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Thema: "Pagans in Prison" [ Seite 1 ]

Kein neuer Beitrag Die Krähe , 17.05.2011, 20:19 Beitrag #1   
Usergruppe: DagansVidhri
Registrierung: 04.08.2007, 07:34
 
 
In Starhawks Blog habe ich einen sehr lesenswerten Artikel über Heiden in amerikanischen Gefängnissen gefunden.

Dort werden Häftlinge, die sich als heidnisch bekennen, hinsichtlich der Erfüllung ihrer spirituellen Bedürfnisse sehr anders behandelt als solche, die zu christlichen Gottesdiensten gehen wollen. Das geht aber nicht etwa von den Gefängnisseelsorgern aus (die, wie das Beispiel im Text verdeutlicht, in den meisten Fällen sehr eng und kollegial mit ihren heidnischen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten), sondern von der Gefängnisverwaltung selbst...


Zitat:
"While Christians get rewarded for attending their services, and their faith is a mark in their favor at parole hearings, Pagans run huge risks. They can get written up, they are often threatened or persecuted, and their faith can be used against them in parole hearings and earn them years more jail time."


Hinzu kommt dann auch noch die sowieso sehr unsoziale Struktur des Gesamtsystems Gefängnis in Amerika:


Zitat:
"I’m angry at the discrimination Pagan prisoners face, and I’m even more angry at the system as a whole, which targets poor people and people of color so disproportionately. The prison industrial complex has become a profit-making industry, a new form of slavery. Instead of rehabilitating and reintegrating offenders, it creates a permanent underclass. Draconian sentencing laws, the ‘War on Drugs’ which is really a war on poor people who use drugs, especially people of color, the whole punitive orientation of our society means we in the U.S. imprison more people than any other country in the world."


Ich frage mich, wie das in Deutschland läuft.

In Amerika ist es zumindest so, daß heidnische Gefangene überhaupt Ansprechpartner haben, auch wenn sie diese oft nur selten sehen. (In der amerikanischen Army läuft es übrigens ähnlich: die jeweiligen Chaplains sind verpflichtet, ihre Leute spirituell zu "versorgen", und wenn da nun jemand Wicca ist, der Chaplain aber Baptist, dann muß er sich umtun und jemanden finden, der sich um Wicca-Bedürfnisse kümmern kann).

Aber hier? Hier gibt's bestenfalls offenherzige Christen als ausgebildete und anerkannte Seelsorger, die das irgendwie auf dier Reihe kriegen. Offiziell ist mir nichts bekannt (übrigens auch nicht in der Bundeswehr oder auf dem Gebiet der Krankenhausseelsorge).

Oder weiß jemand was, das ich nicht weiß?

Neugierig grüßt
die Krähe


"Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus, proportional zum eigenen Mut."
Anaïs Nin


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Kein neuer Beitrag MartinM , 18.05.2011, 08:09 Beitrag #2   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 04.08.2007, 19:16
Homepage: http://martinm.twoday.net
 
 
Huhu,

in diesem Zusammenhang ist vielleicht diese Meldung des hpd interessant - auch wenn die Gefängnisseelsorge eine andere Bedeutung hat, als die Militärseelsorge, sind die struktuellen Probleme ähnlich:
US-Soldaten fordern humanistische Seelsorger.
Zitat:
Atheisten und Agnostiker in den US-amerikanischen Streitkräften fordern zunehmend energischer Seelsorger, die ihren säkularen Lebensauffassungen gerecht werden können. Mit diesem Ansinnen stoßen die nichtreligiösen Soldatinnen und Soldaten erwartungsgemäß auf harsche Ablehnung bei christlichen Geistlichen. In Deutschland wiederum gibt es sogar Widerstand aus den eigenen Reihen.

Der "Widerstand aus den eigenen Reihen" besteht darin, dass IBKA (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V.) und DFW (Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e. V. ) die Militärseelsorge generell als „moralische Aufrüstung des militärischen Personals“ ablehnen, da diese der öffentlichen Akzeptanz und Legitimationen von Kriegen dienen würde.

Ich beobachte die Haltung gegenüber den organisierten Atheisten und den Freireligiösen (der DFW z. B. vertritt auch Unitarier), weil wir Heiden eine derart winzige Minderheit sind, dass es praktisch keine offiziellen oder kirchenoffiziellen Reaktionen auf uns gibt. Aus dieser Sicht gehören wir sowieso in die Rubrik "Sonstige" - wo die Unitarier, die Freireligiösen und viele mehr eingeordnet sind (siehe auch den m. E. skandalösen Volkszählungsfragebogen).

MartinM


"Ein Spießer ist jemand, der seine Unzulänglichkeit erkennt und sich darin wohlfühlt." Thomas Mann

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Kein neuer Beitrag Hekate , 30.05.2011, 16:19 Beitrag #3   
Usergruppe: Besucher
Registrierung: 30.05.2011, 13:43
 
 
Also ich bin der Meinung, das wir Heiden, Andersgläube usw. mit den Thema "Soziales Umfeld" noch einen weiten Weg vor uns haben.

Es ist nicht nur die nicht vorhande Betreuung von Gefangen. Oder die Betreuung von Soldaten. Wir haben auch so kein soziales heidnisches Netz, für Heiraten, Scheidungen, Sterbefälle usw.

Im Grunde ist das meiste noch sehr vereinzelt. Klar, gibt es gewisse kleine Netzchen, aber ein wirkliches Netz gibt es noch nicht.

Gruss

Hekate



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