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WirrLicht hat folgendes geschrieben: demnach gibt es nur menschliche, jedoch keine "männlichen/weiblichen" ansätze im asatrú?
auch wieder schade, eigentlich.
Für mich ist gerade das das Schöne... Ich habe auch irgendwann mal in der Frauenspiri-Ecke angefangen, und das war auch wichtig für mich. Nur wurde mir das irgendwann zu eng: Meine Identität besteht eben aus noch viel mehr Mosaiksteinchen als "Frau" und "Lesbe". Gynozentrischer Feminismus muß m.E. aufpassen, daß er seine Wurzeln nicht aus dem Blick verliert - das hat schon vor mehr als zehn Jahren eine Wissenschaftlerin festgehalten:
Zitat: Der Differenzgedanke, ohne den man sich heute in der Frauenforschung kaum noch ernsthaft äussern kann, wurde aktualisiert. Indem er sich zugleich gegen die Verfechterinnen von Gleichheit richtete, streifte er zum Teil mit den problematischen Gleichmachergedanken aus der linken Ecke der Frauenbewegung auch die Ankopplung an gesellschaftliche Emanzipation ab und wurde so ein Einfallstor für Projekte, die auf der Annahme eines weiblichen wesensmässig Anderen basieren. (Zit. aus: Frigga Haug (Hg): Frauen-Politiken, Hamburg 1996)
Und genauso müßte eben eine männliche Selbstfindung drauf achten, daß sie nicht ins Reaktionäre, Antiemanzipatorische abgleitet. Ich persönlich fänd's toll, wenn mehr Männer sich mal vom blöden alten Männerbild und vom notorisch dualistischen Denken emanzipieren.
Die ganzen alten Männerbünde haben m.E. eben oft dieses Reaktionäre oder auch gar nichts von Selbstfindung. Was die kath. Kirche angeht: auch wenn die ganzen Würdenträger ein Altherrenclub sind, das Ganze wurde ja von Anfang an von Frauen mitgetragen.
Jedenfalls: Wo auch immer in binär-dualistischen Geschlechterschemata gedacht wird, fühle ich mich sehr bald zwischen den Stühlen und unwohl, und das, obwohl ich nicht transidentisch bin. Das geht soweit, daß ich auf die "männliche" Seite switche, weil ich mich da nicht ganz so unwohl fühle wie mit dem traditionellen Frauenbild. (Mit dem Harter-Kerl-Kriegertrip fühle ich mich aber auch nicht wohl.)
Und heute sage ich, daß ich zwar mit meiner weiblichen Physis sehr glücklich bin, meine Seele aber androgyn ist. Schon bei meinem Wohlbefinden mit der sozialen Frauenrolle muß ich ein Fragezeichen machen oder die Gegenfrage stellen: Was ist eigentlich Weiblichkeit?
So gesehen bin ich für den Mangel an Geschlechtsspezifik im Asatrú ganz dankbar...
Liebe Grüße
thursa
For “unheard of” means only it’s undreamed of yet; “Impossible” means not yet done. (Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )
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naja - strikt polar denke ich da, wo es angemessen ist, beispielsweise bei elektrischen ladungsträgern (elektronen, protonen) wo halt ein vorzeichen einander gegenüber stehen. menschen sind selbstverständlich nicht polar, geschweige denn, dual oder gar komplementär*. das wird gerne in einen topf geschmissen, und manchmal drücke ich mich da auch unpräzise aus. manchmal sehen leute aber auch, was sie gerade vermuten - ich erinnere mich an einen beitrag in meinem blog von HellBlazer/Sven, der einen vermuteten polaren widerspruch bei mir kritisieren wollte, wo gar keiner war, bin jetzt aber zu faul, das zu suchen....
ich reiche es später nach.ah, hier: philosophisches - hamlet&sartre
ich denke, menschen sind, im mathematischen sinne, "multidimensional" (nein, nicht wie bei star treck oder engelchannelern). das menschliche sein hat viele dimensionen. es ist, sagen wir, 5dimensional (da gibt es so ein psychologisches koordinatensystem, mit introvertiert/extravertiert und so.... )
die großen 5 bei wikipedia
diese 5 faktoren lassen sich anscheinend (nach psychologischer statistik, aber ich habe da jetzt keinen t-test oder sowas mit gemacht) nicht mehr reduzieren, und scheinen demnach die 5 persönlichkeitspole des menschen auszumachen.
und weil der mensch faul ist, stopft er mehrere dieser persönlichkeitsmerkmale in eines, postuliert ein "entweder-oder" wo keines ist und ordnet es reflexiv dem geschlecht zu.
aus dieser bequemlichkeit - oder, sagen wir, dummheit - kommt dann der fehlschluss, das:
extraverierte wenig neurotische experimentierfreudige unverträgliche (egozentrische) und unachtsame
personen männer seien, und das gegenteil sind dann, ist ja klar, frauen. oder andersherum. den fehler hat schon platon** gemacht. wenn ich mich selbst in diese tabelle einordne (ohne einen test zu machen) finde ich mich introvertiert, nicht-neurotisch, experimentierfreudig, verträglich und unachtsam, also recht klischeefrei.
*wobei mir gerade auffällt, das es in meinem blog so aussieht, als wären komplementäre gegensätze immer polar. das stimmt nicht, aber polare sind immer komplementär.
**platon? ich bin gerade unsicher, aber ich denke es war platon mit der tabelle, wo dem mann das licht, der frau die dunkelheit, dem mann das gute, der frau das schlechte.... zumindest würde es zum mythos des kugelmenschen passen - aber, ohne garantie, es kann auch ein pythagoräer gewesen sein.
P.S.: heute ist kein guter tag zum philosophieren, ich bin viel zu denkfaul.....
Gnothi Seauton
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Wirrlicht, ich spreche hier ja die ganze Zeit von einem platt dualistischen Denken, nicht von Polarität und Komplementarität - weil ein ausgereiftes Konzept von Komplementarität oder Polarität ja grundsätzlich fähig wäre, menschliche Komplexität zu berücksichtigen. Aber in Spiri-Zusammenhängen wird eben gerne simplifiziert (siehe vorangegangene Seiten dieses Threads) und Polarität wird zu Dualismus, eine Hypothese zum Dogma, ein Modell zu "So ist es und nicht anders". Und da kriege ich Schwierigkeiten. (Daß ich auch nicht in Polaritäten denken mag, steht auf einem weiteren Blatt.)
Und mit dem dualistischen Denken mein ich z.B., daß Männer ihre Identität als Mann darüber definieren, daß sie - über das Anatomische hinaus - was sind/tun, was Frauen nicht sind/tun. Das führt IMHO zu viel zu viel Krampf und wird irgendwann nicht mehr funktionieren.
ad Platon: der hat schon diesen Dualismus hochgezogen? Interessant. (Notiz an mich selber: ich habe in meiner Magisterarbeit über Bachofen geschrieben, und mir kam vieles, was ich bei Bachofen las, aus den Ecken der Frauenspiri-Szene, die ich nicht so mag, bekannt vor... könnte ich ein Essay draus machen.)
Soviel für heute
thursa
For “unheard of” means only it’s undreamed of yet; “Impossible” means not yet done. (Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )
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