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OK, manch einer mag sich fragen, was das mit der Aett zu tun hat.
Aber vorweg... Der Berliner Christoper Street Day ist mir seit langem unsympathisch. Eine ziemlich entpolitisierte Veranstaltung, kommerzialisiert bis zum getno, Hauptsache Beats und viel nackte Haut. Firmen und Parteien nutzen das fleißig als Werbeplattform, es fehlt eigentlich nur noch ein Wagen der NPD. Mit anderen Worten: die reden mit jedem und bedienen aber hauptäschlich einen begüterten, weißen, männlichen schwulen Mainstream. Irgendwie ist mein Eindruck, es geht da hauptsächlich um Hetero-Privilegien für alle, aber alternative Beziehungskonzepte, Mehrfachzugehörigkeiten (jenseits von "ich bin schwul und ich bin in einer Gewerkschaft"), Kritik an Machismo... ist da kein Platz.
Eigentlich sollte Judith Butler vom Berliner CSD mit einem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet werden. Aber sie hat diesen Preis abgelehnt. Und richtig klasse fand ich ihre Argumentation:
Zitat: Einige der Veranstalter_innen haben sich explizit rassistisch geäußert bzw. sich nicht von diesen Äußerungen distanziert. Die veranstaltenden Organisationen weigern sich, antirassistische Politiken als wesentlichen Teil ihrer Arbeit zu verstehen. In diesem Sinne muss ich mich von dieser Komplizenschaft mit Rassismus einschließlich antimuslimischen Rassismus distanzieren. Wir haben alle bemerkt, dass Homo-, Bi-, Lesbisch-, Trans-, Queer-Leute benutzt werden können von jenen, die Kriege führen wollen, d. h. kulturelle Kriege gegen Migrantinnen durch forcierte Islamophobie und militärische Kriege gegen Irak und Afghanistan. Während dieser Zeit und durch diese Mittel werden wir rekrutiert für Nationalismus und Militarismus. Gegenwärtig behaupten viele europäische Regierungen, dass unsere schwule, lesbische, queer Freiheit beschützt werden muss und wir sind gehalten, zu glauben, dass der neue Hass gegen Immigrant_innen nötig ist, um uns zu schützen. Deswegen müssen wir nein sagen zu einem solchen Deal. Und wenn man nein sagen kann unter diesen Umständen, dann nenne ich das Courage. Aber wer sagt nein? Und wer erlebt diesen Rassismus? Wer sind die Queers, die wirklich gegen eine solche Politik kämpfen? Wenn ich also einen Preis für Courage annehmen würde, dann muss ich den Preis direkt an jene weiterreichen, die wirklich Courage demonstrieren. Wenn ich so könnte, würde ich den Preis weiterreichen an folgende Gruppen, die jetzt zu dieser Zeit und an diesem Ort Courage zeigen: (Quelle) (es folgte eine Aufzählung von Organisationen queerer Migrant_innen)
Für mich zeigt das Beispiel des Berliner CSD, was passieren kann, wenn man offen für alle und alles ist und über all den Versuchen, mit allen zu reden, vergißt, wofür man eigentlich steht und wo man folgerichtigerweise Grenzen setzen muß. Und Butler erinnert mich daran, daß es scheiße ist, wenn die Rechte verschiedener Menschengruppen gegeneinander ausgespielt werden sollen.
Jedenfalls: made my day, als ich das am Sonntag erfahren habe.
LG
thursa
For “unheard of” means only it’s undreamed of yet; “Impossible” means not yet done. (Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )
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Moin Thursa,
das hat, denke ich, sehr viel mit einem sich langsam herausgebildet habenden Kernthema der Nornirs Ætt zu tun: dem Rassismus. Schwule & lesbische Rassenquassler, Antisemiten, Moslemhasser und Einwanderer-Verächter sind kein Stück besser legitimiert als Heteros.
LG, MartinM
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
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Fundsache:
Zitat: Da die Schwulen vom Spießer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie noch spießiger zu werden, um ihr Schuldgefühl abzutragen mit einem Übermaß an bürgerlichen Tugenden. Sie sind politisch passiv und verhalten sich konservativ als Dank dafür, daß sie nicht totgeschlagen werden. Einleitung des Films Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt von 1971. Es hat sich viel geändert seitdem, aber ich habe den Verdacht, dass an diesen harten Worte auch heute noch viel dran ist. Und der CSD-"Karneval" ist wenig mehr als Show.
Das ist übrigens ohne Weiteres auf einige andere "Minderheiten" / "Außenseiter" übertragbar.
Es ist meiner Ansicht nach gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen, solche Mechanismen auch in der "Heiden-" und "Hexenszene" des deutschsprachigen Raums am Werk zu sehen - auch wenn es keinen auch nur annähernd vergleichbaren gesellschaftlichen Druck gibt, und bisher jeder Heide, den ich traf, das freiwillig war. (Dagegen kenne ich sehr wohl Schwule, die ums Verrecken lieber Heteros sein wollen. Sexuelle Identität ist nur teilweise eine Frage der freien Entscheidung.) Aber es fällt schon auf, wie "spießig" und "unpolitisch" viele "freche Hexen" und "mutige Heiden" so abseits der Reservate für Nonkomformität sind.
Wobei der Vergleich natürlich hinkt. Die größte Gefahr für Heiden - und ganz speziell Asatrus - in Deutschland und Österreich ist die, aus Versehen für Nazis gehalten zu werden. Also eine Gefahr, die sich durch "unpolitisches" Verhalten eher erhöht (außer diese Politik ist tatsächlich braunstichig).
LG, MM
»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.« Sophokles
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Aaaach, wie recht Rosa doch hat Ich sollte mir diesen Film vielleicht mal ansehen. Da scheinen total viele Dinge drin zu stecken, die immer noch aktuell sind.
LG thursa
For “unheard of” means only it’s undreamed of yet; “Impossible” means not yet done. (Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )
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Großer Daumen nach oben! Applaus!
Erstens dass es wieder mal jemand sagt (und grad von ihr hätt's mich gewundert, wenn sie den Mund gehalten und/oder mitgespielt hätte), und überhaupt: Augen auf, alles ist politisch. Wem das nicht bewußt ist, oder wer absichtlich "kein Interesse an der Politik" spielt, wird irgendwann mal draufkommen, dass umgekehrt die Politik sehr wohl ein Interesse an ihr / ihm hat. Und wer sich vorher als Marionette verwenden hat lassen, kann ganz ganz böse aufwachen (wenn überhaupt).
Deswegen großes Lob allen, die getarnten Realitäten die Masken herunterreißen. Solche brauchen wir. 
Danke fürs posten, thursa und MartinM.
Hasatru-Piratin
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 23.06.2010, 12:03 von Phoenix.
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Weil ich grad beim Interviews lesen bin... 
China Miéville passend zum Thema:
Zitat: I’m not an activist by predisposition but by conviction. Generally, I’d much rather be reading sf than being on a picket line, but I simply cannot believe that this world is the best we can do, and I can’t relax while it’s all we’ve got.
(Quelle)
Hasatru-Piratin
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Londo , 02.07.2010, 00:19
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Beitrag #8
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Ein gutr Artikel. Er zeigt - wieder einmal - auf, dass Koinzidenz nichts mit Kausalität zu tun hat.
Liebe Grüße,
Volkmar
Hasatru mit rosa Hasenkostüm
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Mir zeigt er noch etwas anderes: Es lohnt sich, das Design von Studien zu hinterfragen. In dem Fall ist der Schwachpunkt die Selbstbezeichnung, die nicht hinterfragt wurde und von der zu Recht vermutet wird, daß sie nicht die tatsächliche Religiosität der Jugendlichen widerspiegelt. Meine Schwester hat mir da mal sehr interessantes über die "Frauen können nicht einparken und Männer hören nicht zu"-Studien erzählt - die belegen nämlich oft entweder das Gegenteil und werden nur von der Popularwissenschaft bis zur Unkenntlichkeit entstellt, oder aber sie haben gravierende Mängel im Studiendesign - vom Erkenntnisinteresse der Forscher, die solche Studien anstellen, ganz abgesehen. [/OT]
For “unheard of” means only it’s undreamed of yet; “Impossible” means not yet done. (Julia Ecklar, "Ladyhawke!" )
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Als jemand, der mal gelernt hat, wie man Umfragen gestaltet und Statistiken daraus erstellt kann ich bestätigen: ich habe in den letzten Jahren nicht eine! Umfrageauswertung gefunden, die nicht schlicht falsch war. Entweder, weil schon die Datenerhebung daneben ging (wie hier, oder schon direkt manipulativ gestellt wie die INSM-Umfragen o.ä.) oder bei der Berechnungslogik (gern genommen bei den sog. "Demografieprognosen" oder spätestens bei der Deutung der Befunde (ebenfalls Demografie. Nach deren Logik und Auswertung würden auch Bäume Kilometer hoch wachsen, da sie jedes Jahr bis zu 100 cm zulegen und bis zu 1000 Jahre alt werden können). Oder, allerspätestens, die Medien nehmen sich dieser Ergebnisse an und deuten die auf blöd um.
Bei Statistiken schau ich mir deshalb inzwischen fast nur noch das Rohdatenmaterial an, von dem ausgegangen wurde und suche daraus meine eigenen Rückschlüsse.
Grüße HB
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 02.07.2010, 09:45 von Hellblazer.
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