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Moin,
zur Hirnhälften-Folklore bzw. dem "männlichen" und "weiblichen" Gehirn: alle diese neurologischen Untersuchungen gehen von Durchschnittswerten aus bzw. von einem "idealtypischen" männlichen bzw. weiblichen Gehirn. Um mal einen Vergleich aus dem Alltag zu nehmen: der durchschnittliche Mann ist größer und körperlich stärker als eine durchschnittliche Frau. Wie jeder bestätigen kann, schließt das nicht aus, dass manche Frauen größer und stärker sind als ein durchschnittlicher Mann. Außerdem kommt es nur bei wenigen Situationen darauf an, größer bzw.stärker zu sein.
Dann gibt es noch die ungute Tendenz, vor allem bei Journalisten und Autoren populärwissenschaftlicher Darstellungen, die neurologischen Fakten mit in unserer Kultur üblichen Klischee zu vermengen. Z. B. wird aus der besonders intensiven Mutter-Kind-Bindung abgeleitet, dass die "natürliche" Rolle der Frau die der Hausfrau und Mutter sein soll. Der dritte "Verzerrer" bei den Hirn-Mythen ist der Hang zum Kategorisieren aus Bequemlichkeit, auch "Schubladendenken" genannt. Erstaunlicherweise sind einige Feministinnen darin ganz groß.
Insgesamt neige ich dazu, diese "Hirnfolklore" als Missbrauch neurologischer Erkennisse für "Naturisationen" zu halten: also dafür, hauptsächlich kulturell bedingte Unterschiede auf naturgegebene Faktoren zu reduzieren.
Den Hang dazu, völlig normale Vorgänge des Lebens zu "pathologisieren", dass heißt, mit dem Etikett einer Krankheit zu versehen, gibt es nicht nur bei Psychologen, Nimm doch nur mal eine Schwangerschaft, vielleicht sogar eine "Risikoschwangerschaft". Hat die werdende Mutter Pech, wird sie, obwohl eine Schwangerschaft ein völlig normaler und gesunder Vorgang ist, wie eine Kranke behandelt. Unser medizinisches Versorgungssystem begünstigt dieses Denken; die "Zurichtung" des Menschen für das Arbeitsleben übrigens auch: Gesund wird gemeinhin mit Arbeitsfähig gleichgesetzt, jemand, der nicht Arbeiten kann, ist eben "schwer krank", und jeder, der sich grade mal so zur Arbeit schleppen kann, gilt als "gesund". Weil die "Behandlung" des Liebeskummers seitens der Therapeuten wie die Behandlung einer Krankheit abgerechnet wird, gibt es ganz klar eine Tendenz, den Klienten wie einen Patienten zu behandeln. Und wenn die Behandlung des Liebeskummer sogar über die Krankenkasse abgerechnet wird, dann ist es, aus Sicht des Gesundheitssystems, auch eine Krankheit, so wenig krankhaft dieser Zustand auch ist.
Übrigens habe ich das weniger bei Psychologen als bei Psychiatern beobachtet, wobei es unter Psychiatern enorme Unterschiede gibt!
Übrigens gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen "abnorm" (nicht der Norm entsprechend) und "pathologisch" (krankhaft). Ein genial begabter Mensch ist psychisch abnorm, und ein kräftiger Liebeskummer ist eine nicht dem Normalzustand entsprechende psychische Verfassung.
Mein Lösungsvorschlag für das Problem "Krankheit oder nicht" liegt im ganz persönlichen, ganz individuellen Leidensdruck. Eine lang anhaltende tiefe Depression schaft sehr viel Leid für den Betroffenen. Andererseits kann eine psychische oder neuronale "Störung" (besser Auffälligkeit) für den Betroffenen und seine Umwelt völlig leidensfrei sein - viele Menschen mit einem Asperger-Syndrom (einer milden Form des Autismus, die die Sprachentwicklung nicht beeinträchtigt) leiden nicht im Geringsten darunter. Dank der Anpassungsfähigkeit des Gehirns brauchen Asperger-Betroffene vielleicht länger, um soziale Kompetenzen zu erlernen, aber sie können spätestens als Erwachsene völlig "normal" agieren, wenn man ihnen keine Steine in den Weg legt. (Manchmal sind diese Steine gut gemeinte therapeutische Maßnahmen.) Tatsächlich geht "Asperger" oft mit besonderen Begabungen einher; gäbe es eine "Anti-Asperger-Tablette", gäbe es sicher mehr normale, gut "sozial angepasste" Kinder und Jugendliche - aber auch weniger "geniale" Erwachsene.
Liebe Grüße,
Martin
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
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Hi,
zum Hirnhälften-Thema las ich mehrfach, daß es direkt gegenüber unseres "Sprachzentrums" ein "baugleiches" Teil in der Hirnhälfte gegenüber gäbe (bei Rechtshändern soll sich das Sprach- und Analyseteil in der linken Hirnhälfte befinden, bei Linkshändern rechtsseitig), womit die Wissenschaft zumindest des 20. Jh. noch nicht soooviel anzufangen bzw. zu deuten wußte mehrheitlich... Jene dem Sprach- und Rhythmuszentrum gegenüberliegende baugleiche Hälfte wird, so las ich, der "ganzheitlichen Erkennung" zugeschrieben: nicht eso-mäßig gemeint, sondern den schönen wie praktischen Umstand bezeichnend, daß wir uns im Falle korrekten Funzionierens des Gesamtkürbisses die Umgebung nicht aus relativ unzusammenhängenden vulgo beliebig wirkenden Einzelheiten zusammenbosseln müssen inwendig (Quelle, u.a.: Oliver Sacks - "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" - sic!).
Die Zuordnung "männlich" vs. "weiblich" ist da meiner Auffassung nach eher bis vorwiegend den tradierten (gähn) Rollenklischees geschuldet und bringt nicht weiter.
Zwischen besagten Hirnhälften, so mein Angelesenes weiter, gäbe es eine Art "Brücke", deren mögliche Benutzung individuell unterschiedlich ausgeprägt ist, von der Intensität und Gewohnheit her. Was ich in eigener Erfahrung nicht geschlechtsgebunden deuten mag: angesichts meines persönlich grob unterentwickelten räumlichen Orientierungssinnes, der z.B. viel damit zu tun hat, daß ich nie einen Führerschein besaß und mich ergo seit je nach Schildern, Piktogrammen u.ä. zu orientieren hatte, gänzlich unabhängig von "Himmelsrichtungen" - während ich eine ganze Reihe von Frauen kenne, die im Gegensatz zu mir wie selbstverständlich eine Vogelperspektive ihres Standorts zu generieren imstande sind. Mein Fazit daraus: Was man trainiert, das funzt - und was brachliegt, tendiert zum Verkümmern. Das Hirn, das menschliche - es bietet einfach nur die Möglichkeiten.
Etwaige auftretende Defekte - aufgrund von Unfällen oder sonstigem - werden ja auch gern von andern Hirnregionen übernommen, neu angelernt, möglichst ausgeglichen. Bei oder trotz aller frühkindlichen "Synapsenverdrahtung". Wir sind schon tolle Tiere, wir Homo sapiens sapiens, finde ich - obwohl ich gerade diese "Rassenbezeichnung" nach wie vor ein bissi überzogen finde.
Liebe Grüße am thematischen Rande Duke
Ich bin das eine Blatt, das die Winde stehen gelassen haben
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Kari , 16.10.2007, 11:44
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Beitrag #18
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Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur anatomisch, sondern auch von ihrer jeweiligen Energie. Um es mal mathematisch auszudrücken: Plus und Minus (eine Zuordnung z. B. plus = männlich wäre zu wertend, es geht nur darum, den Unterschied zu verdeutlichen; männlich kann genauso mit minus gleichgesetzt werden). In Asien sagt man: Yin und Yang. Wer das als "esoterische Spinnerei" abtun will, dem sei gesagt, daß es aus dem Konfuzianismus stammt und uralt ist. Deswegen ergänzen sich Mann und Frau optimal (plus und minus = null, Ausgleich) und deswegen bleiben gleichgeschlechtliche Beziehungen immer unvollkommen.
Neben dieser Grundenergie kommen nun noch die in den Jahrtausenden erworbenen Unterschiede. Männer gingen in der Urzeit auf die Jagd, Frauen kümmerten sich um die Kinder und das Haus oder die Höhle. Dadurch wurden unterschiedliche Anlagen einseitig entwickelt und verstärkt. Deswegen teilt man oft ein im Sinne von Mann = Intellekt (Verstand), Frau = Intuition (Gefühl) oder Mann = Kopf, Frau = Herz. Das bedeutet nicht, daß Frauen keinen Verstand oder Männer kein Gefühl hätten. Aber Frauen haben eben mehr Gefühl, mehr Intuition, und deswegen ist weibliche Spiritualität auch ganz anders, als männliche. Tacitus schrieb in der Germania 8: "Die Germanen glauben sogar, den Frauen wohne etwas Heiliges und Seherisches inne; deshalb achten sie auf ihren Rat und hören auf ihren Bescheid."
Asatru als Naturreligion muß also diese natürlichen Anlagen berücksichtigen, denn eine Naturreligion kann nur funktionieren, wenn sie im Einklang mit der jeweiligen Natur des Menschen steht, nicht gegen sie polemisiert oder sie verteufelt (wie es das Christentum macht).
Kari
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Kari , 16.10.2007, 11:47
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Beitrag #19
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Tschuldigung, der Beitrag wurde versehentlich mehrfach gesendet, weil das System immer anzeigte: "Die Seite kann nicht angezeigt werden" und ich deswegen glaubte, der Beitrag sei noch nicht im Forum eingestellt. Vielleicht könnte ein Admin die doppelten Postings löschen?
Kari
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Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 16.10.2007, 18:03 von Sturmauge.
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Kari hat folgendes geschrieben: Männer gingen in der Urzeit auf die Jagd, Frauen kümmerten sich um die Kinder und das Haus oder die Höhle.
Auch wenn das häufig so angeommen werden mag: Dafür gibt es keinerlei Belege.
Kari hat folgendes geschrieben: Asatru als Naturreligion muß also diese natürlichen Anlagen berücksichtigen
1. Nein. 2. Es gibt keinen zwingenden Konsens darüber, was "natürliche Anlagen" seien und was aus denen zu resultieren habe.
Darüberhinaus definieren wir (in der Nornirs Ætt) unser Ásatrú als Kultur - nicht als zwangsläufige "Naturreligion" (wie immer man Letzteres definieren mag).
Schönen Gruß Duke
Ich bin das eine Blatt, das die Winde stehen gelassen haben
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Hallo Kari,
leider bin ich nur sehr bedingt internet-befähigt zu zeit; drum in aller kürze.
zur "genese" der intelligenz wurde sich weiter oben schon hinreichend geäußert. was konfuzius und ying und yang anbelangt ein paar anmerkungen:
konfuzius war beileibe kein frauenversteher und seine ansichten zur "frau" können mir als solcher wirklich nicht als vorbild dienen! mit naturreligion hatten seine sichtweisen auch nichts zu tun. auch die alten chinesischen deutungen, auf denen übrigens auch die chinesische medizin fußt, sind nicht logisch falsch in bezug auf die medizinische interpretation, aber zumindest zweifelhaft in der vorgelagerten erklärung dazu, was männlich und was weiblich sei: also z.B. alles was aktiv ist = männlich, alles was passiv und feucht und "aufnehmend" ist = weiblich. auch ying und yang, dieses alte symbol der polarisierung ist immer und stets nur ausgelegt worden, und zwar wie die jeweilige zeit es sah und sehen wollte. und selbst WENN man hinginge und sagte, nord verhält sich zu süd wie männlich zu weiblich oder kalt zu heiß, dann bedeutete dies doch in deiner auslegung (zur homosexualität z.b.), daß zwischen südpol und norpol nix ganzes und nix halbes liegt .....und somit auch nichts erhaltenswertes...
bitte versteh mich nicht falsch, aber ich halte deine argumente für absolut unhaltbar.
liebe grüße carola
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 16.10.2007, 14:59 von carola.
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Kari hat folgendes geschrieben:
Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur anatomisch, sondern auch von ihrer jeweiligen Energie. [...] Deswegen ergänzen sich Mann und Frau optimal (plus und minus = null, Ausgleich) und deswegen bleiben gleichgeschlechtliche Beziehungen immer unvollkommen. [...]
So, und genau diese essentialistische Denke ist das, womit ich so gar nicht klarkomme. Können wir Menschen denn überhaupt erkennen, was "Natur" im Sinne von: vor jeder Kultur dagewesen ist?
Kari, soll das heißen, wenn ich als Frau mich ebenso für Schwertkampf (ok: praktiziert vorrangig japanischen - aber auch da ursprünglich eine Männerdomäne) und historische Schiffe begeistere wie für historische Handarbeitstechniken und Schamanisches, dann ticke ich nicht richtig? Maße ich mir was an, wenn ich eine intensive Beziehung unter anderem zu Thor und Odin habe? Soll das heißen, wenn ich als Frau mich für einen ebenso rationalen wie emotionalen Menschen halte (und es für erstrebenswert halte, wenn ratio und emotio zusammenwirken, statt sich zu behindern), ist mit mir was nicht in Ordnung? Und willst Du uns mit Deinem Dualismus zwischen Verstand und Gefühl sagen, mensch könnte nicht beides in gleichem, womöglich hochentwickeltem Maße haben? Seh ich gar nicht ein!
Von so'ner naiven Konfuzius-Rezeption halte ich auch gar nix. Alter schützt ein begriffliches System nicht davor, fehlerhaft oder nur eingeschränkt anwendbar zu sein. Lassen wir doch bitte Yin und Yang in China und wenden wir diese Begriffe an, wenn's um Feng Shui oder Akupunktur geht, aber nicht grundsätzlich auf Menschen :|
Was uns die Natur lehren kann, ist m.E. was ganz anderes: Homosexuelles Verhalten kommt bei nahezu allen Säugetieren vor. Es kann also gar nicht "unnatürlich" sein. Außerhalb des Bereichs der Wirbeltiere gibt es m.W. viele verschiedene Arten von Geschlechtern, die Zwei-Geschlechter-Variante ist nur eine mögliche Konfiguration. Wer die jeweils gängigen Geschlechterstereotypen und Heterosexualität mit Biologie zu legitimieren versucht, ist m.E. einfach nicht auf der Höhe der Zeit mit seiner zoologischen Fachkenntnis.
Ganz mal davon abgesehen: Ich weigere mich, Menschen so einfach nur nach diesem einen Identitätskriterium zu beurteilen. Ich kenne genug Menschen, die zwischen den Geschlechtern leben, sei's, daß sie je nach Tagesform mehr als Mann oder mehr als Frau leben, sei's, daß sie von einem zum anderen übergegangen sind. Sowas hat's auch schon immer gegeben (siehe z.B. die antiken Priesterinnen der Kybele - zu einem großen Anteil kastrierte Männer in Frauenkleidern) - nur die medizinischen Mittel, die solchen Menschen heute zur Verfügung stehen, sind andere. Und diese Menschen liebe ich genausosehr wie die unter meinen FreundInnen, die ganz langweilig bei dem Geschlecht bleiben, mit dem sie geboren wurden. Sie sind im Grunde nicht mehr "anders", nicht weniger "normal" oder "unnormal" als jeder andere Mensch auch.
Gender-Anarcha-Grüße
thursa
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Sorry, da ich nicht viel Zeit habe nur ne kurze Antwort: Ich kann Thursa´s Aussage nur Beipflichten, Diese Einteilung in Männlich/Weiblich in Bezug auf alles halte ich (besonders nach den Erfahrungen die ich in den letzten 3 Wochen beim Motorradfahren geamcht habe) für ziemlich unpassend. Nur eine Anmerkung zur asiatischen Denkweise: Im Taoismus (und besonders in den LHP-Strömungen) wird davon ausgegangen, daß ein kompletter Mensch BEIDE Teile in sich tragen (und LEBEN) sollte! BTW: Thursa was für ne Ryu machst du??
Ich bin ein Blatt im Wind ... Ich gleite dahin!
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OT:
ronin47 hat folgendes geschrieben: BTW: Thursa was für ne Ryu machst du??
Ich bin Kendoka, da ist das alles recht standardisiert. Was manchmal ganz angenehm ist (man kommt in einen fremden Dojo und kommt theoretisch sogar ohne gemeinsame Sprache klar, wenn die Kommunikation über Hände, Füße und Fachbegriffe funktioniert). Hab' aber seit 1 1/2 Jahren wegen einer chronifizierten Entzündung in der rechten Ferse keinen Dojo mehr von innen gesehen (und diverse Schulmediziner in den Wahnsinn getrieben in dieser Zeit). Will aber wieder, wenn der Fuß irgendwann mal heilt.
(OT Ende)
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Kari , 17.10.2007, 11:03
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Beitrag #25
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Zitat: Auch wenn das häufig so angeommen werden mag: Dafür gibt es keinerlei Belege.
Wenn wir davon ausgehen, daß damals viel mehr Kinder geboren wurden, so daß eine Frau eine größere Zeitspanne ihres Lebens entweder schwanger war, oder doch ihre Kleinkinder versorgen mußte, dann können wir auch annehmen, daß in dieser Zeit der Mann jagen mußte. Eine schwangere Frau oder eine Mutter mit schreienden Säuglingen eignet sich einfach nicht so gut für die Jagd. Nach der Stillzeit könnte die Frau natürlich auch zur Jagd gehen, nur: Wer kümmert sich dann um die Kinder? Der Mann? Das scheinen mir doch recht moderne Vorstellungen zu sein. Übrigens gibt es Vergleiche mit Naturvölkern unserer Jahrhunderte (z. B. Indianer), wo es auch so war, daß die Männer jagten. Es gibt nur extrem wenig Ausnahmen.
Zitat: 2. Es gibt keinen zwingenden Konsens darüber, was "natürliche Anlagen" seien und was aus denen zu resultieren habe.
Es gibt nicht eine Theorie auf der Welt, der nicht irgendwo irgendwer widersprochen hat. Somit gibt es theoretisch überhaupt nirgends einen Konsens, kann es ihn nicht geben.
Zitat: Darüberhinaus definieren wir (in der Nornirs Ætt) unser Ásatrú als Kultur - nicht als zwangsläufige "Naturreligion" (wie immer man Letzteres definieren mag).
Die Lebensweise (Mann-Jagd, Frau-Familie) ist etwas rein kulturelles, hat mit Religion nichts zu tun. Die Anlagen von Mann und Frau sind auch vorhanden, ohne irgendeinen Bezug zur Religion.
Zitat: konfuzius war beileibe kein frauenversteher und seine ansichten zur "frau" können mir als solcher wirklich nicht als vorbild dienen!
Ich gehe nicht davon aus, daß sich Konfuzius die Vorstellung von Yin-Yang ausgedacht hätte. Vielmehr glaube ich, daß es sich um eine alte Vorstellung handelte, die er nur aufgriff, die aber doch in der jahrtausendelangen Praxis als wahr erwiesen wurde. Ohne irgendeine Bestätigung hätte man diese Vorstellung nicht so lange tradiert.
Zitat: soll das heißen, wenn ich als Frau mich ebenso für Schwertkampf (ok: praktiziert vorrangig japanischen - aber auch da ursprünglich eine Männerdomäne) und historische Schiffe begeistere wie für historische Handarbeitstechniken und Schamanisches, dann ticke ich nicht richtig?
Das Interesse für Kampfsport ist etwas anderes, als mit realen Schwertern dem Gegner den Kopf zu spalten. Wenn du letzteres tust, würde ich schon denken, daß da irgendetwas falsch läuft. Warum wohl gibt es in der Gruppe der Gewaltverbrechen unter den Tätern viel mehr Männer, als Frauen? Warum werden statistisch betrachtet mehr Schlägereien von Männern geführt, als von Frauen (die es zwar auch gibt, aber eben sehr selten)? Warum nimmt man zur Abkürzung von „männlich“ das Symbol des agressiven Kriegsgottes Mars, für Frauen aber das Zeichen der Liebesgöttin Venus? Warum interessieren sind Jungen eher für Sport und Technik, Mädchen eher für Tiere und Puppen? Mit einseitiger Erziehung/Prägung durch die Eltern ist das nicht zu erklären.
Zitat: Und willst Du uns mit Deinem Dualismus zwischen Verstand und Gefühl sagen, mensch könnte nicht beides in gleichem, womöglich hochentwickeltem Maße haben? Seh ich gar nicht ein! Mann und Frau haben schon beides, aber eben nicht im gleichen Maße. Warum das so ist (genetisch bedingt, evolutionär erworben oder wie auch immer) wäre eine andere Frage. Warum ist Wasser naß und Feuer heiß?
Zitat: Homosexuelles Verhalten kommt bei nahezu allen Säugetieren vor. Es kann also gar nicht "unnatürlich" sein. Krankheiten kommen auch in der Natur vor, Verhaltensstörungen usw. auch, dennoch ist das nicht „natürlich“ in dem Sinne, daß es gesund, richtig, gut oder gar anzustreben ist.
Kari
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Hallo Kari, diese Sichtweise von Natur ist mir viel zu naiv - und mir geht jetzt ein bißchen der Hut hoch, wenn Du Homosexualität in einem Atemzug mit Krankheiten und Verhaltensstörungen nennst.
Dein "Frauen sind so und Männer so" kann ich auch nicht akzeptieren, Du mißbrauchst "Natur" als Totschlagargument für reaktionäre menschliche Vorstellungen. In meinen Augen ist das eine Beleidigung der Natur.
Lieben Gruß aus dem 21. ins 19. Jahrhundert
thursa
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Kari , 17.10.2007, 12:15
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Beitrag #27
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Zitat: Du mißbrauchst "Natur" als Totschlagargument für reaktionäre menschliche Vorstellungen.
Nun, die Menschen der Urzeit lebten zweifellos naturverbunden. Und "reaktionär" bedeutet "rückwärtsgewandt". Sobald ich also zurückschaue in die fernste Vergangenheit, hat dies etwas reaktionäres per Definition. Und da diese Gesellschaften naturverbunden lebten, bedeutet ein reaktionäres Rückschauen automatisch, daß man dort Naturverbundenheit findet. Somit werden die Begriffe Naturverbundenheit und Reaktionär zusammengebracht, ohne daß man es vielleicht beabsichtigt hat.
Asatru ist von seiner Grundtendenz etwas Reaktionäres, schließlich blickt man zurück zu den Germanen vor 1000 oder 2000 Jahren, übernimmt ihre Götter und - wie Duke schrieb - ihre Kultur (zumindest teilweise).
Progressiv wäre ein Heidentum, wo man allein nach vorne in die Zukunft blicken würde, sich also Götter schafft oder erkennt, die nichts mit denen vor 1000 Jahren zu tun haben, Riten praktiziert, die keinerlei Bezug zur Vergangenheit haben und eine Kultur mit kulturellen Werten lebt, die völlig unabhängig von irgendwelchen düsteren Vorfahren und ihren merkwürdigen Vorstellungen ist.
Dann braucht man auch nicht über unterschiedliche spirituelle Anlagen von Männern und Frauen zu philosofieren und sich mit Konfutius auseinanderzusetzen.
Allerdings wird solch ein Heidentum eher einer Science-Fiction-Vision ähneln, als einer realen Religion. Immerhin, L. Ron Hubbert hat auf diese Weise eine Religion konstruiert (Scientology).
Kari
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Über den Rest schweige ich mich jetzt aus - Hirnkapazität ist grad anderweitig belegt - aber zu Hubbard 2 Dinge:
1. Mach Dir doch bitte die Mühe, den Namen richtig zu schreiben. 2. Wenn Hubbard SF ist, dann sehr schlechte. Seine Werke hab ich noch nicht gelesen, jedenfalls nichts Gutes darüber gehört - und das, was der Mensch an Ideologie verzapft hat, halte ich für bestenfalls eine Dystopie erster Güte.
Grüße
thursa
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Kari , 17.10.2007, 12:42
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Beitrag #29
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Der Mann war immerhin anerkannter SF-Autor (habe ihn auch nicht gelesen). Und was man über ihn hört? Na ja, man hört viel, auch über Asatru. Nicht alles davon stimmt. Was erfahren wir in den Medien über Scientology? So naiv ist sicher keiner, daß er glaubt, die Wahrheit darüber dort zu erfahren. Ich will diese Gruppe nicht in Schutz nehmen, aber allein die Hetze in den Zeitungen kann wohl kaum ein vollständiges Bild über diese "Kiche" liefern.
Kari
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Hei, 1. Sciencetology ist ein m.E. ein krimineller Verein der nichts von Menschenwürde und Menschenrechten hält - er ist genau das, was man mit dem Begriff "Psychosekte" bezeichnet und kann m.E. gar nicht genug kritisiert werden. Von "Hetze" gegen Scientology sehe ich nichts. Wenn eine Religion gehetzt wird, dann der deutsche Islam. 2. Das Tacituszitat aus seiner Germania ist - wie alles in diesem Gebiet - Interpretationssache. Ich z.B. interpretiere dieses ganz anders.  Ein bischen wie der hier: http://www.rabenclan.de/index.php/Heidentum/HansSchuhmacherGermanischeFrauDas hat auch viel mit der Stellung des Seidhr, des Wissung und des Spa in der damaligen Gesellschaft zu tun. 3. Also dein - ich nenne es mal "preussisches Familienbild", von der Mutter im Haushalt und dem jagenden Mann ist sooo langweilig, vor allem da in jenen archaischen Kulturen - in der es ohne Frage klar verteilte Rollen gab - oft die Frau arbeiten war und der nette Herr seinen Arsch nur zum Jagen oder für den Krieg hochbekam (siehe heute Massai); davon abgesehn gibt/gab es matriarchale Kulturen und deine These von den waffenlosen Frauen wird witziger weise schon im germanischen Raum widerlegt... 4. Desweiteren ist das was du so von dir gibst stak polarisiert - ich glaube du denkst in Dualismen, das passiert häufig wenn christlich sozialisierte Menschen den Daoismus interpretieren. In meinem Asatru gibt es kein "schwarz/weiss-denken", sondern grau oder bunt Ausserdem setzt du biologisches Geschlecht mit sozialem Geschlecht und gefühltem Geschlecht (siehe Mann im Frauenkörper, Transsexualität usw.) gleich. 5. frage ich mich was Konfuzius und Yin/Yang mit Asatru zu tun haben sollen...  Und was du unter Natur verstehst hört sich stark nach 19tem Jhd. an. 6. finde ich deine homophoben Schlußfolgerungen zu kotzen...das Gegenteil beweisen m.W. die vielen sehr gut funktionierenden homosexuellen Beziehungen, deren einziges Problem m.E. die homophobe Gesellschaft ist, in der sie leben müssen. Jari
Außerhalb Midgards leben nur Tiere und Götter.
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