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	<title>Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt&#187; Germanisches und Kulturelles</title>
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		<title>20 populäre Irrtümer über Wikinger</title>
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		<comments>http://www.nornirsaett.de/20-populare-irrtumer-uber-wikinger/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 10:27:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erforscht & Entdeckt]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Heidentum]]></category>
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		<category><![CDATA[Wikinger]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Einer der populärsten Irrtümer über Ásatrú ist, dass es sich um eine Art „Wikinger-Kult“ handeln würde – so etwas wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reenactment" target="_blank">Reenactment</a> mit spirituellem Über- bzw. Unterbau.<br />
Ums kurz zu machen: Ásatrú ist kein Versuch, den „Glauben der heidnischen Wikinger“ wiederzubeleben. Selbst wenn wir das wollten, gäben die Quellen dazu nicht genügend her. Und warum sollten wir es wollen? Die Zeiten sind andere, und schließlich ist auch das Christentum heute glücklicherweise nicht mehr dasselbe wie z. B. zur Zeiten der Kreuzzüge. (Zugegeben: es gibt Christen, die tief im Kreuzritter-Denken stecken. So, wie es auch Asatrúar geben soll, die am liebsten Morgen früh zu einem fröhlichen kleinen Raubzug aufbrechen würden. Zu denen wir nicht gehören: kein Kloster muss fürchten, von uns geplündert und gebrandschatzt zu werden.)</p>
<p>Allerdings kann niemand von uns leugnen, dass wir es mit den Göttern haben, mit denen es auch die ollen Wikinger hatten. Und dass wir an Traditionen anknüpfen, die aus einer Kultur stammen, die eben nicht nur die parlamentarische Demokratie, sondern auch die Wikinger hervorgebracht hatte. Dass uns Werte wichtig sind, die auch dem einen oder anderen, der einst sein Wogenross bestieg, um auf <i>viking</i> zu fahren, etwas bedeuteten.<br />
Dass es uns daher manchmal doch ein klein wenig ärgert, wenn über die Wikinger blühender Unsinn berichtet wird.<span id="more-4668"></span><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01.jpg" rel="lightbox[4668]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01-222x300.jpg" alt="Wikingerschiff" title="Wikingerschiff" width="222" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-4681" /></a></p>
<h3>1.&#8221;Die Wikinger waren ein Volk&#8221;</h3>
<p>Wikinger war nie eine Bezeichnung für ein Volk oder eine Volksgruppe, auch wenn der Sprachgebrauch, selbst der von Fachleuten, darauf hinzudeuten scheint.<br />
Es ist nun einmal einfacher zum Beispiel von „Wikingerschiffen“ statt historisch korrekt von „nordeuropäischen kombinierten Ruder-Segel-Kriegsschiffen des frühen Mittelalters bis frühen Hochmittelalters“ zu reden, auch wenn nicht alle diese Schiffe zur Viking verwendet wurden. Ähnlich ist es mit den „Wikingerkönigen“, der „Wikingerzeit“, den „Wikingersiedlungen“ und so weiter und so weiter.</p>
<p>Wikinger ist, salopp gesagt, eine Tätigkeitsbezeichnung. Das altnordische Wort <i>víking</i> (Femininum, also „die Viking“) bedeutet zunächst nur „weite Schiffsreise“. Ein „Wikinger“ wäre demnach jemand, der eine weite Schiffsreise unternimmt – egal, ob als Kaufmann, Siedler, Entdecker, Seeräuber oder Krieger. Das Wort <i>vikingr</i> bezeichnete jemanden, der die Viking zum „Beruf“ oder besser Lebensinhalt gemacht hatte. Vikingr erhielt im Laufe der Jahrhunderte eine zunehmend negative Konnotation, etwa im Sinne von „Pirat“. Es war zu dieser Zeit nicht ehrenwert, Vikingr zu sein, aber sogar im beginnenden Hochmittelalter galt es selbst für Könige als ehrenwert und das Ansehen fördernd, auf Viking gewesen zu sein, während Männer, die nie weit gereist waren, gering geschätzt wurden.</p>
<h3>2. &#8220;Die Wikingerzeit begann mit dem Überfall auf das Kloster Lindisfarne&#8221;</h3>
<p>Der Überfall auf das Kloster Lindisfarne in Nordengland im Jahre 793 gilt deshalb als „Beginn der Wikingerzeit“, weil dieser erfolgreiche Angriff auf ein reiches und gut befestigtes Kloster auch aufgezeichnet wurde. Es ist anzunehmen, dass er nicht der erste Überfall war. Schon zur Zeit der Merowinger gab es ähnliche Überfälle auf fränkisches Gebiet, nur der Begriff „Wikinger“ oder „Nordmannen“ war noch nicht gebräuchlich, es war in der Regel von „Seeräubern“ die Rede.</p>
<h3>3. &#8220;Die Wikinger taten sich nur durch Kämpfen und Beutemachen hervor&#8221;</h3>
<p>Das ist nur dann halbwegs richtig, wenn man „Wikinger“ auf die Vikingr genannten Seeräuber beschränkt. Die Viking war ja, siehe oben, allgemein eine „weite Seereise“. Die weitgehend friedliche Besiedlung Islands, Südwestgrönlands und der kleineren nordatlantischen Inseln kann genau so unter „Wikingfahrt“ verzeichnet werden, wie die ebenfalls nicht gewaltsamen Handelsreise bis in die fernsten Länder der damals bekannten Welt.</p>
<h3>4. &#8220;Die Wikinger trugen Helme mit Hörnern&#8221;</h3>
<p>Ein offensichtlich unausrottbares Klischee. Es sind zwar nur wenige Helme aus der Wikingerzeit erhalten, aber keiner davon hat Hörner. Es gibt auch keine zeitgenössische bildliche Darstellung so einer Helmzier. Für einen Kämpfer wäre ein Helm mit seitlich angebrachten Hörnern auch äußerst ungünstig, da sie bei einem seitlichen Treffer einen Schwert- oder Axthieb zum Helmträger <i>hin</i> abgelenkt hätten. Bei einem Treffer von oben hätte die Gefahr bestanden, dass  dem Träger der Helm vom Kopf gerissen worden wäre – was noch der harmlosere Fall wäre, denn ein fest sitzender Hörnerhelm würde bei einem ungünstigen Horn-Treffer dem Träger das Genick brechen!<br />
Es gab zwar tatsächlich Hörnerhelme, jedoch stammten sie aus der Bronzezeit und dienten ausschließlich zeremoniellen Zwecken. Hörner gab es zuweilen auch als Helmzier an Helmen der Ritterzeit, allerdings nur bei Helmen, die ausschließlich im Turnier benutzt wurden, wo keine „unfairen“ Axt- oder Schwerthiebe drohten, außerdem war diese Zier nur aufgesteckt,<br />
Sinngemäß gilt das auch für Helmflügel á la „alte Wagner-Inszenierung“, „Hermanns-Denkmal“ oder „Asterix“.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/londo42/2871528"><img src="http://u1.ipernity.com/8/15/28/2871528.ee58698c.500.jpg" width="375" height="500" alt="Wikingerhelm/casque Viking/Viking helmet" border="0"/></a><br />
Foto: Londo42</p>
<h3>5. &#8220;Die Lieblingswaffe der Wikinger war die schwere, doppelseitige Streitaxt&#8221;</h3>
<p>Es stimmt zwar, dass die Wikinger Streitäxte verwendeten, deren Handhabung im Kampf zum Beispiel auf wikingerzeitlichen Bildsteinen eindringlich festgehalten wurde. Allerdings waren das eher leichte, meist einhändig geführte, immer einseitige Äxte. Es gibt keinen einzigen archäologischen Fund einer Doppelaxt aus dem frühmittelalterlichen Europa! Die am häufigsten gefundene und eingesetzte wikingerzeitliche Waffe war der Speer. „Lieblingswaffen“ im Sinne von besonders geschätzter, aber eher seltener Waffen waren die kostbaren Schwerter.<br />
Die Warägergarde des byzantinischen (oströmischen) Kaisers (Waräger war die in Osteuropa übliche Bezeichnung für Wikinger) war als „die Axtträger“ bekannt, weil Streitäxte in der Armee ansonsten ungebräuchlich waren – und vielleicht, weil eine Axt eher zum Barbarenklischee passte, als die Speere oder die Langschwerter der Waräger. Neuzeitliche „Barbarenklischees“ sind es, die das falsche Bild des eine wuchtige Doppelaxt schwingenden Wikingers mit Hörnern am Helm bestimmen.</p>
<h3>6. &#8220;Wikinger waren schmutzig und ungepflegt&#8221;</h3>
<p>Im frühmittelalterlichen England galten die Wikinger als übertrieben reinlich, weil sie jede Woche badeten. Ibn Rustah,ein persischer Reisender, erwähnte ausdrücklich die Reinlichkeit der Waräger (östlichen Wikinger), und auch wenn der arabische Reisende Ibn Fadlan sich über deren unappetitlichen Art, sich zu reinigen, mokierte, widerspricht sein Bericht dem nicht. Bei Ausgrabungen wikingerzeitlicher Stätten sind Kämme, Rasiermesser, Pinzetten und „Ohrlöffel“ zum Reinigen der Ohren häufige Fundstücke. Die Nordeuropäer des Frühmittelalters stellten auch Seife her, die sie sogar exportierten</p>
<h3>7. &#8220;Die Wikinger überquerten den Atlantik in offenen Booten&#8221;</h3>
<p>Vor allem die in Gräbern gut konservierten Schiffe von Gokstadt und Oseberg gaben schon Ende des 19. Jahrhunderts einen Eindruck davon, wie die Schiffe, mit denen die Wikinger ihre europäischen Raubzüge benutzten, aussahen. Da sich Nachbauten des Gokstad-Schiffes als sehr seetüchtig erwiesen – ein Nachbau überquerte schon 1892 den Atlantik – entstand beim breiten Publikum der Eindruck, die wikingerzeitlichen Entdecker, Kolonisten und Fernhändler hätten auch solche offenen Fahrzeugen benutzt. Tatsächlich benutzten sie besondere Handelsschiffe, die breiter und hochbordiger waren als die bekannten Langschiffe, und Knorr genannt wurden. Knorren waren reine Segelschiffe und teilweise gedeckt.</p>
<h3>8. &#8220;Wikinger waren unzivilisierte, analphabetische Barbaren&#8221;</h3>
<p>Während noch zur Römerzeit ein deutliches kulturelles Gefälle zwischen der „römischen Welt“ und Nordeuropa bestand, kann das im frühen Mittelalters nicht behauptet werden. Einerseits brach die römerzeitliche Infrastruktur nach der Völkerwanderungszeit zusammen, anderseits holte der Norden gerade in dieser Zeit (der &#8220;Vendelzeit&#8221;) in der Sachkultur, in Handwerk und Kunst, deutlich auf. Schon die Runeninschriften zeigen, dass die wikingerzeitliche Kultur Nordeuropas nicht völlig analphabetisch gewesen sein kann, und Runen-Kritzeleien an byzantinischen Bauten und Statuen beweisen, dass auch die Krieger der Waräger-Garden nicht durchweg analphabetisch gewesen sein können – auf wenn es sicherlich barbarisch ist, seinen Namen in Kunstwerke einzuritzen, zeigt das doch, dass nicht nur eine kleine Elite eingeweihter Runenmeister schreiben konnte.  Wikingerzeitliche Kleidung war, wenn es sich der Träger oder die Trägerin leisten konnte, farbenprächtig und aufwändig gearbeitet, weder primitiv noch „barbarisch protzig“.<br />
Der hohe Stand der hochmittelalterlichen altnordischen Dichtung ist ohne eine lange dichterische Tradition nicht erklärbar, und die „Thingdemokratie“ in Island und in den atlantischen Siedlungsgebieten, das Modell des Parlamentarismus, entstand sicher auch nicht ohne eine lange politische Tradition der Volksversammlung und des Schöffengerichts.</p>
<h3>9. &#8220;Die Wikinger waren außerordentlich grausam&#8221;</h3>
<p>Es stimmt, dass Wikinger manchmal sehr brutal vorgingen. Allerdings sind Kriegshandlungen und Raubüberfälle grundsätzlich gewalttätig, weshalb die von zeitgenössischen Chronisten auf der Opferseite so eindringlich geschilderten Grausamkeiten der heidnischen Wikinger mit der damaligen Kriegsführung christlicher Heere verglichen werden müssen.<br />
Zieht man die üblichen Übertreibungen und Gräuelgeschichten aus den Berichten der damals praktisch ein Schreibmonopol innehabenden Mönche ab, deuten selbst sie nicht darauf hin, dass die Beutezüge der Wikinger ungewöhnlich blutrünstig gewesen wären. Hingegen führte z. B. Karl „der Große“ regelrechte Vernichtungskriege, was man den Wikingern (und den wikingerzeitlichen nordeuropäischen Heerführern), bei aller Beutegier und Rücksichtslosigkeit, nicht nachsagen kann.</p>
<h3>10. &#8220;Die Armeen der Wikinger waren groß&#8221;</h3>
<p>Zuerst ist dazu zu sagen, dass nicht jedes nordeuropäische Heer der Wikingerzeit automatisch ein „Wikingerheer“ war. (Könige wie Sven Gabelbart oder Knut „der Große“ hätten es sich sicher verbeten, wenn ihre Heere so genannt worden wären.) Wikinger waren strenggenommen nur die eher kleinen Gruppen von Abenteurern / Räubern / Raubhändlern / Händlern, die sich aus eigenem Antrieb einem Anführer anschlossen. Aber selbst die in den Chroniken so genannten „großen Heere“ können so gewaltig groß nicht gewesen sein.<br />
Die Flotte des dänischen Heerkönigs Göttrick (auch als Gudrød oder Gudfred bekannt), deren Landung auf den friesischen Inseln Karl „dem Großen“ Sorgen machte, hatte nach dem Chronisten Einhard 200 Schiffe. Selbst wenn das nicht, wie so oft in mittelalterlichen Chroniken, übertrieben war, hätten diese höchstens 8000 Mann tragen können. Wobei Göttrick der mächtigste Herrscher im Norden Europas war, und erst Harald Blauzahn und sein Widersacher Sven Gabelbart wieder ähnlich große Streitkräfte mobil machen konnten.<br />
885 verfügte König Harald Harfargi (Schönhaar), dass jeder seiner Jarle 60 <i>hirdmen</i>, also Krieger in persönliches Gefolgschaft, haben sollte, sowie vier <i>hersir</i> als regionale Anführer mit einem <i>hird</i> von jeweils 20 Mann. Diese etwa 140 Mann eines Jarls galten schon als Heer!<br />
Zwar konnte im Kriegsfalls der <i>leidang</i>, eine Art Miliz, einberufen werden, die dann den Großteil des Heeres ausmachte, aber die Wikinger, die Europa im 9. und 10. Jahrhundert heimsuchten, waren so gut wie alle Hirdmen eines „niederen Adligen“ &#8211; wenn man einen Sohn eines Großbauern so nennen will.<br />
Ein typisches „Wikingerheer“ bestand also aus höchstens ein paar tausend Mann, und ein Wikingerüberfall  war eher ein „Kommandounternehmen“ eines kleinen Haufens Kämpfer als eine „Invasion“.</p>
<h3>11. &#8220;Die Wikinger waren harte Kämpfer, aber tapfer und aufrichtig&#8221;</h3>
<p>Die Sagas wie die Heldenlieder lassen keinen Zweifel daran, dass Listen – bis hin zu ausgesprochen schmutzigen Tricks – nicht nur regelmäßig angewendet wurden, sondern sogar als rühmenswert galten. Die typische Taktik war der Überraschungsangriff, und die Wikinger sahen zu, dass sie mit der Beute verschwanden, bevor der Gegner den Widerstand organisieren konnte. Das „Danegeld“ und andere Tributzahlungen waren bei Licht besehen Schutzgelderpressungen. Auch große Feldzüge mit politischen Zielen waren offensichtlich von einem harten Pragmatismus bestimmt. Der „Raubhandel“, spricht Hehlerei, und der Sklavenfang und Sklavenhandel zeigen, dass der Ehrbegriff auch der als Kaufleute tätigen Wikinger ziemlich einseitig gewesen sein muss.</p>
<h3>12. &#8220;Alle Wikinger waren Nordgermanen&#8221;</h3>
<p>Auch wenn die meisten Wikinger Skandinavier waren, und heute die frühmittelalterliche nordgermanische Kultur oft einfach als „Wikingerkultur“ bezeichnet wird, waren die Mannschaften auf den Wikingerschiffen, nach den Sagatexten zu urteilen, oft ethnisch bunt gemischt. Vor allem Balten, aber auch Ostseeslawen und Männer aus (Alt-)Sachsen und dem Rheinland (also „Südgermanen“, wenn man so will) gingen, zusammen mit „Nordmännern“, „auf Viking“. Nicht eingerechnet sind dabei Menschen, die unfreiwillig, als Knechte oder Sklaven mitgenommen wurden.</p>
<h3>13. &#8220;Die Wikinger achteten auf die Reinheit ihrer Art&#8221;</h3>
<p>Das ist eine fixe Idee neuzeitlicher Rassisten. Über die Hälfte der Vorfahren der heutigen Isländer, einer Volksgruppe, die zwischen dem späten Mittelalter und der Moderne sehr isoliert war, und deshalb ein beliebtes Objekt für genetische Untersuchung sind, stammten nicht aus Skandinavien, sondern aus Britannien, Irland, dem Baltikum und anderen Teilen Europas. Eine der im berühmten Königinnengrab von Oseberg bestatteten Frauen hatte Vorfahren, die vom Schwarzen  Meer stammten, ein Mann in einem spätantiken dänischen Grab stammte offensichtlich aus dem arabischen Raum, usw. . Heutigen Rassisten, die angesichts dieser Tatsachen behaupten, die „alten Nordgermanen“ hätten wenigstens darauf geachtet, nur „weiße“ Frauen zu nehmen (an „fremde“ Ehemänner denken sie bezeichnenderweise nicht), sei gesagt, dass einige Isländer eine Gensequenz haben, die unter Europäern sonst nicht vorkommt – aber bei Ostasiaten und bei nordamerikanischen Indianern.</p>
<h3>14. &#8220;Frauen hatten bei den Wikingern wenig zu sagen&#8221;</h3>
<p>Der heutige Wikingermythos sieht die Wikinger als Männer, als Krieger, Seefahrer oder tatkräftige Siedler. Es kann auch kaum ein Zweifel daran bestehen, dass die wikingerzeitliche Gesellschaft „patriarchalisch“ war, also Männer privilegierte. Allerdings lag die Wirtschaft und Verwaltung der Höfe während der monatelangen Abwesenheit ihrer Männer in den Händen der Frauen – was nicht möglich gewesen wäre, wenn die soziale Stellung der Frauen sehr niedrig gewesen wäre. Aus Island ist sogar die einseitige Ehescheidung durch die Frau bekannt. Während Raubzüge und Krieg „Männersache“ waren, galt das nicht für die Kolonisation und auch nicht für den Handel: Die für die Gräber von Händlern typischen Waagen und Gewichte als Grabbeigabe fanden sich zu 20% in Frauengräbern.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/60357/8267893"><img src="http://u1.ipernity.com/15/78/93/8267893.2e45d83e.500.jpg" width="375" height="500" alt="" border="0"/></a><br />
Foto: Phoenix</p>
<h3>15. &#8220;Die Wikingerzüge wurden durch Überbevölkerung ausgelöst&#8221;</h3>
<p>Das Problem der Forschung über die Ursachen der Wikingerzüge liegt darin, dass zeitgenössische Texte darüber nur wenig Auskunft geben, und die wenige Quellen dann noch von Behauptungen über die sexuelle Zügellosigkeit der Heiden und die noch auf römische Autoren zurückgehende Behauptung, skandinavische Frauen seien ungeheuer fruchtbar, überlagert sind. Obwohl Hungersnöte oder Mangel an bebaubarem Land in einzelnen Fällen tatsächlich frühmittelalterliche Skandinavier zur Auswanderung veranlassten, und die Behauptung, dass vor allem jüngere Söhne, die beim Erbe leer ausgegangen waren, in die Ferne zogen, nicht völlig aus der Luft gegriffen ist – von einer Überbevölkerung Südskandinaviens und Dänemarks konnte keine Rede sein. Es gibt tatsächlich keine archäologischen Hinweise, die für eine Überbevölkerung dieser Gebiete im 8. und 9. Jahrhundert sprechen würden, und es fehlen auch Spuren, die auf eine erhöhte Sterblichkeit durch Unterernährung oder Seuchen hinweisen könnten. Adam von Bremen schrieb noch gegen Ende des 11. Jahrhunderts, dass Jütland und Norwegen über weite Strecken brach lagen. Landknappheit war also nicht die Hauptursache der wikingerzeitlichen Expansion.</p>
<h3>16. &#8220;Wikinger strebten den Heldentod an&#8221;</h3>
<p>Alles deutet darauf hin, dass die Wikinger ihre Beutezüge gern überlebten, allein schon, weil ein Toter nichts von der Beute hat, wie es im Hávamál ziemlich offen gesagt wird. Eben jenes Hávamál, deren Schlussvers den neuzeitlichen Germanentümlern oft missbraucht wurde, um den „Heldentod“ zu verherrlichen. In der Übersetzung von Felix Genzmer lautet er: „Besitzt stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst wie sie; eines weiß ich, das ewig lebt: des Toten Tatenruhm“. Er muss aber im Kontext gesehen werden. Der Vers: „Der Handlose hütet, der Hinkende reitet, tapfer der Taube kämpft; blind ist besser als verbrannt zu sein, nichts taugt mehr, wer tot“, ermutigt z. B. schwer verwundete Krieger ausdrücklich zum Weiterleben. Es gibt zwar wirklich Sagastellen, die von der Angst alter Recken berichten, den „Strohtod“, also den Tod im Bett, zu sterben, allerdings muss auch das im jeweiligen Kontext gesehen werden &#8211; und vor dem Hintergrund, dass die Sagas, wie die Heldenlieder, schon höfische Dichtung waren und nicht die Ansichten der Krieger auf dem Schlachtfeld wiedergeben.</p>
<h3>17. &#8220;Die Wikinger waren so verbissene Kämpfer, weil sie auf eine Belohnung im Jenseits hofften&#8221;</h3>
<p>Es gibt keine zeitgenössische Quelle, dass Wikinger tatsächlich darauf gehofft hätten, nach dem Tod in „Odins Kriegerparadies“ einzugehen. Es ist durchaus offen, wie weit die  Vorstellung, die „gefallenen Helden“ kämen nach Walhall, wirklich unter den einfachen Kriegern verbreitet war. Selbst wenn man die eddischen Mythen beim Wort nimmt, ist Walhall eher ein Trainingslager für den Endkampf mit den „Mächten des Chaos“ im Ragnarök als ein Paradies. Also eine Zwischenstation, kein ewige Glückseeligkeit. Übersehen wird auch gerne, dass nicht Odin, sondern Freyja die erste Wahl unter den Gefallenen hat.<br />
Was die Wikinger motivierte waren sehr diesseitige Gründe: Beute, Land, Macht, oder auch, in der Phase, als sich die nordischen „Großkönige“ durchsetzten, persönliche und politische Freiheit.</p>
<h3>18. &#8220;Die Wikingerfeldzüge waren gegen das Christentum gerichtet&#8221;</h3>
<p>Die naheliegendste Erklärung, wieso die frühen Wikingerüberfälle sich gegen Klöster und Kirchen wendeten, ist, dass dort am meisten zu holen war – bei relativ überschaubarem Risiko. Da der Übergang zur (feudalen) Staatlichkeit mit starker Zentralgewalt des Königs mit der Christianisierung Hand in Hand ging, sich Kirche und Fürsten gegenseitig stützten (und gegenseitig instrumentalisierten), war der Kampf gegen die bäuerliche Selbstregierung einerseits und gegen „Kleinkönige“ andererseits mit der „Bekämpfung des Heidentums“ eng verbunden. Allerdings kann man nicht sagen, dass „heidnisch“ automatisch für „bäuerlich-selbstbestimmt“ und „christlich“ für „feudal-zentralistisch“ standen. Die Christianisierung war, allerdings von einigen blutigen Ausnahmen abgesehen, ein eher friedlicher und eher unspektakulärer Vorgang. Allerdings dürfte die Darstellung vom freudig und freiwillig angenommenen neuen Glauben ebenfalls falsch sein; der „freiwilligen“ Annahme des Christentums durch das Althing in Island ging eine massive Erpressung des norwegischen Königs Olav zuvor.<br />
Für viele Nordländer kam es offensichtlich auf einen Gott mehr oder weniger nicht an, die  pragmatische Sicht zeigte sich in der Kunst und am deutlichsten in Gussformen, in denen sowohl Thorshämmer wie christliche Kreuze gegossen werden konnten. Erst im 12. Jahrhundert, in der Zeit der Kreuzzüge und der Kirchenreform, wurde der Synkretismus zwischen Heidentum und Christentum durch die „zweite Christanisierung“ weitgehend beendet.</p>
<h3>19. &#8220;Die Christianisierung bedeutete das Ende des Wikingertums&#8221;</h3>
<p>So sehr die frümittelalterlichen Chronisten in ihren Klöstern die Untaten der heidnischen Wikinger verdammten, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Krieger aus dem Norden nach erfolgter Taufe weniger grausam gewesen wären. Die Häufigkeit, mit der der Begriff <i>vikingr</i> noch gut 200 Jahre nach der Christanisierung auftaucht, deutet darauf hin, dass Seeraub und Kleinkrieg noch weit verbreitetet gewesen sein müssen. Das Ende der Wikingerzeit kam mit dem Erstarken der staatlichen Zentralgewalt auch in Nordeuropa, als nicht einmal mehr ein Jarl, geschweige denn jemand geringeren Ranges, mit einer freiwilligen Gefolgschaft auf eigene Faust „auf Viking“ gehen konnte. Das Christentum trug zu dieser Entwicklung nur indirekt bei, indem die Herrscher die neue Religion und ihrer Strukturen nutzten, um ihre Autorität zu stärken. Die Kirche wurde zum Werkzeug des Staates. Auch der „rein kriminelle“ Seeraub hatte es mit dem Aufkommen großer stehender Heere und Flotten zunehmend schwer. Der Fernhandel, das andere kennzeichnende Element des Wikingerzeit, brach teils zusammen und nahm andernteils eine andere, straffer organisierte, Struktur an, nachdem der wikingerzeitliche Silberhandel im 11. Jahrhundert zusammengebrochen war und das vormalige Ostfrankenreich (das spätere Deutschland) an Macht gewonnen hatten.</p>
<h3>20. &#8220;Dass Wikinger je etwas anderes als Räuber gewesen wären, ist ein Produkt nationalromantischer Geschichtsschreibung&#8221;</h3>
<p>Diese Ansicht ist einerseits sozusagen das Gegenstück zu der romantischen Verklärung der Wikingerzeit, und sie ist, anders als die ebenfalls als Gegenstück zur Nationalromantik zu sehenden „Barbarentheorie“, sogar historisch fundiert. Beschränkt man „Wikinger“ nämlich auf die tatsächlich in mittelalterlichen Texten ausdrücklich <i>vikingr</i> genannten Menschen, dann waren das in der Tat durchweg Seeräuber oder blutige Privatfehden führende Freischärler, bestenfalls „Raubhändler“. Es ist einerseits sicher nicht historisch korrekt, alle mit der nordeuropäischen Expansion des frühen Mittelalters einhergehenden Aktivitäten, einschließlich der Kolonisation im Nordatlantik, unter dem Stichwort „Wikinger“ zusammenzufassen. Anderseits ist auch eine Engführung problematisch, weil die negative Konnotation von <i>vikingr</i> sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, und das Wort <i>viking</i> alle langen Seereisen umfasste.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/asatru-wissenschaft-forschung/">Erforscht &amp; Entdeckt</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/20-populare-irrtumer-uber-wikinger/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einer der populärsten Irrtümer über Ásatrú ist, dass es sich um eine Art „Wikinger-Kult“ handeln würde – so etwas wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reenactment" target="_blank">Reenactment</a> mit spirituellem Über- bzw. Unterbau.<br />
Ums kurz zu machen: Ásatrú ist kein Versuch, den „Glauben der heidnischen Wikinger“ wiederzubeleben. Selbst wenn wir das wollten, gäben die Quellen dazu nicht genügend her. Und warum sollten wir es wollen? Die Zeiten sind andere, und schließlich ist auch das Christentum heute glücklicherweise nicht mehr dasselbe wie z. B. zur Zeiten der Kreuzzüge. (Zugegeben: es gibt Christen, die tief im Kreuzritter-Denken stecken. So, wie es auch Asatrúar geben soll, die am liebsten Morgen früh zu einem fröhlichen kleinen Raubzug aufbrechen würden. Zu denen wir nicht gehören: kein Kloster muss fürchten, von uns geplündert und gebrandschatzt zu werden.)</p>
<p>Allerdings kann niemand von uns leugnen, dass wir es mit den Göttern haben, mit denen es auch die ollen Wikinger hatten. Und dass wir an Traditionen anknüpfen, die aus einer Kultur stammen, die eben nicht nur die parlamentarische Demokratie, sondern auch die Wikinger hervorgebracht hatte. Dass uns Werte wichtig sind, die auch dem einen oder anderen, der einst sein Wogenross bestieg, um auf <i>viking</i> zu fahren, etwas bedeuteten.<br />
Dass es uns daher manchmal doch ein klein wenig ärgert, wenn über die Wikinger blühender Unsinn berichtet wird.<span id="more-4668"></span><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01.jpg" rel="lightbox[4668]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01-222x300.jpg" alt="Wikingerschiff" title="Wikingerschiff" width="222" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-4681" /></a></p>
<h3>1.&#8221;Die Wikinger waren ein Volk&#8221;</h3>
<p>Wikinger war nie eine Bezeichnung für ein Volk oder eine Volksgruppe, auch wenn der Sprachgebrauch, selbst der von Fachleuten, darauf hinzudeuten scheint.<br />
Es ist nun einmal einfacher zum Beispiel von „Wikingerschiffen“ statt historisch korrekt von „nordeuropäischen kombinierten Ruder-Segel-Kriegsschiffen des frühen Mittelalters bis frühen Hochmittelalters“ zu reden, auch wenn nicht alle diese Schiffe zur Viking verwendet wurden. Ähnlich ist es mit den „Wikingerkönigen“, der „Wikingerzeit“, den „Wikingersiedlungen“ und so weiter und so weiter.</p>
<p>Wikinger ist, salopp gesagt, eine Tätigkeitsbezeichnung. Das altnordische Wort <i>víking</i> (Femininum, also „die Viking“) bedeutet zunächst nur „weite Schiffsreise“. Ein „Wikinger“ wäre demnach jemand, der eine weite Schiffsreise unternimmt – egal, ob als Kaufmann, Siedler, Entdecker, Seeräuber oder Krieger. Das Wort <i>vikingr</i> bezeichnete jemanden, der die Viking zum „Beruf“ oder besser Lebensinhalt gemacht hatte. Vikingr erhielt im Laufe der Jahrhunderte eine zunehmend negative Konnotation, etwa im Sinne von „Pirat“. Es war zu dieser Zeit nicht ehrenwert, Vikingr zu sein, aber sogar im beginnenden Hochmittelalter galt es selbst für Könige als ehrenwert und das Ansehen fördernd, auf Viking gewesen zu sein, während Männer, die nie weit gereist waren, gering geschätzt wurden.</p>
<h3>2. &#8220;Die Wikingerzeit begann mit dem Überfall auf das Kloster Lindisfarne&#8221;</h3>
<p>Der Überfall auf das Kloster Lindisfarne in Nordengland im Jahre 793 gilt deshalb als „Beginn der Wikingerzeit“, weil dieser erfolgreiche Angriff auf ein reiches und gut befestigtes Kloster auch aufgezeichnet wurde. Es ist anzunehmen, dass er nicht der erste Überfall war. Schon zur Zeit der Merowinger gab es ähnliche Überfälle auf fränkisches Gebiet, nur der Begriff „Wikinger“ oder „Nordmannen“ war noch nicht gebräuchlich, es war in der Regel von „Seeräubern“ die Rede.</p>
<h3>3. &#8220;Die Wikinger taten sich nur durch Kämpfen und Beutemachen hervor&#8221;</h3>
<p>Das ist nur dann halbwegs richtig, wenn man „Wikinger“ auf die Vikingr genannten Seeräuber beschränkt. Die Viking war ja, siehe oben, allgemein eine „weite Seereise“. Die weitgehend friedliche Besiedlung Islands, Südwestgrönlands und der kleineren nordatlantischen Inseln kann genau so unter „Wikingfahrt“ verzeichnet werden, wie die ebenfalls nicht gewaltsamen Handelsreise bis in die fernsten Länder der damals bekannten Welt.</p>
<h3>4. &#8220;Die Wikinger trugen Helme mit Hörnern&#8221;</h3>
<p>Ein offensichtlich unausrottbares Klischee. Es sind zwar nur wenige Helme aus der Wikingerzeit erhalten, aber keiner davon hat Hörner. Es gibt auch keine zeitgenössische bildliche Darstellung so einer Helmzier. Für einen Kämpfer wäre ein Helm mit seitlich angebrachten Hörnern auch äußerst ungünstig, da sie bei einem seitlichen Treffer einen Schwert- oder Axthieb zum Helmträger <i>hin</i> abgelenkt hätten. Bei einem Treffer von oben hätte die Gefahr bestanden, dass  dem Träger der Helm vom Kopf gerissen worden wäre – was noch der harmlosere Fall wäre, denn ein fest sitzender Hörnerhelm würde bei einem ungünstigen Horn-Treffer dem Träger das Genick brechen!<br />
Es gab zwar tatsächlich Hörnerhelme, jedoch stammten sie aus der Bronzezeit und dienten ausschließlich zeremoniellen Zwecken. Hörner gab es zuweilen auch als Helmzier an Helmen der Ritterzeit, allerdings nur bei Helmen, die ausschließlich im Turnier benutzt wurden, wo keine „unfairen“ Axt- oder Schwerthiebe drohten, außerdem war diese Zier nur aufgesteckt,<br />
Sinngemäß gilt das auch für Helmflügel á la „alte Wagner-Inszenierung“, „Hermanns-Denkmal“ oder „Asterix“.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/londo42/2871528"><img src="http://u1.ipernity.com/8/15/28/2871528.ee58698c.500.jpg" width="375" height="500" alt="Wikingerhelm/casque Viking/Viking helmet" border="0"/></a><br />
Foto: Londo42</p>
<h3>5. &#8220;Die Lieblingswaffe der Wikinger war die schwere, doppelseitige Streitaxt&#8221;</h3>
<p>Es stimmt zwar, dass die Wikinger Streitäxte verwendeten, deren Handhabung im Kampf zum Beispiel auf wikingerzeitlichen Bildsteinen eindringlich festgehalten wurde. Allerdings waren das eher leichte, meist einhändig geführte, immer einseitige Äxte. Es gibt keinen einzigen archäologischen Fund einer Doppelaxt aus dem frühmittelalterlichen Europa! Die am häufigsten gefundene und eingesetzte wikingerzeitliche Waffe war der Speer. „Lieblingswaffen“ im Sinne von besonders geschätzter, aber eher seltener Waffen waren die kostbaren Schwerter.<br />
Die Warägergarde des byzantinischen (oströmischen) Kaisers (Waräger war die in Osteuropa übliche Bezeichnung für Wikinger) war als „die Axtträger“ bekannt, weil Streitäxte in der Armee ansonsten ungebräuchlich waren – und vielleicht, weil eine Axt eher zum Barbarenklischee passte, als die Speere oder die Langschwerter der Waräger. Neuzeitliche „Barbarenklischees“ sind es, die das falsche Bild des eine wuchtige Doppelaxt schwingenden Wikingers mit Hörnern am Helm bestimmen.</p>
<h3>6. &#8220;Wikinger waren schmutzig und ungepflegt&#8221;</h3>
<p>Im frühmittelalterlichen England galten die Wikinger als übertrieben reinlich, weil sie jede Woche badeten. Ibn Rustah,ein persischer Reisender, erwähnte ausdrücklich die Reinlichkeit der Waräger (östlichen Wikinger), und auch wenn der arabische Reisende Ibn Fadlan sich über deren unappetitlichen Art, sich zu reinigen, mokierte, widerspricht sein Bericht dem nicht. Bei Ausgrabungen wikingerzeitlicher Stätten sind Kämme, Rasiermesser, Pinzetten und „Ohrlöffel“ zum Reinigen der Ohren häufige Fundstücke. Die Nordeuropäer des Frühmittelalters stellten auch Seife her, die sie sogar exportierten</p>
<h3>7. &#8220;Die Wikinger überquerten den Atlantik in offenen Booten&#8221;</h3>
<p>Vor allem die in Gräbern gut konservierten Schiffe von Gokstadt und Oseberg gaben schon Ende des 19. Jahrhunderts einen Eindruck davon, wie die Schiffe, mit denen die Wikinger ihre europäischen Raubzüge benutzten, aussahen. Da sich Nachbauten des Gokstad-Schiffes als sehr seetüchtig erwiesen – ein Nachbau überquerte schon 1892 den Atlantik – entstand beim breiten Publikum der Eindruck, die wikingerzeitlichen Entdecker, Kolonisten und Fernhändler hätten auch solche offenen Fahrzeugen benutzt. Tatsächlich benutzten sie besondere Handelsschiffe, die breiter und hochbordiger waren als die bekannten Langschiffe, und Knorr genannt wurden. Knorren waren reine Segelschiffe und teilweise gedeckt.</p>
<h3>8. &#8220;Wikinger waren unzivilisierte, analphabetische Barbaren&#8221;</h3>
<p>Während noch zur Römerzeit ein deutliches kulturelles Gefälle zwischen der „römischen Welt“ und Nordeuropa bestand, kann das im frühen Mittelalters nicht behauptet werden. Einerseits brach die römerzeitliche Infrastruktur nach der Völkerwanderungszeit zusammen, anderseits holte der Norden gerade in dieser Zeit (der &#8220;Vendelzeit&#8221;) in der Sachkultur, in Handwerk und Kunst, deutlich auf. Schon die Runeninschriften zeigen, dass die wikingerzeitliche Kultur Nordeuropas nicht völlig analphabetisch gewesen sein kann, und Runen-Kritzeleien an byzantinischen Bauten und Statuen beweisen, dass auch die Krieger der Waräger-Garden nicht durchweg analphabetisch gewesen sein können – auf wenn es sicherlich barbarisch ist, seinen Namen in Kunstwerke einzuritzen, zeigt das doch, dass nicht nur eine kleine Elite eingeweihter Runenmeister schreiben konnte.  Wikingerzeitliche Kleidung war, wenn es sich der Träger oder die Trägerin leisten konnte, farbenprächtig und aufwändig gearbeitet, weder primitiv noch „barbarisch protzig“.<br />
Der hohe Stand der hochmittelalterlichen altnordischen Dichtung ist ohne eine lange dichterische Tradition nicht erklärbar, und die „Thingdemokratie“ in Island und in den atlantischen Siedlungsgebieten, das Modell des Parlamentarismus, entstand sicher auch nicht ohne eine lange politische Tradition der Volksversammlung und des Schöffengerichts.</p>
<h3>9. &#8220;Die Wikinger waren außerordentlich grausam&#8221;</h3>
<p>Es stimmt, dass Wikinger manchmal sehr brutal vorgingen. Allerdings sind Kriegshandlungen und Raubüberfälle grundsätzlich gewalttätig, weshalb die von zeitgenössischen Chronisten auf der Opferseite so eindringlich geschilderten Grausamkeiten der heidnischen Wikinger mit der damaligen Kriegsführung christlicher Heere verglichen werden müssen.<br />
Zieht man die üblichen Übertreibungen und Gräuelgeschichten aus den Berichten der damals praktisch ein Schreibmonopol innehabenden Mönche ab, deuten selbst sie nicht darauf hin, dass die Beutezüge der Wikinger ungewöhnlich blutrünstig gewesen wären. Hingegen führte z. B. Karl „der Große“ regelrechte Vernichtungskriege, was man den Wikingern (und den wikingerzeitlichen nordeuropäischen Heerführern), bei aller Beutegier und Rücksichtslosigkeit, nicht nachsagen kann.</p>
<h3>10. &#8220;Die Armeen der Wikinger waren groß&#8221;</h3>
<p>Zuerst ist dazu zu sagen, dass nicht jedes nordeuropäische Heer der Wikingerzeit automatisch ein „Wikingerheer“ war. (Könige wie Sven Gabelbart oder Knut „der Große“ hätten es sich sicher verbeten, wenn ihre Heere so genannt worden wären.) Wikinger waren strenggenommen nur die eher kleinen Gruppen von Abenteurern / Räubern / Raubhändlern / Händlern, die sich aus eigenem Antrieb einem Anführer anschlossen. Aber selbst die in den Chroniken so genannten „großen Heere“ können so gewaltig groß nicht gewesen sein.<br />
Die Flotte des dänischen Heerkönigs Göttrick (auch als Gudrød oder Gudfred bekannt), deren Landung auf den friesischen Inseln Karl „dem Großen“ Sorgen machte, hatte nach dem Chronisten Einhard 200 Schiffe. Selbst wenn das nicht, wie so oft in mittelalterlichen Chroniken, übertrieben war, hätten diese höchstens 8000 Mann tragen können. Wobei Göttrick der mächtigste Herrscher im Norden Europas war, und erst Harald Blauzahn und sein Widersacher Sven Gabelbart wieder ähnlich große Streitkräfte mobil machen konnten.<br />
885 verfügte König Harald Harfargi (Schönhaar), dass jeder seiner Jarle 60 <i>hirdmen</i>, also Krieger in persönliches Gefolgschaft, haben sollte, sowie vier <i>hersir</i> als regionale Anführer mit einem <i>hird</i> von jeweils 20 Mann. Diese etwa 140 Mann eines Jarls galten schon als Heer!<br />
Zwar konnte im Kriegsfalls der <i>leidang</i>, eine Art Miliz, einberufen werden, die dann den Großteil des Heeres ausmachte, aber die Wikinger, die Europa im 9. und 10. Jahrhundert heimsuchten, waren so gut wie alle Hirdmen eines „niederen Adligen“ &#8211; wenn man einen Sohn eines Großbauern so nennen will.<br />
Ein typisches „Wikingerheer“ bestand also aus höchstens ein paar tausend Mann, und ein Wikingerüberfall  war eher ein „Kommandounternehmen“ eines kleinen Haufens Kämpfer als eine „Invasion“.</p>
<h3>11. &#8220;Die Wikinger waren harte Kämpfer, aber tapfer und aufrichtig&#8221;</h3>
<p>Die Sagas wie die Heldenlieder lassen keinen Zweifel daran, dass Listen – bis hin zu ausgesprochen schmutzigen Tricks – nicht nur regelmäßig angewendet wurden, sondern sogar als rühmenswert galten. Die typische Taktik war der Überraschungsangriff, und die Wikinger sahen zu, dass sie mit der Beute verschwanden, bevor der Gegner den Widerstand organisieren konnte. Das „Danegeld“ und andere Tributzahlungen waren bei Licht besehen Schutzgelderpressungen. Auch große Feldzüge mit politischen Zielen waren offensichtlich von einem harten Pragmatismus bestimmt. Der „Raubhandel“, spricht Hehlerei, und der Sklavenfang und Sklavenhandel zeigen, dass der Ehrbegriff auch der als Kaufleute tätigen Wikinger ziemlich einseitig gewesen sein muss.</p>
<h3>12. &#8220;Alle Wikinger waren Nordgermanen&#8221;</h3>
<p>Auch wenn die meisten Wikinger Skandinavier waren, und heute die frühmittelalterliche nordgermanische Kultur oft einfach als „Wikingerkultur“ bezeichnet wird, waren die Mannschaften auf den Wikingerschiffen, nach den Sagatexten zu urteilen, oft ethnisch bunt gemischt. Vor allem Balten, aber auch Ostseeslawen und Männer aus (Alt-)Sachsen und dem Rheinland (also „Südgermanen“, wenn man so will) gingen, zusammen mit „Nordmännern“, „auf Viking“. Nicht eingerechnet sind dabei Menschen, die unfreiwillig, als Knechte oder Sklaven mitgenommen wurden.</p>
<h3>13. &#8220;Die Wikinger achteten auf die Reinheit ihrer Art&#8221;</h3>
<p>Das ist eine fixe Idee neuzeitlicher Rassisten. Über die Hälfte der Vorfahren der heutigen Isländer, einer Volksgruppe, die zwischen dem späten Mittelalter und der Moderne sehr isoliert war, und deshalb ein beliebtes Objekt für genetische Untersuchung sind, stammten nicht aus Skandinavien, sondern aus Britannien, Irland, dem Baltikum und anderen Teilen Europas. Eine der im berühmten Königinnengrab von Oseberg bestatteten Frauen hatte Vorfahren, die vom Schwarzen  Meer stammten, ein Mann in einem spätantiken dänischen Grab stammte offensichtlich aus dem arabischen Raum, usw. . Heutigen Rassisten, die angesichts dieser Tatsachen behaupten, die „alten Nordgermanen“ hätten wenigstens darauf geachtet, nur „weiße“ Frauen zu nehmen (an „fremde“ Ehemänner denken sie bezeichnenderweise nicht), sei gesagt, dass einige Isländer eine Gensequenz haben, die unter Europäern sonst nicht vorkommt – aber bei Ostasiaten und bei nordamerikanischen Indianern.</p>
<h3>14. &#8220;Frauen hatten bei den Wikingern wenig zu sagen&#8221;</h3>
<p>Der heutige Wikingermythos sieht die Wikinger als Männer, als Krieger, Seefahrer oder tatkräftige Siedler. Es kann auch kaum ein Zweifel daran bestehen, dass die wikingerzeitliche Gesellschaft „patriarchalisch“ war, also Männer privilegierte. Allerdings lag die Wirtschaft und Verwaltung der Höfe während der monatelangen Abwesenheit ihrer Männer in den Händen der Frauen – was nicht möglich gewesen wäre, wenn die soziale Stellung der Frauen sehr niedrig gewesen wäre. Aus Island ist sogar die einseitige Ehescheidung durch die Frau bekannt. Während Raubzüge und Krieg „Männersache“ waren, galt das nicht für die Kolonisation und auch nicht für den Handel: Die für die Gräber von Händlern typischen Waagen und Gewichte als Grabbeigabe fanden sich zu 20% in Frauengräbern.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/60357/8267893"><img src="http://u1.ipernity.com/15/78/93/8267893.2e45d83e.500.jpg" width="375" height="500" alt="" border="0"/></a><br />
Foto: Phoenix</p>
<h3>15. &#8220;Die Wikingerzüge wurden durch Überbevölkerung ausgelöst&#8221;</h3>
<p>Das Problem der Forschung über die Ursachen der Wikingerzüge liegt darin, dass zeitgenössische Texte darüber nur wenig Auskunft geben, und die wenige Quellen dann noch von Behauptungen über die sexuelle Zügellosigkeit der Heiden und die noch auf römische Autoren zurückgehende Behauptung, skandinavische Frauen seien ungeheuer fruchtbar, überlagert sind. Obwohl Hungersnöte oder Mangel an bebaubarem Land in einzelnen Fällen tatsächlich frühmittelalterliche Skandinavier zur Auswanderung veranlassten, und die Behauptung, dass vor allem jüngere Söhne, die beim Erbe leer ausgegangen waren, in die Ferne zogen, nicht völlig aus der Luft gegriffen ist – von einer Überbevölkerung Südskandinaviens und Dänemarks konnte keine Rede sein. Es gibt tatsächlich keine archäologischen Hinweise, die für eine Überbevölkerung dieser Gebiete im 8. und 9. Jahrhundert sprechen würden, und es fehlen auch Spuren, die auf eine erhöhte Sterblichkeit durch Unterernährung oder Seuchen hinweisen könnten. Adam von Bremen schrieb noch gegen Ende des 11. Jahrhunderts, dass Jütland und Norwegen über weite Strecken brach lagen. Landknappheit war also nicht die Hauptursache der wikingerzeitlichen Expansion.</p>
<h3>16. &#8220;Wikinger strebten den Heldentod an&#8221;</h3>
<p>Alles deutet darauf hin, dass die Wikinger ihre Beutezüge gern überlebten, allein schon, weil ein Toter nichts von der Beute hat, wie es im Hávamál ziemlich offen gesagt wird. Eben jenes Hávamál, deren Schlussvers den neuzeitlichen Germanentümlern oft missbraucht wurde, um den „Heldentod“ zu verherrlichen. In der Übersetzung von Felix Genzmer lautet er: „Besitzt stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst wie sie; eines weiß ich, das ewig lebt: des Toten Tatenruhm“. Er muss aber im Kontext gesehen werden. Der Vers: „Der Handlose hütet, der Hinkende reitet, tapfer der Taube kämpft; blind ist besser als verbrannt zu sein, nichts taugt mehr, wer tot“, ermutigt z. B. schwer verwundete Krieger ausdrücklich zum Weiterleben. Es gibt zwar wirklich Sagastellen, die von der Angst alter Recken berichten, den „Strohtod“, also den Tod im Bett, zu sterben, allerdings muss auch das im jeweiligen Kontext gesehen werden &#8211; und vor dem Hintergrund, dass die Sagas, wie die Heldenlieder, schon höfische Dichtung waren und nicht die Ansichten der Krieger auf dem Schlachtfeld wiedergeben.</p>
<h3>17. &#8220;Die Wikinger waren so verbissene Kämpfer, weil sie auf eine Belohnung im Jenseits hofften&#8221;</h3>
<p>Es gibt keine zeitgenössische Quelle, dass Wikinger tatsächlich darauf gehofft hätten, nach dem Tod in „Odins Kriegerparadies“ einzugehen. Es ist durchaus offen, wie weit die  Vorstellung, die „gefallenen Helden“ kämen nach Walhall, wirklich unter den einfachen Kriegern verbreitet war. Selbst wenn man die eddischen Mythen beim Wort nimmt, ist Walhall eher ein Trainingslager für den Endkampf mit den „Mächten des Chaos“ im Ragnarök als ein Paradies. Also eine Zwischenstation, kein ewige Glückseeligkeit. Übersehen wird auch gerne, dass nicht Odin, sondern Freyja die erste Wahl unter den Gefallenen hat.<br />
Was die Wikinger motivierte waren sehr diesseitige Gründe: Beute, Land, Macht, oder auch, in der Phase, als sich die nordischen „Großkönige“ durchsetzten, persönliche und politische Freiheit.</p>
<h3>18. &#8220;Die Wikingerfeldzüge waren gegen das Christentum gerichtet&#8221;</h3>
<p>Die naheliegendste Erklärung, wieso die frühen Wikingerüberfälle sich gegen Klöster und Kirchen wendeten, ist, dass dort am meisten zu holen war – bei relativ überschaubarem Risiko. Da der Übergang zur (feudalen) Staatlichkeit mit starker Zentralgewalt des Königs mit der Christianisierung Hand in Hand ging, sich Kirche und Fürsten gegenseitig stützten (und gegenseitig instrumentalisierten), war der Kampf gegen die bäuerliche Selbstregierung einerseits und gegen „Kleinkönige“ andererseits mit der „Bekämpfung des Heidentums“ eng verbunden. Allerdings kann man nicht sagen, dass „heidnisch“ automatisch für „bäuerlich-selbstbestimmt“ und „christlich“ für „feudal-zentralistisch“ standen. Die Christianisierung war, allerdings von einigen blutigen Ausnahmen abgesehen, ein eher friedlicher und eher unspektakulärer Vorgang. Allerdings dürfte die Darstellung vom freudig und freiwillig angenommenen neuen Glauben ebenfalls falsch sein; der „freiwilligen“ Annahme des Christentums durch das Althing in Island ging eine massive Erpressung des norwegischen Königs Olav zuvor.<br />
Für viele Nordländer kam es offensichtlich auf einen Gott mehr oder weniger nicht an, die  pragmatische Sicht zeigte sich in der Kunst und am deutlichsten in Gussformen, in denen sowohl Thorshämmer wie christliche Kreuze gegossen werden konnten. Erst im 12. Jahrhundert, in der Zeit der Kreuzzüge und der Kirchenreform, wurde der Synkretismus zwischen Heidentum und Christentum durch die „zweite Christanisierung“ weitgehend beendet.</p>
<h3>19. &#8220;Die Christianisierung bedeutete das Ende des Wikingertums&#8221;</h3>
<p>So sehr die frümittelalterlichen Chronisten in ihren Klöstern die Untaten der heidnischen Wikinger verdammten, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Krieger aus dem Norden nach erfolgter Taufe weniger grausam gewesen wären. Die Häufigkeit, mit der der Begriff <i>vikingr</i> noch gut 200 Jahre nach der Christanisierung auftaucht, deutet darauf hin, dass Seeraub und Kleinkrieg noch weit verbreitetet gewesen sein müssen. Das Ende der Wikingerzeit kam mit dem Erstarken der staatlichen Zentralgewalt auch in Nordeuropa, als nicht einmal mehr ein Jarl, geschweige denn jemand geringeren Ranges, mit einer freiwilligen Gefolgschaft auf eigene Faust „auf Viking“ gehen konnte. Das Christentum trug zu dieser Entwicklung nur indirekt bei, indem die Herrscher die neue Religion und ihrer Strukturen nutzten, um ihre Autorität zu stärken. Die Kirche wurde zum Werkzeug des Staates. Auch der „rein kriminelle“ Seeraub hatte es mit dem Aufkommen großer stehender Heere und Flotten zunehmend schwer. Der Fernhandel, das andere kennzeichnende Element des Wikingerzeit, brach teils zusammen und nahm andernteils eine andere, straffer organisierte, Struktur an, nachdem der wikingerzeitliche Silberhandel im 11. Jahrhundert zusammengebrochen war und das vormalige Ostfrankenreich (das spätere Deutschland) an Macht gewonnen hatten.</p>
<h3>20. &#8220;Dass Wikinger je etwas anderes als Räuber gewesen wären, ist ein Produkt nationalromantischer Geschichtsschreibung&#8221;</h3>
<p>Diese Ansicht ist einerseits sozusagen das Gegenstück zu der romantischen Verklärung der Wikingerzeit, und sie ist, anders als die ebenfalls als Gegenstück zur Nationalromantik zu sehenden „Barbarentheorie“, sogar historisch fundiert. Beschränkt man „Wikinger“ nämlich auf die tatsächlich in mittelalterlichen Texten ausdrücklich <i>vikingr</i> genannten Menschen, dann waren das in der Tat durchweg Seeräuber oder blutige Privatfehden führende Freischärler, bestenfalls „Raubhändler“. Es ist einerseits sicher nicht historisch korrekt, alle mit der nordeuropäischen Expansion des frühen Mittelalters einhergehenden Aktivitäten, einschließlich der Kolonisation im Nordatlantik, unter dem Stichwort „Wikinger“ zusammenzufassen. Anderseits ist auch eine Engführung problematisch, weil die negative Konnotation von <i>vikingr</i> sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, und das Wort <i>viking</i> alle langen Seereisen umfasste.</p>
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		<title>Ein Klassiker zum Thema Runen &#8211; Klaus Düwel: Runenkunde</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 17:43:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sach- und Fachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Runen]]></category>

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		<description><![CDATA[<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" rel="lightbox[4056]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Klaus Düwel - Runenkunde" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" alt="Klaus Düwel - Runenkunde" width="153" height="250" /></a></div>
<p>Runenforschung bewegt sich zwischen den Disziplinen der Archäologie, Sprachgeschichte, Religions- und Kulturgeschichte hin und her. Sie befaßt sich mit Inschriften vom 1. nachchristlichen Jahrhundert bis ins Mittelalter. Klaus Düwel hat mit seiner &#8220;Runenkunde&#8221;, in den späten Siebzigern erstmals erschienen und mit der neuesten Ausgabe 2008 gründlich aktualisiert, einen gehaltvollen, aber handlichen Überblick vorgelegt. In großer Detailtiefe werden so unterschiedliche Funde wie kontinentalgermanische Schmuckstücke, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franks_Casket">Franks Casket</a>, wikingerzeitliche Gedenksteine und Runenmanuskripte dargestellt, außerdem ein Überblick über die Problematik des Ursprungs der Runenschrift gegeben sowie literarische Zeugnisse für die Verwendung von Runen vorgestellt. Beispiele für Geheimrunen bzw. Verschlüsselungen und Hinweise auf Runenmagie werden nur kurz erörtert, ein Überblick über die Geschichte der Runenforschung fehlt gleichfalls nicht. <span id="more-4056"></span><br />
Düwels Buch ist eher an ein akademisches Publikum gerichtet und darum keine leichte Lektüre, es wirkt auf Leser, die diesen Stil nicht gewohnt sind, wahrscheinlich recht trocken. Zu exemplarischen Funden werden jeweils unterschiedliche Forschungsmeinungen dargelegt, insbesondere zu frühgermanischen Funden ergeben sich aus unterschiedlichen Lesarten teilweise drastisch verschiedene Deutungen. Es gehört zur wissenschaftlichen Natur dieses Buches, daß nur mit großer Vorsicht definitive Aussagen gemacht werden.</p>
<p>Ich möchte dieses Buch, obwohl es nicht ganz anspruchslos ist, jeder und jedem ans Herz legen, die oder der sich mit Runen befassen möchte. Denn: Es schärft den Blick für das historisch Gewesene und damit die Fähigkeit, auch in esoterischer Literatur Sinnvolles von Zweifelhaftem zu unterscheiden; wer sich im spirituellen Zusammenhang mit Runen befaßt, kann aus diesem Buch bereits wertvolle Anregungen zum Gebrauch der alten Zeichen mitnehmen, wenn auch die wissenschaftliche Darlegung naturgemäß als &#8216;Ritualrezeptbuch&#8217; nicht taugt. Darüber hinaus: was die historischen RunenmeisterInnen (es gibt deutliche Hinweise, daß die Runenkunde nicht immer in Männerhänden lag) alles mit den Runen angefangen haben, ist teilweise überraschend, spannend und läßt Elemente von Denken und Leben erahnen, die aus sonstigen Quellen nicht zugänglich sind. Dem 278-Seiten-Band fehlt lediglich ein Stichwortverzeichnis, er gehört zu den Büchern, die ich immer griffbereit haben will.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/sach-und-fachbucher/">Sach- und Fachbücher</a> by Thursa <a href="http://www.nornirsaett.de/ein-klassiker-zum-thema-runen-klaus-duwel-runenkunde/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" rel="lightbox[4056]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Klaus Düwel - Runenkunde" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" alt="Klaus Düwel - Runenkunde" width="153" height="250" /></a></div>
<p>Runenforschung bewegt sich zwischen den Disziplinen der Archäologie, Sprachgeschichte, Religions- und Kulturgeschichte hin und her. Sie befaßt sich mit Inschriften vom 1. nachchristlichen Jahrhundert bis ins Mittelalter. Klaus Düwel hat mit seiner &#8220;Runenkunde&#8221;, in den späten Siebzigern erstmals erschienen und mit der neuesten Ausgabe 2008 gründlich aktualisiert, einen gehaltvollen, aber handlichen Überblick vorgelegt. In großer Detailtiefe werden so unterschiedliche Funde wie kontinentalgermanische Schmuckstücke, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franks_Casket">Franks Casket</a>, wikingerzeitliche Gedenksteine und Runenmanuskripte dargestellt, außerdem ein Überblick über die Problematik des Ursprungs der Runenschrift gegeben sowie literarische Zeugnisse für die Verwendung von Runen vorgestellt. Beispiele für Geheimrunen bzw. Verschlüsselungen und Hinweise auf Runenmagie werden nur kurz erörtert, ein Überblick über die Geschichte der Runenforschung fehlt gleichfalls nicht. <span id="more-4056"></span><br />
Düwels Buch ist eher an ein akademisches Publikum gerichtet und darum keine leichte Lektüre, es wirkt auf Leser, die diesen Stil nicht gewohnt sind, wahrscheinlich recht trocken. Zu exemplarischen Funden werden jeweils unterschiedliche Forschungsmeinungen dargelegt, insbesondere zu frühgermanischen Funden ergeben sich aus unterschiedlichen Lesarten teilweise drastisch verschiedene Deutungen. Es gehört zur wissenschaftlichen Natur dieses Buches, daß nur mit großer Vorsicht definitive Aussagen gemacht werden.</p>
<p>Ich möchte dieses Buch, obwohl es nicht ganz anspruchslos ist, jeder und jedem ans Herz legen, die oder der sich mit Runen befassen möchte. Denn: Es schärft den Blick für das historisch Gewesene und damit die Fähigkeit, auch in esoterischer Literatur Sinnvolles von Zweifelhaftem zu unterscheiden; wer sich im spirituellen Zusammenhang mit Runen befaßt, kann aus diesem Buch bereits wertvolle Anregungen zum Gebrauch der alten Zeichen mitnehmen, wenn auch die wissenschaftliche Darlegung naturgemäß als &#8216;Ritualrezeptbuch&#8217; nicht taugt. Darüber hinaus: was die historischen RunenmeisterInnen (es gibt deutliche Hinweise, daß die Runenkunde nicht immer in Männerhänden lag) alles mit den Runen angefangen haben, ist teilweise überraschend, spannend und läßt Elemente von Denken und Leben erahnen, die aus sonstigen Quellen nicht zugänglich sind. Dem 278-Seiten-Band fehlt lediglich ein Stichwortverzeichnis, er gehört zu den Büchern, die ich immer griffbereit haben will.</p>
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		<item>
		<title>Hexen, Schamanen und Priesterinnen im Wandel der Zeit</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/hexen-schamanen-und-priesterinnen-im-wandel-der-zeit/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 16:07:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sach- und Fachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Hexen]]></category>
		<category><![CDATA[Hexenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Neoschamanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Priester]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Schamanen]]></category>
		<category><![CDATA[Schamanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Carola Seeler<br />
<b>Hexen, Schamanen und Priesterinnen im Wandel der Zeit</b><br />
Traditionelle und moderne Formen in Vergangenheit und Gegenwart<br />
Bohmeier Verlag, Leipzig, 2010, ISBN 978-3-89094-642-9</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/9946365"><img src="http://u1.ipernity.com/17/63/65/9946365.45852b12.240.jpg" width="170" height="240" alt="HexenSchamanen" border="0"/></a></p>
<p>In „Hexen, Schamanen und PriesterInnen im Wandel der Zeit“ will die Verfasserin, wie sie im Vorwort schreibt, Informationen geben, aber nicht ein bereits definiertes Ergebnis erzielen, schon gar nicht will sie es durch Bildung von Tendenzen vorwegnehmen.<br />
Das deutet auf ein Buch zwischen Nachschlagewerk und Sachbuch hin. In der Tat würde es eine Lücke füllen, zwischen Bücher, deren Autoren ständig Antworten geben (auch wenn es ihnen selbst an Wissen und Einsicht fehlen sollte, auch wenn sie gar nicht gefragt wurden), und solchen, die den Leser oder die Leserin mit Fakten zuschütten, ohne Hinweise, was sie oder er mit diesen Wissen anfangen kann oder was das alles mit dem „normalen Leben“ zu tun hat.</p>
<p>Schon beim flüchtigen Durchblättern fallen die vielen, ausführlichen Fußnoten und das lexikon-ähnliche Glossar auf, was dem Anspruch, dass „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ auch ein „Wissensspeicher“ zum Nachlesen sein soll, entspricht.</p>
<p>Der erste Abschnitt des Buches, mit der Überschrift „Die Hexe und der europäische „Sonderweg““<br />
skizziert in groben Zügen die historische Entwicklung des Hexereibegriffs: Vor dem ausgehenden Mittelalter hätte es zwar, wie überall in der Welt, den Glauben an Schadenzauber gegeben, aber keinen Hexereibegriff: Zum (europäischen) Begriff der Hexerei gehöre untrennbar die Vorstellung eines Teufelspaktes. Ein Abriss über die Hexenverfolgung, in dem auch einige populäre, aber falsche Vorstellung, z. B. hinsichtlich der Opferzahl, richtig gestellt werden, rundet diesen Abschnitt ab.</p>
<p>Der zweite Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 1“, lenkt, nach einer kurzen historischen Einordnung, den Blick auf die heutige Zeit, auf die „Hexe in uns“, auf die „Hexe als Symbol“ und auf die „moderne Hexen“ und die Zusammenhänge zwischen Hexen und Schamanismus. Damit geht die Verfasserin zum zweiten Hauptthema des Buches, dem „Schamanismus“, über: es folgt ein Abriss über den traditionellen Schamanismus, der auch auf die umstrittene Frage eingeht, ob es einen traditionellen europäischen Schamanismus gäbe..</p>
<p>Der dritte Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 2“ widmet sich zunächst dem modernen Schamanismus und geht insbesondere auf den Kernschamanismus (Core Shamanism) ein. Hauptsächlich geht es in diesem Abschnitt aber um Seher, Orakel und Prophezeiungen. Der abschließende Teil diesen Abschnitts ist den Priestern gewidmet, und zeigt auf, wie unterschiedlich die Funktionen eines „Priesters“ (oder einer Priesterin) im Altertum, bei den Kelten, Germanen und Slawen, im frühen und im modernen Christentum waren. Die Verfasserin arbeitet die großen Unterschiede im Priesterbegriff, auch zwischen den christlichen Konfessionen – auf die protestantische Vorstellung eines „allgemeinen Priestertums“, in den es keinen Priester im katholischen Sinne gibt, geht sie ausdrücklich ein.</p>
<p>„Schmelztiegel Europa“ ist Fazit und Nachwort der Verfasserin.Es folgt der schon erwähnte ausführliche Lexikonteil.</p>
<p>Dieser schmale, schlicht gestaltete und mit einem eher sperrigen Titel versehene Band steht rein äußerlich im Kontrast zu den bunten, aber inhaltlich dünnen, Büchern über Schamanen oder Hexen im „Esoterik“-Regal der Buchhandlungen. Offen heraus gesagt, halte ich die meisten dieser Bücher schlicht für überflüssig.<br />
Das Buch ist, durchaus im Gegensatz zu vielen der von mir erwähnten „esoterischen“ Bücher über Hexen und Schamanen, gut recherchiert. Obwohl bei Bohmeier, bekannt als „Esoterik-Verlag“ („Fachbücher für Magie und alternative Weltsichten“) erschienen, ist es eindeutig kein „Eso-Buch“ und ist im Grunde in der „Esoterik-Ecke“, zwischen „Hexe Thea“ und „Das Geheimnis der Dualseelen“, fehl am Platze. Überflüssig ist &#8220;Hexen, Schamanen, PriesterInnen&#8221; gewiss nicht.<br />
Die Zielgruppe sind offensichtlich interessierte Laien. Dieses Sachbuch verlangt kein Vorwissen, aber ernsthaftes Interesse und die Bereitschaft, selbst weiterzudenken. Es auch kein Buch zum unterhaltsamen Nebenherschmökern.</p>
<p>Im Großen und Ganzen erfüllt „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ den von der Verfasserin erhobenen Anspruch, Informationen zu geben, ohne einen zu festen Deutungsrahmen vorzugeben.<br />
Allerdings hat das Buch leider auch einige Schwächen. Es ist, jedenfalls aus meiner Sicht, etwa konfus geraten. Eine klare, logische Gliederung, etwa nach dem Prinzip: „historische Hexen – modernen Hexen“, „traditionelle Schamanen – moderne Schamanen“ usw. hätte die Nutzbarkeit als  Nachschlagewerk sicher verbessert. Konfus ist manchmal auch die Sprache Carola Seelers, es gibt einige Stellen, bei denen ich auch beim dritten Lesen nicht wusste, worauf die Verfasserin hinaus will. Vielleicht hätte ein engagiertes Lektoriat dem Buch gut getan.</p>
<p>Damit bin ich bei etwas, was ich ziemlich schade finde: der, ich kann es leider nicht anders nennen, lieblose Umgang des Verlags mit dem Buch. Das fängt beim Titel an – er sollte, nach Angaben Carola Seelers, ursprünglich „der blinde Fleck“ heißen, denn es geht ja tatsächlich um einen „blinden Fleck“ in der üblichen Wahrnehmung der „christlich-abendländischen“ (neuerdings: jüdisch-christlichen) Kultur. Auch dass das „Binnen-I“ in „PriesterInnnen“ in der Typographie des Titels wegfiel, ist meiner Ansicht nach keine Nebensächlichkeit. Im Inneren setzt sich der Eindruck einen lieblosen Edition leider fort.</p>
<p>MartinM, Januar 2011</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/sach-und-fachbucher/">Sach- und Fachbücher</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/hexen-schamanen-und-priesterinnen-im-wandel-der-zeit/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Carola Seeler<br />
<b>Hexen, Schamanen und Priesterinnen im Wandel der Zeit</b><br />
Traditionelle und moderne Formen in Vergangenheit und Gegenwart<br />
Bohmeier Verlag, Leipzig, 2010, ISBN 978-3-89094-642-9</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/9946365"><img src="http://u1.ipernity.com/17/63/65/9946365.45852b12.240.jpg" width="170" height="240" alt="HexenSchamanen" border="0"/></a></p>
<p>In „Hexen, Schamanen und PriesterInnen im Wandel der Zeit“ will die Verfasserin, wie sie im Vorwort schreibt, Informationen geben, aber nicht ein bereits definiertes Ergebnis erzielen, schon gar nicht will sie es durch Bildung von Tendenzen vorwegnehmen.<br />
Das deutet auf ein Buch zwischen Nachschlagewerk und Sachbuch hin. In der Tat würde es eine Lücke füllen, zwischen Bücher, deren Autoren ständig Antworten geben (auch wenn es ihnen selbst an Wissen und Einsicht fehlen sollte, auch wenn sie gar nicht gefragt wurden), und solchen, die den Leser oder die Leserin mit Fakten zuschütten, ohne Hinweise, was sie oder er mit diesen Wissen anfangen kann oder was das alles mit dem „normalen Leben“ zu tun hat.</p>
<p>Schon beim flüchtigen Durchblättern fallen die vielen, ausführlichen Fußnoten und das lexikon-ähnliche Glossar auf, was dem Anspruch, dass „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ auch ein „Wissensspeicher“ zum Nachlesen sein soll, entspricht.</p>
<p>Der erste Abschnitt des Buches, mit der Überschrift „Die Hexe und der europäische „Sonderweg““<br />
skizziert in groben Zügen die historische Entwicklung des Hexereibegriffs: Vor dem ausgehenden Mittelalter hätte es zwar, wie überall in der Welt, den Glauben an Schadenzauber gegeben, aber keinen Hexereibegriff: Zum (europäischen) Begriff der Hexerei gehöre untrennbar die Vorstellung eines Teufelspaktes. Ein Abriss über die Hexenverfolgung, in dem auch einige populäre, aber falsche Vorstellung, z. B. hinsichtlich der Opferzahl, richtig gestellt werden, rundet diesen Abschnitt ab.</p>
<p>Der zweite Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 1“, lenkt, nach einer kurzen historischen Einordnung, den Blick auf die heutige Zeit, auf die „Hexe in uns“, auf die „Hexe als Symbol“ und auf die „moderne Hexen“ und die Zusammenhänge zwischen Hexen und Schamanismus. Damit geht die Verfasserin zum zweiten Hauptthema des Buches, dem „Schamanismus“, über: es folgt ein Abriss über den traditionellen Schamanismus, der auch auf die umstrittene Frage eingeht, ob es einen traditionellen europäischen Schamanismus gäbe..</p>
<p>Der dritte Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 2“ widmet sich zunächst dem modernen Schamanismus und geht insbesondere auf den Kernschamanismus (Core Shamanism) ein. Hauptsächlich geht es in diesem Abschnitt aber um Seher, Orakel und Prophezeiungen. Der abschließende Teil diesen Abschnitts ist den Priestern gewidmet, und zeigt auf, wie unterschiedlich die Funktionen eines „Priesters“ (oder einer Priesterin) im Altertum, bei den Kelten, Germanen und Slawen, im frühen und im modernen Christentum waren. Die Verfasserin arbeitet die großen Unterschiede im Priesterbegriff, auch zwischen den christlichen Konfessionen – auf die protestantische Vorstellung eines „allgemeinen Priestertums“, in den es keinen Priester im katholischen Sinne gibt, geht sie ausdrücklich ein.</p>
<p>„Schmelztiegel Europa“ ist Fazit und Nachwort der Verfasserin.Es folgt der schon erwähnte ausführliche Lexikonteil.</p>
<p>Dieser schmale, schlicht gestaltete und mit einem eher sperrigen Titel versehene Band steht rein äußerlich im Kontrast zu den bunten, aber inhaltlich dünnen, Büchern über Schamanen oder Hexen im „Esoterik“-Regal der Buchhandlungen. Offen heraus gesagt, halte ich die meisten dieser Bücher schlicht für überflüssig.<br />
Das Buch ist, durchaus im Gegensatz zu vielen der von mir erwähnten „esoterischen“ Bücher über Hexen und Schamanen, gut recherchiert. Obwohl bei Bohmeier, bekannt als „Esoterik-Verlag“ („Fachbücher für Magie und alternative Weltsichten“) erschienen, ist es eindeutig kein „Eso-Buch“ und ist im Grunde in der „Esoterik-Ecke“, zwischen „Hexe Thea“ und „Das Geheimnis der Dualseelen“, fehl am Platze. Überflüssig ist &#8220;Hexen, Schamanen, PriesterInnen&#8221; gewiss nicht.<br />
Die Zielgruppe sind offensichtlich interessierte Laien. Dieses Sachbuch verlangt kein Vorwissen, aber ernsthaftes Interesse und die Bereitschaft, selbst weiterzudenken. Es auch kein Buch zum unterhaltsamen Nebenherschmökern.</p>
<p>Im Großen und Ganzen erfüllt „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ den von der Verfasserin erhobenen Anspruch, Informationen zu geben, ohne einen zu festen Deutungsrahmen vorzugeben.<br />
Allerdings hat das Buch leider auch einige Schwächen. Es ist, jedenfalls aus meiner Sicht, etwa konfus geraten. Eine klare, logische Gliederung, etwa nach dem Prinzip: „historische Hexen – modernen Hexen“, „traditionelle Schamanen – moderne Schamanen“ usw. hätte die Nutzbarkeit als  Nachschlagewerk sicher verbessert. Konfus ist manchmal auch die Sprache Carola Seelers, es gibt einige Stellen, bei denen ich auch beim dritten Lesen nicht wusste, worauf die Verfasserin hinaus will. Vielleicht hätte ein engagiertes Lektoriat dem Buch gut getan.</p>
<p>Damit bin ich bei etwas, was ich ziemlich schade finde: der, ich kann es leider nicht anders nennen, lieblose Umgang des Verlags mit dem Buch. Das fängt beim Titel an – er sollte, nach Angaben Carola Seelers, ursprünglich „der blinde Fleck“ heißen, denn es geht ja tatsächlich um einen „blinden Fleck“ in der üblichen Wahrnehmung der „christlich-abendländischen“ (neuerdings: jüdisch-christlichen) Kultur. Auch dass das „Binnen-I“ in „PriesterInnnen“ in der Typographie des Titels wegfiel, ist meiner Ansicht nach keine Nebensächlichkeit. Im Inneren setzt sich der Eindruck einen lieblosen Edition leider fort.</p>
<p>MartinM, Januar 2011</p>
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		<title>Biikebrennen in Nordfriesland</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/biikebrennen-in-nordfriesland/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Jan 2011 05:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Weltbild]]></category>
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		<category><![CDATA[Wodan]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=3761</guid>
		<description><![CDATA[<p><b>An den Stränden Nordfrieslands findet am 21. Februar, einen Monat vor der Tag- und Nachtgleiche, das Biikebrennen statt.</b><br />
<span id="more-3761"></span></p>
<p>Es gibt viele Volksbräuche, von denen behauptet wird, sie gingen bis auf &#8220;heidnische Zeiten&#8221; zurück. Ob das wirklich stimmt, ist in vielen Fällen fraglich. Zu viele &#8220;uralte Bräuche&#8221; lassen sich nämlich nur bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, sind also mutmaßlich neu geschaffen. Bei älteren Bräuchen lasst sich beim beim besten Willen nicht mehr sagen, was denn christlich, was nicht-christliches Brauchtum, und was wiederum davon, wenn überhaupt, vorchristlich ist. Die ältere Volkskunde neigte in Deutschland bekanntlich dazu, alles, was irgendwie altüberliefert war, für &#8220;germanisch&#8221; zu halten &#8211; obwohl zwischen &#8220;den heidnischen Germanen&#8221; und &#8220;den Deutschen&#8221; Jahrhunderte lagen. Daher ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn ein Volksbrauch &#8220;germanisch&#8221; (regional gern auch &#8220;keltisch&#8221;, eher selten genommen: &#8220;slawisch&#8221;) sein soll.</p>
<p>Es gibt auch das andere Extrem, und dieses Extrem sind (meist kirchliche oder kirchennahe) Experten und &#8220;Experten&#8221;, die bestreiten, dass unter den  Karnevals- bzw. Faschings- bzw. Fastnachts-Bräuchen auch solche sind, die überhaupt nichts mit dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit zu tun haben, sondern jahreszeitliches Brauchtum, vulgo &#8220;Winteraustreiben&#8221; genannt, sind. Fällt gar das Wort &#8220;heidnisch&#8221;, greifen sie innerlich zum Weihwasserspritzer. Nun ist Karneval / Fastnacht tatsächlich eine Melange, aus der sich beim bestem Willen die einzelnen Bestandteile nicht mehr ausfiltern lassen.</p>
<p>Beim friesischen Biikebrennen ist es hingegen weitgehend unstrittig, dass es zumindest teilweise heidnischen Ursprungs ist.<br />
<a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343"><img src="http://u1.ipernity.com/17/13/19/9931319.9a1d51fc.500.jpg" width="500" height="333" alt="107343 R K B by Hans-Peter-Dehn pixelio.de" border="0"/></a><br />
Foto: <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343" tatget="_blank">© Hans Peter Dehn / pixelio.de</a><br />
Das friesische Wort &#8220;Biike&#8221; bedeutet im allgemeine (&#8220;See-)Zeichen&#8221; (plattdeutsch &#8220;Bake&#8221; oder &#8220;Beeke&#8221;), hier in der besonderen Bedeutung &#8220;Feuerzeichen&#8221;.<br />
Die Feuer gelten als Opferfeuer zum Abschluss der Winterfeste. Ackerbau und Seefahrt ruhten im Winter notgedrungen, es gab also mehr &#8220;freie Zeit&#8221;, als den Bauern, Schippern und Fischern lieb gewesen sein dürfte. In den  Hansestädten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ruhte die Schifffahrt zwischen Martini (11. November) und Petri Stuhlfeier (&#8220;Peterstag&#8221;) (22. Februar). Die vielen Friesen, die auf hansischen Schiffen fuhren, waren also in dieser Zeit &#8220;saisonal arbeitslos&#8221;.<br />
Die Winterfeste (in etwa ein &#8220;bäuerliches Friesen-Fasching&#8221;) darf man sich nicht zu idyllisch vorstellen, sondern eher gemäß dem Prinzip &#8220;saure Zeiten, frohe Feste&#8221;. Es wird ziemlich deftig und alkoholseelig abgegangen sein, und die Menschen werden froh gewesen sein, wenn sie genug zum Essen hatten.<br />
Bis im Jahr 1867 (!) die preußische Gerichtsbarkeit das Laiengericht der Ratsmänner aufhob, war der 21. Februar in Nordfriesland Thingtag (Gerichtstag).<br />
Das Biikefest wurde dennoch örtlich an verschiedenen Tagen gefeiert,  jedoch stets vor Beginn der Fastenzeit, weshalb es auch als Fastnachtsbrauch gilt. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts findet es überall in Nordfriesland einheitlich am 21. Februar statt.</p>
<p>Ob tatsächlich, wie die ältere Volkskunde behauptet, Wodan, als Herrscher über Krieg und Sturm, durch die Opferfeuer milde gestimmt werden sollte, ist nicht gesichert.<br />
Immerhin plausibel ist ein Opfer zum Schutz der jungen Saat.</p>
<p>Dass das Biikebrennens in historischer Zeit ein Abschiedsfest für die Männer war, die als Walfänger zur See fuhren, ist zwar nicht falsch, aber die romantische Vorstellung von am Strand um die Biike versammelten Frauen, die den abfahrenden Schiffe nachwunken, ist eine Legende des 19. Jahrhunderts. Der Keitumer Chronist Henning Rinken berichtete, das vor 1760 sich alljährlich am 22. Februar in Keitum auf Sylt die Seeleute versammelten, um ihre Abfahrt zu den Walfanghäfen zu besprechen, und Heuerverträge für die kommende Fangsaison abzuschließen. Sie werden sicherlich auch Abschied gefeiert haben &#8211; schließlich waren sie oft monatelang fort. Aber die ziemlich großen Walfangschiffe hätten schwerlich direkt von den Inseln und kleinen Küstenorten aus in See gehen können, und mieden wegen ihres Tiefgangs auch die friesischen Inseln mit ihren tückischen Sandbänken und erst recht die Wattensee, weshalb die Männer auf den ausfahrenden Schiffen die brennenden Biiken am heimatlichen Strand gar nicht hätten sehen können.<br />
Die Männer fuhren auf kleinen Küstenseglern oder über Land erst zu den großen Hafenstädten Norddeutschlands und der Niederlande, und zwar sicher nicht alle auf einmal. Außerdem waren Ende Februar oft noch die Häfen zugefroren.<br />
Gartenzäune und -Tore aus Walknochen künden übrigens noch heute auf den friesischen Inseln davon, wie wichtig der Walfang war.</p>
<p>Biiken hatten aber auch einen praktischen Zweck, denn die Feuer dienten  den Küstenschiffern und Fischern als Orientierungspunkte. Das hat aber mit dem besonderen Brauch des Biikebrennens nicht viel zu tun.</p>
<p>Das Feuer brannte, wie aus dem 18. Jahrhundert überliefert ist, früher an bakenähnlichen Stangen. Noch im 19. Jahrhundert wird die Biike als brennende, mit Teer und Stroh gefüllte Tonne auf einer Stange beschrieben. Die heute üblichen großen Feuerstöße sind wahrscheinlich erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Erst seit dieser Zeit sind auch Weihnachtsbäume üblich, die heute einen wesentlichen Anteil des Biikematerials bilden.</p>
<p>In einige Dörfern wird im Biike-Feuer eine Strohpuppe verbrannt, die &#8220;Petermännchen&#8221; genannt wird und vielleicht den Winter symbolisiert. Fälschlich wird der Peterstag (nordfriesisch &#8220;piddersdai&#8221;) mit Petrus &#8211; immerhin Schutzpatron der Fischer &#8211; in Verbindung gebracht. Tatsächlich feiert die katholische Kirche das Fest &#8220;Kathedra Petri&#8221;, also den Stuhl des Papstes, bzw. die Vorrangstellung des Petrus-Amtes, was das Lehramt betrifft. Dass dieser Feiertag in Norddeutschland recht wichtig wurde, und es auch über die Reformation hinaus blieb, dürfte rein kalendarische Gründe haben &#8211; es gibt ja auch keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Martinstag und dem Ende der Seefahrtssaison. Die in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biikebrennen" target="_blank">Wikipedia</a> genannte Ansicht, das Petermännchen hätte nichts mit dem Heiligen Petrus, sondern mit dem Papst (also dem Petrus-Amt) und dem damit verbundenen christlichen Glauben zu tun, der abgelehnt wurde, ist aber meines Wissens ungesichtert.<br />
Es stimmt, dass die christliche Missionare es bei den Friesen nicht leicht hatten &#8211; etliche Missionare, allen voran Bonifatius, verdanken ihren Märtyrer-Status friesischen Streitäxten &#8211; und es stimmt auch, dass sich manches eindeutig heidnische Brauchtum dort bis in die Gegenwart gehalten hat. Nach Nordfriesland gelangte das Christentum ziemlich spät. Erst um 1100 wurden hier die ersten Kirchen gebaut &#8211; gut 300 Jahre nach der Christianisierung Sachsens (&#8220;Altsachsens&#8221;, also heutiges Niedersachsen und Westfalen nebst dem Westen Holsteins) und gut 100 Jahre nach der offiziellen Christianisierung Islands. Noch in einem Papst-Brief von 1198 werden die nordfriesischen Utlande als &#8220;neue Pflanzstätte des Glaubens&#8221; bezeichnet.<br />
Umso schneller lösten sich die Nordfriesen von &#8220;Rom&#8221;: Die Reformation wurde in Nordfriesland schon bald nach Luthers Auftreten in Wittenberg übernommen. Schon von 1525 an verkündeten Dietrich Becker und Hermann Tast in Husum das neue Gedankengut: Nordfriesland wurde evangelisch-lutherisch.<br />
Da man in den norddeutschen Küstenlandstrichen traditionell zur Rebellion gegen unerwünschte Obrigkeiten neigte, und da sie eine frühe Hochburg der Reformation waren, braucht eine symbolische Papstverbrennung, wenn es denn eine ist, nicht zwangsläufig heidnisch zu sein. Da die katholische Kirche am 22. Februar die Vorrangstellung des Papstes feiert, könnte der Brauch, das Petermännchen im Biikefeuer zu verbrennen, auch auf die Reformationszeit zurückgehen.</p>
<p>Auf den dänischen Wattenmeerinseln und in Jütland ist das Biikebrennen als Pers Awten (jütisch für Peters Abend) bekannt.</p>
<p>Einer Sylter Legende nach (die allerdings auch vermutlich erst im 19. Jahrhundert aufkam) diente das Biikebrennen auch als Zeichen für die Männer auf dem Festland, dass die Frauen nun wieder allein waren und Hilfe bei der Arbeit auf den Höfen und &#8220;anderen Dingen&#8221; benötigten. Historisch ist das äußerst unwahrscheinlich, denn es fuhr selbst in den Hochzeiten des Walfanges und der Segelschifffahrt nicht der Großteil der männlichen Bevölkerung zur See.<br />
Bis auf Offiziere, Unteroffiziere und Handwerker (z. B. Schiffszimmermann, Schmied, Segelmacher, Koch, aber auch Wundarzt), die auch älter sein konnten, fuhren auf Segelschiffen fast nur junge Männer zwischen 16 und höchstens Anfang 30. Die Arbeit in der Takelage eines Großseglers ist gefährlich, langsame Reflexe oder steife Gelenke können tödlich sein. Um die 30 wurde ein normaler Seemann an Land sesshaft oder wechselte zumindest in die küstennahe Kleinschifffahrt. Meistens heirateten die ehemaligen Seeleute auch erst in diesem Alter. </p>
<p>Auf Sylt hält heute vor dem Entzünden der Biike der Pastor oder der Bürgermeister eine Ansprache auf Sylter Friesisch. Sie endet traditionell mit den Worten &#8220;maaki di biiki ön!&#8221; (&#8220;Macht die Biike an!&#8221;). </p>
<p>Heute ist Biikebrennen auch, aber zum Glück nicht nur, eine Touristenattraktion. Das Biikebrennen ist in Nordfriesland ein Volksfest, das von den Einwohner der Gemeinde gemeinsam organisiert und von der örtlichen freiwilligen Feuerwehr betreut wird, wie andernorts das Osterfeuer.<br />
Zum Biikebrennen wird traditionell Grünkohl mit Kasseler und Schweinebacke gegessen, auch die örtliche Gastronomie bietet dieses deftige Gericht an. Das typische Getränk am Biikefeuer ist in den meisten Orten Teepunsch.<br />
Aus dem Erlös des Getränkeverkaufs werden in manchen Orten notwendige öffentliche Maßnahmen finanziert.</p>
<p>Es werden dieses Jahr wieder rund 80 Feuer zwischen Sylt und St. Peter Ording entzündet werden. </p>
<p><a href="http://www.nordseetourismus.de/download.php?artid={5d1bf079-6893-44b2-b4e4-ea88b25e395d}" Target="_blank">Biiekebrennen 2011 &#8211; Übersicht über Veranstaltungen (pdf)</a> (von Nordseetourismus.de)</p>
<p><a href="http://www.sylt-tv.com/biikebrennen-sylt-50919.html" target="_blank">Biikebrennen auf Sylt 2011</a></p>
<p><a href="http://www.st.peter-ording-nordsee.de/biikebrennen.html" target="_blank">Biikebrennen in St. Peter-Ording</a></p>
<p><a href="http://www.amrum.de/en/news/events/veranstaltungs-kalender/?tx_xmlimporter_pi1[showUid]=5&#038;cHash=33b45f573f9c5bf05c9708cc30e2137d" target="_blank">Biikebrennen auf Amrum</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/germanisches-kultur-weltbild/">Kultur &amp; Weltbild</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/biikebrennen-in-nordfriesland/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>An den Stränden Nordfrieslands findet am 21. Februar, einen Monat vor der Tag- und Nachtgleiche, das Biikebrennen statt.</b><br />
<span id="more-3761"></span></p>
<p>Es gibt viele Volksbräuche, von denen behauptet wird, sie gingen bis auf &#8220;heidnische Zeiten&#8221; zurück. Ob das wirklich stimmt, ist in vielen Fällen fraglich. Zu viele &#8220;uralte Bräuche&#8221; lassen sich nämlich nur bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, sind also mutmaßlich neu geschaffen. Bei älteren Bräuchen lasst sich beim beim besten Willen nicht mehr sagen, was denn christlich, was nicht-christliches Brauchtum, und was wiederum davon, wenn überhaupt, vorchristlich ist. Die ältere Volkskunde neigte in Deutschland bekanntlich dazu, alles, was irgendwie altüberliefert war, für &#8220;germanisch&#8221; zu halten &#8211; obwohl zwischen &#8220;den heidnischen Germanen&#8221; und &#8220;den Deutschen&#8221; Jahrhunderte lagen. Daher ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn ein Volksbrauch &#8220;germanisch&#8221; (regional gern auch &#8220;keltisch&#8221;, eher selten genommen: &#8220;slawisch&#8221;) sein soll.</p>
<p>Es gibt auch das andere Extrem, und dieses Extrem sind (meist kirchliche oder kirchennahe) Experten und &#8220;Experten&#8221;, die bestreiten, dass unter den  Karnevals- bzw. Faschings- bzw. Fastnachts-Bräuchen auch solche sind, die überhaupt nichts mit dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit zu tun haben, sondern jahreszeitliches Brauchtum, vulgo &#8220;Winteraustreiben&#8221; genannt, sind. Fällt gar das Wort &#8220;heidnisch&#8221;, greifen sie innerlich zum Weihwasserspritzer. Nun ist Karneval / Fastnacht tatsächlich eine Melange, aus der sich beim bestem Willen die einzelnen Bestandteile nicht mehr ausfiltern lassen.</p>
<p>Beim friesischen Biikebrennen ist es hingegen weitgehend unstrittig, dass es zumindest teilweise heidnischen Ursprungs ist.<br />
<a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343"><img src="http://u1.ipernity.com/17/13/19/9931319.9a1d51fc.500.jpg" width="500" height="333" alt="107343 R K B by Hans-Peter-Dehn pixelio.de" border="0"/></a><br />
Foto: <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343" tatget="_blank">© Hans Peter Dehn / pixelio.de</a><br />
Das friesische Wort &#8220;Biike&#8221; bedeutet im allgemeine (&#8220;See-)Zeichen&#8221; (plattdeutsch &#8220;Bake&#8221; oder &#8220;Beeke&#8221;), hier in der besonderen Bedeutung &#8220;Feuerzeichen&#8221;.<br />
Die Feuer gelten als Opferfeuer zum Abschluss der Winterfeste. Ackerbau und Seefahrt ruhten im Winter notgedrungen, es gab also mehr &#8220;freie Zeit&#8221;, als den Bauern, Schippern und Fischern lieb gewesen sein dürfte. In den  Hansestädten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ruhte die Schifffahrt zwischen Martini (11. November) und Petri Stuhlfeier (&#8220;Peterstag&#8221;) (22. Februar). Die vielen Friesen, die auf hansischen Schiffen fuhren, waren also in dieser Zeit &#8220;saisonal arbeitslos&#8221;.<br />
Die Winterfeste (in etwa ein &#8220;bäuerliches Friesen-Fasching&#8221;) darf man sich nicht zu idyllisch vorstellen, sondern eher gemäß dem Prinzip &#8220;saure Zeiten, frohe Feste&#8221;. Es wird ziemlich deftig und alkoholseelig abgegangen sein, und die Menschen werden froh gewesen sein, wenn sie genug zum Essen hatten.<br />
Bis im Jahr 1867 (!) die preußische Gerichtsbarkeit das Laiengericht der Ratsmänner aufhob, war der 21. Februar in Nordfriesland Thingtag (Gerichtstag).<br />
Das Biikefest wurde dennoch örtlich an verschiedenen Tagen gefeiert,  jedoch stets vor Beginn der Fastenzeit, weshalb es auch als Fastnachtsbrauch gilt. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts findet es überall in Nordfriesland einheitlich am 21. Februar statt.</p>
<p>Ob tatsächlich, wie die ältere Volkskunde behauptet, Wodan, als Herrscher über Krieg und Sturm, durch die Opferfeuer milde gestimmt werden sollte, ist nicht gesichert.<br />
Immerhin plausibel ist ein Opfer zum Schutz der jungen Saat.</p>
<p>Dass das Biikebrennens in historischer Zeit ein Abschiedsfest für die Männer war, die als Walfänger zur See fuhren, ist zwar nicht falsch, aber die romantische Vorstellung von am Strand um die Biike versammelten Frauen, die den abfahrenden Schiffe nachwunken, ist eine Legende des 19. Jahrhunderts. Der Keitumer Chronist Henning Rinken berichtete, das vor 1760 sich alljährlich am 22. Februar in Keitum auf Sylt die Seeleute versammelten, um ihre Abfahrt zu den Walfanghäfen zu besprechen, und Heuerverträge für die kommende Fangsaison abzuschließen. Sie werden sicherlich auch Abschied gefeiert haben &#8211; schließlich waren sie oft monatelang fort. Aber die ziemlich großen Walfangschiffe hätten schwerlich direkt von den Inseln und kleinen Küstenorten aus in See gehen können, und mieden wegen ihres Tiefgangs auch die friesischen Inseln mit ihren tückischen Sandbänken und erst recht die Wattensee, weshalb die Männer auf den ausfahrenden Schiffen die brennenden Biiken am heimatlichen Strand gar nicht hätten sehen können.<br />
Die Männer fuhren auf kleinen Küstenseglern oder über Land erst zu den großen Hafenstädten Norddeutschlands und der Niederlande, und zwar sicher nicht alle auf einmal. Außerdem waren Ende Februar oft noch die Häfen zugefroren.<br />
Gartenzäune und -Tore aus Walknochen künden übrigens noch heute auf den friesischen Inseln davon, wie wichtig der Walfang war.</p>
<p>Biiken hatten aber auch einen praktischen Zweck, denn die Feuer dienten  den Küstenschiffern und Fischern als Orientierungspunkte. Das hat aber mit dem besonderen Brauch des Biikebrennens nicht viel zu tun.</p>
<p>Das Feuer brannte, wie aus dem 18. Jahrhundert überliefert ist, früher an bakenähnlichen Stangen. Noch im 19. Jahrhundert wird die Biike als brennende, mit Teer und Stroh gefüllte Tonne auf einer Stange beschrieben. Die heute üblichen großen Feuerstöße sind wahrscheinlich erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Erst seit dieser Zeit sind auch Weihnachtsbäume üblich, die heute einen wesentlichen Anteil des Biikematerials bilden.</p>
<p>In einige Dörfern wird im Biike-Feuer eine Strohpuppe verbrannt, die &#8220;Petermännchen&#8221; genannt wird und vielleicht den Winter symbolisiert. Fälschlich wird der Peterstag (nordfriesisch &#8220;piddersdai&#8221;) mit Petrus &#8211; immerhin Schutzpatron der Fischer &#8211; in Verbindung gebracht. Tatsächlich feiert die katholische Kirche das Fest &#8220;Kathedra Petri&#8221;, also den Stuhl des Papstes, bzw. die Vorrangstellung des Petrus-Amtes, was das Lehramt betrifft. Dass dieser Feiertag in Norddeutschland recht wichtig wurde, und es auch über die Reformation hinaus blieb, dürfte rein kalendarische Gründe haben &#8211; es gibt ja auch keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Martinstag und dem Ende der Seefahrtssaison. Die in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biikebrennen" target="_blank">Wikipedia</a> genannte Ansicht, das Petermännchen hätte nichts mit dem Heiligen Petrus, sondern mit dem Papst (also dem Petrus-Amt) und dem damit verbundenen christlichen Glauben zu tun, der abgelehnt wurde, ist aber meines Wissens ungesichtert.<br />
Es stimmt, dass die christliche Missionare es bei den Friesen nicht leicht hatten &#8211; etliche Missionare, allen voran Bonifatius, verdanken ihren Märtyrer-Status friesischen Streitäxten &#8211; und es stimmt auch, dass sich manches eindeutig heidnische Brauchtum dort bis in die Gegenwart gehalten hat. Nach Nordfriesland gelangte das Christentum ziemlich spät. Erst um 1100 wurden hier die ersten Kirchen gebaut &#8211; gut 300 Jahre nach der Christianisierung Sachsens (&#8220;Altsachsens&#8221;, also heutiges Niedersachsen und Westfalen nebst dem Westen Holsteins) und gut 100 Jahre nach der offiziellen Christianisierung Islands. Noch in einem Papst-Brief von 1198 werden die nordfriesischen Utlande als &#8220;neue Pflanzstätte des Glaubens&#8221; bezeichnet.<br />
Umso schneller lösten sich die Nordfriesen von &#8220;Rom&#8221;: Die Reformation wurde in Nordfriesland schon bald nach Luthers Auftreten in Wittenberg übernommen. Schon von 1525 an verkündeten Dietrich Becker und Hermann Tast in Husum das neue Gedankengut: Nordfriesland wurde evangelisch-lutherisch.<br />
Da man in den norddeutschen Küstenlandstrichen traditionell zur Rebellion gegen unerwünschte Obrigkeiten neigte, und da sie eine frühe Hochburg der Reformation waren, braucht eine symbolische Papstverbrennung, wenn es denn eine ist, nicht zwangsläufig heidnisch zu sein. Da die katholische Kirche am 22. Februar die Vorrangstellung des Papstes feiert, könnte der Brauch, das Petermännchen im Biikefeuer zu verbrennen, auch auf die Reformationszeit zurückgehen.</p>
<p>Auf den dänischen Wattenmeerinseln und in Jütland ist das Biikebrennen als Pers Awten (jütisch für Peters Abend) bekannt.</p>
<p>Einer Sylter Legende nach (die allerdings auch vermutlich erst im 19. Jahrhundert aufkam) diente das Biikebrennen auch als Zeichen für die Männer auf dem Festland, dass die Frauen nun wieder allein waren und Hilfe bei der Arbeit auf den Höfen und &#8220;anderen Dingen&#8221; benötigten. Historisch ist das äußerst unwahrscheinlich, denn es fuhr selbst in den Hochzeiten des Walfanges und der Segelschifffahrt nicht der Großteil der männlichen Bevölkerung zur See.<br />
Bis auf Offiziere, Unteroffiziere und Handwerker (z. B. Schiffszimmermann, Schmied, Segelmacher, Koch, aber auch Wundarzt), die auch älter sein konnten, fuhren auf Segelschiffen fast nur junge Männer zwischen 16 und höchstens Anfang 30. Die Arbeit in der Takelage eines Großseglers ist gefährlich, langsame Reflexe oder steife Gelenke können tödlich sein. Um die 30 wurde ein normaler Seemann an Land sesshaft oder wechselte zumindest in die küstennahe Kleinschifffahrt. Meistens heirateten die ehemaligen Seeleute auch erst in diesem Alter. </p>
<p>Auf Sylt hält heute vor dem Entzünden der Biike der Pastor oder der Bürgermeister eine Ansprache auf Sylter Friesisch. Sie endet traditionell mit den Worten &#8220;maaki di biiki ön!&#8221; (&#8220;Macht die Biike an!&#8221;). </p>
<p>Heute ist Biikebrennen auch, aber zum Glück nicht nur, eine Touristenattraktion. Das Biikebrennen ist in Nordfriesland ein Volksfest, das von den Einwohner der Gemeinde gemeinsam organisiert und von der örtlichen freiwilligen Feuerwehr betreut wird, wie andernorts das Osterfeuer.<br />
Zum Biikebrennen wird traditionell Grünkohl mit Kasseler und Schweinebacke gegessen, auch die örtliche Gastronomie bietet dieses deftige Gericht an. Das typische Getränk am Biikefeuer ist in den meisten Orten Teepunsch.<br />
Aus dem Erlös des Getränkeverkaufs werden in manchen Orten notwendige öffentliche Maßnahmen finanziert.</p>
<p>Es werden dieses Jahr wieder rund 80 Feuer zwischen Sylt und St. Peter Ording entzündet werden. </p>
<p><a href="http://www.nordseetourismus.de/download.php?artid={5d1bf079-6893-44b2-b4e4-ea88b25e395d}" Target="_blank">Biiekebrennen 2011 &#8211; Übersicht über Veranstaltungen (pdf)</a> (von Nordseetourismus.de)</p>
<p><a href="http://www.sylt-tv.com/biikebrennen-sylt-50919.html" target="_blank">Biikebrennen auf Sylt 2011</a></p>
<p><a href="http://www.st.peter-ording-nordsee.de/biikebrennen.html" target="_blank">Biikebrennen in St. Peter-Ording</a></p>
<p><a href="http://www.amrum.de/en/news/events/veranstaltungs-kalender/?tx_xmlimporter_pi1[showUid]=5&#038;cHash=33b45f573f9c5bf05c9708cc30e2137d" target="_blank">Biikebrennen auf Amrum</a></p>
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		<item>
		<title>&#8220;Mythos&#8221; &#8211; Annäherung an einen Begriff</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/mythos-annaherung-an-einen-begriff/</link>
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		<pubDate>Thu, 20 Jan 2011 13:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Weltbild]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltenbaum]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&#8220;Mythos&#8221; kommt aus dem Altgriechischen, und bedeutet schlicht: &#8220;Erzählung&#8221;.<br />
Für Platon ist ein Mythos das Werk eines Dichters, das immer Erfundenes, aber auch Wahres enthält. Heute würden wir sagen: ein Gleichnis, eine Metapher, eine Parabel oder auch ein Gedankenexperiment.</p>
<p>Johann Christoph Gottsched übersetzte 1730 Mythos mit &#8220;Fabel&#8221;. Aus der Alltagsbedeutung von &#8220;Fabel&#8221; ergab sich dann auch die moderne alltagssprachliche Bedeutung von &#8220;Mythos&#8221;: etwas, was behauptet wird, aber nicht wahr ist.<br />
(&#8220;Dass hohe Vitamin C-Dosen vor Erkältung schützen, ist ein Mythos.&#8221; Anderes Beispiel: <a href="http://www.nornirsaett.de/vom-mythos-des-arischen-volksstammes/">Vom Mythos des &#8220;Arischen Volksstammes&#8221;</a>.)<br />
Seit der Aufklärung gilt der Mythos als Vorstufe zum begrifflichen Denken. Eine Nebenwirkung dieser Sichtweise: Mythen gelten als überholt, abergläubisch, rückständig. Nur eine abstrakte Betrachtungsweise gilt als wissenschaftlich, je abstrakter, desto besser. Im Idealfall lässt sich alles als eine Formel ausdrücken. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es ausgerechnet die hochabstrakte theoretische Physik war, die in Form des Gedankenexperimentes und der Metapher (bekanntestes Beispiel &#8220;Urknall&#8221;) dem Mythos im platonischen Sinne wieder Bedeutung gab.<br />
Dennoch ist es fahrlässig, Mythos und Wissenschaft sozusagen nach Belieben zu mischen. Der Mythos schafft und vermittelt Wissen durch <i>Erzählung</i> im Gegensatz zur wissenschaftlichen <i>Erklärung</i>, die immer vorläufig und unvollständig ist<br />
Noch gefährlicher ist es, wie es zum Beispiel die die Bibel wörtlich nehmenden Fundamentalisten tun, Mythen und Tatsachenberichte zu verwechseln.<br />
Max Horkheimer und Theodor W. Adorno behandelten in ihrer Aufsatzsammlung &#8220;Dialektik der Aufklärung&#8221; (1944) das &#8220;Scheitern der Aufklärung&#8221;: Mit dem Versuch, die Natur zu beherrschen, wird ihrer Auffassung nach der einst mythische Zugang zur Welt seit der Aufklärung rational gemacht, als &#8220;Herrschaft&#8221; aber schlage Aufklärung selbst in einen  Mythos zurück, in den Mythos des &#8220;Positivismus&#8221;, einer Affirmation des Bestehenden.<br />
Alles in allem hat im &#8220;gesellschaftlichen Mainstream&#8221; mythisches Denken &#8211; egal wie weit verbreitet es ist &#8211; keinen guten Ruf. </p>
<p>Viele spirituell denkende Menschen nehmen Mythen jedoch ernst und halten sie in Ehren. Das gilt ganz besonders für Heiden &#8211; das neue Heidentum lebt geradezu von uralten und ganz neue Mythen.<br />
Für alte und neue Mythen gilt, dass sie grundliegende menschliche Erlebnisweisen in Erzählerischer, dramatischer und symbolischer Form ausdrücken.<br />
Der Psychoanalytiker C. G. Jung konnte zeigen, dass die gleichen Bilder und Motive in den Mythen aller von ihm untersuchten Völker und Kulturen immer wieder auftauchen &#8211; die Archetypen. Daraus entwickelte Jung die Hypothese, dass es einen seelischen Urgrund gäbe, der allen Menschen gemeinsam wäre: das &#8220;kollektive Unbewusste&#8221;.<br />
(Es soll nicht verschwiegen werden, dass die meisten Psychologen und die meisten Sozialwissenschaftler das &#8220;kollektive Unbewusste&#8221; für einen Mythos in moderner alltagssprachlicher Bedeutung halten.)<br />
Jungs Ansatz brachte es mit sich, dass die pychologisierende Deutung von Mythen geradezu selbstverständlich wurde.<br />
So selbstverständlich, dass Heiden, die die alten Geschichten von Göttern und Geistern inhaltlich ernst nehmen, sogar von &#8220;esoterischer&#8221; Seite Ablehnung erfahren. Schließlich &#8220;weiß doch jeder&#8221;, dass Mythen von Göttern nur psychische Konstellationen in Form einer Geschichte ausdrücken.</p>
<p>Zurück zum Begriff: Was ist also ein Mythos? Meine bevorzugte Definition ist:<br />
<b>Ein Mythos ist der Versuch, zu erzählen, was sich nicht sagen lässt.</b></p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/3383918"><img src="http://u1.ipernity.com/9/39/18/3383918.e0a231e8.500.jpg" width="440" height="500" alt="Thorshammer" border="0"/></a></p>
<p>Ein Mythos ist zum Beispiel Thors Hammer, Mjölnir.<br />
Ich werde ab und an gefragt, ob ich an den Mythos von Thor und seinem Hammer glaube. Eine knifflige Frage, bei der jede mögliche Antwort allzuleicht missverständlich ist.<br />
Ein typisches Missverständnis ergibt sich &#8211; siehe oben &#8211; aus der Auffassung, dass der Mythos nur die naive Vorstufe zum begrifflichen Denken ist. Mythisches Denken als vorwissenschaftliches Denken: <i>Damals wussten es die ollen Germanen eben nicht besser und stellten sich beim Gewitter einen rothaarigen Mann auf einen von Böcken gezogenen Wagen vor, der einen mächtigen Hammer schleudert. Aber heute wissen wir es besser: der Donner, der einmal Thors Hammer zugerechnet wurde, kann besser durch elektrische Ladungen in den Wolken erklärt werden! Mjönir ist überflüssig, die ganze Geschichte von Thor nichts als ein Märchen!</i> (Wobei nebenbei auch das Märchen, als eine Form des Mythos, unterschätzt wird.)</p>
<p>Es ist meiner Ansicht nach tatsächlich dieselbe Verwechslung, die auch den Fundamentalisten unterläuft, die glatt glauben, die Erde sei nur einige Jahrtausende alt und von allen Tierarten hätte ein Paar in die Arche Noah gepasst, weil das ja so in der Bibel stünde: Die Verwechslung von Erzählung und Erklärung, zwischen Gleichnis und (vor-)wissenschaftlicher Theorie. Es stimmt, denke ich, also nicht, dass die Erkenntnisse über statische Elektrizität die Donnergötter in dem Sinne abgelöst hätten, wie das heliozentrische Weltbild eines Galileis oder Keplers das als unzutreffend erkannte geozentrische Weltbild eines Ptolemäus ablöste.<br />
In der germanischen Mythologie gibt es den Weltenbaum Yggdrasil, der die neun Welten miteinander verbindet. Kein alter Germane wird dabei an einen &#8220;realweltlichen&#8221;, normalen, nur riesengroßen Baum, gedacht haben. Ebenso wenig, wie noch heute sibirische Schamanen, die über den Himmel, Erde und Unterwelt verbindenden Weltenbaum reisen, dabei real-weltlich an einem gigantischen Baum herumklettern &#8211; oder sich bei ihren Reisen überhaupt nennenswert vom Fleck bewegen. Genauso wenig, wie ein normaler Christ sich &#8220;Christi Himmelfahrt&#8221; als einen fahrstuhlähnlichen Vorgang im dreidimensionalen Raum vorstellt. (Von besonders vernagelten Fundis vielleicht abgesehen &#8230; auf diesem Gebiet halte ich inzwischen so ziemlich <i>alles</i> für möglich!)<br />
Wenn ein katholischer Gynäkologe an die jungfräuliche Geburt glaubt, dann in aller Regel wohl nicht in dem Sinne, dass er die jungfräuliche Geburt beim Menschen für eine gynäkologische Tatsache halten würde. Er glaubt an den Mythos &#8220;jungfräuliche Geburt&#8221;. Ob so ein Mythos sinnvoll oder hilfreich ist, ist eine andere Frage. Mit den anatomischen Tatsachen kann er ebenso wenig kollidieren, wie der Weltenbaum mit der Geographie.</p>
<p>Anderes Beispiel: die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist ein lehrreicher Mythos der Bibel &#8211; man erfährt aus ihm sehr viel über menschliche Vermessenheit, und auch etwas über die Gründe, an denen menschliche Vorhaben scheitern. Ein Fundamentalist, der wirklich glaubt, die alten Babylonier hätten mit ihrer Ziggurat den Himmel erreichen wollen, oder die Vielfalt der menschlichen Sprachen aus der &#8220;babylonischen Sprachverwirrung&#8221; zu erklären versucht, verwechselt die Kategorien &#8211; und tut dem Mythos Gewalt an.</p>
<p>An Thors Hammer glaube ich übrigens nicht. Ich würde schließlich auch nicht sagen, dass ich an den elektrischen Strom glaube. Im südgermanischen Sprachgebrauch heißt der Gott übrigens Donar, was auf neuhochdeutsch schlicht Donner bedeutet. Es wäre ziemlich albern, zu behaupten,Donner gäbe es nicht.<br />
Ernsthaft: Unter anderem steht Thors Hammer Mjölnir für etwas &#8211; er ist ein kraftvolles Symbol, das abstrakte metaphysische Begriffe und wenig anschauliche Naturvorgänge buchstäblich handgreiflich macht. Unter Anderem steht er auch für &#8220;elektrische Energie&#8221;, auch wenn es im Nordeuropa des frühen Mittelalters noch keine Vorstellung von &#8220;elektrischer Energie&#8221; gab.<br />
Aber die Germanen &#8211; und andere Völker, der Perun der Slawen und der Thiermes der Sami sind erkennbar &#8220;Brüder&#8221; Thors, und Donnergötter gibt es in allen mir bekannten Mythologien &#8211; besaßen in Thors Hammer einen Mythos, der ihnen erlaubte, mit Erscheinungen wie Blitz und Donner umzugehen, und der sich, auf seine Art und Weise, in der Praxis bewährte. </p>
<p>Heute stehen uns neben dem Mythos auch Philosophie und Wissenschaft zur Verfügung, aber ein Künstler oder Schriftsteller, der nicht mythisch zu denken versteht, hat es, vorsichtig gesagt, schwer.</p>
<p>Ein Beispiel für moderne Mythen, die sich praktisch bewährt haben, sind das &#8220;Über-Ich&#8221;, &#8220;Ich&#8221; und &#8220;Es&#8221; im Sinne der Psychoanalyse nach Freud &#8211; jedenfalls wenn man streng wissenschaftliche Maßstäbe anlegt. Diese Mythen &#8220;funktionieren&#8221; gut, beschreiben, auch wenn sie keine neurologisch fassbaren Gegenstücke im Gehirn haben, die seelischen Vorgänge auf praktisch brauchbare Art. So wie viele der alten Mythen heute noch &#8220;funktionieren&#8221;. Mythos, Metapher, Gleichnis und Gedankenexperiment sind im heutigen Spachgebrauch zwar nicht dasselbe, aber dass die Übergänge fließend sind, wird wohl niemand bestreiten. Und da es schiefe Metaphern und irreführende Gleichnisse gibt, gibt es auch unbrauchbare Mythen. </p>
<p>Ich nehme nicht an, dass die altnordischen, altgriechischen, altindischen und altsonstigen Mythen zur Zeit ihrer Ersterzählung rational verstanden wurden, geschweige denn wörtlich aufgefasst wurden. Dagegen spricht z. B. die Erfahrung mit den schon erwähnten schamanistischen Praktiken und dem Weltenbaum, der für alle Umstehenden ersichtlich in der &#8220;Alltäglichen Wirklichkeit&#8221; nicht da ist, und auf den der Schamane auch nicht mit seinem fleischlichen Körper hinaufklettert. Der Weltenbaum war von Anfang an &#8220;Symbol&#8221;, stand &#8220;für etwas&#8221;, das sich mit &#8220;normalen Sinnen&#8221; nicht beschreiben lässt. Eine ganz alltägliche Erfahrung &#8211; man versuche nur einmal, z. B. eine Symphonie mit Worten zu beschreiben.</p>
<p>In der modernen Naturwissenschaft entstehen tatsächlich neue Mythen &#8211; und zwar aus dem selben Grunde, der schon für den Schamanen galt. Die Quantenphysik lässt sich nur in der abstrakten Sprache der Mathematik beschreiben, jeder Versuch, sich darunter etwas vorzustellen, bringt nicht etwa eine vereinfachte Modellvorstellung hervor, sondern eine mythische Umschreibung.</p>
<p>Wir denken im Alltag kausal, in Ursachen und Wirkungen &#8211; sonst würden wir nicht lange Überleben. Der Versuch, in kausaler Sprache a-kausale (aber unzufällige) Vorgänge zu beschreiben, führt zum Mythos.<br />
Ein Problem dabei ist, dass wir in unserer Kultur, infolge eine jahrhundertelangen Entmythologisierung (die unter überzeugten Prostestanten übrigens weiter vorangeschritten zu sein scheint, als unter Agnostikern und selbst Atheisten) im Gegensatzpaar &#8220;kausal&#8221; und &#8220;zufällig&#8221; denken.<br />
Darin liegt meiner Ansicht nach auch das Hauptproblem beim Diskurs um Kreationismus und &#8220;Intelligent Design&#8221;: Für die &#8211; meist stramm protestantischen (und entmythologisierten) &#8211; Kreationisten und ID-Anhänger gibt es nur die Alternative &#8220;Zufall&#8221; oder &#8220;Planung&#8221; &#8211; folglich sind sie auch felsenfest überzeugt, &#8220;Darwin widerlegt&#8221; zu haben, wenn sie nachweisen können, dass &#8220;purer Zufall&#8221; und mechanistisch verstandene &#8220;Naturgesetze&#8221; die Entwicklung des Lebens nicht hinreichend erklären können. Schon simple Beispiele von Selbstorganisation &#8211; etwa die Tatsache, dass an einem Kiesstrand mit heftiger Brandung der Kies &#8220;nach Größe sortiert wird&#8221; &#8211; sprengen in ihrer Unanschaulichkeit das klassische &#8220;entmythologisierte Weltbild&#8221;. Daraus gibt es zwei Auswege: auf Anschaulichkeit verzichten &#8211; konsequente Mathematisierung &#8211; oder (einschließendes &#8220;Oder&#8221;, nicht die &#8220;Alternative&#8221;: &#8220;entweder &#8211; oder&#8221;!) &#8211; der Mythos. In diesem Sinne sind die &#8220;harten&#8221; Kreationisten gegenüber den pseudowissenschaftlichen ID-Anhängern wenigstens ehrlich, denn sie verweisen offen auf einen Mythos: das ordnende Eingreifen Gottes.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/germanisches-kultur-weltbild/">Kultur &amp; Weltbild</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/mythos-annaherung-an-einen-begriff/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Mythos&#8221; kommt aus dem Altgriechischen, und bedeutet schlicht: &#8220;Erzählung&#8221;.<br />
Für Platon ist ein Mythos das Werk eines Dichters, das immer Erfundenes, aber auch Wahres enthält. Heute würden wir sagen: ein Gleichnis, eine Metapher, eine Parabel oder auch ein Gedankenexperiment.</p>
<p>Johann Christoph Gottsched übersetzte 1730 Mythos mit &#8220;Fabel&#8221;. Aus der Alltagsbedeutung von &#8220;Fabel&#8221; ergab sich dann auch die moderne alltagssprachliche Bedeutung von &#8220;Mythos&#8221;: etwas, was behauptet wird, aber nicht wahr ist.<br />
(&#8220;Dass hohe Vitamin C-Dosen vor Erkältung schützen, ist ein Mythos.&#8221; Anderes Beispiel: <a href="http://www.nornirsaett.de/vom-mythos-des-arischen-volksstammes/">Vom Mythos des &#8220;Arischen Volksstammes&#8221;</a>.)<br />
Seit der Aufklärung gilt der Mythos als Vorstufe zum begrifflichen Denken. Eine Nebenwirkung dieser Sichtweise: Mythen gelten als überholt, abergläubisch, rückständig. Nur eine abstrakte Betrachtungsweise gilt als wissenschaftlich, je abstrakter, desto besser. Im Idealfall lässt sich alles als eine Formel ausdrücken. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es ausgerechnet die hochabstrakte theoretische Physik war, die in Form des Gedankenexperimentes und der Metapher (bekanntestes Beispiel &#8220;Urknall&#8221;) dem Mythos im platonischen Sinne wieder Bedeutung gab.<br />
Dennoch ist es fahrlässig, Mythos und Wissenschaft sozusagen nach Belieben zu mischen. Der Mythos schafft und vermittelt Wissen durch <i>Erzählung</i> im Gegensatz zur wissenschaftlichen <i>Erklärung</i>, die immer vorläufig und unvollständig ist<br />
Noch gefährlicher ist es, wie es zum Beispiel die die Bibel wörtlich nehmenden Fundamentalisten tun, Mythen und Tatsachenberichte zu verwechseln.<br />
Max Horkheimer und Theodor W. Adorno behandelten in ihrer Aufsatzsammlung &#8220;Dialektik der Aufklärung&#8221; (1944) das &#8220;Scheitern der Aufklärung&#8221;: Mit dem Versuch, die Natur zu beherrschen, wird ihrer Auffassung nach der einst mythische Zugang zur Welt seit der Aufklärung rational gemacht, als &#8220;Herrschaft&#8221; aber schlage Aufklärung selbst in einen  Mythos zurück, in den Mythos des &#8220;Positivismus&#8221;, einer Affirmation des Bestehenden.<br />
Alles in allem hat im &#8220;gesellschaftlichen Mainstream&#8221; mythisches Denken &#8211; egal wie weit verbreitet es ist &#8211; keinen guten Ruf. </p>
<p>Viele spirituell denkende Menschen nehmen Mythen jedoch ernst und halten sie in Ehren. Das gilt ganz besonders für Heiden &#8211; das neue Heidentum lebt geradezu von uralten und ganz neue Mythen.<br />
Für alte und neue Mythen gilt, dass sie grundliegende menschliche Erlebnisweisen in Erzählerischer, dramatischer und symbolischer Form ausdrücken.<br />
Der Psychoanalytiker C. G. Jung konnte zeigen, dass die gleichen Bilder und Motive in den Mythen aller von ihm untersuchten Völker und Kulturen immer wieder auftauchen &#8211; die Archetypen. Daraus entwickelte Jung die Hypothese, dass es einen seelischen Urgrund gäbe, der allen Menschen gemeinsam wäre: das &#8220;kollektive Unbewusste&#8221;.<br />
(Es soll nicht verschwiegen werden, dass die meisten Psychologen und die meisten Sozialwissenschaftler das &#8220;kollektive Unbewusste&#8221; für einen Mythos in moderner alltagssprachlicher Bedeutung halten.)<br />
Jungs Ansatz brachte es mit sich, dass die pychologisierende Deutung von Mythen geradezu selbstverständlich wurde.<br />
So selbstverständlich, dass Heiden, die die alten Geschichten von Göttern und Geistern inhaltlich ernst nehmen, sogar von &#8220;esoterischer&#8221; Seite Ablehnung erfahren. Schließlich &#8220;weiß doch jeder&#8221;, dass Mythen von Göttern nur psychische Konstellationen in Form einer Geschichte ausdrücken.</p>
<p>Zurück zum Begriff: Was ist also ein Mythos? Meine bevorzugte Definition ist:<br />
<b>Ein Mythos ist der Versuch, zu erzählen, was sich nicht sagen lässt.</b></p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/3383918"><img src="http://u1.ipernity.com/9/39/18/3383918.e0a231e8.500.jpg" width="440" height="500" alt="Thorshammer" border="0"/></a></p>
<p>Ein Mythos ist zum Beispiel Thors Hammer, Mjölnir.<br />
Ich werde ab und an gefragt, ob ich an den Mythos von Thor und seinem Hammer glaube. Eine knifflige Frage, bei der jede mögliche Antwort allzuleicht missverständlich ist.<br />
Ein typisches Missverständnis ergibt sich &#8211; siehe oben &#8211; aus der Auffassung, dass der Mythos nur die naive Vorstufe zum begrifflichen Denken ist. Mythisches Denken als vorwissenschaftliches Denken: <i>Damals wussten es die ollen Germanen eben nicht besser und stellten sich beim Gewitter einen rothaarigen Mann auf einen von Böcken gezogenen Wagen vor, der einen mächtigen Hammer schleudert. Aber heute wissen wir es besser: der Donner, der einmal Thors Hammer zugerechnet wurde, kann besser durch elektrische Ladungen in den Wolken erklärt werden! Mjönir ist überflüssig, die ganze Geschichte von Thor nichts als ein Märchen!</i> (Wobei nebenbei auch das Märchen, als eine Form des Mythos, unterschätzt wird.)</p>
<p>Es ist meiner Ansicht nach tatsächlich dieselbe Verwechslung, die auch den Fundamentalisten unterläuft, die glatt glauben, die Erde sei nur einige Jahrtausende alt und von allen Tierarten hätte ein Paar in die Arche Noah gepasst, weil das ja so in der Bibel stünde: Die Verwechslung von Erzählung und Erklärung, zwischen Gleichnis und (vor-)wissenschaftlicher Theorie. Es stimmt, denke ich, also nicht, dass die Erkenntnisse über statische Elektrizität die Donnergötter in dem Sinne abgelöst hätten, wie das heliozentrische Weltbild eines Galileis oder Keplers das als unzutreffend erkannte geozentrische Weltbild eines Ptolemäus ablöste.<br />
In der germanischen Mythologie gibt es den Weltenbaum Yggdrasil, der die neun Welten miteinander verbindet. Kein alter Germane wird dabei an einen &#8220;realweltlichen&#8221;, normalen, nur riesengroßen Baum, gedacht haben. Ebenso wenig, wie noch heute sibirische Schamanen, die über den Himmel, Erde und Unterwelt verbindenden Weltenbaum reisen, dabei real-weltlich an einem gigantischen Baum herumklettern &#8211; oder sich bei ihren Reisen überhaupt nennenswert vom Fleck bewegen. Genauso wenig, wie ein normaler Christ sich &#8220;Christi Himmelfahrt&#8221; als einen fahrstuhlähnlichen Vorgang im dreidimensionalen Raum vorstellt. (Von besonders vernagelten Fundis vielleicht abgesehen &#8230; auf diesem Gebiet halte ich inzwischen so ziemlich <i>alles</i> für möglich!)<br />
Wenn ein katholischer Gynäkologe an die jungfräuliche Geburt glaubt, dann in aller Regel wohl nicht in dem Sinne, dass er die jungfräuliche Geburt beim Menschen für eine gynäkologische Tatsache halten würde. Er glaubt an den Mythos &#8220;jungfräuliche Geburt&#8221;. Ob so ein Mythos sinnvoll oder hilfreich ist, ist eine andere Frage. Mit den anatomischen Tatsachen kann er ebenso wenig kollidieren, wie der Weltenbaum mit der Geographie.</p>
<p>Anderes Beispiel: die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist ein lehrreicher Mythos der Bibel &#8211; man erfährt aus ihm sehr viel über menschliche Vermessenheit, und auch etwas über die Gründe, an denen menschliche Vorhaben scheitern. Ein Fundamentalist, der wirklich glaubt, die alten Babylonier hätten mit ihrer Ziggurat den Himmel erreichen wollen, oder die Vielfalt der menschlichen Sprachen aus der &#8220;babylonischen Sprachverwirrung&#8221; zu erklären versucht, verwechselt die Kategorien &#8211; und tut dem Mythos Gewalt an.</p>
<p>An Thors Hammer glaube ich übrigens nicht. Ich würde schließlich auch nicht sagen, dass ich an den elektrischen Strom glaube. Im südgermanischen Sprachgebrauch heißt der Gott übrigens Donar, was auf neuhochdeutsch schlicht Donner bedeutet. Es wäre ziemlich albern, zu behaupten,Donner gäbe es nicht.<br />
Ernsthaft: Unter anderem steht Thors Hammer Mjölnir für etwas &#8211; er ist ein kraftvolles Symbol, das abstrakte metaphysische Begriffe und wenig anschauliche Naturvorgänge buchstäblich handgreiflich macht. Unter Anderem steht er auch für &#8220;elektrische Energie&#8221;, auch wenn es im Nordeuropa des frühen Mittelalters noch keine Vorstellung von &#8220;elektrischer Energie&#8221; gab.<br />
Aber die Germanen &#8211; und andere Völker, der Perun der Slawen und der Thiermes der Sami sind erkennbar &#8220;Brüder&#8221; Thors, und Donnergötter gibt es in allen mir bekannten Mythologien &#8211; besaßen in Thors Hammer einen Mythos, der ihnen erlaubte, mit Erscheinungen wie Blitz und Donner umzugehen, und der sich, auf seine Art und Weise, in der Praxis bewährte. </p>
<p>Heute stehen uns neben dem Mythos auch Philosophie und Wissenschaft zur Verfügung, aber ein Künstler oder Schriftsteller, der nicht mythisch zu denken versteht, hat es, vorsichtig gesagt, schwer.</p>
<p>Ein Beispiel für moderne Mythen, die sich praktisch bewährt haben, sind das &#8220;Über-Ich&#8221;, &#8220;Ich&#8221; und &#8220;Es&#8221; im Sinne der Psychoanalyse nach Freud &#8211; jedenfalls wenn man streng wissenschaftliche Maßstäbe anlegt. Diese Mythen &#8220;funktionieren&#8221; gut, beschreiben, auch wenn sie keine neurologisch fassbaren Gegenstücke im Gehirn haben, die seelischen Vorgänge auf praktisch brauchbare Art. So wie viele der alten Mythen heute noch &#8220;funktionieren&#8221;. Mythos, Metapher, Gleichnis und Gedankenexperiment sind im heutigen Spachgebrauch zwar nicht dasselbe, aber dass die Übergänge fließend sind, wird wohl niemand bestreiten. Und da es schiefe Metaphern und irreführende Gleichnisse gibt, gibt es auch unbrauchbare Mythen. </p>
<p>Ich nehme nicht an, dass die altnordischen, altgriechischen, altindischen und altsonstigen Mythen zur Zeit ihrer Ersterzählung rational verstanden wurden, geschweige denn wörtlich aufgefasst wurden. Dagegen spricht z. B. die Erfahrung mit den schon erwähnten schamanistischen Praktiken und dem Weltenbaum, der für alle Umstehenden ersichtlich in der &#8220;Alltäglichen Wirklichkeit&#8221; nicht da ist, und auf den der Schamane auch nicht mit seinem fleischlichen Körper hinaufklettert. Der Weltenbaum war von Anfang an &#8220;Symbol&#8221;, stand &#8220;für etwas&#8221;, das sich mit &#8220;normalen Sinnen&#8221; nicht beschreiben lässt. Eine ganz alltägliche Erfahrung &#8211; man versuche nur einmal, z. B. eine Symphonie mit Worten zu beschreiben.</p>
<p>In der modernen Naturwissenschaft entstehen tatsächlich neue Mythen &#8211; und zwar aus dem selben Grunde, der schon für den Schamanen galt. Die Quantenphysik lässt sich nur in der abstrakten Sprache der Mathematik beschreiben, jeder Versuch, sich darunter etwas vorzustellen, bringt nicht etwa eine vereinfachte Modellvorstellung hervor, sondern eine mythische Umschreibung.</p>
<p>Wir denken im Alltag kausal, in Ursachen und Wirkungen &#8211; sonst würden wir nicht lange Überleben. Der Versuch, in kausaler Sprache a-kausale (aber unzufällige) Vorgänge zu beschreiben, führt zum Mythos.<br />
Ein Problem dabei ist, dass wir in unserer Kultur, infolge eine jahrhundertelangen Entmythologisierung (die unter überzeugten Prostestanten übrigens weiter vorangeschritten zu sein scheint, als unter Agnostikern und selbst Atheisten) im Gegensatzpaar &#8220;kausal&#8221; und &#8220;zufällig&#8221; denken.<br />
Darin liegt meiner Ansicht nach auch das Hauptproblem beim Diskurs um Kreationismus und &#8220;Intelligent Design&#8221;: Für die &#8211; meist stramm protestantischen (und entmythologisierten) &#8211; Kreationisten und ID-Anhänger gibt es nur die Alternative &#8220;Zufall&#8221; oder &#8220;Planung&#8221; &#8211; folglich sind sie auch felsenfest überzeugt, &#8220;Darwin widerlegt&#8221; zu haben, wenn sie nachweisen können, dass &#8220;purer Zufall&#8221; und mechanistisch verstandene &#8220;Naturgesetze&#8221; die Entwicklung des Lebens nicht hinreichend erklären können. Schon simple Beispiele von Selbstorganisation &#8211; etwa die Tatsache, dass an einem Kiesstrand mit heftiger Brandung der Kies &#8220;nach Größe sortiert wird&#8221; &#8211; sprengen in ihrer Unanschaulichkeit das klassische &#8220;entmythologisierte Weltbild&#8221;. Daraus gibt es zwei Auswege: auf Anschaulichkeit verzichten &#8211; konsequente Mathematisierung &#8211; oder (einschließendes &#8220;Oder&#8221;, nicht die &#8220;Alternative&#8221;: &#8220;entweder &#8211; oder&#8221;!) &#8211; der Mythos. In diesem Sinne sind die &#8220;harten&#8221; Kreationisten gegenüber den pseudowissenschaftlichen ID-Anhängern wenigstens ehrlich, denn sie verweisen offen auf einen Mythos: das ordnende Eingreifen Gottes.</p>
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		<item>
		<title>Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 17:03:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigh</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<h2><strong><br />
Spannung statt Schaum – Neues von der Liebe </strong></h2>
<div id="attachment_3299" class="wp-caption alignleft" style="width: 186px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" rel="lightbox[3298]"><img class="size-full wp-image-3299  " src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" alt="" width="176" height="176" /></a><p class="wp-caption-text">Venus - aus dem Leben einer Göttin</p></div>
<p><img src="/Users/duke/AppData/Local/Temp/moz-screenshot.png" alt="" />Basierend auf dem reichhaltigen antiken Quellenmaterial, erzählt Andrew Dalby mit &#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221; eine umfassende &#8220;Lebensgeschichte&#8221; der Liebesgöttin – über ihre klassischen Grenzen weit hinaus. Zum einen werden mythologische Parallelen und Ursprünge recht ausführlich mitbeschrieben, zum anderen beschränkt sich das Material keineswegs auf mythologische Überlieferungen, sondern verfolgt – obwohl der Schwerpunkt auf der griechischen Antike liegt – den weiteren Weg der Göttin durch die Kulturen bis heute.</p>
<p>Dadurch entsteht ein ebenso flüssig wie enorm unterhaltsam zu lesendes Büchlein, das unweigerlich alle in seinen Bann zieht, die durch das Thema überhaupt ansprechbar sind. Ein besonderer Kunstgriff gelingt dem Autor in der Art und Weise, wie er Widersprüchlichkeiten in den Quellen miteinander in Bezug bringt, zumal er sie  gleichberechtigt behandelt. An manchen Stellen spitzt Dalby die bekannten Geschichten durch wörtliche Reden und situative Ausschmückungen so treffend und humorvoll zu, dass man den Eindruck hat, in der ersten Reihe fußfrei dabei zu sein. Der Stoff verliert jegliche Patina, was ihm zweitens guttut und erstens außerordentlich erfrischend wirkt. Das verbreitete Klischee einer hauptberuflich Liebreizenden, die sich ohne nennenswerten intellektuellen Horizont zwischen Schaum und Muschel räkelt, verfliegt rasch – und macht am Ende gar einer Verneigung des Autors vor dem Prinzip der Liebe Platz, die jenseits von Moral, Unmoral oder &#8220;Frivolität&#8221; als Urgewalt erahnbar wird. Bravo: Damit schafft es Dalby, die Essenz des Themas nahtlos in die Gegenwart zu ziehen – und die Frage, ob man etwas als &#8220;göttlich&#8221; bezeichnen soll oder nur als &#8220;umwerfend&#8221;, wird obsolet.</p>
<p>Die Anekdoten und Begebenheiten sind überaus spannend geschildert. Alle Einzelheiten kommen zur Sprache: wie es überhaupt dazu kommt, dass Aphrodite vor Zypern aus dem Meer steigt, wie sie zu den olympischen Göttern stößt, ihre unbefriedigende Ehe mit Hephaistos, ihr in flagranti aufgedecktes Verhältnis mit – ausgerechnet – Ares, dem Kriegsgott, von dem sie ein (götter-)lebtag nicht lassen kann&#8230; Wie sie dem sterblichen Anchises vorgaukelt, seinesgleichen zu sein, und durch den gemeinsamen Sohn (Aeneas) zur Schutzgöttin Roms wird&#8230; um nur einige Beispiele anzureißen. Besonders kunstvoll beleuchtet wird das Spannungsverhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn Eros, das weitreichende Folgen hat – wie zum Beispiel den Trojanischen Krieg. Dabei wird jedoch alles frei und neu erzählt, und recht geschickt miteinander verbunden.</p>
<p>Jedes Detail des Buches ist hervorragend recherchiert. Ein besonderes Lob kann man dem akribisch ausgewerteten Quellenteil ausprechen, der schon für sich ein lesenswertes Vergnügen ist. Andrew Dalby hat dabei – als Linguist und Historiker – wirklich aus dem Vollen geschöpft. Das ganze Büchlein lässt sich nur rundum empfehlen – einschränkungslos. Bestenfalls ließe sich noch bemeckern, dass es nach der letzten Seite endet – und die kommt leider viel zu schnell!</p>
<p>Recht hat er, der Klappentext: <em>&#8220;Diese Biografie der Liebesgöttin hält sich eng an die antiken Quellen, verwebt sie aber mit leichter Hand zu einem mitreißend erzählten Roman, an dessen Ende wir eine uralte Gottheit ebensogut zu kennen glauben, wie sie uns schon immer kannte&#8230;&#8221;</em></p>
<p>Brigh &amp; Duke</p>
<p>Andrew Dalby<br />
&#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221;<br />
(engl. Originaltitel: &#8220;The Story of Venus&#8221; / London 2005)<br />
Parthas Literaturverlag 2006 / Berlin<br />
ISBN 978-3-86601-121-2</p>
<p><strong>Der Autor </strong><br />
Andrew Dalby ist Linguist und Historiker, lebt in Frankreich &#8211; und wenn er nicht schreibt, baut er Obst an und braut Cidre.</p>
<p><strong>Weitere Werke auf Deutsch</strong><br />
<em>Bacchus &#8211; aus dem Leben eines Gottes (2005)<br />
Essen und Trinken im alten Rom (2002)<br />
Essen und Trinken im antiken Griechenland (2001)<br />
Küchengeheimnisse der Antike (1996)<br />
</em><br />
P.S.: Der Krähe sei innigst gedankt für dieses gehaltvolle Geburtstagsgeschenk zur richtigen Zeit!<br />
Brigh</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Brigh <a href="http://www.nornirsaett.de/venus-aus-dem-leben-einer-gottin/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<h2><strong><br />
Spannung statt Schaum – Neues von der Liebe </strong></h2>
<div id="attachment_3299" class="wp-caption alignleft" style="width: 186px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" rel="lightbox[3298]"><img class="size-full wp-image-3299  " src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" alt="" width="176" height="176" /></a><p class="wp-caption-text">Venus - aus dem Leben einer Göttin</p></div>
<p><img src="/Users/duke/AppData/Local/Temp/moz-screenshot.png" alt="" />Basierend auf dem reichhaltigen antiken Quellenmaterial, erzählt Andrew Dalby mit &#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221; eine umfassende &#8220;Lebensgeschichte&#8221; der Liebesgöttin – über ihre klassischen Grenzen weit hinaus. Zum einen werden mythologische Parallelen und Ursprünge recht ausführlich mitbeschrieben, zum anderen beschränkt sich das Material keineswegs auf mythologische Überlieferungen, sondern verfolgt – obwohl der Schwerpunkt auf der griechischen Antike liegt – den weiteren Weg der Göttin durch die Kulturen bis heute.</p>
<p>Dadurch entsteht ein ebenso flüssig wie enorm unterhaltsam zu lesendes Büchlein, das unweigerlich alle in seinen Bann zieht, die durch das Thema überhaupt ansprechbar sind. Ein besonderer Kunstgriff gelingt dem Autor in der Art und Weise, wie er Widersprüchlichkeiten in den Quellen miteinander in Bezug bringt, zumal er sie  gleichberechtigt behandelt. An manchen Stellen spitzt Dalby die bekannten Geschichten durch wörtliche Reden und situative Ausschmückungen so treffend und humorvoll zu, dass man den Eindruck hat, in der ersten Reihe fußfrei dabei zu sein. Der Stoff verliert jegliche Patina, was ihm zweitens guttut und erstens außerordentlich erfrischend wirkt. Das verbreitete Klischee einer hauptberuflich Liebreizenden, die sich ohne nennenswerten intellektuellen Horizont zwischen Schaum und Muschel räkelt, verfliegt rasch – und macht am Ende gar einer Verneigung des Autors vor dem Prinzip der Liebe Platz, die jenseits von Moral, Unmoral oder &#8220;Frivolität&#8221; als Urgewalt erahnbar wird. Bravo: Damit schafft es Dalby, die Essenz des Themas nahtlos in die Gegenwart zu ziehen – und die Frage, ob man etwas als &#8220;göttlich&#8221; bezeichnen soll oder nur als &#8220;umwerfend&#8221;, wird obsolet.</p>
<p>Die Anekdoten und Begebenheiten sind überaus spannend geschildert. Alle Einzelheiten kommen zur Sprache: wie es überhaupt dazu kommt, dass Aphrodite vor Zypern aus dem Meer steigt, wie sie zu den olympischen Göttern stößt, ihre unbefriedigende Ehe mit Hephaistos, ihr in flagranti aufgedecktes Verhältnis mit – ausgerechnet – Ares, dem Kriegsgott, von dem sie ein (götter-)lebtag nicht lassen kann&#8230; Wie sie dem sterblichen Anchises vorgaukelt, seinesgleichen zu sein, und durch den gemeinsamen Sohn (Aeneas) zur Schutzgöttin Roms wird&#8230; um nur einige Beispiele anzureißen. Besonders kunstvoll beleuchtet wird das Spannungsverhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn Eros, das weitreichende Folgen hat – wie zum Beispiel den Trojanischen Krieg. Dabei wird jedoch alles frei und neu erzählt, und recht geschickt miteinander verbunden.</p>
<p>Jedes Detail des Buches ist hervorragend recherchiert. Ein besonderes Lob kann man dem akribisch ausgewerteten Quellenteil ausprechen, der schon für sich ein lesenswertes Vergnügen ist. Andrew Dalby hat dabei – als Linguist und Historiker – wirklich aus dem Vollen geschöpft. Das ganze Büchlein lässt sich nur rundum empfehlen – einschränkungslos. Bestenfalls ließe sich noch bemeckern, dass es nach der letzten Seite endet – und die kommt leider viel zu schnell!</p>
<p>Recht hat er, der Klappentext: <em>&#8220;Diese Biografie der Liebesgöttin hält sich eng an die antiken Quellen, verwebt sie aber mit leichter Hand zu einem mitreißend erzählten Roman, an dessen Ende wir eine uralte Gottheit ebensogut zu kennen glauben, wie sie uns schon immer kannte&#8230;&#8221;</em></p>
<p>Brigh &amp; Duke</p>
<p>Andrew Dalby<br />
&#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221;<br />
(engl. Originaltitel: &#8220;The Story of Venus&#8221; / London 2005)<br />
Parthas Literaturverlag 2006 / Berlin<br />
ISBN 978-3-86601-121-2</p>
<p><strong>Der Autor </strong><br />
Andrew Dalby ist Linguist und Historiker, lebt in Frankreich &#8211; und wenn er nicht schreibt, baut er Obst an und braut Cidre.</p>
<p><strong>Weitere Werke auf Deutsch</strong><br />
<em>Bacchus &#8211; aus dem Leben eines Gottes (2005)<br />
Essen und Trinken im alten Rom (2002)<br />
Essen und Trinken im antiken Griechenland (2001)<br />
Küchengeheimnisse der Antike (1996)<br />
</em><br />
P.S.: Der Krähe sei innigst gedankt für dieses gehaltvolle Geburtstagsgeschenk zur richtigen Zeit!<br />
Brigh</p>
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		<title>Luisa Francia: Die Göttin im Federkleid. Das weibliche Universum bei Kelten und Germanen</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 12:45:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
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		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Luisa Francia]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>

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		<description><![CDATA[<div style="float:left; margin-right:10px"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/francia_goettin.jpg" alt="Luisa Francia: Die Göttin im Federkleid" /></div>
<p>Wenn eine so altgediente Größe der Hexenbewegung sich mit den Kelten und Germanen befaßt, dann ist das Ergebnis für mich geradezu Pflichtlektüre. Ich nehme nicht viel vorweg, wenn ich sage, daß mich dieses Buch eher enttäuscht hat.<br />
Das liegt vor allem an einem: Kritischer Umgang mit Quellen und Exaktheit, wie sie bei diesem Thema eigentlich angeraten wären, sind Francias Stärke leider nicht. Den GermanInnen etwa Reste einer matriarchalen Gesellschaftsordnung zu unterstellen, ohne dafür Quellen zu nennen, geht mir gegen den Strich, nicht weil ich irgendeinen Vorbehalt gegen matriarchale Zustände an sich habe, sondern weil es abermals eine mythisierende Interpretation ist, die die Informationen, aus denen sie gewonnen ist, verschleiert. Und daß sie den Mythos von der Hexenverfolgung als &#8220;Vernichtung der Weisen Frauen&#8221; weiter kolportiert, obwohl sie es besser wissen könnte, ist regelrecht ärgerlich. Ebenso fällt einem die zutiefst heteronormative Opposition Männer gegen Frauen, wie Francia sie so gerne beschwört &#8211; hie die aggressiven, im Grunde primitiven, machtversessenen, rationalen Männer, dort die kulturschöpfenden, kreativen, friedlichen, mit der Erde in Einklang lebenden Frauen -, eher früher als später auf die Nerven. Die Glorifizierung geschützter Frauenräume macht die Sache nicht besser.  Ihre Skepsis an der Geschichtswissenschaft und der Archäologie, denen sie vorwirft, sich nur für das männliche Leben zu interessieren, wirkt fragwürdig, wo der Verdacht entsteht, daß sie sich die Welt macht, wie sie ihr gefällt und nur die Fakten zur Kenntnis nimmt, die in ihr Weltbild passen. <span id="more-3255"></span>Bitterlich vermisse ich auch Quellenangaben, und wo sie Quellen nennt, wecken die eher noch mehr Zweifel. So kann ich den Eindruck nicht abschütteln, daß sie sich relativ unkritsch auf Tacitus und andere römische Geschichtsschreiber stützt, deren voreingenommene Perspektive ja durchaus bekannt ist.</p>
<p>Trotzdem liest sich das Buch leicht und, wo die beschriebenen Mängel mich nicht gerade verärgert haben, auch spaßig, interessant, ja fesselnd. Francia ist dort stark, wo sie ganz aus sich selbst schöpft, wo sie erzählt. Poetisch, bisweilen komisch, unterhalten ihre Märchen-Neuerzählungen. Auch das Kapitel über Landesmütter habe ich mit Spaß an der Sache gelesen. Ihre Schilderung der keltischen und germanischen Göttinnen macht ebenfalls Freude, hier ist sie in ihrem Element.<br />
Das kurze Jahreskreis-Kapitel hingegen läßt diesen Eindruck des &#8220;in ihrem Element seins&#8221; ein wenig vermissen. Dort drängt sich der Verdacht auf, daß es nur angehängt wurde, weil das Thema bei Kelten und Germanen nun mal auf dem Tisch ist und erwartet wird. Einiges in diesem Kapitel (z.B. die Gleichsetzung von Beltane mit der Sommersonnenwende) wirkt uninformiert und geht an dem vorbei, was ich von anderen Autorinnen und aus der verbreiteten Praxis der heidnischen Bewegung kenne.</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
&#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ist ein Lesebuch, das mit eingeschaltetem Kopf und einer gewissen kritischen Distanz gelesen sein will. Es enthält wenig Neues, und wer irgendeine Art von Anleitung, Ritualanregung oder Information über keltische bzw. germanische Religion und Kulte sucht, sollte zu anderer Literatur greifen.<br />
Die germanischen Stämme hätten es nötig, unter dem Wust von Zerrbildern, historischer Fehlinformation, glorifizierender nationalistischer Aneignung und Tabus hervorgeholt zu werden. Francia erweist ihnen allerdings einen Bärendienst, indem sie ihre Quellen verschweigt und auf eine nachgerade esoterische Weise abermals mythisiert.<br />
Für mich war &#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ein getrübtes Vergnügen, zum Einstieg in das Thema &#8220;Kelten und Germanen&#8221; würde ich es definitiv nicht empfehlen.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Thursa <a href="http://www.nornirsaett.de/luisa-francia-die-gottin-im-federkleid-das-weibliche-universum-bei-kelten-und-germanen/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="float:left; margin-right:10px"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/francia_goettin.jpg" alt="Luisa Francia: Die Göttin im Federkleid" /></div>
<p>Wenn eine so altgediente Größe der Hexenbewegung sich mit den Kelten und Germanen befaßt, dann ist das Ergebnis für mich geradezu Pflichtlektüre. Ich nehme nicht viel vorweg, wenn ich sage, daß mich dieses Buch eher enttäuscht hat.<br />
Das liegt vor allem an einem: Kritischer Umgang mit Quellen und Exaktheit, wie sie bei diesem Thema eigentlich angeraten wären, sind Francias Stärke leider nicht. Den GermanInnen etwa Reste einer matriarchalen Gesellschaftsordnung zu unterstellen, ohne dafür Quellen zu nennen, geht mir gegen den Strich, nicht weil ich irgendeinen Vorbehalt gegen matriarchale Zustände an sich habe, sondern weil es abermals eine mythisierende Interpretation ist, die die Informationen, aus denen sie gewonnen ist, verschleiert. Und daß sie den Mythos von der Hexenverfolgung als &#8220;Vernichtung der Weisen Frauen&#8221; weiter kolportiert, obwohl sie es besser wissen könnte, ist regelrecht ärgerlich. Ebenso fällt einem die zutiefst heteronormative Opposition Männer gegen Frauen, wie Francia sie so gerne beschwört &#8211; hie die aggressiven, im Grunde primitiven, machtversessenen, rationalen Männer, dort die kulturschöpfenden, kreativen, friedlichen, mit der Erde in Einklang lebenden Frauen -, eher früher als später auf die Nerven. Die Glorifizierung geschützter Frauenräume macht die Sache nicht besser.  Ihre Skepsis an der Geschichtswissenschaft und der Archäologie, denen sie vorwirft, sich nur für das männliche Leben zu interessieren, wirkt fragwürdig, wo der Verdacht entsteht, daß sie sich die Welt macht, wie sie ihr gefällt und nur die Fakten zur Kenntnis nimmt, die in ihr Weltbild passen. <span id="more-3255"></span>Bitterlich vermisse ich auch Quellenangaben, und wo sie Quellen nennt, wecken die eher noch mehr Zweifel. So kann ich den Eindruck nicht abschütteln, daß sie sich relativ unkritsch auf Tacitus und andere römische Geschichtsschreiber stützt, deren voreingenommene Perspektive ja durchaus bekannt ist.</p>
<p>Trotzdem liest sich das Buch leicht und, wo die beschriebenen Mängel mich nicht gerade verärgert haben, auch spaßig, interessant, ja fesselnd. Francia ist dort stark, wo sie ganz aus sich selbst schöpft, wo sie erzählt. Poetisch, bisweilen komisch, unterhalten ihre Märchen-Neuerzählungen. Auch das Kapitel über Landesmütter habe ich mit Spaß an der Sache gelesen. Ihre Schilderung der keltischen und germanischen Göttinnen macht ebenfalls Freude, hier ist sie in ihrem Element.<br />
Das kurze Jahreskreis-Kapitel hingegen läßt diesen Eindruck des &#8220;in ihrem Element seins&#8221; ein wenig vermissen. Dort drängt sich der Verdacht auf, daß es nur angehängt wurde, weil das Thema bei Kelten und Germanen nun mal auf dem Tisch ist und erwartet wird. Einiges in diesem Kapitel (z.B. die Gleichsetzung von Beltane mit der Sommersonnenwende) wirkt uninformiert und geht an dem vorbei, was ich von anderen Autorinnen und aus der verbreiteten Praxis der heidnischen Bewegung kenne.</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
&#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ist ein Lesebuch, das mit eingeschaltetem Kopf und einer gewissen kritischen Distanz gelesen sein will. Es enthält wenig Neues, und wer irgendeine Art von Anleitung, Ritualanregung oder Information über keltische bzw. germanische Religion und Kulte sucht, sollte zu anderer Literatur greifen.<br />
Die germanischen Stämme hätten es nötig, unter dem Wust von Zerrbildern, historischer Fehlinformation, glorifizierender nationalistischer Aneignung und Tabus hervorgeholt zu werden. Francia erweist ihnen allerdings einen Bärendienst, indem sie ihre Quellen verschweigt und auf eine nachgerade esoterische Weise abermals mythisiert.<br />
Für mich war &#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ein getrübtes Vergnügen, zum Einstieg in das Thema &#8220;Kelten und Germanen&#8221; würde ich es definitiv nicht empfehlen.</p>
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		<item>
		<title>Vera Zingsem: Freya, Iduna und Thor: Vom Charme der germanischen Göttermythen</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/vera-zingsem-freya-iduna-thor-vom-charme-der-germanischen-gottermythen/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/vera-zingsem-freya-iduna-thor-vom-charme-der-germanischen-gottermythen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 10:14:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigh</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<div id="attachment_3209" class="wp-caption alignnone" style="width: 260px"><img class="size-medium wp-image-3209  " src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Iduna-300x300.jpg" alt="" width="250" height="250" /><p class="wp-caption-text">Freya, Iduna &amp; Thor: Vom Charme der germanischen Göttermythen</p></div>
<h3><strong>Alter Sagen  neue Sicht</strong></h3>
<p>Auf Missstände hinzuweisen, sie aufzudecken, wo man sie findet, ist wichtig – schafft sie aber nicht ab, sondern lediglich Voraussetzungen dafür. Das gilt auch für Entzerrungen germanischer Geschichte und den Sonderfall der ja besonders arg besudelten germanischen Mythologie. Es reicht nicht, da nur den Dreck abzuwischen – mal abgesehen davon, dass das gar nicht so einfach ist: Das Thema ist ein verdammt komplexes. Nimmt man die Fälschungen auseinander, hat man erstmal einen Scherbenhaufen, der keinen Altar ergibt und schon gar keinen Kraftort: gerade fürs heidnische Gemüt ein ganz unerquicklicher Zustand.</p>
<p>Umso wichtiger daher, wenn sich Beherzte aufmachen, das Feld nicht nur neu zu erkunden, sondern auch mit eigenen Interpretationen füllen, die sich von altem Schmodder (der ja zudem noch falsch ist und auch bei ständiger Wiederkäuung falsch bleibt) wohltuend abheben.<br />
Zu denen, die zum heiklen Thema neue Perspektiven wagen, gehört sicherlich die Autorin Vera Zingsem mit ihrer Neuerzählung – und Neuverknüpfung – alter Sagen, Märchen und Edda-Mythen. Sie findet &#8220;Charme&#8221; darin – tatsächlich tut sie viel dafür, gerade den ollen Germanengöttern einen solchen zu verleihen. Dabei erweist sie sich eher als charmante Erzählerin, die begeistert auch über manche Ungereimtheit fröhlich drüberkleistert. Es scheint ihr aufs Ergebnis anzukommen. Das ist hübsch und in dem Fall sogar mutig. Aber ein Sachbuch? Will es gar nicht sein&#8230;</p>
<p><span id="more-3210"></span></p>
<h3><strong>&#8220;Freya, Iduna und Thor – vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221;</strong></h3>
<p><em> </em></p>
<p><em>&#8220;Freya bringt Strickwaren. Iduna versichert. Weleda und Wala machen schön. Walküren gibt&#8217;s bei Wagner. Nornen bei Droste-Hülshoff. Und Thors Hammer schmückt Frauen und Männer. Aber warum?&#8221;</em></p>
<p>Wenn man zuvorderst einmal Titel und die erste Hälfte der Rückseite des Buches gelesen hat, wird man zugegebenermaßen neugierig.</p>
<p>Liest man zweit Genanntes allerdings weiter, taucht das erste Fragezeichen auf: <em>&#8220;Ein wichtiges Stück Kultur-, Religions- und Seelengeschichte. Ein unbefangener und unverstellter Blick auf unsere Märchen und germanischen Mythen […]&#8220;</em></p>
<h3><strong>Unverstellter Blick?</strong></h3>
<p>Bevor sich der eigene Blick auf das Buch verstellt, ist es zunächst einmal wichtig, das Vorwort mit größter Aufmerksamkeit zu lesen, denn dort legt Zingsem klar, was das Buch ist und was es nicht ist. An diesen Kommentaren stellt sich vielleicht mitunter heraus, was man selbst von dem Buch hält.</p>
<p>Zingsem hat in ihrem Buch konkret versucht, die germanischen Götter von ihrer nationalistischen, rechtslastigen und treu-doofen Konnotation zu lösen.<br />
So weit, so löblich die Intention.</p>
<p>Zingsem dazu in ihrem Vorwort: <em>&#8220;Das Buch ist ein Versuch, die nordisch-germanische Mythologie gegen den Strich zu lesen. Nicht das Heldische, nicht die angebliche Blut -und Bodenmystik stehen im Mittelpunkt, sondern Liebe, Weisheit, Humor und Poesie.&#8221;</em> (S. 159)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Lange Zeit bin ich um die Themen der nordisch-germanischen Mythologie herumgeschlichen wie die berühmte Katze um den heißen Brei. Ich wollte mir die Finger nicht verbrennen an dem, was uns die jüngere deutsche Vergangenheit als allzu heißes Eisen hinterlassen hatte. So kannte ich mich irgendwann mit den Mythen der ganzen Welt besser aus als mit den heimischen. Hier war sozusagen vermintes Gebiet, befanden sich weiße Flecken auf der Landkarte, das quasi politisch verordnete Niemandsland für unsere Gedanken.&#8221;</em> (S. 11)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Es wird Zeit, die nordische Mythologie vom Ritterrüstungswahn falschen Heldentums zu befreien. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, eine (sprach)wissenschaftliche oder eine historische Analyse vorzulegen. Vielmehr soll ein Lesebuch entstehen, dessen Geschichten zum Stauen und Schmökern einladen. So wie hier sind die Geschichten vielleicht schon lange nicht mehr (oder sogar noch nie) erzählt worden.&#8221; </em>(S. 17)</p>
<p><em>&#8220;[…) ein Versuch der Neu-Deutung durch Wiedergewinnung eines unbefangenen Blicks auf Mythen […]&#8221; </em>(S. 17)</p>
<h3><strong>Der Seherin Gesicht</strong></h3>
<p>Doch zuerst ein sehr kurzer Abriss über den Inhalt des Buches, dessen Titelblatt Freya, Iduna und Thor in bunten und sympathischen Bildern zieren.</p>
<p>In 13 Kapiteln inszeniert die Autorin die göttliche germanische Komödie, erzählt ihre Sicht von Frau Holle, Yggdrasil, Gefjon, den Wanen, Walküren, Disen, Odin, Frigg und Freya, Thor, Loki und Anhang, Nott, Sol, Dag, Mani und noch vielen anderen Gestalten der germanischen Mythologie. Auch vom Schöpfungsmythos und dem Ragnarök weiß sie in amüsanter Form zu erzählen.<br />
Weiter ist der Inhalt in dem Sinne nicht auszuführen, weil er schlichtweg die üblichen Geschichten zu Begebenheiten und Figuren bietet, wenngleich ein paar schöne Interpretationen doch neu sind, bzw. bis jetzt so noch nicht aufgeschrieben waren. So werden Begebenheiten der germanischen Mythologie als Naturmythen interpretiert. Hier einige Beispiele:</p>
<p>Sif steht im Hochsommer kahl vor ihrem Gemahl Thor, da Loki ihr die Haare abgeschnitten hat. <em>&#8220;Die Ähren, die reif und glänzend in der Furche stehen, werden als Haar der Erde gedeutet. Ganz wie die &#8216;blonde Demeter&#8217;, die sich im Herbst in die schwarze Persephone verwandelt, so erscheint auch Sif, die &#8216;Erfreuliche&#8217;, hier als Erdgöttin, deren Gesicht und Aussehen sich mit den Jahreszeiten wandelt. Und es sind die Zwerge, die aus dem Inneren der Erde das neue Wachstum vorbereiten. So wie auch Thor seiner Gemahlin hilft, indem er sie im Frühling von Schnee und Eis befreit.&#8221;</em> (S. 209)</p>
<p>Ähnlich erzählt sie auch von Freya und Odur, deren Beziehung sie als die <em>&#8220;allgemeine Mythologie vom Suchen und Finden&#8221;</em>, vom <em>&#8220;Verschwinden und Wiederauferstehen des Vegetations-Gottes im Frühling und im Herbst&#8221;</em> interpretiert (S. 110).</p>
<p>Auch wenn diese Interpretationen nicht jedermanns und jederfraus Sache sind – dies alleine sollte keineswegs ein Grund sein, das Buch sofort wieder aus der Hand zu legen. Ganz im Gegenteil, es wird eine ganz interessante Perspektive auf die ganze Sache.<br />
Zingsem nimmt ihre Interpretationen so vor, wie sie es auch in ihren anderen Büchern gerne tut, nämlich mit Schwerpunkt und Hervorhebung starker und selbstbewusster Frauen und Göttinnen.</p>
<p>Nur halb so ernst nehmen darf man Zingsems Blick auf historische Fakten und die Sprachgeschichte, denn das ist nicht ihr Gebiet.</p>
<p>So ist – um nur ein Beispeil zu nennen – ihre etymologische Herleitung des Namens Freya nicht korrekt, so wie sie es auf S. 108 darstellt:<em>&#8220;Der Name Freya bedeutet einerseits &#8216;Frau Herrin&#8217; (entsprechend dem lat. Domina) und hängt andererseits mit der indogermanischen Wortwurzel priio für lieb, froh und gut, bzw. gothisch frijón für lieben zusammen.&#8221;</em><br />
Richtig ist aber vielmehr, dass Freya  zu indogermanisch *pro-, &#8216;vorne&#8217;, gehört, also &#8216;Herrin&#8217; meint. Nur auf Frigg trifft &#8216;lieben&#8217; zu. Ihr Name stammt vom indogermanischen *prii- altgermanisch *fri. Durch die erste Lautverschiebung wurde &#8216;p&#8217; zu &#8216;f&#8217;, das &#8216;ii&#8217; wurde in der goto-nordischen Verschärfung der Halbvokale zu &#8216;gg&#8217;.<br />
Auch die daraus abgeleitete Interpretation, dass Freyas Bruder Frey hierzulande oft einfach nur &#8216;Froh&#8217; heiße, ist daher falsch, da Frey und Freya dieselbe Wortwurzel miteinander teilen und ihre Namen schlichtweg nur &#8216;Herr&#8217; und &#8216;Herrin&#8217; bedeuten.<br />
Dies zeigt auch deutlich, dass es nicht stimmen kann, wenn Zingsem sagt, dass vom Wesen und Namen her die beiden Göttinnen Freya und Frigg ursprünglich so gut wie gleich gewesen wären (vgl. S. 180).Hinterfragen ist eben leider nicht die Stärke der Autorin.</p>
<p>Als Beispiel dafür sei die auf für meinen Geschmack ganz zauberhafte und eindrucksvolle literarische Schilderung vom Auftritt der Spákona – Seherin –  Thorbjörg in der &#8220;Eriks-Saga&#8221; genannt. Steht dort doch tatsächlich: <em>&#8220;Wie sich so ein Ritual vollzogen hat, erfahren wir aus der Saga Eriks des Roten&#8221; </em>(S. 119).<br />
Auch wenn es archäologische Funde von Beuteln (z.B. Grabfund von Lyngby) gibt, deren Inhalt als von magischer Natur gedeutet werden könne, so ist die Feststellung &#8220;wie es sich vollzogen hat&#8221; doch etwas gewagt, wenn man dem Umstand Rechnung trägt, dass die Niederschrift bereits aus erzchristlicher Zeit stammt.<br />
Dennoch muss man aber auch anmerken, dass die Textstelle sich ob ihres nüchternen Detailreichtums tatsächlich wie eine Schilderung einer Tatsache liest.Ingesamt also eine hakelige Sache, das mit dem Fakten.<br />
Diese Stelle wäre jedenfalls einmal mehr eine Möglichkeit gewesen, der Quellenlage etwas mehr an Bedeutung beizumessen und diese kritisch darzustellen.</p>
<p>Auch die unhinterfragte Existenz einer Göttin Ostara hätte sich dafür ganz wunderbar angeboten (vgl. S. 124).</p>
<h3><strong>Ältliche Quellen, manchmal trüb</strong></h3>
<p>Zur verwendeten Literatur ist zu sagen, dass sie insgesamt nicht sonderlich vertrauenserweckend ist. Zu alt, dh auch überholt, ist zum einen, zu zweifelhaft zum anderen.<br />
So finden wir darunter auch Hans von Wolzogen mit &#8220;Göttersagen der Edda&#8221; aus dem Jahr 1919. Derselbe Wolzogen gehörte 1929 zu den Unterzeichnern des Gründungsmanifestes des &#8220;völkisch&#8221; gesinnten, antisemitischen &#8220;Kampfbunds für deutsche Kultur&#8221;.</p>
<p>Paul Zaunert, in der Bibliographie mit &#8220;Deutsche Märchen seit Grimm&#8221; aus dem Jahr 1922 vertreten, war immerhin seit 1925 Herausgeber der Schriftenreihe &#8220;Deutsche Volkheit&#8221;.</p>
<p>Derartige Werke unkommentiert in ein Buch zu integrieren, das eigentlich gerne gegen die <em>&#8220;überkommene Mythenauslegung der NS-Zeit&#8221;</em> (Klappentext) sprechen möchte, ist natürlich völlig unmöglich. Schade, dass diesem Umstand nirgendwo Rechnung getragen wird.</p>
<p>Harmlos – zumindest relativ gesehen, wenngleich ärgerlich – sind natürlich Bücher zu Themen, zu denen es wesentlich bessere Literatur gibt. Nigel Pennick mit &#8220;Das Runenorakel&#8221; (1990) und Edred Thorsson mit dem &#8220;Handbuch der Runenmagie&#8221; (1992) wären wirklich nicht nötig gewesen.</p>
<h3><strong>Die schönere Geschichte</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist vielleicht die Snorra des 21. Jahrhunderts. Sie erzählt die Geschichten neu, aus ihrer Sicht und mit ihrem kulturellen und philosophischen, spirituellen Hintergrund. Sieht man sie als poetische Neuerzählerin, so kann man ihr das Buch nicht nachtragen.</p>
<p>Bei ihrer Inszenierung legt sie den Figuren das bestmögliche Make Up an, arrangiert die beste Beleuchtung, sie fügt zusammen (auch, was nicht immer zusammen gehört) und füllt Löcher (mit welchen Füllungen auch immer). Schade ist, dass sämtliche Schminke nicht als solche ausgewiesen ist.</p>
<p>Soweit ich ihr Ansinnen durchschaut habe, so möchte sie eine verzerrte Rezeption aufarbeiten. Was dabei allerdings herauskommt, ist eine erneut verzerrte Rezeption.</p>
<p>Dennoch muss man der Autorin zu Gute halten, dass sie ganz klar die schönere Geschichte erzählt.</p>
<p>Wir können Mythen sehen, wie immer wir wollen, das heißt somit in logischer Konsequenz auch, dass die besudeltsten Dinge nicht verloren sein müssen. Und dafür ist Zingsems Buch <em>&#8220;Freya, Iduna und Thor. Vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221; </em>der niedergeschriebene Beweis.</p>
<p>Vera Zingsem: Freya, Iduna &amp; Thor<br />
Vom Charme der germanischen Göttermythen.<br />
Tübingen, Klöpfer und Meyer Verlag<br />
Auflage 1, 22. März 2010</p>
<p>263 Seiten, geb. mit Schutzumschlag<br />
€ [D] 22,00 / [A] 22,70</p>
<h3><strong>Über die Autorin</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist Diplomtheologin, Tanzpädagogin, Mythen- und Symbolforscherin, freie Autorin und Dozentin (unter anderem an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg). Sie lebt und arbeitet heute in Tübingen.</p>
<h3><strong>Weitere publizierte Werke</strong></h3>
<ul>
<li>Die Weisheit der Schöpfungsmythen: Wie uralte Geschichten unser Denken prägen (Stuttgart 2009 )</li>
<li>Der Himmel ist mein, die Erde ist mein: Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten. (Schalksmühle 2008)</li>
<li>Das Geheimnis der Sonne: (Eschbach 2008)</li>
<li>Sind die Weltreligionen friedensfähig? Ein Plädoyer für eine gerechte Religion (2006)</li>
<li>Lilith, Adams erste Frau  (Tübingen 2002, Leipzig 2005))</li>
<li>Klar wie das Wasser  (Freiburg 2002)</li>
<li>Schlangenfrau und Chaosdrache in Märchen, Mythos und Kunst (2001)</li>
<li>Die Einladung nach Jerusalem (Frankfurt am Main 2001)</li>
<li>Im Schatten des Olivenbaums: Erzählungen zu Palästina/Israel (1994)</li>
</ul>
<p><em>Brigh, im Juli 2010</em></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Brigh <a href="http://www.nornirsaett.de/vera-zingsem-freya-iduna-thor-vom-charme-der-germanischen-gottermythen/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
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<h3><strong>Alter Sagen  neue Sicht</strong></h3>
<p>Auf Missstände hinzuweisen, sie aufzudecken, wo man sie findet, ist wichtig – schafft sie aber nicht ab, sondern lediglich Voraussetzungen dafür. Das gilt auch für Entzerrungen germanischer Geschichte und den Sonderfall der ja besonders arg besudelten germanischen Mythologie. Es reicht nicht, da nur den Dreck abzuwischen – mal abgesehen davon, dass das gar nicht so einfach ist: Das Thema ist ein verdammt komplexes. Nimmt man die Fälschungen auseinander, hat man erstmal einen Scherbenhaufen, der keinen Altar ergibt und schon gar keinen Kraftort: gerade fürs heidnische Gemüt ein ganz unerquicklicher Zustand.</p>
<p>Umso wichtiger daher, wenn sich Beherzte aufmachen, das Feld nicht nur neu zu erkunden, sondern auch mit eigenen Interpretationen füllen, die sich von altem Schmodder (der ja zudem noch falsch ist und auch bei ständiger Wiederkäuung falsch bleibt) wohltuend abheben.<br />
Zu denen, die zum heiklen Thema neue Perspektiven wagen, gehört sicherlich die Autorin Vera Zingsem mit ihrer Neuerzählung – und Neuverknüpfung – alter Sagen, Märchen und Edda-Mythen. Sie findet &#8220;Charme&#8221; darin – tatsächlich tut sie viel dafür, gerade den ollen Germanengöttern einen solchen zu verleihen. Dabei erweist sie sich eher als charmante Erzählerin, die begeistert auch über manche Ungereimtheit fröhlich drüberkleistert. Es scheint ihr aufs Ergebnis anzukommen. Das ist hübsch und in dem Fall sogar mutig. Aber ein Sachbuch? Will es gar nicht sein&#8230;</p>
<p><span id="more-3210"></span></p>
<h3><strong>&#8220;Freya, Iduna und Thor – vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221;</strong></h3>
<p><em> </em></p>
<p><em>&#8220;Freya bringt Strickwaren. Iduna versichert. Weleda und Wala machen schön. Walküren gibt&#8217;s bei Wagner. Nornen bei Droste-Hülshoff. Und Thors Hammer schmückt Frauen und Männer. Aber warum?&#8221;</em></p>
<p>Wenn man zuvorderst einmal Titel und die erste Hälfte der Rückseite des Buches gelesen hat, wird man zugegebenermaßen neugierig.</p>
<p>Liest man zweit Genanntes allerdings weiter, taucht das erste Fragezeichen auf: <em>&#8220;Ein wichtiges Stück Kultur-, Religions- und Seelengeschichte. Ein unbefangener und unverstellter Blick auf unsere Märchen und germanischen Mythen […]&#8220;</em></p>
<h3><strong>Unverstellter Blick?</strong></h3>
<p>Bevor sich der eigene Blick auf das Buch verstellt, ist es zunächst einmal wichtig, das Vorwort mit größter Aufmerksamkeit zu lesen, denn dort legt Zingsem klar, was das Buch ist und was es nicht ist. An diesen Kommentaren stellt sich vielleicht mitunter heraus, was man selbst von dem Buch hält.</p>
<p>Zingsem hat in ihrem Buch konkret versucht, die germanischen Götter von ihrer nationalistischen, rechtslastigen und treu-doofen Konnotation zu lösen.<br />
So weit, so löblich die Intention.</p>
<p>Zingsem dazu in ihrem Vorwort: <em>&#8220;Das Buch ist ein Versuch, die nordisch-germanische Mythologie gegen den Strich zu lesen. Nicht das Heldische, nicht die angebliche Blut -und Bodenmystik stehen im Mittelpunkt, sondern Liebe, Weisheit, Humor und Poesie.&#8221;</em> (S. 159)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Lange Zeit bin ich um die Themen der nordisch-germanischen Mythologie herumgeschlichen wie die berühmte Katze um den heißen Brei. Ich wollte mir die Finger nicht verbrennen an dem, was uns die jüngere deutsche Vergangenheit als allzu heißes Eisen hinterlassen hatte. So kannte ich mich irgendwann mit den Mythen der ganzen Welt besser aus als mit den heimischen. Hier war sozusagen vermintes Gebiet, befanden sich weiße Flecken auf der Landkarte, das quasi politisch verordnete Niemandsland für unsere Gedanken.&#8221;</em> (S. 11)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Es wird Zeit, die nordische Mythologie vom Ritterrüstungswahn falschen Heldentums zu befreien. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, eine (sprach)wissenschaftliche oder eine historische Analyse vorzulegen. Vielmehr soll ein Lesebuch entstehen, dessen Geschichten zum Stauen und Schmökern einladen. So wie hier sind die Geschichten vielleicht schon lange nicht mehr (oder sogar noch nie) erzählt worden.&#8221; </em>(S. 17)</p>
<p><em>&#8220;[…) ein Versuch der Neu-Deutung durch Wiedergewinnung eines unbefangenen Blicks auf Mythen […]&#8221; </em>(S. 17)</p>
<h3><strong>Der Seherin Gesicht</strong></h3>
<p>Doch zuerst ein sehr kurzer Abriss über den Inhalt des Buches, dessen Titelblatt Freya, Iduna und Thor in bunten und sympathischen Bildern zieren.</p>
<p>In 13 Kapiteln inszeniert die Autorin die göttliche germanische Komödie, erzählt ihre Sicht von Frau Holle, Yggdrasil, Gefjon, den Wanen, Walküren, Disen, Odin, Frigg und Freya, Thor, Loki und Anhang, Nott, Sol, Dag, Mani und noch vielen anderen Gestalten der germanischen Mythologie. Auch vom Schöpfungsmythos und dem Ragnarök weiß sie in amüsanter Form zu erzählen.<br />
Weiter ist der Inhalt in dem Sinne nicht auszuführen, weil er schlichtweg die üblichen Geschichten zu Begebenheiten und Figuren bietet, wenngleich ein paar schöne Interpretationen doch neu sind, bzw. bis jetzt so noch nicht aufgeschrieben waren. So werden Begebenheiten der germanischen Mythologie als Naturmythen interpretiert. Hier einige Beispiele:</p>
<p>Sif steht im Hochsommer kahl vor ihrem Gemahl Thor, da Loki ihr die Haare abgeschnitten hat. <em>&#8220;Die Ähren, die reif und glänzend in der Furche stehen, werden als Haar der Erde gedeutet. Ganz wie die &#8216;blonde Demeter&#8217;, die sich im Herbst in die schwarze Persephone verwandelt, so erscheint auch Sif, die &#8216;Erfreuliche&#8217;, hier als Erdgöttin, deren Gesicht und Aussehen sich mit den Jahreszeiten wandelt. Und es sind die Zwerge, die aus dem Inneren der Erde das neue Wachstum vorbereiten. So wie auch Thor seiner Gemahlin hilft, indem er sie im Frühling von Schnee und Eis befreit.&#8221;</em> (S. 209)</p>
<p>Ähnlich erzählt sie auch von Freya und Odur, deren Beziehung sie als die <em>&#8220;allgemeine Mythologie vom Suchen und Finden&#8221;</em>, vom <em>&#8220;Verschwinden und Wiederauferstehen des Vegetations-Gottes im Frühling und im Herbst&#8221;</em> interpretiert (S. 110).</p>
<p>Auch wenn diese Interpretationen nicht jedermanns und jederfraus Sache sind – dies alleine sollte keineswegs ein Grund sein, das Buch sofort wieder aus der Hand zu legen. Ganz im Gegenteil, es wird eine ganz interessante Perspektive auf die ganze Sache.<br />
Zingsem nimmt ihre Interpretationen so vor, wie sie es auch in ihren anderen Büchern gerne tut, nämlich mit Schwerpunkt und Hervorhebung starker und selbstbewusster Frauen und Göttinnen.</p>
<p>Nur halb so ernst nehmen darf man Zingsems Blick auf historische Fakten und die Sprachgeschichte, denn das ist nicht ihr Gebiet.</p>
<p>So ist – um nur ein Beispeil zu nennen – ihre etymologische Herleitung des Namens Freya nicht korrekt, so wie sie es auf S. 108 darstellt:<em>&#8220;Der Name Freya bedeutet einerseits &#8216;Frau Herrin&#8217; (entsprechend dem lat. Domina) und hängt andererseits mit der indogermanischen Wortwurzel priio für lieb, froh und gut, bzw. gothisch frijón für lieben zusammen.&#8221;</em><br />
Richtig ist aber vielmehr, dass Freya  zu indogermanisch *pro-, &#8216;vorne&#8217;, gehört, also &#8216;Herrin&#8217; meint. Nur auf Frigg trifft &#8216;lieben&#8217; zu. Ihr Name stammt vom indogermanischen *prii- altgermanisch *fri. Durch die erste Lautverschiebung wurde &#8216;p&#8217; zu &#8216;f&#8217;, das &#8216;ii&#8217; wurde in der goto-nordischen Verschärfung der Halbvokale zu &#8216;gg&#8217;.<br />
Auch die daraus abgeleitete Interpretation, dass Freyas Bruder Frey hierzulande oft einfach nur &#8216;Froh&#8217; heiße, ist daher falsch, da Frey und Freya dieselbe Wortwurzel miteinander teilen und ihre Namen schlichtweg nur &#8216;Herr&#8217; und &#8216;Herrin&#8217; bedeuten.<br />
Dies zeigt auch deutlich, dass es nicht stimmen kann, wenn Zingsem sagt, dass vom Wesen und Namen her die beiden Göttinnen Freya und Frigg ursprünglich so gut wie gleich gewesen wären (vgl. S. 180).Hinterfragen ist eben leider nicht die Stärke der Autorin.</p>
<p>Als Beispiel dafür sei die auf für meinen Geschmack ganz zauberhafte und eindrucksvolle literarische Schilderung vom Auftritt der Spákona – Seherin –  Thorbjörg in der &#8220;Eriks-Saga&#8221; genannt. Steht dort doch tatsächlich: <em>&#8220;Wie sich so ein Ritual vollzogen hat, erfahren wir aus der Saga Eriks des Roten&#8221; </em>(S. 119).<br />
Auch wenn es archäologische Funde von Beuteln (z.B. Grabfund von Lyngby) gibt, deren Inhalt als von magischer Natur gedeutet werden könne, so ist die Feststellung &#8220;wie es sich vollzogen hat&#8221; doch etwas gewagt, wenn man dem Umstand Rechnung trägt, dass die Niederschrift bereits aus erzchristlicher Zeit stammt.<br />
Dennoch muss man aber auch anmerken, dass die Textstelle sich ob ihres nüchternen Detailreichtums tatsächlich wie eine Schilderung einer Tatsache liest.Ingesamt also eine hakelige Sache, das mit dem Fakten.<br />
Diese Stelle wäre jedenfalls einmal mehr eine Möglichkeit gewesen, der Quellenlage etwas mehr an Bedeutung beizumessen und diese kritisch darzustellen.</p>
<p>Auch die unhinterfragte Existenz einer Göttin Ostara hätte sich dafür ganz wunderbar angeboten (vgl. S. 124).</p>
<h3><strong>Ältliche Quellen, manchmal trüb</strong></h3>
<p>Zur verwendeten Literatur ist zu sagen, dass sie insgesamt nicht sonderlich vertrauenserweckend ist. Zu alt, dh auch überholt, ist zum einen, zu zweifelhaft zum anderen.<br />
So finden wir darunter auch Hans von Wolzogen mit &#8220;Göttersagen der Edda&#8221; aus dem Jahr 1919. Derselbe Wolzogen gehörte 1929 zu den Unterzeichnern des Gründungsmanifestes des &#8220;völkisch&#8221; gesinnten, antisemitischen &#8220;Kampfbunds für deutsche Kultur&#8221;.</p>
<p>Paul Zaunert, in der Bibliographie mit &#8220;Deutsche Märchen seit Grimm&#8221; aus dem Jahr 1922 vertreten, war immerhin seit 1925 Herausgeber der Schriftenreihe &#8220;Deutsche Volkheit&#8221;.</p>
<p>Derartige Werke unkommentiert in ein Buch zu integrieren, das eigentlich gerne gegen die <em>&#8220;überkommene Mythenauslegung der NS-Zeit&#8221;</em> (Klappentext) sprechen möchte, ist natürlich völlig unmöglich. Schade, dass diesem Umstand nirgendwo Rechnung getragen wird.</p>
<p>Harmlos – zumindest relativ gesehen, wenngleich ärgerlich – sind natürlich Bücher zu Themen, zu denen es wesentlich bessere Literatur gibt. Nigel Pennick mit &#8220;Das Runenorakel&#8221; (1990) und Edred Thorsson mit dem &#8220;Handbuch der Runenmagie&#8221; (1992) wären wirklich nicht nötig gewesen.</p>
<h3><strong>Die schönere Geschichte</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist vielleicht die Snorra des 21. Jahrhunderts. Sie erzählt die Geschichten neu, aus ihrer Sicht und mit ihrem kulturellen und philosophischen, spirituellen Hintergrund. Sieht man sie als poetische Neuerzählerin, so kann man ihr das Buch nicht nachtragen.</p>
<p>Bei ihrer Inszenierung legt sie den Figuren das bestmögliche Make Up an, arrangiert die beste Beleuchtung, sie fügt zusammen (auch, was nicht immer zusammen gehört) und füllt Löcher (mit welchen Füllungen auch immer). Schade ist, dass sämtliche Schminke nicht als solche ausgewiesen ist.</p>
<p>Soweit ich ihr Ansinnen durchschaut habe, so möchte sie eine verzerrte Rezeption aufarbeiten. Was dabei allerdings herauskommt, ist eine erneut verzerrte Rezeption.</p>
<p>Dennoch muss man der Autorin zu Gute halten, dass sie ganz klar die schönere Geschichte erzählt.</p>
<p>Wir können Mythen sehen, wie immer wir wollen, das heißt somit in logischer Konsequenz auch, dass die besudeltsten Dinge nicht verloren sein müssen. Und dafür ist Zingsems Buch <em>&#8220;Freya, Iduna und Thor. Vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221; </em>der niedergeschriebene Beweis.</p>
<p>Vera Zingsem: Freya, Iduna &amp; Thor<br />
Vom Charme der germanischen Göttermythen.<br />
Tübingen, Klöpfer und Meyer Verlag<br />
Auflage 1, 22. März 2010</p>
<p>263 Seiten, geb. mit Schutzumschlag<br />
€ [D] 22,00 / [A] 22,70</p>
<h3><strong>Über die Autorin</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist Diplomtheologin, Tanzpädagogin, Mythen- und Symbolforscherin, freie Autorin und Dozentin (unter anderem an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg). Sie lebt und arbeitet heute in Tübingen.</p>
<h3><strong>Weitere publizierte Werke</strong></h3>
<ul>
<li>Die Weisheit der Schöpfungsmythen: Wie uralte Geschichten unser Denken prägen (Stuttgart 2009 )</li>
<li>Der Himmel ist mein, die Erde ist mein: Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten. (Schalksmühle 2008)</li>
<li>Das Geheimnis der Sonne: (Eschbach 2008)</li>
<li>Sind die Weltreligionen friedensfähig? Ein Plädoyer für eine gerechte Religion (2006)</li>
<li>Lilith, Adams erste Frau  (Tübingen 2002, Leipzig 2005))</li>
<li>Klar wie das Wasser  (Freiburg 2002)</li>
<li>Schlangenfrau und Chaosdrache in Märchen, Mythos und Kunst (2001)</li>
<li>Die Einladung nach Jerusalem (Frankfurt am Main 2001)</li>
<li>Im Schatten des Olivenbaums: Erzählungen zu Palästina/Israel (1994)</li>
</ul>
<p><em>Brigh, im Juli 2010</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der magische Kreis &#8211; Quadratur des Kreises!?</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/der-magische-kreis-quadratur-des-kreises/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/der-magische-kreis-quadratur-des-kreises/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 14:40:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hain & Trommel]]></category>
		<category><![CDATA[elemente]]></category>
		<category><![CDATA[Kreis]]></category>
		<category><![CDATA[ritual]]></category>
		<category><![CDATA[rituale]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><em>Viel wurde über die (Un)Sinnigkeit der Verwendung von energetischen Kreisen geschrieben und diskutiert.<br />
</em></p>
<p><em>Sollte man Lust auf noch eine Diskussion und noch eine Abhandlung dazu haben, dann könnte dieser Artikel &#8211; vorausgesetzt man kann an diesem Ritualelement selbst irgendeinen Nutzen und/oder Gefallen finden &#8211; vielleicht von Interesse sein.Für mich persönlich ist das Ziehen des Kreises aus unterschiedlichen Gründen von Nutzen und zwar bei jeglicher magischen oder schamanischen Arbeit.Warum das so ist, möchte ich in den folgenden Zeilen, die ausschließlich meine persönliche Auffassung wiedergeben, erörtern.</em></p>
<p><em> </em></p>
<h3><em>Warum Kreise?<br />
</em></h3>
<p>Gerne vergleiche ich das Ziehen eines Kreises in einem Ritual mit einem Kuchen im Backrohr: Für das Gelingen eines Kuchens ist es schließlich auch notwendig, dass ich das Backrohr schließe und nicht offen lasse. So entkommt mir keine Hitze und der Kuchen kann drinnen, unter konstanter Temperatur und geschützten Verhältnissen (es kommt kein Luftzug dazu, kein Staub, kein umgeschüttetes Glas Wasser kann dem Kuchen etwas anhaben&#8230;) gut aufgehen. Das hat also, laut praktischem Hausverstand, nichts mit Paranoia zu tun, sondern mit ganz normalen und einfachen Gegebenheiten. So verhält es sich aus meiner Sicht auch mit einem magischen Kreis, der eine äußerst praktische und effektive Technik ist, um magisch gut arbeiten zu können.</p>
<p>Ich ziehe einen energetischen Kreis, wie bereits erwähnt, um drinnen ungestört, unter gleich bleibenden Verhältnissen arbeiten zu können. Durch den Kreis ist es mir möglich, störende Faktoren von außen abzuschirmen. Die angesammelte Energie im Kreis entspricht der Hitze im Backofen und ist meinem Dafürhalten nach notwendig für die Durchführung jeder magischen Arbeit. Ein magischer Kreis hat also in erster Linie die Funktion eines geschützten Raumes, in dem ich alleine oder mit einer Gruppe arbeiten kann.</p>
<p>Erst in zweiter Linie kommt dem Kreis die Bedeutung als Schutz gegen negative Fremdenergien zu. Ich bin keine große Freundin der weit verbreiteten Paranoia, dass ein Kreis böse Geister und Dämonen fernhalten sollte &#8211; zumindest ist dies nicht seine vorrangige Bedeutung, auch wenn sie nicht außer Acht gelassen werden sollte. Ein Kreis ist sehr wohl auch als Schutz gegen ungebetene Gäste (die bei magischen Arbeiten ganz gerne mal &#8220;schauen&#8221; kommen) gedacht, sollte aber nicht ausschließlich mit dieser Intention gezogen werden. Um wieder zum Beispiel des Backofens zurückzukehren: Ich schiebe den Kuchen ja auch in den Backofen, damit er mir gut gelingt und schön aufgeht und nicht, um ihn gegen den Luftzug in der Küche zu schützen. So sollte auch die Intention eines Kreises verstanden werden.</p>
<h3>Die Quadratur des Kreises !?</h3>
<p>Das Wort &#8220;Kreis&#8221; birgt ein großes Missverständnis in sich. Denn eigentlich sollten wir von einem &#8220;Ei&#8221; oder einer &#8220;Kugel&#8221; sprechen &#8211; ein energetischer Kreis sollte nämlich nicht nur als Linie am Boden gezogen werden, sondern auch den Raum oberhalb und unterhalb des Bodens mit einschließen und ergibt daher ein Ei, ein seifenblasenartiges Gebilde, das die Ritualteilnehmer in eine besondere Raum-/Zeitebene mitnimmt. Die in Hexenkreisen vielbenutzte Phrase &#8220;so above as below&#8221; oder &#8220;wie oben, so auch unten&#8221;, entspricht genau dieser Struktur.</p>
<h3>Wann wird der Kreis gezogen?</h3>
<p>Der Kreis sollte grundsätzlich zu Beginn eines Rituals gezogen werden. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, dass der Kreis gezogen wird, bevor alle Teilnehmer eintreten. So zieht eine dafür bestimmte Person den Kreis ziehen und dann nach und nach die Teilnehmer mit Reinigung und Segnung in den Kreis lassen.<br />
In manchen Kreisen kann es sein, dass einem immer noch ein Messer, Schwert oder sonst irgendeine Keule unter die Nase gehalten wird, als Zeichen und Warnung davor, dass nichts, aber auch gar nichts, was in diesem Kreis passiert, in die Außenwelt vorzudringen hat. Was früher vielleicht einmal andere Konsequenzen zur Folge hatte (spekuliere ich mal), verletzt heute die Intimsphäre der Beteiligten. Und darüber hinaus verliert die Arbeit an Kraft und Energie.<br />
Je nachdem, wo der Kreis errichtet wird, kann eventuell ein Reinigen und Segnen des Platzes notwendig sein. Arbeitet man an einem Platz, den man kennt und um seine Energie weiß, dann ist das Reinigen nicht so notwendig, in einem Ritualraum/Tempel schon gar nicht. Sollte man an einem Platz arbeiten, den man nicht kennt, ist es sinnvoll, sich zuerst an seine Energie annähern, um überhaupt den Entschluss zu fassen, dort ein Ritual zu machen. Auch hier gilt im Zweifelsfalle  &#8211; Finger davon lassen und einen anderen Platz suchen!</p>
<p>Kreise an sich müssen nicht gereinigt werden. Werden sie aus sauberer Intention heraus gezogen, führt das jegliche Reinigung ad absurdum &#8211; zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach. Die Reinigung eines Kreises darf allerdings nicht mit der Reinigung des Platzes, so wie vorhin beschrieben, verwechselt werden!!! Nun gut, wir haben also einen Platz gefunden, an dem ein Kreis, ein geheiligter Raum gebaut werden kann.</p>
<h3>Wie wird der Kreis gezogen?</h3>
<p>Ein Kreis ist ein geheiligter Raum, jenseits der uns geläufigen Zeit und jenseits des uns geläufigen Raumes. Gezogen wird er nicht mit unserer eigenen Energie, sondern stets mit universaler Energie, die wir, zu Beginn zumindest, aus der Erde ziehen können. Als Kanal und Leitung dient uns unser Körper und als Ventil benutzen wir in der Regel die Hand, ein Athame, einen Stab oder ein anderes Werkzeug, das sich für diesen Zweck eignet.</p>
<h5>Eine von vielen Möglichkeiten</h5>
<p>Stelle dich mit beiden Beinen fest hin, leichte Grätschhaltung, Knie leicht abgewinkelt (durch starre Beine fließt keine Energie!).<br />
Spüre die Erde unter dir und lass dich mit deinem Bewusstsein in die Erde absinken. Visualisiere eine rote Kugel unter deinen Fußsohlen. Mit tiefer Bauchatmung ziehe die Energie langsam nach oben&#8230;mach das so lange, bis du wirklich spürst, dass du die Energie nach außen bringen kannst und den Kreis aufbauen kannst! Wenn du an diesem Punkt angekommen bist, projiziere die Energie durch deine Finger, dein Athame, deinen Stab nach außen und visualisiere den Kreis &#8211; auch nach oben und nach unten, bis du wirklich einen RAUM kreiert hast!</p>
<p>Man kann auch durch die Füße Energie von unten und durch den Scheitel Energie von oben ziehen und anschließend, wenn beide Ströme gut fließen, durch die Arme nach außen gleiten lassen.</p>
<p>Ich beginne mit dem Kreisziehen  im Osten, der Himmelsrichtung des Sonnenaufganges.<br />
Für gewöhnlich (es gibt aber eine Reihe von Ausnahmen!) wird der Kreis im Uhrzeigersinn gelegt.</p>
<p>Ich mache das immer in drei Runden, eine für Segnung, eine für Schutz und eine für die Inkorporation des heiligen Raumes. Sprich dabei einige Worte aus, die dein Verständnis und deine Intention verkörpern.<br />
Beispielsweise:</p>
<p><em>Ich baue einen Kreis, einen Tempel zwischen den Welten.<br />
Ein Ort wo sich Menschen und Götter treffen&#8230;</em></p>
<p>Oder</p>
<p><em>Mit dem Wohlwollen der Götter errichte ich den heiligen Raum,<br />
möge er ein Ort sein, an dem Liebe, Vertrauen und Friede herrschen&#8230;</em></p>
<p>Diese Worte sollten immer der Intention des Kreises entsprechen!<br />
Wenn ein Kreis dicht ist, ist er wirklich dicht. Das heißt, dass nichts hinaus, aber auch nichts hinein kommt. Wenn du jemandem Energie schicken willst oder Götter invozieren willst, dann muss dies in deiner Weise, den Kreis zu ziehen, berücksichtig sein! Ansonsten ist eventuell mit energetischen Ungereimtheiten zu rechnen.<br />
Neben den passenden Worten solltest du auch genau auf das Visualisieren des Kreises achten! Baust du einen Kreis aus hellem Licht, aus lodernden Flammen, aus dicken Mauern oder plätscherndem Wasser? Auch das hat Auswirkungen auf die Energetik im Kreis! Wenn mehrere Menschen im Kreis sind, ist es außerdem wichtig, mit präzisen und unmissverständlichen Bildern zu arbeiten, um eine homogene Energie zu erhalten. Wenn sich jeder irgendetwas anderes vorstellt, wird das erfahrungsgemäß nix.</p>
<h3>Zur Arbeit im Kreis</h3>
<h5>Türen</h5>
<p>Ist ein Kreis einmal gezogen, sollte er von niemand mehr betreten und verlassen werden. Sollte es aber dennoch einmal zu dieser Situation kommen, nimm wieder dein Athame, Stab oder deine Hand, je nachdem, mit welchem Werkzeug du den Kreis gezogen hast, und &#8220;schneide&#8221; eine Türe in den Kreis. Setze dabei rechts an und visualisiere, wie du ein Tor in den Kreis schneidest (Geöffnet wird natürlich entgegen die Richtung in der du den Kreis gezogen hast &#8211; in meinem Beispiel wurde der Kreis also im Uhrzeigersinn aufgebaut.)</p>
<p>Schließe den Kreis nach Verlassen oder Eintritt der Person sofort wieder, indem du links ansetzt und die Türe im Uhrzeigersinn wieder schließt. Unterstützte diese Aktion durch den Einsatz deines Atems. Beim Öffnen atme ein, beim Schließen atme bewusst aus.</p>
<h5>Elemente</h5>
<p>Die Elemente sollten grundsätzlich erst nach dem Errichten des Kreises gerufen werden. Solltest du aber an einem von dir viel frequentierten Platz arbeiten an dem der Kreis nur mehr &#8220;aufgefrischt&#8221; werden muss, dann kannst du die Elemente auch vorher rufen. Die Elemente, Wachtürme, Totemtiere etc. helfen mit, den Kreis zu stärken.</p>
<h5>Halbdurchlässige Kreise</h5>
<p>Bei besonderen Anlässen oder Arbeiten kann der Kreis so angelegt werden, dass ganz bestimmte Wesenheiten in den Kreis eintreten dürfen. Wichtig dabei ist die klare Intention, sonst hat man möglicherweise ungebetene Gäste!</p>
<h5>Das Schließen des Kreises</h5>
<p>Der Kreis wird ganz am Schluss eines Rituals wieder aufgelöst. Nimm erneut dein Werkzeug zur Hand, bedanke dich und visualisiere, wie du die Energie durch dein Werkzeug in dich aufsaugst und dann diese in die Erde zurück leitest. Führe diese Aktion in der Regel gegen den Uhrzeigersinn durch! Sprich dabei abschließende segnende Worte. Hier wohl die bekanntesten:</p>
<p><em>The circle is open, but unbroken,<br />
may the peace of god and goddess be forever in our heart.<br />
Merry meet, merry part and merry meet again!</em></p>
<p>Oder</p>
<p><em>&#8220;Der Kreis ist offen, doch ungebrochen. Froh wir kommen, froh wir gehn, froh wir uns wieder sehn!&#8221;</em></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/germanisch-schamanisches-hain-und-trommel/">Hain &amp; Trommel</a> by Brigh <a href="http://www.nornirsaett.de/der-magische-kreis-quadratur-des-kreises/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Viel wurde über die (Un)Sinnigkeit der Verwendung von energetischen Kreisen geschrieben und diskutiert.<br />
</em></p>
<p><em>Sollte man Lust auf noch eine Diskussion und noch eine Abhandlung dazu haben, dann könnte dieser Artikel &#8211; vorausgesetzt man kann an diesem Ritualelement selbst irgendeinen Nutzen und/oder Gefallen finden &#8211; vielleicht von Interesse sein.Für mich persönlich ist das Ziehen des Kreises aus unterschiedlichen Gründen von Nutzen und zwar bei jeglicher magischen oder schamanischen Arbeit.Warum das so ist, möchte ich in den folgenden Zeilen, die ausschließlich meine persönliche Auffassung wiedergeben, erörtern.</em></p>
<p><em> </em></p>
<h3><em>Warum Kreise?<br />
</em></h3>
<p>Gerne vergleiche ich das Ziehen eines Kreises in einem Ritual mit einem Kuchen im Backrohr: Für das Gelingen eines Kuchens ist es schließlich auch notwendig, dass ich das Backrohr schließe und nicht offen lasse. So entkommt mir keine Hitze und der Kuchen kann drinnen, unter konstanter Temperatur und geschützten Verhältnissen (es kommt kein Luftzug dazu, kein Staub, kein umgeschüttetes Glas Wasser kann dem Kuchen etwas anhaben&#8230;) gut aufgehen. Das hat also, laut praktischem Hausverstand, nichts mit Paranoia zu tun, sondern mit ganz normalen und einfachen Gegebenheiten. So verhält es sich aus meiner Sicht auch mit einem magischen Kreis, der eine äußerst praktische und effektive Technik ist, um magisch gut arbeiten zu können.</p>
<p>Ich ziehe einen energetischen Kreis, wie bereits erwähnt, um drinnen ungestört, unter gleich bleibenden Verhältnissen arbeiten zu können. Durch den Kreis ist es mir möglich, störende Faktoren von außen abzuschirmen. Die angesammelte Energie im Kreis entspricht der Hitze im Backofen und ist meinem Dafürhalten nach notwendig für die Durchführung jeder magischen Arbeit. Ein magischer Kreis hat also in erster Linie die Funktion eines geschützten Raumes, in dem ich alleine oder mit einer Gruppe arbeiten kann.</p>
<p>Erst in zweiter Linie kommt dem Kreis die Bedeutung als Schutz gegen negative Fremdenergien zu. Ich bin keine große Freundin der weit verbreiteten Paranoia, dass ein Kreis böse Geister und Dämonen fernhalten sollte &#8211; zumindest ist dies nicht seine vorrangige Bedeutung, auch wenn sie nicht außer Acht gelassen werden sollte. Ein Kreis ist sehr wohl auch als Schutz gegen ungebetene Gäste (die bei magischen Arbeiten ganz gerne mal &#8220;schauen&#8221; kommen) gedacht, sollte aber nicht ausschließlich mit dieser Intention gezogen werden. Um wieder zum Beispiel des Backofens zurückzukehren: Ich schiebe den Kuchen ja auch in den Backofen, damit er mir gut gelingt und schön aufgeht und nicht, um ihn gegen den Luftzug in der Küche zu schützen. So sollte auch die Intention eines Kreises verstanden werden.</p>
<h3>Die Quadratur des Kreises !?</h3>
<p>Das Wort &#8220;Kreis&#8221; birgt ein großes Missverständnis in sich. Denn eigentlich sollten wir von einem &#8220;Ei&#8221; oder einer &#8220;Kugel&#8221; sprechen &#8211; ein energetischer Kreis sollte nämlich nicht nur als Linie am Boden gezogen werden, sondern auch den Raum oberhalb und unterhalb des Bodens mit einschließen und ergibt daher ein Ei, ein seifenblasenartiges Gebilde, das die Ritualteilnehmer in eine besondere Raum-/Zeitebene mitnimmt. Die in Hexenkreisen vielbenutzte Phrase &#8220;so above as below&#8221; oder &#8220;wie oben, so auch unten&#8221;, entspricht genau dieser Struktur.</p>
<h3>Wann wird der Kreis gezogen?</h3>
<p>Der Kreis sollte grundsätzlich zu Beginn eines Rituals gezogen werden. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, dass der Kreis gezogen wird, bevor alle Teilnehmer eintreten. So zieht eine dafür bestimmte Person den Kreis ziehen und dann nach und nach die Teilnehmer mit Reinigung und Segnung in den Kreis lassen.<br />
In manchen Kreisen kann es sein, dass einem immer noch ein Messer, Schwert oder sonst irgendeine Keule unter die Nase gehalten wird, als Zeichen und Warnung davor, dass nichts, aber auch gar nichts, was in diesem Kreis passiert, in die Außenwelt vorzudringen hat. Was früher vielleicht einmal andere Konsequenzen zur Folge hatte (spekuliere ich mal), verletzt heute die Intimsphäre der Beteiligten. Und darüber hinaus verliert die Arbeit an Kraft und Energie.<br />
Je nachdem, wo der Kreis errichtet wird, kann eventuell ein Reinigen und Segnen des Platzes notwendig sein. Arbeitet man an einem Platz, den man kennt und um seine Energie weiß, dann ist das Reinigen nicht so notwendig, in einem Ritualraum/Tempel schon gar nicht. Sollte man an einem Platz arbeiten, den man nicht kennt, ist es sinnvoll, sich zuerst an seine Energie annähern, um überhaupt den Entschluss zu fassen, dort ein Ritual zu machen. Auch hier gilt im Zweifelsfalle  &#8211; Finger davon lassen und einen anderen Platz suchen!</p>
<p>Kreise an sich müssen nicht gereinigt werden. Werden sie aus sauberer Intention heraus gezogen, führt das jegliche Reinigung ad absurdum &#8211; zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach. Die Reinigung eines Kreises darf allerdings nicht mit der Reinigung des Platzes, so wie vorhin beschrieben, verwechselt werden!!! Nun gut, wir haben also einen Platz gefunden, an dem ein Kreis, ein geheiligter Raum gebaut werden kann.</p>
<h3>Wie wird der Kreis gezogen?</h3>
<p>Ein Kreis ist ein geheiligter Raum, jenseits der uns geläufigen Zeit und jenseits des uns geläufigen Raumes. Gezogen wird er nicht mit unserer eigenen Energie, sondern stets mit universaler Energie, die wir, zu Beginn zumindest, aus der Erde ziehen können. Als Kanal und Leitung dient uns unser Körper und als Ventil benutzen wir in der Regel die Hand, ein Athame, einen Stab oder ein anderes Werkzeug, das sich für diesen Zweck eignet.</p>
<h5>Eine von vielen Möglichkeiten</h5>
<p>Stelle dich mit beiden Beinen fest hin, leichte Grätschhaltung, Knie leicht abgewinkelt (durch starre Beine fließt keine Energie!).<br />
Spüre die Erde unter dir und lass dich mit deinem Bewusstsein in die Erde absinken. Visualisiere eine rote Kugel unter deinen Fußsohlen. Mit tiefer Bauchatmung ziehe die Energie langsam nach oben&#8230;mach das so lange, bis du wirklich spürst, dass du die Energie nach außen bringen kannst und den Kreis aufbauen kannst! Wenn du an diesem Punkt angekommen bist, projiziere die Energie durch deine Finger, dein Athame, deinen Stab nach außen und visualisiere den Kreis &#8211; auch nach oben und nach unten, bis du wirklich einen RAUM kreiert hast!</p>
<p>Man kann auch durch die Füße Energie von unten und durch den Scheitel Energie von oben ziehen und anschließend, wenn beide Ströme gut fließen, durch die Arme nach außen gleiten lassen.</p>
<p>Ich beginne mit dem Kreisziehen  im Osten, der Himmelsrichtung des Sonnenaufganges.<br />
Für gewöhnlich (es gibt aber eine Reihe von Ausnahmen!) wird der Kreis im Uhrzeigersinn gelegt.</p>
<p>Ich mache das immer in drei Runden, eine für Segnung, eine für Schutz und eine für die Inkorporation des heiligen Raumes. Sprich dabei einige Worte aus, die dein Verständnis und deine Intention verkörpern.<br />
Beispielsweise:</p>
<p><em>Ich baue einen Kreis, einen Tempel zwischen den Welten.<br />
Ein Ort wo sich Menschen und Götter treffen&#8230;</em></p>
<p>Oder</p>
<p><em>Mit dem Wohlwollen der Götter errichte ich den heiligen Raum,<br />
möge er ein Ort sein, an dem Liebe, Vertrauen und Friede herrschen&#8230;</em></p>
<p>Diese Worte sollten immer der Intention des Kreises entsprechen!<br />
Wenn ein Kreis dicht ist, ist er wirklich dicht. Das heißt, dass nichts hinaus, aber auch nichts hinein kommt. Wenn du jemandem Energie schicken willst oder Götter invozieren willst, dann muss dies in deiner Weise, den Kreis zu ziehen, berücksichtig sein! Ansonsten ist eventuell mit energetischen Ungereimtheiten zu rechnen.<br />
Neben den passenden Worten solltest du auch genau auf das Visualisieren des Kreises achten! Baust du einen Kreis aus hellem Licht, aus lodernden Flammen, aus dicken Mauern oder plätscherndem Wasser? Auch das hat Auswirkungen auf die Energetik im Kreis! Wenn mehrere Menschen im Kreis sind, ist es außerdem wichtig, mit präzisen und unmissverständlichen Bildern zu arbeiten, um eine homogene Energie zu erhalten. Wenn sich jeder irgendetwas anderes vorstellt, wird das erfahrungsgemäß nix.</p>
<h3>Zur Arbeit im Kreis</h3>
<h5>Türen</h5>
<p>Ist ein Kreis einmal gezogen, sollte er von niemand mehr betreten und verlassen werden. Sollte es aber dennoch einmal zu dieser Situation kommen, nimm wieder dein Athame, Stab oder deine Hand, je nachdem, mit welchem Werkzeug du den Kreis gezogen hast, und &#8220;schneide&#8221; eine Türe in den Kreis. Setze dabei rechts an und visualisiere, wie du ein Tor in den Kreis schneidest (Geöffnet wird natürlich entgegen die Richtung in der du den Kreis gezogen hast &#8211; in meinem Beispiel wurde der Kreis also im Uhrzeigersinn aufgebaut.)</p>
<p>Schließe den Kreis nach Verlassen oder Eintritt der Person sofort wieder, indem du links ansetzt und die Türe im Uhrzeigersinn wieder schließt. Unterstützte diese Aktion durch den Einsatz deines Atems. Beim Öffnen atme ein, beim Schließen atme bewusst aus.</p>
<h5>Elemente</h5>
<p>Die Elemente sollten grundsätzlich erst nach dem Errichten des Kreises gerufen werden. Solltest du aber an einem von dir viel frequentierten Platz arbeiten an dem der Kreis nur mehr &#8220;aufgefrischt&#8221; werden muss, dann kannst du die Elemente auch vorher rufen. Die Elemente, Wachtürme, Totemtiere etc. helfen mit, den Kreis zu stärken.</p>
<h5>Halbdurchlässige Kreise</h5>
<p>Bei besonderen Anlässen oder Arbeiten kann der Kreis so angelegt werden, dass ganz bestimmte Wesenheiten in den Kreis eintreten dürfen. Wichtig dabei ist die klare Intention, sonst hat man möglicherweise ungebetene Gäste!</p>
<h5>Das Schließen des Kreises</h5>
<p>Der Kreis wird ganz am Schluss eines Rituals wieder aufgelöst. Nimm erneut dein Werkzeug zur Hand, bedanke dich und visualisiere, wie du die Energie durch dein Werkzeug in dich aufsaugst und dann diese in die Erde zurück leitest. Führe diese Aktion in der Regel gegen den Uhrzeigersinn durch! Sprich dabei abschließende segnende Worte. Hier wohl die bekanntesten:</p>
<p><em>The circle is open, but unbroken,<br />
may the peace of god and goddess be forever in our heart.<br />
Merry meet, merry part and merry meet again!</em></p>
<p>Oder</p>
<p><em>&#8220;Der Kreis ist offen, doch ungebrochen. Froh wir kommen, froh wir gehn, froh wir uns wieder sehn!&#8221;</em></p>
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		<item>
		<title>Neil Gaiman: American Gods</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/neil-gaiman-american-gods/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/neil-gaiman-american-gods/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 20 Mar 2010 07:53:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[neil gaiman]]></category>
		<category><![CDATA[rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=2508</guid>
		<description><![CDATA[<p><img src="http://u1.ipernity.com/14/75/67/7597567.131300dc.jpg" width="150" height="232" alt="american gods" border="0"/></p>
<p>Was geschieht mit Göttern alter Kulturen, wenn die Träger ihrer Kultur wandern? Manchmal nehmen die Menschen sie mit: in ihren Herzen, in ihren Mythen, im Hintergrund ihrer Kulturen. Doch wenn sie vergessen werden, degenerieren Götter. Das ist die Voraussetzung, von der Neil Gaimans Roman &#8220;American Gods&#8221; ausgeht. -</p>
<p>Shadow hat drei Jahre in Haft gesessen. Nun soll er, kurz vor Weihnachten, wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden. Er hat ein Leben, in das er zurückkehren kann, eine Frau, die auf ihn wartet, und einen alten Bekannten, der einen Job für ihn hat. Noch bevor er zu Hause ankommt, durchkreuzt jedoch ein Unglück Shadows Vorhaben, fortan ein rechtschaffenes bürgerliches Leben zu führen, und der zwielichtige Mr. Wednesday heuert ihn als Chauffeur, Leibwächter und Komplizen an. Fortan reisen die beiden kreuz und quer durch die USA, in einer Mission, deren wahrer Charakter sich erst ganz am Ende des Buches zeigt. <span id="more-2508"></span>Sie begegnen Gottheiten aus Europa, Afrika und Asien, indianischen Legendenfiguren, irischen Kobolden und Geistern aus dem Schwarzwald, aber auch modernen &#8220;Göttern&#8221; des Fernsehens, der Technik und der Städte. Die alten und die neuen Götter &#8211; sie ringen um die Vorherrschaft in einem Land, das ohnehin (das wird schnell klar) kein gutes Land für Götter ist.</p>
<p>Gaiman schöpft aus allen Mythen, die je in die amerikanische Kultur eingeflossen sind, und baut auf ihnen eine Geschichte auf, die zwischen surreal-traumhaften Fantasy-Elementen, Roadmovie, Mystery und Horror pendelt. Das Erhabene liegt in diesem Buch nur eine Haaresbreite vom Trivialen, das Urkomische neben dem abgrundtief Traurigen.<br />
In Zwischenspielen beleuchtet Gaiman, wie die Götter nach Amerika gekommen sind. Hier wird man auch mit Teilen der US-amerikanischen Geschichte konfrontiert, die man als gewöhnlicher Westeuropäer in dieser Form nicht präsent hatte (etwa die Deportation von Sträflingen aus England in die damaligen englischen Kolonien in Nordamerika, wo sie als Dienstboten eingesetzt wurden), sowie mit Fiktionalisierungen altbekannter Fakten, die unter die Haut gehen. Einige dieser Geschichten sind leicht erkennbar Fiktion, andere erscheinen historisch wahrscheinlich.<br />
Ich wünschte mir beim Lesen manchmal eine Karte der USA: Denn Gaimans Roman bewegt sich kreuz und quer durch die Staaten, von den Südstaaten bis nach San Francisco, und es sind die hinterwäldlerischen, provinziellen Gegenden, in denen der größere Teil der Handlung stattfindet.<br />
Shadow ist über weite Strecken eher ein Antiheld, ein Spielball der Auseinandersetzung zwischen alten und neuen Göttern und der rätselhaften Ränke von Mr. Wednesday. Erst am Ende wächst er über sich hinaus, wird erwachsen, erlangt echte Handlungsfähigkeit &#8211; und damit Freiheit und Lebendigkeit.</p>
<p>Reaktionären Geistern wird Gaimans amerikanische Anverwandlung der europäischen Mythologie schwerlich gefallen. Sein Mr. Wednesday ist nämlich ein abgehalfterter alter Gauner, der nur gelegentlich die Würde und Größe eines Allvaters, über die er auch verfügt, durchscheinen läßt &#8211; wenig besser sind die anderen Götter. Sie sind allesamt keine strahlenden Gestalten, sondern sterblich, fehlbar, egoistisch, ja sogar zum Bösen fähig und ziemlich heruntergekommen. Und ein wenig Sex, Blut und Untote sollte man auch vertragen können. Das vorausgesetzt, ist &#8220;American Gods&#8221; ein Lesevergnügen, das meine Nächte etwa zwei Wochen lang deutlich kürzer als gewohnt ausfallen ließ.</p>
<p>Das Blog des Autoren: <a href="http://journal.neilgaiman.com/" target="_blank">Niel Gaiman&#8217;s Journal</a></p>
<p>Originalausgabe, gebunden:<br />
New YorK: William Morrow, 2001<br />
ISBN-10: 0060093641<br />
ISBN-13: 978-006009364</p>
<p>Taschenbuch:<br />
New York: Harper Perennial, 2003<br />
ISBN-10: 0060558121<br />
ISBN-13: 978-0060558123</p>
<p>Deutsche Ausgabe, gebunden:<br />
München: Heyne, 2003<br />
ISBN-10: 3453874226<br />
ISBN-13: 978-3453874220</p>
<p>Deutsche Ausgabe, Taschenbuch:<br />
München; Heyne, 2005)<br />
ISBN-10: 3453400372<br />
ISBN-13: 978-3453400375</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Thursa <a href="http://www.nornirsaett.de/neil-gaiman-american-gods/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://u1.ipernity.com/14/75/67/7597567.131300dc.jpg" width="150" height="232" alt="american gods" border="0"/></p>
<p>Was geschieht mit Göttern alter Kulturen, wenn die Träger ihrer Kultur wandern? Manchmal nehmen die Menschen sie mit: in ihren Herzen, in ihren Mythen, im Hintergrund ihrer Kulturen. Doch wenn sie vergessen werden, degenerieren Götter. Das ist die Voraussetzung, von der Neil Gaimans Roman &#8220;American Gods&#8221; ausgeht. -</p>
<p>Shadow hat drei Jahre in Haft gesessen. Nun soll er, kurz vor Weihnachten, wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden. Er hat ein Leben, in das er zurückkehren kann, eine Frau, die auf ihn wartet, und einen alten Bekannten, der einen Job für ihn hat. Noch bevor er zu Hause ankommt, durchkreuzt jedoch ein Unglück Shadows Vorhaben, fortan ein rechtschaffenes bürgerliches Leben zu führen, und der zwielichtige Mr. Wednesday heuert ihn als Chauffeur, Leibwächter und Komplizen an. Fortan reisen die beiden kreuz und quer durch die USA, in einer Mission, deren wahrer Charakter sich erst ganz am Ende des Buches zeigt. <span id="more-2508"></span>Sie begegnen Gottheiten aus Europa, Afrika und Asien, indianischen Legendenfiguren, irischen Kobolden und Geistern aus dem Schwarzwald, aber auch modernen &#8220;Göttern&#8221; des Fernsehens, der Technik und der Städte. Die alten und die neuen Götter &#8211; sie ringen um die Vorherrschaft in einem Land, das ohnehin (das wird schnell klar) kein gutes Land für Götter ist.</p>
<p>Gaiman schöpft aus allen Mythen, die je in die amerikanische Kultur eingeflossen sind, und baut auf ihnen eine Geschichte auf, die zwischen surreal-traumhaften Fantasy-Elementen, Roadmovie, Mystery und Horror pendelt. Das Erhabene liegt in diesem Buch nur eine Haaresbreite vom Trivialen, das Urkomische neben dem abgrundtief Traurigen.<br />
In Zwischenspielen beleuchtet Gaiman, wie die Götter nach Amerika gekommen sind. Hier wird man auch mit Teilen der US-amerikanischen Geschichte konfrontiert, die man als gewöhnlicher Westeuropäer in dieser Form nicht präsent hatte (etwa die Deportation von Sträflingen aus England in die damaligen englischen Kolonien in Nordamerika, wo sie als Dienstboten eingesetzt wurden), sowie mit Fiktionalisierungen altbekannter Fakten, die unter die Haut gehen. Einige dieser Geschichten sind leicht erkennbar Fiktion, andere erscheinen historisch wahrscheinlich.<br />
Ich wünschte mir beim Lesen manchmal eine Karte der USA: Denn Gaimans Roman bewegt sich kreuz und quer durch die Staaten, von den Südstaaten bis nach San Francisco, und es sind die hinterwäldlerischen, provinziellen Gegenden, in denen der größere Teil der Handlung stattfindet.<br />
Shadow ist über weite Strecken eher ein Antiheld, ein Spielball der Auseinandersetzung zwischen alten und neuen Göttern und der rätselhaften Ränke von Mr. Wednesday. Erst am Ende wächst er über sich hinaus, wird erwachsen, erlangt echte Handlungsfähigkeit &#8211; und damit Freiheit und Lebendigkeit.</p>
<p>Reaktionären Geistern wird Gaimans amerikanische Anverwandlung der europäischen Mythologie schwerlich gefallen. Sein Mr. Wednesday ist nämlich ein abgehalfterter alter Gauner, der nur gelegentlich die Würde und Größe eines Allvaters, über die er auch verfügt, durchscheinen läßt &#8211; wenig besser sind die anderen Götter. Sie sind allesamt keine strahlenden Gestalten, sondern sterblich, fehlbar, egoistisch, ja sogar zum Bösen fähig und ziemlich heruntergekommen. Und ein wenig Sex, Blut und Untote sollte man auch vertragen können. Das vorausgesetzt, ist &#8220;American Gods&#8221; ein Lesevergnügen, das meine Nächte etwa zwei Wochen lang deutlich kürzer als gewohnt ausfallen ließ.</p>
<p>Das Blog des Autoren: <a href="http://journal.neilgaiman.com/" target="_blank">Niel Gaiman&#8217;s Journal</a></p>
<p>Originalausgabe, gebunden:<br />
New YorK: William Morrow, 2001<br />
ISBN-10: 0060093641<br />
ISBN-13: 978-006009364</p>
<p>Taschenbuch:<br />
New York: Harper Perennial, 2003<br />
ISBN-10: 0060558121<br />
ISBN-13: 978-0060558123</p>
<p>Deutsche Ausgabe, gebunden:<br />
München: Heyne, 2003<br />
ISBN-10: 3453874226<br />
ISBN-13: 978-3453874220</p>
<p>Deutsche Ausgabe, Taschenbuch:<br />
München; Heyne, 2005)<br />
ISBN-10: 3453400372<br />
ISBN-13: 978-3453400375</p>
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