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Position: Home » Nornirs Ætt Foren » Nornirs Ætt Hain » Religion - nötig? sinnvoll? oder doch nur ein Machtinstrument?
Thema: "Religion - nötig? sinnvoll? oder doch nur ein Machtinstrument?" [ Seite 1 ]

Kein neuer Beitrag Eggi , 15.12.2008, 06:56 Beitrag #1   
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Hier das neue Thema.

Ist Religion wirklich so gut für den Menschen?
Die meisten großen Weltreligionen wurden leider allzu oft benutzt, im Andersdenkende zu schikanieren, auszugrenzen oder gar umzubringen.

Die christlichen Kreuzzüge (Christen gegen Moslems)
der irische Bürgerkrieg (Protestanten gegen Katholiken)

Aber auch in Afrika, Arabien oder in Asien gab es Kämpfe zwischen den Religionen.

Ist Religion wirklich so gut?


Viele interessante Vids bei youtube von Peter Scholl-Latour über Religionen/Kulturen gibts darüber.

Hier ein paar davon:

http://de.youtube.com/watch?v=UxNkja5oyz0 zweiteilig

http://de.youtube.com/watch?v=RgawBLtFKvI

http://de.youtube.com/watch?v=Iwz0y5Be-QI fünfteilig und sehr interessant!!!



Gehe deinen Weg

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Kein neuer Beitrag WirrLicht , 17.12.2008, 12:27 Beitrag #2   
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ich gebe zu bedenken, das es nicht religion oder spiritualität "an sich" sind, die zu krieg & leid führen, sondern das es immer der konflikt zwischen autoritären machtstrukturen war. oder?


Gnothi Seauton

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Kein neuer Beitrag Hellblazer , 17.12.2008, 12:58 Beitrag #3   
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ja, ich sehe das Problem auch weniger in "Religionen" o.ä., sondern dort, wo Inhalte zu Ideologien mutieren. Und da ist es dann wurscht , ob sich diese aus kulturellen, spirituellen, politischen, philosophischen, wirtschaftlichen, religiösen Quellen oder was es auch immer noch an systemischen Hintergründen gibt, speist. Grade Scholl-Latour zeigt das immer unfreiwillig schön, denn der "Clash of cultures", mit dem der Typ seit Jahren als Möchtegernexperte durch alle Talkshows tingelt zeigt wenig über die beschriebenen Phänomene, dafür viel über die ideologische Position einer eurozentrischen Sichtweise. Den Typ (und seinesgleichen, die Huntingtons Ideologie, nichts anderes sehe ich darin, vertreten) hab ich gefressen.

Viele Grüße
HB



Dieser Beitrag wurde insgesamt 2 mal editiert. Das letzte mal 17.12.2008, 12:59 von Hellblazer.


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Kein neuer Beitrag Eggi , 17.12.2008, 14:20 Beitrag #4   
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Nur wurde seit ....ja eigentlich schon immer....... die Religion benutzt, um Massen zu bewegen, damit sie anderen Menschen weh tun.

Jedem seine Meinung. Ich halte Scholl-Latour für einen schlaueren und wissenderen Menschen als die allermeisten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wie in den Filmen beschrieben.


Gehe deinen Weg

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Kein neuer Beitrag MartinM , 17.12.2008, 17:52 Beitrag #5   
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Inzwischen scheinen es sogar Kirchenvertreter als Alternative zu sehen: Religion oder Ethik ;)

MM


»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.«
Sophokles

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Kein neuer Beitrag thursa , 18.12.2008, 17:53 Beitrag #6   
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Homepage: http://riesenheim.net
 
 
Uh, die unfreiwillige Komik hinter dieser Kampagne war mir noch gar nicht aufgefallen.

Überhaupt betrachte ich ja Religion nicht als zuverlässige Quelle für Instruktionen für ein gutes Leben. Eine allgemein praktikable Ethik läßt sich für mich zuverlässiger rational begründen.

Ich würd da gerne noch tiefer einsteigen, muß aber packen, weil da ne Reise ansteht :/


For “unheard of” means only it’s undreamed of yet;
“Impossible” means not yet done.
(Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )

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Kein neuer Beitrag Lifthrasir , 18.12.2008, 22:18 Beitrag #7   
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Registrierung: 10.12.2007, 21:05
 
 
Peter Scholl-Latour habe ich ein paar Tage nach dem 11. September 2001 bei... Friedman glaube ich gesehen (Fernsehen, Talkshow). Er hat da so Sachen abgelassen wie "jetzt brauchen wir die europäische Bombe, und Kriege muss man führen, um zu gewinnen". Ich erinnere mich, daß ich gedacht habe, "solche Sachen darf man also jetzt (unwidersprochen) im deutschen Fernsehen sagen". Seitdem teile ich da Hellblazers Einschätzung.

Zur Religion als Gefahr ist anzumerken, daß Asatru nicht missioniert, und das meines Wissens auch früher nicht getan hat. Sprich, der Missionsgedanke (bzw. die Vorstellung, es gebe "Ungläubige" und die eigene Religion sei deren überlegen, und müsse ihnen deswegen beigebracht werden) fällt schon mal weg. Das war dann schon der Hauptanlaß für religiösen Fundamentalismus.

Weiterhin gibt es meines Wissens im Asatru keine autoritären oder okkulten Strukturen (zumindest keine nennenswerten). Machenschaften gibt es natürlich immer, und überall. Ist halt menschlich.

Was passiert, wenn Asatru irgendwann ernsthaft zwischen die Fronten von z.B. Christentum und Islam geraten würde (beides monotheistische Religionen mit Fanatikeranteil) läßt sich schwer abschätzen. Die meisten Asatruar sehen sich als wehrhaft, daher kann es eine Radikalisierung geben (siehe Diskussionsthreads zu "Asatru und Islam" anderswo).

Ein Fehler, den man nicht machen darf, ist anzunehmen, daß Asatruar bzw. Heiden/Naturreligiöse automatisch bessere, weisere Menschen sind. Dem ist entschieden nicht so. Im Asatru findet man wohl eher den Querschnitt der Gesellschaft, anstatt den eines Kirchenfestes oder eines Terrorcamps. Dementsprechend sieht die Szenerie aus - weder werfen alle mit Blümchen um sich, noch gibt es irgendwelche Bibelstunden, noch findet paramilitärische Ausbildung statt. Alle arbeiten, shoppen, hängen vorm Fernsehen, wie der Rest auch.

Ich denke, es ist klar, daß ich Asatru für ziemlich harmlos in dieser Hinsicht halte. Kommt aber auch immer auf den Einzelfall an.

Ob Asatru jetzt gut für einen ist, kann ich nicht direkt sagen. Für mich ist es gut, weil es mir bestimmte Systeme und Methoden bietet, mit einigen Dingen umzugehen. Ich hab ja nun eine enge Verbindung zur Hel, und gehe vieles aus dieser Perspektive an - aus meiner sich erweiternden Vorstellung über Unterwelt, Tod und Leben, Schicksal usw., von daher bin ich sicher nicht der typische Asatruar (streng genommen bin ich gar nicht asatru). Es ist aber als Perspektive gar nicht schlecht, man sieht sozusagen die anderen Schauplätze (Chaos gegen Ordnung, Fruchtbarkeit etc) "von außen". Es gibt mir also eine neue Perspektive. Es hilft mir auch konkret, mit dem Tod von Verwandten umzugehen. Wenn ich in einem Traum oder einer "Vision" Helheim sehe, und weiß, daß meine Vorfahren dort sind, geht es mir besser. Es ist ein friedlicher, freundlicher und stiller Ort.

Es gibt sicher Leute, die sowas nicht brauchen, oder meinen, das nicht zu brauchen. Auch gut, da ich nicht missionieren brauche (kein göttlicher Auftrag etc), kann das gerne jeder handhaben, wie er will.

Persönlich kann ich sagen, daß Asatru mein Leben bereichert, ohne daß anderen etwas weggenommen wird oder sich jemand bedroht fühlen muß.


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Kein neuer Beitrag Etrigan , 18.12.2008, 22:44 Beitrag #8   
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Hoi

Religionskriege sind Konflikte zwischen erwachsenen Menschen, bei denen es darum geht, wer den cooleren imaginären Freund hat.

In Anbetracht dieser Definition kann man natürlich auch Rückschlüsse auf das Thema Religion ziehen :pfeif:

Grüße

Etrigan


Die Liebe ist eine vorrübergehende Geisteskrankheit, die entweder durch Heirat heilbar ist oder durch die Entfernung des Patienten von den Einflüssen, unter denen er sich die Krankheit zugezogen hat. (Ambrose Bierce)

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Kein neuer Beitrag Eggi , 19.12.2008, 08:02 Beitrag #9   
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@Lifthrasir: Scholl-Latour hat recht, denn was bringt es einem, wenn in extremen Situationen und Bedrohungen nicht extrem reagiert wird. Man geht unter.
Allerdings ob die Art der Reaktion auf diese Aktion richtig ist, ist unklar, aber das werden wir früher oder später merken.

An unserer heidnischen Einstellung gefällt mir genau das, daß es nicht missionieren will. Entweder man überzeugt sich selbst oder man läßt es.
Der heidnische Glaube ist gewachsen und ist keine Offenbarungsreligion, die z. T. mit Feuer und Schwert missionieren will.

Für mich habe ich es als Weltanschauung favorisiert und nicht als Glaube.


Mich hatte mal ein Muslime im Unterricht zu überzeugen versucht, daß der muslimische Glaube besser als der christliche.
Begründung: "Unser Glaube ist neuer und daher moderner. Also ist er besser." Ja, ne, is klar...... :-O


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Kein neuer Beitrag Hellblazer , 19.12.2008, 09:03 Beitrag #10   
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es bringt einem weniger Eskalation und mehr Konstruktivität. Es bringt einem die Möglichkeit, nicht berechenbar das zu tun, wozu einen jemand provozieren will sondern das, was man selbst möchte. Es bringt den Schritt vom Automatismus in echtes "mattr ok megin". Es bringt die Möglichkeit, zu agieren statt zu reagieren. Es bringt die Erkenntnis, dass es keine eine Wahrheit gibt, die alles, was ihr nicht entspricht als "falsch" ausschließt und bekämpfen will, weil eine Anerkennung nach dieser Logik ja bedeuten würde, selber "falsch" zu liegen, wenn anderes "wahr" wäre.

Es bringt Frieden, Prosperität für alle und ein Mit- und Füreinander von Verschiedenheiten, die sich ergänzen statt zu bekämpfen.

Und damit anfangen kann man immer nur selbst, denn es ist müßig, von anderen Taten zu fordern. Ich kann niemanden tun. Ich kann aber selber tun.

Grüße
HB



Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 19.12.2008, 09:04 von Hellblazer.


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Kein neuer Beitrag Hjalmarr , 01.01.2009, 18:38 Beitrag #11   
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Registrierung: 20.08.2007, 19:49
 
 
Ist die Frage was man bei "Naturreligionen" (oder besser "Primärreligionen"; siehe Martins WuWe-Artikel "Die alten germanen hatten keine Religion" ) als "Religion" benennen will. Die ganze Kultur? Die spirituellen Elemente dieser Kultur? Oder nur die (sichtbaren) Kulthandlungen? Oder wie bei HB die Denkweise dieser Kultur? Eine "Religion" im abendländischen Sinne muss man da reinprojezieren, wenn man sie finden will....

Wenn man es "herrunterbricht" auf das was irgendwie wie Religiösität aussieht (-da fehlt dann schon wahnsinnig viel...) hat man eine - zugegebenermaßen magere - Vergleichsbasis:

Ich hab mir mal ne "Theorie" (oder hier besser ein "Modell" ) zusammengereimt, dass Religiösität drei "Ursachen" hat, die aber selten in Reinform vorkommen, sondern meist vermischt. (Die religiöse Erfahrung hab ich mal rausgelassen, da die m.E. meist anhand der bekannten Strukturen wahrgenommen wird.)

1. Tradition/Sitte
2. Pragmatismus/Notwendigkeit
3. Ideologie/Glaubenslehre

1: Religiösität wird von den "Alten" (Eltern, Großeltern, Lehrer usw.) übernommen und fortgeführt. Rituale solcher Religiösität in sehr starker Ausprägung werden oft hohl, langweilig und kalt.

2. Religiösität hilft dem Menschen bei seinen alltäglichen Problemen, aber auch in Notlagen des Lebens. Der Mensch macht sie sich "passend", denn er entwickelt seine eigene Variation durch Versuch und Irrtum. Was funktioniert wird beibehalten, was nicht funktioniert wird verworfen. In extremer Reinform kann der Kult zu einem bloßen Dienstbarmachen des Göttlichen kommen.

3. Religiösität wird aus einer Glaubenslehre (Predigt, Buch, Schriften, oder sonstige Tradierung) übernommen. Die Lehre durchdringt alle Aspekte des Religiösen und die einzige Flexibilität liegt in der persönlichen Interpretation der heiligen Lehre. In Extremform kann die Frage nach der "richtigen" und "falschen" Deutung zum Kampf gegen "Ketzter" werden.

In Reinform sind diese Extreme m.E. nicht vorzufinden, alle mir bekannten Religionen und Religionskulturen enthalten etwas von allen drei Ursachen. Für mein Asatru ist mir wichtig, dass ich 1. und 2. in Einklang bringe und 3. so gut es geht vermeide... (im Gegensatz zu gewissen Heidenpäpsten) ;-)

Gruß, Jari



Außerhalb Midgards leben nur Tiere und Götter.


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Kein neuer Beitrag thursa , 01.01.2009, 21:03 Beitrag #12   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 03.09.2007, 22:03
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Hm... ich habe gerade heute morgen über "mein Heidentum" nachgedacht und festgestellt, daß - ob man Asatrú jetzt als Religion klassifiziert oder nicht - das Erleben, Erfahren und Selbermachen sowie der lebendige Kontakt mit "anderen Welten" für mich eine große, wenn nicht tragende Rolle spielen.
In alltäglicher Sprache: ich interessiere mich nicht für Religion als Regelwerk für ein gutes Leben und eher marginal für das sogenannte Jenseits; als integratives Element in meinem Identitätsmosaik (das trotzdem immer wieder durcheinandergerät und neu angeordnet sein will) spielt das sogenannte Spirituelle zwar eine Rolle, aber nicht im klassischen Sinne identitätsstiftend. Was mich dagegen interessiert, ist das, was man im Alltagsdeutsch grob unter "gelebte Spiritualität" verstehen würde.

Und da liegt für mich ein Unterschied zu Religion als Machtinstrument und als Ideologie. Eine ideologisch geprägte Religion wird meiner Einschätzung nach versuchen zu verhindern, daß Menschen ihre eigene Erfahrung mit dem Göttlichen machen (oder daß diese als authentisch und berechtigt anerkannt wird), weil ja die Möglichkeit besteht, daß diese Erfahrung der Ideologie widerspricht.

Achja, und ich kriege regelmäßig einen Hals, wenn ich Würdenträger der großen Religionen höre, wie sie moralinsaure, frauenfeindliche und homophome Reden schwingen, die von einem unglaublich negativen Menschenbild nur so triefen, denn Religion könnte statt einer Quelle der Unterdrückung und Indoktrination auch eine Quelle von Kraft und Freiheit sein. Leider kann ich auch nicht sagen, daß Dummheit aussterben wird, wenn ich z.B. von einem älteren Pfarrer über junge Leute in seiner (evangelisch-lutherischen) Gemeinde sagen höre: "Ich falle vom Stuhl, wie konservativ die Leute sind".

Um zum Thema zurückzukommen: der Kontakt mit "anderen Welten" ist für mich ein Bedürfnis wie Essen und Schlafen, hat mit handelsüblichen Ausprägungen von Religion aber wenig zu tun. Andere Menschen haben dieses Bedürfnis vielleicht nicht oder befriedigen es anders als auf Wegen, die man landläufig als "spirituell" bezeichnen würden.

Soweit meine 5 Cent zu dem Thema...

thursa


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