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Position: Home » Nornirs Ætt Foren » Nornirs Ætt Hof » die griechische tragödie
Thema: "die griechische tragödie" [ Seite 1 ]

Kein neuer Beitrag lebowski , 07.05.2010, 13:29 Beitrag #1   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 05.05.2009, 18:30
 
 
Armes Griechenland
Seit mehren Tagen mache ich mir verstärkt Gedanken über die Rolle von Banken,
Institutionen wie der EU und dem IWF
und unsere geliebten Führungspersönlichkeiten Westerwelle und Merkel.
Sicher haben Klientelpolitik ,Korruption und Schattenwirtschaft dazu beigetragen,
den griechischen Staat zum Kollabieren zu bringen.
Entgegen der Blöd-Meinung würde im Handwerksbereich
hierzulande auch nicht viel laufen ohne eine Schattenwirtschaft.
Hilfreich waren bei der Beschaffung neuer Kredite für den Griechischen Staat
Banken wie JP Morgan und Goldman Sachs, die dabei direkt geholfen haben,
die EU Kriterien zu erfüllen,
indem Sie die tatsächliche Verschuldung verschleierten.
http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:krise-in-griechenland-us-banken-halfen-athen-beim-tricksen/50074205.html
Laut diesem Bericht der New York Times kassierte Goldman Sachs 220 Mio. € an Gebühren
für diese Kredite.
Wohlgemerkt gefälschte.

Nun bat der griechische Staat seine Europäischen Nachbarn um Hilfe,
mit dem Ergebnis dass ihm nicht geholfen werden wollte.

Stattdessen wurde der IWF ins Boot geholt,
der einen rigiden Sparkurs dem Land abverlangt.

Die übliche Vorgehensweise des IWF sieht so aus :
Kürzung von Staatsausgaben
Ziel einer niedrigen Inflation und einer Steigerung des Exports
Liberalisierung des Bankenwesens
Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen (Sparkassen, Elektrizitätswerken, Wasserwerken, Telekommunikation)
Hm, kennen wir das nicht schon aus afrikanischen Ländern?

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stieglitz wirft dem IWF vor:
„Stiglitz führt die fehlerhaften Ratschläge auf eine ausschließlich marktzentrierte Politik des IWF zurück,
der die Entwicklungs- und Transformationsländer nötigte,
ihre Finanzmärkte übereilt zu liberalisieren und alle Kapitalverkehrskontrollen abzuschaffen.
Diese Maßnahmen sollten schnellere Investitionen erleichtern,
erleichterten jedoch vor allem Kapitalflucht und Devisenspekulation.
Mit den liberalisierten Finanzmärkten hätten sich die Staaten vollständig dem Weltmarkt ausgeliefert
– wollten sie Kapitalflucht bei einer Krise verhindern oder ihre Währung gegen Spekulationen schützen,
so könnten sie dieses nicht durch gesetzliche Regelungen,
sondern nur durch eigenes Agieren am Markt,
etwa durch Stützungskäufe für die eigene Währung, erreichen.
Um diese Stützungskäufe zu tätigen, waren sie wiederum auf die Gnade des IWF angewiesen.
Der band seine Kreditzusagen an Bedingungen,
die auf rein fiskalischen Kriterien beruhten, nämlich der Geldwertstabilität (keine Inflation), dem Vorrang der Schuldentilgung und ausgeglichenen Handelsbilanzen.
So wurden Länder gezwungen, beispielsweise Investitionen ins Bildungssystem zu unterbrechen
oder Subventionen für Grundnahrungsmittel einzustellen,
um dem IWF einen ausgeglichenen Staatshaushalt präsentieren zu können“.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schatten_der_Globalisierung)

Der IWF und seine Schwesterorganisation Weltbank arbeiten auf der
Grundlage eines 1944 getroffenen Abkommens,
was heute sicher nicht mehr den globalisierten Bedingungen gerecht wird.
Der Chef der Weltbank ist Robert Zoellick,
der als Nachfolger Paul Wolfowitz 2007 beerbte
und seine Karriere unter den Präsidenten Bush 1+2 begann.
Er ist ein strammer Neokonservativer,
der den zweiten Irak-Krieg befürwortete.
Nachdem er unter G.W.Bush nicht Finanzminister werden durfte,
wechselte er wieder zu Goldmann Sachs als leitender Direktor der Internationalen Abteilung.
(War er dort für Kreditvergaben an Griechenland beteiligt?)
Noch heute sitzt er zufällig auch in verschiedenen
Aufsichtsräten wie Goldman Sachs Investment und Enron. http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Zoellick
Wird da nicht wieder der Bock zum Gärtner gemacht?

So nun zur Rolle der EU:
Ein Finanzausgleich der Länder untereinander
wie in Deutschland unter den einzelnen Bundesländern ist nicht erlaubt.
Art125 AEUV des Lissaboner Vertrages verbietet es sogar.
Da Griechenland sich aber nicht in der Lage sieht, sich teure Kredite anderweitig zu beschaffen,
musste das griechische Parlament sich unter die Aufsicht der EU stellen.

„In der Krise zeigen sich die Fehlkonstruktionen der Verfassung der Europäischen Union.
Ihr Fundament ist nicht Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten,
sondern ein Marktfundamentalismus, der die Konkurrenz zwischen den Mitgliedstaaten zum Prinzip erhebt“.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=5403

Ein frei gewähltes Parlament wird unter die Kontrolle einer Kommission gestellt.

Entscheidende Rolle spielen hierbei wieder Expertengruppen, die Empfehlungen
für die EU-Kommission erstellen.
Diese sogenannten Expertengruppen bestehen in einem Verhältnis 4:1 aus Vertretern von Privatbanken,Versicherungskonzernen und Finanzunternehmen
gegenüber Vertretern unterschiedlicheren Interessengruppen.
http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2008/03/studie-expertengruppen-der-eu-kommission-von-der-industrie-dominiert/

Die EU beauftragt Firmen und Banken, die kein Interesse an einer
Finanzmarktregulierung haben.
Ein Schelm wer da Schlimmes denkt.
Demokratie Fehlanzeige.

Im oben zitierten Artikel aus den Nachdenkseiten von Prof. A. Fischer steht folgender Satz :
„Eine zynische Antwort liegt nahe:
der Bundestag legitimiert auch das Spar- und Kürzungsprogramm in Griechenland.
Weniger zynisch formuliert: Die europäische Aufsicht über die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Mitgliedstaaten
geht schon heute über das hinaus,
was sich die deutschen Bundesländer gefallen lassen würden.
Demokratie wird schon im Ansatz suspendiert.“


Interessant ist hier jetzt wieder die Rolle der FDP,
die auch hier wieder Klientelpolitik im großen Stil betreibt.
Während Merkel versuchte, die SPD mitzubeteiligen bei der Griechenlandhilfe,
die im Gegenzug eine Besteuerung von spekulationsanfälligen Produkten forderte,
die die FDP grundsätzlich ablehnte.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,693472,00.html

Nach über zwei Jahren und dem 500-Milliarden-€-Rettungsschirm für Banken
ist keine Maßnahme unternommen worden internationalem Spekulantentum Einhalt zu gebieten.
Die Zeche dürfen auf jeden Fall jetzt die Griechen zahlen,
auf erstmal unbegrenzte Zeit
wird Ihnen die EU Kommission und der IWF vorschreiben, wie sie zu leben haben,
wie Sie ihr Geld auszugeben haben,
und wie viel Ihnen zum Leben bleibt.
Man stelle sich vor,
hier würde jedem aufgrund der Unfähigkeit einer Regierung Merkel/Westerwelle
1/3 des Gehaltes oder der Rente
(was jetzt schon bei den meisten knapp ist)
einfach für die Schuldentilgung von Schulden abgezogen,
ohne selbst etwas dafür zu können?!

Dann möchte ich nicht wissen, was hier los wäre.

Naja, vielleicht klappt ja es besser bei einem der nächsten Wackelkandidaten,
Italien, Spanien, Portugal,
oder sind gar wir an der Reihe?
Liebe Griechen,
wenn sie euch eure Olivenbäume wegnehmen wollen, hackt sie um.

traurige Grüsse
frank


Nach den Worten der Ahnen
soll man seine Entscheidung innerhalb von sieben Atemzügen treffen.
Wichtig dabei ist ,das man die Entschlossenheit und die innere Stärke besitzt
zur Anderen Seite durchzubrechen...

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Kein neuer Beitrag aeternitas , 07.05.2010, 14:52 Beitrag #2   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 04.08.2007, 07:28
 
 
Moin!

Das alles war abzusehen, leider hat unsere Junta aus wahlkampftaktischen Gründen
die Entscheidung hinausgezögert und es damit für die Griechen (und auch für uns) noch schlimmer gemacht.
Durch die wiederholten Aussagen von Merkel und Co wurde das Casino mit den griechischen Wertpapieren eröffnet.

Der Sparkurs der griechischen Regierung trifft vor allem die kleinen Leute,
am schlimmsten dran sind Rentner und die ehemalige "Generation 700 Euro",
beide Gruppen haben zur Zeit keine 600 Euro zum Leben und der Sparkurs wird
diese eh schon sehr geringen Beträge nochmal schrumpfen.

Das dort diese Woche bei Ausschreitungen Menschen ums leben kamen,
wundert mich nicht, ich hatte da mit schlimmerem gerechnet (aber das kommt evtl noch).
Die brennenden Banken (Filialen der Bank, die maßgeblich daran beteiligt war, das Geld "außer Landes" zu schaffen), überraschten mich ebensowenig.


Griechenland ist damit das erste Land der Eurozone, welches vom IWF auf die gleiche Weise
geschröpft wird wie die Entwicklungsländer, es wird nicht das letzte sein.

Heute wurden im Bundestag die Kredite bewilligt, leider wurde wiedermal versäumt,
eine Finanztransaktionssteuer zu beschließen, die einzige Fraktion, die
deutlich machte, das sie das so nicht mittragen, war mal wieder die Linke.
Die SPD hat sich nur enthalten, ein schwaches Bild.
Die Grünen haben fröhlich zugestimmt, obwohl ihre Forderungen nicht erfüllt wurden. (wenn sie nicht eh schon unwählbar wären, wären sie es nun für mich)

Nebenbei wird ja im Moment immer gern darauf hingewiesen, wie korrupt der
griechische Staat ist usw.., mal abgesehen davon, das es hier bei uns keinen Deut besser ist,
sollte man mal schauen, wer da am meisten geschmiert hat: die deutschen Wirtschaftsunternehmen.

Nächste Station: Portugal, dann kommen Spanien und Irland dran.
Spätestens dann bricht der Euro weg.

Jan


Den jungen Menschen sage ich: seht Euch um, dann werdet Ihr die Themen finden, für die Empörung sich lohnt -
Ihr werdet auf konkrete Situationen stossen, die Euch veranlassen, Euch gemeinsam mit anderen zu engagieren.
Suchet, und Ihr werdet finden !
Stéphane Hessel

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Kein neuer Beitrag lebowski , 07.05.2010, 15:46 Beitrag #3   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 05.05.2009, 18:30
 
 
@jan,du hast recht,
nur mir ist erst beim schreiben klar geworden ist,
das wir innerhalb der EU keine solidarische Gemeinschaft sind.
Klar sind andere gleicher als andere,nur
das mal eben so Demokratien durch eine Herrschaft der Wenigen
ersetz werden, ist neu für mich.
ganz legal. :motz:


Nach den Worten der Ahnen
soll man seine Entscheidung innerhalb von sieben Atemzügen treffen.
Wichtig dabei ist ,das man die Entschlossenheit und die innere Stärke besitzt
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Kein neuer Beitrag WirrLicht , 07.05.2010, 16:54 Beitrag #4   
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... naja, dann muss man halt den banken die geldspritze wieder wegnehmen und die kohle den griechen geben...


ach nein, das würde ja eine finanzmarktregulierung bedeuten. das wär´ ja kommunismus....


Gnothi Seauton

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Kein neuer Beitrag Hjalmarr , 07.05.2010, 20:00 Beitrag #5   
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Früher oder später sind wir alle Griechenland!

Wohin führen denn Steuersenkungen, Entstaatlichungen, Privatisierungen und Deregulierungen?

Zu prekären Verhältnissen und Entdemokratisierung.

Aber wie kann es sein, dass finanz- und arbeitgebernahe ThinkTanks und Lobbyisten mehr Einfluss auf politische Entscheidungen haben, als die Wähler?

Ich mach mir nix mehr vor - die FDP ist nur die Spitze des Eisberges...

Jari



Außerhalb Midgards leben nur Tiere und Götter.


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Kein neuer Beitrag WirrLicht , 08.05.2010, 09:11 Beitrag #6   
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Homepage: http://wirrlicht.twoday.net/
 
 

Zitat:
Wohin führen denn Steuersenkungen, Entstaatlichungen, Privatisierungen und Deregulierungen?

Zu prekären Verhältnissen und Entdemokratisierung.


ah, da siehst du aber "Demokratie" in einem ganz anderen Verständnis als die Wirtschaftswissenschaften:

link der zu einer seltsamen Graphik führt....

was ich mich bei solchen (woher auch immer sie stammen) graphiken frage, ist, mit welcher hinverhunzten Statistik die so was zusammen interpretieren. was genau hat die Staatsquote aufgrund welcher Belege mit einem zusammen phantasierten Wirtschaftswachstum zu tun, das außerdem Skalenfrei abgetragen wird? wer solchen Graphiken traut, hat ein ernsthaftes RealitätsCheckProblem.

geil finde ich folgenden Satz:

Zitat:
Physisch sollten Sie jeden Rücksetzer nutzen um weiterhin Bestände als Inflations- bzw. Staatsschutz aufzubauen.


ich krieg anfälle, wenn ich sowas les. kauft gold, euer geld wird euch eh´vom staat weggenommen. nuja, sind goldhändler....


Gnothi Seauton

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Kein neuer Beitrag Hellblazer , 08.05.2010, 14:32 Beitrag #7   
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Homepage: http://www.svenscholz.de
 
 
als nächstes wird es betriebsbedingte Kündigungen geben. "Sorry, Griechen" sagt dann der griechische Staat, "wir müssen 560.000 Griechen aus Griechenland entlassen um die Kostenfaktoren zu senken - das ist das eindeutige Ergebnis der BWL-Kennzahlen, die sich aus den Zahlen rund um unsere Staatsfinanzen ergeben"

Es ist nur noch absurd, alles

Grüße
HB



Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 08.05.2010, 14:32 von Hellblazer.


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Kein neuer Beitrag MartinM , 08.05.2010, 20:47 Beitrag #8   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
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Homepage: http://martinm.twoday.net
 
 
Moin!
Hinter der Griechenhetze, nicht nur in der BLÖD, vermute ich eine Ablenkungskampagne. (Ein wichtigen Machtmittel sind ja die Kampagnen (und nicht etwairgendwelche Verschwörungen oder immerhin wohldurchdachte Langzeitpläne). IMO ist das gesamte "Krisenmanagement" opportunistisch, schmalspurgedacht, improvisiert - und angstgesteuert. BWL-Denke vom Primitivisten und der sogar schon vom ehemaligen Nachrichtenmagazin kommunizierte Tatsache, dass über die Häfte des deutschen Top-Managements aus dem winzigen 0,5 % Segment der reichsten deutschen Familien stammt, dürften so Einiges erklären.


Zitat:
Entgegen der Blöd-Meinung würde im Handwerksbereich
hierzulande auch nicht viel laufen ohne eine Schattenwirtschaft.


Das stimmt - doch in Griechenland gibt es die Korruption sozusagen systematisch und flächendeckend - wofür die "normalen" Griechen und deren (angeblicher) Hang zur "südländischen Wirtschaft" am wenigsten können. Ein griechische Freund erzählt mir haarsträubende Stories über Korruption im Alltag - z. B. ist es gar nicht so einfach, in einem griechischen Krankenhaus ohne einen mit einige Scheinen gefüllten fakelos (Briefumschlag) angemessen behandelt zu werden. Diese Alltagskorruption ist aber größtenteils Notwehr, angesichts defekter Organisationsstrukturen und (auch ohne IWF-Auflagen) jämmerliche Bezahlung. De viel zitierte "griechische Vetternwirtschaft" ist auf der "unteren Ebene" nach seiner Darstellung größtenteils gegenseitige Selbsthilfe - weiter "oben" ist es ein Herrschaftsprinzip der "Eliten", nicht viel anders als bei uns auch, also "gegenseitige Instrumentalisierung", Klüngeln, Günstlingswirtschaft, aber, da sich aus der Zeit der Militärdiktatur einige ruppige politische Sitten gehalten hätten, offener und unverschämter als bei uns praktiziert. (Man von regelrechten "Politdynastien" sprechen: Der derzeitige Ministerpräsiden Giorgos Papandreou ist Enkel von Georgios Papandreou und Sohn von Andreas Papandreou, beide ehemalige Ministerpräsidenten.)

Dass die Griechische Volkswirtschaft strukturell defekt ist, war schon zur Zeit der Euro-Einführung allgemein bekannt. Und dass die deutsche Wirtschaftspolitik der systematischen Lohndrückerei und der auf-Teufel-komm-raus Exportförderung sehr viel auch zu den Problemen Griechenlands beitrug, wird per antigriechischer Kampagne verschleiert.

MM





»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.«
Sophokles

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Kein neuer Beitrag lebowski , 09.05.2010, 08:36 Beitrag #9   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 05.05.2009, 18:30
 
 
hi martin,
meine absicht war nicht die ursachen der staatskrise aufzuzeigen ,sondern
die sich daraus ergebenden Konsequenzen.
schöne beispiele für filzokratie hast du ja gebracht,waren mir auch bekannt.
in den fast 4 monaten die ich dort gelebt habe,habe ich viele sehr nette menschen kennengelernt.
das sind alles ganz normale leute,wie man sie hier auch antreffen kann.
und ich hätte mir gewünscht das innerhalb der EU ,mit Nachbarn anders umgegangen wird.
in der krise zeigt sich jetzt das wahre gesicht der EU.
statt hilfe nochmal in die fresse treten,die rüstungsdeals laufen weiter,bezahlen dürfen
wieder die kleine frau/mann.



Nach den Worten der Ahnen
soll man seine Entscheidung innerhalb von sieben Atemzügen treffen.
Wichtig dabei ist ,das man die Entschlossenheit und die innere Stärke besitzt
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Kein neuer Beitrag MartinM , 09.05.2010, 09:10 Beitrag #10   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 04.08.2007, 19:16
Homepage: http://martinm.twoday.net
 
 
Hi Frank - Konsequenzen und Ursachen lassen sich schwerlich trennen. Denn das schäbige Verhalten der EU und vor allem der Deutschen gegenüber Griechenland ist auch Konsequenz vorheriger "Großzügigkeit" gegenüber bekannten Gefahren und Missständen - die aus dem selben primitiv-kapitalistischen Schmalspur-Denken resultierte, wie heute die "alternativlosen" Maßnahmen auf dem Rücken der einfachen Bevölkerung.
Es ist alles ganz folgerichtig - und erschreckend vorhersehbar. Denn schon die damalige "Nachsicht" gegenüber der griechischen strukturellen Wirtschaftsschwäche war ein Schlag in die Fresse des griechischen Volkes: anstatt die Probleme anzugehen, wurden sie kaschiert. Aus (angeblich) "höherem Interesse" - zu dem nicht zuletzt die Rüstungsdeals gehören.

MM

(Ich gehe davon aus, dass nicht allein die griechischen Regierung, sondern auch die deutsche ein dringendes Interesse daran hatte, die griechische Wirtschaft schon zu rechnen. Es wird ja auch gern unterschlagen, dass auch die Deutsche Nebenregierung Bank sich am Schulden-Schummel beteiligte.)


»Wer nicht zu sagen wagt, was er denkt, ist ein Sklave.«
Sophokles


Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte mal 09.05.2010, 09:15 von MartinM.


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Kein neuer Beitrag GlasMost , 28.06.2010, 23:48 Beitrag #11   
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Registrierung: 31.05.2009, 00:26
 
 
Hi,

als ich von den Problemen der Griechen gehört habe, an Kredite zu kommen, hab ich mir für 2000 Euro griechische Staatsanleihen gekauft. Ich bin nicht reich, bevorzuge es aber, meine Rücklagen für die Rente selbst anzulegen und das nicht einem Banker zu überlassen.

An dieser Stelle kann sich jeder fragen, ob ich jetzt versucht habe, Griechenland zu helfen, indem ich dem griechischen Staat Geld leihe, oder ob ich nur das gleiche mache wie die Banken, nämlich, eine Notsituation ausnutzen, um den größtmöglichen Profit zu machen. Und tatsächlich ist es nicht zu unterscheiden, ob der Kauf von griechischen Staatsanleihen nur aus Spekulation erfolgt, oder aus dem Bedürfniss heraus, jemandem Geld zu leihen, der in Not ist.
Beruhigend finde ich es in diesem Zusammenhang, dass der Super-Kapitalist Josef Ackermann Griechenland nie Geld geliehen hat.
Um irgendwelchen Meckereien vorzubeugen: Die Anleihen sind inzwischen nur noch 1300 Euro wert.

Gut - soviel zu meinem materiellen Beitrag zur Griechenland-Krise.

Meinen ideologischen Beitrag kann man am Besten als ein Aus-der-Haut-fahren bezeichnen. In dieser Wirtschaftskrise bewähren sich die Banken mal wieder als professionelle und skrupellose Wegelagerer, die vor keiner Schandtat Halt machen. Wenn jemand noch nicht weiß, wie Kapitalismus funktioniert, dann erhält er hier ein Lehrbeispiel. Noch einfacher ist dieses System von bewußt herbeigeführten finanziellen Abhängigkeiten (auch bekannt unter dem Begriff "Ausbeutung";) im "Caoba-Zyklus" von B.Traven am Beispiel der Indios nachzulesen. Leider werden meines Wissens diese Bücher seit Jahren nicht mehr aufgelegt.

Man sollte auf keinen Fall dem griechischen Bürger hier irgendwelche Schuld zuschreiben... morgen oder in zwei, drei Jahren kriegen sie Deutschland dran... oder, mal ganz ehrlich, haben sie das nicht schon längst?

Allzeit klare Kloßbrühe wünscht
Glasmost




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