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	<title>Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt&#187; Ætt Feature</title>
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		<title>Symbolische Probleme</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 21:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nazis]]></category>
		<category><![CDATA[neonazis]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Symbole]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Aus <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/36/36285/1.html" target="_blank">aktuellem</a> <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,811808,00.html" target="_blank">Anlass</a> rückt eine Karikatur zu <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/538318/Keinem-ist-bewusst-was-ACTA-bedeutet" target="_blank">ACTA</a> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank">Anti-Counterfeiting Trade Agreement</a>) wieder in den Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit, die etwas mit dem <a href="http://www.nornirsaett.de/wo-der-hammer-hangt/" target="_blank">Thorshammer</a> und der Triskele gemeinsam hat: sie steht unter &#8220;Nazi-Verdacht&#8221;.</p>
<p>Für ihre <a href=""http://stopp-acta.info/" target="_blank">Stopp-Acta-Kampagne</a>  verwenden Piratenparteien verschiedener Länder das Motiv eines Kraken, der den Erdball mit seinen Tentakeln umschlingt.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" rel="lightbox[4990]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" alt="Stopp-Acta-Krake" title="stopp_acta_mid" width="345" height="400" class="aligncenter size-full wp-image-4994" /></a><br />
<i>Ja, es heißt tatsächlich <b>der</b> Krake &#8211; jedenfalls im Duden &#8230; </i> <span id="more-4990"></span></p>
<p>Die Bildkomposition sei faktisch identisch mit einer Darstellung aus dem Jahr 1938, die in der antisemitischen Wochenzeitung “Der Stürmer” publiziert wurde, schreibt Robert Hampicke 2010 auf &#8220;Publikarive&#8221; <a href="http://www.publikative.org/2010/07/22/krake-200/" target="_blank">Die Fallhöhe der Krake</a><br />
Der Krake der Piratenpartei sei extrem erklärungsbedürftig, denn er sei &#8211; ohne den entsprechenden Kontext &#8211;  nicht als Daten-Krake erkennbar. Dabei betont Hampicke den Kontext, in dem der Krake steht, die der politischen Agitation, und für die gelten strenge Maßstäbe:<br />
<blockquote>Während die Karikatur in der Zeitung ohne schlechtes Gewissen überspitzen darf, verfolgt sie eben kein direktes politisches Ziel, ist die “Fallhöhe” der Karikatur in der politischen Agitation unweit höher.</p></blockquote>
<p>Nun ist der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datenkrake" target="_blank">Datenkrake</a> ein so geläufiger Begriff und der Krake, der die Welt aussaugt, ein schon lange vor der Nazi-Zeit geläufiges Motiv der Karikatur (<a href="http://vulgararmy.com/" target="_blank">Octopus in Propaganda and Political Cartoons</a>), dass die Verbindung zwischen &#8220;ACTA-Kraken&#8221; und Antisemitismus doch sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt. An sich ist das Kraken-Motiv nicht anti-semitisch, da es als Metapher für so unterschiedliche Organisationen (von Scientology bis zu Großkonzernen), so unterschiedliche Ideologien (vom Kolonialismus bis zum Kommunismus) und so unterschiedliche Regierungen (praktisch alle) verwendet wurde, dass der Krake im Allgemeinen nicht antisemitisch konnotiert ist. Anderseits gibt es tatsächlich antisemitische Kraken-Karrikaturen. Selbst wenn der Krake keine jüdischen Symbole trägt oder anders als jüdisch gekennzeichnet ist, ist ein Krake, der als Metapher der jüdischen Weltverschwörung erkennbar ist, eindeutig antisemitisch.<br />
Es kann vom Kontext, in dem eine Karikatur steht, abhängen, ob sie antisemitisch ist oder nicht!<br />
Der Kontext der &#8220;Stopp Acta&#8221;-Kampagne ist allerdings eindeutig nicht antisemitisch.</p>
<p>Der Krake mit der Erde ist aber, anders als ein Thorshammer, kein Symbol.<br />
Zu einem Symbol wird ein Zeichen dann, wenn<br />
sich über den reinen Bildgegenstand hinaus weitere Inhalte mit ihm verknüpfen. Ein Symbol steht für einen Begriff, wobei gleich aussehende Zeichen völlig unterschiedlichen Symbolgehalt haben können  &#8211; z. B. die indische Swastika, das alteuropäische Sonnenrad und das Hakenkreuz der Nazis. (Ja, das sind unterschiedliche Symbole, auch wenn sie gleich aussehen mögen!)<br />
Die Doppelaxt ist ein Symbol des Feminismus, ein altkretisches Symbol mit heute nicht mehr eindeutig zu rekonstruierender Bedeutung &#8211; und ein Symbol der griechischen Faschisten. Dennoch käme in Deutschland kaum jemand auf die Idee, eine Frau mit einem Doppelaxt-Anhänger für eine Faschistin zu halten. Hingegen muss bei einem Hakenkreuz-Anhänger im deutschen Kontext davon ausgegangen werden, dass er in der Tat das Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Ein sehr großes praktisches Problem mit Symbolen besteht darin, dass solche Mehrdeutigkeiten entweder nicht bekannt sind oder einfach ignoriert werden.<br />
Eindeutigkeit ist eben bequem, und wenn man die in unserer Kultur tief verwurzelte Neigung zum Denken in sich ausschließenden Gegensätzen hinzurechnet, ist es eigentlich nicht weiter erstaunlich, dass die Nazi-Symbolik jede andere Bedeutung eines Zeichens erdrückt.</p>
<p>Es gibt aber auch einen ernstzunehmenderen, tieferen Grund, weshalb es so schwierig ist, Zeichen, die einmal in der Nazisymbolik missbraucht wurden, als etwa anderes zu sehen.<br />
Anders als viele ihrer Gegner kennen alte und neue Nazis die Kraft von Symbolen. Auf einer rationalen, argumentativen Ebene wären die geradezu wahnhaften  Rache-, Rassen- und Überlegenheitsideen nicht zu vermitteln &#8211; daher funktioniert Nazipropaganda auf der Gefühlsebene und auf der Ebene eines geradezu religiösen Glaubens. (Deshalb sind überzeugte Nazis so immun gegen Argumente wie sonst nur besonders fanatische religiöse Fundamentalisten. Und wie religiöse Fundis denken Nazis ganz extrem in Gegensätzen, schwarz-weiß, ohne Graustufen und Übergänge, und wähnen sich im alleinigen Besitz der Wahrheit. Sie sehen sich immer und grundsätzlich als die wahren, ordentlichen Deutschen.)<br />
Nazi-Symbole sind die &#8220;heiligen Symbole&#8221; einer Polit-Religion.<br />
Der &#8211; meiner Ansicht nach einzige! &#8211; Sinn der Verbote und Einschränkungen nationalsozialistischer Symbole<br />
liegt darin, ihnen die &#8220;offizielle Erlaubnis&#8221;, die die schwarz-weiß denkenden Nazis als &#8220;offizielle Anerkennung&#8221; sehen würden, zu verwehren. Indem das Hakenkreuz und die SS-Runen verboten sind, zeigt der deutsche Staat den Nazis, dass er sie als Gegner betrachtet.<br />
Ein Schema, das allerdings nicht beliebig, im Sinne einer <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-exkurs-null-toleranz/" target="_blank">falsch verstandenen &#8220;Null-Toleranz&#8221;</a>, auf alle Zeichen, die alte und neue Nazis symbolisch besetzt haben, ausgeweitet werden kann.<br />
Eine bekannte Nazi-Taktik besteht darin, möglichst viele Symbole zu besetzen, so, wie sie alles Mögliche, was ihnen gefällt, in ihre Patchwork-Ideologie einbauen und missbrauchen, vorzugsweise Kulturgüter, deren Schöpfer sich nicht mehr wehren können.<br />
Die meisten Symbole die in den Aufklärungsbroschüre oder auch <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-teil1/" target="_blank">bei uns</a> als Nazi-Symbole gelistet sind, sind ohnehin Ersatzsymbole für verbotene Symbole &#8211; etwa das Keltenkreuz als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz. Die Nazis juckt das Verbot eines Ersatzsymboles (genauer: eines Zeichens, dass auf ein verbotenes Symbol verweist) wenig, sie greifen einfach auf das Nächste zurück &#8211; es ist ja nur ein Code, der für ein &#8220;heiliges Symbol&#8221;, das nicht gezeigt werden darf, steht. Sehr deutlich ist das bei der Reichskriegsflagge aus dem Kaiserreich, die als Platzhalter für die verbotenen Hakenkreuz-Kriegsflagge aus dem Nazireich steht.<br />
Leider dienen auch Triskelen, Thorshämmer, alle möglichen Runen usw. als Platzhalter für NS-Symbole.<br />
Daher ist es auch so wichtig, darüber aufzuklären, dass nicht alles, was wie ein Nazi-Symbol aussieht, (geschweige denn alles, was eventuell ein Nazi-Symbol sein könnte) auch ein Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Was würde z. B. geschehen, wenn z. B. die Verwendung des Hakenkreuzes in Deutschland ohne Einschränkung erlaubt würde &#8211; wie es z. B. in den USA der Fall ist?<br />
Mit einiger Sicherheit kann gesagt werden, dass die Nazis das als gewaltigen Sieg, als Ermutigung sehen würden, und als ersehnte Anerkennung durch den Staat (denn autoritäre Persönlichkeiten sind obrigkeitsfixiert, sogar dann, wenn sie die jeweilige &#8220;Obrigkeit&#8221; ablehnen). Sehr wahrscheinlich würde eine &#8220;Hakenkreuz-Freigabe&#8221; indirekt Menschenleben kosten. </p>
<p>Erst wenn das <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/sonnenrad-song/" target="_blank">Sonnenrad wieder weiß</a> ist, kann man überhaupt daran denken, die Verbote nach § 86b StGB aufzuheben!</p>
<p>Der Krake ist dagegen ist eher mit &#8220;Paulchen Panther&#8221; zu vergleichen. Nazi-Terroristen der &#8220;NSU&#8221; benutzten ihn in einem Propaganda-Video, in dem sich sich ihrer feigen Mordtaten rühmten. Seitdem gibt es Nazis, die diese Comic-Figur oder auch die &#8220;Pink Panther&#8221; Melodie als Zeichen verwenden.<br />
Offensichtlich wäre es dennoch absurd, den rosaroten Panther als &#8220;Nazi-Code&#8221; zu bezeichnen, oder anzunehmen, dass jemand mit einem &#8220;Paulchen Panther&#8221;-T-Shirt ein Neonazi wäre.</p>
<p>Zum Abschluss etwas Musik:<br />
<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/GtFjCkf3jXQ&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/GtFjCkf3jXQ&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p>Der Song wurde von <a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">Chrstiopher Schirner</a> und <a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">Karan von den Singvøgeln</a>  zusammen produziert. Das Lied ist unter der <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank">CC-BY-NC-SA</a> lizenziert.<br />
Bei Weiterverwendung bitte die Autoren<br />
Christopher Schirner (<a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">http://twitter.com/Beerweasledev</a>)<br />
und Karan (<a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">http://www.singvoegel.com</a>) angeben!</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/symbolische-probleme/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/36/36285/1.html" target="_blank">aktuellem</a> <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,811808,00.html" target="_blank">Anlass</a> rückt eine Karikatur zu <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/538318/Keinem-ist-bewusst-was-ACTA-bedeutet" target="_blank">ACTA</a> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank">Anti-Counterfeiting Trade Agreement</a>) wieder in den Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit, die etwas mit dem <a href="http://www.nornirsaett.de/wo-der-hammer-hangt/" target="_blank">Thorshammer</a> und der Triskele gemeinsam hat: sie steht unter &#8220;Nazi-Verdacht&#8221;.</p>
<p>Für ihre <a href=""http://stopp-acta.info/" target="_blank">Stopp-Acta-Kampagne</a>  verwenden Piratenparteien verschiedener Länder das Motiv eines Kraken, der den Erdball mit seinen Tentakeln umschlingt.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" rel="lightbox[4990]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/stopp_acta_mid.png" alt="Stopp-Acta-Krake" title="stopp_acta_mid" width="345" height="400" class="aligncenter size-full wp-image-4994" /></a><br />
<i>Ja, es heißt tatsächlich <b>der</b> Krake &#8211; jedenfalls im Duden &#8230; </i> <span id="more-4990"></span></p>
<p>Die Bildkomposition sei faktisch identisch mit einer Darstellung aus dem Jahr 1938, die in der antisemitischen Wochenzeitung “Der Stürmer” publiziert wurde, schreibt Robert Hampicke 2010 auf &#8220;Publikarive&#8221; <a href="http://www.publikative.org/2010/07/22/krake-200/" target="_blank">Die Fallhöhe der Krake</a><br />
Der Krake der Piratenpartei sei extrem erklärungsbedürftig, denn er sei &#8211; ohne den entsprechenden Kontext &#8211;  nicht als Daten-Krake erkennbar. Dabei betont Hampicke den Kontext, in dem der Krake steht, die der politischen Agitation, und für die gelten strenge Maßstäbe:<br />
<blockquote>Während die Karikatur in der Zeitung ohne schlechtes Gewissen überspitzen darf, verfolgt sie eben kein direktes politisches Ziel, ist die “Fallhöhe” der Karikatur in der politischen Agitation unweit höher.</p></blockquote>
<p>Nun ist der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datenkrake" target="_blank">Datenkrake</a> ein so geläufiger Begriff und der Krake, der die Welt aussaugt, ein schon lange vor der Nazi-Zeit geläufiges Motiv der Karikatur (<a href="http://vulgararmy.com/" target="_blank">Octopus in Propaganda and Political Cartoons</a>), dass die Verbindung zwischen &#8220;ACTA-Kraken&#8221; und Antisemitismus doch sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt. An sich ist das Kraken-Motiv nicht anti-semitisch, da es als Metapher für so unterschiedliche Organisationen (von Scientology bis zu Großkonzernen), so unterschiedliche Ideologien (vom Kolonialismus bis zum Kommunismus) und so unterschiedliche Regierungen (praktisch alle) verwendet wurde, dass der Krake im Allgemeinen nicht antisemitisch konnotiert ist. Anderseits gibt es tatsächlich antisemitische Kraken-Karrikaturen. Selbst wenn der Krake keine jüdischen Symbole trägt oder anders als jüdisch gekennzeichnet ist, ist ein Krake, der als Metapher der jüdischen Weltverschwörung erkennbar ist, eindeutig antisemitisch.<br />
Es kann vom Kontext, in dem eine Karikatur steht, abhängen, ob sie antisemitisch ist oder nicht!<br />
Der Kontext der &#8220;Stopp Acta&#8221;-Kampagne ist allerdings eindeutig nicht antisemitisch.</p>
<p>Der Krake mit der Erde ist aber, anders als ein Thorshammer, kein Symbol.<br />
Zu einem Symbol wird ein Zeichen dann, wenn<br />
sich über den reinen Bildgegenstand hinaus weitere Inhalte mit ihm verknüpfen. Ein Symbol steht für einen Begriff, wobei gleich aussehende Zeichen völlig unterschiedlichen Symbolgehalt haben können  &#8211; z. B. die indische Swastika, das alteuropäische Sonnenrad und das Hakenkreuz der Nazis. (Ja, das sind unterschiedliche Symbole, auch wenn sie gleich aussehen mögen!)<br />
Die Doppelaxt ist ein Symbol des Feminismus, ein altkretisches Symbol mit heute nicht mehr eindeutig zu rekonstruierender Bedeutung &#8211; und ein Symbol der griechischen Faschisten. Dennoch käme in Deutschland kaum jemand auf die Idee, eine Frau mit einem Doppelaxt-Anhänger für eine Faschistin zu halten. Hingegen muss bei einem Hakenkreuz-Anhänger im deutschen Kontext davon ausgegangen werden, dass er in der Tat das Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Ein sehr großes praktisches Problem mit Symbolen besteht darin, dass solche Mehrdeutigkeiten entweder nicht bekannt sind oder einfach ignoriert werden.<br />
Eindeutigkeit ist eben bequem, und wenn man die in unserer Kultur tief verwurzelte Neigung zum Denken in sich ausschließenden Gegensätzen hinzurechnet, ist es eigentlich nicht weiter erstaunlich, dass die Nazi-Symbolik jede andere Bedeutung eines Zeichens erdrückt.</p>
<p>Es gibt aber auch einen ernstzunehmenderen, tieferen Grund, weshalb es so schwierig ist, Zeichen, die einmal in der Nazisymbolik missbraucht wurden, als etwa anderes zu sehen.<br />
Anders als viele ihrer Gegner kennen alte und neue Nazis die Kraft von Symbolen. Auf einer rationalen, argumentativen Ebene wären die geradezu wahnhaften  Rache-, Rassen- und Überlegenheitsideen nicht zu vermitteln &#8211; daher funktioniert Nazipropaganda auf der Gefühlsebene und auf der Ebene eines geradezu religiösen Glaubens. (Deshalb sind überzeugte Nazis so immun gegen Argumente wie sonst nur besonders fanatische religiöse Fundamentalisten. Und wie religiöse Fundis denken Nazis ganz extrem in Gegensätzen, schwarz-weiß, ohne Graustufen und Übergänge, und wähnen sich im alleinigen Besitz der Wahrheit. Sie sehen sich immer und grundsätzlich als die wahren, ordentlichen Deutschen.)<br />
Nazi-Symbole sind die &#8220;heiligen Symbole&#8221; einer Polit-Religion.<br />
Der &#8211; meiner Ansicht nach einzige! &#8211; Sinn der Verbote und Einschränkungen nationalsozialistischer Symbole<br />
liegt darin, ihnen die &#8220;offizielle Erlaubnis&#8221;, die die schwarz-weiß denkenden Nazis als &#8220;offizielle Anerkennung&#8221; sehen würden, zu verwehren. Indem das Hakenkreuz und die SS-Runen verboten sind, zeigt der deutsche Staat den Nazis, dass er sie als Gegner betrachtet.<br />
Ein Schema, das allerdings nicht beliebig, im Sinne einer <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-exkurs-null-toleranz/" target="_blank">falsch verstandenen &#8220;Null-Toleranz&#8221;</a>, auf alle Zeichen, die alte und neue Nazis symbolisch besetzt haben, ausgeweitet werden kann.<br />
Eine bekannte Nazi-Taktik besteht darin, möglichst viele Symbole zu besetzen, so, wie sie alles Mögliche, was ihnen gefällt, in ihre Patchwork-Ideologie einbauen und missbrauchen, vorzugsweise Kulturgüter, deren Schöpfer sich nicht mehr wehren können.<br />
Die meisten Symbole die in den Aufklärungsbroschüre oder auch <a href="http://www.nornirsaett.de/verbotene-und-suspekte-heidnische-symbole-teil1/" target="_blank">bei uns</a> als Nazi-Symbole gelistet sind, sind ohnehin Ersatzsymbole für verbotene Symbole &#8211; etwa das Keltenkreuz als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz. Die Nazis juckt das Verbot eines Ersatzsymboles (genauer: eines Zeichens, dass auf ein verbotenes Symbol verweist) wenig, sie greifen einfach auf das Nächste zurück &#8211; es ist ja nur ein Code, der für ein &#8220;heiliges Symbol&#8221;, das nicht gezeigt werden darf, steht. Sehr deutlich ist das bei der Reichskriegsflagge aus dem Kaiserreich, die als Platzhalter für die verbotenen Hakenkreuz-Kriegsflagge aus dem Nazireich steht.<br />
Leider dienen auch Triskelen, Thorshämmer, alle möglichen Runen usw. als Platzhalter für NS-Symbole.<br />
Daher ist es auch so wichtig, darüber aufzuklären, dass nicht alles, was wie ein Nazi-Symbol aussieht, (geschweige denn alles, was eventuell ein Nazi-Symbol sein könnte) auch ein Nazi-Symbol ist.</p>
<p>Was würde z. B. geschehen, wenn z. B. die Verwendung des Hakenkreuzes in Deutschland ohne Einschränkung erlaubt würde &#8211; wie es z. B. in den USA der Fall ist?<br />
Mit einiger Sicherheit kann gesagt werden, dass die Nazis das als gewaltigen Sieg, als Ermutigung sehen würden, und als ersehnte Anerkennung durch den Staat (denn autoritäre Persönlichkeiten sind obrigkeitsfixiert, sogar dann, wenn sie die jeweilige &#8220;Obrigkeit&#8221; ablehnen). Sehr wahrscheinlich würde eine &#8220;Hakenkreuz-Freigabe&#8221; indirekt Menschenleben kosten. </p>
<p>Erst wenn das <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/sonnenrad-song/" target="_blank">Sonnenrad wieder weiß</a> ist, kann man überhaupt daran denken, die Verbote nach § 86b StGB aufzuheben!</p>
<p>Der Krake ist dagegen ist eher mit &#8220;Paulchen Panther&#8221; zu vergleichen. Nazi-Terroristen der &#8220;NSU&#8221; benutzten ihn in einem Propaganda-Video, in dem sich sich ihrer feigen Mordtaten rühmten. Seitdem gibt es Nazis, die diese Comic-Figur oder auch die &#8220;Pink Panther&#8221; Melodie als Zeichen verwenden.<br />
Offensichtlich wäre es dennoch absurd, den rosaroten Panther als &#8220;Nazi-Code&#8221; zu bezeichnen, oder anzunehmen, dass jemand mit einem &#8220;Paulchen Panther&#8221;-T-Shirt ein Neonazi wäre.</p>
<p>Zum Abschluss etwas Musik:<br />
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<p>Der Song wurde von <a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">Chrstiopher Schirner</a> und <a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">Karan von den Singvøgeln</a>  zusammen produziert. Das Lied ist unter der <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" target="_blank">CC-BY-NC-SA</a> lizenziert.<br />
Bei Weiterverwendung bitte die Autoren<br />
Christopher Schirner (<a href="http://twitter.com/Beerweasledev" target="_blank">http://twitter.com/Beerweasledev</a>)<br />
und Karan (<a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">http://www.singvoegel.com</a>) angeben!</p>
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		<title>God Jul!</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 18:49:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
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		<category><![CDATA[jul]]></category>
		<category><![CDATA[Rauhnächte]]></category>
		<category><![CDATA[Raunächte]]></category>
		<category><![CDATA[weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/jul2011.jpg" rel="lightbox[4918]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/jul2011.jpg" alt="Jul 2011" title="jul2011" width="500" height="375" class="aligncenter size-full wp-image-4919" /></a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-aktuell/">Ætt Feature</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/god-jul/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Hexen&#8221;-Hinrichtung in Saudi-Arabien führt kaum zu Reaktionen</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/hexen-hinrichtung-in-saudi-arabien-fuhrt-kaum-zu-reaktionen/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/hexen-hinrichtung-in-saudi-arabien-fuhrt-kaum-zu-reaktionen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 13:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gjallarhorn Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
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		<category><![CDATA[Saudi-Arabien]]></category>
		<category><![CDATA[Todesstrafe]]></category>
		<category><![CDATA[Zauberei]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=4894</guid>
		<description><![CDATA[<p>In Saudi Arabien wurde am 12. Dezember 2011 das Todesurteil gegen eine  Frau vollstreckt. Ihr Verbrechen: „Hexerei und Zauberei“.<br />
<a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803222,00.html" target="_blank">Frau wegen &#8220;Hexerei&#8221; hingerichtet (spon)</a>.<br />
Amina bint Abdul Halim bin Salem Nasser wurde schon vor zwei Jahren wegen des &#8220;Verbrechens der Hexerei&#8221; festgenommen und später von einem klerikalen Gericht zum Tode verurteilt. <span id="more-4894"></span><br />
Vorgeworfen wurde ihr, Geld dafür genommen zu haben, um Menschen durch &#8220;Zauberkraft&#8221; von Krankheiten zu heilen. Der Grund für dieses harte Urteil war nicht der (mögliche) Betrug, sondern das Praktizieren von Hexerei.<br />
Erst im vergangenen September war ein Sudanese in der Stadt Medina wegen &#8220;Hexerei&#8221; hingerichtet worden. Den meisten &#8220;Hexen und Hexern&#8221; wirft man vor, sie hätten Menschen auf Wunsch von Angehörigen oder Bekannten verflucht oder für Geld Zauberamulette hergestellt.<br />
Damit sind diese Urteile völlig mit denen während der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung in Europa vergleichbar. Anders gesagt: in Saudi-Arabien ist die von Staat und Klerus unterstützte Hexenjagd Gegenwart. </p>
<p>Obwohl die Menschenrechte erfreulicherweise in Politik und Medien Thema sind, scheint Saudi Arabien diesbezüglich Sonderrechte zu genießen.<br />
Mit Amina bint Abdul Halim bin Salem Nasser steigt die Zahl der Hinrichtungen in Saudi-Arabien bereits auf mindestens 73 in diesem Jahr. Damit ist Saudi-Arabien, gemessen an der Bevölkerung, der &#8220;hinrichtungsfreudigste&#8221; Staat der Erde.<br />
Saudi-Arabien ist eine absolutistische Monarchie, oder anders ausgedrückt, eine Erbdiktatur. Der Islam hanbalitischer Rechtsschule bestimmt in Saudi-Arabien das Leben, die Rechtsprechung und die staatstragende Ideologie, das öffentliche Religionsbild im Land ist, gemessen selbst an anderen sich als islamisch bezeichnenden Staaten besonders strenggläubig und islamisch-konservativ. Der Einfluss der Geistlichen im Lande ist sehr groß und hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Es gibt keine legalen politischen Parteien. Opposition, Streiks und Gewerkschaften sind vom König offiziell verboten. Dass es um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte_in_Saudi-Arabien" target="_blank">Menschenrechte in Saudi-Arabien</a> katastrophal bestellt ist, ist wirklich kein Geheimnis. </p>
<p>Warum scheint sich von politischer Seite niemand der Opfer anzunehmen? Warum steht Saudi-Arabien, anders etwa als Nordkorea, nicht am Pranger der Weltöffentlichkeit? Warum gilt der Iran als &#8220;aggressive religiöse Diktatur&#8221; (meiner Ansicht nach nicht ganz zu Unrecht), während über die weitaus aggressivere saudische religiöse Diktatur kaum ein Wort verloren wird? Warum exportiert Deutschland Waffen nach Saudi-Arabien, ein Land, das nicht &#8220;nur&#8221; seine eigene Bevölkerung unterdrückt, sondern sich auch, sogar mit militärischen Mitteln, in die Angelegenheit von Nachbarstaaten einmischt &#8211; und das außerdem von jeher eine eindeutig anti-israelische Politik verfolgt (normalerweise ein K.O.-Kriterium für deutsche und übrigens auch US-amerikanische Rüstungsexporte)?</p>
<p>Die bedrückend naheliegende Erklärung: &#8220;It&#8217;s the economy, stupid!&#8221;<br />
Saudi-Arabien ist das Land mit den größten Erdölreserven der Erde. Infolgedessen ist es auch eines der reichsten Länder der Erde. Saudisches Kapital ist an praktisch allen großen internationalen Konzernen beteiligt. Der deutsche Staat ist bei Saudi-Arabien verschuldet. Die wirtschaftlichen Interessen der USA sind mit denen Saudi-Arabiens verflochten. Die Deutschlands übrigens auch.<br />
Obwohl in Saudi-Arabien auf Korruption die Todesstrafe steht (die auch vollstreckt wird), funktioniert die saudische Politik nach dem Prinzip der aktiven Bestechung: das Recht ist da, wo man es sich kauft. Gegebenenfalls verstärkt durch diskrete Erpressung.</p>
<p>Dass es überhaupt noch die Todesstrafe gibt, ist eine Schande.<br />
Eine noch größere Schande ist es, dass es Länder gibt, in denen nicht &#8220;nur&#8221; auf Mord die Todesstrafe steht (wie  immer noch in den meisten Bundesstaaten der USA)  sondern z. B. &#8211; im Glauben an eine &#8220;harte Abschreckung&#8221; (ein auch bei uns nicht eben seltener Irrglaube) &#8211; auf Drogenhandel und oft schon auf Drogenbesitz, wie in Malaysia und Singapur.<br />
Der Katalog der Delikte, für die man in China hingerichtet werden kann, ist lang: für mindestens 68 verschiedene Delikte wird die Todesstrafe verhängt,  darunter neben Mord, schwerem Raubüberfall und Vergewaltigung auch für Bestechung, Geld- und Scheckfälschung, Steuerhinterziehung, verschiedene Diebstahlsdelikte und Zuhälterei.<br />
&#8220;Abfall vom rechten Glauben&#8221; ist in einigen Ländern mit islamischem Recht ein todeswürdiges Verbrechen. Ebenso Homosexualität. Das ist zum Beispiel im Iran der Fall.<br />
Aber all das wird von den &#8220;Rübe ab&#8221;-Justiz in Saudi-Arabien getoppt. Saudi-Arabien betrachtet sich als Gottesstaat und hat die islamische Scharia fest in der Verfassung verankert. In Saudi-Arabien folgen die Richter der konservativen und dogmatischen Richtung der Wahhabiten bzw. Salafiyya. Anders gesagt, sind sie islamische Fundamentalisten.<br />
Unklar definierte Straftatbestände lassen den Richtern  großen Ermessensspielraum. Todesurteile werden für eine Reihe religiöser Vergehen <i>(hudud)</i> ausgesprochen, die zugleich als Angriff auf die staatliche Ordnung gelten: Koranschändung, Gotteslästerung, Abfall vom Islam. Außerdem können Sexualdelikte, worunter nicht nur Vergewaltigung, sondern auch Ehebruch, Homosexualität und Prostitution gehören, mit dem Tod bestraft werden. Schon die sexuelle Belästigung von Frauen − ein unscharf definierter Straftatbestand − kann ein Todesurteil begründen. Die Todesstrafe kann auch für Drogenhandel (worunter nach saudischem Verständnis auch Alkohol gehört) verhängt werden. Es gab auch Todesurteile wegen Sabotage und Korruption. Weil sie &#8220;die Korruption im Land gefördert und die Sicherheit gefährdet&#8221; hätten, wurden z. B. am 4. April 2005 sechs Somalier enthauptet, die Autodiebstahl und Bedrohung von Taxifahrern begangen haben sollen.<br />
Todesstrafen werden durch öffentliche Enthauptung mit dem Schwert vollstreckt.<br />
Die Todesstrafe für &#8220;Hexerei&#8221; fügt sich, so absurd so ein Delikt auch ist (und immer war), nahtlos in diese von religiösen Fanatismus und meiner Ansicht nach paranoider Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen gespeisten Rechtsordnung ein. Gegenüber Saudi-Arabien mutet der Iran wie ein hochmoderner Rechtsstaat an.<br />
Anders als die heute noch stattfindenden Hexenjagden in einige Regionen Afrikas und Indiens finden die saudischen Hexenprozesse nicht etwa außerhalb der geltenden Rechtsordnung statt &#8211; sondern sind Teil dieser Rechtsordnung!</p>
<p>Von welchem Kaliber die &#8211; und hier passt das Wort! &#8211; islamofaschistische Kreise in Saudi-Arabien sind, zeigt sich gerade in Ägypten, wo die eher soziale und durchaus demokratisch gesonnene Muslimbruderschaft durch die Salafisten, die mit finanzieller Unterstützung aus Saudi Arabien einen teuren Wahlkampf führen und angeblich sogar massiv Stimmenkauf betreiben, eine auf religiös legitimierte Diktatur gebürstete Konkurrenz hat.<br />
Aber, siehe oben: Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Handelspartner Europas und der USA. Es gilt, meiner Ansicht zu Unrecht, als treuer Verbündeter &#8220;des Westens&#8221;. Schon eine kleine Palastrevolution oder eine Verschiebung des inner-saudischen Machtgefüges zugunsten der fanatischen Jihadisten, und es ist Schluss mit &#8220;pro-westlich&#8221;!<br />
(Eines Westens, der viele westliche Werte, die Werte des Humanismus, der Aufklärung und der französischen und amerikanischen Revolution immer wieder verrät. Um oft kurzfristiger ökonomischer beziehungsweise machtpolitischer Erwägungen. Und aus Angst vor Veränderung, weil gesellschaftlicher Wandel Machtverlust für die &#8220;Eiite&#8221; bedeuten könnte.)  </p>
<p>Wo bleiben der Aufschrei und die Massenkundgebungen vor den Saudi-Botschaften in aller Welt? Ich fürchte, darauf werden wir noch lange warten müssen!</p>
<p><a href="http://www.amnesty-todesstrafe.de/" target="_blank">Amnesty International gegen die Todesstrafe</a><br />
<a href="http://www.amnesty.de/laenderbericht/saudi-arabien" target="_blank">Amnesty International Länderbericht Saudi-Arabien</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/gjallarhorn-asatru-weblog/">Gjallarhorn Weblog</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/hexen-hinrichtung-in-saudi-arabien-fuhrt-kaum-zu-reaktionen/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Saudi Arabien wurde am 12. Dezember 2011 das Todesurteil gegen eine  Frau vollstreckt. Ihr Verbrechen: „Hexerei und Zauberei“.<br />
<a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,803222,00.html" target="_blank">Frau wegen &#8220;Hexerei&#8221; hingerichtet (spon)</a>.<br />
Amina bint Abdul Halim bin Salem Nasser wurde schon vor zwei Jahren wegen des &#8220;Verbrechens der Hexerei&#8221; festgenommen und später von einem klerikalen Gericht zum Tode verurteilt. <span id="more-4894"></span><br />
Vorgeworfen wurde ihr, Geld dafür genommen zu haben, um Menschen durch &#8220;Zauberkraft&#8221; von Krankheiten zu heilen. Der Grund für dieses harte Urteil war nicht der (mögliche) Betrug, sondern das Praktizieren von Hexerei.<br />
Erst im vergangenen September war ein Sudanese in der Stadt Medina wegen &#8220;Hexerei&#8221; hingerichtet worden. Den meisten &#8220;Hexen und Hexern&#8221; wirft man vor, sie hätten Menschen auf Wunsch von Angehörigen oder Bekannten verflucht oder für Geld Zauberamulette hergestellt.<br />
Damit sind diese Urteile völlig mit denen während der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung in Europa vergleichbar. Anders gesagt: in Saudi-Arabien ist die von Staat und Klerus unterstützte Hexenjagd Gegenwart. </p>
<p>Obwohl die Menschenrechte erfreulicherweise in Politik und Medien Thema sind, scheint Saudi Arabien diesbezüglich Sonderrechte zu genießen.<br />
Mit Amina bint Abdul Halim bin Salem Nasser steigt die Zahl der Hinrichtungen in Saudi-Arabien bereits auf mindestens 73 in diesem Jahr. Damit ist Saudi-Arabien, gemessen an der Bevölkerung, der &#8220;hinrichtungsfreudigste&#8221; Staat der Erde.<br />
Saudi-Arabien ist eine absolutistische Monarchie, oder anders ausgedrückt, eine Erbdiktatur. Der Islam hanbalitischer Rechtsschule bestimmt in Saudi-Arabien das Leben, die Rechtsprechung und die staatstragende Ideologie, das öffentliche Religionsbild im Land ist, gemessen selbst an anderen sich als islamisch bezeichnenden Staaten besonders strenggläubig und islamisch-konservativ. Der Einfluss der Geistlichen im Lande ist sehr groß und hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Es gibt keine legalen politischen Parteien. Opposition, Streiks und Gewerkschaften sind vom König offiziell verboten. Dass es um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte_in_Saudi-Arabien" target="_blank">Menschenrechte in Saudi-Arabien</a> katastrophal bestellt ist, ist wirklich kein Geheimnis. </p>
<p>Warum scheint sich von politischer Seite niemand der Opfer anzunehmen? Warum steht Saudi-Arabien, anders etwa als Nordkorea, nicht am Pranger der Weltöffentlichkeit? Warum gilt der Iran als &#8220;aggressive religiöse Diktatur&#8221; (meiner Ansicht nach nicht ganz zu Unrecht), während über die weitaus aggressivere saudische religiöse Diktatur kaum ein Wort verloren wird? Warum exportiert Deutschland Waffen nach Saudi-Arabien, ein Land, das nicht &#8220;nur&#8221; seine eigene Bevölkerung unterdrückt, sondern sich auch, sogar mit militärischen Mitteln, in die Angelegenheit von Nachbarstaaten einmischt &#8211; und das außerdem von jeher eine eindeutig anti-israelische Politik verfolgt (normalerweise ein K.O.-Kriterium für deutsche und übrigens auch US-amerikanische Rüstungsexporte)?</p>
<p>Die bedrückend naheliegende Erklärung: &#8220;It&#8217;s the economy, stupid!&#8221;<br />
Saudi-Arabien ist das Land mit den größten Erdölreserven der Erde. Infolgedessen ist es auch eines der reichsten Länder der Erde. Saudisches Kapital ist an praktisch allen großen internationalen Konzernen beteiligt. Der deutsche Staat ist bei Saudi-Arabien verschuldet. Die wirtschaftlichen Interessen der USA sind mit denen Saudi-Arabiens verflochten. Die Deutschlands übrigens auch.<br />
Obwohl in Saudi-Arabien auf Korruption die Todesstrafe steht (die auch vollstreckt wird), funktioniert die saudische Politik nach dem Prinzip der aktiven Bestechung: das Recht ist da, wo man es sich kauft. Gegebenenfalls verstärkt durch diskrete Erpressung.</p>
<p>Dass es überhaupt noch die Todesstrafe gibt, ist eine Schande.<br />
Eine noch größere Schande ist es, dass es Länder gibt, in denen nicht &#8220;nur&#8221; auf Mord die Todesstrafe steht (wie  immer noch in den meisten Bundesstaaten der USA)  sondern z. B. &#8211; im Glauben an eine &#8220;harte Abschreckung&#8221; (ein auch bei uns nicht eben seltener Irrglaube) &#8211; auf Drogenhandel und oft schon auf Drogenbesitz, wie in Malaysia und Singapur.<br />
Der Katalog der Delikte, für die man in China hingerichtet werden kann, ist lang: für mindestens 68 verschiedene Delikte wird die Todesstrafe verhängt,  darunter neben Mord, schwerem Raubüberfall und Vergewaltigung auch für Bestechung, Geld- und Scheckfälschung, Steuerhinterziehung, verschiedene Diebstahlsdelikte und Zuhälterei.<br />
&#8220;Abfall vom rechten Glauben&#8221; ist in einigen Ländern mit islamischem Recht ein todeswürdiges Verbrechen. Ebenso Homosexualität. Das ist zum Beispiel im Iran der Fall.<br />
Aber all das wird von den &#8220;Rübe ab&#8221;-Justiz in Saudi-Arabien getoppt. Saudi-Arabien betrachtet sich als Gottesstaat und hat die islamische Scharia fest in der Verfassung verankert. In Saudi-Arabien folgen die Richter der konservativen und dogmatischen Richtung der Wahhabiten bzw. Salafiyya. Anders gesagt, sind sie islamische Fundamentalisten.<br />
Unklar definierte Straftatbestände lassen den Richtern  großen Ermessensspielraum. Todesurteile werden für eine Reihe religiöser Vergehen <i>(hudud)</i> ausgesprochen, die zugleich als Angriff auf die staatliche Ordnung gelten: Koranschändung, Gotteslästerung, Abfall vom Islam. Außerdem können Sexualdelikte, worunter nicht nur Vergewaltigung, sondern auch Ehebruch, Homosexualität und Prostitution gehören, mit dem Tod bestraft werden. Schon die sexuelle Belästigung von Frauen − ein unscharf definierter Straftatbestand − kann ein Todesurteil begründen. Die Todesstrafe kann auch für Drogenhandel (worunter nach saudischem Verständnis auch Alkohol gehört) verhängt werden. Es gab auch Todesurteile wegen Sabotage und Korruption. Weil sie &#8220;die Korruption im Land gefördert und die Sicherheit gefährdet&#8221; hätten, wurden z. B. am 4. April 2005 sechs Somalier enthauptet, die Autodiebstahl und Bedrohung von Taxifahrern begangen haben sollen.<br />
Todesstrafen werden durch öffentliche Enthauptung mit dem Schwert vollstreckt.<br />
Die Todesstrafe für &#8220;Hexerei&#8221; fügt sich, so absurd so ein Delikt auch ist (und immer war), nahtlos in diese von religiösen Fanatismus und meiner Ansicht nach paranoider Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen gespeisten Rechtsordnung ein. Gegenüber Saudi-Arabien mutet der Iran wie ein hochmoderner Rechtsstaat an.<br />
Anders als die heute noch stattfindenden Hexenjagden in einige Regionen Afrikas und Indiens finden die saudischen Hexenprozesse nicht etwa außerhalb der geltenden Rechtsordnung statt &#8211; sondern sind Teil dieser Rechtsordnung!</p>
<p>Von welchem Kaliber die &#8211; und hier passt das Wort! &#8211; islamofaschistische Kreise in Saudi-Arabien sind, zeigt sich gerade in Ägypten, wo die eher soziale und durchaus demokratisch gesonnene Muslimbruderschaft durch die Salafisten, die mit finanzieller Unterstützung aus Saudi Arabien einen teuren Wahlkampf führen und angeblich sogar massiv Stimmenkauf betreiben, eine auf religiös legitimierte Diktatur gebürstete Konkurrenz hat.<br />
Aber, siehe oben: Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Handelspartner Europas und der USA. Es gilt, meiner Ansicht zu Unrecht, als treuer Verbündeter &#8220;des Westens&#8221;. Schon eine kleine Palastrevolution oder eine Verschiebung des inner-saudischen Machtgefüges zugunsten der fanatischen Jihadisten, und es ist Schluss mit &#8220;pro-westlich&#8221;!<br />
(Eines Westens, der viele westliche Werte, die Werte des Humanismus, der Aufklärung und der französischen und amerikanischen Revolution immer wieder verrät. Um oft kurzfristiger ökonomischer beziehungsweise machtpolitischer Erwägungen. Und aus Angst vor Veränderung, weil gesellschaftlicher Wandel Machtverlust für die &#8220;Eiite&#8221; bedeuten könnte.)  </p>
<p>Wo bleiben der Aufschrei und die Massenkundgebungen vor den Saudi-Botschaften in aller Welt? Ich fürchte, darauf werden wir noch lange warten müssen!</p>
<p><a href="http://www.amnesty-todesstrafe.de/" target="_blank">Amnesty International gegen die Todesstrafe</a><br />
<a href="http://www.amnesty.de/laenderbericht/saudi-arabien" target="_blank">Amnesty International Länderbericht Saudi-Arabien</a></p>
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		<item>
		<title>Es herbstet</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/es-herbstet/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/es-herbstet/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 20:54:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA[herbst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=4702</guid>
		<description><![CDATA[<p>Am 23. September 11:04 MESZ fängt er an &#8211; der Herbst!</p>
<p>Wir wünschen allen ein fröhliches Erntedankfest / Mabon / Alban Elued / Haustblot / Herbstopfer!</p>
<p><span id="more-4702"></span><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Herbst.jpg" rel="lightbox[4702]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Herbst-225x300.jpg" alt="Wald im frühen Herbst" title="Herbst" width="225" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-4705" /></a></p>
<p>Der frühe Herbst ist Kürbiszeit:<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/herbstanfang-mit-kurbissen/">Herbstanfang mit Kürbissen</a><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/suse-kurbisse/">Süße Kürbisse</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-aktuell/">Ætt Feature</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/es-herbstet/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 23. September 11:04 MESZ fängt er an &#8211; der Herbst!</p>
<p>Wir wünschen allen ein fröhliches Erntedankfest / Mabon / Alban Elued / Haustblot / Herbstopfer!</p>
<p><span id="more-4702"></span><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Herbst.jpg" rel="lightbox[4702]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Herbst-225x300.jpg" alt="Wald im frühen Herbst" title="Herbst" width="225" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-4705" /></a></p>
<p>Der frühe Herbst ist Kürbiszeit:<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/herbstanfang-mit-kurbissen/">Herbstanfang mit Kürbissen</a><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/suse-kurbisse/">Süße Kürbisse</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>20 populäre Irrtümer über Wikinger</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/20-populare-irrtumer-uber-wikinger/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/20-populare-irrtumer-uber-wikinger/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 10:27:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erforscht & Entdeckt]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Heidentum]]></category>
		<category><![CDATA[Mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[Nordgermanen]]></category>
		<category><![CDATA[Normannen]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
		<category><![CDATA[Wikinger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=4668</guid>
		<description><![CDATA[<p>Einer der populärsten Irrtümer über Ásatrú ist, dass es sich um eine Art „Wikinger-Kult“ handeln würde – so etwas wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reenactment" target="_blank">Reenactment</a> mit spirituellem Über- bzw. Unterbau.<br />
Ums kurz zu machen: Ásatrú ist kein Versuch, den „Glauben der heidnischen Wikinger“ wiederzubeleben. Selbst wenn wir das wollten, gäben die Quellen dazu nicht genügend her. Und warum sollten wir es wollen? Die Zeiten sind andere, und schließlich ist auch das Christentum heute glücklicherweise nicht mehr dasselbe wie z. B. zur Zeiten der Kreuzzüge. (Zugegeben: es gibt Christen, die tief im Kreuzritter-Denken stecken. So, wie es auch Asatrúar geben soll, die am liebsten Morgen früh zu einem fröhlichen kleinen Raubzug aufbrechen würden. Zu denen wir nicht gehören: kein Kloster muss fürchten, von uns geplündert und gebrandschatzt zu werden.)</p>
<p>Allerdings kann niemand von uns leugnen, dass wir es mit den Göttern haben, mit denen es auch die ollen Wikinger hatten. Und dass wir an Traditionen anknüpfen, die aus einer Kultur stammen, die eben nicht nur die parlamentarische Demokratie, sondern auch die Wikinger hervorgebracht hatte. Dass uns Werte wichtig sind, die auch dem einen oder anderen, der einst sein Wogenross bestieg, um auf <i>viking</i> zu fahren, etwas bedeuteten.<br />
Dass es uns daher manchmal doch ein klein wenig ärgert, wenn über die Wikinger blühender Unsinn berichtet wird.<span id="more-4668"></span><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01.jpg" rel="lightbox[4668]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01-222x300.jpg" alt="Wikingerschiff" title="Wikingerschiff" width="222" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-4681" /></a></p>
<h3>1.&#8221;Die Wikinger waren ein Volk&#8221;</h3>
<p>Wikinger war nie eine Bezeichnung für ein Volk oder eine Volksgruppe, auch wenn der Sprachgebrauch, selbst der von Fachleuten, darauf hinzudeuten scheint.<br />
Es ist nun einmal einfacher zum Beispiel von „Wikingerschiffen“ statt historisch korrekt von „nordeuropäischen kombinierten Ruder-Segel-Kriegsschiffen des frühen Mittelalters bis frühen Hochmittelalters“ zu reden, auch wenn nicht alle diese Schiffe zur Viking verwendet wurden. Ähnlich ist es mit den „Wikingerkönigen“, der „Wikingerzeit“, den „Wikingersiedlungen“ und so weiter und so weiter.</p>
<p>Wikinger ist, salopp gesagt, eine Tätigkeitsbezeichnung. Das altnordische Wort <i>víking</i> (Femininum, also „die Viking“) bedeutet zunächst nur „weite Schiffsreise“. Ein „Wikinger“ wäre demnach jemand, der eine weite Schiffsreise unternimmt – egal, ob als Kaufmann, Siedler, Entdecker, Seeräuber oder Krieger. Das Wort <i>vikingr</i> bezeichnete jemanden, der die Viking zum „Beruf“ oder besser Lebensinhalt gemacht hatte. Vikingr erhielt im Laufe der Jahrhunderte eine zunehmend negative Konnotation, etwa im Sinne von „Pirat“. Es war zu dieser Zeit nicht ehrenwert, Vikingr zu sein, aber sogar im beginnenden Hochmittelalter galt es selbst für Könige als ehrenwert und das Ansehen fördernd, auf Viking gewesen zu sein, während Männer, die nie weit gereist waren, gering geschätzt wurden.</p>
<h3>2. &#8220;Die Wikingerzeit begann mit dem Überfall auf das Kloster Lindisfarne&#8221;</h3>
<p>Der Überfall auf das Kloster Lindisfarne in Nordengland im Jahre 793 gilt deshalb als „Beginn der Wikingerzeit“, weil dieser erfolgreiche Angriff auf ein reiches und gut befestigtes Kloster auch aufgezeichnet wurde. Es ist anzunehmen, dass er nicht der erste Überfall war. Schon zur Zeit der Merowinger gab es ähnliche Überfälle auf fränkisches Gebiet, nur der Begriff „Wikinger“ oder „Nordmannen“ war noch nicht gebräuchlich, es war in der Regel von „Seeräubern“ die Rede.</p>
<h3>3. &#8220;Die Wikinger taten sich nur durch Kämpfen und Beutemachen hervor&#8221;</h3>
<p>Das ist nur dann halbwegs richtig, wenn man „Wikinger“ auf die Vikingr genannten Seeräuber beschränkt. Die Viking war ja, siehe oben, allgemein eine „weite Seereise“. Die weitgehend friedliche Besiedlung Islands, Südwestgrönlands und der kleineren nordatlantischen Inseln kann genau so unter „Wikingfahrt“ verzeichnet werden, wie die ebenfalls nicht gewaltsamen Handelsreise bis in die fernsten Länder der damals bekannten Welt.</p>
<h3>4. &#8220;Die Wikinger trugen Helme mit Hörnern&#8221;</h3>
<p>Ein offensichtlich unausrottbares Klischee. Es sind zwar nur wenige Helme aus der Wikingerzeit erhalten, aber keiner davon hat Hörner. Es gibt auch keine zeitgenössische bildliche Darstellung so einer Helmzier. Für einen Kämpfer wäre ein Helm mit seitlich angebrachten Hörnern auch äußerst ungünstig, da sie bei einem seitlichen Treffer einen Schwert- oder Axthieb zum Helmträger <i>hin</i> abgelenkt hätten. Bei einem Treffer von oben hätte die Gefahr bestanden, dass  dem Träger der Helm vom Kopf gerissen worden wäre – was noch der harmlosere Fall wäre, denn ein fest sitzender Hörnerhelm würde bei einem ungünstigen Horn-Treffer dem Träger das Genick brechen!<br />
Es gab zwar tatsächlich Hörnerhelme, jedoch stammten sie aus der Bronzezeit und dienten ausschließlich zeremoniellen Zwecken. Hörner gab es zuweilen auch als Helmzier an Helmen der Ritterzeit, allerdings nur bei Helmen, die ausschließlich im Turnier benutzt wurden, wo keine „unfairen“ Axt- oder Schwerthiebe drohten, außerdem war diese Zier nur aufgesteckt,<br />
Sinngemäß gilt das auch für Helmflügel á la „alte Wagner-Inszenierung“, „Hermanns-Denkmal“ oder „Asterix“.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/londo42/2871528"><img src="http://u1.ipernity.com/8/15/28/2871528.ee58698c.500.jpg" width="375" height="500" alt="Wikingerhelm/casque Viking/Viking helmet" border="0"/></a><br />
Foto: Londo42</p>
<h3>5. &#8220;Die Lieblingswaffe der Wikinger war die schwere, doppelseitige Streitaxt&#8221;</h3>
<p>Es stimmt zwar, dass die Wikinger Streitäxte verwendeten, deren Handhabung im Kampf zum Beispiel auf wikingerzeitlichen Bildsteinen eindringlich festgehalten wurde. Allerdings waren das eher leichte, meist einhändig geführte, immer einseitige Äxte. Es gibt keinen einzigen archäologischen Fund einer Doppelaxt aus dem frühmittelalterlichen Europa! Die am häufigsten gefundene und eingesetzte wikingerzeitliche Waffe war der Speer. „Lieblingswaffen“ im Sinne von besonders geschätzter, aber eher seltener Waffen waren die kostbaren Schwerter.<br />
Die Warägergarde des byzantinischen (oströmischen) Kaisers (Waräger war die in Osteuropa übliche Bezeichnung für Wikinger) war als „die Axtträger“ bekannt, weil Streitäxte in der Armee ansonsten ungebräuchlich waren – und vielleicht, weil eine Axt eher zum Barbarenklischee passte, als die Speere oder die Langschwerter der Waräger. Neuzeitliche „Barbarenklischees“ sind es, die das falsche Bild des eine wuchtige Doppelaxt schwingenden Wikingers mit Hörnern am Helm bestimmen.</p>
<h3>6. &#8220;Wikinger waren schmutzig und ungepflegt&#8221;</h3>
<p>Im frühmittelalterlichen England galten die Wikinger als übertrieben reinlich, weil sie jede Woche badeten. Ibn Rustah,ein persischer Reisender, erwähnte ausdrücklich die Reinlichkeit der Waräger (östlichen Wikinger), und auch wenn der arabische Reisende Ibn Fadlan sich über deren unappetitlichen Art, sich zu reinigen, mokierte, widerspricht sein Bericht dem nicht. Bei Ausgrabungen wikingerzeitlicher Stätten sind Kämme, Rasiermesser, Pinzetten und „Ohrlöffel“ zum Reinigen der Ohren häufige Fundstücke. Die Nordeuropäer des Frühmittelalters stellten auch Seife her, die sie sogar exportierten</p>
<h3>7. &#8220;Die Wikinger überquerten den Atlantik in offenen Booten&#8221;</h3>
<p>Vor allem die in Gräbern gut konservierten Schiffe von Gokstadt und Oseberg gaben schon Ende des 19. Jahrhunderts einen Eindruck davon, wie die Schiffe, mit denen die Wikinger ihre europäischen Raubzüge benutzten, aussahen. Da sich Nachbauten des Gokstad-Schiffes als sehr seetüchtig erwiesen – ein Nachbau überquerte schon 1892 den Atlantik – entstand beim breiten Publikum der Eindruck, die wikingerzeitlichen Entdecker, Kolonisten und Fernhändler hätten auch solche offenen Fahrzeugen benutzt. Tatsächlich benutzten sie besondere Handelsschiffe, die breiter und hochbordiger waren als die bekannten Langschiffe, und Knorr genannt wurden. Knorren waren reine Segelschiffe und teilweise gedeckt.</p>
<h3>8. &#8220;Wikinger waren unzivilisierte, analphabetische Barbaren&#8221;</h3>
<p>Während noch zur Römerzeit ein deutliches kulturelles Gefälle zwischen der „römischen Welt“ und Nordeuropa bestand, kann das im frühen Mittelalters nicht behauptet werden. Einerseits brach die römerzeitliche Infrastruktur nach der Völkerwanderungszeit zusammen, anderseits holte der Norden gerade in dieser Zeit (der &#8220;Vendelzeit&#8221;) in der Sachkultur, in Handwerk und Kunst, deutlich auf. Schon die Runeninschriften zeigen, dass die wikingerzeitliche Kultur Nordeuropas nicht völlig analphabetisch gewesen sein kann, und Runen-Kritzeleien an byzantinischen Bauten und Statuen beweisen, dass auch die Krieger der Waräger-Garden nicht durchweg analphabetisch gewesen sein können – auf wenn es sicherlich barbarisch ist, seinen Namen in Kunstwerke einzuritzen, zeigt das doch, dass nicht nur eine kleine Elite eingeweihter Runenmeister schreiben konnte.  Wikingerzeitliche Kleidung war, wenn es sich der Träger oder die Trägerin leisten konnte, farbenprächtig und aufwändig gearbeitet, weder primitiv noch „barbarisch protzig“.<br />
Der hohe Stand der hochmittelalterlichen altnordischen Dichtung ist ohne eine lange dichterische Tradition nicht erklärbar, und die „Thingdemokratie“ in Island und in den atlantischen Siedlungsgebieten, das Modell des Parlamentarismus, entstand sicher auch nicht ohne eine lange politische Tradition der Volksversammlung und des Schöffengerichts.</p>
<h3>9. &#8220;Die Wikinger waren außerordentlich grausam&#8221;</h3>
<p>Es stimmt, dass Wikinger manchmal sehr brutal vorgingen. Allerdings sind Kriegshandlungen und Raubüberfälle grundsätzlich gewalttätig, weshalb die von zeitgenössischen Chronisten auf der Opferseite so eindringlich geschilderten Grausamkeiten der heidnischen Wikinger mit der damaligen Kriegsführung christlicher Heere verglichen werden müssen.<br />
Zieht man die üblichen Übertreibungen und Gräuelgeschichten aus den Berichten der damals praktisch ein Schreibmonopol innehabenden Mönche ab, deuten selbst sie nicht darauf hin, dass die Beutezüge der Wikinger ungewöhnlich blutrünstig gewesen wären. Hingegen führte z. B. Karl „der Große“ regelrechte Vernichtungskriege, was man den Wikingern (und den wikingerzeitlichen nordeuropäischen Heerführern), bei aller Beutegier und Rücksichtslosigkeit, nicht nachsagen kann.</p>
<h3>10. &#8220;Die Armeen der Wikinger waren groß&#8221;</h3>
<p>Zuerst ist dazu zu sagen, dass nicht jedes nordeuropäische Heer der Wikingerzeit automatisch ein „Wikingerheer“ war. (Könige wie Sven Gabelbart oder Knut „der Große“ hätten es sich sicher verbeten, wenn ihre Heere so genannt worden wären.) Wikinger waren strenggenommen nur die eher kleinen Gruppen von Abenteurern / Räubern / Raubhändlern / Händlern, die sich aus eigenem Antrieb einem Anführer anschlossen. Aber selbst die in den Chroniken so genannten „großen Heere“ können so gewaltig groß nicht gewesen sein.<br />
Die Flotte des dänischen Heerkönigs Göttrick (auch als Gudrød oder Gudfred bekannt), deren Landung auf den friesischen Inseln Karl „dem Großen“ Sorgen machte, hatte nach dem Chronisten Einhard 200 Schiffe. Selbst wenn das nicht, wie so oft in mittelalterlichen Chroniken, übertrieben war, hätten diese höchstens 8000 Mann tragen können. Wobei Göttrick der mächtigste Herrscher im Norden Europas war, und erst Harald Blauzahn und sein Widersacher Sven Gabelbart wieder ähnlich große Streitkräfte mobil machen konnten.<br />
885 verfügte König Harald Harfargi (Schönhaar), dass jeder seiner Jarle 60 <i>hirdmen</i>, also Krieger in persönliches Gefolgschaft, haben sollte, sowie vier <i>hersir</i> als regionale Anführer mit einem <i>hird</i> von jeweils 20 Mann. Diese etwa 140 Mann eines Jarls galten schon als Heer!<br />
Zwar konnte im Kriegsfalls der <i>leidang</i>, eine Art Miliz, einberufen werden, die dann den Großteil des Heeres ausmachte, aber die Wikinger, die Europa im 9. und 10. Jahrhundert heimsuchten, waren so gut wie alle Hirdmen eines „niederen Adligen“ &#8211; wenn man einen Sohn eines Großbauern so nennen will.<br />
Ein typisches „Wikingerheer“ bestand also aus höchstens ein paar tausend Mann, und ein Wikingerüberfall  war eher ein „Kommandounternehmen“ eines kleinen Haufens Kämpfer als eine „Invasion“.</p>
<h3>11. &#8220;Die Wikinger waren harte Kämpfer, aber tapfer und aufrichtig&#8221;</h3>
<p>Die Sagas wie die Heldenlieder lassen keinen Zweifel daran, dass Listen – bis hin zu ausgesprochen schmutzigen Tricks – nicht nur regelmäßig angewendet wurden, sondern sogar als rühmenswert galten. Die typische Taktik war der Überraschungsangriff, und die Wikinger sahen zu, dass sie mit der Beute verschwanden, bevor der Gegner den Widerstand organisieren konnte. Das „Danegeld“ und andere Tributzahlungen waren bei Licht besehen Schutzgelderpressungen. Auch große Feldzüge mit politischen Zielen waren offensichtlich von einem harten Pragmatismus bestimmt. Der „Raubhandel“, spricht Hehlerei, und der Sklavenfang und Sklavenhandel zeigen, dass der Ehrbegriff auch der als Kaufleute tätigen Wikinger ziemlich einseitig gewesen sein muss.</p>
<h3>12. &#8220;Alle Wikinger waren Nordgermanen&#8221;</h3>
<p>Auch wenn die meisten Wikinger Skandinavier waren, und heute die frühmittelalterliche nordgermanische Kultur oft einfach als „Wikingerkultur“ bezeichnet wird, waren die Mannschaften auf den Wikingerschiffen, nach den Sagatexten zu urteilen, oft ethnisch bunt gemischt. Vor allem Balten, aber auch Ostseeslawen und Männer aus (Alt-)Sachsen und dem Rheinland (also „Südgermanen“, wenn man so will) gingen, zusammen mit „Nordmännern“, „auf Viking“. Nicht eingerechnet sind dabei Menschen, die unfreiwillig, als Knechte oder Sklaven mitgenommen wurden.</p>
<h3>13. &#8220;Die Wikinger achteten auf die Reinheit ihrer Art&#8221;</h3>
<p>Das ist eine fixe Idee neuzeitlicher Rassisten. Über die Hälfte der Vorfahren der heutigen Isländer, einer Volksgruppe, die zwischen dem späten Mittelalter und der Moderne sehr isoliert war, und deshalb ein beliebtes Objekt für genetische Untersuchung sind, stammten nicht aus Skandinavien, sondern aus Britannien, Irland, dem Baltikum und anderen Teilen Europas. Eine der im berühmten Königinnengrab von Oseberg bestatteten Frauen hatte Vorfahren, die vom Schwarzen  Meer stammten, ein Mann in einem spätantiken dänischen Grab stammte offensichtlich aus dem arabischen Raum, usw. . Heutigen Rassisten, die angesichts dieser Tatsachen behaupten, die „alten Nordgermanen“ hätten wenigstens darauf geachtet, nur „weiße“ Frauen zu nehmen (an „fremde“ Ehemänner denken sie bezeichnenderweise nicht), sei gesagt, dass einige Isländer eine Gensequenz haben, die unter Europäern sonst nicht vorkommt – aber bei Ostasiaten und bei nordamerikanischen Indianern.</p>
<h3>14. &#8220;Frauen hatten bei den Wikingern wenig zu sagen&#8221;</h3>
<p>Der heutige Wikingermythos sieht die Wikinger als Männer, als Krieger, Seefahrer oder tatkräftige Siedler. Es kann auch kaum ein Zweifel daran bestehen, dass die wikingerzeitliche Gesellschaft „patriarchalisch“ war, also Männer privilegierte. Allerdings lag die Wirtschaft und Verwaltung der Höfe während der monatelangen Abwesenheit ihrer Männer in den Händen der Frauen – was nicht möglich gewesen wäre, wenn die soziale Stellung der Frauen sehr niedrig gewesen wäre. Aus Island ist sogar die einseitige Ehescheidung durch die Frau bekannt. Während Raubzüge und Krieg „Männersache“ waren, galt das nicht für die Kolonisation und auch nicht für den Handel: Die für die Gräber von Händlern typischen Waagen und Gewichte als Grabbeigabe fanden sich zu 20% in Frauengräbern.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/60357/8267893"><img src="http://u1.ipernity.com/15/78/93/8267893.2e45d83e.500.jpg" width="375" height="500" alt="" border="0"/></a><br />
Foto: Phoenix</p>
<h3>15. &#8220;Die Wikingerzüge wurden durch Überbevölkerung ausgelöst&#8221;</h3>
<p>Das Problem der Forschung über die Ursachen der Wikingerzüge liegt darin, dass zeitgenössische Texte darüber nur wenig Auskunft geben, und die wenige Quellen dann noch von Behauptungen über die sexuelle Zügellosigkeit der Heiden und die noch auf römische Autoren zurückgehende Behauptung, skandinavische Frauen seien ungeheuer fruchtbar, überlagert sind. Obwohl Hungersnöte oder Mangel an bebaubarem Land in einzelnen Fällen tatsächlich frühmittelalterliche Skandinavier zur Auswanderung veranlassten, und die Behauptung, dass vor allem jüngere Söhne, die beim Erbe leer ausgegangen waren, in die Ferne zogen, nicht völlig aus der Luft gegriffen ist – von einer Überbevölkerung Südskandinaviens und Dänemarks konnte keine Rede sein. Es gibt tatsächlich keine archäologischen Hinweise, die für eine Überbevölkerung dieser Gebiete im 8. und 9. Jahrhundert sprechen würden, und es fehlen auch Spuren, die auf eine erhöhte Sterblichkeit durch Unterernährung oder Seuchen hinweisen könnten. Adam von Bremen schrieb noch gegen Ende des 11. Jahrhunderts, dass Jütland und Norwegen über weite Strecken brach lagen. Landknappheit war also nicht die Hauptursache der wikingerzeitlichen Expansion.</p>
<h3>16. &#8220;Wikinger strebten den Heldentod an&#8221;</h3>
<p>Alles deutet darauf hin, dass die Wikinger ihre Beutezüge gern überlebten, allein schon, weil ein Toter nichts von der Beute hat, wie es im Hávamál ziemlich offen gesagt wird. Eben jenes Hávamál, deren Schlussvers den neuzeitlichen Germanentümlern oft missbraucht wurde, um den „Heldentod“ zu verherrlichen. In der Übersetzung von Felix Genzmer lautet er: „Besitzt stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst wie sie; eines weiß ich, das ewig lebt: des Toten Tatenruhm“. Er muss aber im Kontext gesehen werden. Der Vers: „Der Handlose hütet, der Hinkende reitet, tapfer der Taube kämpft; blind ist besser als verbrannt zu sein, nichts taugt mehr, wer tot“, ermutigt z. B. schwer verwundete Krieger ausdrücklich zum Weiterleben. Es gibt zwar wirklich Sagastellen, die von der Angst alter Recken berichten, den „Strohtod“, also den Tod im Bett, zu sterben, allerdings muss auch das im jeweiligen Kontext gesehen werden &#8211; und vor dem Hintergrund, dass die Sagas, wie die Heldenlieder, schon höfische Dichtung waren und nicht die Ansichten der Krieger auf dem Schlachtfeld wiedergeben.</p>
<h3>17. &#8220;Die Wikinger waren so verbissene Kämpfer, weil sie auf eine Belohnung im Jenseits hofften&#8221;</h3>
<p>Es gibt keine zeitgenössische Quelle, dass Wikinger tatsächlich darauf gehofft hätten, nach dem Tod in „Odins Kriegerparadies“ einzugehen. Es ist durchaus offen, wie weit die  Vorstellung, die „gefallenen Helden“ kämen nach Walhall, wirklich unter den einfachen Kriegern verbreitet war. Selbst wenn man die eddischen Mythen beim Wort nimmt, ist Walhall eher ein Trainingslager für den Endkampf mit den „Mächten des Chaos“ im Ragnarök als ein Paradies. Also eine Zwischenstation, kein ewige Glückseeligkeit. Übersehen wird auch gerne, dass nicht Odin, sondern Freyja die erste Wahl unter den Gefallenen hat.<br />
Was die Wikinger motivierte waren sehr diesseitige Gründe: Beute, Land, Macht, oder auch, in der Phase, als sich die nordischen „Großkönige“ durchsetzten, persönliche und politische Freiheit.</p>
<h3>18. &#8220;Die Wikingerfeldzüge waren gegen das Christentum gerichtet&#8221;</h3>
<p>Die naheliegendste Erklärung, wieso die frühen Wikingerüberfälle sich gegen Klöster und Kirchen wendeten, ist, dass dort am meisten zu holen war – bei relativ überschaubarem Risiko. Da der Übergang zur (feudalen) Staatlichkeit mit starker Zentralgewalt des Königs mit der Christianisierung Hand in Hand ging, sich Kirche und Fürsten gegenseitig stützten (und gegenseitig instrumentalisierten), war der Kampf gegen die bäuerliche Selbstregierung einerseits und gegen „Kleinkönige“ andererseits mit der „Bekämpfung des Heidentums“ eng verbunden. Allerdings kann man nicht sagen, dass „heidnisch“ automatisch für „bäuerlich-selbstbestimmt“ und „christlich“ für „feudal-zentralistisch“ standen. Die Christianisierung war, allerdings von einigen blutigen Ausnahmen abgesehen, ein eher friedlicher und eher unspektakulärer Vorgang. Allerdings dürfte die Darstellung vom freudig und freiwillig angenommenen neuen Glauben ebenfalls falsch sein; der „freiwilligen“ Annahme des Christentums durch das Althing in Island ging eine massive Erpressung des norwegischen Königs Olav zuvor.<br />
Für viele Nordländer kam es offensichtlich auf einen Gott mehr oder weniger nicht an, die  pragmatische Sicht zeigte sich in der Kunst und am deutlichsten in Gussformen, in denen sowohl Thorshämmer wie christliche Kreuze gegossen werden konnten. Erst im 12. Jahrhundert, in der Zeit der Kreuzzüge und der Kirchenreform, wurde der Synkretismus zwischen Heidentum und Christentum durch die „zweite Christanisierung“ weitgehend beendet.</p>
<h3>19. &#8220;Die Christianisierung bedeutete das Ende des Wikingertums&#8221;</h3>
<p>So sehr die frümittelalterlichen Chronisten in ihren Klöstern die Untaten der heidnischen Wikinger verdammten, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Krieger aus dem Norden nach erfolgter Taufe weniger grausam gewesen wären. Die Häufigkeit, mit der der Begriff <i>vikingr</i> noch gut 200 Jahre nach der Christanisierung auftaucht, deutet darauf hin, dass Seeraub und Kleinkrieg noch weit verbreitetet gewesen sein müssen. Das Ende der Wikingerzeit kam mit dem Erstarken der staatlichen Zentralgewalt auch in Nordeuropa, als nicht einmal mehr ein Jarl, geschweige denn jemand geringeren Ranges, mit einer freiwilligen Gefolgschaft auf eigene Faust „auf Viking“ gehen konnte. Das Christentum trug zu dieser Entwicklung nur indirekt bei, indem die Herrscher die neue Religion und ihrer Strukturen nutzten, um ihre Autorität zu stärken. Die Kirche wurde zum Werkzeug des Staates. Auch der „rein kriminelle“ Seeraub hatte es mit dem Aufkommen großer stehender Heere und Flotten zunehmend schwer. Der Fernhandel, das andere kennzeichnende Element des Wikingerzeit, brach teils zusammen und nahm andernteils eine andere, straffer organisierte, Struktur an, nachdem der wikingerzeitliche Silberhandel im 11. Jahrhundert zusammengebrochen war und das vormalige Ostfrankenreich (das spätere Deutschland) an Macht gewonnen hatten.</p>
<h3>20. &#8220;Dass Wikinger je etwas anderes als Räuber gewesen wären, ist ein Produkt nationalromantischer Geschichtsschreibung&#8221;</h3>
<p>Diese Ansicht ist einerseits sozusagen das Gegenstück zu der romantischen Verklärung der Wikingerzeit, und sie ist, anders als die ebenfalls als Gegenstück zur Nationalromantik zu sehenden „Barbarentheorie“, sogar historisch fundiert. Beschränkt man „Wikinger“ nämlich auf die tatsächlich in mittelalterlichen Texten ausdrücklich <i>vikingr</i> genannten Menschen, dann waren das in der Tat durchweg Seeräuber oder blutige Privatfehden führende Freischärler, bestenfalls „Raubhändler“. Es ist einerseits sicher nicht historisch korrekt, alle mit der nordeuropäischen Expansion des frühen Mittelalters einhergehenden Aktivitäten, einschließlich der Kolonisation im Nordatlantik, unter dem Stichwort „Wikinger“ zusammenzufassen. Anderseits ist auch eine Engführung problematisch, weil die negative Konnotation von <i>vikingr</i> sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, und das Wort <i>viking</i> alle langen Seereisen umfasste.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-germanisches-kulturelles/asatru-wissenschaft-forschung/">Erforscht &amp; Entdeckt</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/20-populare-irrtumer-uber-wikinger/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einer der populärsten Irrtümer über Ásatrú ist, dass es sich um eine Art „Wikinger-Kult“ handeln würde – so etwas wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reenactment" target="_blank">Reenactment</a> mit spirituellem Über- bzw. Unterbau.<br />
Ums kurz zu machen: Ásatrú ist kein Versuch, den „Glauben der heidnischen Wikinger“ wiederzubeleben. Selbst wenn wir das wollten, gäben die Quellen dazu nicht genügend her. Und warum sollten wir es wollen? Die Zeiten sind andere, und schließlich ist auch das Christentum heute glücklicherweise nicht mehr dasselbe wie z. B. zur Zeiten der Kreuzzüge. (Zugegeben: es gibt Christen, die tief im Kreuzritter-Denken stecken. So, wie es auch Asatrúar geben soll, die am liebsten Morgen früh zu einem fröhlichen kleinen Raubzug aufbrechen würden. Zu denen wir nicht gehören: kein Kloster muss fürchten, von uns geplündert und gebrandschatzt zu werden.)</p>
<p>Allerdings kann niemand von uns leugnen, dass wir es mit den Göttern haben, mit denen es auch die ollen Wikinger hatten. Und dass wir an Traditionen anknüpfen, die aus einer Kultur stammen, die eben nicht nur die parlamentarische Demokratie, sondern auch die Wikinger hervorgebracht hatte. Dass uns Werte wichtig sind, die auch dem einen oder anderen, der einst sein Wogenross bestieg, um auf <i>viking</i> zu fahren, etwas bedeuteten.<br />
Dass es uns daher manchmal doch ein klein wenig ärgert, wenn über die Wikinger blühender Unsinn berichtet wird.<span id="more-4668"></span><br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01.jpg" rel="lightbox[4668]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/schiff01-222x300.jpg" alt="Wikingerschiff" title="Wikingerschiff" width="222" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-4681" /></a></p>
<h3>1.&#8221;Die Wikinger waren ein Volk&#8221;</h3>
<p>Wikinger war nie eine Bezeichnung für ein Volk oder eine Volksgruppe, auch wenn der Sprachgebrauch, selbst der von Fachleuten, darauf hinzudeuten scheint.<br />
Es ist nun einmal einfacher zum Beispiel von „Wikingerschiffen“ statt historisch korrekt von „nordeuropäischen kombinierten Ruder-Segel-Kriegsschiffen des frühen Mittelalters bis frühen Hochmittelalters“ zu reden, auch wenn nicht alle diese Schiffe zur Viking verwendet wurden. Ähnlich ist es mit den „Wikingerkönigen“, der „Wikingerzeit“, den „Wikingersiedlungen“ und so weiter und so weiter.</p>
<p>Wikinger ist, salopp gesagt, eine Tätigkeitsbezeichnung. Das altnordische Wort <i>víking</i> (Femininum, also „die Viking“) bedeutet zunächst nur „weite Schiffsreise“. Ein „Wikinger“ wäre demnach jemand, der eine weite Schiffsreise unternimmt – egal, ob als Kaufmann, Siedler, Entdecker, Seeräuber oder Krieger. Das Wort <i>vikingr</i> bezeichnete jemanden, der die Viking zum „Beruf“ oder besser Lebensinhalt gemacht hatte. Vikingr erhielt im Laufe der Jahrhunderte eine zunehmend negative Konnotation, etwa im Sinne von „Pirat“. Es war zu dieser Zeit nicht ehrenwert, Vikingr zu sein, aber sogar im beginnenden Hochmittelalter galt es selbst für Könige als ehrenwert und das Ansehen fördernd, auf Viking gewesen zu sein, während Männer, die nie weit gereist waren, gering geschätzt wurden.</p>
<h3>2. &#8220;Die Wikingerzeit begann mit dem Überfall auf das Kloster Lindisfarne&#8221;</h3>
<p>Der Überfall auf das Kloster Lindisfarne in Nordengland im Jahre 793 gilt deshalb als „Beginn der Wikingerzeit“, weil dieser erfolgreiche Angriff auf ein reiches und gut befestigtes Kloster auch aufgezeichnet wurde. Es ist anzunehmen, dass er nicht der erste Überfall war. Schon zur Zeit der Merowinger gab es ähnliche Überfälle auf fränkisches Gebiet, nur der Begriff „Wikinger“ oder „Nordmannen“ war noch nicht gebräuchlich, es war in der Regel von „Seeräubern“ die Rede.</p>
<h3>3. &#8220;Die Wikinger taten sich nur durch Kämpfen und Beutemachen hervor&#8221;</h3>
<p>Das ist nur dann halbwegs richtig, wenn man „Wikinger“ auf die Vikingr genannten Seeräuber beschränkt. Die Viking war ja, siehe oben, allgemein eine „weite Seereise“. Die weitgehend friedliche Besiedlung Islands, Südwestgrönlands und der kleineren nordatlantischen Inseln kann genau so unter „Wikingfahrt“ verzeichnet werden, wie die ebenfalls nicht gewaltsamen Handelsreise bis in die fernsten Länder der damals bekannten Welt.</p>
<h3>4. &#8220;Die Wikinger trugen Helme mit Hörnern&#8221;</h3>
<p>Ein offensichtlich unausrottbares Klischee. Es sind zwar nur wenige Helme aus der Wikingerzeit erhalten, aber keiner davon hat Hörner. Es gibt auch keine zeitgenössische bildliche Darstellung so einer Helmzier. Für einen Kämpfer wäre ein Helm mit seitlich angebrachten Hörnern auch äußerst ungünstig, da sie bei einem seitlichen Treffer einen Schwert- oder Axthieb zum Helmträger <i>hin</i> abgelenkt hätten. Bei einem Treffer von oben hätte die Gefahr bestanden, dass  dem Träger der Helm vom Kopf gerissen worden wäre – was noch der harmlosere Fall wäre, denn ein fest sitzender Hörnerhelm würde bei einem ungünstigen Horn-Treffer dem Träger das Genick brechen!<br />
Es gab zwar tatsächlich Hörnerhelme, jedoch stammten sie aus der Bronzezeit und dienten ausschließlich zeremoniellen Zwecken. Hörner gab es zuweilen auch als Helmzier an Helmen der Ritterzeit, allerdings nur bei Helmen, die ausschließlich im Turnier benutzt wurden, wo keine „unfairen“ Axt- oder Schwerthiebe drohten, außerdem war diese Zier nur aufgesteckt,<br />
Sinngemäß gilt das auch für Helmflügel á la „alte Wagner-Inszenierung“, „Hermanns-Denkmal“ oder „Asterix“.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/londo42/2871528"><img src="http://u1.ipernity.com/8/15/28/2871528.ee58698c.500.jpg" width="375" height="500" alt="Wikingerhelm/casque Viking/Viking helmet" border="0"/></a><br />
Foto: Londo42</p>
<h3>5. &#8220;Die Lieblingswaffe der Wikinger war die schwere, doppelseitige Streitaxt&#8221;</h3>
<p>Es stimmt zwar, dass die Wikinger Streitäxte verwendeten, deren Handhabung im Kampf zum Beispiel auf wikingerzeitlichen Bildsteinen eindringlich festgehalten wurde. Allerdings waren das eher leichte, meist einhändig geführte, immer einseitige Äxte. Es gibt keinen einzigen archäologischen Fund einer Doppelaxt aus dem frühmittelalterlichen Europa! Die am häufigsten gefundene und eingesetzte wikingerzeitliche Waffe war der Speer. „Lieblingswaffen“ im Sinne von besonders geschätzter, aber eher seltener Waffen waren die kostbaren Schwerter.<br />
Die Warägergarde des byzantinischen (oströmischen) Kaisers (Waräger war die in Osteuropa übliche Bezeichnung für Wikinger) war als „die Axtträger“ bekannt, weil Streitäxte in der Armee ansonsten ungebräuchlich waren – und vielleicht, weil eine Axt eher zum Barbarenklischee passte, als die Speere oder die Langschwerter der Waräger. Neuzeitliche „Barbarenklischees“ sind es, die das falsche Bild des eine wuchtige Doppelaxt schwingenden Wikingers mit Hörnern am Helm bestimmen.</p>
<h3>6. &#8220;Wikinger waren schmutzig und ungepflegt&#8221;</h3>
<p>Im frühmittelalterlichen England galten die Wikinger als übertrieben reinlich, weil sie jede Woche badeten. Ibn Rustah,ein persischer Reisender, erwähnte ausdrücklich die Reinlichkeit der Waräger (östlichen Wikinger), und auch wenn der arabische Reisende Ibn Fadlan sich über deren unappetitlichen Art, sich zu reinigen, mokierte, widerspricht sein Bericht dem nicht. Bei Ausgrabungen wikingerzeitlicher Stätten sind Kämme, Rasiermesser, Pinzetten und „Ohrlöffel“ zum Reinigen der Ohren häufige Fundstücke. Die Nordeuropäer des Frühmittelalters stellten auch Seife her, die sie sogar exportierten</p>
<h3>7. &#8220;Die Wikinger überquerten den Atlantik in offenen Booten&#8221;</h3>
<p>Vor allem die in Gräbern gut konservierten Schiffe von Gokstadt und Oseberg gaben schon Ende des 19. Jahrhunderts einen Eindruck davon, wie die Schiffe, mit denen die Wikinger ihre europäischen Raubzüge benutzten, aussahen. Da sich Nachbauten des Gokstad-Schiffes als sehr seetüchtig erwiesen – ein Nachbau überquerte schon 1892 den Atlantik – entstand beim breiten Publikum der Eindruck, die wikingerzeitlichen Entdecker, Kolonisten und Fernhändler hätten auch solche offenen Fahrzeugen benutzt. Tatsächlich benutzten sie besondere Handelsschiffe, die breiter und hochbordiger waren als die bekannten Langschiffe, und Knorr genannt wurden. Knorren waren reine Segelschiffe und teilweise gedeckt.</p>
<h3>8. &#8220;Wikinger waren unzivilisierte, analphabetische Barbaren&#8221;</h3>
<p>Während noch zur Römerzeit ein deutliches kulturelles Gefälle zwischen der „römischen Welt“ und Nordeuropa bestand, kann das im frühen Mittelalters nicht behauptet werden. Einerseits brach die römerzeitliche Infrastruktur nach der Völkerwanderungszeit zusammen, anderseits holte der Norden gerade in dieser Zeit (der &#8220;Vendelzeit&#8221;) in der Sachkultur, in Handwerk und Kunst, deutlich auf. Schon die Runeninschriften zeigen, dass die wikingerzeitliche Kultur Nordeuropas nicht völlig analphabetisch gewesen sein kann, und Runen-Kritzeleien an byzantinischen Bauten und Statuen beweisen, dass auch die Krieger der Waräger-Garden nicht durchweg analphabetisch gewesen sein können – auf wenn es sicherlich barbarisch ist, seinen Namen in Kunstwerke einzuritzen, zeigt das doch, dass nicht nur eine kleine Elite eingeweihter Runenmeister schreiben konnte.  Wikingerzeitliche Kleidung war, wenn es sich der Träger oder die Trägerin leisten konnte, farbenprächtig und aufwändig gearbeitet, weder primitiv noch „barbarisch protzig“.<br />
Der hohe Stand der hochmittelalterlichen altnordischen Dichtung ist ohne eine lange dichterische Tradition nicht erklärbar, und die „Thingdemokratie“ in Island und in den atlantischen Siedlungsgebieten, das Modell des Parlamentarismus, entstand sicher auch nicht ohne eine lange politische Tradition der Volksversammlung und des Schöffengerichts.</p>
<h3>9. &#8220;Die Wikinger waren außerordentlich grausam&#8221;</h3>
<p>Es stimmt, dass Wikinger manchmal sehr brutal vorgingen. Allerdings sind Kriegshandlungen und Raubüberfälle grundsätzlich gewalttätig, weshalb die von zeitgenössischen Chronisten auf der Opferseite so eindringlich geschilderten Grausamkeiten der heidnischen Wikinger mit der damaligen Kriegsführung christlicher Heere verglichen werden müssen.<br />
Zieht man die üblichen Übertreibungen und Gräuelgeschichten aus den Berichten der damals praktisch ein Schreibmonopol innehabenden Mönche ab, deuten selbst sie nicht darauf hin, dass die Beutezüge der Wikinger ungewöhnlich blutrünstig gewesen wären. Hingegen führte z. B. Karl „der Große“ regelrechte Vernichtungskriege, was man den Wikingern (und den wikingerzeitlichen nordeuropäischen Heerführern), bei aller Beutegier und Rücksichtslosigkeit, nicht nachsagen kann.</p>
<h3>10. &#8220;Die Armeen der Wikinger waren groß&#8221;</h3>
<p>Zuerst ist dazu zu sagen, dass nicht jedes nordeuropäische Heer der Wikingerzeit automatisch ein „Wikingerheer“ war. (Könige wie Sven Gabelbart oder Knut „der Große“ hätten es sich sicher verbeten, wenn ihre Heere so genannt worden wären.) Wikinger waren strenggenommen nur die eher kleinen Gruppen von Abenteurern / Räubern / Raubhändlern / Händlern, die sich aus eigenem Antrieb einem Anführer anschlossen. Aber selbst die in den Chroniken so genannten „großen Heere“ können so gewaltig groß nicht gewesen sein.<br />
Die Flotte des dänischen Heerkönigs Göttrick (auch als Gudrød oder Gudfred bekannt), deren Landung auf den friesischen Inseln Karl „dem Großen“ Sorgen machte, hatte nach dem Chronisten Einhard 200 Schiffe. Selbst wenn das nicht, wie so oft in mittelalterlichen Chroniken, übertrieben war, hätten diese höchstens 8000 Mann tragen können. Wobei Göttrick der mächtigste Herrscher im Norden Europas war, und erst Harald Blauzahn und sein Widersacher Sven Gabelbart wieder ähnlich große Streitkräfte mobil machen konnten.<br />
885 verfügte König Harald Harfargi (Schönhaar), dass jeder seiner Jarle 60 <i>hirdmen</i>, also Krieger in persönliches Gefolgschaft, haben sollte, sowie vier <i>hersir</i> als regionale Anführer mit einem <i>hird</i> von jeweils 20 Mann. Diese etwa 140 Mann eines Jarls galten schon als Heer!<br />
Zwar konnte im Kriegsfalls der <i>leidang</i>, eine Art Miliz, einberufen werden, die dann den Großteil des Heeres ausmachte, aber die Wikinger, die Europa im 9. und 10. Jahrhundert heimsuchten, waren so gut wie alle Hirdmen eines „niederen Adligen“ &#8211; wenn man einen Sohn eines Großbauern so nennen will.<br />
Ein typisches „Wikingerheer“ bestand also aus höchstens ein paar tausend Mann, und ein Wikingerüberfall  war eher ein „Kommandounternehmen“ eines kleinen Haufens Kämpfer als eine „Invasion“.</p>
<h3>11. &#8220;Die Wikinger waren harte Kämpfer, aber tapfer und aufrichtig&#8221;</h3>
<p>Die Sagas wie die Heldenlieder lassen keinen Zweifel daran, dass Listen – bis hin zu ausgesprochen schmutzigen Tricks – nicht nur regelmäßig angewendet wurden, sondern sogar als rühmenswert galten. Die typische Taktik war der Überraschungsangriff, und die Wikinger sahen zu, dass sie mit der Beute verschwanden, bevor der Gegner den Widerstand organisieren konnte. Das „Danegeld“ und andere Tributzahlungen waren bei Licht besehen Schutzgelderpressungen. Auch große Feldzüge mit politischen Zielen waren offensichtlich von einem harten Pragmatismus bestimmt. Der „Raubhandel“, spricht Hehlerei, und der Sklavenfang und Sklavenhandel zeigen, dass der Ehrbegriff auch der als Kaufleute tätigen Wikinger ziemlich einseitig gewesen sein muss.</p>
<h3>12. &#8220;Alle Wikinger waren Nordgermanen&#8221;</h3>
<p>Auch wenn die meisten Wikinger Skandinavier waren, und heute die frühmittelalterliche nordgermanische Kultur oft einfach als „Wikingerkultur“ bezeichnet wird, waren die Mannschaften auf den Wikingerschiffen, nach den Sagatexten zu urteilen, oft ethnisch bunt gemischt. Vor allem Balten, aber auch Ostseeslawen und Männer aus (Alt-)Sachsen und dem Rheinland (also „Südgermanen“, wenn man so will) gingen, zusammen mit „Nordmännern“, „auf Viking“. Nicht eingerechnet sind dabei Menschen, die unfreiwillig, als Knechte oder Sklaven mitgenommen wurden.</p>
<h3>13. &#8220;Die Wikinger achteten auf die Reinheit ihrer Art&#8221;</h3>
<p>Das ist eine fixe Idee neuzeitlicher Rassisten. Über die Hälfte der Vorfahren der heutigen Isländer, einer Volksgruppe, die zwischen dem späten Mittelalter und der Moderne sehr isoliert war, und deshalb ein beliebtes Objekt für genetische Untersuchung sind, stammten nicht aus Skandinavien, sondern aus Britannien, Irland, dem Baltikum und anderen Teilen Europas. Eine der im berühmten Königinnengrab von Oseberg bestatteten Frauen hatte Vorfahren, die vom Schwarzen  Meer stammten, ein Mann in einem spätantiken dänischen Grab stammte offensichtlich aus dem arabischen Raum, usw. . Heutigen Rassisten, die angesichts dieser Tatsachen behaupten, die „alten Nordgermanen“ hätten wenigstens darauf geachtet, nur „weiße“ Frauen zu nehmen (an „fremde“ Ehemänner denken sie bezeichnenderweise nicht), sei gesagt, dass einige Isländer eine Gensequenz haben, die unter Europäern sonst nicht vorkommt – aber bei Ostasiaten und bei nordamerikanischen Indianern.</p>
<h3>14. &#8220;Frauen hatten bei den Wikingern wenig zu sagen&#8221;</h3>
<p>Der heutige Wikingermythos sieht die Wikinger als Männer, als Krieger, Seefahrer oder tatkräftige Siedler. Es kann auch kaum ein Zweifel daran bestehen, dass die wikingerzeitliche Gesellschaft „patriarchalisch“ war, also Männer privilegierte. Allerdings lag die Wirtschaft und Verwaltung der Höfe während der monatelangen Abwesenheit ihrer Männer in den Händen der Frauen – was nicht möglich gewesen wäre, wenn die soziale Stellung der Frauen sehr niedrig gewesen wäre. Aus Island ist sogar die einseitige Ehescheidung durch die Frau bekannt. Während Raubzüge und Krieg „Männersache“ waren, galt das nicht für die Kolonisation und auch nicht für den Handel: Die für die Gräber von Händlern typischen Waagen und Gewichte als Grabbeigabe fanden sich zu 20% in Frauengräbern.<br />
<a href="http://www.ipernity.com/doc/60357/8267893"><img src="http://u1.ipernity.com/15/78/93/8267893.2e45d83e.500.jpg" width="375" height="500" alt="" border="0"/></a><br />
Foto: Phoenix</p>
<h3>15. &#8220;Die Wikingerzüge wurden durch Überbevölkerung ausgelöst&#8221;</h3>
<p>Das Problem der Forschung über die Ursachen der Wikingerzüge liegt darin, dass zeitgenössische Texte darüber nur wenig Auskunft geben, und die wenige Quellen dann noch von Behauptungen über die sexuelle Zügellosigkeit der Heiden und die noch auf römische Autoren zurückgehende Behauptung, skandinavische Frauen seien ungeheuer fruchtbar, überlagert sind. Obwohl Hungersnöte oder Mangel an bebaubarem Land in einzelnen Fällen tatsächlich frühmittelalterliche Skandinavier zur Auswanderung veranlassten, und die Behauptung, dass vor allem jüngere Söhne, die beim Erbe leer ausgegangen waren, in die Ferne zogen, nicht völlig aus der Luft gegriffen ist – von einer Überbevölkerung Südskandinaviens und Dänemarks konnte keine Rede sein. Es gibt tatsächlich keine archäologischen Hinweise, die für eine Überbevölkerung dieser Gebiete im 8. und 9. Jahrhundert sprechen würden, und es fehlen auch Spuren, die auf eine erhöhte Sterblichkeit durch Unterernährung oder Seuchen hinweisen könnten. Adam von Bremen schrieb noch gegen Ende des 11. Jahrhunderts, dass Jütland und Norwegen über weite Strecken brach lagen. Landknappheit war also nicht die Hauptursache der wikingerzeitlichen Expansion.</p>
<h3>16. &#8220;Wikinger strebten den Heldentod an&#8221;</h3>
<p>Alles deutet darauf hin, dass die Wikinger ihre Beutezüge gern überlebten, allein schon, weil ein Toter nichts von der Beute hat, wie es im Hávamál ziemlich offen gesagt wird. Eben jenes Hávamál, deren Schlussvers den neuzeitlichen Germanentümlern oft missbraucht wurde, um den „Heldentod“ zu verherrlichen. In der Übersetzung von Felix Genzmer lautet er: „Besitzt stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst wie sie; eines weiß ich, das ewig lebt: des Toten Tatenruhm“. Er muss aber im Kontext gesehen werden. Der Vers: „Der Handlose hütet, der Hinkende reitet, tapfer der Taube kämpft; blind ist besser als verbrannt zu sein, nichts taugt mehr, wer tot“, ermutigt z. B. schwer verwundete Krieger ausdrücklich zum Weiterleben. Es gibt zwar wirklich Sagastellen, die von der Angst alter Recken berichten, den „Strohtod“, also den Tod im Bett, zu sterben, allerdings muss auch das im jeweiligen Kontext gesehen werden &#8211; und vor dem Hintergrund, dass die Sagas, wie die Heldenlieder, schon höfische Dichtung waren und nicht die Ansichten der Krieger auf dem Schlachtfeld wiedergeben.</p>
<h3>17. &#8220;Die Wikinger waren so verbissene Kämpfer, weil sie auf eine Belohnung im Jenseits hofften&#8221;</h3>
<p>Es gibt keine zeitgenössische Quelle, dass Wikinger tatsächlich darauf gehofft hätten, nach dem Tod in „Odins Kriegerparadies“ einzugehen. Es ist durchaus offen, wie weit die  Vorstellung, die „gefallenen Helden“ kämen nach Walhall, wirklich unter den einfachen Kriegern verbreitet war. Selbst wenn man die eddischen Mythen beim Wort nimmt, ist Walhall eher ein Trainingslager für den Endkampf mit den „Mächten des Chaos“ im Ragnarök als ein Paradies. Also eine Zwischenstation, kein ewige Glückseeligkeit. Übersehen wird auch gerne, dass nicht Odin, sondern Freyja die erste Wahl unter den Gefallenen hat.<br />
Was die Wikinger motivierte waren sehr diesseitige Gründe: Beute, Land, Macht, oder auch, in der Phase, als sich die nordischen „Großkönige“ durchsetzten, persönliche und politische Freiheit.</p>
<h3>18. &#8220;Die Wikingerfeldzüge waren gegen das Christentum gerichtet&#8221;</h3>
<p>Die naheliegendste Erklärung, wieso die frühen Wikingerüberfälle sich gegen Klöster und Kirchen wendeten, ist, dass dort am meisten zu holen war – bei relativ überschaubarem Risiko. Da der Übergang zur (feudalen) Staatlichkeit mit starker Zentralgewalt des Königs mit der Christianisierung Hand in Hand ging, sich Kirche und Fürsten gegenseitig stützten (und gegenseitig instrumentalisierten), war der Kampf gegen die bäuerliche Selbstregierung einerseits und gegen „Kleinkönige“ andererseits mit der „Bekämpfung des Heidentums“ eng verbunden. Allerdings kann man nicht sagen, dass „heidnisch“ automatisch für „bäuerlich-selbstbestimmt“ und „christlich“ für „feudal-zentralistisch“ standen. Die Christianisierung war, allerdings von einigen blutigen Ausnahmen abgesehen, ein eher friedlicher und eher unspektakulärer Vorgang. Allerdings dürfte die Darstellung vom freudig und freiwillig angenommenen neuen Glauben ebenfalls falsch sein; der „freiwilligen“ Annahme des Christentums durch das Althing in Island ging eine massive Erpressung des norwegischen Königs Olav zuvor.<br />
Für viele Nordländer kam es offensichtlich auf einen Gott mehr oder weniger nicht an, die  pragmatische Sicht zeigte sich in der Kunst und am deutlichsten in Gussformen, in denen sowohl Thorshämmer wie christliche Kreuze gegossen werden konnten. Erst im 12. Jahrhundert, in der Zeit der Kreuzzüge und der Kirchenreform, wurde der Synkretismus zwischen Heidentum und Christentum durch die „zweite Christanisierung“ weitgehend beendet.</p>
<h3>19. &#8220;Die Christianisierung bedeutete das Ende des Wikingertums&#8221;</h3>
<p>So sehr die frümittelalterlichen Chronisten in ihren Klöstern die Untaten der heidnischen Wikinger verdammten, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Krieger aus dem Norden nach erfolgter Taufe weniger grausam gewesen wären. Die Häufigkeit, mit der der Begriff <i>vikingr</i> noch gut 200 Jahre nach der Christanisierung auftaucht, deutet darauf hin, dass Seeraub und Kleinkrieg noch weit verbreitetet gewesen sein müssen. Das Ende der Wikingerzeit kam mit dem Erstarken der staatlichen Zentralgewalt auch in Nordeuropa, als nicht einmal mehr ein Jarl, geschweige denn jemand geringeren Ranges, mit einer freiwilligen Gefolgschaft auf eigene Faust „auf Viking“ gehen konnte. Das Christentum trug zu dieser Entwicklung nur indirekt bei, indem die Herrscher die neue Religion und ihrer Strukturen nutzten, um ihre Autorität zu stärken. Die Kirche wurde zum Werkzeug des Staates. Auch der „rein kriminelle“ Seeraub hatte es mit dem Aufkommen großer stehender Heere und Flotten zunehmend schwer. Der Fernhandel, das andere kennzeichnende Element des Wikingerzeit, brach teils zusammen und nahm andernteils eine andere, straffer organisierte, Struktur an, nachdem der wikingerzeitliche Silberhandel im 11. Jahrhundert zusammengebrochen war und das vormalige Ostfrankenreich (das spätere Deutschland) an Macht gewonnen hatten.</p>
<h3>20. &#8220;Dass Wikinger je etwas anderes als Räuber gewesen wären, ist ein Produkt nationalromantischer Geschichtsschreibung&#8221;</h3>
<p>Diese Ansicht ist einerseits sozusagen das Gegenstück zu der romantischen Verklärung der Wikingerzeit, und sie ist, anders als die ebenfalls als Gegenstück zur Nationalromantik zu sehenden „Barbarentheorie“, sogar historisch fundiert. Beschränkt man „Wikinger“ nämlich auf die tatsächlich in mittelalterlichen Texten ausdrücklich <i>vikingr</i> genannten Menschen, dann waren das in der Tat durchweg Seeräuber oder blutige Privatfehden führende Freischärler, bestenfalls „Raubhändler“. Es ist einerseits sicher nicht historisch korrekt, alle mit der nordeuropäischen Expansion des frühen Mittelalters einhergehenden Aktivitäten, einschließlich der Kolonisation im Nordatlantik, unter dem Stichwort „Wikinger“ zusammenzufassen. Anderseits ist auch eine Engführung problematisch, weil die negative Konnotation von <i>vikingr</i> sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, und das Wort <i>viking</i> alle langen Seereisen umfasste.</p>
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		<title>&#8230; wo der Hammer hängt!</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2011 12:43:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Der Mjölnir hat leider ein Imageproblem. Oder genauer gesagt: wer einen Thorshammer trägt, kann unter Umständen in den Verdacht geraten Rechtsextremist zu sein &#8211; oder zumindest Anhänger eines <a href="http://www.nornirsaett.de/tragen-coole-kids-wirklich-keinen-thorshammer/" target="_blank">emanzipationsfeindlichen und die soziale Wirklichkeiten verschleiernden</a> Weltbildes.</p>
<p>Den Fäden der Nornen sei dank sieht die Wirklichkeit doch etwas anders aus, als sie von engagierten, wenn auch leider etwas engstirnigen Antifas konstruiert wird. Anders als die nicht nur engstirnige, sondern paranoide Weltsicht vieler fundamentalistischer Christen, die mitunter buchstäblich eine Heidenangst vor Thorshämmern zeigen, sieht sie sowieso aus.<span id="more-4572"></span><br />
Zum Glück ist es, anders als es etwa die Marburger “Antifa Gruppe 5″ gerne hätte, in der links-alternativen Subkultur nicht Konsens, dass Symbolen der nordgermanischen Mythologie auf Veranstaltungen ein Platzverweis erteilt wird. Und immerhin weisen sogar die knapp gehaltenen Informationsseiten der Polizei unter <a href="http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/rechtsextremismus/erkennungszeichen/symbole-und-zeichen.html" target="_blank">Codes und Chiffren der „Rechten“</a> darauf hin, dass Thors Hammer in verschiedenen Jugendkulturen verbreitet ist, also nicht zwangsläufig auf &#8220;rechte&#8221; Gesinnung hinweist, <i>(Wobei ich mich wundere, wieso z. B. die Metal-Szene offenbar unter &#8220;Jugendkultur&#8221; verschlubladisiert wird. Die Alterspanne dort geht bis 50+.)</i> Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mj%C3%B6lnir" target="_blank">Wikipedia</a> verrät sogar:<br />
<blockquote>Aufgrund seiner Beliebtheit auch bei Personen, die nicht der rechten Szene angehören, und weil ihm ein unmittelbarer Bezug zur NS-Zeit fehlt, weil er nicht als offizielles Zeichen der NS-Regierung oder irgendeines ihrer Organe geführt wurde, kann der Thorshammer für sich genommen allerdings nicht als rechtsextremes Erkennungsmerkmal gelten.</p></blockquote>
<p> Trotzdem ist der Thorshammer in  Deutschland (und Österreich) ein &#8220;suspektes Symbol&#8221;. Und es bleiben Fragen. Einige dieser Fragen versuche ich zu beantworten:</p>
<h3>Wofür steht der Mjölnir bzw. Thorshammer?</h3>
<p>Mjölnir ist das typische Attribut des germanischen Donnergottes, und daher auch das Symbol für Thor. Thor wiederum ist der Beschützer der Menschen vor bösartigen und gefährlichen Riesen (wobei nicht alle Riesen / Thursen in der nordgermanischen Mythologie bösartig sind &#8211; es sind noch nicht einmal alle körperlich besonders groß). Diese bedrohlichen Riesen können als Personifikation von gefährlichen Naturgewalten gedeutet werden. (<i>Besonders eindrucksvoll ist, wie so oft, die Interpretation meines bevorzugten Schweinepriesters:</i> <a href="http://www.eibensang.de/index.php/thor/#more-313" target="_blank">Thor</a>.) Mjölnir ist Thors Waffe gegen diese Riesen, womit ein Thorshammeranhänger zum Schutzamulett taugt. Ferner ist Thor ein Wetter- und damit auch ein Fruchtbarkeitsgott. Wieso, wird vielleicht deutlich, wenn nach langer Dürre ein ferner Donner endlich ergiebigen Regen verspricht. Für die menschliche Fruchtbarkeit ist Thor ebenfalls hilfreich, weshalb zumindest im vorchristlichen Island nach einer Hochzeit so ein Hammer ins Ehebett gelegt wurde. Was betont &#8220;männliche&#8221; und &#8220;kämpferische&#8221; Freizeit-Wikinger im ebenso martialischem wie unhistorischem  &#8220;Barbaren-Look&#8221; oft verwundert: Tatsächlich wurden fast alle der aus dem 9. und 10. Jahrhundert stammenden Thorshämmer in Frauengräbern gefunden!<br />
Es ist jedenfalls verkehrt, den Mjölnir auf seine Funktion als Waffe und damit Thor auf den kämpferischen Aspekt zu reduzieren.<br />
Oft wird behauptet, der Thorshammer sei eine Reaktion auf das christliche Kreuz gewesen, was stimmen könnte, denn aus der Zeit vor 800 sind meines Wissens keine Mjölnir-Anhänger bekannt. Fraglich ist, ob er wirklich ein Symbol des &#8220;Kampfes gegen das Christentum&#8221; war. Sicher war er ein Symbol des Bekenntnisses zu Thor, und die &#8220;ollen Wikinger&#8221; sahen Glaubensdinge damals pragmatischer, als manch ein Neuheide heute glaubt. Auf einen Gott mehr oder weniger kommt es Polytheisten nicht an, worauf ein  Thorshammer mit kreuzförmiger Punzierung hindeutet. Es wurden Gussformen gefunden, mit denen sich sowohl Kreuzanhänger wie Thorshämmer gießen ließen, je nach Kundenwunsch, und aus Island ist ein für praktischer Hammer-Anhänger bekannt, der mit dem Stil nach unten als christliches Kreuz durchgeht.<br />
Zu diesem Thema, bei <a href="http://neunholz.de/" target="_blank">Neunholz: <a href="http://neunholz.de/?p=2369" target="_blank">Hammer-Amulette bei den Wikingern</a>.</p>
<p><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" rel="lightbox[4572]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" alt="Thorshammer in Busdorf bei Schleswig" title="Thorshammer" width="333" height="359" class="aligncenter size-full wp-image-4573" /></a><br />
<i>Der Thorshammer in Busdorf bei Schleswig.</i> </p>
<h3>Warum tragen Menschen heutzutage einen Thorshammer?</h3>
<p>Das Ásatrú-Anhänger gerne Mjölnir-Anhänger als Zeichen ihrer spirituellen Orientierung tagen, dürfte nicht überraschen.<br />
Die meisten Thorshämmer werden allerdings von Nicht-Heiden getragen, als Schmuck ohne tiefere Bedeutung, abgesehen von einem Interesse an der Wikingerzeit. Für die meisten skandinavischen Thorshammerträger dürfte er allenfalls die Verbundenheit mit nordischer bzw. skandinavischer Kultur und Geschichte sybolisieren.<br />
Auch im äußersten Norden Deutschlands kann der Mjölnir ein Bekenntnis zur Heimat und deren besonderen Geschichte sein. Ein Radwanderweg in dieser Gegend trägt den Namen &#8220;Thorshammerweg&#8221; und einige Gemeinden im Landkreis Schleswig-Flensburg tragen den Thorshammer im Wappen. </p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" rel="lightbox[4572]"><img class="alignleft size-full wp-image-4577" title="Wappen von Taarstedt" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" alt="Wappen von Taarstedt" width="180" height="195" /></a></div>
<p>Zum Beispiel <a href="http://www.taarstedt.de/" target="_blank">Taarstedt</a>, dänisch: Torsted &#8220;Stätte des Thor&#8221;.<br />
Jedenfalls in dieser Gegend wäre es schwerlich möglich, in einem Thorshammer ein Zeichen für rechtsextreme bzw. völkische Gesinnung zu sehen.<br />
Ein weiterer Grund dafür einen Thorshammer zu tragen, ist Rebellionsromantik. Der Thorshammer, als <i>das</i> &#8220;Wikingersymbol&#8221; schlechthin, hat einen ähnlichen Appeal wie der &#8220;Jolly Roger&#8221;, die einst von karibischen Piraten verwendete Totenkopfflagge.<br />
Kein Wunder also, dass der Mjölnir in der Metalszene gern getragen wird. Beliebt ist der Thorshammer außerdem bei Angehörigen der &#8220;Schwarzen Szene&#8221; und beinahe schon traditionell bei Rockern bzw. Bikern. Auch in Teilen der Alternativ-Szene wurde der Thorshammer schon gesichtet. </p>
<h3>Und warum verwenden auch Neonazis den Thorshammer?</h3>
<p>Schon die originalen &#8220;Nationalsozialisten&#8221; okkupierten zahlreiche germanische Zeichen und Symbole und deuteten sie im Sinne ihrer &#8220;Weltanschauung&#8221; um. Der Thorshammer war allerdings nicht darunter.<br />
Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis nach dem ersten Weltkrieg war der Thorshammer das populärste Symbol der &#8220;völkischen Bewegung&#8221;, und zwar wegen des Einflusses <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">ariosophischer</a> Germanentümler.<br />
Aus dieser Ecke stammt die unter Neonazis und Freunden der &#8220;braunen Esoterik&#8221; auch heute noch beliebte falsche Deutung, Thor stünde für &#8220;die reinigende Kraft&#8221; und würde mit seinem Hammer &#8220;das deutsche Volk vom verderbenden Ungeziefer&#8221; reinigen. Nicht eindeutig ariosophisch, aber mythologisch nicht haltbar sind die Deutungen, Thor würde mit dem Hammer &#8220;Lebensraum&#8221; erobern oder stünde für Stärke und Gewalt als &#8220;richtigem&#8221; oder gar &#8220;einzig legitimem&#8221; Mittel, &#8220;sich durchzusetzen&#8221; und &#8220;Ordnung zu schaffen&#8221;.<br />
Hitler baute zwar jede Menge ariosophischen Gedankenguts bzw. -schrotts in seine Weltanschauung ein, aber von den weltfremden und undisziplinierten &#8220;völkischen Wanderscholaren&#8221; hielt er nicht viel. Vielleicht deshalb wurde der Thorshammer, anders als einige Runen, nie das Emblem einer der zahllosen NS-Organisationen.<br />
Für die meisten der meist intellektuell eher schlicht gestrickten Neonazis reicht es aus, dass der Mjölnir  nordisch-germanischen Ursprungs und nicht verboten ist.<br />
Der Thorshammer ist aus Neonazisicht also ein Ersatzsymbol. Einige der gebildeteren unter den Rechtsextremisten kamen sogar darauf, dass in Island im 16. Jahrhundert ein magisches Zeichen namens <i>þórshamarr</i> verwendet wurde, das der Swastika ähnelt. Auch gibt es wikingerzeitliche swastika-ähnliche Ornamente an Figuren, die wahrscheinlich Thor darstellen, zum Beispiel im Schatz von Oseberg. Damit ist der Thorshammer sozusagen  &#8220;Platzhalter&#8221; für das verbotene Hakenkreuz. </p>
<p>Es ist eine sattsam bekannte Strategie der Rechtsextremisten, Symbole zu besetzen, d. h. dafür zu sorgen, dass sie nur noch im Kontext ihrer Ideologie öffentlich wahrgenommen werden. Die Nazis hätten gern den Thorshammer als &#8220;ihr&#8221; Symbol. Zeigen wir ihnen also, wo der Hammer hängt!<br />
<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/dkiC3n0r5B4?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/dkiC3n0r5B4?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/wo-der-hammer-hangt/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mjölnir hat leider ein Imageproblem. Oder genauer gesagt: wer einen Thorshammer trägt, kann unter Umständen in den Verdacht geraten Rechtsextremist zu sein &#8211; oder zumindest Anhänger eines <a href="http://www.nornirsaett.de/tragen-coole-kids-wirklich-keinen-thorshammer/" target="_blank">emanzipationsfeindlichen und die soziale Wirklichkeiten verschleiernden</a> Weltbildes.</p>
<p>Den Fäden der Nornen sei dank sieht die Wirklichkeit doch etwas anders aus, als sie von engagierten, wenn auch leider etwas engstirnigen Antifas konstruiert wird. Anders als die nicht nur engstirnige, sondern paranoide Weltsicht vieler fundamentalistischer Christen, die mitunter buchstäblich eine Heidenangst vor Thorshämmern zeigen, sieht sie sowieso aus.<span id="more-4572"></span><br />
Zum Glück ist es, anders als es etwa die Marburger “Antifa Gruppe 5″ gerne hätte, in der links-alternativen Subkultur nicht Konsens, dass Symbolen der nordgermanischen Mythologie auf Veranstaltungen ein Platzverweis erteilt wird. Und immerhin weisen sogar die knapp gehaltenen Informationsseiten der Polizei unter <a href="http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/rechtsextremismus/erkennungszeichen/symbole-und-zeichen.html" target="_blank">Codes und Chiffren der „Rechten“</a> darauf hin, dass Thors Hammer in verschiedenen Jugendkulturen verbreitet ist, also nicht zwangsläufig auf &#8220;rechte&#8221; Gesinnung hinweist, <i>(Wobei ich mich wundere, wieso z. B. die Metal-Szene offenbar unter &#8220;Jugendkultur&#8221; verschlubladisiert wird. Die Alterspanne dort geht bis 50+.)</i> Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mj%C3%B6lnir" target="_blank">Wikipedia</a> verrät sogar:<br />
<blockquote>Aufgrund seiner Beliebtheit auch bei Personen, die nicht der rechten Szene angehören, und weil ihm ein unmittelbarer Bezug zur NS-Zeit fehlt, weil er nicht als offizielles Zeichen der NS-Regierung oder irgendeines ihrer Organe geführt wurde, kann der Thorshammer für sich genommen allerdings nicht als rechtsextremes Erkennungsmerkmal gelten.</p></blockquote>
<p> Trotzdem ist der Thorshammer in  Deutschland (und Österreich) ein &#8220;suspektes Symbol&#8221;. Und es bleiben Fragen. Einige dieser Fragen versuche ich zu beantworten:</p>
<h3>Wofür steht der Mjölnir bzw. Thorshammer?</h3>
<p>Mjölnir ist das typische Attribut des germanischen Donnergottes, und daher auch das Symbol für Thor. Thor wiederum ist der Beschützer der Menschen vor bösartigen und gefährlichen Riesen (wobei nicht alle Riesen / Thursen in der nordgermanischen Mythologie bösartig sind &#8211; es sind noch nicht einmal alle körperlich besonders groß). Diese bedrohlichen Riesen können als Personifikation von gefährlichen Naturgewalten gedeutet werden. (<i>Besonders eindrucksvoll ist, wie so oft, die Interpretation meines bevorzugten Schweinepriesters:</i> <a href="http://www.eibensang.de/index.php/thor/#more-313" target="_blank">Thor</a>.) Mjölnir ist Thors Waffe gegen diese Riesen, womit ein Thorshammeranhänger zum Schutzamulett taugt. Ferner ist Thor ein Wetter- und damit auch ein Fruchtbarkeitsgott. Wieso, wird vielleicht deutlich, wenn nach langer Dürre ein ferner Donner endlich ergiebigen Regen verspricht. Für die menschliche Fruchtbarkeit ist Thor ebenfalls hilfreich, weshalb zumindest im vorchristlichen Island nach einer Hochzeit so ein Hammer ins Ehebett gelegt wurde. Was betont &#8220;männliche&#8221; und &#8220;kämpferische&#8221; Freizeit-Wikinger im ebenso martialischem wie unhistorischem  &#8220;Barbaren-Look&#8221; oft verwundert: Tatsächlich wurden fast alle der aus dem 9. und 10. Jahrhundert stammenden Thorshämmer in Frauengräbern gefunden!<br />
Es ist jedenfalls verkehrt, den Mjölnir auf seine Funktion als Waffe und damit Thor auf den kämpferischen Aspekt zu reduzieren.<br />
Oft wird behauptet, der Thorshammer sei eine Reaktion auf das christliche Kreuz gewesen, was stimmen könnte, denn aus der Zeit vor 800 sind meines Wissens keine Mjölnir-Anhänger bekannt. Fraglich ist, ob er wirklich ein Symbol des &#8220;Kampfes gegen das Christentum&#8221; war. Sicher war er ein Symbol des Bekenntnisses zu Thor, und die &#8220;ollen Wikinger&#8221; sahen Glaubensdinge damals pragmatischer, als manch ein Neuheide heute glaubt. Auf einen Gott mehr oder weniger kommt es Polytheisten nicht an, worauf ein  Thorshammer mit kreuzförmiger Punzierung hindeutet. Es wurden Gussformen gefunden, mit denen sich sowohl Kreuzanhänger wie Thorshämmer gießen ließen, je nach Kundenwunsch, und aus Island ist ein für praktischer Hammer-Anhänger bekannt, der mit dem Stil nach unten als christliches Kreuz durchgeht.<br />
Zu diesem Thema, bei <a href="http://neunholz.de/" target="_blank">Neunholz: <a href="http://neunholz.de/?p=2369" target="_blank">Hammer-Amulette bei den Wikingern</a>.</p>
<p><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" rel="lightbox[4572]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Thorshammer.jpg" alt="Thorshammer in Busdorf bei Schleswig" title="Thorshammer" width="333" height="359" class="aligncenter size-full wp-image-4573" /></a><br />
<i>Der Thorshammer in Busdorf bei Schleswig.</i> </p>
<h3>Warum tragen Menschen heutzutage einen Thorshammer?</h3>
<p>Das Ásatrú-Anhänger gerne Mjölnir-Anhänger als Zeichen ihrer spirituellen Orientierung tagen, dürfte nicht überraschen.<br />
Die meisten Thorshämmer werden allerdings von Nicht-Heiden getragen, als Schmuck ohne tiefere Bedeutung, abgesehen von einem Interesse an der Wikingerzeit. Für die meisten skandinavischen Thorshammerträger dürfte er allenfalls die Verbundenheit mit nordischer bzw. skandinavischer Kultur und Geschichte sybolisieren.<br />
Auch im äußersten Norden Deutschlands kann der Mjölnir ein Bekenntnis zur Heimat und deren besonderen Geschichte sein. Ein Radwanderweg in dieser Gegend trägt den Namen &#8220;Thorshammerweg&#8221; und einige Gemeinden im Landkreis Schleswig-Flensburg tragen den Thorshammer im Wappen. </p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" rel="lightbox[4572]"><img class="alignleft size-full wp-image-4577" title="Wappen von Taarstedt" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Taarstedt_Wappen.jpg" alt="Wappen von Taarstedt" width="180" height="195" /></a></div>
<p>Zum Beispiel <a href="http://www.taarstedt.de/" target="_blank">Taarstedt</a>, dänisch: Torsted &#8220;Stätte des Thor&#8221;.<br />
Jedenfalls in dieser Gegend wäre es schwerlich möglich, in einem Thorshammer ein Zeichen für rechtsextreme bzw. völkische Gesinnung zu sehen.<br />
Ein weiterer Grund dafür einen Thorshammer zu tragen, ist Rebellionsromantik. Der Thorshammer, als <i>das</i> &#8220;Wikingersymbol&#8221; schlechthin, hat einen ähnlichen Appeal wie der &#8220;Jolly Roger&#8221;, die einst von karibischen Piraten verwendete Totenkopfflagge.<br />
Kein Wunder also, dass der Mjölnir in der Metalszene gern getragen wird. Beliebt ist der Thorshammer außerdem bei Angehörigen der &#8220;Schwarzen Szene&#8221; und beinahe schon traditionell bei Rockern bzw. Bikern. Auch in Teilen der Alternativ-Szene wurde der Thorshammer schon gesichtet. </p>
<h3>Und warum verwenden auch Neonazis den Thorshammer?</h3>
<p>Schon die originalen &#8220;Nationalsozialisten&#8221; okkupierten zahlreiche germanische Zeichen und Symbole und deuteten sie im Sinne ihrer &#8220;Weltanschauung&#8221; um. Der Thorshammer war allerdings nicht darunter.<br />
Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis nach dem ersten Weltkrieg war der Thorshammer das populärste Symbol der &#8220;völkischen Bewegung&#8221;, und zwar wegen des Einflusses <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">ariosophischer</a> Germanentümler.<br />
Aus dieser Ecke stammt die unter Neonazis und Freunden der &#8220;braunen Esoterik&#8221; auch heute noch beliebte falsche Deutung, Thor stünde für &#8220;die reinigende Kraft&#8221; und würde mit seinem Hammer &#8220;das deutsche Volk vom verderbenden Ungeziefer&#8221; reinigen. Nicht eindeutig ariosophisch, aber mythologisch nicht haltbar sind die Deutungen, Thor würde mit dem Hammer &#8220;Lebensraum&#8221; erobern oder stünde für Stärke und Gewalt als &#8220;richtigem&#8221; oder gar &#8220;einzig legitimem&#8221; Mittel, &#8220;sich durchzusetzen&#8221; und &#8220;Ordnung zu schaffen&#8221;.<br />
Hitler baute zwar jede Menge ariosophischen Gedankenguts bzw. -schrotts in seine Weltanschauung ein, aber von den weltfremden und undisziplinierten &#8220;völkischen Wanderscholaren&#8221; hielt er nicht viel. Vielleicht deshalb wurde der Thorshammer, anders als einige Runen, nie das Emblem einer der zahllosen NS-Organisationen.<br />
Für die meisten der meist intellektuell eher schlicht gestrickten Neonazis reicht es aus, dass der Mjölnir  nordisch-germanischen Ursprungs und nicht verboten ist.<br />
Der Thorshammer ist aus Neonazisicht also ein Ersatzsymbol. Einige der gebildeteren unter den Rechtsextremisten kamen sogar darauf, dass in Island im 16. Jahrhundert ein magisches Zeichen namens <i>þórshamarr</i> verwendet wurde, das der Swastika ähnelt. Auch gibt es wikingerzeitliche swastika-ähnliche Ornamente an Figuren, die wahrscheinlich Thor darstellen, zum Beispiel im Schatz von Oseberg. Damit ist der Thorshammer sozusagen  &#8220;Platzhalter&#8221; für das verbotene Hakenkreuz. </p>
<p>Es ist eine sattsam bekannte Strategie der Rechtsextremisten, Symbole zu besetzen, d. h. dafür zu sorgen, dass sie nur noch im Kontext ihrer Ideologie öffentlich wahrgenommen werden. Die Nazis hätten gern den Thorshammer als &#8220;ihr&#8221; Symbol. Zeigen wir ihnen also, wo der Hammer hängt!<br />
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		<title>Althing 2011 der Nornirs Ætt</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Aug 2011 16:17:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.nornirsaett.de/althing-2011-der-nornirs-%C3%A6tt/"><img src="http://u1.ipernity.com/19/07/74/11160774.e4c460ec.500.jpg" width="500" height="382" alt="Alfruna" border="0"/></a><br />
<i>Die Bragishof-Hexe Alfruna wurde während des Althing-Wochenendes gepflanzt.</i> Foto: <a href="http://www.ipernity.com/home/sven" target="_blank">Sven Scholz</a><br />
Dieses Jahr fand der Althing der Nornirs Ætt sozusagen auf &#8220;eigenen Gebiet&#8221; statt, auf dem Bragishof in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilsbach" target="_blank">Hilsbach</a> im Kraichgau.<span id="more-4519"></span> Gastgeberin Venayra (auch als Þioðskuðrhugscögul Eibensangstochter bekannt) ist Ættling und Miteigentümerin des Bragishofes, es hausen außer ihr noch zwei weitere Ættlinge in dem zunehmend wieder alten Glanz annehmenden alten Ackerbürgerhaus nebst Scheune. Die restlichen Hof-Bewohner &#8211; unter anderem Ragnar, Venayras Gefährte, Hof-Miteigentümer und Siedemeister von (<i>vorsicht Schleichwerbung</i>): <a href="http://www.ragnars-sauferey.de/" target="_blank">Ragnars Sauferey</a> Metsiederei &#038; Obstbrennerei, sind Freunde und Sympathisanten.</p>
<p>Das Althing-Wochenende war ein langes, es begann im Grunde schon am Donnerstag, dem 28. Juli und ging, jedenfalls für einige von uns, bis Montag, den 1. August.</p>
<p>Die Stimmung war gut, das Treffen schön, entspannt und harmonisch, der Althing konstruktiv.<br />
Es wurde viel gegrillt, gelacht und nur ganz wenig geregnet. Und es wurde Musik gemacht, auf hohem Niveau sogar, und nicht nur von den <a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">Singvøgeln</a>.</p>
<p>Erstmalig versuchten sich Ættlinge in der auch aus der Esoterik bekannten Praxis des Tischerückens – in dem Fall mit den schweren Tischen und Bänken aus Ragnars Sauferey. Das Ergebnis war zwar zufriedenstellend, doch darf die Aufnahme solchen Prozederes in die Ritualpraxis der Nornirs Ætt weiterhin als ungewiss betrachtet werden.</p>
<p>Es gab ein großes Räum- und Reinigungsritual am Bragishof, jedenfalls könnte man es so nennen:<br />
Samstagnachmittag (vor dem Althing) hievte eine lange und heitere Kette von Ættlingen Unmengen ziemlich staubigen Schrotts und Krempels vom Dachboden in die Hofeinfahrt.<br />
Letzte (noch wache) Hinterbliebene gerieten Sonntagnacht noch in ein lustiges <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sumbel" target="_blank">Ahnentrinken</a>.</p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/asatru-aktuell/">Ætt Feature</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/althing-2011-der-nornirs-%c3%a6tt/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.nornirsaett.de/althing-2011-der-nornirs-%C3%A6tt/"><img src="http://u1.ipernity.com/19/07/74/11160774.e4c460ec.500.jpg" width="500" height="382" alt="Alfruna" border="0"/></a><br />
<i>Die Bragishof-Hexe Alfruna wurde während des Althing-Wochenendes gepflanzt.</i> Foto: <a href="http://www.ipernity.com/home/sven" target="_blank">Sven Scholz</a><br />
Dieses Jahr fand der Althing der Nornirs Ætt sozusagen auf &#8220;eigenen Gebiet&#8221; statt, auf dem Bragishof in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilsbach" target="_blank">Hilsbach</a> im Kraichgau.<span id="more-4519"></span> Gastgeberin Venayra (auch als Þioðskuðrhugscögul Eibensangstochter bekannt) ist Ættling und Miteigentümerin des Bragishofes, es hausen außer ihr noch zwei weitere Ættlinge in dem zunehmend wieder alten Glanz annehmenden alten Ackerbürgerhaus nebst Scheune. Die restlichen Hof-Bewohner &#8211; unter anderem Ragnar, Venayras Gefährte, Hof-Miteigentümer und Siedemeister von (<i>vorsicht Schleichwerbung</i>): <a href="http://www.ragnars-sauferey.de/" target="_blank">Ragnars Sauferey</a> Metsiederei &#038; Obstbrennerei, sind Freunde und Sympathisanten.</p>
<p>Das Althing-Wochenende war ein langes, es begann im Grunde schon am Donnerstag, dem 28. Juli und ging, jedenfalls für einige von uns, bis Montag, den 1. August.</p>
<p>Die Stimmung war gut, das Treffen schön, entspannt und harmonisch, der Althing konstruktiv.<br />
Es wurde viel gegrillt, gelacht und nur ganz wenig geregnet. Und es wurde Musik gemacht, auf hohem Niveau sogar, und nicht nur von den <a href="http://www.singvoegel.com" target="_blank">Singvøgeln</a>.</p>
<p>Erstmalig versuchten sich Ættlinge in der auch aus der Esoterik bekannten Praxis des Tischerückens – in dem Fall mit den schweren Tischen und Bänken aus Ragnars Sauferey. Das Ergebnis war zwar zufriedenstellend, doch darf die Aufnahme solchen Prozederes in die Ritualpraxis der Nornirs Ætt weiterhin als ungewiss betrachtet werden.</p>
<p>Es gab ein großes Räum- und Reinigungsritual am Bragishof, jedenfalls könnte man es so nennen:<br />
Samstagnachmittag (vor dem Althing) hievte eine lange und heitere Kette von Ættlingen Unmengen ziemlich staubigen Schrotts und Krempels vom Dachboden in die Hofeinfahrt.<br />
Letzte (noch wache) Hinterbliebene gerieten Sonntagnacht noch in ein lustiges <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sumbel" target="_blank">Ahnentrinken</a>.</p>
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		<title>Als die Sau noch Göttin war</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 22:58:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eibensang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Ariosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[germanen]]></category>
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		<category><![CDATA[Theosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Yggdrasil]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=113</guid>
		<description><![CDATA[<p><b>Noch immer haben die meisten Zeitgenossen, wenn von Germanen die Rede ist, Bilder im Kopf, die aus dem Kuriositätenmuseum der Nationalromantik stammen. Vom &#8220;blonden Recken&#8221; bis zum &#8220;Arier&#8221; der Nazis ist es anscheinend nur ein kleiner Schritt. Befasst man sich jedoch eingehender mit germanischer Kultur, Geschichte und Mythologie, gewinnt man eher den Eindruck: Einen Hitler hätten historische Germanen nicht bejubelt, sondern umgebracht.</b><span id="more-113"></span></p>
<h3>Vorwort, oder: warum, wieso, weshalb</h3>
<blockquote><p>
“Die alten Germanen, sie lagen /<br />
zu beiden Ufern des Rheins /<br />
Sie lagen auf Bärenfellen /<br />
und tranken immer noch eins.”</p></blockquote>
<p>Dieser leicht dümmliche Spruch, gefunden auf dem Etikett einer im fränkischen Bayreuth erstandenen Flasche Met, spiegelt eins der wohl noch harmloseren Klischees über “die Germanen” wider.</p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein.jpg" rel="lightbox[113]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Wildschwein" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein-300x244.jpg" alt="Wildschwein - nach einer antiken Bronzefibel" width="300" height="244" /></a></div>
<p>Auf wild wogenden Wellen heranwallende wotanwütige Wagner-Wikinger mit Hörnerhelmen, darüber wolkenreitende Walküren, die nach wie vor hurtig (hoyotoho!) durch die sog. Hochkultur von Oper und Operette herumgeistern, sind höchstens abschreckend lächerlich und schaden, möchte man meinen, doch eigentlich niemandem – auch wenn solche Figuren mit der vormittelalterlichen Wirklichkeit Europas ebensowenig zu tun haben wie z.B. (sagen wir mal) die Lebenswirklichkeit nordamerikanischer Ureinwohner mit der altdeutsch eingekitschten Indianerromantik eines Karl May.</p>
<p>Wenn jedoch ein Rechtsradikaler Amok läuft, auf Menschen schießt und anschließend behauptet, er habe Mord und Mordversuche “im Auftrag Odins” begangen, wird die Sache schon etwas ernster – besonders, wenn sich niemand über einen solchen Zusammenhang groß wundert oder ihm gar widerspricht. So geschehen 1996 im rheinischen Recklinghausen – aber nicht nur dort, und nicht nur dann. Anderes Beispiel, eines von vielen: Der berüchtigte Berliner Neonazi Arnulf Priem nennt seine paramilitärische Terrorgruppe “Wotans Volk”, und keiner widerspricht ihm. Auch zahlreiche andere Gruppen, vom rassistischen “Armanen-Orden” bis zur faschistischen “Wiking-Jugend”, berufen sich auf angeblich “germanisches” Erbe, benutzen willkürlich Runen und andere germanische Symbole, und keiner widerspricht ihnen. Warum auch? Es ist ja allgemein bekannt, dass sich die Nazis auf die “alten Germanen” beriefen, sich ihrer Symbolik und ihres Mythenschatzes bedienten. Und spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind Germanentum und Sieg-Heil-Gebrüll für die meisten zivilisierten Menschen dieselbe oder doch zumindest die gleiche braune Soße. Germanentum, jegliches: heutzutage (ist es) zutiefst diskreditiert, auch und gerade für die seriöse Wissenschaft. Der Holocaust erschreckte die zivilisierte Menschheit, doch was unterscheidet die deutschen Verbrechen wirklich von denen eines Pol Pot, eines Bokassa oder eines Stalin? Nicht die ungeheure Zahl der Opfer, auch nicht die Mordmethoden, die m.E. nur (den Schattenseiten) der jeweiligen Kultur entsprechen, nein: Es ist der ideologische Hintergrund – er allein macht die Verbrechen Hitlerdeutschlands so schwer vergleichbar mit den anderen und sonstigen Barbareien unserer Epoche.</p>
<p>Der Rassismus der Nazis – und die (heutzutage so auffällig schwer begründbare) Begeisterung des damals fast gesamten deutschen Volkes für Hitler – hatte letztlich auch und vor allem okkulte Wurzeln, die fern jedes zivilisatorischen Verständnisses lagen. Die Menschheit (inklusiv mancher Deutscher) erschrak nach der lückenlosen Aufdeckung der Naziverbrechen tatsächlich. Mit solch einem grauenhaften Sumpf wollte man nichts (mehr) zu tun haben. Und genau deshalb fand eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den pseudoreligiösen Inhalten der Nazis niemals statt, nicht in den Nürnberger Prozessen, und schon gar nicht danach. Der seitdem andauernde stillschweigende Großversuch, das Thema ausschließlich rational zu erklären, füllt Bände und Filmrollen ebenso tonnenweise wie vergeblich. Was ebenfalls nicht stattfand, war eine Rehabilitation der Germanen. Das lag wohl auch an der Scham einer internationalen Wissenschaft, die im 19. Jh. drauf und dran gewesen war, krudesten Rassismus salonfähig zu machen – dies im Gefolge einer (nach heutigen Maßstäben und Erkenntnissen gründlich unwissenschaftlichen, jedenfalls aber unreflektierten) Begeisterung für angeblich germanisch-keltische Wurzeln des Abendlandes, die absurd zu überhöhen und zu idealisieren um die Jahrhundertwende offensichtlich Mode war. Oder inhumane Konsequenz: denn schließlich musste weltweiter Kolonialismus gerechtfertigt werden – ausgerechnet von Nationen, deren Religion angeblich die Nächstenliebe war und ist.<br />
Dieser offensichtliche Widerspruch zwischen Sklavenhalterei und Ausbeutung einerseits und christlicher Bergpredigt anderseits ließ sich wohl nur mit der Lehre von “unterschiedlich wertvollen Rassen” übertünchen. Groteske Ergebnisse solcher Bemühungen waren u.a. die Theosophie im allgemeinen und deren Kind, die <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">Ariosophie</a>, im besonderen.</p>
<p>Kurze Erklärung: Die Anhänger der Ariosophie behaupten (damals wie heute), die Menschheit stamme angeblich vom fernen Stern Aldebaran. Auf der langen Reise zur Erde hätten sich die “fünf Wurzelrassen” der Menschheit illegal miteinander vermischt, das Ergebnis seien “niedere” und “minderwertige Rassen” auf der Erde, die dazu bestimmt seien, von den “höheren Rassen” beherrscht zu werden. Als “höher” gelten dabei die Hellhäutigen und (im Idealfall) Blondhaarigen, die sich vor weiterer Vermischung schützen müssten, um nicht unterzugehen. Eine einfache Sündenbock-Theorie: Denn was an den angeblich “höheren Rassen” im Einzelfall nicht astrein sein sollte, verschulden laut Ariosophie immer die anderen, die “dunklen”. Da natürlich niemand perfekt ist, geht diese Sündenbock-Rechnung immer auf: Die Feindbilder können wechseln, ein Feind – auf den das eigene Minderwertigkeitsgefühl projiziert wird – ist aber immer präsent.<br />
Der aus all dem letztlich resultierende fremden- und judenfeindliche Okkultismus der Nazis hat sich fast wahllos germanischer Symbolik bedient und diese gründlich missbraucht – seit Auschwitz haftet auch allem Germanischen der Ruch des Verbrechens an, zumindest für aufgeklärte und rationalistische Zeitgenossen. Die weniger rationalistischen indes, namentlich sogenannte Neuheiden, neigen heute dazu, in dieselben Fallen zu tappen wie ihre historischen Vorgänger vor über 100 Jahren. Theosophie und Ariosophie, die metaphysischen Grundlehren für rassistische Verschwörungstheorien aller Art, feiern unter zeitgenössischen esoterischen Sinnsuchern unerkannt giftige Urständ´.<br />
Doch bleiben wir einstweilen bei der Mehrheit. Die tiefe, ja beinahe instinktive Ablehnung all dessen, was irgendwie “germanisch” riecht, geht leider so weit, dass das Thema heute niemanden mehr interessiert.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-nazis-und-germanen-–-der-unerkannte-gegensatz">Nazis und Germanen – der unerkannte Gegensatz</a></p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by Eibensang <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Noch immer haben die meisten Zeitgenossen, wenn von Germanen die Rede ist, Bilder im Kopf, die aus dem Kuriositätenmuseum der Nationalromantik stammen. Vom &#8220;blonden Recken&#8221; bis zum &#8220;Arier&#8221; der Nazis ist es anscheinend nur ein kleiner Schritt. Befasst man sich jedoch eingehender mit germanischer Kultur, Geschichte und Mythologie, gewinnt man eher den Eindruck: Einen Hitler hätten historische Germanen nicht bejubelt, sondern umgebracht.</b><span id="more-113"></span></p>
<h3>Vorwort, oder: warum, wieso, weshalb</h3>
<blockquote><p>
“Die alten Germanen, sie lagen /<br />
zu beiden Ufern des Rheins /<br />
Sie lagen auf Bärenfellen /<br />
und tranken immer noch eins.”</p></blockquote>
<p>Dieser leicht dümmliche Spruch, gefunden auf dem Etikett einer im fränkischen Bayreuth erstandenen Flasche Met, spiegelt eins der wohl noch harmloseren Klischees über “die Germanen” wider.</p>
<div style="float:left;margin-right:5px"><a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein.jpg" rel="lightbox[113]"><img class="alignleft size-full wp-image-4062" title="Wildschwein" src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/wildschwein-300x244.jpg" alt="Wildschwein - nach einer antiken Bronzefibel" width="300" height="244" /></a></div>
<p>Auf wild wogenden Wellen heranwallende wotanwütige Wagner-Wikinger mit Hörnerhelmen, darüber wolkenreitende Walküren, die nach wie vor hurtig (hoyotoho!) durch die sog. Hochkultur von Oper und Operette herumgeistern, sind höchstens abschreckend lächerlich und schaden, möchte man meinen, doch eigentlich niemandem – auch wenn solche Figuren mit der vormittelalterlichen Wirklichkeit Europas ebensowenig zu tun haben wie z.B. (sagen wir mal) die Lebenswirklichkeit nordamerikanischer Ureinwohner mit der altdeutsch eingekitschten Indianerromantik eines Karl May.</p>
<p>Wenn jedoch ein Rechtsradikaler Amok läuft, auf Menschen schießt und anschließend behauptet, er habe Mord und Mordversuche “im Auftrag Odins” begangen, wird die Sache schon etwas ernster – besonders, wenn sich niemand über einen solchen Zusammenhang groß wundert oder ihm gar widerspricht. So geschehen 1996 im rheinischen Recklinghausen – aber nicht nur dort, und nicht nur dann. Anderes Beispiel, eines von vielen: Der berüchtigte Berliner Neonazi Arnulf Priem nennt seine paramilitärische Terrorgruppe “Wotans Volk”, und keiner widerspricht ihm. Auch zahlreiche andere Gruppen, vom rassistischen “Armanen-Orden” bis zur faschistischen “Wiking-Jugend”, berufen sich auf angeblich “germanisches” Erbe, benutzen willkürlich Runen und andere germanische Symbole, und keiner widerspricht ihnen. Warum auch? Es ist ja allgemein bekannt, dass sich die Nazis auf die “alten Germanen” beriefen, sich ihrer Symbolik und ihres Mythenschatzes bedienten. Und spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind Germanentum und Sieg-Heil-Gebrüll für die meisten zivilisierten Menschen dieselbe oder doch zumindest die gleiche braune Soße. Germanentum, jegliches: heutzutage (ist es) zutiefst diskreditiert, auch und gerade für die seriöse Wissenschaft. Der Holocaust erschreckte die zivilisierte Menschheit, doch was unterscheidet die deutschen Verbrechen wirklich von denen eines Pol Pot, eines Bokassa oder eines Stalin? Nicht die ungeheure Zahl der Opfer, auch nicht die Mordmethoden, die m.E. nur (den Schattenseiten) der jeweiligen Kultur entsprechen, nein: Es ist der ideologische Hintergrund – er allein macht die Verbrechen Hitlerdeutschlands so schwer vergleichbar mit den anderen und sonstigen Barbareien unserer Epoche.</p>
<p>Der Rassismus der Nazis – und die (heutzutage so auffällig schwer begründbare) Begeisterung des damals fast gesamten deutschen Volkes für Hitler – hatte letztlich auch und vor allem okkulte Wurzeln, die fern jedes zivilisatorischen Verständnisses lagen. Die Menschheit (inklusiv mancher Deutscher) erschrak nach der lückenlosen Aufdeckung der Naziverbrechen tatsächlich. Mit solch einem grauenhaften Sumpf wollte man nichts (mehr) zu tun haben. Und genau deshalb fand eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den pseudoreligiösen Inhalten der Nazis niemals statt, nicht in den Nürnberger Prozessen, und schon gar nicht danach. Der seitdem andauernde stillschweigende Großversuch, das Thema ausschließlich rational zu erklären, füllt Bände und Filmrollen ebenso tonnenweise wie vergeblich. Was ebenfalls nicht stattfand, war eine Rehabilitation der Germanen. Das lag wohl auch an der Scham einer internationalen Wissenschaft, die im 19. Jh. drauf und dran gewesen war, krudesten Rassismus salonfähig zu machen – dies im Gefolge einer (nach heutigen Maßstäben und Erkenntnissen gründlich unwissenschaftlichen, jedenfalls aber unreflektierten) Begeisterung für angeblich germanisch-keltische Wurzeln des Abendlandes, die absurd zu überhöhen und zu idealisieren um die Jahrhundertwende offensichtlich Mode war. Oder inhumane Konsequenz: denn schließlich musste weltweiter Kolonialismus gerechtfertigt werden – ausgerechnet von Nationen, deren Religion angeblich die Nächstenliebe war und ist.<br />
Dieser offensichtliche Widerspruch zwischen Sklavenhalterei und Ausbeutung einerseits und christlicher Bergpredigt anderseits ließ sich wohl nur mit der Lehre von “unterschiedlich wertvollen Rassen” übertünchen. Groteske Ergebnisse solcher Bemühungen waren u.a. die Theosophie im allgemeinen und deren Kind, die <a href="http://www.nornirsaett.de/ueberblick-uber-ariosophie/" target="_blank">Ariosophie</a>, im besonderen.</p>
<p>Kurze Erklärung: Die Anhänger der Ariosophie behaupten (damals wie heute), die Menschheit stamme angeblich vom fernen Stern Aldebaran. Auf der langen Reise zur Erde hätten sich die “fünf Wurzelrassen” der Menschheit illegal miteinander vermischt, das Ergebnis seien “niedere” und “minderwertige Rassen” auf der Erde, die dazu bestimmt seien, von den “höheren Rassen” beherrscht zu werden. Als “höher” gelten dabei die Hellhäutigen und (im Idealfall) Blondhaarigen, die sich vor weiterer Vermischung schützen müssten, um nicht unterzugehen. Eine einfache Sündenbock-Theorie: Denn was an den angeblich “höheren Rassen” im Einzelfall nicht astrein sein sollte, verschulden laut Ariosophie immer die anderen, die “dunklen”. Da natürlich niemand perfekt ist, geht diese Sündenbock-Rechnung immer auf: Die Feindbilder können wechseln, ein Feind – auf den das eigene Minderwertigkeitsgefühl projiziert wird – ist aber immer präsent.<br />
Der aus all dem letztlich resultierende fremden- und judenfeindliche Okkultismus der Nazis hat sich fast wahllos germanischer Symbolik bedient und diese gründlich missbraucht – seit Auschwitz haftet auch allem Germanischen der Ruch des Verbrechens an, zumindest für aufgeklärte und rationalistische Zeitgenossen. Die weniger rationalistischen indes, namentlich sogenannte Neuheiden, neigen heute dazu, in dieselben Fallen zu tappen wie ihre historischen Vorgänger vor über 100 Jahren. Theosophie und Ariosophie, die metaphysischen Grundlehren für rassistische Verschwörungstheorien aller Art, feiern unter zeitgenössischen esoterischen Sinnsuchern unerkannt giftige Urständ´.<br />
Doch bleiben wir einstweilen bei der Mehrheit. Die tiefe, ja beinahe instinktive Ablehnung all dessen, was irgendwie “germanisch” riecht, geht leider so weit, dass das Thema heute niemanden mehr interessiert.</p>
<p>Weiter: <a href="http://www.nornirsaett.de/als-die-sau-noch-gottin-war-nazis-und-germanen-–-der-unerkannte-gegensatz">Nazis und Germanen – der unerkannte Gegensatz</a></p>
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		<title>Biikebrennen in Nordfriesland</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/biikebrennen-in-nordfriesland/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Jan 2011 05:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wodan]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=3761</guid>
		<description><![CDATA[<p><b>An den Stränden Nordfrieslands findet am 21. Februar, einen Monat vor der Tag- und Nachtgleiche, das Biikebrennen statt.</b><br />
<span id="more-3761"></span></p>
<p>Es gibt viele Volksbräuche, von denen behauptet wird, sie gingen bis auf &#8220;heidnische Zeiten&#8221; zurück. Ob das wirklich stimmt, ist in vielen Fällen fraglich. Zu viele &#8220;uralte Bräuche&#8221; lassen sich nämlich nur bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, sind also mutmaßlich neu geschaffen. Bei älteren Bräuchen lasst sich beim beim besten Willen nicht mehr sagen, was denn christlich, was nicht-christliches Brauchtum, und was wiederum davon, wenn überhaupt, vorchristlich ist. Die ältere Volkskunde neigte in Deutschland bekanntlich dazu, alles, was irgendwie altüberliefert war, für &#8220;germanisch&#8221; zu halten &#8211; obwohl zwischen &#8220;den heidnischen Germanen&#8221; und &#8220;den Deutschen&#8221; Jahrhunderte lagen. Daher ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn ein Volksbrauch &#8220;germanisch&#8221; (regional gern auch &#8220;keltisch&#8221;, eher selten genommen: &#8220;slawisch&#8221;) sein soll.</p>
<p>Es gibt auch das andere Extrem, und dieses Extrem sind (meist kirchliche oder kirchennahe) Experten und &#8220;Experten&#8221;, die bestreiten, dass unter den  Karnevals- bzw. Faschings- bzw. Fastnachts-Bräuchen auch solche sind, die überhaupt nichts mit dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit zu tun haben, sondern jahreszeitliches Brauchtum, vulgo &#8220;Winteraustreiben&#8221; genannt, sind. Fällt gar das Wort &#8220;heidnisch&#8221;, greifen sie innerlich zum Weihwasserspritzer. Nun ist Karneval / Fastnacht tatsächlich eine Melange, aus der sich beim bestem Willen die einzelnen Bestandteile nicht mehr ausfiltern lassen.</p>
<p>Beim friesischen Biikebrennen ist es hingegen weitgehend unstrittig, dass es zumindest teilweise heidnischen Ursprungs ist.<br />
<a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343"><img src="http://u1.ipernity.com/17/13/19/9931319.9a1d51fc.500.jpg" width="500" height="333" alt="107343 R K B by Hans-Peter-Dehn pixelio.de" border="0"/></a><br />
Foto: <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343" tatget="_blank">© Hans Peter Dehn / pixelio.de</a><br />
Das friesische Wort &#8220;Biike&#8221; bedeutet im allgemeine (&#8220;See-)Zeichen&#8221; (plattdeutsch &#8220;Bake&#8221; oder &#8220;Beeke&#8221;), hier in der besonderen Bedeutung &#8220;Feuerzeichen&#8221;.<br />
Die Feuer gelten als Opferfeuer zum Abschluss der Winterfeste. Ackerbau und Seefahrt ruhten im Winter notgedrungen, es gab also mehr &#8220;freie Zeit&#8221;, als den Bauern, Schippern und Fischern lieb gewesen sein dürfte. In den  Hansestädten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ruhte die Schifffahrt zwischen Martini (11. November) und Petri Stuhlfeier (&#8220;Peterstag&#8221;) (22. Februar). Die vielen Friesen, die auf hansischen Schiffen fuhren, waren also in dieser Zeit &#8220;saisonal arbeitslos&#8221;.<br />
Die Winterfeste (in etwa ein &#8220;bäuerliches Friesen-Fasching&#8221;) darf man sich nicht zu idyllisch vorstellen, sondern eher gemäß dem Prinzip &#8220;saure Zeiten, frohe Feste&#8221;. Es wird ziemlich deftig und alkoholseelig abgegangen sein, und die Menschen werden froh gewesen sein, wenn sie genug zum Essen hatten.<br />
Bis im Jahr 1867 (!) die preußische Gerichtsbarkeit das Laiengericht der Ratsmänner aufhob, war der 21. Februar in Nordfriesland Thingtag (Gerichtstag).<br />
Das Biikefest wurde dennoch örtlich an verschiedenen Tagen gefeiert,  jedoch stets vor Beginn der Fastenzeit, weshalb es auch als Fastnachtsbrauch gilt. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts findet es überall in Nordfriesland einheitlich am 21. Februar statt.</p>
<p>Ob tatsächlich, wie die ältere Volkskunde behauptet, Wodan, als Herrscher über Krieg und Sturm, durch die Opferfeuer milde gestimmt werden sollte, ist nicht gesichert.<br />
Immerhin plausibel ist ein Opfer zum Schutz der jungen Saat.</p>
<p>Dass das Biikebrennens in historischer Zeit ein Abschiedsfest für die Männer war, die als Walfänger zur See fuhren, ist zwar nicht falsch, aber die romantische Vorstellung von am Strand um die Biike versammelten Frauen, die den abfahrenden Schiffe nachwunken, ist eine Legende des 19. Jahrhunderts. Der Keitumer Chronist Henning Rinken berichtete, das vor 1760 sich alljährlich am 22. Februar in Keitum auf Sylt die Seeleute versammelten, um ihre Abfahrt zu den Walfanghäfen zu besprechen, und Heuerverträge für die kommende Fangsaison abzuschließen. Sie werden sicherlich auch Abschied gefeiert haben &#8211; schließlich waren sie oft monatelang fort. Aber die ziemlich großen Walfangschiffe hätten schwerlich direkt von den Inseln und kleinen Küstenorten aus in See gehen können, und mieden wegen ihres Tiefgangs auch die friesischen Inseln mit ihren tückischen Sandbänken und erst recht die Wattensee, weshalb die Männer auf den ausfahrenden Schiffen die brennenden Biiken am heimatlichen Strand gar nicht hätten sehen können.<br />
Die Männer fuhren auf kleinen Küstenseglern oder über Land erst zu den großen Hafenstädten Norddeutschlands und der Niederlande, und zwar sicher nicht alle auf einmal. Außerdem waren Ende Februar oft noch die Häfen zugefroren.<br />
Gartenzäune und -Tore aus Walknochen künden übrigens noch heute auf den friesischen Inseln davon, wie wichtig der Walfang war.</p>
<p>Biiken hatten aber auch einen praktischen Zweck, denn die Feuer dienten  den Küstenschiffern und Fischern als Orientierungspunkte. Das hat aber mit dem besonderen Brauch des Biikebrennens nicht viel zu tun.</p>
<p>Das Feuer brannte, wie aus dem 18. Jahrhundert überliefert ist, früher an bakenähnlichen Stangen. Noch im 19. Jahrhundert wird die Biike als brennende, mit Teer und Stroh gefüllte Tonne auf einer Stange beschrieben. Die heute üblichen großen Feuerstöße sind wahrscheinlich erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Erst seit dieser Zeit sind auch Weihnachtsbäume üblich, die heute einen wesentlichen Anteil des Biikematerials bilden.</p>
<p>In einige Dörfern wird im Biike-Feuer eine Strohpuppe verbrannt, die &#8220;Petermännchen&#8221; genannt wird und vielleicht den Winter symbolisiert. Fälschlich wird der Peterstag (nordfriesisch &#8220;piddersdai&#8221;) mit Petrus &#8211; immerhin Schutzpatron der Fischer &#8211; in Verbindung gebracht. Tatsächlich feiert die katholische Kirche das Fest &#8220;Kathedra Petri&#8221;, also den Stuhl des Papstes, bzw. die Vorrangstellung des Petrus-Amtes, was das Lehramt betrifft. Dass dieser Feiertag in Norddeutschland recht wichtig wurde, und es auch über die Reformation hinaus blieb, dürfte rein kalendarische Gründe haben &#8211; es gibt ja auch keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Martinstag und dem Ende der Seefahrtssaison. Die in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biikebrennen" target="_blank">Wikipedia</a> genannte Ansicht, das Petermännchen hätte nichts mit dem Heiligen Petrus, sondern mit dem Papst (also dem Petrus-Amt) und dem damit verbundenen christlichen Glauben zu tun, der abgelehnt wurde, ist aber meines Wissens ungesichtert.<br />
Es stimmt, dass die christliche Missionare es bei den Friesen nicht leicht hatten &#8211; etliche Missionare, allen voran Bonifatius, verdanken ihren Märtyrer-Status friesischen Streitäxten &#8211; und es stimmt auch, dass sich manches eindeutig heidnische Brauchtum dort bis in die Gegenwart gehalten hat. Nach Nordfriesland gelangte das Christentum ziemlich spät. Erst um 1100 wurden hier die ersten Kirchen gebaut &#8211; gut 300 Jahre nach der Christianisierung Sachsens (&#8220;Altsachsens&#8221;, also heutiges Niedersachsen und Westfalen nebst dem Westen Holsteins) und gut 100 Jahre nach der offiziellen Christianisierung Islands. Noch in einem Papst-Brief von 1198 werden die nordfriesischen Utlande als &#8220;neue Pflanzstätte des Glaubens&#8221; bezeichnet.<br />
Umso schneller lösten sich die Nordfriesen von &#8220;Rom&#8221;: Die Reformation wurde in Nordfriesland schon bald nach Luthers Auftreten in Wittenberg übernommen. Schon von 1525 an verkündeten Dietrich Becker und Hermann Tast in Husum das neue Gedankengut: Nordfriesland wurde evangelisch-lutherisch.<br />
Da man in den norddeutschen Küstenlandstrichen traditionell zur Rebellion gegen unerwünschte Obrigkeiten neigte, und da sie eine frühe Hochburg der Reformation waren, braucht eine symbolische Papstverbrennung, wenn es denn eine ist, nicht zwangsläufig heidnisch zu sein. Da die katholische Kirche am 22. Februar die Vorrangstellung des Papstes feiert, könnte der Brauch, das Petermännchen im Biikefeuer zu verbrennen, auch auf die Reformationszeit zurückgehen.</p>
<p>Auf den dänischen Wattenmeerinseln und in Jütland ist das Biikebrennen als Pers Awten (jütisch für Peters Abend) bekannt.</p>
<p>Einer Sylter Legende nach (die allerdings auch vermutlich erst im 19. Jahrhundert aufkam) diente das Biikebrennen auch als Zeichen für die Männer auf dem Festland, dass die Frauen nun wieder allein waren und Hilfe bei der Arbeit auf den Höfen und &#8220;anderen Dingen&#8221; benötigten. Historisch ist das äußerst unwahrscheinlich, denn es fuhr selbst in den Hochzeiten des Walfanges und der Segelschifffahrt nicht der Großteil der männlichen Bevölkerung zur See.<br />
Bis auf Offiziere, Unteroffiziere und Handwerker (z. B. Schiffszimmermann, Schmied, Segelmacher, Koch, aber auch Wundarzt), die auch älter sein konnten, fuhren auf Segelschiffen fast nur junge Männer zwischen 16 und höchstens Anfang 30. Die Arbeit in der Takelage eines Großseglers ist gefährlich, langsame Reflexe oder steife Gelenke können tödlich sein. Um die 30 wurde ein normaler Seemann an Land sesshaft oder wechselte zumindest in die küstennahe Kleinschifffahrt. Meistens heirateten die ehemaligen Seeleute auch erst in diesem Alter. </p>
<p>Auf Sylt hält heute vor dem Entzünden der Biike der Pastor oder der Bürgermeister eine Ansprache auf Sylter Friesisch. Sie endet traditionell mit den Worten &#8220;maaki di biiki ön!&#8221; (&#8220;Macht die Biike an!&#8221;). </p>
<p>Heute ist Biikebrennen auch, aber zum Glück nicht nur, eine Touristenattraktion. Das Biikebrennen ist in Nordfriesland ein Volksfest, das von den Einwohner der Gemeinde gemeinsam organisiert und von der örtlichen freiwilligen Feuerwehr betreut wird, wie andernorts das Osterfeuer.<br />
Zum Biikebrennen wird traditionell Grünkohl mit Kasseler und Schweinebacke gegessen, auch die örtliche Gastronomie bietet dieses deftige Gericht an. Das typische Getränk am Biikefeuer ist in den meisten Orten Teepunsch.<br />
Aus dem Erlös des Getränkeverkaufs werden in manchen Orten notwendige öffentliche Maßnahmen finanziert.</p>
<p>Es werden dieses Jahr wieder rund 80 Feuer zwischen Sylt und St. Peter Ording entzündet werden. </p>
<p><a href="http://www.nordseetourismus.de/download.php?artid={5d1bf079-6893-44b2-b4e4-ea88b25e395d}" Target="_blank">Biiekebrennen 2011 &#8211; Übersicht über Veranstaltungen (pdf)</a> (von Nordseetourismus.de)</p>
<p><a href="http://www.sylt-tv.com/biikebrennen-sylt-50919.html" target="_blank">Biikebrennen auf Sylt 2011</a></p>
<p><a href="http://www.st.peter-ording-nordsee.de/biikebrennen.html" target="_blank">Biikebrennen in St. Peter-Ording</a></p>
<p><a href="http://www.amrum.de/en/news/events/veranstaltungs-kalender/?tx_xmlimporter_pi1[showUid]=5&#038;cHash=33b45f573f9c5bf05c9708cc30e2137d" target="_blank">Biikebrennen auf Amrum</a></p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><b>An den Stränden Nordfrieslands findet am 21. Februar, einen Monat vor der Tag- und Nachtgleiche, das Biikebrennen statt.</b><br />
<span id="more-3761"></span></p>
<p>Es gibt viele Volksbräuche, von denen behauptet wird, sie gingen bis auf &#8220;heidnische Zeiten&#8221; zurück. Ob das wirklich stimmt, ist in vielen Fällen fraglich. Zu viele &#8220;uralte Bräuche&#8221; lassen sich nämlich nur bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, sind also mutmaßlich neu geschaffen. Bei älteren Bräuchen lasst sich beim beim besten Willen nicht mehr sagen, was denn christlich, was nicht-christliches Brauchtum, und was wiederum davon, wenn überhaupt, vorchristlich ist. Die ältere Volkskunde neigte in Deutschland bekanntlich dazu, alles, was irgendwie altüberliefert war, für &#8220;germanisch&#8221; zu halten &#8211; obwohl zwischen &#8220;den heidnischen Germanen&#8221; und &#8220;den Deutschen&#8221; Jahrhunderte lagen. Daher ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn ein Volksbrauch &#8220;germanisch&#8221; (regional gern auch &#8220;keltisch&#8221;, eher selten genommen: &#8220;slawisch&#8221;) sein soll.</p>
<p>Es gibt auch das andere Extrem, und dieses Extrem sind (meist kirchliche oder kirchennahe) Experten und &#8220;Experten&#8221;, die bestreiten, dass unter den  Karnevals- bzw. Faschings- bzw. Fastnachts-Bräuchen auch solche sind, die überhaupt nichts mit dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit zu tun haben, sondern jahreszeitliches Brauchtum, vulgo &#8220;Winteraustreiben&#8221; genannt, sind. Fällt gar das Wort &#8220;heidnisch&#8221;, greifen sie innerlich zum Weihwasserspritzer. Nun ist Karneval / Fastnacht tatsächlich eine Melange, aus der sich beim bestem Willen die einzelnen Bestandteile nicht mehr ausfiltern lassen.</p>
<p>Beim friesischen Biikebrennen ist es hingegen weitgehend unstrittig, dass es zumindest teilweise heidnischen Ursprungs ist.<br />
<a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343"><img src="http://u1.ipernity.com/17/13/19/9931319.9a1d51fc.500.jpg" width="500" height="333" alt="107343 R K B by Hans-Peter-Dehn pixelio.de" border="0"/></a><br />
Foto: <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=107343" tatget="_blank">© Hans Peter Dehn / pixelio.de</a><br />
Das friesische Wort &#8220;Biike&#8221; bedeutet im allgemeine (&#8220;See-)Zeichen&#8221; (plattdeutsch &#8220;Bake&#8221; oder &#8220;Beeke&#8221;), hier in der besonderen Bedeutung &#8220;Feuerzeichen&#8221;.<br />
Die Feuer gelten als Opferfeuer zum Abschluss der Winterfeste. Ackerbau und Seefahrt ruhten im Winter notgedrungen, es gab also mehr &#8220;freie Zeit&#8221;, als den Bauern, Schippern und Fischern lieb gewesen sein dürfte. In den  Hansestädten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ruhte die Schifffahrt zwischen Martini (11. November) und Petri Stuhlfeier (&#8220;Peterstag&#8221;) (22. Februar). Die vielen Friesen, die auf hansischen Schiffen fuhren, waren also in dieser Zeit &#8220;saisonal arbeitslos&#8221;.<br />
Die Winterfeste (in etwa ein &#8220;bäuerliches Friesen-Fasching&#8221;) darf man sich nicht zu idyllisch vorstellen, sondern eher gemäß dem Prinzip &#8220;saure Zeiten, frohe Feste&#8221;. Es wird ziemlich deftig und alkoholseelig abgegangen sein, und die Menschen werden froh gewesen sein, wenn sie genug zum Essen hatten.<br />
Bis im Jahr 1867 (!) die preußische Gerichtsbarkeit das Laiengericht der Ratsmänner aufhob, war der 21. Februar in Nordfriesland Thingtag (Gerichtstag).<br />
Das Biikefest wurde dennoch örtlich an verschiedenen Tagen gefeiert,  jedoch stets vor Beginn der Fastenzeit, weshalb es auch als Fastnachtsbrauch gilt. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts findet es überall in Nordfriesland einheitlich am 21. Februar statt.</p>
<p>Ob tatsächlich, wie die ältere Volkskunde behauptet, Wodan, als Herrscher über Krieg und Sturm, durch die Opferfeuer milde gestimmt werden sollte, ist nicht gesichert.<br />
Immerhin plausibel ist ein Opfer zum Schutz der jungen Saat.</p>
<p>Dass das Biikebrennens in historischer Zeit ein Abschiedsfest für die Männer war, die als Walfänger zur See fuhren, ist zwar nicht falsch, aber die romantische Vorstellung von am Strand um die Biike versammelten Frauen, die den abfahrenden Schiffe nachwunken, ist eine Legende des 19. Jahrhunderts. Der Keitumer Chronist Henning Rinken berichtete, das vor 1760 sich alljährlich am 22. Februar in Keitum auf Sylt die Seeleute versammelten, um ihre Abfahrt zu den Walfanghäfen zu besprechen, und Heuerverträge für die kommende Fangsaison abzuschließen. Sie werden sicherlich auch Abschied gefeiert haben &#8211; schließlich waren sie oft monatelang fort. Aber die ziemlich großen Walfangschiffe hätten schwerlich direkt von den Inseln und kleinen Küstenorten aus in See gehen können, und mieden wegen ihres Tiefgangs auch die friesischen Inseln mit ihren tückischen Sandbänken und erst recht die Wattensee, weshalb die Männer auf den ausfahrenden Schiffen die brennenden Biiken am heimatlichen Strand gar nicht hätten sehen können.<br />
Die Männer fuhren auf kleinen Küstenseglern oder über Land erst zu den großen Hafenstädten Norddeutschlands und der Niederlande, und zwar sicher nicht alle auf einmal. Außerdem waren Ende Februar oft noch die Häfen zugefroren.<br />
Gartenzäune und -Tore aus Walknochen künden übrigens noch heute auf den friesischen Inseln davon, wie wichtig der Walfang war.</p>
<p>Biiken hatten aber auch einen praktischen Zweck, denn die Feuer dienten  den Küstenschiffern und Fischern als Orientierungspunkte. Das hat aber mit dem besonderen Brauch des Biikebrennens nicht viel zu tun.</p>
<p>Das Feuer brannte, wie aus dem 18. Jahrhundert überliefert ist, früher an bakenähnlichen Stangen. Noch im 19. Jahrhundert wird die Biike als brennende, mit Teer und Stroh gefüllte Tonne auf einer Stange beschrieben. Die heute üblichen großen Feuerstöße sind wahrscheinlich erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Erst seit dieser Zeit sind auch Weihnachtsbäume üblich, die heute einen wesentlichen Anteil des Biikematerials bilden.</p>
<p>In einige Dörfern wird im Biike-Feuer eine Strohpuppe verbrannt, die &#8220;Petermännchen&#8221; genannt wird und vielleicht den Winter symbolisiert. Fälschlich wird der Peterstag (nordfriesisch &#8220;piddersdai&#8221;) mit Petrus &#8211; immerhin Schutzpatron der Fischer &#8211; in Verbindung gebracht. Tatsächlich feiert die katholische Kirche das Fest &#8220;Kathedra Petri&#8221;, also den Stuhl des Papstes, bzw. die Vorrangstellung des Petrus-Amtes, was das Lehramt betrifft. Dass dieser Feiertag in Norddeutschland recht wichtig wurde, und es auch über die Reformation hinaus blieb, dürfte rein kalendarische Gründe haben &#8211; es gibt ja auch keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Martinstag und dem Ende der Seefahrtssaison. Die in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biikebrennen" target="_blank">Wikipedia</a> genannte Ansicht, das Petermännchen hätte nichts mit dem Heiligen Petrus, sondern mit dem Papst (also dem Petrus-Amt) und dem damit verbundenen christlichen Glauben zu tun, der abgelehnt wurde, ist aber meines Wissens ungesichtert.<br />
Es stimmt, dass die christliche Missionare es bei den Friesen nicht leicht hatten &#8211; etliche Missionare, allen voran Bonifatius, verdanken ihren Märtyrer-Status friesischen Streitäxten &#8211; und es stimmt auch, dass sich manches eindeutig heidnische Brauchtum dort bis in die Gegenwart gehalten hat. Nach Nordfriesland gelangte das Christentum ziemlich spät. Erst um 1100 wurden hier die ersten Kirchen gebaut &#8211; gut 300 Jahre nach der Christianisierung Sachsens (&#8220;Altsachsens&#8221;, also heutiges Niedersachsen und Westfalen nebst dem Westen Holsteins) und gut 100 Jahre nach der offiziellen Christianisierung Islands. Noch in einem Papst-Brief von 1198 werden die nordfriesischen Utlande als &#8220;neue Pflanzstätte des Glaubens&#8221; bezeichnet.<br />
Umso schneller lösten sich die Nordfriesen von &#8220;Rom&#8221;: Die Reformation wurde in Nordfriesland schon bald nach Luthers Auftreten in Wittenberg übernommen. Schon von 1525 an verkündeten Dietrich Becker und Hermann Tast in Husum das neue Gedankengut: Nordfriesland wurde evangelisch-lutherisch.<br />
Da man in den norddeutschen Küstenlandstrichen traditionell zur Rebellion gegen unerwünschte Obrigkeiten neigte, und da sie eine frühe Hochburg der Reformation waren, braucht eine symbolische Papstverbrennung, wenn es denn eine ist, nicht zwangsläufig heidnisch zu sein. Da die katholische Kirche am 22. Februar die Vorrangstellung des Papstes feiert, könnte der Brauch, das Petermännchen im Biikefeuer zu verbrennen, auch auf die Reformationszeit zurückgehen.</p>
<p>Auf den dänischen Wattenmeerinseln und in Jütland ist das Biikebrennen als Pers Awten (jütisch für Peters Abend) bekannt.</p>
<p>Einer Sylter Legende nach (die allerdings auch vermutlich erst im 19. Jahrhundert aufkam) diente das Biikebrennen auch als Zeichen für die Männer auf dem Festland, dass die Frauen nun wieder allein waren und Hilfe bei der Arbeit auf den Höfen und &#8220;anderen Dingen&#8221; benötigten. Historisch ist das äußerst unwahrscheinlich, denn es fuhr selbst in den Hochzeiten des Walfanges und der Segelschifffahrt nicht der Großteil der männlichen Bevölkerung zur See.<br />
Bis auf Offiziere, Unteroffiziere und Handwerker (z. B. Schiffszimmermann, Schmied, Segelmacher, Koch, aber auch Wundarzt), die auch älter sein konnten, fuhren auf Segelschiffen fast nur junge Männer zwischen 16 und höchstens Anfang 30. Die Arbeit in der Takelage eines Großseglers ist gefährlich, langsame Reflexe oder steife Gelenke können tödlich sein. Um die 30 wurde ein normaler Seemann an Land sesshaft oder wechselte zumindest in die küstennahe Kleinschifffahrt. Meistens heirateten die ehemaligen Seeleute auch erst in diesem Alter. </p>
<p>Auf Sylt hält heute vor dem Entzünden der Biike der Pastor oder der Bürgermeister eine Ansprache auf Sylter Friesisch. Sie endet traditionell mit den Worten &#8220;maaki di biiki ön!&#8221; (&#8220;Macht die Biike an!&#8221;). </p>
<p>Heute ist Biikebrennen auch, aber zum Glück nicht nur, eine Touristenattraktion. Das Biikebrennen ist in Nordfriesland ein Volksfest, das von den Einwohner der Gemeinde gemeinsam organisiert und von der örtlichen freiwilligen Feuerwehr betreut wird, wie andernorts das Osterfeuer.<br />
Zum Biikebrennen wird traditionell Grünkohl mit Kasseler und Schweinebacke gegessen, auch die örtliche Gastronomie bietet dieses deftige Gericht an. Das typische Getränk am Biikefeuer ist in den meisten Orten Teepunsch.<br />
Aus dem Erlös des Getränkeverkaufs werden in manchen Orten notwendige öffentliche Maßnahmen finanziert.</p>
<p>Es werden dieses Jahr wieder rund 80 Feuer zwischen Sylt und St. Peter Ording entzündet werden. </p>
<p><a href="http://www.nordseetourismus.de/download.php?artid={5d1bf079-6893-44b2-b4e4-ea88b25e395d}" Target="_blank">Biiekebrennen 2011 &#8211; Übersicht über Veranstaltungen (pdf)</a> (von Nordseetourismus.de)</p>
<p><a href="http://www.sylt-tv.com/biikebrennen-sylt-50919.html" target="_blank">Biikebrennen auf Sylt 2011</a></p>
<p><a href="http://www.st.peter-ording-nordsee.de/biikebrennen.html" target="_blank">Biikebrennen in St. Peter-Ording</a></p>
<p><a href="http://www.amrum.de/en/news/events/veranstaltungs-kalender/?tx_xmlimporter_pi1[showUid]=5&#038;cHash=33b45f573f9c5bf05c9708cc30e2137d" target="_blank">Biikebrennen auf Amrum</a></p>
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		<item>
		<title>Der Julleuchter &#8211; eine erfundene &#8220;Tradition&#8221;</title>
		<link>http://www.nornirsaett.de/der-julleuchter-eine-erfundene-tradition/</link>
		<comments>http://www.nornirsaett.de/der-julleuchter-eine-erfundene-tradition/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Dec 2010 14:32:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MartinM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Odins Auge Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Ætt Feature]]></category>
		<category><![CDATA["Geweihte Nächte"]]></category>
		<category><![CDATA[Ahnenerbe]]></category>
		<category><![CDATA[Arun-Verlag]]></category>
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		<category><![CDATA[Julleuchter]]></category>
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		<category><![CDATA[rechtsextrem]]></category>
		<category><![CDATA[SS]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nornirsaett.de/?p=3616</guid>
		<description><![CDATA[<p>Es gibt &#8220;alte Bräuche&#8221;, die beim näheren Hinsehen gar nicht so alt sind.<br />
Der (angeblich) germanische Julleuchter  ist (angeblich) ein vorchristlicher, nordischer Kultgegenstand, der (angeblich) die Sonnenwende  symbolisiert.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Julleuchter.jpg" rel="lightbox[3616]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Julleuchter.jpg" alt="Julleuchter" title="Julleuchter" width="156" height="220" class="aligncenter size-full wp-image-3620" /></a><br />
Um diesen Kultgegenstand angeblich germanischer Herkunft rankt sich angeblich traditionelles Brauchtum:<span id="more-3616"></span></p>
<blockquote><p><b>Der Julleuchter</b><br />
Während der Abende bis zum 21. Dezember symbolisiert das spärliche Licht der Kerze im Inneren des Julleuchters das scheidende Jahr, die sterbende Sonne, die dunkle Zeit. Zur Sonnenwende wird die Kerze hervorgeholt und auf die Spitze des Leuchters gesetzt. Im Anschluss daran können der Weihnachtsbaum sowie alle vier Kerzen des Adventskranzes entzündet werden &#8211; das neue Licht ist geboren und füllt den Raum ganz aus. Später am Abend sollte die Kerze des Julleuchters durch eine neue ersetzt werden, damit der Leuchter die gesamte Nacht brennen und am nächsten Morgen gemeinsam mit der aufgehenden Sonne den Anbruch des neuen &#8211; längeren -Tages erleben kann.<br />
Das allabendliche Entzünden des Julleuchters in der Vorweihnachtszeit ist ein gleichermaßen einfaches und schönes Ritual für die ganze Familie zu Hause, auch die Kleinsten haben viel Freude daran. Größere Vorbereitungen sind genauso wenig nötig wie der Einsatz spezieller Hilfsmittel &#8211; mit Ausnahme des Julleuchters eben. Er besteht in der Regel aus gebranntem Ton und ist mit verschiedenen Sonnensymbolen verziert. Handgefertigt entfaltet jeder Leuchter sein eigenes Schattenspiel.<br />
Das Julleuchter-Ritual ähnelt in Ausführung und Symbolik bezüglich der Erwartung des neuen Lichts der Adventskranz-Tradition, birgt aber auch Reste kultischer Feuererneuerung &#8211; das Julfeuer im Kleinen &#8211; in sich.</p></blockquote>
<p>Aus: &#8220;Die geweihten Nächte&#8221;, Arun-Verlag,<br />
5. Überarbeitete und ergänzte Auflage, 2005<br />
In den älteren Auflagen des zitierten Buches fehlte jeder Hinweis auf die  Bedeutung des Julleuchters für die SS, ab der 5. Auflage wurde, nach hartnäckiger Kritik, ein entsprechender Absatz eingefügt. Obwohl nun die unangenehme Nazi-Vergangenheit des Julleuchters nicht mehr verschwiegen wird, heißt es in der bearbeiteten Neuauflage:</p>
<blockquote><p>Somit ist klar, dass der Julleuchter altehrwürdiges heidnisches Bauernerbe darstellt, das von den Nationalsozialisten lediglich übernommen wurde.</p></blockquote>
<p>Somit stellen sich die Fragen:
<ul>
<li>Ist der Julleuchter wirklich &#8220;heidnisches Bauernerbe&#8221;?</li>
<p>und
<li>Haben die Nazis dieses &#8220;alte Erbe&#8221; lediglich übernommen?</li>
</ul>
<p>Es dürfte nur wenigen Neuheiden egal sein, ob ein Brauch authentisch ist oder  falls er erfunden ist, von wem er zu welchen Zweck er erfunden wurde.</p>
<h3>Der Julleuchter &#8211; heidnisches Erbe?</h3>
<p>Das Vorbild für den Julleuchter wurde 1888 im schwedischen Magazin &#8220;Runa&#8221; erwähnt. Dabei wurde ein Original beschrieben, das aus dem 16. Jh. (nach anderen Angaben: 18. Jh.) aus der Gegend von Halland stammt und heute im Nordischen Museum in Stockholm ausgestellt ist.<br />
Ein ähnlicher Leuchter findet sich laut  &#8220;Geweihte Nächte&#8221; im Freilichtmuseum Skansen. </p>
<p>Diese &#8220;Julleuchter&#8221; &#8211; vielleicht sollte man sie besser &#8220;Turmleuchter&#8221; nennen &#8211; stammen aus der frühen Neuzeit, also einer Zeit gut 500 Jahre nach der Christianisierung. Da im frühen Mittelalter im Norden Kerzen kaum verwendet wurden, könnte ein Leuchter dieser Machart auch gar nicht wesentlich alter sein. Auch im 16. Jahrhundert waren Wachkerzen noch Luxusgegenstände, die praktisch nur in Kirchen verwendet wurden. Die billigeren Talg- oder Unschlitt-Kerzen wären für diesen &#8220;2-stöckigen&#8221; Leuchter nicht zu gebrauchen gewesen, denn sie rußten stark und ihr Docht musste regelmäßig &#8220;geschneuzt&#8221; (gekürzt) werden.<br />
Die Turmleuchter stammen also wahrscheinlich aus wohlhabenden Haushalten, und vermutlich wurden sie  nur zu festlichen Anlässen gebraucht, also vielleicht zur Weihnachtszeit. Da Weihnachten im Schwedischen &#8220;Jul&#8221; heißt, ist die Bezeichnung &#8220;Julleuchter&#8221; vielleicht sogar gerechtfertigt, allerdings ohne den geringsten Hinweis auf eine heidnische Tradition.<br />
Fraglich ist, ob der &#8220;Stern&#8221; im unteren Fenster tatsächlich, wie behauptet, eine &#8220;Hagal&#8221;-Rune ist. Dazu ist das Ornament als Schmuckelement einfach zu beliebig &#8211; wie das darüber liegende Herz. Andere vorchristliche Symbolik ist an dem Leuchter nicht zu erkennen.<br />
Auch die &#8220;Geweihten Nächte&#8221; räumen ein, dass es keine gesicherten Angaben darüber gibt, inwieweit das beschriebene Licht-Ritual ebenfalls auf altes schwedisches Erbe zurückgeht.<br />
Der Leuchter ist also ländliches Kunsthandwerk aus dem frühneuzeitlichen Schweden, mehr nicht. </p>
<h3>Haben die Nazis dieses &#8220;alte Erbe&#8221; lediglich übernommen?</h3>
<p>Diese Frage ist im Grunde schon beantwortet: allzu viel &#8220;Erbe&#8221;, und sei es in Form schwedischen Brauchtums, ist mit dem Leuchter nicht verbunden.<br />
Die Verbindung zu den &#8220;alten Germanen&#8221; oder gar noch weiter in die Vergangenheit ist konstruiert &#8211; von den Nazis selbst oder von deutschen oder schwedischen Nationalromantikern vor ihnen. Das oben zitierte Julleuchter-Ritual kann nicht vor Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Denn vorher gab es den Adventskranz noch nicht! (Siehe: <a href="http://www.nornirsaett.de/24-populare-irrtumer-rund-ums-weihnachtsfest/">24 populäre Irrtümer rund ums Weihnachtsfest</a>.) Das zu &#8220;braunen Zeiten&#8221; auch der Adventskranz &#8220;germanisiert&#8221; und pseudoheidnisch umgedeutet wurde, sieht das so feierliche &#8220;alte&#8221; Ritual ganz nach einem &#8220;NS-Brauch&#8221; aus.</p>
<p>Mehr über die Geschichte des Julleuchters: <a href="http://www.nornirsaett.de/die-erfindung-einer-tradition/"><br />
Die Erfindung einer “Tradition”</a> </p>
<div style="display:block"><small><em>posted in <a href="http://www.nornirsaett.de/category/odins-auge-ariosophieprojekt/artikel/">Odins Auge Artikel</a> by MartinM <a href="http://www.nornirsaett.de/der-julleuchter-eine-erfundene-tradition/#comments">Leave A Comment</a><br />&copy;2012 <a href="http://www.nornirsaett.de">Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt</a>. All Rights Reserved.</em></small></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt &#8220;alte Bräuche&#8221;, die beim näheren Hinsehen gar nicht so alt sind.<br />
Der (angeblich) germanische Julleuchter  ist (angeblich) ein vorchristlicher, nordischer Kultgegenstand, der (angeblich) die Sonnenwende  symbolisiert.<br />
<a href="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Julleuchter.jpg" rel="lightbox[3616]"><img src="http://www.nornirsaett.de/wp-content/Julleuchter.jpg" alt="Julleuchter" title="Julleuchter" width="156" height="220" class="aligncenter size-full wp-image-3620" /></a><br />
Um diesen Kultgegenstand angeblich germanischer Herkunft rankt sich angeblich traditionelles Brauchtum:<span id="more-3616"></span></p>
<blockquote><p><b>Der Julleuchter</b><br />
Während der Abende bis zum 21. Dezember symbolisiert das spärliche Licht der Kerze im Inneren des Julleuchters das scheidende Jahr, die sterbende Sonne, die dunkle Zeit. Zur Sonnenwende wird die Kerze hervorgeholt und auf die Spitze des Leuchters gesetzt. Im Anschluss daran können der Weihnachtsbaum sowie alle vier Kerzen des Adventskranzes entzündet werden &#8211; das neue Licht ist geboren und füllt den Raum ganz aus. Später am Abend sollte die Kerze des Julleuchters durch eine neue ersetzt werden, damit der Leuchter die gesamte Nacht brennen und am nächsten Morgen gemeinsam mit der aufgehenden Sonne den Anbruch des neuen &#8211; längeren -Tages erleben kann.<br />
Das allabendliche Entzünden des Julleuchters in der Vorweihnachtszeit ist ein gleichermaßen einfaches und schönes Ritual für die ganze Familie zu Hause, auch die Kleinsten haben viel Freude daran. Größere Vorbereitungen sind genauso wenig nötig wie der Einsatz spezieller Hilfsmittel &#8211; mit Ausnahme des Julleuchters eben. Er besteht in der Regel aus gebranntem Ton und ist mit verschiedenen Sonnensymbolen verziert. Handgefertigt entfaltet jeder Leuchter sein eigenes Schattenspiel.<br />
Das Julleuchter-Ritual ähnelt in Ausführung und Symbolik bezüglich der Erwartung des neuen Lichts der Adventskranz-Tradition, birgt aber auch Reste kultischer Feuererneuerung &#8211; das Julfeuer im Kleinen &#8211; in sich.</p></blockquote>
<p>Aus: &#8220;Die geweihten Nächte&#8221;, Arun-Verlag,<br />
5. Überarbeitete und ergänzte Auflage, 2005<br />
In den älteren Auflagen des zitierten Buches fehlte jeder Hinweis auf die  Bedeutung des Julleuchters für die SS, ab der 5. Auflage wurde, nach hartnäckiger Kritik, ein entsprechender Absatz eingefügt. Obwohl nun die unangenehme Nazi-Vergangenheit des Julleuchters nicht mehr verschwiegen wird, heißt es in der bearbeiteten Neuauflage:</p>
<blockquote><p>Somit ist klar, dass der Julleuchter altehrwürdiges heidnisches Bauernerbe darstellt, das von den Nationalsozialisten lediglich übernommen wurde.</p></blockquote>
<p>Somit stellen sich die Fragen:
<ul>
<li>Ist der Julleuchter wirklich &#8220;heidnisches Bauernerbe&#8221;?</li>
<p>und
<li>Haben die Nazis dieses &#8220;alte Erbe&#8221; lediglich übernommen?</li>
</ul>
<p>Es dürfte nur wenigen Neuheiden egal sein, ob ein Brauch authentisch ist oder  falls er erfunden ist, von wem er zu welchen Zweck er erfunden wurde.</p>
<h3>Der Julleuchter &#8211; heidnisches Erbe?</h3>
<p>Das Vorbild für den Julleuchter wurde 1888 im schwedischen Magazin &#8220;Runa&#8221; erwähnt. Dabei wurde ein Original beschrieben, das aus dem 16. Jh. (nach anderen Angaben: 18. Jh.) aus der Gegend von Halland stammt und heute im Nordischen Museum in Stockholm ausgestellt ist.<br />
Ein ähnlicher Leuchter findet sich laut  &#8220;Geweihte Nächte&#8221; im Freilichtmuseum Skansen. </p>
<p>Diese &#8220;Julleuchter&#8221; &#8211; vielleicht sollte man sie besser &#8220;Turmleuchter&#8221; nennen &#8211; stammen aus der frühen Neuzeit, also einer Zeit gut 500 Jahre nach der Christianisierung. Da im frühen Mittelalter im Norden Kerzen kaum verwendet wurden, könnte ein Leuchter dieser Machart auch gar nicht wesentlich alter sein. Auch im 16. Jahrhundert waren Wachkerzen noch Luxusgegenstände, die praktisch nur in Kirchen verwendet wurden. Die billigeren Talg- oder Unschlitt-Kerzen wären für diesen &#8220;2-stöckigen&#8221; Leuchter nicht zu gebrauchen gewesen, denn sie rußten stark und ihr Docht musste regelmäßig &#8220;geschneuzt&#8221; (gekürzt) werden.<br />
Die Turmleuchter stammen also wahrscheinlich aus wohlhabenden Haushalten, und vermutlich wurden sie  nur zu festlichen Anlässen gebraucht, also vielleicht zur Weihnachtszeit. Da Weihnachten im Schwedischen &#8220;Jul&#8221; heißt, ist die Bezeichnung &#8220;Julleuchter&#8221; vielleicht sogar gerechtfertigt, allerdings ohne den geringsten Hinweis auf eine heidnische Tradition.<br />
Fraglich ist, ob der &#8220;Stern&#8221; im unteren Fenster tatsächlich, wie behauptet, eine &#8220;Hagal&#8221;-Rune ist. Dazu ist das Ornament als Schmuckelement einfach zu beliebig &#8211; wie das darüber liegende Herz. Andere vorchristliche Symbolik ist an dem Leuchter nicht zu erkennen.<br />
Auch die &#8220;Geweihten Nächte&#8221; räumen ein, dass es keine gesicherten Angaben darüber gibt, inwieweit das beschriebene Licht-Ritual ebenfalls auf altes schwedisches Erbe zurückgeht.<br />
Der Leuchter ist also ländliches Kunsthandwerk aus dem frühneuzeitlichen Schweden, mehr nicht. </p>
<h3>Haben die Nazis dieses &#8220;alte Erbe&#8221; lediglich übernommen?</h3>
<p>Diese Frage ist im Grunde schon beantwortet: allzu viel &#8220;Erbe&#8221;, und sei es in Form schwedischen Brauchtums, ist mit dem Leuchter nicht verbunden.<br />
Die Verbindung zu den &#8220;alten Germanen&#8221; oder gar noch weiter in die Vergangenheit ist konstruiert &#8211; von den Nazis selbst oder von deutschen oder schwedischen Nationalromantikern vor ihnen. Das oben zitierte Julleuchter-Ritual kann nicht vor Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Denn vorher gab es den Adventskranz noch nicht! (Siehe: <a href="http://www.nornirsaett.de/24-populare-irrtumer-rund-ums-weihnachtsfest/">24 populäre Irrtümer rund ums Weihnachtsfest</a>.) Das zu &#8220;braunen Zeiten&#8221; auch der Adventskranz &#8220;germanisiert&#8221; und pseudoheidnisch umgedeutet wurde, sieht das so feierliche &#8220;alte&#8221; Ritual ganz nach einem &#8220;NS-Brauch&#8221; aus.</p>
<p>Mehr über die Geschichte des Julleuchters: <a href="http://www.nornirsaett.de/die-erfindung-einer-tradition/"><br />
Die Erfindung einer “Tradition”</a> </p>
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