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DagansVidhri |
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27.08.2007, 09:30 |
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Am Ende der Welt
Weltenende gibt es in Europa ja einige, eines davon ist das Finistierra (Fisterra) im nordwestlichsten Winkel Spaniens – in Galicien (Galicia), dessen Küstengegend, in der wir vorwiegend unterwegs waren, widerrum in die Rías Altas, Costa de la Muerte (Todesküste) und Rías Bajas eingeteilt wird. Mehr zu Galicien unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Galicien
Man kommt – wider Erwarten – ganz gut hin: Direktflüge nach Santiago de Compostela gibt es auf jeden Fall ab Frankfurt und Bratislava, Flugzeit sind ungefähr dreieinhalb Stunden. Wir sind aber Frankfurt – Madrid – Santiago geflogen, da ich vorher erst aus Wien hochkam…
Empfehlenswert, oder na ja, eigentlich unumgänglich, ist dort ein fahrbarer Untersatz, da die wirklich schönen Platzerln nur sehr bedingt mit Öffis zu erreichen sind. Das Land ausschließlich zu beradeln ist – ob des etwas durchwachsenen Wetters – wohl eher kühn.
Bekannterweise kann man ans Ende der Welt ja auch laufen und das tun jedes Jahr unzählige Jakobspilger, aber wir haben uns dann doch für die Anmietung eines Autos entschieden und machten mit einem ausgesprochen possierlichen Barbiemobil (Fiat 500) die Rías (Fjorde) unsicher.
Als Quartier und Basisstation landeten wir in Lariño, einem unscheinbaren Dorf am Fjord zwischen Noia und Finisterra. Da unsere Bleibe aber direkt am ungefähr 10km Sandstrand lag, war das aber überhaupt kein Thema. Ganz besonders gut hatten wir es damit getroffen. Die kleine Bungalowanlage hat eine unübertrefflich tolle Lage, von der Terrasse aus konnte man den Blick weit über Ginsterwälder, die tosenden Wellen, den Strand und den schönen Leuchtturm schweifen lassen. Kann ich nur allerwärmstens weiterempfehlen, zudem die Häuser super eingerichtet und preislich, vor allem in der Nebensaison, echt top sind.
Wir kamen also eines schönen Aprilabends in Santiago an, schnappten unser Barbiemobil und tingelten Richtung Küste. Oder besser gesagt: Wir fuhren bis zur Küste und tingelten dann weiter. Die Straßen sind in Galicien nicht zu unterschätzen, die Küste ist fjordartig zerklüftet und man muss um jeden Fels quasi extra rumfahren, was eine Strecke von 70km schon mal zu einer längeren Fahrt werden lässt. Woran ich überhaupt nicht gedacht hatte, war die atemberaubende Ginsterblüte. Meine bisherigen Galicienbesuche waren immer im Sommer und da blüht längst kein Ginster mehr. Die Berge und Felsen waren sonnengelb, gelb, gelb, gelb, wohin das Auge blickte! Die zweite ganz wunderbare Überraschung war unser tolles Quartier – da will ich unbedingt wieder hin und dieses Mal sollen nicht wieder 10 Jahre vergehen!
Am nächsten Morgen sah das Wetter eher lausig aus, aber das kann sich dort auch ganz schnell ändern. Bei unserer Frühstücksjagd im nahe gelegenen mittelalterlichen Fischerdorf Muros schien bereits wieder die Sonne und wir schlugen uns in einer schönen Bar und verwitterten Arkadenbögen die Bäuche mit einem der berühmten spanischen Bocadillos (unterschiedlich belegte Weißbrotstangen) und ein paar feinen, kleinen Kaffees voll. Nach dem nächsten Wolkenbruch beschlossen wir, einfach mal ein bisschen mit dem Auto in der Gegend herumzubrechen und zu schauen, wo es uns hintreibt… Wir folgten dann einem kleinen Stück blauen Himmels, das sich vor uns auftat und den Weg wies: direkt ans Ende der Welt. Ich hatte beinahe vergessen, wie berührend schön es dort ist. Vorbei an der kleinen romanischen Steinkirche, durch grüne und ginstergelbe Hügel… und vor uns tat sich der tiefe, weite Atlantik auf. Die Felsspitze ist magisch und trägt ihren Namen zu Recht. Was allerdings nicht stimmt ist, dass dies der westlichste Punkt Spaniens wäre. Das ist nämlich das Nachbarscap Tourinan. In einer windgeschützten Felsnische nisteten wir uns ein und kappten unsere Flasche Opferwein. Leicht sonnenbebrandet, beschwipst und gesegnet zogen wir erst viele Stunden später wieder ab. Dort ist nämlich nicht nur die Welt zu Ende, sondern Raum und Zeit werden einfach so aufgehoben und man ist den Großen ganz, ganz nah…
Am Rückweg hielten wir noch an einen der schönsten Strände Galiciens: Der Playa de Langostera. Und was es da alles am Strand gab! Riesengroße, bildschön gezeichnete Jakobsmuscheln und viele ihrer Verwandten! Ich liebe ja Muscheln und hab eine ganz besondere Beziehung zu ihnen. Und wie sie schnattern! Muscheln quasseln in einer Tour, vielleicht haben wir das auch gemeinsam und ich mag sie deswegen so gerne. Aber auch auf dem Teller sind sie mir die Allerliebsten: Abends ging es zum obligatorischen Meeresfrüchtedinner. Am liebsten hätte ich mir ja die gesamte Speisekarte rauf und runter bestellt. Wah, wie sehr hatte ich die maritimen Köstlichkeiten Spaniens vermisst! Muscheln aller Art (besonders delikat sind ja die Enten- und Pfahlmuschenln), kleine Tintenfischchen (Chipirones), Langusten etc…. Immer gilt: Man bekommt das Doppelte und zahlt die Hälfte wie bei uns – von der Qualität braucht man erst gar nicht reden.
Am nächsten Tag erkundeten wir ausgiebig per pedes den Küstenstrick vor unserem Häuschen, was eigentlich den ganzen Tag in Anspruch nahm… Besonders freute ich mich an diesem Tag ja schon auf das Abendessen in einer Pulpería (Bar mit Tintenfischspezialitäten), die ich vor mehr als zehn Jahren in Muros entdeckt hatte und von der ich seit damals schwärme. Dieses Mal wurde echt fast die halbe Speisekarte bestellt (zugegeben, so lange ist die dort nicht, was aber immer für Frische und Qualität spricht)… Das allerspaßigste Gericht dort ist "Chipirones en su tinta" – Tintenfischchen in ihrer eigenen Tinte. Aussehen tut's eher abenteuerlich: schwarzes, brodelndes Zeugs wird in einem Terracotta-Pot gereicht und blubbert am Tisch noch gut 10 Minuten munter weiter! Schmeckt genial, aber nix für jemanden, der in erster Linie mit dem Auge isst ;-). Nicht zu vergessen ist dazu ein guter Wein der dortigen Gegend. Galicien hat zwei große Weinbaugebiete und produziert den kräftigen Landwein Ribeiro, der nicht selten in weißen Porzellanschälchen gereicht wird, und den Albariño, der wesentlich feiner schmeckt.
Für den nächsten Tag hatten wir eine Tour auf die andere Seite unseres Basis-Fjordes geplant. Über Noia fuhren wir Richtung Baraños, um dort eine wunderschöne und gut erhaltene Keltensiedlung auf einem sehr kraftvollen Felsspitz zu besuchen. Man marschiert dabei vom Parkplatz ungefähr 10 Minuten durch dichte Föhrenwälder gen Küste. Dort tut sich der Blick auf die Siedlung auf, im Hintergrund sieht man das Finisterra.
Weiter ging's über die Capspitze Richtung Padrón. Eigentlich wollten wir in dieser Gegend bleiben, aber nachdem die Landstraße plötzlich und völlig unangekündigterweise in eine Autobahn überging, glitten wir weiter durch sanfte Hügellandschaften bis Pontevedra, einer wunderschönen Stadt mit einer sehenswerten mittelalterlichen Altstadt. Dort frönten wir ausgiebig der in Spanien so beliebten Barhockerei – das kann man sich bei den dortigen Preisen auch ganz ungeniert leisten. Ein kleines Bier gibt’s für 1 Euro, genauso wie einen guten Kaffee. Zum Bier gibt's dann auch noch die berühmten spanischen Tapas. Zu guter Letzt konnte ich dort auch noch ein wunderschönes Paar Lederschuhe erjagen ;-).
Donnerstags ging's wieder auf Strandtour, dieses Mal in die nächste Bucht an die Playa de Carnota, ein über 15km langer weißer Sandstrand, den wir ganz für uns hatten. Als die Mittagssonne dann so richtig schön warm wurde, übten wir uns stundenlang im Dünendösen, eine ganz besonders entspannende Beschäftigung. Insgesamt sind wir an diesem Tag aber ganz ordentlich gelaufen und hatten uns abends unsere dicke Portion Meeresfrüchte mehr als verdient.
So hold uns die Sonne die Tage zuvor gewesen war, so sehr versteckte sie sich auch vor dem Karfreitag. Sturm und waagrechter Megaregen ließen uns nur bis Noia fahren, um dort ein bisschen einzukaufen und durch die ebenfalls sehr schöne mittelalterliche Altstadt zu bummeln.
Am Samstag hatte es sich dann aber ausgeregnet und wir brachen quer durch die galicische Bergwelt Richtung La Coruña auf. Zuvor hielten wir aber noch im "Museo de Alemán" in Camelle. Ich war schon mal dort gewesen und es war mir recht seltsam zumute, als ich das kleine Häuschen inmitten des "Museums" ganz verwaist und verfallen vorfand. http://www.mandecamelle.net/MAN.htm http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Gn%C3%A4dinger Weit und breit keine Spur von "Man" – Manfred Gnädinger, der dort lebte und aus Materialien, die er aus dem Meer nahm, ein kleines Museum rund um seine Hütte errichtet hatte. Er hatte immer darum gebeten, man möge sich seine Eintrittskarte selbst zeichnen und zudem noch ein Bild von ihm malen, das er sich dann behielt. Von einem alten Fischer des Dorfes erfuhr ich, dass "Man" kurze Zeit, nachdem die Ölpest, verursacht durch die Prestige, die direkt vor der dortigen Küste sank, gestorben war. Man sagt, an gebrochenem Herzen. Er konnte den Anblick des schwarzen Ölfilms, der seine gesamte Kunst überzogen hatte, nicht ertragen. "Man" gilt heute als der einzige menschliche Tote dieser katastrophalen Tankerunglücks, das im Übrigen beileibe nicht das einzige an den galicischen Küsten gilt. Insbesondere die Küste und der Hafen von La Coruña gelten als recht gefährlich und sind für große Tanker nur unter ziemlichem Risiko ansteuerbar. Dies hindert allerdings niemand daran – pro Tag legt im Schnitt immerhin ein Tanker im Hafen von La Coruña an.
Die Stadt selbst ist sehenswert – sie wird auch die "Ciudad de cristal" – "Die Stadt aus Glas" genannt. Typisch sind dort nämlich die reich verzierten Glasbalkone, die in der Sonne zu funkeln und zu leuchten beginnen, sodass man gar nicht mehr weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Die Altsstadt und den Hafen kann man bequem zu Fuß erkunden, zum absolut sehenswerten Aquarium, das in der Nähe des derzeit eingerüsteten römischen Turms "Torre de Hercules" liegt, sollte man aber entweder per Öffi anfahren oder den doch längeren Anmarsch über die wunderschöne Strandpromenade in Kauf nehmen. Von Außen sieht das Museum gar nicht so groß aus, was man da allerdings noch nicht weiß ist, dass es auch nach unten in die Kellergeschosse führt, die einem Uboot nachempfunden sind und von riesengroßen Aquarien umgeben sind. Die ganz toll gemachte Ausstellung, die keine Frage offen lässt (z.B. Warum ist das Meer blau? Wie entstehen Wellen? Welche Geräusche gibt es im Meer?), ist allerdings nur auf Spanien und Galicisch (gallego) beschriftet.
Am nächsten Morgen mussten wir unsere Zelte in unserem kleinen Paradies leider bereits abbrechen und wir gondelten zurück nach Santiago de Compostela, wo wir uns noch den ganzen Tag in der Stadt herumtrieben. Die Stadt ist wirklich beeindruckend, wenngleich ihr das geballte Christentum aus jeder Pore trieft. Dennoch kann man sich in dem Gewühl aus kleinen, mittelalterlichen Gässchen einfach verlieren und sich durch die Stadt treiben lassen. Einen ganz, ganz wunderbaren Markt haben wir dann auch noch entdeckt, der echt jeden Mittelaltermarkt in den Schatten stellt. Ich habe leider vergessen zu erfragen, ob der regelmäßig stattfindet oder ob das eine osterbezogene Veranstaltung war. Vorsicht beim Essen in der Stadt! Es gibt eine Menge Touri-Abzocker-Lokale, die im wesentlichen nah an der Kathedrale liegen. Je weiter man sich davon entfernt, destobesser und günstiger wird das Essen. Wir haben ganz wunderbar am Rande der Altstadt gespeist, noch einmal wanderten Langusten, Krebse, Muscheln und Tintenfische und hach ja! die superguten Pimientos de Padrón (kleine grüne Paprikaschötchen, scharf in Oliöl angebraten und mit Hagelsalz angerichtet)über den Tisch. Die Bar liegt am Altstadtausgang Richtung Juan XXIII, an einem Hauseck. Auf den Namen hab ich irgendwie nicht geachtet, sondern bloß auf die Köstlichkeiten, die die Speisenden vor sich stehen hatte 
Eine Reise dorthin kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Wer gerne rumkurvt, schöne, einsame Plätze liebt und sich gern mal in die kühlen, wilden, atlantischen Fluten stürzt, es nicht eilig hat und Wein und Meeresfrüchte liebt, ist dort sicherlich gut aufgehoben. Eine Woche braucht man dafür aber mindestens, um einen Eindruck von der Gegend zu bekommen. Auch dafür sollte man sich nicht zu viel vornehmen, da man nicht allzu schnell reisen kann.
Hmpf, wie immer war die Reise viel zu kurz. Für mich war sie aber aus unterschiedlichen Gründen ganz wichtig und nicht zuletzt deswegen, weil ich meine geliebte zweite Heimat endlich wieder gesehen habe. Wie sehr hatte ich sie vermisst! Die spanische Lebensart, die wilde Rauheit des Landes und das Temperament der Menschen dort entspricht mir halt schon sehr… Ich war die letzten drei Jahre nicht mehr in Spanien und zwar hauptsächlich aus Präventionsgründen – ich hätte nicht gewusst, ob ich wieder zurückkomme. Das werd' ich zwar wahrscheinlich nie genau wissen, aber jetzt hab' ich's wenigstens so halbwegs unter Kontrolle ;-). Und im Sommer muss ich gleich wieder hin!
Und fürs Erste bleib ich jetzt mal die Nixe im Asyl
PS: Fotos gibt's schon auf Ipernity!
Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen. (A. de Saint Exupéry)
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04.08.2007, 09:39 |
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hi brigh,
unser bericht zu indien und nepal fehlt ja immer noch *kopfeinzieh* aber drum besonders dank für deinen bericht über galizien - da möchte ich jetzt auch mal hin
vino ribeiro - den kenn ich. der, den ich vor jahren trank, trank sich gar gut, und ich merkte nix, bis ich von einer minute auf die andere dann wirklich nix mehr merkte..........
die tintenfische wären allerdings wirklich nix für mich.............oder höchstens in der tat mit augenbinde...........
so, wie es dir mit spanien geht, geht es mir mit nepal. diesmal war ich richtig wieder da, nicht nur körperlich, sondern mit herz und erinnerung und verstand und mit jeder bewegung. ich bin da immer nur gast, aber gleichzeitig ist dort auch ein teil innerer heimat - ganz egal, wie sich die äußeren umstände in dem land auch verändern mögen. diesmal dachte ich auch: kehr ich zurück, und noch jetzt zuckt es in mir...........aber ich kann ja -vielleicht - nächstes jahr wieder hin, so wie du nach spanien...........und denke, es ist schön, dass wir nicht nur ein zuhause, sondern gleich noch ein paar heimaten haben
knuddel carola
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04.08.2007, 13:31 |
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Hey Brugh
Hoert sich gut an, Dein Reisebericht. Ist aber auch toll geschrieben, die Begeisterung ist foermlich greifbar.
Ach ja, es gibt schon Feines im Leben, ich hab auch so ein Paar Stellen auf der Welt, die einen nicht mehr loslassen, wo alles fuer einen passt.
Traeumende Gruesse SigTyr
...denn schwerer ist´s, Hand anzulegen, statt sie nur zu falten..... ASP Zaubererbruder
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