<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt&#187; Bibliothek und Medien</title>
	<atom:link href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.nornirsaett.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Thu, 23 May 2013 16:59:39 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>DER SPIEGEL-Geschichte „Die Germanen – Europas geheimnisvolles Urvolk“</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/%e2%80%9edie-germanen-%e2%80%93-europas-geheimnissvolles-urvolk%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/%e2%80%9edie-germanen-%e2%80%93-europas-geheimnissvolles-urvolk%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 May 2013 23:54:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sach- und Fachbücher]]></category>
		<category><![CDATA["Der Spiegel"]]></category>
		<category><![CDATA[altertum]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
		<category><![CDATA[germanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Spätantike]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=6256</guid>
		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Spiegel_Germanen.jpg" rel="lightbox[6256]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Spiegel_Germanen-227x300.jpg" alt="Titelbild &quot;Der Spiegel - Geschichte&quot; - &quot;Die Germanen&quot;" title="Spiegel_Germanen" width="227" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-6257" /></a><br />
<b>„Der Spiegel &#8211; Geschichte&#8221;</b> Ausgabe Nr. 2/2013: <b>&#8220;Die Germanen &#8211; Europas geheimnisvolles Urvolk&#8221;</b><br />
SPIEGEL-Verlag, Hamburg<br />
Redakteur dieser Ausgabe: Johannes Saltzwedel<br />
148 Seiten<br />
Broschiert<br />
Preis: 7,80 € </p>
<h3>Zwischen seriöser Populärwissenschaft und oberflächlichem „Histotainment“</h3>
<p>Das Hamburger Nachrichtenmagazin und die Germanen –  das ist eine <a href="http://www.nornirsaett.de/gut-gemeinte-geschichtsmanipulation/" target="_blank">nicht immer erfreuliche Geschichte</a>. Mit leichtem Grausen erinnere ich mich an Artikel wie „Störenfriede im Nebelland,“ die kein Barbaren-Klischee ausließen. Anderseits fehlt es nicht an Artikeln, die mit dem Begriff „Germanen“ großzügig bis fahrlässig umgehen, z. B. wurde die Sternscheibe von Nebra im  „Spiegel“ kurzerhand „germanische Sterndeutern“ zugeschrieben.</p>
<p>Der erste Eindruck beim Durchblättern ist nicht schlecht, trotz des unzutreffenden Untertitels „Europas geheimnisvolles Urvolk“. Schließlich gab es die Germanen erst seit der Eisenzeit. Sportlich gedacht und salopp ausgedrückt könnte man vielleicht in der Bronzezeit protogermanische Völkerschaften ausmachen, aber bei „Urvolk“ denk der normale Leser doch wahrscheinlich eher an die Steinzeit, irgendwann kurz vor oder nach der Einführung des Ackerbaus, oder vielleicht sogar noch drei Steine weiter an die Zeit direkt nach dem Neandertaler. Immerhin rückt schon das Vorwort diesen schiefen Eindruck gerade. Dass eher sachliche Artikel reisserische Überschriften verpasst bekommen, die mit dem Inhalt nur am Rande zu tun haben, ist leider „Spiegel“-typisch.</p>
<p>Zum guten optischen Eindruck tragen die Fotos und Graphiken bei, eine traditionelle Stärke des Zeitschriftenformats. Sehenswert ist z. B. die graphische Rekonstruktion einer germanische Siedlung zur Zeit des Römischen Reiches.<br />
Allerdings griff die Redaktion allzu oft auf „Historienschinken“ zur Illustration historischer Ereignisse zurück, die zwar einiges über das Germanenbild des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts, aber nichts über die historischen Germanen verraten, und daher besser auf den einleitenden Artikel <b>„Traumbild der Ahnen“</b> beschränkt geblieben wäre.</p>
<p>Der Inhalt ist in eine ausführliche Einleitung und vier Kapitel gegliedert: <b>„I. Die Ursprünge“, „II. Krieger und Kolonisten“, „III. Die Epoche der Völkerwanderung“</b> und <b>&#8220;IV. Wege zur Nation“</b>. Eine relativ willkürliche Gliederung, wobei „Wege zur Nation“ irreführend ist – die Westgoten, Vandalen, Ostgoten, Franken, Angelsachsen und Langobarden gründeten zwar Staaten, die aber mit den neuzeitlichen Nationalstaaten herzlich wenig zu schaffen haben.</p>
<p>Unangenehm fällt die sehr unterschiedliche Qualität der Artikel auf.<br />
Höhepunkte sind z. B. das Interview mit dem Althistoriker Mischa Meier <b>„Cäsar hat die Germanen erfunden“</b> und Angelika Franz‘ Artikel <b>„Reicher Bauer, großer Stall“</b>, in dem es über archäologische Erkenntnisse über das Leben germanischer Bauern geht.<br />
Andere Artikel verfehlen dieses Niveau weit, am weitesten ein seltsamer Aufsatz mit dem seltsamen Titel <b> „Fliegende Misteln“</b> von Mathias Schreiber, in dem es über die Mythen und Götter der Germanen geht, und der vor Halbwahrheiten und Fehlern geradezu strotzt.<br />
Ein paar Kostproben:<br />
<blockquote>„Nur der Schamane darf den Wagen berühren und lenken“</p></blockquote>
<p> Ja, man kann Tacitus‘ Nerthus-Priester tatsächlich als eine Art „Schamane“ interpretieren, aber viele Historiker halten die Vermutung, es hätte bei germanischen Völkern Schamanen gegeben, für ziemlichen Blödsinn.<br />
<blockquote>„Allerdings kennt man auch die Namen etlicher weiterer Fruchtbarkeitsgötter, zum Beispiel Ostara und Frija.&#8221;</p></blockquote>
<p> Tja, schade nur, dass der Name „Ostara“ eine sprachliche Rekonstruktion Jacob Grimms ist, und dass es durchaus nicht gewiss ist, ob so eine Göttin überhaupt verehrt wurde.<br />
Ob der Hammer des Auktionator, wie im Artikel behauptet, etwas mit „Thors Hammer“ zu tun hat, ist reine Spekulation.<br />
Dann gibt es noch unglückliche Formulierungen wie:<br />
<blockquote>„Verehrt wird Odin, der als einziger der germanischen Götter einen Hut trägt  (…)“</p></blockquote>
<p> oder missverständliche wie<br />
<blockquote>„Odin ist der Weiseste der Asen, jenes Götterkollektivs, das den Himmel beherrscht und mit den Wane konkurriert, den Schutzherren des Ackers. Den Streit gewinnen zwar die Asen, doch Ober-Ase Odin wird von einem Ungeheuer, dem Fenriswolf, getötet.“</p></blockquote>
<p> Damit entsteht, ungewollt, wie ich vermute, der Eindruck, im Ragnarök würden die Asen gegen die Wanen kämpfen. Der Wanenkrieg, der durch einen Friedensvertrag und den Austausch von Geiseln besiegelt wurde, ist allerdings ferne Vergangenheit und hat nichts mit dem Weltenbrand des Ragnarök zu tun.<br />
Wie solche Schnitzer zustande kommen, obwohl Schreiber sich auf den Skandinavisten und germanistischer Mediävisten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Simek" target="_blank">Rudolf Simek</a> bezieht, dessen „Lexikon der Germanischen Mythologie“ das deutschsprachige Standdardnachschlagewerk dieser Thematik ist, ist mir unverständlich.</p>
<p>Dass der Graphiker / die Graphikerin bei der Gestaltung des Stammbaums der Asen dann auch noch auf die Bildsprache der Marvel-Comics („Der mächtige Thor“) zurückgriff, setzt dem Ganzen sozusagen die Krone auf. Nichts gegen Comics und Comic-Verfilmungen, aber der alberne Hörnerhelm des Marvel-Lokis hat in einer historische Darstellung nichts verloren!</p>
<p>Ich gehe auf <b>„Fliegende Misteln“</b> besonders ein, weil die germanischen Mythologie nun einmal „meine Baustelle“ ist, und mir daher schiefe Darstellungen besonders ins Auge fallen.<br />
Andere stoßen sich vielleicht eher an den Zahlenangaben, wie es sie z. B. in Uwe Klussmanns Artikel über Arminius, <b>„Rebell gegen Rom“</b> gibt. Das Varusheer wird mit etwa 30.000 Mann angegeben, auch wenn es ebenso gut 20.000 oder nur 15.000 gewesen sein könnten. Immerhin ist ungefähr bekannt, wie groß drei römische Legionen mit Hilfstruppen und Tross gewesen sein könnten.</p>
<blockquote><p>„Mit etwa 18.000 Mann griffen die Kämpfer des Arminius an.“</p></blockquote>
<p> Das ist Stochern im Nebel, denn dass es zur Mannschaftsstärke der Cherusker irgendwelche Quellen oder archäologische Erkenntnisse gäbe, wäre mir neu.<br />
<blockquote>„Im Jahr 14 n.Chr. schritten 12.000 Römer über eine Behelfsbrücke über den Rhein und verwüsteten das Land zwischen Ems und Lippe.“</p></blockquote>
<p> Wie kommt Klussmann ausgerechnet auf 12.000 Römer? Wenn es dazu neue Erkenntnisse gibt, die solche relativ genauen Zahlenangaben möglich machen, hätte Klussmann auf sie hinweisen sollen.</p>
<p>Auch wenn sich Aussagen aus verschiedenen Artikeln widersprechen, trägt das nicht zum seriösen Gesamteindruck bei. Georg Bönisch bezeichnet zum Beispiel die „Germania“ als<br />
<blockquote>„Phantasiererzählungen des Tacitus“</p></blockquote>
<p>, während Johannes Saltzwedel herausstellt:<br />
<blockquote>„Sicher ist: Tacitus, der selbst nie in Germanien war, verarbeitete für sein Kompendium viele gute – heute leider fast durchweg verlorene – Informationsquellen.“</p></blockquote>
<p>Es geht mir nicht um „Haarspaltereien“, wenn ich solche „kleinen Fehler“ aufspieße, sondern darum, dass solche „Kleinigkeiten“, wenn sie sich häufen, ungewollt ein „schiefes Bild“ ergeben.<br />
Ich weiß über den Journalismusbetrieb zu gut Bescheid, als dass ich den Autoren diese Fehler ankreiden würde. Zum Beispiel ist die Zeit für Recherchen notorisch knapp, und es kommt leider auch bei seriösen Zeitschriften immer wieder vor, dass Artikel beim Redigieren bis zur Unkenntlichkeit „verschlimmbessert“ werden.<br />
Die meisten Artikel sind für sich genommen brauchbar bis gut, aber das Konzept von „Die Germanen“ ist meiner Ansicht nach fragwürdig.<br />
Der Eindruck, dass einfach alle möglichen Beiträge zusammenstellt wurden, die „irgendwie“ zum Thema passten, drängt sich mir geradezu auf.</p>
<p>Selbstverständlich ist es legitim, wenn populärwissenschaftliche Magazine so geschrieben werden, dass sie eine möglichst große verkaufte Auflagen erreichen. Es ist auch völlig klar, dass die Leser nicht hinter jedem Satz einen Quellenverweis finden wollen – in journalistischen Texten ist ein „Quellenapparat“ weder erforderlich noch üblich.<br />
Anderseits merkt man der Zeitschrift an, dass sie nicht in erster Linie auf Unterhaltung und amüsante Sensationsdarstellungen, auf „Histotainment“ im schlechten Sinne, abzielt. Auch wenn „Der Spiegel &#8211; Geschichte&#8221; keinerlei wissenschaftlichen Anspruch erhebt, hat er immerhin den Anspruch, zu informieren und aufzuklären – was einigen Artikeln gelingt, woran andere leider kläglich scheitern.</p>
<p>Martin Marheinecke</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/sach-und-fachbucher/">Sach- und Fachbücher</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/%e2%80%9edie-germanen-%e2%80%93-europas-geheimnissvolles-urvolk%e2%80%9c/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Spiegel_Germanen.jpg" rel="lightbox[6256]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Spiegel_Germanen-227x300.jpg" alt="Titelbild &quot;Der Spiegel - Geschichte&quot; - &quot;Die Germanen&quot;" title="Spiegel_Germanen" width="227" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-6257" /></a><br />
<b>„Der Spiegel &#8211; Geschichte&#8221;</b> Ausgabe Nr. 2/2013: <b>&#8220;Die Germanen &#8211; Europas geheimnisvolles Urvolk&#8221;</b><br />
SPIEGEL-Verlag, Hamburg<br />
Redakteur dieser Ausgabe: Johannes Saltzwedel<br />
148 Seiten<br />
Broschiert<br />
Preis: 7,80 € </p>
<h3>Zwischen seriöser Populärwissenschaft und oberflächlichem „Histotainment“</h3>
<p>Das Hamburger Nachrichtenmagazin und die Germanen –  das ist eine <a href="http://www.nornirsaett.de/gut-gemeinte-geschichtsmanipulation/" target="_blank">nicht immer erfreuliche Geschichte</a>. Mit leichtem Grausen erinnere ich mich an Artikel wie „Störenfriede im Nebelland,“ die kein Barbaren-Klischee ausließen. Anderseits fehlt es nicht an Artikeln, die mit dem Begriff „Germanen“ großzügig bis fahrlässig umgehen, z. B. wurde die Sternscheibe von Nebra im  „Spiegel“ kurzerhand „germanische Sterndeutern“ zugeschrieben.</p>
<p>Der erste Eindruck beim Durchblättern ist nicht schlecht, trotz des unzutreffenden Untertitels „Europas geheimnisvolles Urvolk“. Schließlich gab es die Germanen erst seit der Eisenzeit. Sportlich gedacht und salopp ausgedrückt könnte man vielleicht in der Bronzezeit protogermanische Völkerschaften ausmachen, aber bei „Urvolk“ denk der normale Leser doch wahrscheinlich eher an die Steinzeit, irgendwann kurz vor oder nach der Einführung des Ackerbaus, oder vielleicht sogar noch drei Steine weiter an die Zeit direkt nach dem Neandertaler. Immerhin rückt schon das Vorwort diesen schiefen Eindruck gerade. Dass eher sachliche Artikel reisserische Überschriften verpasst bekommen, die mit dem Inhalt nur am Rande zu tun haben, ist leider „Spiegel“-typisch.</p>
<p>Zum guten optischen Eindruck tragen die Fotos und Graphiken bei, eine traditionelle Stärke des Zeitschriftenformats. Sehenswert ist z. B. die graphische Rekonstruktion einer germanische Siedlung zur Zeit des Römischen Reiches.<br />
Allerdings griff die Redaktion allzu oft auf „Historienschinken“ zur Illustration historischer Ereignisse zurück, die zwar einiges über das Germanenbild des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts, aber nichts über die historischen Germanen verraten, und daher besser auf den einleitenden Artikel <b>„Traumbild der Ahnen“</b> beschränkt geblieben wäre.</p>
<p>Der Inhalt ist in eine ausführliche Einleitung und vier Kapitel gegliedert: <b>„I. Die Ursprünge“, „II. Krieger und Kolonisten“, „III. Die Epoche der Völkerwanderung“</b> und <b>&#8220;IV. Wege zur Nation“</b>. Eine relativ willkürliche Gliederung, wobei „Wege zur Nation“ irreführend ist – die Westgoten, Vandalen, Ostgoten, Franken, Angelsachsen und Langobarden gründeten zwar Staaten, die aber mit den neuzeitlichen Nationalstaaten herzlich wenig zu schaffen haben.</p>
<p>Unangenehm fällt die sehr unterschiedliche Qualität der Artikel auf.<br />
Höhepunkte sind z. B. das Interview mit dem Althistoriker Mischa Meier <b>„Cäsar hat die Germanen erfunden“</b> und Angelika Franz‘ Artikel <b>„Reicher Bauer, großer Stall“</b>, in dem es über archäologische Erkenntnisse über das Leben germanischer Bauern geht.<br />
Andere Artikel verfehlen dieses Niveau weit, am weitesten ein seltsamer Aufsatz mit dem seltsamen Titel <b> „Fliegende Misteln“</b> von Mathias Schreiber, in dem es über die Mythen und Götter der Germanen geht, und der vor Halbwahrheiten und Fehlern geradezu strotzt.<br />
Ein paar Kostproben:<br />
<blockquote>„Nur der Schamane darf den Wagen berühren und lenken“</p></blockquote>
<p> Ja, man kann Tacitus‘ Nerthus-Priester tatsächlich als eine Art „Schamane“ interpretieren, aber viele Historiker halten die Vermutung, es hätte bei germanischen Völkern Schamanen gegeben, für ziemlichen Blödsinn.<br />
<blockquote>„Allerdings kennt man auch die Namen etlicher weiterer Fruchtbarkeitsgötter, zum Beispiel Ostara und Frija.&#8221;</p></blockquote>
<p> Tja, schade nur, dass der Name „Ostara“ eine sprachliche Rekonstruktion Jacob Grimms ist, und dass es durchaus nicht gewiss ist, ob so eine Göttin überhaupt verehrt wurde.<br />
Ob der Hammer des Auktionator, wie im Artikel behauptet, etwas mit „Thors Hammer“ zu tun hat, ist reine Spekulation.<br />
Dann gibt es noch unglückliche Formulierungen wie:<br />
<blockquote>„Verehrt wird Odin, der als einziger der germanischen Götter einen Hut trägt  (…)“</p></blockquote>
<p> oder missverständliche wie<br />
<blockquote>„Odin ist der Weiseste der Asen, jenes Götterkollektivs, das den Himmel beherrscht und mit den Wane konkurriert, den Schutzherren des Ackers. Den Streit gewinnen zwar die Asen, doch Ober-Ase Odin wird von einem Ungeheuer, dem Fenriswolf, getötet.“</p></blockquote>
<p> Damit entsteht, ungewollt, wie ich vermute, der Eindruck, im Ragnarök würden die Asen gegen die Wanen kämpfen. Der Wanenkrieg, der durch einen Friedensvertrag und den Austausch von Geiseln besiegelt wurde, ist allerdings ferne Vergangenheit und hat nichts mit dem Weltenbrand des Ragnarök zu tun.<br />
Wie solche Schnitzer zustande kommen, obwohl Schreiber sich auf den Skandinavisten und germanistischer Mediävisten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Simek" target="_blank">Rudolf Simek</a> bezieht, dessen „Lexikon der Germanischen Mythologie“ das deutschsprachige Standdardnachschlagewerk dieser Thematik ist, ist mir unverständlich.</p>
<p>Dass der Graphiker / die Graphikerin bei der Gestaltung des Stammbaums der Asen dann auch noch auf die Bildsprache der Marvel-Comics („Der mächtige Thor“) zurückgriff, setzt dem Ganzen sozusagen die Krone auf. Nichts gegen Comics und Comic-Verfilmungen, aber der alberne Hörnerhelm des Marvel-Lokis hat in einer historische Darstellung nichts verloren!</p>
<p>Ich gehe auf <b>„Fliegende Misteln“</b> besonders ein, weil die germanischen Mythologie nun einmal „meine Baustelle“ ist, und mir daher schiefe Darstellungen besonders ins Auge fallen.<br />
Andere stoßen sich vielleicht eher an den Zahlenangaben, wie es sie z. B. in Uwe Klussmanns Artikel über Arminius, <b>„Rebell gegen Rom“</b> gibt. Das Varusheer wird mit etwa 30.000 Mann angegeben, auch wenn es ebenso gut 20.000 oder nur 15.000 gewesen sein könnten. Immerhin ist ungefähr bekannt, wie groß drei römische Legionen mit Hilfstruppen und Tross gewesen sein könnten.</p>
<blockquote><p>„Mit etwa 18.000 Mann griffen die Kämpfer des Arminius an.“</p></blockquote>
<p> Das ist Stochern im Nebel, denn dass es zur Mannschaftsstärke der Cherusker irgendwelche Quellen oder archäologische Erkenntnisse gäbe, wäre mir neu.<br />
<blockquote>„Im Jahr 14 n.Chr. schritten 12.000 Römer über eine Behelfsbrücke über den Rhein und verwüsteten das Land zwischen Ems und Lippe.“</p></blockquote>
<p> Wie kommt Klussmann ausgerechnet auf 12.000 Römer? Wenn es dazu neue Erkenntnisse gibt, die solche relativ genauen Zahlenangaben möglich machen, hätte Klussmann auf sie hinweisen sollen.</p>
<p>Auch wenn sich Aussagen aus verschiedenen Artikeln widersprechen, trägt das nicht zum seriösen Gesamteindruck bei. Georg Bönisch bezeichnet zum Beispiel die „Germania“ als<br />
<blockquote>„Phantasiererzählungen des Tacitus“</p></blockquote>
<p>, während Johannes Saltzwedel herausstellt:<br />
<blockquote>„Sicher ist: Tacitus, der selbst nie in Germanien war, verarbeitete für sein Kompendium viele gute – heute leider fast durchweg verlorene – Informationsquellen.“</p></blockquote>
<p>Es geht mir nicht um „Haarspaltereien“, wenn ich solche „kleinen Fehler“ aufspieße, sondern darum, dass solche „Kleinigkeiten“, wenn sie sich häufen, ungewollt ein „schiefes Bild“ ergeben.<br />
Ich weiß über den Journalismusbetrieb zu gut Bescheid, als dass ich den Autoren diese Fehler ankreiden würde. Zum Beispiel ist die Zeit für Recherchen notorisch knapp, und es kommt leider auch bei seriösen Zeitschriften immer wieder vor, dass Artikel beim Redigieren bis zur Unkenntlichkeit „verschlimmbessert“ werden.<br />
Die meisten Artikel sind für sich genommen brauchbar bis gut, aber das Konzept von „Die Germanen“ ist meiner Ansicht nach fragwürdig.<br />
Der Eindruck, dass einfach alle möglichen Beiträge zusammenstellt wurden, die „irgendwie“ zum Thema passten, drängt sich mir geradezu auf.</p>
<p>Selbstverständlich ist es legitim, wenn populärwissenschaftliche Magazine so geschrieben werden, dass sie eine möglichst große verkaufte Auflagen erreichen. Es ist auch völlig klar, dass die Leser nicht hinter jedem Satz einen Quellenverweis finden wollen – in journalistischen Texten ist ein „Quellenapparat“ weder erforderlich noch üblich.<br />
Anderseits merkt man der Zeitschrift an, dass sie nicht in erster Linie auf Unterhaltung und amüsante Sensationsdarstellungen, auf „Histotainment“ im schlechten Sinne, abzielt. Auch wenn „Der Spiegel &#8211; Geschichte&#8221; keinerlei wissenschaftlichen Anspruch erhebt, hat er immerhin den Anspruch, zu informieren und aufzuklären – was einigen Artikeln gelingt, woran andere leider kläglich scheitern.</p>
<p>Martin Marheinecke</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/%e2%80%9edie-germanen-%e2%80%93-europas-geheimnissvolles-urvolk%e2%80%9c/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Umfassend, wertvoll &#8211; und streckenweise irritierend: „Völkisch und national“</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/umfassend-wertvoll-und-streckenweise-irritierend-%e2%80%9evolkisch-und-national%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/umfassend-wertvoll-und-streckenweise-irritierend-%e2%80%9evolkisch-und-national%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 19:03:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sach- und Fachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Ariosophie]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
		<category><![CDATA[germanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Heidentum]]></category>
		<category><![CDATA[nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[neonazis]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[rechtsextrem]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[völkisch]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbild]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=5192</guid>
		<description><![CDATA[<p><i>Puschner, Uwe; Großmann, G. Ulrich (Hrsg.): Völkisch und national. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert (Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 5). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009. ISBN 978-3-534-20040-5; 429 Seiten</i><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/voelkisch-und-national.jpg" rel="lightbox[5192]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/voelkisch-und-national-187x300.jpg" alt="Buchtitel &quot;Völkisch und national&quot;" title="voelkisch-und-national" width="187" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-5195" /></a></p>
<p>„Völkisch und National &#8211; Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert“ enthält 23 Beiträge zur im November 2005 unter dem Titel &#8220;Völkisch und National&#8221; im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, abgehaltenen interdisziplinären Tagung. Es ist eine Aufsatzsammlung mit Fachbuchcharakter über ein gesellschaftliches Randthema zu dem für solche aufwendigen Publikationen mit geringen Auflagen üblichen Preis von 74,90 €, und daher wahrscheinlich keine Anschaffung für das heimische Bücherregal. Auch in den meisten öffentlichen Bibliotheken dürfte man das Buch vergeblich suchen. Es ist eindeutig ein Buch für Fachleute. Lohnt sich die Lektüre, z. B. per Fernleihe, auch für interessierte Laien? Ich denke, ja.</p>
<p>Wie der Titel schon sagt, geht es nur am Rande um die Geschichte der „völkischen Ideologie“, die „deutschvölkischen“ und ariosophischen Religionsentwürfe im ersten Drittel des 20. Jahrhundert, den völkischen Antisemitismus vor und während der Nazizeit, oder esoterische Einflüsse auf die Weltanschauung der Nationalsozialisten. Es geht um völkische Denkmuster in der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit. Die meisten der Aufsätze widmen sich dann auch aktuellen kulturellen Erscheinungen, von der Brauchtumspflege über die Fantasy-Literatur, den Neofolk bis zur Mittelaltermarkt-Szene und deren absichtlichen, fahrlässigen oder einfach nur naiven, unreflektierten Bezüge auf &#8220;völkische Denkmuster&#8221;.</p>
<p>Anlass der Tagung in Nürnberg war ein 2003 aufgedeckter  Wissenschaftsskandal: die ariosophisch geprägte &#8220;Runenhaustheorie&#8221; findet sich auch lange nach dem Ende Nazideutschlands in bauhistorischen Publikationen, in der volkskundlichen Laienforschung und in populärwissenschaftlichen Darstellungen.</p>
<p>Der erste Aufsatz ist eine kurze Einführung in die Denkmuster der völkischen Ideologie: Volksmythos, Urzeitwahn, Kulturideologie von Wolfgang Brückner.</p>
<p>Die folgenden drei Aufsätze des Bandes beziehen sich auf den „Runenhaus-Skandal“ und seine Folgen. G. Ulrich Großmann schreibt in seinem Beitrag „Völkisch und national &#8211; Der „Beitrag“ der Hausforschung. Wiederaufleben der Runenkunde des SS-Ahnenerbes“ über den Verlauf und Hintergrund des bauhistorischen Wissenschaftsskandals. Es ist erschütternd, wie eine so offenkundig absurde Hypothese (die Anordnung von Balken in  spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachwerkhäusern werden als versteckte Runenbotschaften gedeutet – ein typisch ariosophischer Analogieschluss) bestenfalls unkritisch bis in die Gegenwart tradiert wird.</p>
<p>Ulrich Klein stellt am Beispiel der Zeitschrift „Germanen-Erbe“ die widerstrebenden Interessen  innerhalb der universitären Archäologie der Jahre 1933-1945 dar. Es gab nicht „die“ NS-Archäologie: Es gab auch unter NS-freundlichen Archäologen sowohl von der klassischen Antike begeisterte „Römlinge“ wie Germanenfanatiker, die alles und jedes für „germanisch“ hielten &#8211; und zahlreiche Opportunisten, die sich um Ideologie wenig scherten, aber die Mittel des NS-Staates allzu gerne in Anspruch nahmen. „Germanen-Erbe“ war die populärste Zeitschrift über archäologische und volkskundliche Themen in der NS-Zeit und eindeutig völkisch. Besonders deutlich wird die völkische Ideologie in „Germanen-Erbe“ in Beiträgen zu Architekturgeschichte.</p>
<p>Gottfried Korff schließlich setzt sich mit dem Verstehen und Vermeiden völkischer Symbole in kulturhistorischen Museen auseinander. Vor allem Hakenkreuze – selbst wenn sie ursprünglich gar nicht im NS-Kontext standen – führen auch im Museum regelmäßig zu Problemen: Zeigen oder besser verbergen? Korff spricht sich für eine pädagogisch wie juristisch „gepflegte“, also kontrollierte und in den jeweiligen historischen Kontext gestellte Präsentation aus.</p>
<p>Die folgenden Aufsätze behandeln davon unabhängige Beispiele für völkische „Traditionen“, die bis in die Gegenwart wirken.</p>
<p>Konrad Köstlin untersucht in „Lönssteine, Jahnshügel und Sonnenwende“ die völkischen Ortsbesetzungen in Österreich – die übrigens durchweg mit deutschnationaler und anti-slawischer Konnotation versehen sind.</p>
<p>Ein brisantes Thema greift in „Ethnische Anthropologie. Zwischen scientistischer Innovation und völkischer Tradition“ Ingo Wiwjorra auf. Brisant, weil durch die Hintertür der ethnischen (oder besser: ethnisierten) Genomanalyse die völkische Denktradition neu belebt wird.</p>
<p>Auch Helmut Zanders Beitrag über „Rudolf Steiners Rassenlehre“ enthält durchaus Zündstoff. Zander hat sich auch an anderer Stelle als differenzierter, aber deutlicher, Kritiker der antrophosophischen Weltanschauung und der Neigung vielen Anthroposophen zur unkritischen Steiner-Verehrung profiliert.</p>
<p>In „‘Fundamentalistischer‘ Heimatschutz“ setzt sich Ulrich Linse mit der „Naturphilosophie“ des bayerischen Historikers und ehemaligen Grünen-Mitglieds Reinhard Falter auseinander. Bemerkenswert ist Falters Neuheidentum, das antisemitisch gefärbt ist.</p>
<p>Johannes Zechner rekonstruiert in „Die grünen Wurzeln unseres Volkes“ die „ideologischen Karriere des &#8216;deutschen Waldes&#8217;“, die schon lange vor den Nazis begann und nach der Nazizeit nicht aufhörte.</p>
<p>Gerade unter heidnischen Lesern deutlich umstrittener dürfte Uta Halles Aufsatz „Treibereien wie in der NS-Zeit“ über die völkisch-esoterischen Kontinuitäten des „Externsteine-Mythos nach 1945“ sein. Umstritten weniger wegen der von ihr aufgezeigten Kontinuitäten zu heutigen „braunen Esoterikern“, als wegen ihrer Kritik an den archäo-astronomischen Hypothesen des Astrophysikers Wolfgang Schlosser, dem sie vorwirft, eine „astronomische Funktion der Externsteine à la Teudt <i>[völkischer Esoteriker MM]</i>“ zu propagieren.</p>
<p>Luitgard Löws Aufsatz zur „Sinnbildforschung“ des niederländisch-deutschen Esoterikers Herman Wirth „Völkische Deutungen prähistorischer Sinnbilder“ zeigt u. A., wie „Germanenspinnereien“ ohne jeden wissenschaftlichen Rückhalt weit über die „völkische Szene“ hinaus einflussreich sind und welche schädlichen Auswirkungen das bis heute auf die Felsbildarchäologie hat.</p>
<p>Die drei folgenden Beiträge widmen sich dem eher unbeabsichtigten und unterschwelligen „Weiterleben“ völkischer Denkmuster:</p>
<p>Debora Dusse stellt in ihrer kenntnisreichen Analyse zur Edda-Rezeption im Kontext völkischer Weltanschauung „Eddamythen, Neomythen, Weltanschauungscodes“, deutlich heraus, dass die völkische Eddainterpretation lange Zeit im deutschen Sprachraum dominierte. Ihrer Ansicht nach deutet die strukturähnliche Verwendung von Runen in der ariosophischen und der modernen heidnischen Literatur auf entsprechende ideologische Kontinuitätsmuster hin.</p>
<p>Stefanie von Schnurbein schließt sich daran inhaltlich an, indem sie im Aufsatz „Kontinuität durch Dichtung“ zeitgenössische Fantasy-Romane als &#8220;Mediatoren völkisch-religiöser Denkmuster&#8221; sieht. Einerseits stellt sie klar, dass die von ihr untersuchten Fantasyautoren selbst nicht völkisch denken, sondern im Gegenteil Rassismus, Homophobie und Nationalismus ablehnen, anderseits zieht sie das Fazit, dass Fantasy dennoch Transmitter &#8220;völkischer Religionsentwürfe&#8221; ist.</p>
<p>In „Germanische Weise Frau, Priesterin, Schamanin. Das Bild der Hexe im Neuheidentum“ stellt Felix Wiedemann Thesen zur Tradierung eines völkischen Hexenbildes im „Neuheidentum“ (einschließlich Wicca) auf, und geht dabei auf den „völkischen Feminimus“ etwa Mathilde von Ludendorfs ein.</p>
<p>Um keineswegs unbeabsichtigte Tradierungen geht es in die folgenden Beiträgen:</p>
<p>Horst Junginger untersucht in „Paganismus und Indo-Germanentum als Identifikationselemente der Neuen Rechten“ am Beispiel des Tübinger Grabert-Verlages die Funktion des „Neuheidentums“ für die &#8220;Neue Rechte&#8221; nach 1945. Junginger hält den Begriff „Neuheidentum“ für einen wissenschaftlichen Diskurs für ungeeignet, da er der religiösen Polemik entstammt. Bis heute würde die Auseinandersetzung mit dem Paganismus durch die apologetische Perspektive der Kirchen geprägt, und stünde somit einer werturteilsarmen Untersuchung völkischer Religion eher entgegen.</p>
<p>Der Historiker Ingo Wiwjorra stellt in „Zwischen Spurensuche und Fiktion – Was wissen wir über die Religion ‚unserer Ahnen‘?“ zwei leider viel zu selten gestellte Fragen: „Welches Heidentum?“ &#8211; eine Rekonstruktion des vorchristlichen Heidentums sei nicht möglich – und „Welche Ahnen?“ &#8211; die heutigen Deutschen stammen nicht nur von „Germanen“, sondern auch von Slawen, Kelten, Römern usw. ab, was deutsch-völkische Geschichtskonstrukte ad absurdum führen würde.</p>
<p>Ulrich Hungers Text zur Runenkunde im Nationalsozialismus „Zwischen Wissenschaft und Ideologie“ zeigt, wie die Runen für die Germanenideologie instrumentalisiert wurden. So sehr, dass die wissenschaftliche Runonologie in Deutschland bis heute an der laienhaften Gleichsetzung von NS-Symbolik und Runen leidet.</p>
<p>Bernd Wedemeyer-Kolwes setzt sich in „Runengymnastik. Von völkischer Körperkultur zur alternativen Selbsterfahrungspraxis?“ mit der Tradierung einer ariosophischen Erfindung im esoterischen und neuheidnischen Spektrum auseinander.</p>
<p>Um einen nach Ansicht des Autors fahrlässigen Umgang mit völkischer Ideologie geht es in Bernd Sösemanns Kritik an der Fernsehdokumentation „Schwarze Sonne“ von Rüdiger Sünner.  „Audiovisuelle Assoziationen“ ist, anders kann man es nicht nennen, ein völliger Verriss – und darüber hinaus eine scharfe Abrechnung mit der Art und Weise, wie die NS-Zeit in Dokumentar- und Spielfilmen dargestellt wird.</p>
<p>Gregot Hufenreuter stellt die Frage „Kontinuitätsmuster ohne Kontinuität?“ zwischen völkischem Liedgut der Kaiserzeit und heutigem Neofolk. Dabei gelingt ihm eine differenzierte Analyse völkischer Ästhetik im Neofolk und seinem Umfeld.</p>
<p>Der Beitrag Uwe Puschners „‚Deutsche Schrift‘ und völkische Ideologie“ zeigt, wie stark die Frage nach einer Schrift bis ins Absurde weltanschaulich aufgeladen wurde. Interessantes Detail: Hitler sah die Schriftfrage ausgesprochen nüchtern, weshalb der Einführung der Antiqua als „deutscher Normalschrift“ anstelle der „deutschen“ Fraktur-Schrift aus pragmatischen Erwägungen 1941 „weltanschaulich“ auch nichts entgegen stand.</p>
<p>Anja Grebes Analyse zu Instrumentalisierung der Kunst Dürers im völkischen Kontext „Dürer als Führer“ beleuchtet ein wenig bekanntes, aber bezeichnendes Beispiel völkischer Denkmuster.</p>
<p>Der abschließende Beitrag des Sammelbandes stammt vom Mediävisten Caspar Ehlers. In „Mittelalterbilder – Aktuelle Diskurse in Wissenschaft und Öffentlichkeit“ übt er scharfe Kritik an populärkulturellen Mittelaltervorstellungen, wobei er die besonders problematischen Darstellungen weniger in der „Mittelaltermarkt“-Szene, als z. B. in Artikeln zu historischen Themen im „Spiegel“ sieht. Seine These, dass es eine Tendenz zur Abwertung des christlichen Mittelalters zu Gunsten einer vermeintlich besseren „germanischen Frühgeschichte&#8221; gäbe, dürfte weniger umstritten sein, als seine Vermutung, dass dahinter eine, möglicherweise durch „lebendiges antichristliches und völkisches Gedankengut“ angestoßene, „Welle der Dechristianisierung“ stecken würde.</p>
<p>Der Sammelband „Völkisch und national“ bietet alles in allem einen sehr lesenswerten und gut lesbaren Überblick über die Tradierung völkischen Denkens in die Gegenwart. Dabei sind meiner Ansicht nach die Fragen, die die Artikel aufwerfen, und die damit weitere Diskussion und weitere Forschung anregen, das Wichtigste an diesem Buch. Hingegen wird es seinem Anspruch, aktuell verbreitete völkische Ideologeme außerhalb ausgesprochen rechtsextremistischer Kontexte systematisch zu analysieren und historisch einzuordnen, nicht immer gerecht.</p>
<p>Einige Beiträge wirken auf mich sogar ausgesprochen irritierend. Bei einigen Aufsätzen habe ich den Eindruck, dass deren Autoren zu viele Vorurteile und Voreingenommenheiten hinein bringen – wie ich vermute, ohne sich dessen bewusst zu sein.</p>
<p>Das scheint mir bei Uta Halles Aufsatz über das Fortwirken völkischer Deutungsmuster in der Externstein-Laienforschung und unter Esoterikern und Heiden der Fall zu sein.<br />
Im Falle der archäo-astronomischen Hypothesen des Astrophysikers Wolfgang Schlosser müsste die erste Frage meines Erachtens sein: „Ist Schlossers Hypothese wissenschaftlich seriös?“ Immerhin hat sich Schlosser mit seiner archäo-astronomischen Deutung der „Sonnenscheibe von Nebra“ einen überwiegend guten Ruf auf diesem Gebiet erarbeitetet. Die zweite Frage wäre: „Ist Schlosser rechtsextrem?“ Eine Frage, die sich mit seinem Auftreten bei „neurechten“ Veranstaltungen allein nicht beantworten lässt. Man müsste auch seine Gründe dafür kennen. Wobei ein „Ja“ auf die zweite Frage nicht bedeutet, dass seine Hypothese damit fachlich unbrauchbar wäre, und schon gar nicht, dass sie ein Ausdruck völkischer Ideologie wäre.<br />
Ich vermute einen Analogieschluss zum rechten Esoteriker Teudt, der die Externsteine als „germanisches Observatorium“ deutete, allerdings alles andere als ein ernstzunehmender Wissenschaftler war.<br />
Sie führt dann auch noch ausgerechnet einen Eintrag im Forum des <a href="http://www.eldaring.de/" target="_blank">„Eldarings“</a> als Beispiel dafür an, „was Schlosser verbreitet und wie dies von rechtsgerichteten Zuhörern seiner Vorträge aufgenommen wird“. Ich würde gerne wissen, woran sie festmacht, dass „Jan“, der den zitierten Eintrag schrieb, „rechtsgerichtet“ sei. <i>(Hoffentlich nicht daran, dass der „Eldaring“ ein germanisch-heidnischer Verein ist.)</i></p>
<p>Als nicht unbedingt voreingenommen, aber streitbar und sehr parteiisch, zu parteiisch für ein wissenschaftliches Werk, empfinde ich Caspar Ehlers sehr lesenswerten Aufsatz „Mittelalterbilder – Aktuelle Diskurse in Wissenschaft und Öffentlichkeit“. Ich gebe zu, es ist mir eine Freude zu lesen, wie z. B. Ehlers einen flott geschriebenen, schlampig verfassten und mit vielen Klischees über das „finstere Mittelalter“ versehenen Artikel des „Spiegel“-Redakteurs Matthias Schulze auseinanderfetzt.<br />
Ehlers These, dass es gegenwärtig nicht nur unter Laien, sondern auch im wissenschaftlichen Diskurs eine Tendenz zur Abwertung des christlichen Mittelalters und eine Idealisierung der „heidnischen Germanen“ gäbe, ist diskutabel.<br />
Hingegen muss ich bei folgendem Absatz an Horst Jungingers These, die Auseinandersetzung mit dem Paganismus sei durch die apologetische Perspektive der Kirchen geprägt, denken, obwohl es darin gar nicht um „Neuheiden“ geht:</p>
<blockquote><p>[...] Am wenigsten aber ist es vonnöten, den Verlust germanischer Freiheiten oder gar deren Demokratie, Ehegebote oder Ernährungsweisen durch das Mittelalter zu beklagen. Wer dies tut, zielt auf anderes. Kirchen- und Zivilisationskritik mit antiwestlicher Tendenz eröffnet hier wieder den Sonderweg, den zu verlassen eine moderne Mediävistik seit einem halben Jahrhundert bewußt anstrebt, wobei die Abwendung von dem Terminus „Germanen“ als Sammelbegriff für das Frühmittelalter nur ein Aspekt ist einer seit Jahrzehnten vollzogenen Korrektur einst breit anerkannter wissenschaftlicher Einsichten einer Germanenforschung, der die Ergebnisse wichtiger waren als der Weg ihrer Gewinnung.[...]</p></blockquote>
<p>(S. 415 u. &#8211; S. 416 o.).<br />
Abgesehen davon, dass ein Faible für „heidnische Germanen“ nicht automatisch mit einer Geringschätzung der christlich geprägten mittelalterlichen Kultur einher gehen muss, ist Kritik an der mittelalterlichen Kirche nicht zwangsläufig auch Kulturkritik, Kritik nicht immer Ablehnung des Ganzen, und Kirchen- und Kulturkritik, die sich am Umgang mit „heidnischen Germanen“ festmacht, nicht zwangsläufig „antiwestlich“. (Es sei denn, mit „westlich“ wäre das Konstrukt „christliches Abendland“ gemeint.)<br />
Darin, dass „Germanen“ als Sammelbegriff für das Frühmittelalter im späteren Deutschland unbrauchbar ist, bin ich übrigens einer Meinung mit Ehlers, darin, dass die ältere Mediävistik in Deutschland generell weniger quellen- und methodenkritisch gewesen wäre, als damals international üblich („Sonderweg“), eher weniger. (Einige Sätze weiter oben schreibt er von<br />
<blockquote>(&#8230;) einer nachweislich von Jakob Grimm (✝ 1863) erfundenen germanischen Fruchtbarkeitsgöttin „Ostara“(&#8230;)</p></blockquote>
<p> was, <a href="http://www.eldaring.de/pages/germanisches-heidentum/goetter-und-wesen/goettin-ostara.php" target="_blank">jedenfalls so pauschal, nicht stimmt</a>, auch wenn Grimms Hypothese zur Herkunft des Begriffs „Ostern“ wackelig und nach heutigen Erkenntnissen überholt ist.)</p>
<p>Ein generelles Problem ist, dass der Begriff „völkisch“ fest mit einer bestimmten, eindeutig „rechtsextremen“ und (prä-)faschistischen politischen Einstellung verknüpft ist. Man kann z. B. die NPD mit Fug und Recht eine völkisch-nationalistische Partei nennen, die alte NSDAP ebenfalls &#8211; Hitlers bekannte Abneigung gegen „völkische Wanderscholaren“ betraf nicht deren politische Ideologie, sondern deren Weltfremdheit und Sektierertum.<br />
Damit ist der Begriff „völkisch“ so negativ aufgeladen, dass es einem Faschismusvorwurf gleichkommt, wenn völkische Denkmuster aufgedeckt werden. Meiner Ansicht nach ist völkisches Denken zwar in jedem Fall zu kritisieren und zurückzuweisen, aber es ist zu fragen, ob alles, was völkisch aussieht, auch wirklich völkisch ist, und, wenn ja, ob hinter diesem völkischen Denken auch ein geschlossenes „rechtsextremes“, sprich antidemokratisches, rassistisches, antisemitisches, nationalistisches usw. Weltbild steht.<br />
Jeder Bezug auf Gedankengut, das sich auch (!) bei völkischen Ideologen findet, läuft Gefahr, wegen der politisch-ideologischer Kontinuitätsannahme selbst als völkisch, sprich faschismusnah, verdächtigt zu werden.</p>
<p>Ein Beispiel ist Debora Dusses an sich ausgezeichneter Beitrag über die völkische <a href="http://www.eldaring.de/pages/germanisches-heidentum/edda-und-quellen/die-edda.php" target="_blank">Edda</a>-Rezeption. Im Abschnitt „Kontinuitäten völkischer Denktraditionen in der Gegenwart“ führt sie GardenStones „Germanischer Götterglaube. Asatru – ein moderne Religion aus alten Zeiten“ als Beispiel an. Sein Korrespondenzsystem, das jedem Gott Runen, Steine, Farben, Pflanzen usw. zuordnet, erinnert sie an Verfahren Guido „von“ Lists in „Die Bilderschrift der Ario-Germanen“. Die Struktur ist zwar ähnlich, aber ich halte es für voreilig, daraus auf entsprechende ideologische Kontinuität schließen zu wollen. (Unabhängig davon, wie der Autor zum „völkischen Asatru“ steht – in GardenStones Fall: ablehnend.)<br />
Grundsätzlich gilt das für die esoterische Edda-Deutung (wie sie Isa Denison oder Gundula Jäger  vertritt), oder die Neuausgabe von Wilhelm Jordans Edda-Übersetzung im „Arun-Verlag“. (Egal, wie man zum zumindest „rechtsoffenen“ Arun-Verlag stehen mag.) Eine absichtliche Weitergabe ariosophisch-völkischer Deutungsmuster halte ich in diesen Beispielen für unwahrscheinlich, möglich wäre aber eine naive-unreflektierte, ohne Bewusstsein dafür, dass die Quellen „uralter Weisheit“ höchstens etwas über 100 Jahre alt und bräunlich-trübe sind. Vor allem bei GardenStone vermute ich jedoch eher einen Rückgriff auf esoterische Symbole und Deutungsmuster, die bereits vor der „völkischen Religionsbewegung“ und unabhängig von ihr entstanden.</p>
<p>Ähnlich irritierend ist das Fazit, das Stefanie von Schnurbein am Ende ihres Aufsatzes über Fantasy-Romanen als &#8220;Mediatoren völkisch-religiöser Denkmuster&#8221; zieht.<br />
Die von ihr untersuchten Fantasy-Autoren (J.R.R. Tolkien, Diana Paxson, Stephan Grundy, Harry Harrison / John Holm) lehnen, wie sie richtig erkennt, bei allen Unterschieden, Rassismus, Homophobie und Nationalismus ab. Im Falle von Harrisons / Holms „Hammer und Kreuz“ gibt es nicht einmal unterschwellige Anklänge an völkisches Denken, die Parallele, die sie zu „Diesseits“ orientierten Entwürfen einer „arteigenen“ Religion zieht, wirkt an den Haaren herbei gezogen. Sie erkennt auch, dass diese aus dem englischen Sprachraum stammenden Autoren eine reflektierte, (selbst-)kritische Einstellung zur Macht haben, während in den deutschvölkischen Religionsentwürfen (und in deutschvölkischen Büchern) der „Willen zur Macht“ und die (skrupellose) Machtausübung durch den „heldischen Menschen“ verherrlicht werden.<br />
Trotzdem sieht Schnurbein im Fazit ihres Betrags in der Fantasy-Literatur einen Überträger „völkischer Religionsentwürfe“. Zwar greift Grundy bei seiner Schilderung des Heidentum auf „völkische Denkmuster“ zurück (bei Tolkien und Paxson fließen sie allenfalls unabsichtlich, über das kulturelle Umfeld der Autoren, ein), aber der Unterschied zur völkisch-nationalistischen Ideologie ist beachtlich. <i>(Konkret: völkisch denkende „Rechtsextremisten“ stoßen sich z. B. ganz gewaltig an Grundys wohlwollender Darstellung homo- und bisexueller Charaktere und an seinem positiven Bild der „fremdrassigen“ Hunnen. Das ist keine Spekulation von mir, sondern wird aus Äußerungen auf „rechtsextremen“ Internet-Foren zu Grundys Romanen immer wieder deutlich.)</i> Die Sorge Stefanie von Schnurbeins ist für mich grundsätzlich nachvollziehbar, aber zumindest bei den besprochenen Autoren unbegründet.</p>
<p>Irritierend sind einige, meiner Ansicht nach praxisfremde, Ansichten in einigen Aufsätzen. Felix Wiedemanns Darstellung des „Bildes der Hexe im Neuheidentum“ ist zwar offenkundig gut mit Quellen unterfüttert, aber es scheint sich auf ein völlig anderes Neuheidentum, insbesondere Hexentum, zu beziehen, als ich es aus eigener Erfahrung kenne.</p>
<p>Ebenfalls praxisfremd erscheinen mir Teile von Sösemanns Kritik an Sünners „Schwarze Sonne“. Bei allen Mängeln zählt Sünners immerhin schon fast 15 Jahre alte Dokumentation nach meinem Eindruck zu den wichtigsten &#8211; und gelungensten &#8211; unter den zahllosen TV-Dokus über Nazis und deren Hintergründe. Ob die von Sösemann gewünschte Faktendichte und Sachlichkeit in einen Format, das letzten Endes eher Infotainment als „Lehrfilm“ ist, überhaupt möglich wäre, wage ich zu bezweifeln. Seinen Vorschlag, das Stilmittel Ironie einzusetzen, halte ich für wenig praktikabel. (Sünner verzichtete auf Ironisierung, weil Ironie zu leicht missverstanden wird.) Nebenbei: für äußerst befremdlich halte ich Sösemanns Ansicht, „Nazi“ sei eine „verniedlichende sprachliche Form“.</p>
<p>Zum Glück überwiegen auch in den von mir kritisierten Aufsätzen die fundierten und anregenden Aussagen, und es gibt mehr rundum gelungene Aufsätze in diesem Sammelband als in Teilen fragwürdige.</p>
<p>Martin Marheinecke</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/sach-und-fachbucher/">Sach- und Fachbücher</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/umfassend-wertvoll-und-streckenweise-irritierend-%e2%80%9evolkisch-und-national%e2%80%9c/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i>Puschner, Uwe; Großmann, G. Ulrich (Hrsg.): Völkisch und national. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert (Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 5). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009. ISBN 978-3-534-20040-5; 429 Seiten</i><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/voelkisch-und-national.jpg" rel="lightbox[5192]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/voelkisch-und-national-187x300.jpg" alt="Buchtitel &quot;Völkisch und national&quot;" title="voelkisch-und-national" width="187" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-5195" /></a></p>
<p>„Völkisch und National &#8211; Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert“ enthält 23 Beiträge zur im November 2005 unter dem Titel &#8220;Völkisch und National&#8221; im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, abgehaltenen interdisziplinären Tagung. Es ist eine Aufsatzsammlung mit Fachbuchcharakter über ein gesellschaftliches Randthema zu dem für solche aufwendigen Publikationen mit geringen Auflagen üblichen Preis von 74,90 €, und daher wahrscheinlich keine Anschaffung für das heimische Bücherregal. Auch in den meisten öffentlichen Bibliotheken dürfte man das Buch vergeblich suchen. Es ist eindeutig ein Buch für Fachleute. Lohnt sich die Lektüre, z. B. per Fernleihe, auch für interessierte Laien? Ich denke, ja.</p>
<p>Wie der Titel schon sagt, geht es nur am Rande um die Geschichte der „völkischen Ideologie“, die „deutschvölkischen“ und ariosophischen Religionsentwürfe im ersten Drittel des 20. Jahrhundert, den völkischen Antisemitismus vor und während der Nazizeit, oder esoterische Einflüsse auf die Weltanschauung der Nationalsozialisten. Es geht um völkische Denkmuster in der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit. Die meisten der Aufsätze widmen sich dann auch aktuellen kulturellen Erscheinungen, von der Brauchtumspflege über die Fantasy-Literatur, den Neofolk bis zur Mittelaltermarkt-Szene und deren absichtlichen, fahrlässigen oder einfach nur naiven, unreflektierten Bezüge auf &#8220;völkische Denkmuster&#8221;.</p>
<p>Anlass der Tagung in Nürnberg war ein 2003 aufgedeckter  Wissenschaftsskandal: die ariosophisch geprägte &#8220;Runenhaustheorie&#8221; findet sich auch lange nach dem Ende Nazideutschlands in bauhistorischen Publikationen, in der volkskundlichen Laienforschung und in populärwissenschaftlichen Darstellungen.</p>
<p>Der erste Aufsatz ist eine kurze Einführung in die Denkmuster der völkischen Ideologie: Volksmythos, Urzeitwahn, Kulturideologie von Wolfgang Brückner.</p>
<p>Die folgenden drei Aufsätze des Bandes beziehen sich auf den „Runenhaus-Skandal“ und seine Folgen. G. Ulrich Großmann schreibt in seinem Beitrag „Völkisch und national &#8211; Der „Beitrag“ der Hausforschung. Wiederaufleben der Runenkunde des SS-Ahnenerbes“ über den Verlauf und Hintergrund des bauhistorischen Wissenschaftsskandals. Es ist erschütternd, wie eine so offenkundig absurde Hypothese (die Anordnung von Balken in  spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachwerkhäusern werden als versteckte Runenbotschaften gedeutet – ein typisch ariosophischer Analogieschluss) bestenfalls unkritisch bis in die Gegenwart tradiert wird.</p>
<p>Ulrich Klein stellt am Beispiel der Zeitschrift „Germanen-Erbe“ die widerstrebenden Interessen  innerhalb der universitären Archäologie der Jahre 1933-1945 dar. Es gab nicht „die“ NS-Archäologie: Es gab auch unter NS-freundlichen Archäologen sowohl von der klassischen Antike begeisterte „Römlinge“ wie Germanenfanatiker, die alles und jedes für „germanisch“ hielten &#8211; und zahlreiche Opportunisten, die sich um Ideologie wenig scherten, aber die Mittel des NS-Staates allzu gerne in Anspruch nahmen. „Germanen-Erbe“ war die populärste Zeitschrift über archäologische und volkskundliche Themen in der NS-Zeit und eindeutig völkisch. Besonders deutlich wird die völkische Ideologie in „Germanen-Erbe“ in Beiträgen zu Architekturgeschichte.</p>
<p>Gottfried Korff schließlich setzt sich mit dem Verstehen und Vermeiden völkischer Symbole in kulturhistorischen Museen auseinander. Vor allem Hakenkreuze – selbst wenn sie ursprünglich gar nicht im NS-Kontext standen – führen auch im Museum regelmäßig zu Problemen: Zeigen oder besser verbergen? Korff spricht sich für eine pädagogisch wie juristisch „gepflegte“, also kontrollierte und in den jeweiligen historischen Kontext gestellte Präsentation aus.</p>
<p>Die folgenden Aufsätze behandeln davon unabhängige Beispiele für völkische „Traditionen“, die bis in die Gegenwart wirken.</p>
<p>Konrad Köstlin untersucht in „Lönssteine, Jahnshügel und Sonnenwende“ die völkischen Ortsbesetzungen in Österreich – die übrigens durchweg mit deutschnationaler und anti-slawischer Konnotation versehen sind.</p>
<p>Ein brisantes Thema greift in „Ethnische Anthropologie. Zwischen scientistischer Innovation und völkischer Tradition“ Ingo Wiwjorra auf. Brisant, weil durch die Hintertür der ethnischen (oder besser: ethnisierten) Genomanalyse die völkische Denktradition neu belebt wird.</p>
<p>Auch Helmut Zanders Beitrag über „Rudolf Steiners Rassenlehre“ enthält durchaus Zündstoff. Zander hat sich auch an anderer Stelle als differenzierter, aber deutlicher, Kritiker der antrophosophischen Weltanschauung und der Neigung vielen Anthroposophen zur unkritischen Steiner-Verehrung profiliert.</p>
<p>In „‘Fundamentalistischer‘ Heimatschutz“ setzt sich Ulrich Linse mit der „Naturphilosophie“ des bayerischen Historikers und ehemaligen Grünen-Mitglieds Reinhard Falter auseinander. Bemerkenswert ist Falters Neuheidentum, das antisemitisch gefärbt ist.</p>
<p>Johannes Zechner rekonstruiert in „Die grünen Wurzeln unseres Volkes“ die „ideologischen Karriere des &#8216;deutschen Waldes&#8217;“, die schon lange vor den Nazis begann und nach der Nazizeit nicht aufhörte.</p>
<p>Gerade unter heidnischen Lesern deutlich umstrittener dürfte Uta Halles Aufsatz „Treibereien wie in der NS-Zeit“ über die völkisch-esoterischen Kontinuitäten des „Externsteine-Mythos nach 1945“ sein. Umstritten weniger wegen der von ihr aufgezeigten Kontinuitäten zu heutigen „braunen Esoterikern“, als wegen ihrer Kritik an den archäo-astronomischen Hypothesen des Astrophysikers Wolfgang Schlosser, dem sie vorwirft, eine „astronomische Funktion der Externsteine à la Teudt <i>[völkischer Esoteriker MM]</i>“ zu propagieren.</p>
<p>Luitgard Löws Aufsatz zur „Sinnbildforschung“ des niederländisch-deutschen Esoterikers Herman Wirth „Völkische Deutungen prähistorischer Sinnbilder“ zeigt u. A., wie „Germanenspinnereien“ ohne jeden wissenschaftlichen Rückhalt weit über die „völkische Szene“ hinaus einflussreich sind und welche schädlichen Auswirkungen das bis heute auf die Felsbildarchäologie hat.</p>
<p>Die drei folgenden Beiträge widmen sich dem eher unbeabsichtigten und unterschwelligen „Weiterleben“ völkischer Denkmuster:</p>
<p>Debora Dusse stellt in ihrer kenntnisreichen Analyse zur Edda-Rezeption im Kontext völkischer Weltanschauung „Eddamythen, Neomythen, Weltanschauungscodes“, deutlich heraus, dass die völkische Eddainterpretation lange Zeit im deutschen Sprachraum dominierte. Ihrer Ansicht nach deutet die strukturähnliche Verwendung von Runen in der ariosophischen und der modernen heidnischen Literatur auf entsprechende ideologische Kontinuitätsmuster hin.</p>
<p>Stefanie von Schnurbein schließt sich daran inhaltlich an, indem sie im Aufsatz „Kontinuität durch Dichtung“ zeitgenössische Fantasy-Romane als &#8220;Mediatoren völkisch-religiöser Denkmuster&#8221; sieht. Einerseits stellt sie klar, dass die von ihr untersuchten Fantasyautoren selbst nicht völkisch denken, sondern im Gegenteil Rassismus, Homophobie und Nationalismus ablehnen, anderseits zieht sie das Fazit, dass Fantasy dennoch Transmitter &#8220;völkischer Religionsentwürfe&#8221; ist.</p>
<p>In „Germanische Weise Frau, Priesterin, Schamanin. Das Bild der Hexe im Neuheidentum“ stellt Felix Wiedemann Thesen zur Tradierung eines völkischen Hexenbildes im „Neuheidentum“ (einschließlich Wicca) auf, und geht dabei auf den „völkischen Feminimus“ etwa Mathilde von Ludendorfs ein.</p>
<p>Um keineswegs unbeabsichtigte Tradierungen geht es in die folgenden Beiträgen:</p>
<p>Horst Junginger untersucht in „Paganismus und Indo-Germanentum als Identifikationselemente der Neuen Rechten“ am Beispiel des Tübinger Grabert-Verlages die Funktion des „Neuheidentums“ für die &#8220;Neue Rechte&#8221; nach 1945. Junginger hält den Begriff „Neuheidentum“ für einen wissenschaftlichen Diskurs für ungeeignet, da er der religiösen Polemik entstammt. Bis heute würde die Auseinandersetzung mit dem Paganismus durch die apologetische Perspektive der Kirchen geprägt, und stünde somit einer werturteilsarmen Untersuchung völkischer Religion eher entgegen.</p>
<p>Der Historiker Ingo Wiwjorra stellt in „Zwischen Spurensuche und Fiktion – Was wissen wir über die Religion ‚unserer Ahnen‘?“ zwei leider viel zu selten gestellte Fragen: „Welches Heidentum?“ &#8211; eine Rekonstruktion des vorchristlichen Heidentums sei nicht möglich – und „Welche Ahnen?“ &#8211; die heutigen Deutschen stammen nicht nur von „Germanen“, sondern auch von Slawen, Kelten, Römern usw. ab, was deutsch-völkische Geschichtskonstrukte ad absurdum führen würde.</p>
<p>Ulrich Hungers Text zur Runenkunde im Nationalsozialismus „Zwischen Wissenschaft und Ideologie“ zeigt, wie die Runen für die Germanenideologie instrumentalisiert wurden. So sehr, dass die wissenschaftliche Runonologie in Deutschland bis heute an der laienhaften Gleichsetzung von NS-Symbolik und Runen leidet.</p>
<p>Bernd Wedemeyer-Kolwes setzt sich in „Runengymnastik. Von völkischer Körperkultur zur alternativen Selbsterfahrungspraxis?“ mit der Tradierung einer ariosophischen Erfindung im esoterischen und neuheidnischen Spektrum auseinander.</p>
<p>Um einen nach Ansicht des Autors fahrlässigen Umgang mit völkischer Ideologie geht es in Bernd Sösemanns Kritik an der Fernsehdokumentation „Schwarze Sonne“ von Rüdiger Sünner.  „Audiovisuelle Assoziationen“ ist, anders kann man es nicht nennen, ein völliger Verriss – und darüber hinaus eine scharfe Abrechnung mit der Art und Weise, wie die NS-Zeit in Dokumentar- und Spielfilmen dargestellt wird.</p>
<p>Gregot Hufenreuter stellt die Frage „Kontinuitätsmuster ohne Kontinuität?“ zwischen völkischem Liedgut der Kaiserzeit und heutigem Neofolk. Dabei gelingt ihm eine differenzierte Analyse völkischer Ästhetik im Neofolk und seinem Umfeld.</p>
<p>Der Beitrag Uwe Puschners „‚Deutsche Schrift‘ und völkische Ideologie“ zeigt, wie stark die Frage nach einer Schrift bis ins Absurde weltanschaulich aufgeladen wurde. Interessantes Detail: Hitler sah die Schriftfrage ausgesprochen nüchtern, weshalb der Einführung der Antiqua als „deutscher Normalschrift“ anstelle der „deutschen“ Fraktur-Schrift aus pragmatischen Erwägungen 1941 „weltanschaulich“ auch nichts entgegen stand.</p>
<p>Anja Grebes Analyse zu Instrumentalisierung der Kunst Dürers im völkischen Kontext „Dürer als Führer“ beleuchtet ein wenig bekanntes, aber bezeichnendes Beispiel völkischer Denkmuster.</p>
<p>Der abschließende Beitrag des Sammelbandes stammt vom Mediävisten Caspar Ehlers. In „Mittelalterbilder – Aktuelle Diskurse in Wissenschaft und Öffentlichkeit“ übt er scharfe Kritik an populärkulturellen Mittelaltervorstellungen, wobei er die besonders problematischen Darstellungen weniger in der „Mittelaltermarkt“-Szene, als z. B. in Artikeln zu historischen Themen im „Spiegel“ sieht. Seine These, dass es eine Tendenz zur Abwertung des christlichen Mittelalters zu Gunsten einer vermeintlich besseren „germanischen Frühgeschichte&#8221; gäbe, dürfte weniger umstritten sein, als seine Vermutung, dass dahinter eine, möglicherweise durch „lebendiges antichristliches und völkisches Gedankengut“ angestoßene, „Welle der Dechristianisierung“ stecken würde.</p>
<p>Der Sammelband „Völkisch und national“ bietet alles in allem einen sehr lesenswerten und gut lesbaren Überblick über die Tradierung völkischen Denkens in die Gegenwart. Dabei sind meiner Ansicht nach die Fragen, die die Artikel aufwerfen, und die damit weitere Diskussion und weitere Forschung anregen, das Wichtigste an diesem Buch. Hingegen wird es seinem Anspruch, aktuell verbreitete völkische Ideologeme außerhalb ausgesprochen rechtsextremistischer Kontexte systematisch zu analysieren und historisch einzuordnen, nicht immer gerecht.</p>
<p>Einige Beiträge wirken auf mich sogar ausgesprochen irritierend. Bei einigen Aufsätzen habe ich den Eindruck, dass deren Autoren zu viele Vorurteile und Voreingenommenheiten hinein bringen – wie ich vermute, ohne sich dessen bewusst zu sein.</p>
<p>Das scheint mir bei Uta Halles Aufsatz über das Fortwirken völkischer Deutungsmuster in der Externstein-Laienforschung und unter Esoterikern und Heiden der Fall zu sein.<br />
Im Falle der archäo-astronomischen Hypothesen des Astrophysikers Wolfgang Schlosser müsste die erste Frage meines Erachtens sein: „Ist Schlossers Hypothese wissenschaftlich seriös?“ Immerhin hat sich Schlosser mit seiner archäo-astronomischen Deutung der „Sonnenscheibe von Nebra“ einen überwiegend guten Ruf auf diesem Gebiet erarbeitetet. Die zweite Frage wäre: „Ist Schlosser rechtsextrem?“ Eine Frage, die sich mit seinem Auftreten bei „neurechten“ Veranstaltungen allein nicht beantworten lässt. Man müsste auch seine Gründe dafür kennen. Wobei ein „Ja“ auf die zweite Frage nicht bedeutet, dass seine Hypothese damit fachlich unbrauchbar wäre, und schon gar nicht, dass sie ein Ausdruck völkischer Ideologie wäre.<br />
Ich vermute einen Analogieschluss zum rechten Esoteriker Teudt, der die Externsteine als „germanisches Observatorium“ deutete, allerdings alles andere als ein ernstzunehmender Wissenschaftler war.<br />
Sie führt dann auch noch ausgerechnet einen Eintrag im Forum des <a href="http://www.eldaring.de/" target="_blank">„Eldarings“</a> als Beispiel dafür an, „was Schlosser verbreitet und wie dies von rechtsgerichteten Zuhörern seiner Vorträge aufgenommen wird“. Ich würde gerne wissen, woran sie festmacht, dass „Jan“, der den zitierten Eintrag schrieb, „rechtsgerichtet“ sei. <i>(Hoffentlich nicht daran, dass der „Eldaring“ ein germanisch-heidnischer Verein ist.)</i></p>
<p>Als nicht unbedingt voreingenommen, aber streitbar und sehr parteiisch, zu parteiisch für ein wissenschaftliches Werk, empfinde ich Caspar Ehlers sehr lesenswerten Aufsatz „Mittelalterbilder – Aktuelle Diskurse in Wissenschaft und Öffentlichkeit“. Ich gebe zu, es ist mir eine Freude zu lesen, wie z. B. Ehlers einen flott geschriebenen, schlampig verfassten und mit vielen Klischees über das „finstere Mittelalter“ versehenen Artikel des „Spiegel“-Redakteurs Matthias Schulze auseinanderfetzt.<br />
Ehlers These, dass es gegenwärtig nicht nur unter Laien, sondern auch im wissenschaftlichen Diskurs eine Tendenz zur Abwertung des christlichen Mittelalters und eine Idealisierung der „heidnischen Germanen“ gäbe, ist diskutabel.<br />
Hingegen muss ich bei folgendem Absatz an Horst Jungingers These, die Auseinandersetzung mit dem Paganismus sei durch die apologetische Perspektive der Kirchen geprägt, denken, obwohl es darin gar nicht um „Neuheiden“ geht:</p>
<blockquote><p>[...] Am wenigsten aber ist es vonnöten, den Verlust germanischer Freiheiten oder gar deren Demokratie, Ehegebote oder Ernährungsweisen durch das Mittelalter zu beklagen. Wer dies tut, zielt auf anderes. Kirchen- und Zivilisationskritik mit antiwestlicher Tendenz eröffnet hier wieder den Sonderweg, den zu verlassen eine moderne Mediävistik seit einem halben Jahrhundert bewußt anstrebt, wobei die Abwendung von dem Terminus „Germanen“ als Sammelbegriff für das Frühmittelalter nur ein Aspekt ist einer seit Jahrzehnten vollzogenen Korrektur einst breit anerkannter wissenschaftlicher Einsichten einer Germanenforschung, der die Ergebnisse wichtiger waren als der Weg ihrer Gewinnung.[...]</p></blockquote>
<p>(S. 415 u. &#8211; S. 416 o.).<br />
Abgesehen davon, dass ein Faible für „heidnische Germanen“ nicht automatisch mit einer Geringschätzung der christlich geprägten mittelalterlichen Kultur einher gehen muss, ist Kritik an der mittelalterlichen Kirche nicht zwangsläufig auch Kulturkritik, Kritik nicht immer Ablehnung des Ganzen, und Kirchen- und Kulturkritik, die sich am Umgang mit „heidnischen Germanen“ festmacht, nicht zwangsläufig „antiwestlich“. (Es sei denn, mit „westlich“ wäre das Konstrukt „christliches Abendland“ gemeint.)<br />
Darin, dass „Germanen“ als Sammelbegriff für das Frühmittelalter im späteren Deutschland unbrauchbar ist, bin ich übrigens einer Meinung mit Ehlers, darin, dass die ältere Mediävistik in Deutschland generell weniger quellen- und methodenkritisch gewesen wäre, als damals international üblich („Sonderweg“), eher weniger. (Einige Sätze weiter oben schreibt er von<br />
<blockquote>(&#8230;) einer nachweislich von Jakob Grimm (✝ 1863) erfundenen germanischen Fruchtbarkeitsgöttin „Ostara“(&#8230;)</p></blockquote>
<p> was, <a href="http://www.eldaring.de/pages/germanisches-heidentum/goetter-und-wesen/goettin-ostara.php" target="_blank">jedenfalls so pauschal, nicht stimmt</a>, auch wenn Grimms Hypothese zur Herkunft des Begriffs „Ostern“ wackelig und nach heutigen Erkenntnissen überholt ist.)</p>
<p>Ein generelles Problem ist, dass der Begriff „völkisch“ fest mit einer bestimmten, eindeutig „rechtsextremen“ und (prä-)faschistischen politischen Einstellung verknüpft ist. Man kann z. B. die NPD mit Fug und Recht eine völkisch-nationalistische Partei nennen, die alte NSDAP ebenfalls &#8211; Hitlers bekannte Abneigung gegen „völkische Wanderscholaren“ betraf nicht deren politische Ideologie, sondern deren Weltfremdheit und Sektierertum.<br />
Damit ist der Begriff „völkisch“ so negativ aufgeladen, dass es einem Faschismusvorwurf gleichkommt, wenn völkische Denkmuster aufgedeckt werden. Meiner Ansicht nach ist völkisches Denken zwar in jedem Fall zu kritisieren und zurückzuweisen, aber es ist zu fragen, ob alles, was völkisch aussieht, auch wirklich völkisch ist, und, wenn ja, ob hinter diesem völkischen Denken auch ein geschlossenes „rechtsextremes“, sprich antidemokratisches, rassistisches, antisemitisches, nationalistisches usw. Weltbild steht.<br />
Jeder Bezug auf Gedankengut, das sich auch (!) bei völkischen Ideologen findet, läuft Gefahr, wegen der politisch-ideologischer Kontinuitätsannahme selbst als völkisch, sprich faschismusnah, verdächtigt zu werden.</p>
<p>Ein Beispiel ist Debora Dusses an sich ausgezeichneter Beitrag über die völkische <a href="http://www.eldaring.de/pages/germanisches-heidentum/edda-und-quellen/die-edda.php" target="_blank">Edda</a>-Rezeption. Im Abschnitt „Kontinuitäten völkischer Denktraditionen in der Gegenwart“ führt sie GardenStones „Germanischer Götterglaube. Asatru – ein moderne Religion aus alten Zeiten“ als Beispiel an. Sein Korrespondenzsystem, das jedem Gott Runen, Steine, Farben, Pflanzen usw. zuordnet, erinnert sie an Verfahren Guido „von“ Lists in „Die Bilderschrift der Ario-Germanen“. Die Struktur ist zwar ähnlich, aber ich halte es für voreilig, daraus auf entsprechende ideologische Kontinuität schließen zu wollen. (Unabhängig davon, wie der Autor zum „völkischen Asatru“ steht – in GardenStones Fall: ablehnend.)<br />
Grundsätzlich gilt das für die esoterische Edda-Deutung (wie sie Isa Denison oder Gundula Jäger  vertritt), oder die Neuausgabe von Wilhelm Jordans Edda-Übersetzung im „Arun-Verlag“. (Egal, wie man zum zumindest „rechtsoffenen“ Arun-Verlag stehen mag.) Eine absichtliche Weitergabe ariosophisch-völkischer Deutungsmuster halte ich in diesen Beispielen für unwahrscheinlich, möglich wäre aber eine naive-unreflektierte, ohne Bewusstsein dafür, dass die Quellen „uralter Weisheit“ höchstens etwas über 100 Jahre alt und bräunlich-trübe sind. Vor allem bei GardenStone vermute ich jedoch eher einen Rückgriff auf esoterische Symbole und Deutungsmuster, die bereits vor der „völkischen Religionsbewegung“ und unabhängig von ihr entstanden.</p>
<p>Ähnlich irritierend ist das Fazit, das Stefanie von Schnurbein am Ende ihres Aufsatzes über Fantasy-Romanen als &#8220;Mediatoren völkisch-religiöser Denkmuster&#8221; zieht.<br />
Die von ihr untersuchten Fantasy-Autoren (J.R.R. Tolkien, Diana Paxson, Stephan Grundy, Harry Harrison / John Holm) lehnen, wie sie richtig erkennt, bei allen Unterschieden, Rassismus, Homophobie und Nationalismus ab. Im Falle von Harrisons / Holms „Hammer und Kreuz“ gibt es nicht einmal unterschwellige Anklänge an völkisches Denken, die Parallele, die sie zu „Diesseits“ orientierten Entwürfen einer „arteigenen“ Religion zieht, wirkt an den Haaren herbei gezogen. Sie erkennt auch, dass diese aus dem englischen Sprachraum stammenden Autoren eine reflektierte, (selbst-)kritische Einstellung zur Macht haben, während in den deutschvölkischen Religionsentwürfen (und in deutschvölkischen Büchern) der „Willen zur Macht“ und die (skrupellose) Machtausübung durch den „heldischen Menschen“ verherrlicht werden.<br />
Trotzdem sieht Schnurbein im Fazit ihres Betrags in der Fantasy-Literatur einen Überträger „völkischer Religionsentwürfe“. Zwar greift Grundy bei seiner Schilderung des Heidentum auf „völkische Denkmuster“ zurück (bei Tolkien und Paxson fließen sie allenfalls unabsichtlich, über das kulturelle Umfeld der Autoren, ein), aber der Unterschied zur völkisch-nationalistischen Ideologie ist beachtlich. <i>(Konkret: völkisch denkende „Rechtsextremisten“ stoßen sich z. B. ganz gewaltig an Grundys wohlwollender Darstellung homo- und bisexueller Charaktere und an seinem positiven Bild der „fremdrassigen“ Hunnen. Das ist keine Spekulation von mir, sondern wird aus Äußerungen auf „rechtsextremen“ Internet-Foren zu Grundys Romanen immer wieder deutlich.)</i> Die Sorge Stefanie von Schnurbeins ist für mich grundsätzlich nachvollziehbar, aber zumindest bei den besprochenen Autoren unbegründet.</p>
<p>Irritierend sind einige, meiner Ansicht nach praxisfremde, Ansichten in einigen Aufsätzen. Felix Wiedemanns Darstellung des „Bildes der Hexe im Neuheidentum“ ist zwar offenkundig gut mit Quellen unterfüttert, aber es scheint sich auf ein völlig anderes Neuheidentum, insbesondere Hexentum, zu beziehen, als ich es aus eigener Erfahrung kenne.</p>
<p>Ebenfalls praxisfremd erscheinen mir Teile von Sösemanns Kritik an Sünners „Schwarze Sonne“. Bei allen Mängeln zählt Sünners immerhin schon fast 15 Jahre alte Dokumentation nach meinem Eindruck zu den wichtigsten &#8211; und gelungensten &#8211; unter den zahllosen TV-Dokus über Nazis und deren Hintergründe. Ob die von Sösemann gewünschte Faktendichte und Sachlichkeit in einen Format, das letzten Endes eher Infotainment als „Lehrfilm“ ist, überhaupt möglich wäre, wage ich zu bezweifeln. Seinen Vorschlag, das Stilmittel Ironie einzusetzen, halte ich für wenig praktikabel. (Sünner verzichtete auf Ironisierung, weil Ironie zu leicht missverstanden wird.) Nebenbei: für äußerst befremdlich halte ich Sösemanns Ansicht, „Nazi“ sei eine „verniedlichende sprachliche Form“.</p>
<p>Zum Glück überwiegen auch in den von mir kritisierten Aufsätzen die fundierten und anregenden Aussagen, und es gibt mehr rundum gelungene Aufsätze in diesem Sammelband als in Teilen fragwürdige.</p>
<p>Martin Marheinecke</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/umfassend-wertvoll-und-streckenweise-irritierend-%e2%80%9evolkisch-und-national%e2%80%9c/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein Klassiker zum Thema Runen &#8211; Klaus Düwel: Runenkunde</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/ein-klassiker-zum-thema-runen-klaus-duwel-runenkunde/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/ein-klassiker-zum-thema-runen-klaus-duwel-runenkunde/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 17:43:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sach- und Fachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Runen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=4056</guid>
		<description><![CDATA[<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" rel="lightbox[4056]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Klaus Düwel - Runenkunde" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" alt="Klaus Düwel - Runenkunde" width="153" height="250" /></a></div>
<p>Runenforschung bewegt sich zwischen den Disziplinen der Archäologie, Sprachgeschichte, Religions- und Kulturgeschichte hin und her. Sie befaßt sich mit Inschriften vom 1. nachchristlichen Jahrhundert bis ins Mittelalter. Klaus Düwel hat mit seiner &#8220;Runenkunde&#8221;, in den späten Siebzigern erstmals erschienen und mit der neuesten Ausgabe 2008 gründlich aktualisiert, einen gehaltvollen, aber handlichen Überblick vorgelegt. In großer Detailtiefe werden so unterschiedliche Funde wie kontinentalgermanische Schmuckstücke, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franks_Casket">Franks Casket</a>, wikingerzeitliche Gedenksteine und Runenmanuskripte dargestellt, außerdem ein Überblick über die Problematik des Ursprungs der Runenschrift gegeben sowie literarische Zeugnisse für die Verwendung von Runen vorgestellt. Beispiele für Geheimrunen bzw. Verschlüsselungen und Hinweise auf Runenmagie werden nur kurz erörtert, ein Überblick über die Geschichte der Runenforschung fehlt gleichfalls nicht. <span id="more-4056"></span><br />
Düwels Buch ist eher an ein akademisches Publikum gerichtet und darum keine leichte Lektüre, es wirkt auf Leser, die diesen Stil nicht gewohnt sind, wahrscheinlich recht trocken. Zu exemplarischen Funden werden jeweils unterschiedliche Forschungsmeinungen dargelegt, insbesondere zu frühgermanischen Funden ergeben sich aus unterschiedlichen Lesarten teilweise drastisch verschiedene Deutungen. Es gehört zur wissenschaftlichen Natur dieses Buches, daß nur mit großer Vorsicht definitive Aussagen gemacht werden.</p>
<p>Ich möchte dieses Buch, obwohl es nicht ganz anspruchslos ist, jeder und jedem ans Herz legen, die oder der sich mit Runen befassen möchte. Denn: Es schärft den Blick für das historisch Gewesene und damit die Fähigkeit, auch in esoterischer Literatur Sinnvolles von Zweifelhaftem zu unterscheiden; wer sich im spirituellen Zusammenhang mit Runen befaßt, kann aus diesem Buch bereits wertvolle Anregungen zum Gebrauch der alten Zeichen mitnehmen, wenn auch die wissenschaftliche Darlegung naturgemäß als &#8216;Ritualrezeptbuch&#8217; nicht taugt. Darüber hinaus: was die historischen RunenmeisterInnen (es gibt deutliche Hinweise, daß die Runenkunde nicht immer in Männerhänden lag) alles mit den Runen angefangen haben, ist teilweise überraschend, spannend und läßt Elemente von Denken und Leben erahnen, die aus sonstigen Quellen nicht zugänglich sind. Dem 278-Seiten-Band fehlt lediglich ein Stichwortverzeichnis, er gehört zu den Büchern, die ich immer griffbereit haben will.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/sach-und-fachbucher/">Sach- und Fachbücher</a> by Thursa <a href="http://www.nornirsaett.de/ein-klassiker-zum-thema-runen-klaus-duwel-runenkunde/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" rel="lightbox[4056]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Klaus Düwel - Runenkunde" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/duewel_medium.png" alt="Klaus Düwel - Runenkunde" width="153" height="250" /></a></div>
<p>Runenforschung bewegt sich zwischen den Disziplinen der Archäologie, Sprachgeschichte, Religions- und Kulturgeschichte hin und her. Sie befaßt sich mit Inschriften vom 1. nachchristlichen Jahrhundert bis ins Mittelalter. Klaus Düwel hat mit seiner &#8220;Runenkunde&#8221;, in den späten Siebzigern erstmals erschienen und mit der neuesten Ausgabe 2008 gründlich aktualisiert, einen gehaltvollen, aber handlichen Überblick vorgelegt. In großer Detailtiefe werden so unterschiedliche Funde wie kontinentalgermanische Schmuckstücke, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franks_Casket">Franks Casket</a>, wikingerzeitliche Gedenksteine und Runenmanuskripte dargestellt, außerdem ein Überblick über die Problematik des Ursprungs der Runenschrift gegeben sowie literarische Zeugnisse für die Verwendung von Runen vorgestellt. Beispiele für Geheimrunen bzw. Verschlüsselungen und Hinweise auf Runenmagie werden nur kurz erörtert, ein Überblick über die Geschichte der Runenforschung fehlt gleichfalls nicht. <span id="more-4056"></span><br />
Düwels Buch ist eher an ein akademisches Publikum gerichtet und darum keine leichte Lektüre, es wirkt auf Leser, die diesen Stil nicht gewohnt sind, wahrscheinlich recht trocken. Zu exemplarischen Funden werden jeweils unterschiedliche Forschungsmeinungen dargelegt, insbesondere zu frühgermanischen Funden ergeben sich aus unterschiedlichen Lesarten teilweise drastisch verschiedene Deutungen. Es gehört zur wissenschaftlichen Natur dieses Buches, daß nur mit großer Vorsicht definitive Aussagen gemacht werden.</p>
<p>Ich möchte dieses Buch, obwohl es nicht ganz anspruchslos ist, jeder und jedem ans Herz legen, die oder der sich mit Runen befassen möchte. Denn: Es schärft den Blick für das historisch Gewesene und damit die Fähigkeit, auch in esoterischer Literatur Sinnvolles von Zweifelhaftem zu unterscheiden; wer sich im spirituellen Zusammenhang mit Runen befaßt, kann aus diesem Buch bereits wertvolle Anregungen zum Gebrauch der alten Zeichen mitnehmen, wenn auch die wissenschaftliche Darlegung naturgemäß als &#8216;Ritualrezeptbuch&#8217; nicht taugt. Darüber hinaus: was die historischen RunenmeisterInnen (es gibt deutliche Hinweise, daß die Runenkunde nicht immer in Männerhänden lag) alles mit den Runen angefangen haben, ist teilweise überraschend, spannend und läßt Elemente von Denken und Leben erahnen, die aus sonstigen Quellen nicht zugänglich sind. Dem 278-Seiten-Band fehlt lediglich ein Stichwortverzeichnis, er gehört zu den Büchern, die ich immer griffbereit haben will.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/ein-klassiker-zum-thema-runen-klaus-duwel-runenkunde/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hexen, Schamanen und Priesterinnen im Wandel der Zeit</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/hexen-schamanen-und-priesterinnen-im-wandel-der-zeit/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/hexen-schamanen-und-priesterinnen-im-wandel-der-zeit/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 16:07:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sach- und Fachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Hexen]]></category>
		<category><![CDATA[Hexenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Neoschamanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Priester]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Schamanen]]></category>
		<category><![CDATA[Schamanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=3856</guid>
		<description><![CDATA[<p>Carola Seeler<br />
<b>Hexen, Schamanen und Priesterinnen im Wandel der Zeit</b><br />
Traditionelle und moderne Formen in Vergangenheit und Gegenwart<br />
Bohmeier Verlag, Leipzig, 2010, ISBN 978-3-89094-642-9</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/9946365"><img src="http://u1.ipernity.com/17/63/65/9946365.45852b12.240.jpg" width="170" height="240" alt="HexenSchamanen" border="0"/></a></p>
<p>In „Hexen, Schamanen und PriesterInnen im Wandel der Zeit“ will die Verfasserin, wie sie im Vorwort schreibt, Informationen geben, aber nicht ein bereits definiertes Ergebnis erzielen, schon gar nicht will sie es durch Bildung von Tendenzen vorwegnehmen.<br />
Das deutet auf ein Buch zwischen Nachschlagewerk und Sachbuch hin. In der Tat würde es eine Lücke füllen, zwischen Bücher, deren Autoren ständig Antworten geben (auch wenn es ihnen selbst an Wissen und Einsicht fehlen sollte, auch wenn sie gar nicht gefragt wurden), und solchen, die den Leser oder die Leserin mit Fakten zuschütten, ohne Hinweise, was sie oder er mit diesen Wissen anfangen kann oder was das alles mit dem „normalen Leben“ zu tun hat.</p>
<p>Schon beim flüchtigen Durchblättern fallen die vielen, ausführlichen Fußnoten und das lexikon-ähnliche Glossar auf, was dem Anspruch, dass „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ auch ein „Wissensspeicher“ zum Nachlesen sein soll, entspricht.</p>
<p>Der erste Abschnitt des Buches, mit der Überschrift „Die Hexe und der europäische „Sonderweg““<br />
skizziert in groben Zügen die historische Entwicklung des Hexereibegriffs: Vor dem ausgehenden Mittelalter hätte es zwar, wie überall in der Welt, den Glauben an Schadenzauber gegeben, aber keinen Hexereibegriff: Zum (europäischen) Begriff der Hexerei gehöre untrennbar die Vorstellung eines Teufelspaktes. Ein Abriss über die Hexenverfolgung, in dem auch einige populäre, aber falsche Vorstellungen, z. B. hinsichtlich der Opferzahl, richtig gestellt werden, rundet diesen Abschnitt ab.</p>
<p>Der zweite Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 1“, lenkt, nach einer kurzen historischen Einordnung, den Blick auf die heutige Zeit, auf die „Hexe in uns“, auf die „Hexe als Symbol“ und auf die „moderne Hexen“ und die Zusammenhänge zwischen Hexen und Schamanismus. Damit geht die Verfasserin zum zweiten Hauptthema des Buches, dem „Schamanismus“, über: es folgt ein Abriss über den traditionellen Schamanismus, der auch auf die umstrittene Frage eingeht, ob es einen traditionellen europäischen Schamanismus gäbe..</p>
<p>Der dritte Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 2“ widmet sich zunächst dem modernen Schamanismus und geht insbesondere auf den Kernschamanismus (Core Shamanism) ein. Hauptsächlich geht es in diesem Abschnitt aber um Seher, Orakel und Prophezeiungen. Der abschließende Teil diesen Abschnitts ist den Priestern gewidmet, und zeigt auf, wie unterschiedlich die Funktionen eines „Priesters“ (oder einer Priesterin) im Altertum, bei den Kelten, Germanen und Slawen, im frühen und im modernen Christentum waren. Die Verfasserin arbeitet die großen Unterschiede im Priesterbegriff, auch zwischen den christlichen Konfessionen, heraus – auf die protestantische Vorstellung eines „allgemeinen Priestertums“, in den es keinen Priester im katholischen Sinne gibt, geht sie ausdrücklich ein.</p>
<p>„Schmelztiegel Europa“ ist Fazit und Nachwort der Verfasserin.Es folgt der schon erwähnte ausführliche Lexikonteil.</p>
<p>Dieser schmale, schlicht gestaltete und mit einem eher sperrigen Titel versehene Band steht rein äußerlich im Kontrast zu den bunten, aber inhaltlich dünnen, Büchern über Schamanen oder Hexen im „Esoterik“-Regal der Buchhandlungen. Offen heraus gesagt, halte ich die meisten dieser Bücher schlicht für überflüssig.<br />
Das Buch ist, durchaus im Gegensatz zu vielen der von mir erwähnten „esoterischen“ Bücher über Hexen und Schamanen, gut recherchiert. Obwohl bei Bohmeier, bekannt als „Esoterik-Verlag“ („Fachbücher für Magie und alternative Weltsichten“) erschienen, ist es eindeutig kein „Eso-Buch“ und ist im Grunde in der „Esoterik-Ecke“, zwischen „Hexe Thea“ und „Das Geheimnis der Dualseelen“, fehl am Platze. Überflüssig ist &#8220;Hexen, Schamanen, PriesterInnen&#8221; gewiss nicht.<br />
Die Zielgruppe sind offensichtlich interessierte Laien. Dieses Sachbuch verlangt kein Vorwissen, aber ernsthaftes Interesse und die Bereitschaft, selbst weiterzudenken. Es auch kein Buch zum unterhaltsamen Nebenherschmökern.</p>
<p>Im Großen und Ganzen erfüllt „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ den von der Verfasserin erhobenen Anspruch, Informationen zu geben, ohne einen zu festen Deutungsrahmen vorzugeben.<br />
Allerdings hat das Buch leider auch einige Schwächen. Es ist, jedenfalls aus meiner Sicht, etwa konfus geraten. Eine klare, logische Gliederung, etwa nach dem Prinzip: „historische Hexen – modernen Hexen“, „traditionelle Schamanen – moderne Schamanen“ usw. hätte die Nutzbarkeit als  Nachschlagewerk sicher verbessert. Konfus ist manchmal auch die Sprache Carola Seelers, es gibt einige Stellen, bei denen ich auch beim dritten Lesen nicht wusste, worauf die Verfasserin hinaus will. Vielleicht hätte ein engagiertes Lektoriat dem Buch gut getan.</p>
<p>Damit bin ich bei etwas, was ich ziemlich schade finde: der, ich kann es leider nicht anders nennen, lieblose Umgang des Verlags mit dem Buch. Das fängt beim Titel an – er sollte, nach Angaben Carola Seelers, ursprünglich „der blinde Fleck“ heißen, denn es geht ja tatsächlich um einen „blinden Fleck“ in der üblichen Wahrnehmung der „christlich-abendländischen“ (neuerdings: jüdisch-christlichen) Kultur. Auch dass das „Binnen-I“ in „PriesterInnnen“ in der Typographie des Titels wegfiel, ist meiner Ansicht nach keine Nebensächlichkeit. Im Inneren setzt sich der Eindruck einer lieblosen Edition leider fort.</p>
<p>MartinM, Januar 2011</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/sach-und-fachbucher/">Sach- und Fachbücher</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/hexen-schamanen-und-priesterinnen-im-wandel-der-zeit/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Carola Seeler<br />
<b>Hexen, Schamanen und Priesterinnen im Wandel der Zeit</b><br />
Traditionelle und moderne Formen in Vergangenheit und Gegenwart<br />
Bohmeier Verlag, Leipzig, 2010, ISBN 978-3-89094-642-9</p>
<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/9946365"><img src="http://u1.ipernity.com/17/63/65/9946365.45852b12.240.jpg" width="170" height="240" alt="HexenSchamanen" border="0"/></a></p>
<p>In „Hexen, Schamanen und PriesterInnen im Wandel der Zeit“ will die Verfasserin, wie sie im Vorwort schreibt, Informationen geben, aber nicht ein bereits definiertes Ergebnis erzielen, schon gar nicht will sie es durch Bildung von Tendenzen vorwegnehmen.<br />
Das deutet auf ein Buch zwischen Nachschlagewerk und Sachbuch hin. In der Tat würde es eine Lücke füllen, zwischen Bücher, deren Autoren ständig Antworten geben (auch wenn es ihnen selbst an Wissen und Einsicht fehlen sollte, auch wenn sie gar nicht gefragt wurden), und solchen, die den Leser oder die Leserin mit Fakten zuschütten, ohne Hinweise, was sie oder er mit diesen Wissen anfangen kann oder was das alles mit dem „normalen Leben“ zu tun hat.</p>
<p>Schon beim flüchtigen Durchblättern fallen die vielen, ausführlichen Fußnoten und das lexikon-ähnliche Glossar auf, was dem Anspruch, dass „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ auch ein „Wissensspeicher“ zum Nachlesen sein soll, entspricht.</p>
<p>Der erste Abschnitt des Buches, mit der Überschrift „Die Hexe und der europäische „Sonderweg““<br />
skizziert in groben Zügen die historische Entwicklung des Hexereibegriffs: Vor dem ausgehenden Mittelalter hätte es zwar, wie überall in der Welt, den Glauben an Schadenzauber gegeben, aber keinen Hexereibegriff: Zum (europäischen) Begriff der Hexerei gehöre untrennbar die Vorstellung eines Teufelspaktes. Ein Abriss über die Hexenverfolgung, in dem auch einige populäre, aber falsche Vorstellungen, z. B. hinsichtlich der Opferzahl, richtig gestellt werden, rundet diesen Abschnitt ab.</p>
<p>Der zweite Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 1“, lenkt, nach einer kurzen historischen Einordnung, den Blick auf die heutige Zeit, auf die „Hexe in uns“, auf die „Hexe als Symbol“ und auf die „moderne Hexen“ und die Zusammenhänge zwischen Hexen und Schamanismus. Damit geht die Verfasserin zum zweiten Hauptthema des Buches, dem „Schamanismus“, über: es folgt ein Abriss über den traditionellen Schamanismus, der auch auf die umstrittene Frage eingeht, ob es einen traditionellen europäischen Schamanismus gäbe..</p>
<p>Der dritte Abschnitt: „Zurück in die Zukunft – Teil 2“ widmet sich zunächst dem modernen Schamanismus und geht insbesondere auf den Kernschamanismus (Core Shamanism) ein. Hauptsächlich geht es in diesem Abschnitt aber um Seher, Orakel und Prophezeiungen. Der abschließende Teil diesen Abschnitts ist den Priestern gewidmet, und zeigt auf, wie unterschiedlich die Funktionen eines „Priesters“ (oder einer Priesterin) im Altertum, bei den Kelten, Germanen und Slawen, im frühen und im modernen Christentum waren. Die Verfasserin arbeitet die großen Unterschiede im Priesterbegriff, auch zwischen den christlichen Konfessionen, heraus – auf die protestantische Vorstellung eines „allgemeinen Priestertums“, in den es keinen Priester im katholischen Sinne gibt, geht sie ausdrücklich ein.</p>
<p>„Schmelztiegel Europa“ ist Fazit und Nachwort der Verfasserin.Es folgt der schon erwähnte ausführliche Lexikonteil.</p>
<p>Dieser schmale, schlicht gestaltete und mit einem eher sperrigen Titel versehene Band steht rein äußerlich im Kontrast zu den bunten, aber inhaltlich dünnen, Büchern über Schamanen oder Hexen im „Esoterik“-Regal der Buchhandlungen. Offen heraus gesagt, halte ich die meisten dieser Bücher schlicht für überflüssig.<br />
Das Buch ist, durchaus im Gegensatz zu vielen der von mir erwähnten „esoterischen“ Bücher über Hexen und Schamanen, gut recherchiert. Obwohl bei Bohmeier, bekannt als „Esoterik-Verlag“ („Fachbücher für Magie und alternative Weltsichten“) erschienen, ist es eindeutig kein „Eso-Buch“ und ist im Grunde in der „Esoterik-Ecke“, zwischen „Hexe Thea“ und „Das Geheimnis der Dualseelen“, fehl am Platze. Überflüssig ist &#8220;Hexen, Schamanen, PriesterInnen&#8221; gewiss nicht.<br />
Die Zielgruppe sind offensichtlich interessierte Laien. Dieses Sachbuch verlangt kein Vorwissen, aber ernsthaftes Interesse und die Bereitschaft, selbst weiterzudenken. Es auch kein Buch zum unterhaltsamen Nebenherschmökern.</p>
<p>Im Großen und Ganzen erfüllt „Hexen, Schamanen und PriesterInnen“ den von der Verfasserin erhobenen Anspruch, Informationen zu geben, ohne einen zu festen Deutungsrahmen vorzugeben.<br />
Allerdings hat das Buch leider auch einige Schwächen. Es ist, jedenfalls aus meiner Sicht, etwa konfus geraten. Eine klare, logische Gliederung, etwa nach dem Prinzip: „historische Hexen – modernen Hexen“, „traditionelle Schamanen – moderne Schamanen“ usw. hätte die Nutzbarkeit als  Nachschlagewerk sicher verbessert. Konfus ist manchmal auch die Sprache Carola Seelers, es gibt einige Stellen, bei denen ich auch beim dritten Lesen nicht wusste, worauf die Verfasserin hinaus will. Vielleicht hätte ein engagiertes Lektoriat dem Buch gut getan.</p>
<p>Damit bin ich bei etwas, was ich ziemlich schade finde: der, ich kann es leider nicht anders nennen, lieblose Umgang des Verlags mit dem Buch. Das fängt beim Titel an – er sollte, nach Angaben Carola Seelers, ursprünglich „der blinde Fleck“ heißen, denn es geht ja tatsächlich um einen „blinden Fleck“ in der üblichen Wahrnehmung der „christlich-abendländischen“ (neuerdings: jüdisch-christlichen) Kultur. Auch dass das „Binnen-I“ in „PriesterInnnen“ in der Typographie des Titels wegfiel, ist meiner Ansicht nach keine Nebensächlichkeit. Im Inneren setzt sich der Eindruck einer lieblosen Edition leider fort.</p>
<p>MartinM, Januar 2011</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/hexen-schamanen-und-priesterinnen-im-wandel-der-zeit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/venus-aus-dem-leben-einer-gottin/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/venus-aus-dem-leben-einer-gottin/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 17:03:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[adonis]]></category>
		<category><![CDATA[anchises]]></category>
		<category><![CDATA[antike]]></category>
		<category><![CDATA[aphrodite]]></category>
		<category><![CDATA[ares]]></category>
		<category><![CDATA[eros]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[helena]]></category>
		<category><![CDATA[hephaistos]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[liebesgöttin]]></category>
		<category><![CDATA[paris]]></category>
		<category><![CDATA[schaumgeborene]]></category>
		<category><![CDATA[troja]]></category>
		<category><![CDATA[trojanischer krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Venus]]></category>
		<category><![CDATA[zeus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=3298</guid>
		<description><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<h2><strong><br />
Spannung statt Schaum – Neues von der Liebe </strong></h2>
<div id="attachment_3299" class="wp-caption alignleft" style="width: 186px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" rel="lightbox[3298]"><img class="size-full wp-image-3299  " src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" alt="" width="176" height="176" /></a><p class="wp-caption-text">Venus - aus dem Leben einer Göttin</p></div>
<p><img src="/Users/duke/AppData/Local/Temp/moz-screenshot.png" alt="" />Basierend auf dem reichhaltigen antiken Quellenmaterial, erzählt Andrew Dalby mit &#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221; eine umfassende &#8220;Lebensgeschichte&#8221; der Liebesgöttin – über ihre klassischen Grenzen weit hinaus. Zum einen werden mythologische Parallelen und Ursprünge recht ausführlich mitbeschrieben, zum anderen beschränkt sich das Material keineswegs auf mythologische Überlieferungen, sondern verfolgt – obwohl der Schwerpunkt auf der griechischen Antike liegt – den weiteren Weg der Göttin durch die Kulturen bis heute.</p>
<p>Dadurch entsteht ein ebenso flüssig wie enorm unterhaltsam zu lesendes Büchlein, das unweigerlich alle in seinen Bann zieht, die durch das Thema überhaupt ansprechbar sind. Ein besonderer Kunstgriff gelingt dem Autor in der Art und Weise, wie er Widersprüchlichkeiten in den Quellen miteinander in Bezug bringt, zumal er sie  gleichberechtigt behandelt. An manchen Stellen spitzt Dalby die bekannten Geschichten durch wörtliche Reden und situative Ausschmückungen so treffend und humorvoll zu, dass man den Eindruck hat, in der ersten Reihe fußfrei dabei zu sein. Der Stoff verliert jegliche Patina, was ihm zweitens guttut und erstens außerordentlich erfrischend wirkt. Das verbreitete Klischee einer hauptberuflich Liebreizenden, die sich ohne nennenswerten intellektuellen Horizont zwischen Schaum und Muschel räkelt, verfliegt rasch – und macht am Ende gar einer Verneigung des Autors vor dem Prinzip der Liebe Platz, die jenseits von Moral, Unmoral oder &#8220;Frivolität&#8221; als Urgewalt erahnbar wird. Bravo: Damit schafft es Dalby, die Essenz des Themas nahtlos in die Gegenwart zu ziehen – und die Frage, ob man etwas als &#8220;göttlich&#8221; bezeichnen soll oder nur als &#8220;umwerfend&#8221;, wird obsolet.</p>
<p>Die Anekdoten und Begebenheiten sind überaus spannend geschildert. Alle Einzelheiten kommen zur Sprache: wie es überhaupt dazu kommt, dass Aphrodite vor Zypern aus dem Meer steigt, wie sie zu den olympischen Göttern stößt, ihre unbefriedigende Ehe mit Hephaistos, ihr in flagranti aufgedecktes Verhältnis mit – ausgerechnet – Ares, dem Kriegsgott, von dem sie ein (götter-)lebtag nicht lassen kann&#8230; Wie sie dem sterblichen Anchises vorgaukelt, seinesgleichen zu sein, und durch den gemeinsamen Sohn (Aeneas) zur Schutzgöttin Roms wird&#8230; um nur einige Beispiele anzureißen. Besonders kunstvoll beleuchtet wird das Spannungsverhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn Eros, das weitreichende Folgen hat – wie zum Beispiel den Trojanischen Krieg. Dabei wird jedoch alles frei und neu erzählt, und recht geschickt miteinander verbunden.</p>
<p>Jedes Detail des Buches ist hervorragend recherchiert. Ein besonderes Lob kann man dem akribisch ausgewerteten Quellenteil ausprechen, der schon für sich ein lesenswertes Vergnügen ist. Andrew Dalby hat dabei – als Linguist und Historiker – wirklich aus dem Vollen geschöpft. Das ganze Büchlein lässt sich nur rundum empfehlen – einschränkungslos. Bestenfalls ließe sich noch bemeckern, dass es nach der letzten Seite endet – und die kommt leider viel zu schnell!</p>
<p>Recht hat er, der Klappentext: <em>&#8220;Diese Biografie der Liebesgöttin hält sich eng an die antiken Quellen, verwebt sie aber mit leichter Hand zu einem mitreißend erzählten Roman, an dessen Ende wir eine uralte Gottheit ebensogut zu kennen glauben, wie sie uns schon immer kannte&#8230;&#8221;</em></p>
<p>Brigh &amp; Duke</p>
<p>Andrew Dalby<br />
&#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221;<br />
(engl. Originaltitel: &#8220;The Story of Venus&#8221; / London 2005)<br />
Parthas Literaturverlag 2006 / Berlin<br />
ISBN 978-3-86601-121-2</p>
<p><strong>Der Autor </strong><br />
Andrew Dalby ist Linguist und Historiker, lebt in Frankreich &#8211; und wenn er nicht schreibt, baut er Obst an und braut Cidre.</p>
<p><strong>Weitere Werke auf Deutsch</strong><br />
<em>Bacchus &#8211; aus dem Leben eines Gottes (2005)<br />
Essen und Trinken im alten Rom (2002)<br />
Essen und Trinken im antiken Griechenland (2001)<br />
Küchengeheimnisse der Antike (1996)<br />
</em><br />
P.S.: Der Krähe sei innigst gedankt für dieses gehaltvolle Geburtstagsgeschenk zur richtigen Zeit!<br />
Brigh</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Brigh <a href="http://www.nornirsaett.de/venus-aus-dem-leben-einer-gottin/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<h2><strong><br />
Spannung statt Schaum – Neues von der Liebe </strong></h2>
<div id="attachment_3299" class="wp-caption alignleft" style="width: 186px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" rel="lightbox[3298]"><img class="size-full wp-image-3299  " src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Venus-Cover.jpg" alt="" width="176" height="176" /></a><p class="wp-caption-text">Venus - aus dem Leben einer Göttin</p></div>
<p><img src="/Users/duke/AppData/Local/Temp/moz-screenshot.png" alt="" />Basierend auf dem reichhaltigen antiken Quellenmaterial, erzählt Andrew Dalby mit &#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221; eine umfassende &#8220;Lebensgeschichte&#8221; der Liebesgöttin – über ihre klassischen Grenzen weit hinaus. Zum einen werden mythologische Parallelen und Ursprünge recht ausführlich mitbeschrieben, zum anderen beschränkt sich das Material keineswegs auf mythologische Überlieferungen, sondern verfolgt – obwohl der Schwerpunkt auf der griechischen Antike liegt – den weiteren Weg der Göttin durch die Kulturen bis heute.</p>
<p>Dadurch entsteht ein ebenso flüssig wie enorm unterhaltsam zu lesendes Büchlein, das unweigerlich alle in seinen Bann zieht, die durch das Thema überhaupt ansprechbar sind. Ein besonderer Kunstgriff gelingt dem Autor in der Art und Weise, wie er Widersprüchlichkeiten in den Quellen miteinander in Bezug bringt, zumal er sie  gleichberechtigt behandelt. An manchen Stellen spitzt Dalby die bekannten Geschichten durch wörtliche Reden und situative Ausschmückungen so treffend und humorvoll zu, dass man den Eindruck hat, in der ersten Reihe fußfrei dabei zu sein. Der Stoff verliert jegliche Patina, was ihm zweitens guttut und erstens außerordentlich erfrischend wirkt. Das verbreitete Klischee einer hauptberuflich Liebreizenden, die sich ohne nennenswerten intellektuellen Horizont zwischen Schaum und Muschel räkelt, verfliegt rasch – und macht am Ende gar einer Verneigung des Autors vor dem Prinzip der Liebe Platz, die jenseits von Moral, Unmoral oder &#8220;Frivolität&#8221; als Urgewalt erahnbar wird. Bravo: Damit schafft es Dalby, die Essenz des Themas nahtlos in die Gegenwart zu ziehen – und die Frage, ob man etwas als &#8220;göttlich&#8221; bezeichnen soll oder nur als &#8220;umwerfend&#8221;, wird obsolet.</p>
<p>Die Anekdoten und Begebenheiten sind überaus spannend geschildert. Alle Einzelheiten kommen zur Sprache: wie es überhaupt dazu kommt, dass Aphrodite vor Zypern aus dem Meer steigt, wie sie zu den olympischen Göttern stößt, ihre unbefriedigende Ehe mit Hephaistos, ihr in flagranti aufgedecktes Verhältnis mit – ausgerechnet – Ares, dem Kriegsgott, von dem sie ein (götter-)lebtag nicht lassen kann&#8230; Wie sie dem sterblichen Anchises vorgaukelt, seinesgleichen zu sein, und durch den gemeinsamen Sohn (Aeneas) zur Schutzgöttin Roms wird&#8230; um nur einige Beispiele anzureißen. Besonders kunstvoll beleuchtet wird das Spannungsverhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn Eros, das weitreichende Folgen hat – wie zum Beispiel den Trojanischen Krieg. Dabei wird jedoch alles frei und neu erzählt, und recht geschickt miteinander verbunden.</p>
<p>Jedes Detail des Buches ist hervorragend recherchiert. Ein besonderes Lob kann man dem akribisch ausgewerteten Quellenteil ausprechen, der schon für sich ein lesenswertes Vergnügen ist. Andrew Dalby hat dabei – als Linguist und Historiker – wirklich aus dem Vollen geschöpft. Das ganze Büchlein lässt sich nur rundum empfehlen – einschränkungslos. Bestenfalls ließe sich noch bemeckern, dass es nach der letzten Seite endet – und die kommt leider viel zu schnell!</p>
<p>Recht hat er, der Klappentext: <em>&#8220;Diese Biografie der Liebesgöttin hält sich eng an die antiken Quellen, verwebt sie aber mit leichter Hand zu einem mitreißend erzählten Roman, an dessen Ende wir eine uralte Gottheit ebensogut zu kennen glauben, wie sie uns schon immer kannte&#8230;&#8221;</em></p>
<p>Brigh &amp; Duke</p>
<p>Andrew Dalby<br />
&#8220;Venus &#8211; aus dem Leben einer Göttin&#8221;<br />
(engl. Originaltitel: &#8220;The Story of Venus&#8221; / London 2005)<br />
Parthas Literaturverlag 2006 / Berlin<br />
ISBN 978-3-86601-121-2</p>
<p><strong>Der Autor </strong><br />
Andrew Dalby ist Linguist und Historiker, lebt in Frankreich &#8211; und wenn er nicht schreibt, baut er Obst an und braut Cidre.</p>
<p><strong>Weitere Werke auf Deutsch</strong><br />
<em>Bacchus &#8211; aus dem Leben eines Gottes (2005)<br />
Essen und Trinken im alten Rom (2002)<br />
Essen und Trinken im antiken Griechenland (2001)<br />
Küchengeheimnisse der Antike (1996)<br />
</em><br />
P.S.: Der Krähe sei innigst gedankt für dieses gehaltvolle Geburtstagsgeschenk zur richtigen Zeit!<br />
Brigh</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/venus-aus-dem-leben-einer-gottin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Luisa Francia: Die Göttin im Federkleid. Das weibliche Universum bei Kelten und Germanen</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/luisa-francia-die-gottin-im-federkleid-das-weibliche-universum-bei-kelten-und-germanen/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/luisa-francia-die-gottin-im-federkleid-das-weibliche-universum-bei-kelten-und-germanen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 12:45:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[germanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Göttinnen]]></category>
		<category><![CDATA[keltisch]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Luisa Francia]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=3255</guid>
		<description><![CDATA[<div style="float:left; margin-right:10px"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/francia_goettin.jpg" alt="Luisa Francia: Die Göttin im Federkleid" /></div>
<p>Wenn eine so altgediente Größe der Hexenbewegung sich mit den Kelten und Germanen befaßt, dann ist das Ergebnis für mich geradezu Pflichtlektüre. Ich nehme nicht viel vorweg, wenn ich sage, daß mich dieses Buch eher enttäuscht hat.<br />
Das liegt vor allem an einem: Kritischer Umgang mit Quellen und Exaktheit, wie sie bei diesem Thema eigentlich angeraten wären, sind Francias Stärke leider nicht. Den GermanInnen etwa Reste einer matriarchalen Gesellschaftsordnung zu unterstellen, ohne dafür Quellen zu nennen, geht mir gegen den Strich, nicht weil ich irgendeinen Vorbehalt gegen matriarchale Zustände an sich habe, sondern weil es abermals eine mythisierende Interpretation ist, die die Informationen, aus denen sie gewonnen ist, verschleiert. Und daß sie den Mythos von der Hexenverfolgung als &#8220;Vernichtung der Weisen Frauen&#8221; weiter kolportiert, obwohl sie es besser wissen könnte, ist regelrecht ärgerlich. Ebenso fällt einem die zutiefst heteronormative Opposition Männer gegen Frauen, wie Francia sie so gerne beschwört &#8211; hie die aggressiven, im Grunde primitiven, machtversessenen, rationalen Männer, dort die kulturschöpfenden, kreativen, friedlichen, mit der Erde in Einklang lebenden Frauen -, eher früher als später auf die Nerven. Die Glorifizierung geschützter Frauenräume macht die Sache nicht besser.  Ihre Skepsis an der Geschichtswissenschaft und der Archäologie, denen sie vorwirft, sich nur für das männliche Leben zu interessieren, wirkt fragwürdig, wo der Verdacht entsteht, daß sie sich die Welt macht, wie sie ihr gefällt und nur die Fakten zur Kenntnis nimmt, die in ihr Weltbild passen. <span id="more-3255"></span>Bitterlich vermisse ich auch Quellenangaben, und wo sie Quellen nennt, wecken die eher noch mehr Zweifel. So kann ich den Eindruck nicht abschütteln, daß sie sich relativ unkritsch auf Tacitus und andere römische Geschichtsschreiber stützt, deren voreingenommene Perspektive ja durchaus bekannt ist.</p>
<p>Trotzdem liest sich das Buch leicht und, wo die beschriebenen Mängel mich nicht gerade verärgert haben, auch spaßig, interessant, ja fesselnd. Francia ist dort stark, wo sie ganz aus sich selbst schöpft, wo sie erzählt. Poetisch, bisweilen komisch, unterhalten ihre Märchen-Neuerzählungen. Auch das Kapitel über Landesmütter habe ich mit Spaß an der Sache gelesen. Ihre Schilderung der keltischen und germanischen Göttinnen macht ebenfalls Freude, hier ist sie in ihrem Element.<br />
Das kurze Jahreskreis-Kapitel hingegen läßt diesen Eindruck des &#8220;in ihrem Element seins&#8221; ein wenig vermissen. Dort drängt sich der Verdacht auf, daß es nur angehängt wurde, weil das Thema bei Kelten und Germanen nun mal auf dem Tisch ist und erwartet wird. Einiges in diesem Kapitel (z.B. die Gleichsetzung von Beltane mit der Sommersonnenwende) wirkt uninformiert und geht an dem vorbei, was ich von anderen Autorinnen und aus der verbreiteten Praxis der heidnischen Bewegung kenne.</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
&#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ist ein Lesebuch, das mit eingeschaltetem Kopf und einer gewissen kritischen Distanz gelesen sein will. Es enthält wenig Neues, und wer irgendeine Art von Anleitung, Ritualanregung oder Information über keltische bzw. germanische Religion und Kulte sucht, sollte zu anderer Literatur greifen.<br />
Die germanischen Stämme hätten es nötig, unter dem Wust von Zerrbildern, historischer Fehlinformation, glorifizierender nationalistischer Aneignung und Tabus hervorgeholt zu werden. Francia erweist ihnen allerdings einen Bärendienst, indem sie ihre Quellen verschweigt und auf eine nachgerade esoterische Weise abermals mythisiert.<br />
Für mich war &#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ein getrübtes Vergnügen, zum Einstieg in das Thema &#8220;Kelten und Germanen&#8221; würde ich es definitiv nicht empfehlen.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Thursa <a href="http://www.nornirsaett.de/luisa-francia-die-gottin-im-federkleid-das-weibliche-universum-bei-kelten-und-germanen/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="float:left; margin-right:10px"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/francia_goettin.jpg" alt="Luisa Francia: Die Göttin im Federkleid" /></div>
<p>Wenn eine so altgediente Größe der Hexenbewegung sich mit den Kelten und Germanen befaßt, dann ist das Ergebnis für mich geradezu Pflichtlektüre. Ich nehme nicht viel vorweg, wenn ich sage, daß mich dieses Buch eher enttäuscht hat.<br />
Das liegt vor allem an einem: Kritischer Umgang mit Quellen und Exaktheit, wie sie bei diesem Thema eigentlich angeraten wären, sind Francias Stärke leider nicht. Den GermanInnen etwa Reste einer matriarchalen Gesellschaftsordnung zu unterstellen, ohne dafür Quellen zu nennen, geht mir gegen den Strich, nicht weil ich irgendeinen Vorbehalt gegen matriarchale Zustände an sich habe, sondern weil es abermals eine mythisierende Interpretation ist, die die Informationen, aus denen sie gewonnen ist, verschleiert. Und daß sie den Mythos von der Hexenverfolgung als &#8220;Vernichtung der Weisen Frauen&#8221; weiter kolportiert, obwohl sie es besser wissen könnte, ist regelrecht ärgerlich. Ebenso fällt einem die zutiefst heteronormative Opposition Männer gegen Frauen, wie Francia sie so gerne beschwört &#8211; hie die aggressiven, im Grunde primitiven, machtversessenen, rationalen Männer, dort die kulturschöpfenden, kreativen, friedlichen, mit der Erde in Einklang lebenden Frauen -, eher früher als später auf die Nerven. Die Glorifizierung geschützter Frauenräume macht die Sache nicht besser.  Ihre Skepsis an der Geschichtswissenschaft und der Archäologie, denen sie vorwirft, sich nur für das männliche Leben zu interessieren, wirkt fragwürdig, wo der Verdacht entsteht, daß sie sich die Welt macht, wie sie ihr gefällt und nur die Fakten zur Kenntnis nimmt, die in ihr Weltbild passen. <span id="more-3255"></span>Bitterlich vermisse ich auch Quellenangaben, und wo sie Quellen nennt, wecken die eher noch mehr Zweifel. So kann ich den Eindruck nicht abschütteln, daß sie sich relativ unkritsch auf Tacitus und andere römische Geschichtsschreiber stützt, deren voreingenommene Perspektive ja durchaus bekannt ist.</p>
<p>Trotzdem liest sich das Buch leicht und, wo die beschriebenen Mängel mich nicht gerade verärgert haben, auch spaßig, interessant, ja fesselnd. Francia ist dort stark, wo sie ganz aus sich selbst schöpft, wo sie erzählt. Poetisch, bisweilen komisch, unterhalten ihre Märchen-Neuerzählungen. Auch das Kapitel über Landesmütter habe ich mit Spaß an der Sache gelesen. Ihre Schilderung der keltischen und germanischen Göttinnen macht ebenfalls Freude, hier ist sie in ihrem Element.<br />
Das kurze Jahreskreis-Kapitel hingegen läßt diesen Eindruck des &#8220;in ihrem Element seins&#8221; ein wenig vermissen. Dort drängt sich der Verdacht auf, daß es nur angehängt wurde, weil das Thema bei Kelten und Germanen nun mal auf dem Tisch ist und erwartet wird. Einiges in diesem Kapitel (z.B. die Gleichsetzung von Beltane mit der Sommersonnenwende) wirkt uninformiert und geht an dem vorbei, was ich von anderen Autorinnen und aus der verbreiteten Praxis der heidnischen Bewegung kenne.</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
&#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ist ein Lesebuch, das mit eingeschaltetem Kopf und einer gewissen kritischen Distanz gelesen sein will. Es enthält wenig Neues, und wer irgendeine Art von Anleitung, Ritualanregung oder Information über keltische bzw. germanische Religion und Kulte sucht, sollte zu anderer Literatur greifen.<br />
Die germanischen Stämme hätten es nötig, unter dem Wust von Zerrbildern, historischer Fehlinformation, glorifizierender nationalistischer Aneignung und Tabus hervorgeholt zu werden. Francia erweist ihnen allerdings einen Bärendienst, indem sie ihre Quellen verschweigt und auf eine nachgerade esoterische Weise abermals mythisiert.<br />
Für mich war &#8220;Die Göttin im Federkleid&#8221; ein getrübtes Vergnügen, zum Einstieg in das Thema &#8220;Kelten und Germanen&#8221; würde ich es definitiv nicht empfehlen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/luisa-francia-die-gottin-im-federkleid-das-weibliche-universum-bei-kelten-und-germanen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vera Zingsem: Freya, Iduna und Thor: Vom Charme der germanischen Göttermythen</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/vera-zingsem-freya-iduna-thor-vom-charme-der-germanischen-gottermythen/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/vera-zingsem-freya-iduna-thor-vom-charme-der-germanischen-gottermythen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 10:14:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Charme]]></category>
		<category><![CDATA[edda]]></category>
		<category><![CDATA[Freya]]></category>
		<category><![CDATA[germanisch]]></category>
		<category><![CDATA[germanische mythen]]></category>
		<category><![CDATA[götter]]></category>
		<category><![CDATA[idun]]></category>
		<category><![CDATA[iduna]]></category>
		<category><![CDATA[Iduna & Thor]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen]]></category>
		<category><![CDATA[thor]]></category>
		<category><![CDATA[Zingsem]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=3210</guid>
		<description><![CDATA[<div id="attachment_3209" class="wp-caption alignnone" style="width: 260px"><img class="size-medium wp-image-3209  " src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Iduna-300x300.jpg" alt="" width="250" height="250" /><p class="wp-caption-text">Freya, Iduna &amp; Thor: Vom Charme der germanischen Göttermythen</p></div>
<h3><strong>Alter Sagen  neue Sicht</strong></h3>
<p>Auf Missstände hinzuweisen, sie aufzudecken, wo man sie findet, ist wichtig – schafft sie aber nicht ab, sondern lediglich Voraussetzungen dafür. Das gilt auch für Entzerrungen germanischer Geschichte und den Sonderfall der ja besonders arg besudelten germanischen Mythologie. Es reicht nicht, da nur den Dreck abzuwischen – mal abgesehen davon, dass das gar nicht so einfach ist: Das Thema ist ein verdammt komplexes. Nimmt man die Fälschungen auseinander, hat man erstmal einen Scherbenhaufen, der keinen Altar ergibt und schon gar keinen Kraftort: gerade fürs heidnische Gemüt ein ganz unerquicklicher Zustand.</p>
<p>Umso wichtiger daher, wenn sich Beherzte aufmachen, das Feld nicht nur neu zu erkunden, sondern auch mit eigenen Interpretationen füllen, die sich von altem Schmodder (der ja zudem noch falsch ist und auch bei ständiger Wiederkäuung falsch bleibt) wohltuend abheben.<br />
Zu denen, die zum heiklen Thema neue Perspektiven wagen, gehört sicherlich die Autorin Vera Zingsem mit ihrer Neuerzählung – und Neuverknüpfung – alter Sagen, Märchen und Edda-Mythen. Sie findet &#8220;Charme&#8221; darin – tatsächlich tut sie viel dafür, gerade den ollen Germanengöttern einen solchen zu verleihen. Dabei erweist sie sich eher als charmante Erzählerin, die begeistert auch über manche Ungereimtheit fröhlich drüberkleistert. Es scheint ihr aufs Ergebnis anzukommen. Das ist hübsch und in dem Fall sogar mutig. Aber ein Sachbuch? Will es gar nicht sein&#8230;</p>
<p><span id="more-3210"></span></p>
<h3><strong>&#8220;Freya, Iduna und Thor – vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221;</strong></h3>
<p><em> </em></p>
<p><em>&#8220;Freya bringt Strickwaren. Iduna versichert. Weleda und Wala machen schön. Walküren gibt&#8217;s bei Wagner. Nornen bei Droste-Hülshoff. Und Thors Hammer schmückt Frauen und Männer. Aber warum?&#8221;</em></p>
<p>Wenn man zuvorderst einmal Titel und die erste Hälfte der Rückseite des Buches gelesen hat, wird man zugegebenermaßen neugierig.</p>
<p>Liest man zweit Genanntes allerdings weiter, taucht das erste Fragezeichen auf: <em>&#8220;Ein wichtiges Stück Kultur-, Religions- und Seelengeschichte. Ein unbefangener und unverstellter Blick auf unsere Märchen und germanischen Mythen […]&#8220;</em></p>
<h3><strong>Unverstellter Blick?</strong></h3>
<p>Bevor sich der eigene Blick auf das Buch verstellt, ist es zunächst einmal wichtig, das Vorwort mit größter Aufmerksamkeit zu lesen, denn dort legt Zingsem klar, was das Buch ist und was es nicht ist. An diesen Kommentaren stellt sich vielleicht mitunter heraus, was man selbst von dem Buch hält.</p>
<p>Zingsem hat in ihrem Buch konkret versucht, die germanischen Götter von ihrer nationalistischen, rechtslastigen und treu-doofen Konnotation zu lösen.<br />
So weit, so löblich die Intention.</p>
<p>Zingsem dazu in ihrem Vorwort: <em>&#8220;Das Buch ist ein Versuch, die nordisch-germanische Mythologie gegen den Strich zu lesen. Nicht das Heldische, nicht die angebliche Blut -und Bodenmystik stehen im Mittelpunkt, sondern Liebe, Weisheit, Humor und Poesie.&#8221;</em> (S. 159)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Lange Zeit bin ich um die Themen der nordisch-germanischen Mythologie herumgeschlichen wie die berühmte Katze um den heißen Brei. Ich wollte mir die Finger nicht verbrennen an dem, was uns die jüngere deutsche Vergangenheit als allzu heißes Eisen hinterlassen hatte. So kannte ich mich irgendwann mit den Mythen der ganzen Welt besser aus als mit den heimischen. Hier war sozusagen vermintes Gebiet, befanden sich weiße Flecken auf der Landkarte, das quasi politisch verordnete Niemandsland für unsere Gedanken.&#8221;</em> (S. 11)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Es wird Zeit, die nordische Mythologie vom Ritterrüstungswahn falschen Heldentums zu befreien. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, eine (sprach)wissenschaftliche oder eine historische Analyse vorzulegen. Vielmehr soll ein Lesebuch entstehen, dessen Geschichten zum Stauen und Schmökern einladen. So wie hier sind die Geschichten vielleicht schon lange nicht mehr (oder sogar noch nie) erzählt worden.&#8221; </em>(S. 17)</p>
<p><em>&#8220;[…) ein Versuch der Neu-Deutung durch Wiedergewinnung eines unbefangenen Blicks auf Mythen […]&#8221; </em>(S. 17)</p>
<h3><strong>Der Seherin Gesicht</strong></h3>
<p>Doch zuerst ein sehr kurzer Abriss über den Inhalt des Buches, dessen Titelblatt Freya, Iduna und Thor in bunten und sympathischen Bildern zieren.</p>
<p>In 13 Kapiteln inszeniert die Autorin die göttliche germanische Komödie, erzählt ihre Sicht von Frau Holle, Yggdrasil, Gefjon, den Wanen, Walküren, Disen, Odin, Frigg und Freya, Thor, Loki und Anhang, Nott, Sol, Dag, Mani und noch vielen anderen Gestalten der germanischen Mythologie. Auch vom Schöpfungsmythos und dem Ragnarök weiß sie in amüsanter Form zu erzählen.<br />
Weiter ist der Inhalt in dem Sinne nicht auszuführen, weil er schlichtweg die üblichen Geschichten zu Begebenheiten und Figuren bietet, wenngleich ein paar schöne Interpretationen doch neu sind, bzw. bis jetzt so noch nicht aufgeschrieben waren. So werden Begebenheiten der germanischen Mythologie als Naturmythen interpretiert. Hier einige Beispiele:</p>
<p>Sif steht im Hochsommer kahl vor ihrem Gemahl Thor, da Loki ihr die Haare abgeschnitten hat. <em>&#8220;Die Ähren, die reif und glänzend in der Furche stehen, werden als Haar der Erde gedeutet. Ganz wie die &#8216;blonde Demeter&#8217;, die sich im Herbst in die schwarze Persephone verwandelt, so erscheint auch Sif, die &#8216;Erfreuliche&#8217;, hier als Erdgöttin, deren Gesicht und Aussehen sich mit den Jahreszeiten wandelt. Und es sind die Zwerge, die aus dem Inneren der Erde das neue Wachstum vorbereiten. So wie auch Thor seiner Gemahlin hilft, indem er sie im Frühling von Schnee und Eis befreit.&#8221;</em> (S. 209)</p>
<p>Ähnlich erzählt sie auch von Freya und Odur, deren Beziehung sie als die <em>&#8220;allgemeine Mythologie vom Suchen und Finden&#8221;</em>, vom <em>&#8220;Verschwinden und Wiederauferstehen des Vegetations-Gottes im Frühling und im Herbst&#8221;</em> interpretiert (S. 110).</p>
<p>Auch wenn diese Interpretationen nicht jedermanns und jederfraus Sache sind – dies alleine sollte keineswegs ein Grund sein, das Buch sofort wieder aus der Hand zu legen. Ganz im Gegenteil, es wird eine ganz interessante Perspektive auf die ganze Sache.<br />
Zingsem nimmt ihre Interpretationen so vor, wie sie es auch in ihren anderen Büchern gerne tut, nämlich mit Schwerpunkt und Hervorhebung starker und selbstbewusster Frauen und Göttinnen.</p>
<p>Nur halb so ernst nehmen darf man Zingsems Blick auf historische Fakten und die Sprachgeschichte, denn das ist nicht ihr Gebiet.</p>
<p>So ist – um nur ein Beispeil zu nennen – ihre etymologische Herleitung des Namens Freya nicht korrekt, so wie sie es auf S. 108 darstellt:<em>&#8220;Der Name Freya bedeutet einerseits &#8216;Frau Herrin&#8217; (entsprechend dem lat. Domina) und hängt andererseits mit der indogermanischen Wortwurzel priio für lieb, froh und gut, bzw. gothisch frijón für lieben zusammen.&#8221;</em><br />
Richtig ist aber vielmehr, dass Freya  zu indogermanisch *pro-, &#8216;vorne&#8217;, gehört, also &#8216;Herrin&#8217; meint. Nur auf Frigg trifft &#8216;lieben&#8217; zu. Ihr Name stammt vom indogermanischen *prii- altgermanisch *fri. Durch die erste Lautverschiebung wurde &#8216;p&#8217; zu &#8216;f&#8217;, das &#8216;ii&#8217; wurde in der goto-nordischen Verschärfung der Halbvokale zu &#8216;gg&#8217;.<br />
Auch die daraus abgeleitete Interpretation, dass Freyas Bruder Frey hierzulande oft einfach nur &#8216;Froh&#8217; heiße, ist daher falsch, da Frey und Freya dieselbe Wortwurzel miteinander teilen und ihre Namen schlichtweg nur &#8216;Herr&#8217; und &#8216;Herrin&#8217; bedeuten.<br />
Dies zeigt auch deutlich, dass es nicht stimmen kann, wenn Zingsem sagt, dass vom Wesen und Namen her die beiden Göttinnen Freya und Frigg ursprünglich so gut wie gleich gewesen wären (vgl. S. 180).Hinterfragen ist eben leider nicht die Stärke der Autorin.</p>
<p>Als Beispiel dafür sei die auf für meinen Geschmack ganz zauberhafte und eindrucksvolle literarische Schilderung vom Auftritt der Spákona – Seherin –  Thorbjörg in der &#8220;Eriks-Saga&#8221; genannt. Steht dort doch tatsächlich: <em>&#8220;Wie sich so ein Ritual vollzogen hat, erfahren wir aus der Saga Eriks des Roten&#8221; </em>(S. 119).<br />
Auch wenn es archäologische Funde von Beuteln (z.B. Grabfund von Lyngby) gibt, deren Inhalt als von magischer Natur gedeutet werden könne, so ist die Feststellung &#8220;wie es sich vollzogen hat&#8221; doch etwas gewagt, wenn man dem Umstand Rechnung trägt, dass die Niederschrift bereits aus erzchristlicher Zeit stammt.<br />
Dennoch muss man aber auch anmerken, dass die Textstelle sich ob ihres nüchternen Detailreichtums tatsächlich wie eine Schilderung einer Tatsache liest.Ingesamt also eine hakelige Sache, das mit dem Fakten.<br />
Diese Stelle wäre jedenfalls einmal mehr eine Möglichkeit gewesen, der Quellenlage etwas mehr an Bedeutung beizumessen und diese kritisch darzustellen.</p>
<p>Auch die unhinterfragte Existenz einer Göttin Ostara hätte sich dafür ganz wunderbar angeboten (vgl. S. 124).</p>
<h3><strong>Ältliche Quellen, manchmal trüb</strong></h3>
<p>Zur verwendeten Literatur ist zu sagen, dass sie insgesamt nicht sonderlich vertrauenserweckend ist. Zu alt, dh auch überholt, ist zum einen, zu zweifelhaft zum anderen.<br />
So finden wir darunter auch Hans von Wolzogen mit &#8220;Göttersagen der Edda&#8221; aus dem Jahr 1919. Derselbe Wolzogen gehörte 1929 zu den Unterzeichnern des Gründungsmanifestes des &#8220;völkisch&#8221; gesinnten, antisemitischen &#8220;Kampfbunds für deutsche Kultur&#8221;.</p>
<p>Paul Zaunert, in der Bibliographie mit &#8220;Deutsche Märchen seit Grimm&#8221; aus dem Jahr 1922 vertreten, war immerhin seit 1925 Herausgeber der Schriftenreihe &#8220;Deutsche Volkheit&#8221;.</p>
<p>Derartige Werke unkommentiert in ein Buch zu integrieren, das eigentlich gerne gegen die <em>&#8220;überkommene Mythenauslegung der NS-Zeit&#8221;</em> (Klappentext) sprechen möchte, ist natürlich völlig unmöglich. Schade, dass diesem Umstand nirgendwo Rechnung getragen wird.</p>
<p>Harmlos – zumindest relativ gesehen, wenngleich ärgerlich – sind natürlich Bücher zu Themen, zu denen es wesentlich bessere Literatur gibt. Nigel Pennick mit &#8220;Das Runenorakel&#8221; (1990) und Edred Thorsson mit dem &#8220;Handbuch der Runenmagie&#8221; (1992) wären wirklich nicht nötig gewesen.</p>
<h3><strong>Die schönere Geschichte</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist vielleicht die Snorra des 21. Jahrhunderts. Sie erzählt die Geschichten neu, aus ihrer Sicht und mit ihrem kulturellen und philosophischen, spirituellen Hintergrund. Sieht man sie als poetische Neuerzählerin, so kann man ihr das Buch nicht nachtragen.</p>
<p>Bei ihrer Inszenierung legt sie den Figuren das bestmögliche Make Up an, arrangiert die beste Beleuchtung, sie fügt zusammen (auch, was nicht immer zusammen gehört) und füllt Löcher (mit welchen Füllungen auch immer). Schade ist, dass sämtliche Schminke nicht als solche ausgewiesen ist.</p>
<p>Soweit ich ihr Ansinnen durchschaut habe, so möchte sie eine verzerrte Rezeption aufarbeiten. Was dabei allerdings herauskommt, ist eine erneut verzerrte Rezeption.</p>
<p>Dennoch muss man der Autorin zu Gute halten, dass sie ganz klar die schönere Geschichte erzählt.</p>
<p>Wir können Mythen sehen, wie immer wir wollen, das heißt somit in logischer Konsequenz auch, dass die besudeltsten Dinge nicht verloren sein müssen. Und dafür ist Zingsems Buch <em>&#8220;Freya, Iduna und Thor. Vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221; </em>der niedergeschriebene Beweis.</p>
<p>Vera Zingsem: Freya, Iduna &amp; Thor<br />
Vom Charme der germanischen Göttermythen.<br />
Tübingen, Klöpfer und Meyer Verlag<br />
Auflage 1, 22. März 2010</p>
<p>263 Seiten, geb. mit Schutzumschlag<br />
€ [D] 22,00 / [A] 22,70</p>
<h3><strong>Über die Autorin</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist Diplomtheologin, Tanzpädagogin, Mythen- und Symbolforscherin, freie Autorin und Dozentin (unter anderem an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg). Sie lebt und arbeitet heute in Tübingen.</p>
<h3><strong>Weitere publizierte Werke</strong></h3>
<ul>
<li>Die Weisheit der Schöpfungsmythen: Wie uralte Geschichten unser Denken prägen (Stuttgart 2009 )</li>
<li>Der Himmel ist mein, die Erde ist mein: Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten. (Schalksmühle 2008)</li>
<li>Das Geheimnis der Sonne: (Eschbach 2008)</li>
<li>Sind die Weltreligionen friedensfähig? Ein Plädoyer für eine gerechte Religion (2006)</li>
<li>Lilith, Adams erste Frau  (Tübingen 2002, Leipzig 2005))</li>
<li>Klar wie das Wasser  (Freiburg 2002)</li>
<li>Schlangenfrau und Chaosdrache in Märchen, Mythos und Kunst (2001)</li>
<li>Die Einladung nach Jerusalem (Frankfurt am Main 2001)</li>
<li>Im Schatten des Olivenbaums: Erzählungen zu Palästina/Israel (1994)</li>
</ul>
<p><em>Brigh, im Juli 2010</em></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Brigh <a href="http://www.nornirsaett.de/vera-zingsem-freya-iduna-thor-vom-charme-der-germanischen-gottermythen/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3209" class="wp-caption alignnone" style="width: 260px"><img class="size-medium wp-image-3209  " src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Iduna-300x300.jpg" alt="" width="250" height="250" /><p class="wp-caption-text">Freya, Iduna &amp; Thor: Vom Charme der germanischen Göttermythen</p></div>
<h3><strong>Alter Sagen  neue Sicht</strong></h3>
<p>Auf Missstände hinzuweisen, sie aufzudecken, wo man sie findet, ist wichtig – schafft sie aber nicht ab, sondern lediglich Voraussetzungen dafür. Das gilt auch für Entzerrungen germanischer Geschichte und den Sonderfall der ja besonders arg besudelten germanischen Mythologie. Es reicht nicht, da nur den Dreck abzuwischen – mal abgesehen davon, dass das gar nicht so einfach ist: Das Thema ist ein verdammt komplexes. Nimmt man die Fälschungen auseinander, hat man erstmal einen Scherbenhaufen, der keinen Altar ergibt und schon gar keinen Kraftort: gerade fürs heidnische Gemüt ein ganz unerquicklicher Zustand.</p>
<p>Umso wichtiger daher, wenn sich Beherzte aufmachen, das Feld nicht nur neu zu erkunden, sondern auch mit eigenen Interpretationen füllen, die sich von altem Schmodder (der ja zudem noch falsch ist und auch bei ständiger Wiederkäuung falsch bleibt) wohltuend abheben.<br />
Zu denen, die zum heiklen Thema neue Perspektiven wagen, gehört sicherlich die Autorin Vera Zingsem mit ihrer Neuerzählung – und Neuverknüpfung – alter Sagen, Märchen und Edda-Mythen. Sie findet &#8220;Charme&#8221; darin – tatsächlich tut sie viel dafür, gerade den ollen Germanengöttern einen solchen zu verleihen. Dabei erweist sie sich eher als charmante Erzählerin, die begeistert auch über manche Ungereimtheit fröhlich drüberkleistert. Es scheint ihr aufs Ergebnis anzukommen. Das ist hübsch und in dem Fall sogar mutig. Aber ein Sachbuch? Will es gar nicht sein&#8230;</p>
<p><span id="more-3210"></span></p>
<h3><strong>&#8220;Freya, Iduna und Thor – vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221;</strong></h3>
<p><em> </em></p>
<p><em>&#8220;Freya bringt Strickwaren. Iduna versichert. Weleda und Wala machen schön. Walküren gibt&#8217;s bei Wagner. Nornen bei Droste-Hülshoff. Und Thors Hammer schmückt Frauen und Männer. Aber warum?&#8221;</em></p>
<p>Wenn man zuvorderst einmal Titel und die erste Hälfte der Rückseite des Buches gelesen hat, wird man zugegebenermaßen neugierig.</p>
<p>Liest man zweit Genanntes allerdings weiter, taucht das erste Fragezeichen auf: <em>&#8220;Ein wichtiges Stück Kultur-, Religions- und Seelengeschichte. Ein unbefangener und unverstellter Blick auf unsere Märchen und germanischen Mythen […]&#8220;</em></p>
<h3><strong>Unverstellter Blick?</strong></h3>
<p>Bevor sich der eigene Blick auf das Buch verstellt, ist es zunächst einmal wichtig, das Vorwort mit größter Aufmerksamkeit zu lesen, denn dort legt Zingsem klar, was das Buch ist und was es nicht ist. An diesen Kommentaren stellt sich vielleicht mitunter heraus, was man selbst von dem Buch hält.</p>
<p>Zingsem hat in ihrem Buch konkret versucht, die germanischen Götter von ihrer nationalistischen, rechtslastigen und treu-doofen Konnotation zu lösen.<br />
So weit, so löblich die Intention.</p>
<p>Zingsem dazu in ihrem Vorwort: <em>&#8220;Das Buch ist ein Versuch, die nordisch-germanische Mythologie gegen den Strich zu lesen. Nicht das Heldische, nicht die angebliche Blut -und Bodenmystik stehen im Mittelpunkt, sondern Liebe, Weisheit, Humor und Poesie.&#8221;</em> (S. 159)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Lange Zeit bin ich um die Themen der nordisch-germanischen Mythologie herumgeschlichen wie die berühmte Katze um den heißen Brei. Ich wollte mir die Finger nicht verbrennen an dem, was uns die jüngere deutsche Vergangenheit als allzu heißes Eisen hinterlassen hatte. So kannte ich mich irgendwann mit den Mythen der ganzen Welt besser aus als mit den heimischen. Hier war sozusagen vermintes Gebiet, befanden sich weiße Flecken auf der Landkarte, das quasi politisch verordnete Niemandsland für unsere Gedanken.&#8221;</em> (S. 11)</p>
<p>Und:<br />
<em>&#8220;Es wird Zeit, die nordische Mythologie vom Ritterrüstungswahn falschen Heldentums zu befreien. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, eine (sprach)wissenschaftliche oder eine historische Analyse vorzulegen. Vielmehr soll ein Lesebuch entstehen, dessen Geschichten zum Stauen und Schmökern einladen. So wie hier sind die Geschichten vielleicht schon lange nicht mehr (oder sogar noch nie) erzählt worden.&#8221; </em>(S. 17)</p>
<p><em>&#8220;[…) ein Versuch der Neu-Deutung durch Wiedergewinnung eines unbefangenen Blicks auf Mythen […]&#8221; </em>(S. 17)</p>
<h3><strong>Der Seherin Gesicht</strong></h3>
<p>Doch zuerst ein sehr kurzer Abriss über den Inhalt des Buches, dessen Titelblatt Freya, Iduna und Thor in bunten und sympathischen Bildern zieren.</p>
<p>In 13 Kapiteln inszeniert die Autorin die göttliche germanische Komödie, erzählt ihre Sicht von Frau Holle, Yggdrasil, Gefjon, den Wanen, Walküren, Disen, Odin, Frigg und Freya, Thor, Loki und Anhang, Nott, Sol, Dag, Mani und noch vielen anderen Gestalten der germanischen Mythologie. Auch vom Schöpfungsmythos und dem Ragnarök weiß sie in amüsanter Form zu erzählen.<br />
Weiter ist der Inhalt in dem Sinne nicht auszuführen, weil er schlichtweg die üblichen Geschichten zu Begebenheiten und Figuren bietet, wenngleich ein paar schöne Interpretationen doch neu sind, bzw. bis jetzt so noch nicht aufgeschrieben waren. So werden Begebenheiten der germanischen Mythologie als Naturmythen interpretiert. Hier einige Beispiele:</p>
<p>Sif steht im Hochsommer kahl vor ihrem Gemahl Thor, da Loki ihr die Haare abgeschnitten hat. <em>&#8220;Die Ähren, die reif und glänzend in der Furche stehen, werden als Haar der Erde gedeutet. Ganz wie die &#8216;blonde Demeter&#8217;, die sich im Herbst in die schwarze Persephone verwandelt, so erscheint auch Sif, die &#8216;Erfreuliche&#8217;, hier als Erdgöttin, deren Gesicht und Aussehen sich mit den Jahreszeiten wandelt. Und es sind die Zwerge, die aus dem Inneren der Erde das neue Wachstum vorbereiten. So wie auch Thor seiner Gemahlin hilft, indem er sie im Frühling von Schnee und Eis befreit.&#8221;</em> (S. 209)</p>
<p>Ähnlich erzählt sie auch von Freya und Odur, deren Beziehung sie als die <em>&#8220;allgemeine Mythologie vom Suchen und Finden&#8221;</em>, vom <em>&#8220;Verschwinden und Wiederauferstehen des Vegetations-Gottes im Frühling und im Herbst&#8221;</em> interpretiert (S. 110).</p>
<p>Auch wenn diese Interpretationen nicht jedermanns und jederfraus Sache sind – dies alleine sollte keineswegs ein Grund sein, das Buch sofort wieder aus der Hand zu legen. Ganz im Gegenteil, es wird eine ganz interessante Perspektive auf die ganze Sache.<br />
Zingsem nimmt ihre Interpretationen so vor, wie sie es auch in ihren anderen Büchern gerne tut, nämlich mit Schwerpunkt und Hervorhebung starker und selbstbewusster Frauen und Göttinnen.</p>
<p>Nur halb so ernst nehmen darf man Zingsems Blick auf historische Fakten und die Sprachgeschichte, denn das ist nicht ihr Gebiet.</p>
<p>So ist – um nur ein Beispeil zu nennen – ihre etymologische Herleitung des Namens Freya nicht korrekt, so wie sie es auf S. 108 darstellt:<em>&#8220;Der Name Freya bedeutet einerseits &#8216;Frau Herrin&#8217; (entsprechend dem lat. Domina) und hängt andererseits mit der indogermanischen Wortwurzel priio für lieb, froh und gut, bzw. gothisch frijón für lieben zusammen.&#8221;</em><br />
Richtig ist aber vielmehr, dass Freya  zu indogermanisch *pro-, &#8216;vorne&#8217;, gehört, also &#8216;Herrin&#8217; meint. Nur auf Frigg trifft &#8216;lieben&#8217; zu. Ihr Name stammt vom indogermanischen *prii- altgermanisch *fri. Durch die erste Lautverschiebung wurde &#8216;p&#8217; zu &#8216;f&#8217;, das &#8216;ii&#8217; wurde in der goto-nordischen Verschärfung der Halbvokale zu &#8216;gg&#8217;.<br />
Auch die daraus abgeleitete Interpretation, dass Freyas Bruder Frey hierzulande oft einfach nur &#8216;Froh&#8217; heiße, ist daher falsch, da Frey und Freya dieselbe Wortwurzel miteinander teilen und ihre Namen schlichtweg nur &#8216;Herr&#8217; und &#8216;Herrin&#8217; bedeuten.<br />
Dies zeigt auch deutlich, dass es nicht stimmen kann, wenn Zingsem sagt, dass vom Wesen und Namen her die beiden Göttinnen Freya und Frigg ursprünglich so gut wie gleich gewesen wären (vgl. S. 180).Hinterfragen ist eben leider nicht die Stärke der Autorin.</p>
<p>Als Beispiel dafür sei die auf für meinen Geschmack ganz zauberhafte und eindrucksvolle literarische Schilderung vom Auftritt der Spákona – Seherin –  Thorbjörg in der &#8220;Eriks-Saga&#8221; genannt. Steht dort doch tatsächlich: <em>&#8220;Wie sich so ein Ritual vollzogen hat, erfahren wir aus der Saga Eriks des Roten&#8221; </em>(S. 119).<br />
Auch wenn es archäologische Funde von Beuteln (z.B. Grabfund von Lyngby) gibt, deren Inhalt als von magischer Natur gedeutet werden könne, so ist die Feststellung &#8220;wie es sich vollzogen hat&#8221; doch etwas gewagt, wenn man dem Umstand Rechnung trägt, dass die Niederschrift bereits aus erzchristlicher Zeit stammt.<br />
Dennoch muss man aber auch anmerken, dass die Textstelle sich ob ihres nüchternen Detailreichtums tatsächlich wie eine Schilderung einer Tatsache liest.Ingesamt also eine hakelige Sache, das mit dem Fakten.<br />
Diese Stelle wäre jedenfalls einmal mehr eine Möglichkeit gewesen, der Quellenlage etwas mehr an Bedeutung beizumessen und diese kritisch darzustellen.</p>
<p>Auch die unhinterfragte Existenz einer Göttin Ostara hätte sich dafür ganz wunderbar angeboten (vgl. S. 124).</p>
<h3><strong>Ältliche Quellen, manchmal trüb</strong></h3>
<p>Zur verwendeten Literatur ist zu sagen, dass sie insgesamt nicht sonderlich vertrauenserweckend ist. Zu alt, dh auch überholt, ist zum einen, zu zweifelhaft zum anderen.<br />
So finden wir darunter auch Hans von Wolzogen mit &#8220;Göttersagen der Edda&#8221; aus dem Jahr 1919. Derselbe Wolzogen gehörte 1929 zu den Unterzeichnern des Gründungsmanifestes des &#8220;völkisch&#8221; gesinnten, antisemitischen &#8220;Kampfbunds für deutsche Kultur&#8221;.</p>
<p>Paul Zaunert, in der Bibliographie mit &#8220;Deutsche Märchen seit Grimm&#8221; aus dem Jahr 1922 vertreten, war immerhin seit 1925 Herausgeber der Schriftenreihe &#8220;Deutsche Volkheit&#8221;.</p>
<p>Derartige Werke unkommentiert in ein Buch zu integrieren, das eigentlich gerne gegen die <em>&#8220;überkommene Mythenauslegung der NS-Zeit&#8221;</em> (Klappentext) sprechen möchte, ist natürlich völlig unmöglich. Schade, dass diesem Umstand nirgendwo Rechnung getragen wird.</p>
<p>Harmlos – zumindest relativ gesehen, wenngleich ärgerlich – sind natürlich Bücher zu Themen, zu denen es wesentlich bessere Literatur gibt. Nigel Pennick mit &#8220;Das Runenorakel&#8221; (1990) und Edred Thorsson mit dem &#8220;Handbuch der Runenmagie&#8221; (1992) wären wirklich nicht nötig gewesen.</p>
<h3><strong>Die schönere Geschichte</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist vielleicht die Snorra des 21. Jahrhunderts. Sie erzählt die Geschichten neu, aus ihrer Sicht und mit ihrem kulturellen und philosophischen, spirituellen Hintergrund. Sieht man sie als poetische Neuerzählerin, so kann man ihr das Buch nicht nachtragen.</p>
<p>Bei ihrer Inszenierung legt sie den Figuren das bestmögliche Make Up an, arrangiert die beste Beleuchtung, sie fügt zusammen (auch, was nicht immer zusammen gehört) und füllt Löcher (mit welchen Füllungen auch immer). Schade ist, dass sämtliche Schminke nicht als solche ausgewiesen ist.</p>
<p>Soweit ich ihr Ansinnen durchschaut habe, so möchte sie eine verzerrte Rezeption aufarbeiten. Was dabei allerdings herauskommt, ist eine erneut verzerrte Rezeption.</p>
<p>Dennoch muss man der Autorin zu Gute halten, dass sie ganz klar die schönere Geschichte erzählt.</p>
<p>Wir können Mythen sehen, wie immer wir wollen, das heißt somit in logischer Konsequenz auch, dass die besudeltsten Dinge nicht verloren sein müssen. Und dafür ist Zingsems Buch <em>&#8220;Freya, Iduna und Thor. Vom Charme der germanischen Göttermythen&#8221; </em>der niedergeschriebene Beweis.</p>
<p>Vera Zingsem: Freya, Iduna &amp; Thor<br />
Vom Charme der germanischen Göttermythen.<br />
Tübingen, Klöpfer und Meyer Verlag<br />
Auflage 1, 22. März 2010</p>
<p>263 Seiten, geb. mit Schutzumschlag<br />
€ [D] 22,00 / [A] 22,70</p>
<h3><strong>Über die Autorin</strong></h3>
<p>Vera Zingsem ist Diplomtheologin, Tanzpädagogin, Mythen- und Symbolforscherin, freie Autorin und Dozentin (unter anderem an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg). Sie lebt und arbeitet heute in Tübingen.</p>
<h3><strong>Weitere publizierte Werke</strong></h3>
<ul>
<li>Die Weisheit der Schöpfungsmythen: Wie uralte Geschichten unser Denken prägen (Stuttgart 2009 )</li>
<li>Der Himmel ist mein, die Erde ist mein: Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten. (Schalksmühle 2008)</li>
<li>Das Geheimnis der Sonne: (Eschbach 2008)</li>
<li>Sind die Weltreligionen friedensfähig? Ein Plädoyer für eine gerechte Religion (2006)</li>
<li>Lilith, Adams erste Frau  (Tübingen 2002, Leipzig 2005))</li>
<li>Klar wie das Wasser  (Freiburg 2002)</li>
<li>Schlangenfrau und Chaosdrache in Märchen, Mythos und Kunst (2001)</li>
<li>Die Einladung nach Jerusalem (Frankfurt am Main 2001)</li>
<li>Im Schatten des Olivenbaums: Erzählungen zu Palästina/Israel (1994)</li>
</ul>
<p><em>Brigh, im Juli 2010</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/vera-zingsem-freya-iduna-thor-vom-charme-der-germanischen-gottermythen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Neil Gaiman: American Gods</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/neil-gaiman-american-gods/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/neil-gaiman-american-gods/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 20 Mar 2010 07:53:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[neil gaiman]]></category>
		<category><![CDATA[rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=2508</guid>
		<description><![CDATA[<p><img src="http://u1.ipernity.com/14/75/67/7597567.131300dc.jpg" width="150" height="232" alt="american gods" border="0"/></p>
<p>Was geschieht mit Göttern alter Kulturen, wenn die Träger ihrer Kultur wandern? Manchmal nehmen die Menschen sie mit: in ihren Herzen, in ihren Mythen, im Hintergrund ihrer Kulturen. Doch wenn sie vergessen werden, degenerieren Götter. Das ist die Voraussetzung, von der Neil Gaimans Roman &#8220;American Gods&#8221; ausgeht. -</p>
<p>Shadow hat drei Jahre in Haft gesessen. Nun soll er, kurz vor Weihnachten, wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden. Er hat ein Leben, in das er zurückkehren kann, eine Frau, die auf ihn wartet, und einen alten Bekannten, der einen Job für ihn hat. Noch bevor er zu Hause ankommt, durchkreuzt jedoch ein Unglück Shadows Vorhaben, fortan ein rechtschaffenes bürgerliches Leben zu führen, und der zwielichtige Mr. Wednesday heuert ihn als Chauffeur, Leibwächter und Komplizen an. Fortan reisen die beiden kreuz und quer durch die USA, in einer Mission, deren wahrer Charakter sich erst ganz am Ende des Buches zeigt. <span id="more-2508"></span>Sie begegnen Gottheiten aus Europa, Afrika und Asien, indianischen Legendenfiguren, irischen Kobolden und Geistern aus dem Schwarzwald, aber auch modernen &#8220;Göttern&#8221; des Fernsehens, der Technik und der Städte. Die alten und die neuen Götter &#8211; sie ringen um die Vorherrschaft in einem Land, das ohnehin (das wird schnell klar) kein gutes Land für Götter ist.</p>
<p>Gaiman schöpft aus allen Mythen, die je in die amerikanische Kultur eingeflossen sind, und baut auf ihnen eine Geschichte auf, die zwischen surreal-traumhaften Fantasy-Elementen, Roadmovie, Mystery und Horror pendelt. Das Erhabene liegt in diesem Buch nur eine Haaresbreite vom Trivialen, das Urkomische neben dem abgrundtief Traurigen.<br />
In Zwischenspielen beleuchtet Gaiman, wie die Götter nach Amerika gekommen sind. Hier wird man auch mit Teilen der US-amerikanischen Geschichte konfrontiert, die man als gewöhnlicher Westeuropäer in dieser Form nicht präsent hatte (etwa die Deportation von Sträflingen aus England in die damaligen englischen Kolonien in Nordamerika, wo sie als Dienstboten eingesetzt wurden), sowie mit Fiktionalisierungen altbekannter Fakten, die unter die Haut gehen. Einige dieser Geschichten sind leicht erkennbar Fiktion, andere erscheinen historisch wahrscheinlich.<br />
Ich wünschte mir beim Lesen manchmal eine Karte der USA: Denn Gaimans Roman bewegt sich kreuz und quer durch die Staaten, von den Südstaaten bis nach San Francisco, und es sind die hinterwäldlerischen, provinziellen Gegenden, in denen der größere Teil der Handlung stattfindet.<br />
Shadow ist über weite Strecken eher ein Antiheld, ein Spielball der Auseinandersetzung zwischen alten und neuen Göttern und der rätselhaften Ränke von Mr. Wednesday. Erst am Ende wächst er über sich hinaus, wird erwachsen, erlangt echte Handlungsfähigkeit &#8211; und damit Freiheit und Lebendigkeit.</p>
<p>Reaktionären Geistern wird Gaimans amerikanische Anverwandlung der europäischen Mythologie schwerlich gefallen. Sein Mr. Wednesday ist nämlich ein abgehalfterter alter Gauner, der nur gelegentlich die Würde und Größe eines Allvaters, über die er auch verfügt, durchscheinen läßt &#8211; wenig besser sind die anderen Götter. Sie sind allesamt keine strahlenden Gestalten, sondern sterblich, fehlbar, egoistisch, ja sogar zum Bösen fähig und ziemlich heruntergekommen. Und ein wenig Sex, Blut und Untote sollte man auch vertragen können. Das vorausgesetzt, ist &#8220;American Gods&#8221; ein Lesevergnügen, das meine Nächte etwa zwei Wochen lang deutlich kürzer als gewohnt ausfallen ließ.</p>
<p>Das Blog des Autoren: <a href="http://journal.neilgaiman.com/" target="_blank">Niel Gaiman&#8217;s Journal</a></p>
<p>Originalausgabe, gebunden:<br />
New YorK: William Morrow, 2001<br />
ISBN-10: 0060093641<br />
ISBN-13: 978-006009364</p>
<p>Taschenbuch:<br />
New York: Harper Perennial, 2003<br />
ISBN-10: 0060558121<br />
ISBN-13: 978-0060558123</p>
<p>Deutsche Ausgabe, gebunden:<br />
München: Heyne, 2003<br />
ISBN-10: 3453874226<br />
ISBN-13: 978-3453874220</p>
<p>Deutsche Ausgabe, Taschenbuch:<br />
München; Heyne, 2005)<br />
ISBN-10: 3453400372<br />
ISBN-13: 978-3453400375</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Thursa <a href="http://www.nornirsaett.de/neil-gaiman-american-gods/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://u1.ipernity.com/14/75/67/7597567.131300dc.jpg" width="150" height="232" alt="american gods" border="0"/></p>
<p>Was geschieht mit Göttern alter Kulturen, wenn die Träger ihrer Kultur wandern? Manchmal nehmen die Menschen sie mit: in ihren Herzen, in ihren Mythen, im Hintergrund ihrer Kulturen. Doch wenn sie vergessen werden, degenerieren Götter. Das ist die Voraussetzung, von der Neil Gaimans Roman &#8220;American Gods&#8221; ausgeht. -</p>
<p>Shadow hat drei Jahre in Haft gesessen. Nun soll er, kurz vor Weihnachten, wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden. Er hat ein Leben, in das er zurückkehren kann, eine Frau, die auf ihn wartet, und einen alten Bekannten, der einen Job für ihn hat. Noch bevor er zu Hause ankommt, durchkreuzt jedoch ein Unglück Shadows Vorhaben, fortan ein rechtschaffenes bürgerliches Leben zu führen, und der zwielichtige Mr. Wednesday heuert ihn als Chauffeur, Leibwächter und Komplizen an. Fortan reisen die beiden kreuz und quer durch die USA, in einer Mission, deren wahrer Charakter sich erst ganz am Ende des Buches zeigt. <span id="more-2508"></span>Sie begegnen Gottheiten aus Europa, Afrika und Asien, indianischen Legendenfiguren, irischen Kobolden und Geistern aus dem Schwarzwald, aber auch modernen &#8220;Göttern&#8221; des Fernsehens, der Technik und der Städte. Die alten und die neuen Götter &#8211; sie ringen um die Vorherrschaft in einem Land, das ohnehin (das wird schnell klar) kein gutes Land für Götter ist.</p>
<p>Gaiman schöpft aus allen Mythen, die je in die amerikanische Kultur eingeflossen sind, und baut auf ihnen eine Geschichte auf, die zwischen surreal-traumhaften Fantasy-Elementen, Roadmovie, Mystery und Horror pendelt. Das Erhabene liegt in diesem Buch nur eine Haaresbreite vom Trivialen, das Urkomische neben dem abgrundtief Traurigen.<br />
In Zwischenspielen beleuchtet Gaiman, wie die Götter nach Amerika gekommen sind. Hier wird man auch mit Teilen der US-amerikanischen Geschichte konfrontiert, die man als gewöhnlicher Westeuropäer in dieser Form nicht präsent hatte (etwa die Deportation von Sträflingen aus England in die damaligen englischen Kolonien in Nordamerika, wo sie als Dienstboten eingesetzt wurden), sowie mit Fiktionalisierungen altbekannter Fakten, die unter die Haut gehen. Einige dieser Geschichten sind leicht erkennbar Fiktion, andere erscheinen historisch wahrscheinlich.<br />
Ich wünschte mir beim Lesen manchmal eine Karte der USA: Denn Gaimans Roman bewegt sich kreuz und quer durch die Staaten, von den Südstaaten bis nach San Francisco, und es sind die hinterwäldlerischen, provinziellen Gegenden, in denen der größere Teil der Handlung stattfindet.<br />
Shadow ist über weite Strecken eher ein Antiheld, ein Spielball der Auseinandersetzung zwischen alten und neuen Göttern und der rätselhaften Ränke von Mr. Wednesday. Erst am Ende wächst er über sich hinaus, wird erwachsen, erlangt echte Handlungsfähigkeit &#8211; und damit Freiheit und Lebendigkeit.</p>
<p>Reaktionären Geistern wird Gaimans amerikanische Anverwandlung der europäischen Mythologie schwerlich gefallen. Sein Mr. Wednesday ist nämlich ein abgehalfterter alter Gauner, der nur gelegentlich die Würde und Größe eines Allvaters, über die er auch verfügt, durchscheinen läßt &#8211; wenig besser sind die anderen Götter. Sie sind allesamt keine strahlenden Gestalten, sondern sterblich, fehlbar, egoistisch, ja sogar zum Bösen fähig und ziemlich heruntergekommen. Und ein wenig Sex, Blut und Untote sollte man auch vertragen können. Das vorausgesetzt, ist &#8220;American Gods&#8221; ein Lesevergnügen, das meine Nächte etwa zwei Wochen lang deutlich kürzer als gewohnt ausfallen ließ.</p>
<p>Das Blog des Autoren: <a href="http://journal.neilgaiman.com/" target="_blank">Niel Gaiman&#8217;s Journal</a></p>
<p>Originalausgabe, gebunden:<br />
New YorK: William Morrow, 2001<br />
ISBN-10: 0060093641<br />
ISBN-13: 978-006009364</p>
<p>Taschenbuch:<br />
New York: Harper Perennial, 2003<br />
ISBN-10: 0060558121<br />
ISBN-13: 978-0060558123</p>
<p>Deutsche Ausgabe, gebunden:<br />
München: Heyne, 2003<br />
ISBN-10: 3453874226<br />
ISBN-13: 978-3453874220</p>
<p>Deutsche Ausgabe, Taschenbuch:<br />
München; Heyne, 2005)<br />
ISBN-10: 3453400372<br />
ISBN-13: 978-3453400375</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/neil-gaiman-american-gods/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hans Stucken: Das Seidhr Handbuch</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/hans-stucken-das-seidhr-handbuch/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/hans-stucken-das-seidhr-handbuch/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 10:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sach- und Fachbücher]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
		<category><![CDATA[germanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[ritual]]></category>
		<category><![CDATA[Schamanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Seidr]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=2307</guid>
		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/7346542"><img src="http://u1.ipernity.com/14/65/42/7346542.577601e7.240.jpg" width="166" height="240" alt="stuken" border="0"/></a><br />
Hans Stucken: Das Seidhr Handbuch. Eine Einführung<br />
<i>Hamburg: Daniel Junker Verlag, 2006; ISBN: 3938432047</i></p>
<p>Hans Stucken will mit seinem Seidhr Handbuch einen Beitrag zu einer “gemeinschaftlichen kulturellen Entwicklung” auf dem Gebiet des Seidhr leisten. (1) Er hat eine angenehm und flüssig lesbare Überblicksarbeit geschrieben und leistet dabei eine relativ systematische und konsistente Begriffsklärung, die sich über das nordische Modell der Seele und die Kosmologie der Neun Welten erstreckt. Positiv fällt mir auch der Mangel an Synkretismus auf, der fast schon Purismus zu nennen ist; die Leserin wird hier nicht mit der so oft anzutreffenden Kreuzung mit anderen spirituellen Systemen (z.B. der Kabbala) behelligt.</p>
<p>Das Buch bleibt kurz und knackig – für meinen Geschmack allerdings zu kurz. Für den doch nicht ganz so kleinen Preis hätte ich mir etwas mehr als ein doch recht schmales Bändchen gewünscht. Vieles wird nur angerissen, mehr Ausführlichkeit hätte dem Buch gut getan, insbesondere hätte man aus den doch reichlich vorhandenen Quellen mehr machen können. Auch die Ritual- und Übungsanregungen sind für ein Handbuch, das erklärtermaßen in die Praxis einführen will, etwas knapp geraten.</p>
<p>Das Buch wirkt teilweise etwas unstrukturiert, z.B. steht “Die Trommel” etwas verloren zwischen “Selbsterkenntnis” und “Zahlensymbolik”; eine deutlichere Gliederung wäre nicht verschwendet gewesen.</p>
<p>Bisweilen wirken die häufigen Warnungen und Ermahnungen nervig und abschreckend – trotz der Annahme Stuckens, daß nur solche Leute Seidhr praktizieren sollten, die sich davon nicht abschrecken lassen. Auch die Übungsanleitungen wirkten (ganz den ständigen Ermahnungen zur Disziplin entsprechend) beim Lesen etwas “trocken” auf mich, sie machten wenig Lust, mich einfach hinzusetzen und sie auszuprobieren. Zur Schulung der Imagination gibt es definitiv lustvollere Anleitungen, die mit weniger erhobenem Zeigefinger daherkommen, z.B. Jan Fries’ “Visual Magick”.</p>
<p>Eine sprachliche Kleinigkeit am Rande: es ist immer nur vom Seidhmann die Rede – gibt es keine Seidhfrauen? Allgemein hätte dem Buch ein liebevolleres Lektorat gut getan, der eine oder andere grobe Zeichensetzungsschnitzer trübt das Lesevergnügen und wäre mit einem Blick mehr vermeidbar gewesen.</p>
<p>Alles in allem jedoch ein Überblick, der trotz seiner Schwächen lesenswert ist. Es bleibt zu wünschen, daß diesem Buch Arbeiten nachfolgen, die die angeschnittenen Themen vertiefen, die Quellen ausführlicher diskutieren und noch mehr Übungs- und Ritualanregungen geben. Es bleibt der Eindruck, daß auf dem Gebiet des Seidhr noch viel spannende Arbeit wartet – als “standalone-Anleitung” erscheint dieses Buch jedenfalls etwas dünn.</p>
<p><i>Fußnoten</i></p>
<p>   1. Zur Definition von Seidhr: „Seidhr ist die Ausübung okkulter Praktiken vor dem Hintergrund der nordisch-germanischen Mythologie“ (Stucken, S. 9). Mit „okkulten Praktiken“ meint Stucken die gesamte Bandbreite von Runenmagie über Galdr (magische Arbeit mit der Stimme) und quasi-schamanische Praktiken bis zur Spá-Reise. Kurt Oertels Begriffsklärung zufolge dient Seidhr „im Altnordischen ganz eindeutig [als] Oberbegriff für Magie insgesamt und faßt genau all jene […] Praktiken zusammen, die wir auch heute unter dem Begriff ‚Magie’ verstehen.“ (zitiert nach: Stucken, S. 11, die Passage dürfte aber auch in Oertels Aufsatz <a href="http://www.seidhfeuer.de/offen/files/oertel1.pdf" target="_blank">“Seidhr und Völventum”</a> (pdf) zu finden sein.)</p>
<p><a href="http://riesenheim.net/" target="_blank">thursa</a></p>
<p><a href="http://riesenheim.net/2008/10/hans-stucken-das-seidhr-handbuch-eine-einfuhrung/" target="_blank">Hans Stücken &#8211; Das Seidhr-Handbuch (auf Riesenheim.net).</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Thursa <a href="http://www.nornirsaett.de/hans-stucken-das-seidhr-handbuch/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/7346542"><img src="http://u1.ipernity.com/14/65/42/7346542.577601e7.240.jpg" width="166" height="240" alt="stuken" border="0"/></a><br />
Hans Stucken: Das Seidhr Handbuch. Eine Einführung<br />
<i>Hamburg: Daniel Junker Verlag, 2006; ISBN: 3938432047</i></p>
<p>Hans Stucken will mit seinem Seidhr Handbuch einen Beitrag zu einer “gemeinschaftlichen kulturellen Entwicklung” auf dem Gebiet des Seidhr leisten. (1) Er hat eine angenehm und flüssig lesbare Überblicksarbeit geschrieben und leistet dabei eine relativ systematische und konsistente Begriffsklärung, die sich über das nordische Modell der Seele und die Kosmologie der Neun Welten erstreckt. Positiv fällt mir auch der Mangel an Synkretismus auf, der fast schon Purismus zu nennen ist; die Leserin wird hier nicht mit der so oft anzutreffenden Kreuzung mit anderen spirituellen Systemen (z.B. der Kabbala) behelligt.</p>
<p>Das Buch bleibt kurz und knackig – für meinen Geschmack allerdings zu kurz. Für den doch nicht ganz so kleinen Preis hätte ich mir etwas mehr als ein doch recht schmales Bändchen gewünscht. Vieles wird nur angerissen, mehr Ausführlichkeit hätte dem Buch gut getan, insbesondere hätte man aus den doch reichlich vorhandenen Quellen mehr machen können. Auch die Ritual- und Übungsanregungen sind für ein Handbuch, das erklärtermaßen in die Praxis einführen will, etwas knapp geraten.</p>
<p>Das Buch wirkt teilweise etwas unstrukturiert, z.B. steht “Die Trommel” etwas verloren zwischen “Selbsterkenntnis” und “Zahlensymbolik”; eine deutlichere Gliederung wäre nicht verschwendet gewesen.</p>
<p>Bisweilen wirken die häufigen Warnungen und Ermahnungen nervig und abschreckend – trotz der Annahme Stuckens, daß nur solche Leute Seidhr praktizieren sollten, die sich davon nicht abschrecken lassen. Auch die Übungsanleitungen wirkten (ganz den ständigen Ermahnungen zur Disziplin entsprechend) beim Lesen etwas “trocken” auf mich, sie machten wenig Lust, mich einfach hinzusetzen und sie auszuprobieren. Zur Schulung der Imagination gibt es definitiv lustvollere Anleitungen, die mit weniger erhobenem Zeigefinger daherkommen, z.B. Jan Fries’ “Visual Magick”.</p>
<p>Eine sprachliche Kleinigkeit am Rande: es ist immer nur vom Seidhmann die Rede – gibt es keine Seidhfrauen? Allgemein hätte dem Buch ein liebevolleres Lektorat gut getan, der eine oder andere grobe Zeichensetzungsschnitzer trübt das Lesevergnügen und wäre mit einem Blick mehr vermeidbar gewesen.</p>
<p>Alles in allem jedoch ein Überblick, der trotz seiner Schwächen lesenswert ist. Es bleibt zu wünschen, daß diesem Buch Arbeiten nachfolgen, die die angeschnittenen Themen vertiefen, die Quellen ausführlicher diskutieren und noch mehr Übungs- und Ritualanregungen geben. Es bleibt der Eindruck, daß auf dem Gebiet des Seidhr noch viel spannende Arbeit wartet – als “standalone-Anleitung” erscheint dieses Buch jedenfalls etwas dünn.</p>
<p><i>Fußnoten</i></p>
<p>   1. Zur Definition von Seidhr: „Seidhr ist die Ausübung okkulter Praktiken vor dem Hintergrund der nordisch-germanischen Mythologie“ (Stucken, S. 9). Mit „okkulten Praktiken“ meint Stucken die gesamte Bandbreite von Runenmagie über Galdr (magische Arbeit mit der Stimme) und quasi-schamanische Praktiken bis zur Spá-Reise. Kurt Oertels Begriffsklärung zufolge dient Seidhr „im Altnordischen ganz eindeutig [als] Oberbegriff für Magie insgesamt und faßt genau all jene […] Praktiken zusammen, die wir auch heute unter dem Begriff ‚Magie’ verstehen.“ (zitiert nach: Stucken, S. 11, die Passage dürfte aber auch in Oertels Aufsatz <a href="http://www.seidhfeuer.de/offen/files/oertel1.pdf" target="_blank">“Seidhr und Völventum”</a> (pdf) zu finden sein.)</p>
<p><a href="http://riesenheim.net/" target="_blank">thursa</a></p>
<p><a href="http://riesenheim.net/2008/10/hans-stucken-das-seidhr-handbuch-eine-einfuhrung/" target="_blank">Hans Stücken &#8211; Das Seidhr-Handbuch (auf Riesenheim.net).</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/hans-stucken-das-seidhr-handbuch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Stellt euch vor &#8230;&#8221; Geschichte machen (Roman von Stephen Fry)</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/stellt-euch-vor-geschichte-machen-roman-von-stephen-fry/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/stellt-euch-vor-geschichte-machen-roman-von-stephen-fry/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 21:30:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lebowski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek und Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA["Science Fiction"]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Nazi]]></category>
		<category><![CDATA[Nazis]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=2196</guid>
		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/7057831"><img src="http://u1.ipernity.com/13/78/31/7057831.e1e67fb4.jpg" width="156" height="240" alt="GeschichteMachen" border="0"/></a></p>
<blockquote><p>Stell euch vor, Ihr wäret kurz vor dem Abschluss eurer Doktorarbeit, ihr führt das Leben eines Stubenhockers, errötet mit euren 24 Jahren immer noch in Gegenwart eurer Mutter wenn sie euch vor ihren Freundinnen<br />
lobt, dann wisst ihr wie mein Leben, das Leben von Michael D. Young aussieht.<br />
Meine Freundin Jane hat beschlossen mit mir Langweiler am Abgabetag meiner Dissertation Schluss zu machen. In einem Anfall von Rachsucht beschmiere ich unser Auto, welches die dumme Pute mitgehen ließ. Dabei verteilt sich der Inhalt meiner Tasche über den Parkplatz, 400 Seiten fein gelocht, die Arbeit von 4 Jahren Recherche, Analyse und Studienaufenthalt im Ausland fliegt unter geparkten Autos, den Gehweg und der Rasenfläche des Campusgeländes umher. Der Wind und mein angeschlagener Zustand lässt mich nicht gut aussehen beim Einsammeln der verloren gegangenen Blätter. Ein älterer Herr ist mir behilflich, gemeinsam bändigen wir die toll geworden Blätter. Interessiert überfliegt er einige Seiten, und lädt mich ein zu sich &#8230;</p></blockquote>
<p>So beginnt Stephen Frys Roman &#8220;Geschichte machen&#8221;, eine knapp fünfhundert Seiten lange<br />
Geschichte über:</p>
<blockquote><p>Was wäre wenn … der ältere Herr eine Möglichkeit gefunden hätte, in der Zeit etwas zurück zu schicken, um so die Geburt von Adolf Hitler zu verhindern?<br />
Meine Doktorarbeit sich genau über den Zeitraum seiner Kindheit und Jugend erstreckte, das Leben seiner Eltern eingeschlossen?<br />
Meine Freundin Jane, ihres Zeichens Genetikerin, in einer Forschungsabteilung beschäftigt ist mit der Entwicklung eines Medikament für die Sterilisation eines Mannes?<br />
<i>Imagine all the people Sharing all the world &#8230; </i>(yuhuuuh)<i><br />
You may say I am a dreamer But I&#8217;m not the only one I hope someday you&#8217;ll join us And the world will be as one </i><br />
John Lennon</p></blockquote>
<p>Stephen Fry, der sich ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt hat, lässt seinen Protagonisten im ersten Teil seines Romans Hitlers Geburt verhindern, nur um in einer veränderten Geschichtslinie zu erkennen,<br />
dass das Böse nicht an eine bestimmte Person gebunden ist, es gibt immer noch Himmler, Goebbels, Heydrich und all die anderen Nazigrößen und einen andern Führer …<br />
Fyr macht deutlich, das es noch viele andere Täter und Mitläufer bedarf, wie es der Historiker Christopher R. Browning in seiner Studie „Ordinary Men“ <a href="#1">(1)</a> aufzeigt. In erst vor kurzem veröffentlichten Dokumenten sind 50 % der inhaftieren deutschen Kriegsgefangenen loyal gegenüber Hitler, für die Jahre 1944/45 ein erstaunlich hoher Rückhalt innerhalb der Wehrmacht. (<a href="http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/5681/das_geheimnis_von_p_o_box_1142.html" target="_blank">Einestages: &#8220;Das Geheimnis von P. O. Box 1142&#8243;</a>.)<br />
Für &#8220;Geschichte machen&#8221; hat er von Alan Bullocks Hitler-Biografie, &#8220;Eine Studie über Tyrannei&#8221; <a href="#2">(2)</a> ausgiebig Gebrauch gemacht, ebenso wie von dem Band &#8220;Schöne Zeiten &#8211; Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer&#8221; <a href="#3">(3)</a> wo Auszüge des Tagebuches des historischen Dr. Johan Paul Kremers als Vorlage für den Sturmarzt Bauer dienten, &#8220;dessen Dokumente Hannah Arendts These der Banalität des Bösen auf das Entsetzlichste illustrieren.&#8221; <a href="#4">(4)</a> </p>
<p>Das Wunschdenken des Protagonisten Michael, durch die Verhinderung Hitlers Geburt den Holocaust und den zweiten Weltkrieg zu vermeiden, scheitert. Die Welt, die Michael neu mit geschaffen hat und in der sich wiederfindet, ist ein Amerika der McCarthy-Ära, in der die Rassentrennung nie abgeschafft wurde und Homosexualität kriminell ist. &#8220;Casablanca&#8221; wurde nie gedreht, keine Chance für Humphrey, Isabell noch einmal in die Augen zu schauen. Rock´n Roll hat es niemals gegeben. In Europa gibt es herrscht ein großdeutsches Reich, in dem keine Juden mehr leben, Moskau und Leningrad sind atomar eingeäschert worden.</p>
<p>Fry setzt das in einen bitterbösen Albtraum um, der mit dem schwärzesten britischen Humor gewürzt ist.</p>
<p>Fry, Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur, geboren 1957, verurteilt in jungen Jahren wegen Kreditkartenbetruges, Autor zahlreicher Theaterstücke, Schauspieler in einem Dutzend Spielfilme und Fernsehserien (u.a. Black Adder), schafft es in diesem Roman einen zu fesseln, gleichzeitig Utopien aufzuzeigen und gerade auch an die eigene Verantwortung zu appellieren. Ein Lesevergnügen eines doppelten Superlativs oder mit den Worten Michaels:<br />
<i>Obercool.</i> </p>
<p>Stephen Fry<br />
<b>&#8220;Geschichte machen&#8221;</b> <i>(Making History)</i><br />
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 7. Auflage (1999)<br />
ISBN-13: 978-3499224102</p>
<p><a NAME="1">(1)</a><i> Deutsche Ausgabe: Christopher R. Browning: &#8220;Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen&#8221;, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1993, ISBN 3-498-00569-3</i></p>
<p><a NAME="2">(2)</a> <i>Alan Bullock: &#8220;HITLER &#8211; Eine Studie über Tyrannei&#8221;<br />
TB – Droste-Verlag, Düsseldorf – 1989 – ISBN 3770009150 – 886 Seiten </i></p>
<p><a NAME="3">(3)</a> <i>Ernst Klee (Herausgeber), Willi Dreßen (Herausgeber), Volker Rieß (Herausgeber): &#8220;Schöne Zeiten, Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer&#8221;  Verlag: S. Fischer, Frankfurt a. M; Auflage: N.-A. (1997) ISBN-10: 310039304 X</i></p>
<p><a NAME="4">(4)</a><i>Fry, Stephen, &#8220;Geschichte machen&#8221; S.496 </i></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/bibliothek-und-medien/">Bibliothek und Medien</a> by Lebowski <a href="http://www.nornirsaett.de/stellt-euch-vor-geschichte-machen-roman-von-stephen-fry/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2013 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.ipernity.com/doc/mmssenf/7057831"><img src="http://u1.ipernity.com/13/78/31/7057831.e1e67fb4.jpg" width="156" height="240" alt="GeschichteMachen" border="0"/></a></p>
<blockquote><p>Stell euch vor, Ihr wäret kurz vor dem Abschluss eurer Doktorarbeit, ihr führt das Leben eines Stubenhockers, errötet mit euren 24 Jahren immer noch in Gegenwart eurer Mutter wenn sie euch vor ihren Freundinnen<br />
lobt, dann wisst ihr wie mein Leben, das Leben von Michael D. Young aussieht.<br />
Meine Freundin Jane hat beschlossen mit mir Langweiler am Abgabetag meiner Dissertation Schluss zu machen. In einem Anfall von Rachsucht beschmiere ich unser Auto, welches die dumme Pute mitgehen ließ. Dabei verteilt sich der Inhalt meiner Tasche über den Parkplatz, 400 Seiten fein gelocht, die Arbeit von 4 Jahren Recherche, Analyse und Studienaufenthalt im Ausland fliegt unter geparkten Autos, den Gehweg und der Rasenfläche des Campusgeländes umher. Der Wind und mein angeschlagener Zustand lässt mich nicht gut aussehen beim Einsammeln der verloren gegangenen Blätter. Ein älterer Herr ist mir behilflich, gemeinsam bändigen wir die toll geworden Blätter. Interessiert überfliegt er einige Seiten, und lädt mich ein zu sich &#8230;</p></blockquote>
<p>So beginnt Stephen Frys Roman &#8220;Geschichte machen&#8221;, eine knapp fünfhundert Seiten lange<br />
Geschichte über:</p>
<blockquote><p>Was wäre wenn … der ältere Herr eine Möglichkeit gefunden hätte, in der Zeit etwas zurück zu schicken, um so die Geburt von Adolf Hitler zu verhindern?<br />
Meine Doktorarbeit sich genau über den Zeitraum seiner Kindheit und Jugend erstreckte, das Leben seiner Eltern eingeschlossen?<br />
Meine Freundin Jane, ihres Zeichens Genetikerin, in einer Forschungsabteilung beschäftigt ist mit der Entwicklung eines Medikament für die Sterilisation eines Mannes?<br />
<i>Imagine all the people Sharing all the world &#8230; </i>(yuhuuuh)<i><br />
You may say I am a dreamer But I&#8217;m not the only one I hope someday you&#8217;ll join us And the world will be as one </i><br />
John Lennon</p></blockquote>
<p>Stephen Fry, der sich ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt hat, lässt seinen Protagonisten im ersten Teil seines Romans Hitlers Geburt verhindern, nur um in einer veränderten Geschichtslinie zu erkennen,<br />
dass das Böse nicht an eine bestimmte Person gebunden ist, es gibt immer noch Himmler, Goebbels, Heydrich und all die anderen Nazigrößen und einen andern Führer …<br />
Fyr macht deutlich, das es noch viele andere Täter und Mitläufer bedarf, wie es der Historiker Christopher R. Browning in seiner Studie „Ordinary Men“ <a href="#1">(1)</a> aufzeigt. In erst vor kurzem veröffentlichten Dokumenten sind 50 % der inhaftieren deutschen Kriegsgefangenen loyal gegenüber Hitler, für die Jahre 1944/45 ein erstaunlich hoher Rückhalt innerhalb der Wehrmacht. (<a href="http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/5681/das_geheimnis_von_p_o_box_1142.html" target="_blank">Einestages: &#8220;Das Geheimnis von P. O. Box 1142&#8243;</a>.)<br />
Für &#8220;Geschichte machen&#8221; hat er von Alan Bullocks Hitler-Biografie, &#8220;Eine Studie über Tyrannei&#8221; <a href="#2">(2)</a> ausgiebig Gebrauch gemacht, ebenso wie von dem Band &#8220;Schöne Zeiten &#8211; Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer&#8221; <a href="#3">(3)</a> wo Auszüge des Tagebuches des historischen Dr. Johan Paul Kremers als Vorlage für den Sturmarzt Bauer dienten, &#8220;dessen Dokumente Hannah Arendts These der Banalität des Bösen auf das Entsetzlichste illustrieren.&#8221; <a href="#4">(4)</a> </p>
<p>Das Wunschdenken des Protagonisten Michael, durch die Verhinderung Hitlers Geburt den Holocaust und den zweiten Weltkrieg zu vermeiden, scheitert. Die Welt, die Michael neu mit geschaffen hat und in der sich wiederfindet, ist ein Amerika der McCarthy-Ära, in der die Rassentrennung nie abgeschafft wurde und Homosexualität kriminell ist. &#8220;Casablanca&#8221; wurde nie gedreht, keine Chance für Humphrey, Isabell noch einmal in die Augen zu schauen. Rock´n Roll hat es niemals gegeben. In Europa gibt es herrscht ein großdeutsches Reich, in dem keine Juden mehr leben, Moskau und Leningrad sind atomar eingeäschert worden.</p>
<p>Fry setzt das in einen bitterbösen Albtraum um, der mit dem schwärzesten britischen Humor gewürzt ist.</p>
<p>Fry, Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur, geboren 1957, verurteilt in jungen Jahren wegen Kreditkartenbetruges, Autor zahlreicher Theaterstücke, Schauspieler in einem Dutzend Spielfilme und Fernsehserien (u.a. Black Adder), schafft es in diesem Roman einen zu fesseln, gleichzeitig Utopien aufzuzeigen und gerade auch an die eigene Verantwortung zu appellieren. Ein Lesevergnügen eines doppelten Superlativs oder mit den Worten Michaels:<br />
<i>Obercool.</i> </p>
<p>Stephen Fry<br />
<b>&#8220;Geschichte machen&#8221;</b> <i>(Making History)</i><br />
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 7. Auflage (1999)<br />
ISBN-13: 978-3499224102</p>
<p><a NAME="1">(1)</a><i> Deutsche Ausgabe: Christopher R. Browning: &#8220;Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen&#8221;, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1993, ISBN 3-498-00569-3</i></p>
<p><a NAME="2">(2)</a> <i>Alan Bullock: &#8220;HITLER &#8211; Eine Studie über Tyrannei&#8221;<br />
TB – Droste-Verlag, Düsseldorf – 1989 – ISBN 3770009150 – 886 Seiten </i></p>
<p><a NAME="3">(3)</a> <i>Ernst Klee (Herausgeber), Willi Dreßen (Herausgeber), Volker Rieß (Herausgeber): &#8220;Schöne Zeiten, Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer&#8221;  Verlag: S. Fischer, Frankfurt a. M; Auflage: N.-A. (1997) ISBN-10: 310039304 X</i></p>
<p><a NAME="4">(4)</a><i>Fry, Stephen, &#8220;Geschichte machen&#8221; S.496 </i></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nornirsaett.de/stellt-euch-vor-geschichte-machen-roman-von-stephen-fry/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
