Linkliste FAQ Registrieren Suchen
Willkommen, Gast! Sonntag, 14. März 2010, 11:15:17
Quicklogin:   Portal · Registrieren · Login · Passwort vergessen · Aktivierungslink erneut senden
Position: Home » Nornirs Ætt Foren » Neue germanische Küche » Grog
Thema: "Grog" [ Seite 1 ]

Kein neuer Beitrag MartinM , 07.02.2010, 11:23 Beitrag #1   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 04.08.2007, 19:16
Homepage: http://martinm.twoday.net
 
 
Arrrr!
Es ist wieder (oder immer noch) kalt, ich habe, dank großzügiger flüssiger Geschenke, auch Gelegenheit für heroische Selbstversuche gehabt - also vielleicht sollte ich mal was über Grog schreiben.

"Grog" bedeutet ursprünglich und eigentlich "Rum, mit Wasser verdünnt".

Der Name geht auf den Admiral Edward Vernon zurück, der 1740 auf den ihm unterstellten Schiffen die Regel einführte, dass die Rumration nur noch im Verhältnis 1 : 2 mit Wasser verdünnt ausgegeben werden sollte.
Dazu gab es einen Spritzer Zitronen- oder Limettensaft - nicht, wie man oft liest, zur Skorbutverhinderung, sondern um den Geschmack des abgestandenen bis fauligen Trinkwassers zu überdecken.
Wegen seines alten Bootsmantels aus Grogham (einer Art Lodenstoff) hatte Vernon den Spitznamen "Old Grogham" oder kurz "Old Grog", der auf das Getränk überging.
Es fiel dann irgend wann einmal auf, dass Admiral Edward Vernons Seeleute sehr viel weniger unter Skorbut litten, als andere. 1747 konnte der Schiffsarzt James Lind beweisen, dass sich Skorbut mit der Gabe von Zitronen- oder Limettensaft behandeln und verhindern ließ. Zitrusfrüchte deshalb, weil die sich an Bord länger hielten und leichter zu Saft verarbeiten ließen als anderes Obst.

Ich finde die Medizin für dieses Wetter ganz passend.

Grog, traditionell

7 cl brauner Rum
1 TL Zucker (am besten brauner Zucker)
kochendheißes Wasser (ca. 14 cl)

Rum in ein sprungsicheres Grogglas geben, Zucker dazugeben um mit heißem Wasser aufgießen. Man kann den Rum auch vorwärmen.

Faustregel:
Zitat:

Rum mut,
Zucker kann,
Water bruuk nich!


Die 0,07 l bzw. 7 cl bzw. 70 ml Rum entsprechen 1/8 (englischem) Pint , bis 1970 (!) der täglichen Rumration in der Royal Navy.

Grog, original Navy-Art:

7 cl Rum
14 cl (heißes) Wasser
1 TL brauner Zucker (nach Geschmack!)
2 TL Zitronensaft

Seetüchtiger ist es, statt Grogglas alles in eine bruchsicherere und kippstabilere Muck (engl. mug, öster. Häferl - so'n Becher mit Henkel eben ;) ) geben. ("Bruchsicher" heißt übrigens auf keine Fall "aus Plastik"!)

... und ich habe kein bisschen Skorbut :prost:

Variante:
Statt braunem Zucker Honig.

Navy-Rum hat 47,75 % Alkohol, also Dosierung der jeweiligen Rumstärke anpassen! 1 : 2 ist ziemlich "nördlich", aber unter 1 : 3 sollte man nicht gehen. Grog muss Prozente haben!

Kommen wir zu den Piraten der Karibik (arrrr!), die eine Vorliebe für Rum (auch aus der Karibik) hatten.
Die "große Zeit" der karibischen Freibeuterei endete um 1720, daher gab es das Wort "Grog" noch nicht. Das Getränk schon.

Beliebt in den Hafenkneipen der Freibeuernester Port Royal auf Jamaika oder Cayonne auf Tortuga war dieses Gebräu:

Bumbo (auch: Bombo, Bumboo, Boomboo)
6 cl Rum
3 cl Wasser
1 - 2 Tl brauner Zucker
1 Prise Zimt (frisch gerieben)
1 Prise Muskat (frisch gerieben)

Die Ur- und Rohform des "Spiced Rum" (z. B. "Captain Morgan Spiced Gold").

Ein Variante des Bumbo, auch aus der damaligen Zeit überliefert, verwendet Fruchtsaft (Ananas, Papaya, Orange - was gerade greifbar war - statt Wasser. Da das Frucharoma und die Süße den Geschmack des damals bevorzugten "proof" Rums (57,15% Alkohol) überdeckt, ziemlich tückisch.


Noch "wirksamer" und tückischer als Bumbo mit Fruchsaft ist ein ebenfalls aus der Karibik stammendes Getränk, das nicht zufällig Zombie heißt:

Zombie

1 Teil weißer Rum
1 Teil goldener Rum
1 Teil dunkler Rum
1 Teil Aprikosen-Brand
1 Teil Ananassaft
1 Teil Papaya Saft
1/2 Teil 151-proof Rum (also: 75.5% Alkoholgehalt!)
Ein Spritzer Grenadine oder anderer Fruchtsirup
Eiswürfel

Alles außer dem 151-er Rum in einen Shaker geben, durchschütteln, in ein langes Becherglas geben, den 151-er dazukippen. Wichtig: sich die nächsten zwei bis drei Tage nichts vornehmen!


„Um tolerant zu sein, muß man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.“
Umberto Eco

Offline
 
Kein neuer Beitrag Die Krähe , 07.02.2010, 16:39 Beitrag #2   
Usergruppe: DagansVidhri
Registrierung: 04.08.2007, 07:34
 
 
Mjamjamjamjamjamjamjam!!!!!
:juhu:
Dankeschön! :-)


"Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus, proportional zum eigenen Mut."
Anaïs Nin


Offline
 
Kein neuer Beitrag MartinM , 07.02.2010, 18:14 Beitrag #3   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 04.08.2007, 19:16
Homepage: http://martinm.twoday.net
 
 
Achtung, liebe schluckfreudige Krähe: bitte lasse die Finger bzw, den Schnabel vom Zombie - jedenfalls solange du noch in kreativer Hochform bist. ;-) Anschließend wärst Du es nämlich für geraume Zeit nicht mehr.
Das Zeugs heißt nicht von ungefähr "Zombie": ich habe in meinem Leben nur ein Glas von diesem höllischen Gebräu genossen - die Nachwirkungen möchte ich kein zweites Mal erleben. Ein echter Gehirnfresser!
Tückischerweise ist dieses Nervengift in Cocktail-Form echt lecker.

Etwas zum Thema "Rum und betrunkene Seeleute" habe ich neulich hier gebloggt: "What shall we do with a drunken sailor?" - Vom Ursprung eines Klischees

Martin



„Um tolerant zu sein, muß man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.“
Umberto Eco

Offline
 
Kein neuer Beitrag Brigh , 07.02.2010, 18:50 Beitrag #4   
Usergruppe: DagansVidhri
Registrierung: 27.08.2007, 09:30
 
 
Hey Martin,

Bumbo und Zombie stehen ganz oben auf meiner Probierliste =:) !
Als Rumliebhaberin kann ich mir das ja gaaaanz schlecht entgehen lassen....
DAnke für die tollen Rezepte und ebenso für den Artikel!

Das Rum- und Seebärenklischee kann ich allerdings in vollem Umfang bestätigen, zumindest nach jahrelangen Zusammenleben- und arbeiten mit kanarischen Seebären =)
Da gehts sichs aber mit den 0,07l nimmer aus ;-)

Ahoi,
Brigh


Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.
(A. de Saint Exupéry)

Offline
 
Kein neuer Beitrag MartinM , 07.02.2010, 20:21 Beitrag #5   
Usergruppe: Hrafnsgaldr
Registrierung: 04.08.2007, 19:16
Homepage: http://martinm.twoday.net
 
 
Ja, auch nach meiner Erfahrung trifft das Rum/Seemanns-Klischee zu - jedenfalls in der Kleinschifffahrt.
Neben Rum (meist als Grog konsumiert) wird "anner Waterkant" traditionell vor allem "Köhm" (Kümmelschnaps) und auch Whisky getrunken wird. Außerdem sehr beliebt - auch bei Freizeitskippern - ist Sherry.
Wobei ich es keineswegs lustig fand, als ich auf einem Fischkutter mitfuhr (als Aushilfe, nicht als "Badegast";) und mitbekam, dass Schipper und Bestmann (Steuermann) schon zur Frühstückspause ihre "Rumration" intus hatten. Und da es (wie eigentlich immer auf der Nordsee) nass, windig und kühl war, blieb es nicht beim Frühstücksgrog. Die Fischer sind die zwar gewohnt, aber "Trunkenheit am Ruder" ist genau so wenig lustig, wie alkoholisiert Auto fahren. :(
Seitdem es einige hässliche Barkassen- und Schlepperunfälle unter Alkohol gegeben hat, wird zumindest im Hamburger Hafen und auf der Unterelbe auch kontrolliert - mit "Pusten" und allem. Das Problem: auf offener See sind Alkoholkontrollen kaum möglich.

MM


„Um tolerant zu sein, muß man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.“
Umberto Eco

Offline
Thema drucken


User in diesem Thema: 0 Registrierte, 0 Versteckte, 1 Gast, 0 Bots
Keine


Ähnliche Themen zu "Grog"
  Antworten Aufrufe Themeneröffnung Letzter Beitrag
Keine Themen vorhanden
 
0.176258 Sek. 11 DB-Zugriffe
Boardsolution v1.30 Beta | © Nils Asmussen 2003-2007