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Position: Home » Nornirs Ætt Foren » Nornirs Ætt Moor » Deutung von germanischen Vornamen
Thema: "Deutung von germanischen Vornamen" [ Seite 1 ]

Kein neuer Beitrag alura , 23.02.2010, 17:09 Beitrag #1   
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Hi.

Im Moment beschäftige ich mich etwas mit Ahnenforschung und habe mir auch mal so eine Seite mit alten Namen und deren angeblicher Bedeutung angeschaut:
http://www.spatha.de/namen.htm

Was mir sehr auffiel, ist die überwiegend sehr kriegerische Deutung von Namen. Kann das sein, dass sehr kritiklos die Deutungen aus dem 19. und frühen 20.Jahrhundert übernommen werden, die unter einem starken nationalistischem Einfluss entstanden? Mein persönlicher Eindruck ist, dass manche Namen übertrieben kriegerisch gedeutet werden.

Mir kommt es zum einen so vor, als ob die Übersetzung einiger Wörter mit falschen Bildern/Assoziationen gemacht werden. Zum Beispiel die Silbe -borg/-burg/-burga wird mit Schutz übersetzt.
Denkt aber mal an das Wort "geborgen" ! Da assoziiert man sicher keine Burg, sondern eine liebe Person, die uns im Arm hält. Aus der stahlgerüsteten Walküre wird auf einmal eine liebende Mutter.

Dann werden manche Silben sehr seltsam übertragen.
" Dietlind Die das Volk mit dem Schild Schützende"
"lind" heißt doch eigentlich mild, da kommt ja auch unser Lindenbaum mit seinem weichen Holz und seinen lindernden Blättern her.
Eine "die mild zum Volk ist" gefällt mir viel besser.

"Solveig Sonne und Kampf"
Muss dieses veig mit dem engl. fight verwandt sein? Kann es nicht auch genausogut von wic kommen. Das heißt lt. Grimm Heerlager und ist gar nicht so dramatisch, denn Heer ist = Volk und Lager ursprünglich ein Platz zum schlafen. Also ist ein Wik eine Siedlung so wie Winterswijk und Rekjavik und Rieseby und Söderby ...
Solveig ist dann ein Platz an der Sonne, ein Sonnenscheinchen, wie es alle Eltern lieben.
Schlecht für die Wikinger, die dadurch einfach von Seeräubern zu Dorfbewohnern würden ...

Die Germanisten werden sich jetzt die Haare raufen, aber was wäre so schlimm, wenn ich recht hätte ?

LG
Laura




Halt mit Müllern und mit Schmitten Friede, dann gibt's kein Ärger in der Frittenschmiede

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Kein neuer Beitrag MartinM , 23.02.2010, 20:17 Beitrag #2   
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Hi Laura,

ich habe mir die Namensseite mal angesehen - auch wenn ich kein Germanist bin, kommen mir einige Deutungen tatsächlich sehr an den Haaren herbeigezogen vor. Und die Vorliebe für "kriegerische" Deutungen ist tatsächlich unübersehbar.

Im Falle der "Dietlind" scheint mit die Herkunft von "diot" "Volk" plausibel zu sein, ob "linta" = "Linde" gleich für einen "Lindenholzschild" steht, erscheint mir in der Tat fragwürdig zu sein, zumal die von Archäologen gefundene germanischen Schilde (z. B, aus dem Thorsbergmoor) meistens aus Erle, Esche, Ahorn oder Eiche bestanden. Lindenholz eignet sich hervorragend zum Schnitzen, ist aber weich und leicht zu spalten, also absolut nicht das richtige Material für einen Schild. Das nur als ein Beispiel, wo die Waffen-Deutung buchstäblich auf den Holzweg ist.

LG
MartinM

Nachtrag: In Schweden wird der Namen "Solveig" meistens als "Kraft des Hauses" gedeutet, von "salr" = Saal, Halle, Haus und "veig" = "Kraft.
Das braucht auch nicht zu stimmen, erscheint mir aber weitaus plausibler zu sein als die Herleitung von "Sonne" und "Kampf". Das erinnert mich schon fast an ariosophische "Deutungen" wie "Ich trage Heil" für "Yggdrasil" (statt: "Pferd des Schrecklichen";) :hmmm:

Rein phonetisch kann man "Solveig" auch als "Sonnenweg" verstehen, ;-)

MM


»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.«
Sophokles


Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 23.02.2010, 20:26 von MartinM.


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Kein neuer Beitrag alura , 23.02.2010, 22:58 Beitrag #3   
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Hi Martin.

Schön, dass mich jemand versteht. Im Ahnenforschungsforum erklären mich gerade alle für verrückt deshalb. Ich glaube viele Leute wollen sich vom alten Bild unserer Vorfahren (wenn sie es überhaupt waren) einfach nicht trennen.

Lind bedeutet mild, oder eben im übertragenen Sinne auch leicht (beides Eigenschaften der Linde). Einer Sieglinde haben die Eltern vielleicht leichte Siege gewünscht. Scheint mir aus der Elternperspektive sehr viel sinniger als eine rasende Amazone mit einem Lindenholzschild :-P

Sol für Sonne scheint mir auch unlogisch, da es aus dem Lateinischen kommt. Kraft des Hauses wäre ja auch wieder eine sehr eindeutige Mutterfigur.

Andere Namen mit Sun werden nämlich auch für Sonne genommen. Immer wie es gerade passt.

Danke für den Koimmentar!




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Kein neuer Beitrag MartinM , 23.02.2010, 23:44 Beitrag #4   
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"Sol" heißt nicht nur im Lateinischen "Sonne". So heißt die Sonne auch in einigen skandinavischen Sprachen - und es gibt auch eine nordische Sonnengöttin dieses Namens.

MM


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Sophokles

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Kein neuer Beitrag alura , 24.02.2010, 22:10 Beitrag #5   
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Registrierung: 29.04.2009, 16:50
 
 
Das ist sehr erstaunlich, ich dachte der nordische Sonnengott hieße Freyr. Gab es da mehrer Kulte?


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Kein neuer Beitrag MartinM , 24.02.2010, 23:21 Beitrag #6   
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Freyr ist u. A. Fruchbarkeitsgott und mit der Sonne verbunden, aber ein Sonnengott wie z. B. Helios ist er nicht. Sol bzw. Sunna ist die Personifikation der Sonne, also im Wortsinn Sonnengöttin. Ebenfalls "sonnenhaft", mit der Sonne und dem Licht verbunden, aber kein Sonnengott ist Baldur / Balder.

MM


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Kein neuer Beitrag Sturmauge , 31.03.2010, 16:39 Beitrag #7   
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Aloha,

ich bin zufällig grad am Lesen in einem Namensatlas, wo es um die Entstehung von Ruf-, Bei-, Zu-, Nach- und Etc-Namen geht.

Und da fiel mir zusammenhangshalber wieder dieser Thread ein, alldieweil da unter anderem stand, dass Namen (im deutschsprachigen Raum), die ihren (germanischen) Ursprung in der Völkerwanderungszeit haben durchaus viel kämperisches zum Ausdruck bringen - sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Andererseits gehen Suffixe wie "-burg" - zumindest in Nachnamen - eher auf einen mittelalterlichen Ursprung zurück, wo sie urspünglich für Burg oder auch "befestigte Stadt" standen - und sich über eine Herkunfts- bzw. Siedlungsbezeichnung "eingeschlichen" haben, um Menschen mit gleichlautendem Rufnamen besser unterscheiden zu können.

Dietlinde als konkretes Beispiel tauchte da auch irgendwo auf - guck ich nochmal nach; Schien sich nämlich nicht mit der hier angeführten Etymologie zu decken.

Zu skandinavischen Herleitungen kann ich jetzt nix sagen - aber alles in allem scheinen mir die Deutungen dieser Seite den doch auch nen Tick zu martialisch angehaucht zu sein...

Grüße
Kai




Mieleni minun tekevi,
aivoni ajattelevi
lähteäni laulamahan,
saa'ani sanelemahan,
sukuvirttä suoltamahan,
lajivirttä laulamahan.
Sanat suussani sulavat,
puhe'et putoelevat,
kielelleni kerkiävät.

(Kalevala)


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Kein neuer Beitrag jenna , 22.02.2011, 17:54 Beitrag #8   
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Registrierung: 22.02.2011, 16:28
 
 
Die Darstellung kriegerischen Ursprungs germanischer Namen ist nur der Schein. Das hat verschiedene Gründe:

1) Die Verehrung Odins ist eher bei den jungen Kriegern gross, die nach Ruhm und Ehre aber auch nach Frauen, Besitz und Familie strebten. Doch das errangen sie nur indem sie sich als würdige Krieger Odins bewiesen. Ein kriegerischer Name wirkt immer imponierend und schrecklich, er suggeriert mehr als dahinter steht, er schreckt ab. Die Taktik der Wikinger z.b. war ihr kriegerisches Image. Dadurch vermieden sie so manchen Kampf.
Junge Männer stehen überhaupt immer und überall im Wettstreit, sie bevorzugen den Wettstreit bis heute (z.b. in Egoshootern). Das drückt sich auch in ihren Namen aus.
Ob sie den nach der Gründung der Familie beibehielten ist überhaupt nicht bekannt. Über ältere männliche Germanen weiss man praktisch garnichts, ausser wie man sie bestattete. Unser männliches Germanenbild endet irgendwo bei 35 Jahren. Dabei ist es gerade die Altersgruppe über 35 die den Thing führte, die wichtigen Entscheidungen traf, das meissten handwerkliches Geschick hatten und so als Lehrer fungierten.
2) Desweiteren war schon das Germanentum eher pariachalisch organisiert.
3) Dazu kam der römische Einfluss. (Die römische Sprache ist überwiegend militärisch geprägt.) Germanen lernten von den Römern mehr als nur Baden oder Geldwechsel.
4) Hat auch das Christentum das Patriachat noch weiter verstärkt und gefestigt. Männer wurden spätestens jetzt zum Zentrum der Sippe, zum heimischen Apostel, ihr Wort wurde Gesetz, ihr Ruhm wurde überliefert, Frauen waren ja nur aus der Rippe gemacht, somit auch nicht gleichwertig.

So kommt es insgesamt dazu das Frauennamen eher freundlich, demütig und biegsam wie eine Linde wurden (z.b. Johanna, Heidi, Dietlinde usw.), während die Namen erfolgreicher Männer große Verbreitung fanden und je erfolgreicher sie waren, desto länger überlebten ihre Namen in Legenden und Mythen. Sie wurden idealisiert wie z.b. Erik oder auch die Franken die in Form von Frank überlebten.

Beispiele:
Winifred, Arwin, Gerwin, Winfried - Win = geliebte/r, freundliche/r, gewinnende/r
Richard = rik = Reich, Mutig, Stark, Anführend,
hard = herz = mutig, beherzt, gerecht

Übrigens trifft dies auch auf Nachnamen zu, wo allerdings weitere Komponenten hinzukommen.





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