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Hallo ihr!
Ich bin auf der Suche an Infomationen über die im Betreff genannten Göttinnen. Vor allem Hertha interssiert mich da. Meine bisherigen Info zufolge sind Nerthus und Hertha dieselbe Göttin. Anderen Informationen nach sollen andere Namen Nerthus' auch Holle und Perchta sein. Hertha = Nerthus kann ich noch nachvollziehen. Nerthus = Holle, Perchta weniger.
Quellen wie asentr.eu, sungaya und heilige-quellen kenne ich schon. Hat noch jemand hier Info oder Links für mich?
Danke schon mal!
Es grüßt die Lethra
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Hallo Lethra,
so ganz einfach ist Deine Frage nicht zu beantworten, jedenfalls von der historischen Quellenlage her. Ein großes Problem ist, dass es ja nie "die Germanen" und schon gar nicht "die germanische Religion" gegeben hat, sondern dass wir über einen Raum, der halb Europa umfasst, über unzählige Stämme, Völker und Traditionen, und über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderte reden, wenn wir uns mit "den Germanen" befassen. Dass heißt, dass z. B. die von Tacitus für das heutige Nordwestdeutschland beschriebene Göttin Nerthus lässt sich nicht ohne weiteres in die altisländische Mythologie, die gut 1000 Jahre später niedergeschrieben wurde, "einpassen". Nehme als Beispiel die Frau Holle. In zahlreichen Mythen und Sagen ist sie überliefert. Ohne Zweifel ist sie eine alte Mythengestalt, und sehr wahrscheinlich eine vorchristliche Göttin. So weit, so gut. Es fehlt aber die direkte Verbindung zu dem, was über die germanische Mythologie sicher bekannt ist, womit Raum für Spekulation bleibt.
Nach der Ansicht vieler MythenforscherInnen aus der eher feministische Richtung beruhen die Mythen der Frau Holle auf einer matriarchalischen "Großen Muttergöttin", die schon zur Jungsteinzeit verehrt wurde. Die Germanistin Erika Timm ist hingegen der Ansicht, dass der Name "Holle" (in etwa: die Huldvolle) ursprünglich ein Beiname der germanischen Göttin Frigg war. Nach dem gleichen Muster hätte sich die im süddeutschen und alpenländischen Raum bekannte Perchta (etwa: die Glänzende) aus einem anderen Beinamen von Frigg entwickelt. Dafür spricht, dass in einigen Gebieten die gut umrissenen Gestalt der Frau Holle bzw. Frau Perchte Frau Fricke genannt wird. "Frau Holle" könnte auch die germanische Totengöttin Hel sein. Jedenfalls trägt sie alle Züge einer Erd- und Unterweltsgöttin, und dass "Frau Holle" über die Schätze des Erdinnern herrscht und in den Rauhnächte mit der Wilden Jagd umzieht, spricht m. E. sehr für diese Deutung.
Für einen Überblick auf modernem historischen und religionwissenschaftlichem Forschungsstand empfehle ich Dir: Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Kröner, Stuttgart, überarbeitete Neuauflage 2006, ISBN 3-520-36802-1
Aber bitte das Mitdenken nicht vergessen, Simek ist zwar eine Autorität auf diesem Gebiet, aber gerade was die Frage nach Nerthus, die er mit der Sphäre des Häuslichen und diese wieder mit Holle und Perchta verknüpft, gibt es durchaus fundierte andere Ansichten.
"Hertha" ist ein Problem, und damit meine ich nicht die Berliner Fußballmannschaft. Sie kommt in westslawischen Sagen und Märchen vor, vor allem auf der Insel Rügen. Ihre Interpretation als "germanische Göttin" und Gleichsetzung mit "Nerthus" stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Tut mir Leid, dass ich Deine Frage nicht wirklich beantworten konnte.
Liebe Grüße, Martin
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 23.02.2009, 20:21 von MartinM.
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.........ich finde, schon mal eine sehr gute antwort . präziser geht´s ja kaum. wenn man noch nur so als beispiel bedenkt, dass rügen um die zeitenwende vom ostgermanischen stamm der rugier besiedelt war, die im zuge der völkerwanderung zum großen teil - aber ja nicht alle - die insel verließen und die nachrückenden dann die slawischen rujaner (ranen) waren, die nun aber wieder ein paar hundert jahre später im zuge der nunmehr aus missionsgründen geförderten gegenbesiedlung christianisierter germanischen völker ab dem 9. jahrhundert verdrängt wurden, die natürlich auch ihre bräuche und vor allem erinnerungen an alte zeiten mitbrachten....................dann ist es fast unmöglich, ganz genaue, exakte namenszuordnungen zu bekommen.
liebe grüße carola
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Guten Abend,
MartinM hat folgendes geschrieben: "Hertha" ist ein Problem, und damit meine ich nicht die Berliner Fußballmannschaft.  Sie kommt in westslawischen Sagen und Märchen vor, vor allem auf der Insel Rügen. Ihre Interpretation als "germanische Göttin" und Gleichsetzung mit "Nerthus" stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Man hat auch versucht, "Hertha" über den am Runenkästchen von Auzon vorkommenden Namen (weiblich oder männlich - auch nicht sicher) "Erta" herbei zu konstruieren, weils halt so ähnlich geschrieben wird. Eine Gleichsetzung mit Hel wurde auch man in Betracht gezogen, aber beide Versuche blieben ohne haltbare Beweise, was ja öfters mal der Fall ist
Liebe Grüße, Brigh
Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen. (A. de Saint Exupéry)
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Vielen Dank für eure Antworten. Vor allem deine Martin. Ich las, dass der Name Hertha nur aus einem Übersetzungfehler entstand. Jetzt frag mich bitte nicht mehr wo. Da wurde aus den Runen statt Nerthus halt Hertha gelesen.
Es grüßt die Lethra
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Hei Lethra, ich vermute, dass damals halt die Mythen immer "im Fluss waren". Wie eigentlich alle Mythen nur, dass ohne Dogmen, ohne Autoritäten, ohne Instanzen und ohne Schrift die Mythen noch veränderlicher sein dürften, als z. B. in christlichen spirituellen Ausrichtungen. Die vielen Strömungen die dabei entstanden und im kleinen Kreis weitergegeben werden dürften (Stamm, Sippe? - nach dem derzeitigen Forschungstand bezüglich individualistischer Totenweihen könnte man überlegen ob nicht vieleicht jeder seine persönliche Mythensmmlung bastelte. Bleibt aber Spekulation...), entwickelten sich nicht autark, sondern müssten wiederum von den vielen anderen Mythen-Strömen beeinflusst werden. Ob diese germanisch waren oder nicht, war vermutlich eine reine Kompatibilitätsfrage. Inwieweit also mythische Vorstellungen von Freyja - Frigg - Frija - Perchta - Holle - Hlodyn - Hel sich beeinflusst haben, weiß ich zwar nicht, aber ich spekuliere, dass da Elemente hin und her wechselten - ohne dass sich deshalb auch die Göttinnen mischen mussten. Zum Beispiel spekuliere ich, dass Frija/Perchta/Holle als sie Frigg wurde gewisse Totengöttinen-Aspekte an Freyja, Hlodyn und Hel "abgab". Aber selbst nach der Edda gab sie nicht alle ab. Freyja die vielleicht ihr Pendant in der altdeutschen Volla haben könnte, kann ich mir in eddischer Hinsicht auch viel besser als Odins Beleiterin bei der Wilden Jagd vorstellen, da sie ja wie Odin Gefallene einheimst. Eine eventuelle Unterweltsgöttin a la Fr. Holle würde als Odins Frau auch besser "passen". Wie gesagt vemute ich, dass Frija als sie Frigg wurde viele Toten-, Fruchtbarkeits- und Liebesgöttinenaspekte abgab - aber eben nicht überall sondern in einigen Strömungen die andere Ströme beeinflussten, die wieder andere beeinflussten, die wieder andere beeinflussten... . Nochmal: Das alles ist nur Spekulation!!!!!!! Sie dient meiner persönlichen spirituellen Interpretation. Wenn ich diese Spekulationen untermauern könnte, würde ich n Buch drüber schreiben... Fruchtbarkeitsgöttinnen lassen sich wohl nie ganz von "Mutter Erde" trennen. Nerthus ist für mich eben jene, also in eddischer Entsprechung Jörd. Jörd ist für mich die Schwester Njörds und beide die Eltern von Freyr und Freyja...usw. usw. usw. Grüße, Jari
Außerhalb Midgards leben nur Tiere und Götter.
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Hel ist keine Erdgöttin, weder im Sinne von Fruchtbarkeit, großer Göttin, etc. noch im Wortsinne. Die Unterwelt ist nicht identisch mit dieser Welt (Midgard).
Ob die Bezeichnung Göttin zutreffend ist, kann man auch diskutieren.
Hel ist die Hausherrin von/das personifizierte Helheim. Das Reich der Toten, der Wohnort der Vorfahren, die "Unterwelt" (oder zumindest ein gewichtiger Teil davon), in gewissem Sinne das Unterbewußtsein, Übergänge und verborgene Schätze, deren Heben schwierig, aber möglicherweise heilsam sein kann.
Frau Holle aus dem Märchen ist eher nicht identisch mit Hel, einige (Leute die einigermaßen Ahnung bzw. Erfahrung haben) sehen sie eher in der Nähe von Frigg, allerdings auch nicht identisch. Sicher gibt es Elemente aus der Frau Holle-Story, die man sowohl Hel als auch Frigg zuordnen könnte.
Das Springen in den Brunnen, um die verlorene Spindel zu finden, ist so Hel-mäßig wie nur irgendwas. Das könnte die Kurzform einer wahren Helfahrt sein. Eine gute Interpretation findet sich bei Ingrid Riedel: "Göttin Holle". Anderswo schrieb mal jemand, man könne die Spindel mit dem verlorenen Lebensmittelpunkt erklären. Die Spindelsuche ist definitiv sehr "Hel". Der Zweck, erstaunlicherweise, Heilung. Die meisten nehmen Hel nicht als Göttin der ("Seelen"-) Heilung wahr, aber ich habe mehrere übereinstimmende Berichte gehört, die gerade diesen Aspekt von Hel hervorheben. Helheim als das Unterbewußtsein, die Reise dorthin als Heilung, bzw. letzten Endes Therapie. Hel ist die Göttin der Psychotherapie (aber nicht der Medizin!). Gemeint ist nur innere Heilung.
Die Spindel erinnert an die Nornen, und enthält sozusagen den persönlichen Schicksalsfaden. Die Nornen wohnen am Urdbrunnen, einer der drei Quellen der Unterwelt, unter einer der drei Wurzeln Yggdrasils. Ich behaupte, da die anderen Quellen definitiv nicht in Helheim liegen (wenn ich mich recht erinnere, liegt eine bei Mimir und die andere bei den Reifriesen), befindet sich der Urdbrunnen in Helheim. Rydberg bestätigt mich da (und identifiziert sogar Hel mit Urd). Außerdem sagt das meine persönliche Erfahrung. Schon mal überlegt, warum Hel teilweise weiß sein soll (wo ihre pöhse Mutter doch dreimal verbrannt wurde)? Es heißt, alles, was mit dem Wasser des Urdbrunnens in Verbindung kommt... richtig.
Damit ist Hel auch - eine - Göttin der persönlichen Wandlung und Veränderung, was oft mit der inneren Heilung einhergeht; die physische Reifung, Erwachsenwerden im körperlichen Sinne, Fruchtbarkeit etc. ist hier eher nicht gemeint. Man vergleiche die Geschichte vom häßlichen Entlein - Hel wurde aus Asgard verbannt aufgrund ihrer Abstammung; ihre pöhsen Eltern und Geschwister wurden über fast alle Welten (außer Asgard, hehe) verstreut. Das ist durchaus eine Art Trauma. Die Wandlung besteht in der Übernahme einer verantwortungsvollen Aufgabe (die Toten) und offenbar der Abkehr von den Tricksereien und dem Schadzauber ihrer berühmten Eltern (Gullveig, Loki). Dies wird symbolisiert durch die teilweise Weißwerdung, deren Ursache ist die Berührung mit dem Urdbrunnen (das Heiligste vom Heiligen, d.h. das Heil schlechthin). Das Finden der Spindel, sozusagen. Somit ist sie absolut qualifiziert, anderen dieselbe Heilung zu vermitteln. Sie ist auch die personifizierte Neutralität, oder Ausgewogenheit, wie Yin und Yang, in einer Welt, die ansonsten durch widerstreitende Prinzipien geprägt ist.
Die Nornen sind, um im Bild zu bleiben, Hels Pflegemütter bzw. "Schwestern".
Somit sind Nornen und Hel zumindest Nachbarn; Spindeln und ähnliches ist also genau das dortige Fachgebiet (wobei die Nornen ja eigentlich nicht unbedingt spinnen, ja, aber immerhin kennen sie sich mit Fäden aus, und zwar mit der nicht-profanen Sorte - OK?). Ob nun Hel oder Urd oder sonst eine Norne (viele Nornen sollen ja mehrere Jobs gehabt haben, es heißt, daß sie ganz unterschiedlicher Herkunft sind) die Spindel zurückgibt, ist ja wohl nebensächlich.
Freja hat einen Totengott-Aspekt, wie bekannt, nimmt sie ja die Hälfte der Einherjer bei sich auf (ich weiß allerdings nicht, ob die bei ihr auch so heißen). Somit ist sie eher die vanische Variante Odins, Göttin (unter anderem!) des Schlachtfeldes und der Walküren. Da mag es noch mehr geben, das entzieht sich aber im Moment meiner Erfahrung.
Die Aufgaben, bzw. deren Interpretation, und das Belohnen/Bestrafen (bzw. Nicht-Belohnen) scheinen mir eher Frigg-mäßig. Andere könnten dazu mehr sagen.
Identisch sind sie alle nicht.
The usual disclaimer: Nein, ich kann das alles nicht ordentlich belegen. Wer Fehler findet, darf sie behalten. Das ist keine Doktorarbeit, OK?
Lifthrasir
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Hoi Lifthrasir,
Zitat: The usual disclaimer: Nein, ich kann das alles nicht ordentlich belegen. Wer Fehler findet, darf sie behalten. Das ist keine Doktorarbeit, OK?
Nichts dagegen zu sagen; Aber dann könntest Du vielleicht etwas sparsamer mit einer Wortwahl sein, die Fakten impliziert - und sie eher im Sinne Deiner persönlichen Meinung formulieren... 
Grüße Kai
Mieleni minun tekevi, aivoni ajattelevi lähteäni laulamahan, saa'ani sanelemahan, sukuvirttä suoltamahan, lajivirttä laulamahan. Sanat suussani sulavat, puhe'et putoelevat, kielelleni kerkiävät. (Kalevala)
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OK, nächstesmal. Aber soll ich überall "Ich glaube, daß" davorschreiben? Ich dachte, das sei klar.
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Ahoi,
man kann variieren mit z.B. "meiner Meinung nach" oder "nach meinem Empfinden" - oder auch "so hab ich es erlebt" - oder wie auch immer...
Und...meinem Empfinden nach... kann gerade bei religiösen Dingen gar nicht klar genug zwischen sogenannten Fakten und persönlicher Meinung unterschieden werden - weil gerade im Bereich "Religion" (im weitesten Sinne) der kategorische Imperativ noch viel zu fest in den Köpfen verankert ist; Oder durchaus auch schlicht vorsätzlich genutzt wird, um eigene Positionen unnachprüfbar als "wahr" zu deklarieren.
That´s why 
Gruß Kai
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Hi Kai,
gerade der kantsche' kategorische Imperativ verlangt meiner Auffassung nach danach, Handlungen (und Aussagen) darauf zu prüfen, ob sie einer universalisierbaren Maxime folgen oder nicht. Insofern wäre es ein Verstoß gegen den kategorischen Imperativ, einfach persönliche Ansichten in Form von allgemein gültigen Tatsachen in den Raum zu stellen. 
Lifthrasir, Deine Interpretation finde ich plausibel - für heutige Asatru. Historisch gesehen hängt sie meines Erachtens arg in der dünnen Luft der Spekulation. Über den Charakter Hels wissen wir vor allem aus Quellen, die schon christlich beeinflusst waren, nur ist es im Nachhinein extrem schwierig, die christlichen Zutaten sozusagen herauszudestillieren. Die Vorstellung einer "Erdgöttin", einer chthonischen Göttin, entspricht einem Analogieschluss aus anderen Mythologien - z. B. von den vorchristlichen Griechen her - wobei die von den ollen Griechen chtonisch genannten Götter ein breites Spektrum abdeckten: sowohl Demeter, Hekate, Persephone, Hades, aber auch Dionysos trugen den Beinamen "chtonios". Eine chtonische Göttin oder eine chtonischer Gott ohne Fruchtbarkeitsaspekt ist schwer vorstellbar, auch Hades heißt auch Pluton, "Reichtum". Aber es ist nur eine plausible Annahme, diese Vorstellungen auf die nordgermanische Mythologie zu übertragen, mehr nicht.
Grüße, Martin
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
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Hallo.
Ihr habt recht; ich sollte genauer zwischen Primärquellen, deren Interpretation, und persönlicher Erfahrung (unverified personal gnosis) differenzieren. Ich werde mich in Zukunft mehr darum bemühen.
In den Grundzügen beruht mein obiges Posting auf den beiden Eddas, die darüberhinausgehende Interpretation stammt von Leuten wie Riedel und Rydberg, und von mir, und der letzte Schritt (ein zusammenhängender "Mythos") stammt von mir (bin aber nicht der erste, wie es scheint, siehe unten). Ich gebe zu bedenken, daß wesentliche Teile von anderen bestätigt wurden, so z.B. die Sache mit der inneren Heilung, und die Geschichte mit der Herkunft bzw. die "Allein-in-Niflheim" Story, bestätigt u.a. durch Raven Kaldera hier (Hel ist seine Fulltrui, Auszug aus "Jotunbok"):
http://www.northernshamanism.org/jotunbok/angrbodaschildren.html
Ich kannte den verlinkten Text nicht, als ich das Posting oben verfaßte. Ravens Neuerzählung der Geschichte stimmt zu 90% mit meiner persönlichen Erfahrung überein; einiges hätte ich vielleicht anders dargestellt, aber im Kern beschreibt er das Trauma, das die Zerschlagung der Familie bedeutete, ziemlich gut.
Es ist leider in der Tat so, daß man gerade in bezug auf Hel sehr wenig Material in den Quellen findet, und was man findet, muß man größtenteils in Frage stellen.
Martin, es ist durchaus so, daß ich versuche (als jemand, der definitiv von Hel gerufen wurde, und der sich gerade überlegt, einen Eid (!) abzulegen), etwas zu erarbeiten, was für das moderne Asatru taugt. Man könnte sogar sagen, verzweifelt. Meine UPG sagt überdeutlich, seit Jahren, daß da etwas ist, jemand, der Aufmerksamkeit möchte. Der Tenor im deutschen Asatru ist aber: "Du mußt das belegen". Halte ich mich aber an die Quellen, bekomme ich ein Rumpf-Asatru (die Odin-und-Thor-Show der Eddas), in dem Hel nur noch als Ortsname vorkommt. Die Situation ist prekär. Etwas drängt mit Macht an die Oberfläche, ohne daß es sich belegen läßt. Die Jotnar rufen die Ihrigen.
Ich bitte um Verständnis, daß größere Mengen an UPG erforderlich sind, um die Lücken zu schließen und die Beschreibung bei Snorri (die Schüssel namens Hungersnot...) im Endeffekt erklärbar zu machen (das geht, ich habe eine sehr passende Erklärung dafür, aber dieses Posting ist schon zu lang). Bitte habt Verständnis für meine/unsere Situation.
Ich kann guten Gewissens sagen, daß niemand das Ragnarök lostreten möchte, ich nicht und Hel auch nicht. Wir brauchen alle Götter, Jotnar, Vanir und Aesir.
Hel möchte wahrgenommen werden, und bitte ein Stück vom Kuchen. Niemand stellt irgendwelche Ansprüche. Niemand will Ärger machen. Ärger machen widerspricht durchaus dem Wesen Hels, wenn auch nicht immer dem der Jotnar.
Das wird hier jetzt langsam sehr OT, entschuldigt bitte.
Einen Fruchtbarkeitsaspekt bei Hel, oder sogar Angrboda, kann man sicherlich konstruieren, dadurch daß Tod und Leben eben zusammenhängen, und sich in einem Kreislauf befinden. Bei Angrboda kann man das eher anwenden, da sie etliche Kinder (oder sagen wir, Wölfchen, Schlangen etc.) hat, und einige davon möglicherweise ... nicht besonders ... friedlich sind. Das zyklische Weltbild eben. Aber die Menschen haben es geschafft, weitaus überzeugendere Fruchtbarkeitsgötter zu kreieren. Ich kann dazu nicht soviel sagen. Man ist dann auch schnell wieder bei Vorstellungen von der "Großen Göttin", die alles aus Ginnungagap gebiert, was eines Tages dorthin zurückkehrt. Das sagt mir persönlich kaum etwas.
Aus meiner Sicht ist die Übernahme der Totengottfunktion durch Hel (als Kind, übrigens, laut Quellen und übereinstimmender PG) ein Akt reiner Notwendigkeit, bzw. das Erkennen der Notwendigkeit, vielleicht Vorbestimmung, und auch Einfluß von außen (hrm hrm, Herr Odin, Leute "mit Speeren stoßen" ist gar nicht nett). Ein Akt der kindlichen Liebe, wenn man mit Raven geht, und der Loyalität - kommt Mami bald?! Er bringt es ganz gut auf den Punkt, in der ganzen Brutalität - allein in Niflheim. Wohlgemerkt, das ist alles PG. Aus meiner Sicht aber nachvollziehbar.
Fruchtbarkeit würde sich dann nur noch als abstraktes Prinzip (Kreislauf des Lebens) zeigen, Wiedergeburt wird ja im Asatru gemeinhin abgelehnt (...), und die Fruchtbarkeit wird hauptsächlich von den Vanir abgedeckt. Polytheismus halt.
Ich denke, daß es eine ganz interessante Verbindung zwischen Hel, Angrboda, und den Vanir gibt. Immerhin brach darüber ja der erste Krieg in der Welt aus. Rydberg ist nicht der einzige, der Angrboda mit Gullveig und Hyrrokin identifiziert. Das ist nun wirklich nicht besonders schwer... Rydberg ist problematisch, der größte Teil seiner Werke ist rassistisch, aber ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, speziell an den Stellen, wo er direkt die Eddas interpretiert.
Ich sage nicht, daß Hel Vanin ist, nur daß bei einer bestimmten Interpretation gewisse Verbindungen zwischen den Jotnar und den Vanir bestehen können, mal abgesehen von den Ehen zwischen Frey und Gerda, bzw. Njörd und Skadhi. Vanir und Jotnar haben wesentlich weniger Probleme miteinander als Aesir und Jotnar.
Aber Fruchtbarkeit und Hel, das geht für mich noch nicht so ganz zusammen. Glücklicherweise haben wir viele Götter. Die Herleitung von den Griechen ist auch problematisch, weil Jahrhunderte dazwischenliegen. Hel ist ein ziemlicher Neuankömmling. Ein Anliegen ist, sie aus der Rolle des heidnischen "Satan-Äquivalents" herauszukriegen.
Es wäre schön, wenn wir etwas mehr PG zulassen könnten, speziell an den Stellen, wo die Quellen sehr dünn werden (vielleicht auch aufgrund der christlichen Perspektive?!), und wenn wir einige Jotnar- bzw. Rökkr- Gottheiten aus der Schmuddelecke entlassen würden. Niemand sollte am Katzentisch sitzen müssen, auch nicht Fenrir. Das Gerede von Monstern (Snorra Edda) ist ein Ammenmärchen. Hel ist meine Fulltrui, wenn auch (noch) nicht formal besiegelt, und die Bezeichnung Monster möchte ich als üble Nachrede zurückweisen. Das gilt im erweiterten Sinne für die ganze Familie. Formwandeln ist kein Verbrechen, Magie auch nicht. Angst, vom Wolf gefressen zu werden? Das ist wohl kaum des Wolfes Schuld. Wegsperren bringt nichts - dann wird man erst recht gefressen. Man sollte heute in der Lage sein, auch Fenrir und Jormungand zu akzeptieren. Das gehört halt dazu. Ich muß niemanden lieben, der Fenrir opfert. Aber ich kann erkennen, daß es OK ist.
Denkt daran, daß die Quellen auch nicht viel zuverlässiger sind als PG, relativ zu dem, was damals vielleicht tatsächlich gelebt wurde ("damals" ist auch relativ, sogar sehr).
Ich hoffe, dies kommt nicht als Streitsuchen rüber, das liegt mir/uns wirklich fern.
Frith
Lifthrasir
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"Ich hoffe, dies kommt nicht als Streitsuchen rüber, das liegt mir/uns wirklich fern."
keine Sorge, kommts nicht, ich finde das ein sehr interessantes Gespräch, und solange "an der Sache" geführt wird und (wovon ich ausgehe und was ich an der bisherigen Diskussion auch erfrischend finde, da das heutzutage zu oft anders ist) nicht "ad hominem" argumentiert wird, was der Fall ist, sehe ich auch keinen Ansatz eines "Streites".
weitermachen
 HB
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 19.03.2009, 08:24 von Hellblazer.
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mal was von einem nichtasatru:
einen ähnlichen interpretationsknatsch gab es auch ehedem bezüglich der rollen von griechisch-römischen persephone/hades(thanatos) und proserpina/pluto(mors).
die gängie (heutige) interpretation ist die, das persephone/proserpina den fruchtbarkeitsaspekt darstellt, thanatos/mors den Tod (sensenmann halt, eheden saturn/kronos/chronos, wobei die letzteren beiden so gerne verwechselt werden.... ) und der hades (analog hel) mal als ort, mal als tod oder herrscher über das totenreich gesehen wird.
es gibt aber auch hadesdarstellungen mit korn. gerade in den griechischen randgebieten wurde hades/pluto gerne auch als fruchtbarkeitsgott angebetet, als ort/person, wo samen reifen. so schreibt heraklit über den dionysos:
Zitat: Denn wäre es nicht Dionysos, dem sie den Umzug machen und das Lied singen vom Phallos, sonst ist es ganz schamloses Treiben. Ein und derselbe aber sind Hades und Dionysos, dem sie toben und feiern.
soweit. tod und fruchtbarkeit sind sich oft näher, als man denkt. und die ultimate spassbremse hades ist die andere seite von dionysos.
vielleicht hilfts ja weiter.
Gnothi Seauton
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20.05.2009, 07:56 |
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Bei www.artedea.net findest zu den genannten Göttinnen recht viel. Dort scheint unter Nerthus auch Hertha auf. Alle anderen einfach unter dem Anfangsbuchstaben suchen. Schönen Tag noch Nammu
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