob es wenigstens Wege gab? Wie man&#8217;s nimmt! Echte Völkerwanderer finden wohl immer welche. Inzwischen hat Freyr wahrscheinlich ein rasend schnelles yGod – besser als jedes iPad – das keinen Akku braucht und nie abstürzt &#8230; außer, wenn man mal ganz schnell im World Wide Wyrd was &#8220;mimirn&#8221; (altnordisch für googeln) muss.<br />
Womit nur gesagt sein soll: Die Geschichten hören nicht auf. Fängt man erst einmal an, sie zu verfolgen, verästeln sie sich geradezu labyrinthisch: Hinter Gängen und Räumen warten weitere Türen; man findet auf Anhieb fast alles, nur keine Wegweiser. Annehmen darf man, dass die überbordende Vielfalt ihrer Götterwelt durchaus germanische Lebensauffassung wiederspiegelt. Die Götter entstammen den Riesen, und am Schluss unterliegen sie diesen. Das Bewusstsein (symbolisiert durch die Götter) entstammt dem Unbewussten (symbolisiert durch die Riesen) – und droht ständig wieder ins Unbewusste, Vorbewusste zurückzufallen: die Geschichte der Welt – nur eine platzende Seifenblase im All. In den dazwischen liegenden Abenteuern sind die Götter ebensowenig perfekt wie die Menschen, denen sie als Vorbilder dienen – das macht ihren praktischen Wert aus.<br />
Nicht unerreichbare Ideale oder ewige Paradiese werden angestrebt, sondern die Fähigkeit, mit den vorhandenen eigenen Macken zurechtzukommen. Immer wieder gefeiert und besungen: die Möglichkeit, trotz eklatanter Schwächen und mancher Chancenlosigkeit durchzukommen, bisweilen zu siegen. Die Altvorderen gaben sich Mühe, diese Mythen spannend und farbig zu gestalten. Spannende Geschichten erzählen – für schriftlose Kulturen das einzige Mittel, praktisches Wissen, Lebensweisheit und (in gewissem Sinne) geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Gegebenheiten zu vermitteln.<br />
Sieht man sich die Kultur dieser Geschichtenerzähler an und verfolgt ihre Werdegänge in heutigem historischem Kontext, findet sich eine Erklärung für die Vielfalt: Sie ist ein Ergebnis von nicht nur äußerer, sondern auch und gerade innerer Beweglichkeit: Flexibilität. Germanische Stämme kannten kein “Volks-” oder Nationalgefühl – aber sie schotteten sich nie ab, sondern nahmen alle Einflüsse von außen auf, die ihnen buchstäblich “in den Kram passten” – unter Wahrung ihrer kulturellen Integrität. Die verloren sie erst allmählich unter dem Zeichen des Kreuzes, seines hierarchisch und zentralistisch gesteuerten Kultes und seiner fixen Feindbilder. Den schließlichen Untergang germanischen Stammestums jedoch hat das Christentum als solches viel weniger zu verantworten, als dies (zumindest in weiten Kreisen der Neuheidenszene) angenommen wird. Viele ostgermanische Stämme christianisierten sich auffallend früh und rasch, und mit dem Arianismus kamen auch spätere germanische Stämme jahrhundertelang wunderbar zurecht. Was die Stammeskulturen viel tiefgreifender und nachhaltiger umformte, bis sie schließlich Bestandteile staatsähnlicher Gebilde wurden (was man als definitives Ende historischer Germanenkultur betrachten darf), war vielmehr die Übernahme römischen Rechtssystems und der damit einhergehenden Verfassungskonsequenzen inklusiv deutlich steiler angelegter Hierarchien. Der katholischen Kirche nützte diese Regierbarkeit zunehmend zentral verwalteter definierter Territorialreiche enorm, alleinige Impulsgeberin dieser Entwicklung war sie nicht.</p>
<p>Apropos Hierarchien. In der Edda findet sich ein umstrittenes Gedicht – umstritten deswegen, weil die Forscher sich uneins sind über dessen Entstehungszeit (die wiederum entscheidend dafür sein könnte, ob das Stück überhaupt zum Kanon gezählt werden darf).<br />
Vieles deutet auf &#8220;späten&#8221; bis &#8220;spätesten&#8221; Einschub (14. Jh.!) hin. Es heißt &#8220;Rigsthula&#8221; und kommt scheinbar harmlos – und ohne die sonst üblichen Rätselverse – daher. Aber gerade diese Harmlosigkeit macht es in meinen (etwas misstrauischen) Augen geradezu selbstverräterisch.<br />
Worum geht’s? Beschrieben wird, wie der Gott Heimdall über die Erde wandert und nacheinander in mehreren Menschenhäusern einkehrt und nächtigt, um den dortigen Männern die Frauen auszuspannen, und das auch noch ohne Gummi. Er schwängert sie alle absichtlich. Ich schildere das so flapsig aus moderner Sicht, um klarzumachen, wie uns Heutigen ein- und derselbe Umstand vorkäme und anmutete. Pathetische Ergriffenheit ist hier nämlich ganz und gar unangebracht: vernebelt nur die Sicht auf tatsächliche Inhalte – und deren mögliche Intentionen. Was die Rigsthula erzählen will, ist die sakrale (Be-)Gründung dreier Gesellschaftsschichten: &#8220;Heimdall&#8221; zeugt nämlich den Stand der Knechte, den der freien Bauern und den der &#8220;Edlinge&#8221;. Was diese Geschichte so verdächtig macht, ist nicht nur der Umstand, wie sie erzählt wird, sondern dass. Wenn eine Klassengesellschaft bereits selbstverständlich war seit Generationen (im Sinne eines stammestypischen &#8220;schon immer &#8230;&#8221;-Verständnisses)– warum musste es dem Volk dann nochmal so klar und entschieden eingehämmert werden? Nirgends sonst in der Edda findet Vergleichbares statt. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier versucht wurde, eine soziale Umwälzung nachträglich zu mystifizieren (und damit auch zu rechtfertigen). Stil und Duktus der Rigsthula unterscheiden sich von allen anderen Eddagedichten und -erzählungen erkennbar. Könnte es sein, dass diese gesellschaftliche Standesdünkelei dem Volk ursprünglich fremd war – dass sie ihm sozusagen erst beigebracht, in heutigen Worten: &#8220;verkauft&#8221; werden musste?<br />
Wie rechtfertigt man das Einrichten hierarchisch steilerer Verhältnisse – besonders jenen gegenüber, die davon eher weniger profitieren? Und was lag dann näher, als einen Gott dafür zu missbrauchen? Eine sakrale Begründung sozialer Zustände findet sich an keiner anderen Stelle der Edda. Viele der sonstigen Verse sind krude, lückenhaft und verrätselt bis zur Schwerstverständlichkeit, zuweilen verlieren sie den Faden oder sich selbst halb im Nichts – selbst bei der (relativ jungen) Völuspa noch ist zumindest die Reihenfolge der Strophen strittig. Aus all dem schimmert die Rigsthula hervor wie ein Paar Lackschuhe zwischen Bundlatschen und abgerissenen Sandalen. Sie ist viel zu rund, um wirklich dazu zu passen. Vielleicht ist sie so klar und deutlich, weil sie nicht zu &#8220;altem Überlieferungsgut&#8221; gehörte, sondern dem nachträglich angehängt wurde. Vielleicht diente sie den sich ins Staatlichere wandelnden Verhältnissen zur Rechtfertigung: sozusagen als Propagandapoesie.</p>
<p>Spekulation? Vielleicht. Als erklärter Gegner jeglicher Verschwörungstheorien will ich aber hier nicht selber eine lostreten. Nur zum kritischen Nachdenken anregen: Germanische Mythen von der Entstehung dreier Stämme (z.B.) hatte ja schon weiland Tacitus aufgeschnappt und verewigt. Bloß hatten jene nix mit &#8220;Ständen&#8221;, mit Einteilungen in Gesellschaftsschichten zu tun. So halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass auf Grundlage solcher vertrauter Mythen am Ende Um- und Ausdeutungen vorgenommen wurden.<br />
Aber wie auch immer! So oder so ging mit und bei der Herausbildung der frühmittelalterlichen europäischen Reiche die Ära der Stammesgesellschaften zu Ende.<br />
Und trotzdem. Germanische Geschichte und Moral ist immer ein einziges, hintersinnig-trotziges “trotzdem”. Die germanischen Götter haben ihren eigenen Untergang, die Römer, die Christen, und die Nazis überlebt, und sie funktionieren noch immer – heute vielleicht besser denn je.</p>
<h3>Schlusswort</h3>
<p>In Zeiten des Wertewandels findet auch Werteverfall statt, und zur schon länger empfundenen Entfremdung von Instinkt und Natur gesellt sich heutzutage spirituelle Orientierungslosigkeit. Wer heute (z.B. im Internet, aber auch im richtigen Leben) auf Anhänger Wotans stößt, bekommt es sehr häufig immer noch mit (mehr oder weniger verkappten, zuweilen auch nur unbewussten) Rassisten zu tun, die ihre verzerrten Germanenbilder aus denselben Quellen beziehen wie die alten Nazis, und diese braune Soße eifrig weiterreichen. Das ist kein spezifisch deutsches Phänomen, aber in Deutschland ist es am gefährlichsten: denn die Deutschen haben (nach Hitler und wegen ihm) ihre eigene Geschichte verdrängt wie kein anderes Volk.<br />
Wenn die alten Sagen und Mythen, die in vielfältiger Form bis in unsere Märchen hineinreichen, den neuen Nazis überlassen bleiben, ist die Gefahr eine doppelte. Zum einen verliert ein Volk, das sich den eigenen Mythen verweigert, seine Identität. Wer keine Identität spürt, vermisst eine – und lässt sich womöglich eine diktieren. Das war eine der Grundvoraussetzungen für Hitlers Popularität. Zum anderen wird den neuen Rassisten mit den alten Mythen ein Werkzeug in die Hand gegeben, das sie nicht gebrauchen können, ohne es von oben bis unten zu besudeln. Ich hoffe, dazu beitragen zu können, dass es ihnen die Finger verbrennt.</p>
<p>Zum Abschluss möchte ich hier die evangelische Journalistin und Politologin <a href="http://www.antjeschrupp.de/" target="_blank">Antje Schrupp</a> zitieren, die (bereits Ende des 20. Jh.) einen vorbildlichen 5-Punkte-Katalog aufstellte, anhand dessen sich sehr gut die Spreu vom Weizen trennen lässt:</p>
<blockquote><p>Nicht alle Gruppen, die sich auf keltische oder germanische Kultur berufen, sind  rechtsradikal. Wenn man hier pauschale Urteile ausspricht, befördert man letztlich den Versuch rechtsradikaler Gruppen, sich als Märtyrer zu stilisieren. Wie aber kann man feststellen, ob eine Gruppe rassistische Ideologie vertritt? Denn wichtig ist diese Beurteilung ja nicht bei denen, die offen ausländerfeindlich, auftreten, sondern gerade bei solchen, die ihren Rassismus in ein spirituelles Gewand kleiden. Dazu hier einige Kriterien:</p>
<ol>
<li>Vorsicht, wenn Gruppen, die man nach ihrer Verbindung zu Neonazis fragt, mit einer Kritik an Hitler und der NSDAP antworten. In einem solchen Fall nach Himmler und der SS fragen.<br />
(Nach dem Ende des Nationalsozialismus entstand im rechtsradikalen Milieu die Auffassung, die Hitler-Göring Gruppe und insbesondere die SA sei an dieser Niederlage schuld. Bis heute wird in entsprechenden rechtsradikalen Publikationen die SS als ordensähnlich organisierte Eliteeinheit als Gegenpol zur bürokratisierten NSDAP dargestellt. Nur die NSDAP sei untergegangen, die SS aber bestehe immer noch im Geheimen weiter, etwa indem sie durch Ufos ins Weltall geflogen sei oder in geheimer Mission in die Antarktis ausgewandert, wo sie bis heute den &#8220;arischen Genpool reinhalten und pflegen&#8221;. Dies zu wissen ist wichtig, wenn sich rechtsextreme Gruppen von Hitler und von der NSDAP distanzieren – sie distanzieren sich nicht vom Nationalsozialismus, sondern beziehen Position in einer nazi-internen Auseinandersetzung.)</li>
<li>Vorsicht, wenn sie viel von Europa reden. Fragen, ob auch Griechenland, Sizilien und Rumänien zu ihrem Europa gehören.</li>
<li>Fragen, was sie von “gemischtrassigen” Ehen halten und in welcher spirituellen Tradition Kinder aus solchen Ehen stehen. Wenn die Antwort darauf schwammig bleibt, fragen, ob euer senegalesischer Verlobter auch Mitglied in der Gruppe werden kann.</li>
<li>Vorsicht, wenn die Gruppe sich zwar als nichtrassistisch verstehen will, aber immer betont, dass sie unpolitisch sei. Wirklich nichtrassistische Heiden und Heidinnen haben ihr Verhältnis zum rechtsextremen Heidentum reflektiert und verstehen sich insofern durchaus als politisch.</li>
<li>Vorsicht, wenn auf geheime Traditionen Bezug genommen wird, wenn behauptet wird, die &#8220;Wahrheit&#8221; über keltische oder germanische Religiosität zu kennen. Heiden, die wirklich an dieser Tradition interessiert sind, wissen, dass man darüber nichts weiß, und geben zu, dass sie ihre Rituale zu einem großen Teil neu erfunden haben.</li>
</ol>
</blockquote>
<p>(Antje Schrupp)</p>
<p>Dem möchte ich nur noch meine persönliche Abwandlung jenes Met-Blödelverses hinzufügen, mit dem mein Artikel begann:<br />
<blockquote>
Die neuen Nazis krakeelen<br />
Diesseits und jenseits des Rheins<br />
Sie bauen auf Trümmern<br />
Ihr Reich aus Irrtümern<br />
Von Odin kriegen sie keins.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/10705025"><img src="http://u1.ipernity.com/18/50/25/10705025.8ab7d28c.500.jpg" width="384" height="500" alt="Dukes Sau ;)" border="0"/></a><br />
<i>Zeichnung: Babs</i><br />
© Duke Meyer 2000, überarbeitet 2009-2011</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by Eibensang <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-germanisches-weltverstandnis/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Germanisches Weltverständnis</h3>
<p>Als die Sau noch Göttin war, hatten´s die Schweine besser – sie wurden nicht mit unliebsamen Menschen verglichen, sondern galten als heilig. Dass Vieh und Volk sich die Schlafräume teilten, mag pragmatische Gründe gehabt haben – es ist halt wärmer im Kabuff, wenn´s draußen schneit und frostet. Parfümfans mögen die Nase rümpfen, doch für vorchristliche Germanen hatten Tiere und Gottheiten oft denselben Stallgeruch. Man fühlte sich umgeben von einer Unzahl benamter Gestalten mit unheimlichen Kräften; mit den einen musste man sich gut stellen, damit sie einem die anderen vom Leibe hielten; der Alltag war magisch und das Spirituelle alltäglich, die ganze Welt beseelt, voller Sinn und Bedeutung. Schenken wir den literarischen Quellen Glauben, galt das Getreide auf dem Feld als das goldene Haar der Göttin Sif, der Gattin des erdverbundenen Donnergottes Thor, der die Menschheit beschützt vor den Riesen.<br />
Schriftliche Überlieferungen über angeblich germanische Götter sind erst in christlicher Zeit entstanden und auch aus anderen Gründen nicht als Belege originär altgermanischer Spiritualität verwendbar. Auf die sich daraus ergebenden Zweifel bzw. unser faktisches Unwissen über definitive Inhalte vorchristlichen Heidentums germanischer Prägung ist an anderer Stelle eingegangen worden (siehe hierzu meinen Artikel <a href="http://www.nornirsaett.de/der-kleine-unterschied/" target="_blank">&#8220;Der kleine Unterschied&#8221;</a>, Anm.d.Verf.).<br />
Ich halte mich im Folgenden dennoch weiter an die aus der &#8220;Edda&#8221; bekannten Bilder – zum einen haben wir keine anderen, zum anderen taugen sie trotz ihrer Unbeweisbarkeit hinsichtlich altgermanischer Göttervorstellungen meines Erachtens durchaus als beispielhafte Platzhalter solcher: da sich die daraus resultierenden Welt- und Wertvorstellungen zumindest von unserer heutigen Natur- und Umweltauffassung derart tiefgreifend unterscheiden, dass wir erahnen können, wie untrennbar &#8220;spirituelle&#8221; und &#8220;materielle&#8221; Lebensaspekte verwoben waren für Kulturen, denen der Begriff einer definierbaren &#8220;Religion&#8221; (in heutigem Sinne) fremd war. Die bewusste Freistellung solcher Aspekte wie &#8220;spirituell&#8221; und &#8220;religiös&#8221;, ihre begriffliche Herauslösung aus dem &#8220;übrigen Leben&#8221; ist für uns freilich seit vielen Generationen derart normal, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, dass altvordere Heiden diese Begriffstrennung nichtmal denken konnten.<br />
Nebenbei sehe ich hierin einen wichtigen Grund für die rasche Verbreitung des Christentums unter germanischen Stämmen: Die historischen Heiden ahnten in gar keiner Weise, was da auf sie zukam. Warum hätten sie einen neuen Gott als störend oder unpassend empfinden sollen? Was uns heute an &#8220;Religion&#8221; so typisch erscheint – das (jegliche Alternativen kategorisch ausschließende) Monopol auf eine Wahrheit, an die alle glauben sollen – war der gesamten heidnischen Antike unbekannt. Und gerade Germanen nahmen neue spirituelle Angebote und Vorstellungen oft besonders begeistert auf – kein Mensch germanischer Provinienz wäre damals auf die Idee gekommen, ein &#8220;Heidentum&#8221; in Gefahr zu sehen und &#8220;es&#8221; daher etwa gegen &#8220;das Christentum&#8221; verteidigen zu wollen.</p>
<p>Was immer sich vorchristliche Germanen vorgestellt haben mögen spirituell – sie kannten kein &#8220;-tum&#8221;. Woraus wir folgern: Echte Germanen &#8220;tümeln&#8221; nicht. (Aaachtung Germanentümelnde! Stillgestanden! Wegtreten!) </p>
<p>Jetzt aber weiter eingetaucht in unsere imaginierte Welt vielleicht nicht allzu echter, nichtsdestotrotz beispielhafter Ansichten und Auffassungen ganz selbstverständlicher Naturbeseeltheit:<br />
Riesen, das waren der bösartige Gletscher weiter nördlich oder die Lawine vom vorigen Jahr, der gefürchtete Hagel vor dem Herbst oder die plötzliche Feuersbrunst – aber auch die liebreizende Gjerda, die immer im Frühling kommt, um als blühende Vegetation die Erde neu zu beleben. Man huldigte Mani, dem bleichen Nachtauge am Himmel, und wenn der nicht mehr zu sehen war, stand der Mond unter dem Einfluss von Bil, der Schwarzmondgöttin. Im tiefen Wald tanzten Elfen, in den Flüssen wohnten die Nymphen, das Haus bewachten Kobolde, denen geopfert wurde, und als Stützen des Himmelsgewölbes wusste man vier weit entfernte Zwerge mit den sinnigen Namen Austri, Sudri, Westri und Nordri. Ehrfürchtig gewahrte man den Regenbogen als Bifröst, die Brücke zu den Göttern des Bewusstseins, den Asen.<br />
Ausgefeilte Bestattungsriten sorgten dafür, dass keine toten Menschen umgingen in den Häusern der Lebenden (obschon man an ihre baldige Reinkarnation glaubte); dem alljährlichen Wedererwachen der Erdgöttin Nerthus aber widmete man ausgelassene Umzüge mit geschmückten Wagen quer durch die Dörfer.<br />
Ähnlichkeiten zum katholischen Fronleichnam oder Karneval u.ä. sind selbstverständlich rein zufällig, ebenso wie Weihnachten, Ostern, Lichtmess oder Allerseelen. Tatsächlich ist das einzige heidnische Fest, das (früherer oder späterer) christlicher Umdeutung entging, Beltane, besser bekannt als Walpurgisnacht. Das war kein germanisches, sondern ein keltisches Fest für den Feuergott Bel und die Fruchtbarkeit – möglicherweise tatsächlich inklusiv menschlicher Sinnenlust. Letztere wird den Germanen ja gern abgesprochen, was nicht zuletzt an Tacitus liegt, der dem Brot-und-Spiele-Zirkus seiner römischen Zeitgenossen unbedingt die moralischen Wilden entgegensetzen wollte, bei welchen eben “keine heimlichen Briefchen zwischen Unverheirateten kursieren” (wie auch: waren ja Analphabeten).<br />
Die Skandinavier jedoch bildeten den Fruchtbarkeitsgott Freyr ab mit einem Phallus, der das wirklich &#8220;herausragende&#8221; Merkmal der ganzen Götterfigur darstellt; und der Volksbrauch der Wölsi-Verehrung hat sich, wenn auch bereits christlich angeschmäht, bis in die Edda gerettet (ein Wölsi ist ein Gegenstand zu nicht mehr bekannten Kultzwecken. Es handelt sich dabei um das irgendwie ohne künstliche Konservierungsstoffe haltbar gemachte Geschlechtsteil eines ausgewachsenen Hengstes).</p>
<p>Der geheimnisvolle Kriegs- und Totengott Odin (im Süden in einfacherer und älterer Form als Sturmgott Wodan verehrt) war aufgrund seines äußerst zwiespältigen Charakters und seiner verschlungenen schamanischen Lehren wohl kaum eine Konkurrenz für das aufkommende Christentum mit seinen einfachen Heilsversprechen – von einem Kult um Freyja ist uns leider noch weniger überliefert: gar nichts. Kann also sein, dass es gar keinen solchen gegeben hat. Was aber, wenn doch? Und ganz unabhängig davon, was war oder vielleicht auch nicht: Spätestens heute sollte es einen geben: Freyja, die schillerndste weibliche Gestalt des germanischen Götterhimmels, verkörpert (doch spätestens für uns Heutige) die freie Frau in jeder möglichen Hinsicht. Freyja bedeutet einfach “Herrin”, doch Namen hatte sie viele. Moderne Forscher haben sich generationenlang die Köpfe zerbrochen über das Fehlen eines germanischen Sonnengottes. Baldur ließ sich dazu nicht machen – ein Lichtgott mochte er sein, aber sein Mythos rankt sich zu sehr um seine Ermordung, die das Götterschicksal einläutet, die Ragnarök – Analogien zur Sonne lassen sich da schwerlich (er-)finden. Man hat versucht, Freyja in ihrer Erscheinungsform als Mardøll – in einer Lesart “die Pferdefrohe”, in einer anderen “die das Meer Erleuchtende” – als eine Art nordische Meeresnixe zu deuten. Ich persönlich habe noch nie gehört oder gesehen, dass Nixen leuchten. Als Erleuchtung kam mir die Sonne.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wer-erleuchtet-das-meer-teil-1/" target="_blank">Wer sonst “erleuchtet” das Meer?</a> Ihre Mythen sind vielfältig. Für die einen umfährt sie das Erdenrund auf einem Wagen, der von Katzen gezogen wird; den anderen fällt ihre Geilheit auf: “…wie zwischen Böcken die Ziege rennt”, wird in der Edda Freyjas Neigung zu wechselnden Liebschaften beschrieben. Sicherlich ist ihr Charakter kätzisch: Liebe, Hexerei und Krieg sind die Hauptressorts der Vánadis, der Vanen-Dise,<br />
der berühmtesten der Vanen – jener (zwar wiederum nur von Snorri erwähnten, s.o.) Gottheiten der Instinkte, des Intuitiven und des sinnlichen Gedeihens (in symbiotischem Kontrast zu den Bewusstseinsgöttern, den Asen. Obwohl eine genaue Grenze zwischen den beiden germanischen Göttergeschlechtern nichtmal von deren mutmaßlichem Erfinder gezogen wird. Nicht als einzige wird Freyja sogar von Snorri mal den einen, mal den anderen zusortiert).<br />
Einer ihrer Namen leiht diesem Vortrag den Titel. Denn die Germanen riefen ihre große Herrin auch Syr, das heißt wortwörtlich Sau.<br />
Meine Deutung von Syr, Mardøll, Vanadis oder Freyja als germanische Sonnengöttin wird unterstützt vom Mythos des Brisingamen, Freyjas magischem Halsschmuck, dessen Sinn und Zweck darin besteht, unglaublich hell und strahlend zu leuchten; außerdem wird seine Trägerin als die “tränenschöne Göttin” besungen. Nicht im Sinne von Heulsuse: Vielmehr heißt es, man könne dieser Göttin nicht ins Angesicht schauen, ohne tränende Augen zu bekommen. Nachdem das Tränengas noch nicht erfunden war, bleibt als mögliche Erklärung eigentlich nur die große Sonne übrig. (Die Sonnengöttin-Theorie wird auch von anderen vertreten, aber das sind wie ich alles keine Wissenschaftler. Es mag also wahrscheinlich sein, bleibt jedoch spekulativ. Immerhin würde es dazu passen, dass Tacitus standhaft behauptete, die Germanen hätten “Sonne und Mond” angebetet.)<br />
Doch hinter der scheinbar primitiven Verehrung augenfälliger Naturerscheinungen verbirgt sich oft eine nicht zu unterschätzende Kosmologie – wir haben keinen Anlass anzunehmen, dass das bei germanischen Stämmen prinzipiell anders gewesen ist als überall sonst und bis heute auf unserer schönen, geplagten Planetin (wo jeweils die sogenannte &#8220;Zivilisation&#8221; noch nicht alles plattwalzte oder wenigstens so spät kam, um noch einen Blick auf archaische Gesellschaftsformen stammesartiger Gruppierungen zuzulassen).</p>
<p>In der Edda rankt sich die Kosmologie um einen Weltenbaum, der auch in seriösen Quellen meist als “Weltesche” bezeichnet wird. Meiner Auffassung nach handelt es sich dabei um einen Übersetzungsfehler: Der altnordische Begriff “barraskr” bedeutet wortwörtlich “Winteresche”, womit ein Baum gemeint ist, der auch im Winter grünt. Das ist bei einer Esche <i>(Fraxinus excelsior)</i> aber nicht der Fall, und die immergrüne Eigenschaft<br />
des Weltenbaums wird in den alten Quellen mehrfach betont. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei der mythischen Weltachse Yggdrasil (wörtlich: &#8220;Pferd des Schrecklichen&#8221; – eine Anspielung auf Odins schamanisches Selbstopfer) um einen Baum der Sorte <i>Taxus baccata</i> handelt, auf deutsch: Eibe.<br />
Von allen europäischen Baumsorten ist ihr Holz das härteste und wächst bei weitem am langsamsten. Nicht nur ihre Seltenheit machte die Eibe schon früh heilig (Buchenwälder verdrängten die Eibenwälder zu Zeiten, als die Menschen noch keine Bäume fällen konnten), sondern auch die Tatsache, dass dieser Baum in der Sommerzeit ein halluzinogenes Gas ausströmt, an welchem man sich regelrecht berauschen kann – oder unversehens berauscht wird, wenn man auf diesen Umstand nicht vorbereitet ist. Eiben lieferten das haltbarste und beste Holz für Pfeil und Bogen, und den Schnee- und Jagdgott Ullr wusste man zuhause in Ydalir, das heißt Eibental.<br />
Im ältesten germanischen Runensystem, das mindestens von 200 bis etwa 600 n.Chr. in Gebrauch war, dem sog. Älteren Futhark (benannt nach den ersten sechs Runen Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho und Kenaz), hat die Eibe eine auffällige Position: Als dreizehnte Rune liegt sie nicht nur in der Mitte des 24 Runen umfassenden Systems, das aus drei Achterreihen besteht, sondern ist auch der Dreh- und Angelpunkt der mittleren Reihe, der sog. Hels Ætt oder Zauberer-Acht, deren Runenabfolge als Anleitung für einen Initiationsweg gelesen werden kann: den sog. Helsweg. Die Eibenrune Eiwaz folgt der Jera, die das Jahresrad bzw. den Zeitenzyklus symbolisiert, und bringt diese(n) erst in Bewegung. Auf Eiwaz wiederum folgt die Wiedergeburts- und Weisheitsrune Perthro.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/eibensang/4151410"><img src="http://u1.ipernity.com/1/14/10/4151410.e0f22f54.jpg" width="300" height="400" alt="Eiwaz" border="0"/></a> <i>Eiwaz</i><br />
Außer der Eibe ist im Älteren Futhark nur eine einzige weitere Rune einem Baum gewidmet, und zwar die 18. Rune Berkana, die als Birke u.a. für Mütterlichkeit, Fürsorge und Nestwärme steht. Diese Sinndeutungen sind zwar nur meine <a href="http://www.eibensang.de/index.php/category/schweinepriester/runen/" target="_blank">eigenen, persönlichen.</a><br />
Unumstritten ist jedoch die Tatsache, dass es im Älteren Futhark eine Rune für die Eibe und eine für die Birke gibt – aber keine, die &#8220;Esche&#8221; bedeutet oder diesem Baum  zugeordnet wäre.<br />
Über solches Kniefieseln hinaus dürfen wir insgesamt davon ausgehen, dass historisches Heidentum germanischer Prägung ohne Paradiesvorstellungen und Heilsversprechen auskam. Der Mythos von Walhall, wo die gefallenen Krieger Odins bewirtet werden, scheint erst gegen Ende der Völkerwanderungszeit aufgekommen zu sein – massive Ableitung christlichen Jenseitsvorstellungsvermögens darf hierfür angenommen werden, immerhin huldigte die überwiegende Mehrzahl der germanischen Stämme längst Christus – auch wenn im damals populären <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arianismus" target="_blank">Arianismu</a> der Gottessohn selbst eher als Mensch denn als Gott gesehen wurde (was wiederum noch recht germanisch dünkt).<br />
Den in der Edda als germanisch apostrophierten Göttern übergeordnet waren (ebenda) die Nornir oder Nornen, die das Schicksalsgefüge verkörpern. Bei näherer Betrachtung ihrer Eigenschaften lässt sich spekulieren, dass <a href="http://www.nornirsaett.de/no-future-warum-das-germanische-keine-zukunft-hat/" target="_blank">germanisches Denken keines Zukunftbegriffes bedurfte:</a> im Sinne der uns heute so logisch und alternativlos erscheinenden linearen Zeitachse Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft (die für meinen Geschmack auffällig zu linearen Schöpfungsmythen wie dem der Bibel passt. Wer mir jetzt aber die Völuspa vorhalten mag – als eine &#8220;germanische Schöpfungsgeschichte inklusiv Untergangs-Showdown&#8221; etwa –, sei daran erinnert, dass diese Verse irgendwann in der Wikingerzeit entstanden – die überwältigende Mehrheit der germanischen Welt dachte da längst schon in christlichen Mustern). Interessanterweise (und auch ganz ohne Nornengeraune mit zu bemühen) kannte die gemeingermanische Sprache kein Futur: Noch in ihren heutigen Ablegern ist ein solches nur mittels Hilfsverben grammatikalisch korrekt konstruierbar &#8230;<br />
Ein zyklisches Weltbild braucht weder abstrakte Zukunftsbegriffe noch Offenbarungen: sein Wesen erfüllt sich in Kreisläufen, in Wiederholungen, von denen Varianten denk- und erfahrbar sind, die sich aber selbst nicht ändern brauchen. Erst das Annehmen göttlicher &#8220;Offenbarungen&#8221; als religiösen Kern und Impuls zwingt Spiritualität auf die lineare Zeitachse: Propheten, Prophezeihungen, Missionierung, Weltuntergangs-Szenarien für den Glaubens-Verweigerungsfall etc. pp. sind anders nicht sinnvoll sortierbar.<br />
Erst die Abwesenheit eines zentralen Offenbarungsmythos erlaubt eine – dann fast selbstverständlich aufblühende – Vielfalt in Bräuchen, Auslegungen, Handhabungen: weshalb sich für altgermanische Kultgepflogenheiten, ohne diese selbst kennen zu können, Entsprechendes – samt mehr oder minder individueller, zumindest aber sippen- und stammesbezogener Freiheiten – annehmen lässt. Das Einhämmern religiöser Dogmen in ganze Bevölkerungen bedarf gewaltiger Anstrengungen (sowie die Errichtung möglichst dauerhafter Kontrollinstanzen, damit sich der beinharte Schmarren nicht wieder alsbalden in unzählige esoterische Beliebigkeitsvarianten verflüchtigt, sondern &#8220;auf Linie&#8221; gehalten werden kann) – es gibt nicht nur keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass heidnische Germanen etwas Vergleichbares veranstaltet hätten, es spricht vielmehr alles dagegen.</p>
<p>Das Heil hing mit den Göttern zusammen, wurde von diesen jedoch nicht gespendet, sondern auf der Erde durch menschliches Geschick und Ehre erworben. &#8220;Mattr ok megin&#8221;, Macht und Vermögen – das bezog sich auf die Fähigkeit des Einzelnen, in der rauen Wirklichkeit zurechtzukommen, als deren Angelpunkt man / frau sich begriff. Kein Glaube für Esoteriker.</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/londo42/918873"><img src="http://u1.ipernity.com/1/88/73/918873.24e17d59.500.jpg" width="500" height="375" alt="Lögberg" border="0"/></a><br />
<i>Lögberg im Thingvellir in Island. An dieser Stelle stand früher der Sprecher beim Althing. Foto: Londo</i></p>
<p>Edda-Poet Snorri schwadroniert außer von der Menschenwelt noch von weiteren acht. Die &#8220;neun Welten&#8221; sind nirgendwoanders belegt als nur bei ihm – wir dürfen oder müssen daher annehmen, dass dieser christliche Skaldenlehrer sich alle Neune aus der Fantasie gesaugt hat. Auf der andern Seite darf man durchaus fragen: woher? Welche damals schon alten Mythen, wie viele unterschiedliche Erzählungen mag er gefleddert haben, um seinen Schülern das Verseschmieden beizubringen – und was hat er selbst noch mit dazugedichtet – viel oder wenig, alles oder nichts? Kurz (und dichterisch gefragt): Welche Germanen haben das Garn gesponnen, wann wurde es zu Tuch verwoben, aus welchen Stücken schrieb uns Sturluson den Stoff?<br />
Poetisch bleibt, für alle Zeit (so hofft man ja), zumindest das Ergebnis. Alle neun Welten hängen am bereits erwähnten großen Baum, den ich mal, in meiner eigenen Ausdeutung, ganz frech &#8220;Welteibe&#8221; nenne: in der Mitte die Welt der Menschen, Midgard genannt – die einzige Welt von allen, die, wie es so schön heißt, &#8220;der Zeit unterworfen&#8221; ist &#8230; und außerdem so eine Art Bahnhof (oder sollte man es heute eher &#8220;Schnittstelle&#8221; nennen, &#8220;Interface&#8221;?) zu den anderen Welten darstellt. Acht weitere Welten aus Feuer und Eis, für Riesen, Elfen und  Zwerge, für Fruchtbarkeits- und für Bewusstseinsgötter, nebst einer Wiedergeburts-Wartestation male sich aus wer mag – oder lese die Edda, die ich hier nicht nacherzählen mag. Mir gefällt an diesen Mythen, dass sie – anstatt eine Aufteilung in &#8220;gute&#8221; und &#8220;böse&#8221; Mächte vornehmen – vielmehr ein Ausbalancieren von Spannungsverhältnissen beschreiben: ein Weltverständnis, das mir in seiner pittoresken Differenziertheit alles andere als &#8220;barbarisch&#8221;, geschweige denn als &#8220;primitiv&#8221; erscheint.</p>
<p><a hre="http://www.eibensang.de/index.php/category/schweinepriester/welten/" target="_blank">Sehen wir uns das mal an:</a> An der Wurzel des Großen Baumes nagt der eher unsympathische Drache Nidhöggr, auf der Krone hockt ein seltsamerweise namenloser Adler, und die beiden können sich nicht riechen. Ein unermüdlich am Weltenbaumstamm rauf- und runterrasendes Eichhörnchen namens Ratatösk ist so freundlich, den Kontrahenten die gegenseitigen Schmähworte auszurichten –  vermutlich war das der erste Postbetrieb der Welt. An den Knospen des Baumes nagen vier gewaltige Hirsche &#8230; Ökokenner/innen unter uns wissen, was das heißt: Es kann nicht mehr lang dauern mit dem Baum, der auch Yggdrasill, Pferd des Schrecklichen, genannt wird, weil sich der schreckliche Odin mal zu Selbstfindungszwecken dran aufgehängt hat.<br />
Und es dauert doch. Nichts klappt wie es soll: Odin hat nicht sich selbst, sondern die Runen gefunden, doch musste für höhere Erkenntnisse ein Auge lassen. Überhaupt ist sein Charakter eher zwie- bis vielspältig – aber was soll man schon halten von einem intellektuellen Workaholic, der gleichzeitig Gott der Dichter und der Krieger ist und obendrein schamanisch tätig sein muss, wenn er nicht gerade im Aufsichtsrat der Asen hockt &#8230; wobei er sein Gedächtnis und seine Gedanken in Form von zwei Raben auslagert, um die er regelmäßig bangt, dass sie mal nicht zurückkommen und vielleicht abstürzen wie uns heutzutage der Rechner. Kein Wunder, dass Odin niemals isst, sondern sich ausschließlich von Wein und Met ernährt. Und dafür hat er zu Tacitus&#8217; Zeiten den alten Himmelsgott Tyr, Teiwaz, Tiu oder Saxnot (je nach Stamm) abgelöst &#8230; Aber für einen, der als einfacher Sturmgott angefangen hat, doch keine schlechte Karriere, oder?</p>
<p>Und was ist aus Tyr geworden? Der Gott der Gerechtigkeit. Bevor er das wurde – und anders hätte er&#8217;s nicht werden können – büßte er erstmal seine rechte Hand ein, weil er einen Schwur einhielt, der genau genommen ein handfester Betrug war &#8230; wenn auch nur an einem Untier wie dem Wolfsmonster Fenrir. Selbst der Kraftprotz Thor ist nicht ohne Tadel: nicht nur wird er ohne seinen Hammer hilflos, dass er sich verkleiden muss, er hat auch von irgendeinem Abenteuer noch einen Splitter in der Stirn, der ihm immer wieder mal Kopfschmerzen bereitet. Wächtergott Heimdall hat von vornherein sehr seltsam angefangen: als Sohn von neun Müttern – die wiederum sind die Töchter der dunklen Meeresgöttin Ran. Auch heute kann man sie noch sehen, wie sie sich winden, heranwallen, im Wind tanzen und toben, und manchmal tragen sie weiße  Krönchen auf den nassen Häuptern. Manche sind riesengroß, andere klein, zuweilen kommen sie in Scharen, dann wieder räkeln sie sich sanft entlang und lachen. Im Meer sieht man meist welche – sie bilden sozusagen dessen oberen Rand. Wir nennen sie Wellen.</p>
<p>Die einzige Gestalt im nordischen Mythos, die einer Idealfigur nahekommt, ist der Lichtgott Baldur. Seine Behinderung besteht darin, dass er tot ist – versehentlich erschossen von einem Gott namens Hödur, der an Blindheit leidet. Angestiftet wurde die Tat vom listigen Loki, auf den dann alle anderen Götter auch entsprechend sauer waren. Bei Loki weiß man nie, ob man ihm die Füße küssen oder ihn hochkant rausschmeißen soll – er ist nämlich für die größten Katastrophen und Ungeheuer ebenso verantwortlich wie für das Entstehen der wichtigsten Waffen und Helfer der Götter. Verlassen kann man sich bei ihm darauf, dass man sich nicht auf ihn verlassen kann. Du hast ein Problem? Ruf ihn an – er löst es dir: rasant und auf höchst originelle Weise. Und wenn er wieder geht, hast du dann ein anderes – das mit einiger Wahrscheinlichkeit größer ist als das von ihm gelöste. Ein ziemlich modern anmutender Gott, könnte man sagen – und seltsamerweise gerade unter vielen Neuheiden beliebt (seltsam finde ich das deswegen, weil Neuheiden sonst eher allem Altbekannten zugeneigt – und für Änderungen, besonders rasante, sonst nicht so schnell zu begeistern sind. Vermutlich mögen sie Loki deswegen, weil seine Beschreibung die der andern Götter an widersprüchlichen Facetten um ein Vielfaches übertrifft. Er hat einfach den schillerndsten Charakter.)<br />
Die binär (hie schwarz, da weiß) kolorierte Totengöttin Hel ist ebenso seine Tochter wie die erdumspannende Midgardschlange Jörmungandr; Loki ist der Vater Fenrirs, aber auch die Mutter des achtbeinigen Götterrosses Sleipnir. Loki hatte sich nämlich in eine Stute verwandelt, um den Arbeitshengst eines Riesen von der Arbeit abzuhalten – auf diese Art gewannen die Asen eine ziemlich hinterlistige Wette, die ihnen die Götterburg Asgard einbrachte. Und hätte Loki als Stute nicht den Hengst gevögelt, hätten die Götter ihre geliebte Vánadis, die Vanengöttin Freyja an die ungeschlachten Riesen ausliefern müssen. Alles klar?<br />
Loki ließ den zauberkräftigen Thorshammer Mjöllnir schmieden – stach aber dem das Werk ausführenden Zwerg Brock als Fliege so lange in die Augen, bis der sich das Blut rauswischen musste: wodurch die Arbeit unterbrochen und der Stiel des Hammers ungewöhnlich kurz wurde. (Es ist aber ein Gerücht, dass Loki auch &#8220;Windows Vista&#8221; mitprogrammiert habe – das hat nichtmal Snorri so behauptet.) Zusammenfassend kann man sagen: Loki ist Murphy&#8217;s Gesetz auf germanisch und der Ausweg daraus in einem – unberechenbar ist nur die jeweilige Reihenfolge. Und woher kommt diese/r Loki?<br />
Genetisch ist er &#8220;reinrassiger&#8221; Riese – durch Blutsbrüderschaft mit Odin wird er jedoch zum vollwertigen Asen.<br />
Dies nur als weiterer Hinweis dafür, dass germanische Lebensart vor keiner machbaren Vermischung zurückschreckt. Nicht nur die Mythen – angefangen bei der Vermischung der Asen und Vanen – auch die historische Entstehung und Entwicklung der Germanen ist eine einzige Geschichte der Völkervermischung.<br />
Fazit: Angst vor Fremden ist dem Germanen fremd!<br />
Der Lustgott Freyr ist nicht nur ein sinnenfroher Lover seiner leiblichen Schwester Freyja – sowie der schönen Riesin Gjerda, de er dann unter Androhung eher übler Zaubereien heiratet (er droht ihr, nicht umgekehrt) – sondern auch ein richtiger Kämpfer. Typisch germanisch, möchte man meinen. Nur: Zu Ragnarök, dem entscheidenden Schicksalskampf der Götter, ist Freyr leider waffenlos – sein magisches Schwert hat er nämlich gerade an einen Kumpel verliehen, weshalb der Kampf auch des Happy Ends entbehrt. Dafür war Freyr vorher ein ziemlicher Zampano: besaß er doch ein Hosentaschen-Faltboot, in das die ganze Götterwelt hineinpasste, oder ein Schwert, das ebenso einen Felsen zerhacken konnte wie stehend im Wasser eine herandümpelnde Flaumfeder spalten – haarscharf.<br />
Der Traum vom perfekten Equipment war demnach auch ein germanischer. Kein Wunder – man braucht sich nur vorstellen, welche Mühe es macht, mit einem wackeligen Ochsenkarren zwischen Wald und Sumpf einherzuzuckeln, und nirgends eine Vertragswerkstatt. Ob es wenigstens Wege gab? Wie man&#8217;s nimmt! Echte Völkerwanderer finden wohl immer welche. Inzwischen hat Freyr wahrscheinlich ein rasend schnelles yGod – besser als jedes iPad – das keinen Akku braucht und nie abstürzt &#8230; außer, wenn man mal ganz schnell im World Wide Wyrd was &#8220;mimirn&#8221; (altnordisch für googeln) muss.<br />
Womit nur gesagt sein soll: Die Geschichten hören nicht auf. Fängt man erst einmal an, sie zu verfolgen, verästeln sie sich geradezu labyrinthisch: Hinter Gängen und Räumen warten weitere Türen; man findet auf Anhieb fast alles, nur keine Wegweiser. Annehmen darf man, dass die überbordende Vielfalt ihrer Götterwelt durchaus germanische Lebensauffassung wiederspiegelt. Die Götter entstammen den Riesen, und am Schluss unterliegen sie diesen. Das Bewusstsein (symbolisiert durch die Götter) entstammt dem Unbewussten (symbolisiert durch die Riesen) – und droht ständig wieder ins Unbewusste, Vorbewusste zurückzufallen: die Geschichte der Welt – nur eine platzende Seifenblase im All. In den dazwischen liegenden Abenteuern sind die Götter ebensowenig perfekt wie die Menschen, denen sie als Vorbilder dienen – das macht ihren praktischen Wert aus.<br />
Nicht unerreichbare Ideale oder ewige Paradiese werden angestrebt, sondern die Fähigkeit, mit den vorhandenen eigenen Macken zurechtzukommen. Immer wieder gefeiert und besungen: die Möglichkeit, trotz eklatanter Schwächen und mancher Chancenlosigkeit durchzukommen, bisweilen zu siegen. Die Altvorderen gaben sich Mühe, diese Mythen spannend und farbig zu gestalten. Spannende Geschichten erzählen – für schriftlose Kulturen das einzige Mittel, praktisches Wissen, Lebensweisheit und (in gewissem Sinne) geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Gegebenheiten zu vermitteln.<br />
Sieht man sich die Kultur dieser Geschichtenerzähler an und verfolgt ihre Werdegänge in heutigem historischem Kontext, findet sich eine Erklärung für die Vielfalt: Sie ist ein Ergebnis von nicht nur äußerer, sondern auch und gerade innerer Beweglichkeit: Flexibilität. Germanische Stämme kannten kein “Volks-” oder Nationalgefühl – aber sie schotteten sich nie ab, sondern nahmen alle Einflüsse von außen auf, die ihnen buchstäblich “in den Kram passten” – unter Wahrung ihrer kulturellen Integrität. Die verloren sie erst allmählich unter dem Zeichen des Kreuzes, seines hierarchisch und zentralistisch gesteuerten Kultes und seiner fixen Feindbilder. Den schließlichen Untergang germanischen Stammestums jedoch hat das Christentum als solches viel weniger zu verantworten, als dies (zumindest in weiten Kreisen der Neuheidenszene) angenommen wird. Viele ostgermanische Stämme christianisierten sich auffallend früh und rasch, und mit dem Arianismus kamen auch spätere germanische Stämme jahrhundertelang wunderbar zurecht. Was die Stammeskulturen viel tiefgreifender und nachhaltiger umformte, bis sie schließlich Bestandteile staatsähnlicher Gebilde wurden (was man als definitives Ende historischer Germanenkultur betrachten darf), war vielmehr die Übernahme römischen Rechtssystems und der damit einhergehenden Verfassungskonsequenzen inklusiv deutlich steiler angelegter Hierarchien. Der katholischen Kirche nützte diese Regierbarkeit zunehmend zentral verwalteter definierter Territorialreiche enorm, alleinige Impulsgeberin dieser Entwicklung war sie nicht.</p>
<p>Apropos Hierarchien. In der Edda findet sich ein umstrittenes Gedicht – umstritten deswegen, weil die Forscher sich uneins sind über dessen Entstehungszeit (die wiederum entscheidend dafür sein könnte, ob das Stück überhaupt zum Kanon gezählt werden darf).<br />
Vieles deutet auf &#8220;späten&#8221; bis &#8220;spätesten&#8221; Einschub (14. Jh.!) hin. Es heißt &#8220;Rigsthula&#8221; und kommt scheinbar harmlos – und ohne die sonst üblichen Rätselverse – daher. Aber gerade diese Harmlosigkeit macht es in meinen (etwas misstrauischen) Augen geradezu selbstverräterisch.<br />
Worum geht’s? Beschrieben wird, wie der Gott Heimdall über die Erde wandert und nacheinander in mehreren Menschenhäusern einkehrt und nächtigt, um den dortigen Männern die Frauen auszuspannen, und das auch noch ohne Gummi. Er schwängert sie alle absichtlich. Ich schildere das so flapsig aus moderner Sicht, um klarzumachen, wie uns Heutigen ein- und derselbe Umstand vorkäme und anmutete. Pathetische Ergriffenheit ist hier nämlich ganz und gar unangebracht: vernebelt nur die Sicht auf tatsächliche Inhalte – und deren mögliche Intentionen. Was die Rigsthula erzählen will, ist die sakrale (Be-)Gründung dreier Gesellschaftsschichten: &#8220;Heimdall&#8221; zeugt nämlich den Stand der Knechte, den der freien Bauern und den der &#8220;Edlinge&#8221;. Was diese Geschichte so verdächtig macht, ist nicht nur der Umstand, wie sie erzählt wird, sondern dass. Wenn eine Klassengesellschaft bereits selbstverständlich war seit Generationen (im Sinne eines stammestypischen &#8220;schon immer &#8230;&#8221;-Verständnisses)– warum musste es dem Volk dann nochmal so klar und entschieden eingehämmert werden? Nirgends sonst in der Edda findet Vergleichbares statt. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier versucht wurde, eine soziale Umwälzung nachträglich zu mystifizieren (und damit auch zu rechtfertigen). Stil und Duktus der Rigsthula unterscheiden sich von allen anderen Eddagedichten und -erzählungen erkennbar. Könnte es sein, dass diese gesellschaftliche Standesdünkelei dem Volk ursprünglich fremd war – dass sie ihm sozusagen erst beigebracht, in heutigen Worten: &#8220;verkauft&#8221; werden musste?<br />
Wie rechtfertigt man das Einrichten hierarchisch steilerer Verhältnisse – besonders jenen gegenüber, die davon eher weniger profitieren? Und was lag dann näher, als einen Gott dafür zu missbrauchen? Eine sakrale Begründung sozialer Zustände findet sich an keiner anderen Stelle der Edda. Viele der sonstigen Verse sind krude, lückenhaft und verrätselt bis zur Schwerstverständlichkeit, zuweilen verlieren sie den Faden oder sich selbst halb im Nichts – selbst bei der (relativ jungen) Völuspa noch ist zumindest die Reihenfolge der Strophen strittig. Aus all dem schimmert die Rigsthula hervor wie ein Paar Lackschuhe zwischen Bundlatschen und abgerissenen Sandalen. Sie ist viel zu rund, um wirklich dazu zu passen. Vielleicht ist sie so klar und deutlich, weil sie nicht zu &#8220;altem Überlieferungsgut&#8221; gehörte, sondern dem nachträglich angehängt wurde. Vielleicht diente sie den sich ins Staatlichere wandelnden Verhältnissen zur Rechtfertigung: sozusagen als Propagandapoesie.</p>
<p>Spekulation? Vielleicht. Als erklärter Gegner jeglicher Verschwörungstheorien will ich aber hier nicht selber eine lostreten. Nur zum kritischen Nachdenken anregen: Germanische Mythen von der Entstehung dreier Stämme (z.B.) hatte ja schon weiland Tacitus aufgeschnappt und verewigt. Bloß hatten jene nix mit &#8220;Ständen&#8221;, mit Einteilungen in Gesellschaftsschichten zu tun. So halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass auf Grundlage solcher vertrauter Mythen am Ende Um- und Ausdeutungen vorgenommen wurden.<br />
Aber wie auch immer! So oder so ging mit und bei der Herausbildung der frühmittelalterlichen europäischen Reiche die Ära der Stammesgesellschaften zu Ende.<br />
Und trotzdem. Germanische Geschichte und Moral ist immer ein einziges, hintersinnig-trotziges “trotzdem”. Die germanischen Götter haben ihren eigenen Untergang, die Römer, die Christen, und die Nazis überlebt, und sie funktionieren noch immer – heute vielleicht besser denn je.</p>
<h3>Schlusswort</h3>
<p>In Zeiten des Wertewandels findet auch Werteverfall statt, und zur schon länger empfundenen Entfremdung von Instinkt und Natur gesellt sich heutzutage spirituelle Orientierungslosigkeit. Wer heute (z.B. im Internet, aber auch im richtigen Leben) auf Anhänger Wotans stößt, bekommt es sehr häufig immer noch mit (mehr oder weniger verkappten, zuweilen auch nur unbewussten) Rassisten zu tun, die ihre verzerrten Germanenbilder aus denselben Quellen beziehen wie die alten Nazis, und diese braune Soße eifrig weiterreichen. Das ist kein spezifisch deutsches Phänomen, aber in Deutschland ist es am gefährlichsten: denn die Deutschen haben (nach Hitler und wegen ihm) ihre eigene Geschichte verdrängt wie kein anderes Volk.<br />
Wenn die alten Sagen und Mythen, die in vielfältiger Form bis in unsere Märchen hineinreichen, den neuen Nazis überlassen bleiben, ist die Gefahr eine doppelte. Zum einen verliert ein Volk, das sich den eigenen Mythen verweigert, seine Identität. Wer keine Identität spürt, vermisst eine – und lässt sich womöglich eine diktieren. Das war eine der Grundvoraussetzungen für Hitlers Popularität. Zum anderen wird den neuen Rassisten mit den alten Mythen ein Werkzeug in die Hand gegeben, das sie nicht gebrauchen können, ohne es von oben bis unten zu besudeln. Ich hoffe, dazu beitragen zu können, dass es ihnen die Finger verbrennt.</p>
<p>Zum Abschluss möchte ich hier die evangelische Journalistin und Politologin <a href="http://www.antjeschrupp.de/" target="_blank">Antje Schrupp</a> zitieren, die (bereits Ende des 20. Jh.) einen vorbildlichen 5-Punkte-Katalog aufstellte, anhand dessen sich sehr gut die Spreu vom Weizen trennen lässt:</p>
<blockquote><p>Nicht alle Gruppen, die sich auf keltische oder germanische Kultur berufen, sind  rechtsradikal. Wenn man hier pauschale Urteile ausspricht, befördert man letztlich den Versuch rechtsradikaler Gruppen, sich als Märtyrer zu stilisieren. Wie aber kann man feststellen, ob eine Gruppe rassistische Ideologie vertritt? Denn wichtig ist diese Beurteilung ja nicht bei denen, die offen ausländerfeindlich, auftreten, sondern gerade bei solchen, die ihren Rassismus in ein spirituelles Gewand kleiden. Dazu hier einige Kriterien:</p>
<ol>
<li>Vorsicht, wenn Gruppen, die man nach ihrer Verbindung zu Neonazis fragt, mit einer Kritik an Hitler und der NSDAP antworten. In einem solchen Fall nach Himmler und der SS fragen.<br />
(Nach dem Ende des Nationalsozialismus entstand im rechtsradikalen Milieu die Auffassung, die Hitler-Göring Gruppe und insbesondere die SA sei an dieser Niederlage schuld. Bis heute wird in entsprechenden rechtsradikalen Publikationen die SS als ordensähnlich organisierte Eliteeinheit als Gegenpol zur bürokratisierten NSDAP dargestellt. Nur die NSDAP sei untergegangen, die SS aber bestehe immer noch im Geheimen weiter, etwa indem sie durch Ufos ins Weltall geflogen sei oder in geheimer Mission in die Antarktis ausgewandert, wo sie bis heute den &#8220;arischen Genpool reinhalten und pflegen&#8221;. Dies zu wissen ist wichtig, wenn sich rechtsextreme Gruppen von Hitler und von der NSDAP distanzieren – sie distanzieren sich nicht vom Nationalsozialismus, sondern beziehen Position in einer nazi-internen Auseinandersetzung.)</li>
<li>Vorsicht, wenn sie viel von Europa reden. Fragen, ob auch Griechenland, Sizilien und Rumänien zu ihrem Europa gehören.</li>
<li>Fragen, was sie von “gemischtrassigen” Ehen halten und in welcher spirituellen Tradition Kinder aus solchen Ehen stehen. Wenn die Antwort darauf schwammig bleibt, fragen, ob euer senegalesischer Verlobter auch Mitglied in der Gruppe werden kann.</li>
<li>Vorsicht, wenn die Gruppe sich zwar als nichtrassistisch verstehen will, aber immer betont, dass sie unpolitisch sei. Wirklich nichtrassistische Heiden und Heidinnen haben ihr Verhältnis zum rechtsextremen Heidentum reflektiert und verstehen sich insofern durchaus als politisch.</li>
<li>Vorsicht, wenn auf geheime Traditionen Bezug genommen wird, wenn behauptet wird, die &#8220;Wahrheit&#8221; über keltische oder germanische Religiosität zu kennen. Heiden, die wirklich an dieser Tradition interessiert sind, wissen, dass man darüber nichts weiß, und geben zu, dass sie ihre Rituale zu einem großen Teil neu erfunden haben.</li>
</ol>
</blockquote>
<p>(Antje Schrupp)</p>
<p>Dem möchte ich nur noch meine persönliche Abwandlung jenes Met-Blödelverses hinzufügen, mit dem mein Artikel begann:<br />
<blockquote>
Die neuen Nazis krakeelen<br />
Diesseits und jenseits des Rheins<br />
Sie bauen auf Trümmern<br />
Ihr Reich aus Irrtümern<br />
Von Odin kriegen sie keins.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/10705025"><img src="http://u1.ipernity.com/18/50/25/10705025.8ab7d28c.500.jpg" width="384" height="500" alt="Dukes Sau ;)" border="0"/></a><br />
<i>Zeichnung: Babs</i><br />
© Duke Meyer 2000, überarbeitet 2009-2011</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die &#8220;Bild-Schatzsuche&#8221;, die Maya, Wikinger und Atlantis</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Mar 2011 16:04:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Atlantis]]></category>
		<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Guetemala]]></category>
		<category><![CDATA[Maya]]></category>
		<category><![CDATA[pseudowissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schatzsuche]]></category>
		<category><![CDATA[Wikinger]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die &#8220;Schatzsucher&#8221;-Aktion der BILD ist ein Skandal. </p>
<p>Die <a href="http://www.iae.uni-bonn.de/aktuelles/stellungnahme-deutssprachiger-mesoamerikanisten-zu-bild-schatzsuche-in-guatemala">Stellungnahme deutschsprachiger Mesoamerikanisten zur BILD-Schatzsuche in Guatemala</a> lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. </p>
<p>In der Stellungnahme heißt es:</p>
<blockquote><p>Die Vorgehensweise der BILD-Schatzsucher ist aus Sicht deutscher Wissenschaftler/-innen skandalös und entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Die Durchführung dieses auf Effekthascherei zielenden Unternehmens und das damit in Deutschland wie in Guatemala verbundene Medienecho schaden der über viele Jahre aufgebauten guten Zusammenarbeit zwischen den Forschungsinstitutionen beider Länder. Darüber hinaus beschädigen sie das Ansehen Deutschlands in Guatemala und gefährden die archäologischen Hinterlassenschaften der antiken Maya-Kultur, welche in Zukunft wegen der nun dort vermuteten Goldschätze noch stärker geplündert werden.</p></blockquote>
<p>Auch wenn die &#8220;BILD&#8221;-Aktion bereits beendet ist: das Grundproblem solcher &#8220;Schatzsuchen&#8221;-Aktionen und des pseudowissenschaftlichen Hintergrundes bleibt über den aktuellen Fall bestehen.<br />
Ich traue der Initiatoren dieser Aktion so viel Zynismus zu, dass ihnen das deutsche Ansehen und das Ansehen der Archäologie in Guatemala völlig egal ist, und auch Raubgrabungen in Folge der &#8220;Schatzsuche&#8221; sie eher kalt lassen.<br />
(Siehe hierzu auch: <a href="http://www.nornirsaett.de/ein-musterbeispiel-fur-raubgrabermentalitat/">Ein Musterbeispiel für Raubgräbermentalität</a>.)<br />
Ganz nebenbei liefert die BILD auch noch einen Beitrag zum unerschöpflichen Thema &#8220;kommerz-esoterische Ausbeutung traditioneller Stammeskulturen&#8221;: &#8220;Hier segnet ein Schamane die Schatzsucher von BILD&#8221;. Hoffentlich hat er sich wenigsten gut dafür bezahlen lassen &#8230; </p>
<p>Ein hässliche Sache. Sie wird aber noch hässlicher &#8211; und zwar auf eine Weise, die unmittelbar zu den &#8220;ständigen Baustellen&#8221; von &#8220;Odins Auge&#8221; führt:</p>
<blockquote><p>Zum Hintergrund: Joachim Rittstieg ist ein selbsternannter Maya-Forscher, der sich mit seinen Thesen und Untersuchungsmethoden außerhalb der Regeln des guten wissenschaftlichen Arbeitens bewegt. Seine Thesen weisen Bezüge zur Atlantis-Mythologie auf. Sie beinhalten zudem deutlich völkisch-rassische Züge und basieren auf der esoterisch verklärten Vorstellung von einer überlegenen nordisch-germanischen Ur-Kultur, die sich einst in alle Welt verbreitete. Es ist bedauerlich, dass sich eine große überregionale deutsche Zeitung zum Sprachrohr für diese abwegigen Thesen macht.</p>
<p>Der Lago de Izabal und die umliegende Region in Guatemala sind bereits in den vergangenen Jahrzehnten gut erforscht worden. Weder archäologische Spuren noch Schriftzeugnisse aus der frühen Kolonialzeit verweisen auf eine unbekannte Maya-Stadt namens „Atlan“, deren Name frei erfunden ist. Goldverarbeitung in Form der von Rittstieg beschriebenen Tafeln hat es in der antiken Maya-Kultur überhaupt nicht gegeben.</p></blockquote>
<p>Inzwischen ist die Expedition aufgebrochen &#8211; offenbar sogar ohne Suchgenehmigung: <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/bild-zeitung-auf-schatzsuche-jaeger-des-verlorenen-quatsches-1.1068195" target="_blank">Jäger des verlorenen Quatsches</a> (Süddeutsche Zeitung).</p>
<p>Auf dem Portal <a href="http://wiki.atlantisforschung.de" target="_blank">&#8220;Atlantisforschung&#8221;</a> erfährt man mehr über die Ansichten und Vermutungen <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Joachim_Rittstieg" target="_blank">Joachim Rittstiegs</a>. Obwohl er auf den ersten Blick einer von zahlreichen vor allem von sich selbst sehr überzeugten, aber argumentativ eher wenig überzeugenden &#8220;Atlantis-Spinnern&#8221; ist, und sich noch keine direkten Hinweise darauf ergeben, dass er &#8220;völkisch-rassisch&#8221; denkt, lässt eine Passage aufhorchen:</p>
<blockquote><p>Für Joachim Rittstieg, der eindeutige Anhaltspunkte für die Präsenz von Wikingern im <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Pr%C3%A4kolumbisch" target="_blank">präkolumbischen</a> Guatemala sieht, steht jedenfalls weitgehend fest, dass es sich bei dem in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edda" target="_blank">Edda</A> beschriebenen Asgard (= ANDLAN = Andlang), dem <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Atlan" target="_blank">Atlan</a> / <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Aztl%C3%A1n" target="_blank>Aztlán</a> der Alten Mesoamerikaner sowie bei <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Platon" target="_blank">Platons</a> <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Atlantis"  target="_blank">Atlantis</a> um ein und den selben, letztlich alles andere als &#8211; im gängigen Sinn des Wortes &#8211; &#8220;mythischen&#8221;, Ort gehandelt hat.</p></blockquote>
<p>Nun sind auf bloße Wortähnlichkeiten beruhende Namensdeutungen wie das Durcheinanderwerfen von Kulturen und Chronologien für rechtsesoterische &#8220;Germanenspinner&#8221; ausgesprochen typisch, aber das ist noch kein Beweis, dass Rittstieg tatsächlich in diese bräunliche Ecke gehört. Auch dass er den Wikingern Einfluss auf die prä-kolumbianische Kultur der Maya (die zu dieser Zeit <a herf="http://de.wikipedia.org/wiki/Maya#Nachklassische_Zeit_.2F_Postklassik_.28ca._900.E2.80.931511.29" target="_blank">schon in der Nachblüte stand</a> ) zuspricht, ist noch kein Beweis für völkisch-rassische Gesinnung.<br />
Dafür gibt es Hinweise, wie es um die von ihm behauptete Sachkenntnis bestellt ist:<br />
Wenn er tatsächlich Maya-Kenner ist (nach eigenen Angaben beherrscht er die Maya-Sprache <a http://de.wikipedia.org/wiki/Quich%C3%A9-Sprache" target="_blank">Quiché</a>) und das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Popol_Vuh_%28Buch%29" target="_blank">Popol Vuh</a> gründlich (vielleicht sogar in der Originalsprache) gelesen hat, dann wundert es mich doch ein wenig, dass er die mythische Ursprungsstadt der Quiché, Tulan Zuiva (in gewisser Hinsicht das Gegenstück zur Stadt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aztl%C3%A1n" target="_blank">Aztlán</a> in der Mythologie der Azteken) aus irgend einem Grunde <a href="http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Atlan_da_Gonozal" target="_blank">&#8220;Atlan&#8221;</a> nennt. Ich habe nur ein ziemlich zerfleddertes Reclam-Heft &#8220;Aztekische und Maya-Mythen&#8221; (von Karl Taube) gelesen, und kenne auch die Edden nicht im Original &#8211; aber irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass Rittstieg auch nicht gerade Fachmann auf diesen Gebieten ist. </p>
<p>Nebenbei ist die kühne Annahme, Wikinger hätten es bis nach Yucatan geschafft, meines Erachtens noch die seriöseste Annahme in Rittstiegs Hypothesengebäude. Ich wüsste aber gerne, wie er aus dem von ihm interpretierten Maya-Kalender, der Lieder-Edda, dem Popol Vuh und offensichtlich einigen der Wissenschaft bisher unbekannten Quellen solche detaillierten Aussagen schöpft: (An alle Freunde der nordischen Mythologie: Beisshölzer und Stirnschutz bereithalten!):<br />
<blockquote><b>Wikinger bei den MAYA</b><br />
Am 15. Aug. 754 n. Chr. landeten erstmalig 6 Wikinger-Schiffe mit 120 Mann Besatzung bei den MAYA in Mittelamerika, südlich der Insel Cozumel bei der heutigen Ruinenstätte TULÚM.<br />
(Dieses Datum steht auf der Begrüßungsstele Nr. 29 in Tikal / Guatemala, die den Anführer als Regenbringer bzw. als Regengott &#8220;Chac&#8221; darstellt.)<br />
&#8220;Ihr Anführer war   M a x ,&#8221;  heißt es in der Maya &#8211; Überlieferung.<br />
Die heute lebenden Maya nennen ihn K u k u l c a n .<br />
(Der Mann, der im Kahn ankam und sich durch den Ruf &#8220;Kuckuck&#8221; mit seinen Kriegern im Urwald verständigte.)<br />
Die heute lebenden Azteken nennen ihn  Q u e t z a l c o a t l .<br />
(Der Mann mit den grün gefiederten Schlangenbooten: &#8220;Grün gefiedert&#8221; wie die Flügel eines Albatros  sahen die Ruder aus; &#8220;Schlange&#8221; bezieht sich auf den typischen Bugsteven aller Wikingerschiffe.)<br />
Heutige Archäologen und Amerikanisten nennen ihn Y a x   K ú k   M ó .<br />
In der Nordischen Mythologie wird er als weltlicher Herrscher<br />
T h o r   genannt und in seiner Funktion als oberster Richter<br />
B a l d u r .<br />
Er wurde am 3. Juni 726 n. Chr. in KIL / Jütland / Nordeuropa geboren, genauso wie sein Zwillingsbruder  K i m .<br />
KIL war eine Pfahlbau &#8211; Siedlung der Wikinger im Ostsee &#8211; Fjord<br />
Schlei. KIL war die Vorgängerstadt von Haithabu (= Hedeby).</p>
<p>Der Großvater der Zwillinge, der Wane Argonthiu, hatte in Jütland eine Schlacht gegen den Asa &#8211; Fürsten verloren. Dieser hatte &#8211; von jenseits des Atlantiks kommend &#8211; zunächst Schottland erobert<br />
und von dort aus seine Angriffe auf Norwegen, Schweden und Jütland gestartet. Hönir mit seinem Gefolgsmann Loki wurde in KIL als Statthalter eingesetzt.</p>
<p>Argonthius jüngster Sohn Carl von Jütland (= Odin) mußte (ca. 717 n. Chr.) die Tochter das Statthalters Ag (= Fjörgyn) heiraten. Die Zwillinge waren die Söhne dieses Herrscherpaares: Odin und Fjörgyn.<br />
Max&#8217; Zwillingsbruder Kim (= Thors&#8217; Zwillingsbrurder Njörd) war als Geisel genommen worden (als Sicherheitspfand für regelmäßige Tribut &#8211; Zahlungen) und wurde als Gefangener festgehalten in der Burg des Eroberers auf der Insel im Izabal-See in Guatemala / Mittelamerika.</p></blockquote>
<p>Quelle: Joachim Rittstiegs Internetpräsenz <a href="http://www.asgard-atlan.de/index.htm" target="_blank">Asgard-Atlan.de</a>.<br />
Ich denke, als Kostprobe reicht das. Es wird nicht besser. Rittstieg stellt auch in den anderen Teilen seiner Website einfach Behauptungen ohne Belege in den Raum.<br />
Zu den linguistischen Schlüssen, auf die er in seinem Hauptwerk &#8220;ABC der Maya&#8221; kommt, fand der &#8220;Spiegel&#8221; schon vor über 10 Jahren den passenden Kommentar: <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15613917.html" target="_blank">Da bist du platt</a> (Spiegel 6/2000) Rittstieg behauptet, seine Muttersprache, das Angeliter Platt und das Zuyuá than (Sprache der &#8220;Maya-Weisen&#8221;) seien fast identisch.</p>
<p>Ich fand keine Hinweise darauf, dass Rittstieg ein besonders herausragender Vertreter einer völkisch-rassischen Weltanschauung wäre. Oder anders ausgedrückt: auf diesem Gebiet gibt es weitaus Schlimmere.</p>
<p>Dennoch ist die Behauptung, seine Thesen<br />
<blockquote> beinhalten zudem deutlich völkisch-rassische Züge und basieren auf der esoterisch verklärten Vorstellung von einer überlegenen nordisch-germanischen Ur-Kultur, die sich einst in alle Welt verbreitete</p></blockquote>
<p> nicht ganz von der Hand zu weisen. Rittstieg ist eindeutig ein Verfechter eines &#8220;germanischen&#8221; Atlantis, und &#8220;nordische Kulturbringer&#8221; gibt es bei ihm auch, wenngleich seine Thesen nicht ohne weiteres dem rechtsesoterischen <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Stichwort:_Ario-Atlantismus" target="_blank">Ario-Atlantismus</a> zugerechnet werden können. Eher schon muten sie wie eine Parodie auf &#8220;ario-atlantische&#8221; Autoren wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herman_Wirth" target=_blank">Herman Wirth</a> an. Ob Rittstieg nur ein &#8220;Germanenspinner&#8221; oder ein &#8220;Germanenspinner mit rechtsextremer Agenda&#8221; ist, wage ich nicht zu beurteilen.  </p>
<p>Ich halt es für durchaus möglich, dass Rittstieg tatsächlich einen sehr aufwendigen Scherz macht, sich insgeheim über die Aufregung über seine schrägen Thesen köstlich amüsiert und dass die BILD-&#8221;Expedition&#8221; für ihn nur ein bezahlter Abenteuerurlaub ist.</p>
<p>Egal, ob Rittstieg seine Behauptungen selbst glaubt oder den leichtgläubigen Lesern nur einen gewaltigen Bären aufbindet, ob er rechtsextremistisch ist oder nicht: da hat die BILD genau <a href="http://www.shortnews.de/feedback.cfm?fanz=1&#038;fbid=5190577&#038;rubrik=ShortNews&#038;feedback_archive=0&#038;offset=1" target="_blank">den Expeditionsleiter</a> gefunden, den sie verdient!</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/die-bild-schatzsuche-die-maya-wikinger-und-atlantis/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die &#8220;Schatzsucher&#8221;-Aktion der BILD ist ein Skandal. </p>
<p>Die <a href="http://www.iae.uni-bonn.de/aktuelles/stellungnahme-deutssprachiger-mesoamerikanisten-zu-bild-schatzsuche-in-guatemala">Stellungnahme deutschsprachiger Mesoamerikanisten zur BILD-Schatzsuche in Guatemala</a> lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. </p>
<p>In der Stellungnahme heißt es:</p>
<blockquote><p>Die Vorgehensweise der BILD-Schatzsucher ist aus Sicht deutscher Wissenschaftler/-innen skandalös und entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Die Durchführung dieses auf Effekthascherei zielenden Unternehmens und das damit in Deutschland wie in Guatemala verbundene Medienecho schaden der über viele Jahre aufgebauten guten Zusammenarbeit zwischen den Forschungsinstitutionen beider Länder. Darüber hinaus beschädigen sie das Ansehen Deutschlands in Guatemala und gefährden die archäologischen Hinterlassenschaften der antiken Maya-Kultur, welche in Zukunft wegen der nun dort vermuteten Goldschätze noch stärker geplündert werden.</p></blockquote>
<p>Auch wenn die &#8220;BILD&#8221;-Aktion bereits beendet ist: das Grundproblem solcher &#8220;Schatzsuchen&#8221;-Aktionen und des pseudowissenschaftlichen Hintergrundes bleibt über den aktuellen Fall bestehen.<br />
Ich traue der Initiatoren dieser Aktion so viel Zynismus zu, dass ihnen das deutsche Ansehen und das Ansehen der Archäologie in Guatemala völlig egal ist, und auch Raubgrabungen in Folge der &#8220;Schatzsuche&#8221; sie eher kalt lassen.<br />
(Siehe hierzu auch: <a href="http://www.nornirsaett.de/ein-musterbeispiel-fur-raubgrabermentalitat/">Ein Musterbeispiel für Raubgräbermentalität</a>.)<br />
Ganz nebenbei liefert die BILD auch noch einen Beitrag zum unerschöpflichen Thema &#8220;kommerz-esoterische Ausbeutung traditioneller Stammeskulturen&#8221;: &#8220;Hier segnet ein Schamane die Schatzsucher von BILD&#8221;. Hoffentlich hat er sich wenigsten gut dafür bezahlen lassen &#8230; </p>
<p>Ein hässliche Sache. Sie wird aber noch hässlicher &#8211; und zwar auf eine Weise, die unmittelbar zu den &#8220;ständigen Baustellen&#8221; von &#8220;Odins Auge&#8221; führt:</p>
<blockquote><p>Zum Hintergrund: Joachim Rittstieg ist ein selbsternannter Maya-Forscher, der sich mit seinen Thesen und Untersuchungsmethoden außerhalb der Regeln des guten wissenschaftlichen Arbeitens bewegt. Seine Thesen weisen Bezüge zur Atlantis-Mythologie auf. Sie beinhalten zudem deutlich völkisch-rassische Züge und basieren auf der esoterisch verklärten Vorstellung von einer überlegenen nordisch-germanischen Ur-Kultur, die sich einst in alle Welt verbreitete. Es ist bedauerlich, dass sich eine große überregionale deutsche Zeitung zum Sprachrohr für diese abwegigen Thesen macht.</p>
<p>Der Lago de Izabal und die umliegende Region in Guatemala sind bereits in den vergangenen Jahrzehnten gut erforscht worden. Weder archäologische Spuren noch Schriftzeugnisse aus der frühen Kolonialzeit verweisen auf eine unbekannte Maya-Stadt namens „Atlan“, deren Name frei erfunden ist. Goldverarbeitung in Form der von Rittstieg beschriebenen Tafeln hat es in der antiken Maya-Kultur überhaupt nicht gegeben.</p></blockquote>
<p>Inzwischen ist die Expedition aufgebrochen &#8211; offenbar sogar ohne Suchgenehmigung: <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/bild-zeitung-auf-schatzsuche-jaeger-des-verlorenen-quatsches-1.1068195" target="_blank">Jäger des verlorenen Quatsches</a> (Süddeutsche Zeitung).</p>
<p>Auf dem Portal <a href="http://wiki.atlantisforschung.de" target="_blank">&#8220;Atlantisforschung&#8221;</a> erfährt man mehr über die Ansichten und Vermutungen <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Joachim_Rittstieg" target="_blank">Joachim Rittstiegs</a>. Obwohl er auf den ersten Blick einer von zahlreichen vor allem von sich selbst sehr überzeugten, aber argumentativ eher wenig überzeugenden &#8220;Atlantis-Spinnern&#8221; ist, und sich noch keine direkten Hinweise darauf ergeben, dass er &#8220;völkisch-rassisch&#8221; denkt, lässt eine Passage aufhorchen:</p>
<blockquote><p>Für Joachim Rittstieg, der eindeutige Anhaltspunkte für die Präsenz von Wikingern im <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Pr%C3%A4kolumbisch" target="_blank">präkolumbischen</a> Guatemala sieht, steht jedenfalls weitgehend fest, dass es sich bei dem in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edda" target="_blank">Edda</A> beschriebenen Asgard (= ANDLAN = Andlang), dem <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Atlan" target="_blank">Atlan</a> / <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Aztl%C3%A1n" target="_blank>Aztlán</a> der Alten Mesoamerikaner sowie bei <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Platon" target="_blank">Platons</a> <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Atlantis"  target="_blank">Atlantis</a> um ein und den selben, letztlich alles andere als &#8211; im gängigen Sinn des Wortes &#8211; &#8220;mythischen&#8221;, Ort gehandelt hat.</p></blockquote>
<p>Nun sind auf bloße Wortähnlichkeiten beruhende Namensdeutungen wie das Durcheinanderwerfen von Kulturen und Chronologien für rechtsesoterische &#8220;Germanenspinner&#8221; ausgesprochen typisch, aber das ist noch kein Beweis, dass Rittstieg tatsächlich in diese bräunliche Ecke gehört. Auch dass er den Wikingern Einfluss auf die prä-kolumbianische Kultur der Maya (die zu dieser Zeit <a herf="http://de.wikipedia.org/wiki/Maya#Nachklassische_Zeit_.2F_Postklassik_.28ca._900.E2.80.931511.29" target="_blank">schon in der Nachblüte stand</a> ) zuspricht, ist noch kein Beweis für völkisch-rassische Gesinnung.<br />
Dafür gibt es Hinweise, wie es um die von ihm behauptete Sachkenntnis bestellt ist:<br />
Wenn er tatsächlich Maya-Kenner ist (nach eigenen Angaben beherrscht er die Maya-Sprache <a http://de.wikipedia.org/wiki/Quich%C3%A9-Sprache" target="_blank">Quiché</a>) und das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Popol_Vuh_%28Buch%29" target="_blank">Popol Vuh</a> gründlich (vielleicht sogar in der Originalsprache) gelesen hat, dann wundert es mich doch ein wenig, dass er die mythische Ursprungsstadt der Quiché, Tulan Zuiva (in gewisser Hinsicht das Gegenstück zur Stadt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aztl%C3%A1n" target="_blank">Aztlán</a> in der Mythologie der Azteken) aus irgend einem Grunde <a href="http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Atlan_da_Gonozal" target="_blank">&#8220;Atlan&#8221;</a> nennt. Ich habe nur ein ziemlich zerfleddertes Reclam-Heft &#8220;Aztekische und Maya-Mythen&#8221; (von Karl Taube) gelesen, und kenne auch die Edden nicht im Original &#8211; aber irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass Rittstieg auch nicht gerade Fachmann auf diesen Gebieten ist. </p>
<p>Nebenbei ist die kühne Annahme, Wikinger hätten es bis nach Yucatan geschafft, meines Erachtens noch die seriöseste Annahme in Rittstiegs Hypothesengebäude. Ich wüsste aber gerne, wie er aus dem von ihm interpretierten Maya-Kalender, der Lieder-Edda, dem Popol Vuh und offensichtlich einigen der Wissenschaft bisher unbekannten Quellen solche detaillierten Aussagen schöpft: (An alle Freunde der nordischen Mythologie: Beisshölzer und Stirnschutz bereithalten!):<br />
<blockquote><b>Wikinger bei den MAYA</b><br />
Am 15. Aug. 754 n. Chr. landeten erstmalig 6 Wikinger-Schiffe mit 120 Mann Besatzung bei den MAYA in Mittelamerika, südlich der Insel Cozumel bei der heutigen Ruinenstätte TULÚM.<br />
(Dieses Datum steht auf der Begrüßungsstele Nr. 29 in Tikal / Guatemala, die den Anführer als Regenbringer bzw. als Regengott &#8220;Chac&#8221; darstellt.)<br />
&#8220;Ihr Anführer war   M a x ,&#8221;  heißt es in der Maya &#8211; Überlieferung.<br />
Die heute lebenden Maya nennen ihn K u k u l c a n .<br />
(Der Mann, der im Kahn ankam und sich durch den Ruf &#8220;Kuckuck&#8221; mit seinen Kriegern im Urwald verständigte.)<br />
Die heute lebenden Azteken nennen ihn  Q u e t z a l c o a t l .<br />
(Der Mann mit den grün gefiederten Schlangenbooten: &#8220;Grün gefiedert&#8221; wie die Flügel eines Albatros  sahen die Ruder aus; &#8220;Schlange&#8221; bezieht sich auf den typischen Bugsteven aller Wikingerschiffe.)<br />
Heutige Archäologen und Amerikanisten nennen ihn Y a x   K ú k   M ó .<br />
In der Nordischen Mythologie wird er als weltlicher Herrscher<br />
T h o r   genannt und in seiner Funktion als oberster Richter<br />
B a l d u r .<br />
Er wurde am 3. Juni 726 n. Chr. in KIL / Jütland / Nordeuropa geboren, genauso wie sein Zwillingsbruder  K i m .<br />
KIL war eine Pfahlbau &#8211; Siedlung der Wikinger im Ostsee &#8211; Fjord<br />
Schlei. KIL war die Vorgängerstadt von Haithabu (= Hedeby).</p>
<p>Der Großvater der Zwillinge, der Wane Argonthiu, hatte in Jütland eine Schlacht gegen den Asa &#8211; Fürsten verloren. Dieser hatte &#8211; von jenseits des Atlantiks kommend &#8211; zunächst Schottland erobert<br />
und von dort aus seine Angriffe auf Norwegen, Schweden und Jütland gestartet. Hönir mit seinem Gefolgsmann Loki wurde in KIL als Statthalter eingesetzt.</p>
<p>Argonthius jüngster Sohn Carl von Jütland (= Odin) mußte (ca. 717 n. Chr.) die Tochter das Statthalters Ag (= Fjörgyn) heiraten. Die Zwillinge waren die Söhne dieses Herrscherpaares: Odin und Fjörgyn.<br />
Max&#8217; Zwillingsbruder Kim (= Thors&#8217; Zwillingsbrurder Njörd) war als Geisel genommen worden (als Sicherheitspfand für regelmäßige Tribut &#8211; Zahlungen) und wurde als Gefangener festgehalten in der Burg des Eroberers auf der Insel im Izabal-See in Guatemala / Mittelamerika.</p></blockquote>
<p>Quelle: Joachim Rittstiegs Internetpräsenz <a href="http://www.asgard-atlan.de/index.htm" target="_blank">Asgard-Atlan.de</a>.<br />
Ich denke, als Kostprobe reicht das. Es wird nicht besser. Rittstieg stellt auch in den anderen Teilen seiner Website einfach Behauptungen ohne Belege in den Raum.<br />
Zu den linguistischen Schlüssen, auf die er in seinem Hauptwerk &#8220;ABC der Maya&#8221; kommt, fand der &#8220;Spiegel&#8221; schon vor über 10 Jahren den passenden Kommentar: <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15613917.html" target="_blank">Da bist du platt</a> (Spiegel 6/2000) Rittstieg behauptet, seine Muttersprache, das Angeliter Platt und das Zuyuá than (Sprache der &#8220;Maya-Weisen&#8221;) seien fast identisch.</p>
<p>Ich fand keine Hinweise darauf, dass Rittstieg ein besonders herausragender Vertreter einer völkisch-rassischen Weltanschauung wäre. Oder anders ausgedrückt: auf diesem Gebiet gibt es weitaus Schlimmere.</p>
<p>Dennoch ist die Behauptung, seine Thesen<br />
<blockquote> beinhalten zudem deutlich völkisch-rassische Züge und basieren auf der esoterisch verklärten Vorstellung von einer überlegenen nordisch-germanischen Ur-Kultur, die sich einst in alle Welt verbreitete</p></blockquote>
<p> nicht ganz von der Hand zu weisen. Rittstieg ist eindeutig ein Verfechter eines &#8220;germanischen&#8221; Atlantis, und &#8220;nordische Kulturbringer&#8221; gibt es bei ihm auch, wenngleich seine Thesen nicht ohne weiteres dem rechtsesoterischen <a href="http://wiki.atlantisforschung.de/index.php/Stichwort:_Ario-Atlantismus" target="_blank">Ario-Atlantismus</a> zugerechnet werden können. Eher schon muten sie wie eine Parodie auf &#8220;ario-atlantische&#8221; Autoren wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herman_Wirth" target=_blank">Herman Wirth</a> an. Ob Rittstieg nur ein &#8220;Germanenspinner&#8221; oder ein &#8220;Germanenspinner mit rechtsextremer Agenda&#8221; ist, wage ich nicht zu beurteilen.  </p>
<p>Ich halt es für durchaus möglich, dass Rittstieg tatsächlich einen sehr aufwendigen Scherz macht, sich insgeheim über die Aufregung über seine schrägen Thesen köstlich amüsiert und dass die BILD-&#8221;Expedition&#8221; für ihn nur ein bezahlter Abenteuerurlaub ist.</p>
<p>Egal, ob Rittstieg seine Behauptungen selbst glaubt oder den leichtgläubigen Lesern nur einen gewaltigen Bären aufbindet, ob er rechtsextremistisch ist oder nicht: da hat die BILD genau <a href="http://www.shortnews.de/feedback.cfm?fanz=1&#038;fbid=5190577&#038;rubrik=ShortNews&#038;feedback_archive=0&#038;offset=1" target="_blank">den Expeditionsleiter</a> gefunden, den sie verdient!</p>
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