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Hrafnsgaldr |
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"Zahl traumatisierter Soldaten steigt" titelt eine Kurzmeldung in der Marburger Regionalpresse.
Demnach wurden - mit Berufung auf eine Meldung des Bundesverteidigungsministeriums - im 1.Halbjahr 2009 50% mehr Fälle von Posttraumatischer Belastungsstörung bei Bundeswehrsoldaten festgestellt als im Vorjahreszeitraum. Konkret wurde im ersten Halbjahr 2008 bei 125 Soldaten eine PtBs festgestellt - wohingegen im gleichen Zeitraum 2009 bereits 186 Fälle bekannt wurden.
Interessant auch, dass seitens des Ministeriums "nur" von einer Steigerung der Fälle um 30% ausgegangen wurde... Man geht also ganz konkret von Posttraumatischen Belastungsstörungen bei Bundeswehrsoldaten aus.
152 der insgesamt betroffenen 186 Soldaten hatten übrigens in Afghanistan Dienst geleistet.
Es bleibt zwar u.a. auch die Frage, woher sich die übrigens 34 Fälle "rekrutieren" - und sagt noch nichts über entsprechende Fälle bei den in Afghanistan eingesetzten Soldaten anderer Nationen, ganz zu schweigen von der Zivilbevölkerung aus - aber es klingt ja insgesamt wirklich nicht grad nach einer Spazierfahrt im afghanischen Sonnenschein...
Mieleni minun tekevi, aivoni ajattelevi lähteäni laulamahan, saa'ani sanelemahan, sukuvirttä suoltamahan, lajivirttä laulamahan. Sanat suussani sulavat, puhe'et putoelevat, kielelleni kerkiävät. (Kalevala)
Dieser Beitrag wurde insgesamt 2 mal editiert. Das letzte mal 03.11.2009, 16:24 von Sturmauge.
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Na ja, inzwischen nimmt ja sogar der neue Verteidigungsminister zu Guttenberg das "K"-Wort in den Mund - wenn auch vorsichtig. (Vielleicht, weil er noch nicht allzu viel Erfahrung als Politiker hat? *bitter grins*)
MM
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
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Hrafnsgaldr |
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Hi Martin,
ich vermute mal, "man" partizipiert da auch von den Erfahrungen der US-Streitkräfte aus dem Vietnam-Krieg: Dass mit umso mehr Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen ist, je besser die (z.B. durch die Medien) informiert ist. Und kriegerische Verstrickungen deutscher Soldaten im Ausland ist wohl auch nach wie vor ein Reizthema...
Mich würde allerdings auch sehr interessieren, inwiefern es, seitens der Bundeswehr u/o der Regierung, adäquate, psychologische Betreuungsmaßnahmen für diese Rückkehrer gibt...
Gruß Kai
Mieleni minun tekevi, aivoni ajattelevi lähteäni laulamahan, saa'ani sanelemahan, sukuvirttä suoltamahan, lajivirttä laulamahan. Sanat suussani sulavat, puhe'et putoelevat, kielelleni kerkiävät. (Kalevala)
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Über Afghanistan erfahren wir bzw. die Journalisten, offensichtlich so wenig wie möglich. Weil ja ganz genau bekannt ist, wie unpopulär dieser Kriegseinsatz, der offiziell keiner ist, in der Bevölkerung ist. Die Vietnam-Erfahrung wird eine Rolle spielen, wahrscheinlich auch die Erfahrung aus dem Kosovo-Krieg - nämlich die, dass Propagandalügen unangenehm schnell auffliegen können. Also informiert man so wenig wie möglich. (Und die Medien haben sich auffallend lange mit kritischen Fragen zurückgehalten.) So konnte die Legende von der "bewaffneten Entwicklungshilfe" im "sicheren Norden" sich halten - ohne das dafür groß gelogen werden musste. Die Legende wurde durch IMO durch mangelndes Wissen stabilisiert.
Guttenberg ist, obwohl CSU-Mann, schon ein anderer Typ Politiker als der "stramme Parteisoldat" Jung. Zumindest hat er Gespür für das Publikum, und weiß, dass er sich mit offensichtlich nicht den Realitäten entsprechenden Sprachregelungen nur unglaubwürdig macht. Zum Teil scheint das aber auch darauf zurückzuführen sein, dass er noch relativ neu im politischen Geschäft ist. Ich erwarte aber trotzdem, dass er stramm loyal zur NATO-Linie stehen wird.
Ja, es gibt eine psychologische Betreuung für taumatisierte Bundeswehrsoldaten. Schon aus Gründen des Selbstschutzes (man denke an diesen amoklaufenden Irak-Veteranen vor ein paar Jahren). Ob sie hinreichend ist, wage ich nicht zu beurteilen.
MM
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
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Zwar gibt es Angebote, aber die große Frage ist doch, ob die wirklich sinnvoll dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Und da gibt es offenbar Probleme:
Ein Betroffener sagt:
Zitat: "Wenn die Leute aus dem Einsatz zurückkommen, gibt es ein Nachbereitungsseminar bei der Bundeswehr. Ein, zwei Tage, in denen bis zu zwanzig Soldaten im Raum sitzen und über ihre Erfahrungen und Eindrücke reden können - aber in den seltensten Fällen wollen. Das war's. Danach bleibt jeder sich selbst überlassen."
Wenn Soldaten auf "harte Kerle" gedrillt werden, paßt es nämlich nicht in's Selbstbild, sich selber und anderen einzugestehen, daß die Seele verwundet wurde...
Mehr dazu hier.
Greetz K.
"Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus, proportional zum eigenen Mut." Anaïs Nin
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Hallo Leute,
eine posttraumatische Belastungsstörung ist, anders als bei der akuten Belastungsreaktion, die der bösen Tat auf dem Fuße folgt und üblicherweise nach einiger Zeit wieder vergeht bzw. überwunden ist (ca. 1 Monat) , eine Störung, die zeitverzögert eintritt. Sie ist verbunden mit außergewöhnlicher Bedrohung/Belastung mit katastrophenartigem Ausmaß, Dinge, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würden! Es kann – und das wird auch diskutiert – eine Veranlagung vorliegen, ohne das Ereignis aber, welches wiederum bei fast jedem eine solche Reaktion hervorrufen würde, wäre die Störung jedoch nicht aufgetreten.
Eine posttraumatische Belastungsstörung kann auftreten, weil einem selbst etwas Schreckliches geschehen ist, aber auch weil man dieses beobachtet hat, will sagen, Zeuge davon geworden ist.
Die Soldaten, von denen hier die Rede ist, bekommen nach entsprechenden Einsätzen wohl eine Beratung und Gespräche. Die allein greifen zu kurz und können auch alle möglichen Reaktionen auf das Erlebte gar nicht vorwegnehmen, weil sie vorwegnehmen müssten, was u.U. noch nicht eingetreten ist. Zudem kommt hinzu, dass diese Störung noch nicht sehr lange in das Bewusstsein der Psychiatrie gerückt ist. Ich denke, die Bundeswehr und all die öffentlichen Institutionen einfach mit ihren „Aufgaben“ nicht mitgewachsen sind, noch nicht. Immerhin sind wir ja schon so weit, dass es kurzfristige psychologische Betreuung bei Katastrophenfällen gibt, auch für Polizisten, Rettungskräfte etc.. Aber letztlich ist und bleiben die Psychiatrie und ihre Notfälle immer noch Stiefkinder der Medizin.
Ob wir Krieg führen in Afghanistan? Das ist akademische Definitionssache. Fragt doch mal Afghanen, wie sie sich in ihrem Land empfinden? Gerade soeben verabschiede ich eine Gruppe Afghanen( und Iraner und Pakistaner), die Stipendiaten in Deutschland sind. Sie waren „gut drauf“ , und die Frauen so stark und selbstbewusst. Man mag den Bildern gar nicht glauben, die man manchmal sieht . Und nein, es sind keine Stipendiaten aus der „Oberschicht“. Sie alle wollen etwas für ihr Land: Frieden, Gerechtigkeit, Wohlstand. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Afghanistan beträgt für Männer 47 Jahre, für Frauen 45. Sie wissen ganz genau: Zunächst einmal schaden sie sich selber untereinander, ethnisch, religiös…………Fast alle sind irgendwie traumatisiert, fast jede/r hat unter Verfolgung, Unterdrückung gelitten, viele haben Familienmitglieder verloren. Zu Beginn unseres Treffens hielten wir eine Schweigeminute ab für Sultan Munadi, Stipendiat in Erfurt, erschossen im Heimaturlaub, als er den Briten Farrell begleitete und von Taliban entführt wurde, gerade vor einigen Wochen. geschehen. Eigentlich hätte er bei uns sein sollen, vielleicht mir mir gesprochen, vielleicht mit uns getanzt. Wie gesagt, viele haben Schlimmes erlebt; viele sagen, sie möchten von den Deutschen lernen. DIE hätten es doch auch geschafft, with a little help from their friends….
Ich weiß nicht, ob es richtig ist, dass der Westen dort mitmischt; ich persönlich hätte lieber keinen deutschen Soldaten dort, sondern mehr Brunnenbauer und Krankenhausbauer und Lehrer und Ärzte, mehr Schulen und Universitäten. Tatsache ist: wir haben davon nicht genug da vor Ort und man kann es denen, die dort nicht mehr hingehen, es auch nicht verdenken, dass sie es nicht tun wollen. Aber OHNE Soldaten, wäre dort niemand; die Frauen wären wieder nichtexistent, alle diese jungen und „hungrigen“ jungen Menschen wären nicht jung und hungrig, sondern stumpf und /oder tot.
Die Welt ist schlecht und die Politik ist schmutzig, und warum nun ausgerechnet Irak und Afghanistan und nicht z.B,. Saudi Arabien oder Nordkorea oder der Jemen…….werden wir nicht ergründen können. Tatsache ist aber auch, dass die Welt groß ist und doch klein, und das das, was dort geschieht, Auswirkungen hat auf das, was hier geschieht. Und wir können nicht so tun, als ginge uns alles nix an, auch wenn wir uns (ausnahmsweise) mal nicht schuldig fühlen müss(t)en.
Das sind nur mal meine 5 ct. zum Thema, weil gerade emotional und rational damit befasst und davon beeindruckt………………..auch von den IranerInnen, die gestern alle grün trugen zum Zeichen des Studentenprotestes und dem Glauben daran, dass man die Welt ändern kann. Tja, ich wünschte, ich wäre jung genug, um daran zu glauben, dass sich der Mensch ändern kann. So bleibt mir nur die Freude, dass es Momente gibt, in denen es nicht nur oder zwar nicht multikulti zugeht aber interkulturelle Kommunikation möglich ist – und der Funke Hoffnung auf Weltfrieden etwas kräftiger glimmt als zuvor…………
Carola
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By the way (?)
Schießerei auf einem US-Militärstützpunkt
Aufgrund der letzten vier Zeilen bei dieser Meldung warte ich mal ab, was da noch an Hintergründen zum Vorschein kommt...
@Karan: Vielen Dank für den Link ! 
Mieleni minun tekevi, aivoni ajattelevi lähteäni laulamahan, saa'ani sanelemahan, sukuvirttä suoltamahan, lajivirttä laulamahan. Sanat suussani sulavat, puhe'et putoelevat, kielelleni kerkiävät. (Kalevala)
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 05.11.2009, 23:17 von Sturmauge.
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Bei sowas zum Beispiel möchte ich den "Simulanten"-Schreiern am liebsten straightemang und mit Anlauf ins Gesicht kotzen !
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/der-kriegszitterer/
Mieleni minun tekevi, aivoni ajattelevi lähteäni laulamahan, saa'ani sanelemahan, sukuvirttä suoltamahan, lajivirttä laulamahan. Sanat suussani sulavat, puhe'et putoelevat, kielelleni kerkiävät. (Kalevala)
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 20.11.2010, 17:45 von Sturmauge.
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Ja, und was dabei besonders widerlich ist, ist das die Bundeswehr-Offiziellen im Fall "Kriegstrauma" deutlich hinter ihre Vorgänger in der kaiserlichen Armee und sogar in der Wehrmacht zurückfallen. Na ja, wo "offiziell" kein Krieg ist, da hat es gefälligst "offiziell" kein Kriegstrauma zu geben.  Und im Zweifel ist sowieso jeder, dem es mieß geht, "selber schuld".
Martin
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
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Davon werden wir noch viel mehr bekommen... Als nächstes ist ja der Jemen dran, da muss unsere Junta ja sicher auch vorne mitmischen.
Jan
Den jungen Menschen sage ich: seht Euch um, dann werdet Ihr die Themen finden, für die Empörung sich lohnt - Ihr werdet auf konkrete Situationen stossen, die Euch veranlassen, Euch gemeinsam mit anderen zu engagieren. Suchet, und Ihr werdet finden ! Stéphane Hessel
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