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Ich fand gerade diese Meta-Liste zum Thema Privilegien und wollte die mal mit Euch teilen. Gerade weil ich mir letztens überlegt hatte, die Listen zum Thema "white privilege" und "straight privilege" mal zu übersetzen.
For “unheard of” means only it’s undreamed of yet; “Impossible” means not yet done. (Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )
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Ich halte eine Übersetzung für eine gute Idee. Allerdings sind mir bei flüchtigen Durchsehen einige Sachen aufgefallen, die ziemlich USA-spezifisch sind, d. h. die Listen müssten u. U. für unsere Verhältnisse angepasst werden. Listen der "weißen Privilegien" und "heterosexuelle Privilegien" halte auch ich für besonders wichtig, weil ich erstaunlich oft zu hören bekomme, in Deutschland gäbe es Rassismus allenfalls bei Rechtsextremisten, und die Schwulen- und Lesbenfeindschaft würde heute, im Gegensatz zu "früher" (wann immer das war) keine große Rolle mehr spielen. Von wegen!
Martin
"Ein Spießer ist jemand, der seine Unzulänglichkeit erkennt und sich darin wohlfühlt." Thomas Mann
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Moin!
War neulich noch total geschockt als ich gehört hab, das schwule Männer kein Blut spenden dürfen, hab gedacht sowas hätten wir hinter uns. Ich mein klar, in den 80ern war Aids da schon ein echtes Problem, aber heutzutage??
Ich meinte diesbezüglich neulich ne Statistik gesehen zu haben, das Aids eben NICHT mehr nur bei schwulen Männern besonders häufig is, sondern inzwischen bei Heteros zum Problem wird, weil wohl scheinbar viele meinen, sowas ginge sie nix an und sie müssten sich net schützen.
Ich war in nem Forum über diesen Link gestolpert: http://www.schwulesblut.de/
Wie gesagt, wusste das bisher nicht und war leicht schockiert.
aeternitas
Den jungen Menschen sage ich: seht Euch um, dann werdet Ihr die Themen finden, für die Empörung sich lohnt - Ihr werdet auf konkrete Situationen stossen, die Euch veranlassen, Euch gemeinsam mit anderen zu engagieren. Suchet, und Ihr werdet finden ! Stéphane Hessel
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aeternitas hat folgendes geschrieben: War neulich noch total geschockt als ich gehört hab, das schwule Männer kein Blut spenden dürfen, hab gedacht sowas hätten wir hinter uns.
Nee, das ist tatsächlich noch immer so.
Bezeichnenderweise wurden Lesben lange unter "Homosexuelle, also Risikogruppe" subsumiert, bis meines Wissens irgendwem mal auffiel, daß lesbische Sexualpraktiken nicht so risikobehaftet sein sollen (obwohl noch gar nicht untersucht ist, wie virushaltig bestimmte weibliche Körpersekrete sein können...) Lesben und bisexuelle Frauen dürfen jetzt also Blut spenden. Und in der gängigen Aufklärung, also wenn ich mich nicht explizit an lesbische Beratungsstellen wende, gilt halt immer noch weitestgehend Sex = Penis involviert = Kondom und basta. In der Schwulenszene gibt's schon eine sehr aktive Aufklärung, die fehlt halt bei Heteros. (Ich würde nicht sagen, daß AIDS kein Problem mehr ist, auch hier nicht, aber das hat einzig und allein mit Risikoverhalten zu tun.)
@Martin wg. spezifisch amerikanischer Verhältnisse: Auf jeden Fall! Da könnte einiges unterschiedlich sein und ich fände es wichtig, explizit zu machen, wo ich/wir diese Unterschiede sehe.
LG
thursa
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Moin!
Ich wollte echt nicht andeuten, das es mit AIDS nun keinerlei Probleme mehr gibt, meines Wissens (ja, ausm Internet) ist jedoch die Rate der Neuinfizierungen bei Heteros im Steigen begriffen, während bei Schwulen die Rate zurückgeht. Eben weil die Leute denken, ihnen kann ja nix passieren, sind ja net schwul... (als ob son Virus da unterscheiden würde) Syphilis is ja auch wieder ein Problem im Westen, weil hier scheinbar alle zu doof sind, Gummis zu benutzen... (Sowas kriegen ja nur "die Anderen" ).
weg. amerikanische Verhältnisse, die habens dort in der Hinsicht leichter, das dort zwei Wörter, nämlich "gender" (soziales u. Psychologisches Geschlecht) und "sex" (biologisches Geschlecht) im Gebrauch sind, dadurch lassen sich viele Dinge sehr viel einfacher erklären, als in DE, wo es nur "Geschlecht" gibt, was hauptsächlich biologisch gemeint ist. (Die Piraten haben da eine ganz gute Idee in ihrem Wahlprogramm, sehr fortschrittlich)
aeternitas
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FYI - hab mich mal dran gemacht, die Christian Privilege Checklist zu übersetzen: http://openetherpad.org/nJtbG28qbK
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alura , 10.04.2012, 12:12
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Beitrag #8
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MartinM hat folgendes geschrieben: Ich halte eine Übersetzung für eine gute Idee. Allerdings sind mir bei flüchtigen Durchsehen einige Sachen aufgefallen, die ziemlich USA-spezifisch sind, d. h. die Listen müssten u. U. für unsere Verhältnisse angepasst werden. Listen der "weißen Privilegien" und "heterosexuelle Privilegien" halte auch ich für besonders wichtig, weil ich erstaunlich oft zu hören bekomme, in Deutschland gäbe es Rassismus allenfalls bei Rechtsextremisten, und die Schwulen- und Lesbenfeindschaft würde heute, im Gegensatz zu "früher" (wann immer das war) keine große Rolle mehr spielen. Von wegen!
Martin
Alle diese Listen sind jeweils Listen von Mehrheitsprivilegien. Ein Teil der Diskriminierung geht von Mitgliedern der Mehrheit aus, die einen geringen Status habe. Eine (nicht als gleichwertig eingestufte) Minderheit bietet genau diesen Leuten die Möglichkeit, auf Kosten der Minderheit, das Erlebnis höheren Statusses zu haben.
Das Streben nach höherem Status, ein Relikt aus dem Rudelverhalten, dürfte damit die Wurzel des Übels sein. Wenn diese Listen bei der Bewusstmachung und Überwindung dieses Problems hilft, dann sollte man das mehr verbreiten.
LG Alura
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Frauen sind zahlenmäßig keine Minderheit.
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Da hatte ich auch schon dran gedacht  Ich denke da hängt es schlicht an der Muskelmasse.
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Hi,
hab jetzt direkt bei Thursa kommentiert, allerdings etwas direkt "aus dem Bauch raus". VIelleicht kommen mir da später noch andere Gedanken zu. 
Aber ich trag mal noch was anderes zum Thema bei.
Aalso, kleiner Exkurs: Ich bin immer wieder interessiert an guten, interessanten Bands (also Musik ), auch aus "entlegenen" Regionen. Bzw. seit ich angefangen habe, Metal zu hören, falllen mir halt auch immer wieder interessante Bands aus Lateinamerika und Asien in die Hände und ins Auge wie einseitig und langweilig! doch die eurozentristische SIchtweise ist. Naja, vor ein paar Tagen stieß ich dann darauf, dass u.a. Madagaskar und Botswana kleine Metalszenen entwickelt haben (man kann dabei i.ü. imo gut erkennen, welchen afrikanischen Ländern es etwas besser geht). Ich find das total spannend was sich da tut (und vielleicht gibts da auch demnächst mal Links im Musikthread).
Dabei stieß ich über die related links bei yt auf dieses Video, das dann auch etliche Reaktionen hervorgerufen hat. Also, kurz: Shennie, eIn siebzehnjähriges afroamerikanisches Mädel erklärt sich, warum sie Rock und Metal mag und arbeitet sich an der Zuschreibung black=Hip Hop ab. Die Reaktionen, zumindest die die ich ansah, waren von der Sorte: Ist doch egal, hör was Dir passt. (Und an der Stelle hätt aus meiner! Sicht ein kurzes Statement gereicht und gut is.) Dann kamen sie aber auch mit für meine Ohren! länglichen Texten darüber, dass sowas doch kein Problem ist und kaukasian people ja auch Hip Hop hören, ohne, dass man sie fragt, warum sie nicht besser "weiße Musik" hören.
Und DA war es wieder: Das unbewusste Privileg. Ich mein, ich kann hören, was und wie ich es will und natürlich wünsch ich mir das für jeden Menschen auf der Welt! Aber leider ist das alltägliche Erleben ein anderes und diese für mich tatsächlich etwas befremdlichen - ich sagte ja bereits: länglichen - Erklärungen - das Energiestecken in etwas, das für mich selbstverständlich ist. Dieses sich erklären- und rechtfertigen müssen.... ja, da wird es greifbar, auch was mit den betroffenen Menschen macht und wie es sie einengt.
Wobei mich an all dem btw. der Begriff Privileg an sich stört, deutet er doch etwas an, das etwas Besonderes ist, was nicht für alle reicht. Und dabei ist es doch genau andersrum: Es ist Diskriminierung, es bestimmten Menschen vorzuenthalten!
Und - andersrum - wie ärmer und farbloser es die Welt macht, weil es verhindert, dass Ideen gehört, kreatives Schaffen eingebracht wird!
Weit weniger krass - wenn auch vorhanden - und diesmal bin auch ich Betroffene - empfinde ich da die Unterstellung, beim Metal (aber auch sonst in der Musikszene weit verbreitet) handele es sich um so ein Männerding. Aber das wär der nächste Exkurs, ich hab heut noch was vor. VIelleicht später...
Felis
Edit: Unüberlegtes geglättet, hab hier halt etwas runterschrieben und nicht Korrektur geguckt. 
Edit: @Thursa&Alura: Auch black people sind keine Minderheit - zumindest, wenn man auch den ganzen Rest in die einschlägigen Schubladen aufteilt (was aber schon wieder - zumindest latent - nicht unproblematisch ist, dieses Aufteilen. )
Mut ist, zu kämpfen. Auch wenn der Gegner übermächtig ist. (aktuelle Miserior-Kampagne) --- Ganz unglücklich ist niemand, ist er gleich nicht gesund: Einer hat an Söhnen Segen, Einer an Freunden, einer an vielem Gut, Einer an trefflichem Tun. (Havamal)
Dieser Beitrag wurde insgesamt 2 mal editiert. Das letzte mal 10.04.2012, 14:43 von Felicitas.
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So, jetzt etwas überlegter...
Ich finde, Mehrheiten/Minderheiten ist kein sinnvolles Erklärungsmuster, wenn es um diese gesellschaftlichen Machtverhältnisse geht. Das, was die Diskursanalyse die 'hegemoniale Position' nennt, d.h. die Position, die als "normal"/"gesund"/"richtig" gilt, wird gelegentlich von zahlenmäßigen Minderheiten besetzt (oder sind begüterte weiße Männer, die Zugang zu Bildung haben, eine Mehrheit?). Und schon die Kriterien "Wer gehört dazu, wer nicht" sind ein Machtspiel.
LG
thursa
For “unheard of” means only it’s undreamed of yet; “Impossible” means not yet done. (Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )
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Liebe Thursa! Danke für den Einwand. Wahrscheinlich war mein Ansatz sehr vereinfacht dargestellt und kann auch nur ein Teil einer Erklärung sein. Ich versuche meinen Gedanken einfach einmal weiter zu entwickeln. Ich freue mich auf weitere Anmerkungen.
Mehrheiten sind zum einen immer relativ. Dass außerhalb des "Sichtbereiches" die Verhältnisse anders sein können, ist mir völlig klar. Mir ist auch klar, dass die Herrschenden=Sehr Privilegierten nie eine Mehrheit sind. Sie benutzen ja lediglich eine gößere Gruppe von etwas weniger Privilegierten, denen sie aber das Gefühl vermitteln, Teil der privilegierten Mehrheit zu sein. Mithilfe dieser Gruppe entrechten sie die Mehrheit und sichern sie ihre Macht, als Beispiel sei da mal die Gesellschaftspyramide des Mittelalters genannt.
Sobald einmal Machtverhältnisse etabliert sind, ist das nur schwer zu ändern. Ähnlich wie ein Elefant, der als Jungtier den Pfahl, an den er gekettet war nicht ausreißen konnte und es als ausgewachsenes Tier dann gar nicht mehr versucht, ist auch der Mensch nur schwer von Vorstellungen abzubringen. Im Mittelalter propagierte die Kirche zusätzlich die Rechtmäßigkeit der Ungerechtigkeit. Heute glaubt das kaum noch jemand, aber die Pisa Studie hat ja gezeigt, dass es eigentlich immer noch wirkt.
Im 19.Jahrhundert änderte sich in Deutschland (wie auch in anderen Industrieländern) die Zusammensetzung der Gesellschaft. Die Industriearbeiter waren die absolute Mehrheit, aber völlig unterprivilegiert, obwohl sie ja den Reichtum erschufteten. Trotzdem änderten sich die Machtverhältnisse nur wenig. Möglicherweise ist auch gerade die patriarchale Struktur mit daran Schuld, jeder Mann hatte ja immer noch eine Frau "unter" sich. Damit fühlte sich die männliche Hälfte der Arbeiterschaft schon etwas weniger unterprivilegiert. Wer etwas hat, und sei es das kleinste Privileg, will das nicht hergeben. Eine der wichtigsten Wählergruppen der Nazis waren die vom sozialen Abstieg bedrohten Kleinbürger. Sie hatten bereits etwas zu verlieren.
Das Streben nach höherem Status scheint mir das Leben der meisten Menschen zu beherrschen. Dadurch wird der Mensch so leicht beherrschbar.
LG Alura
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