Arrrr!
Es ist wieder (oder immer noch) kalt, ich habe, dank großzügiger flüssiger Geschenke, auch Gelegenheit für heroische Selbstversuche gehabt - also vielleicht sollte ich mal was über Grog schreiben.
"Grog" bedeutet ursprünglich und eigentlich "Rum, mit Wasser verdünnt".
Der Name geht auf den Admiral Edward Vernon zurück, der 1740 auf den ihm unterstellten Schiffen die Regel einführte, dass die Rumration nur noch im Verhältnis 1 : 2 mit Wasser verdünnt ausgegeben werden sollte.
Dazu gab es einen Spritzer Zitronen- oder Limettensaft - nicht, wie man oft liest, zur Skorbutverhinderung, sondern um den Geschmack des abgestandenen bis fauligen Trinkwassers zu überdecken.
Wegen seines alten Bootsmantels aus Grogham (einer Art Lodenstoff) hatte Vernon den Spitznamen "Old Grogham" oder kurz "Old Grog", der auf das Getränk überging.
Es fiel dann irgend wann einmal auf, dass Admiral Edward Vernons Seeleute sehr viel weniger unter Skorbut litten, als andere. 1747 konnte der Schiffsarzt James Lind beweisen, dass sich Skorbut mit der Gabe von Zitronen- oder Limettensaft behandeln und verhindern ließ. Zitrusfrüchte deshalb, weil die sich an Bord länger hielten und leichter zu Saft verarbeiten ließen als anderes Obst.
Ich finde die Medizin für dieses Wetter ganz passend.
Grog, traditionell7 cl brauner Rum
1 TL Zucker (am besten brauner Zucker)
kochendheißes Wasser (ca. 14 cl)
Rum in ein sprungsicheres Grogglas geben, Zucker dazugeben um mit heißem Wasser aufgießen. Man kann den Rum auch vorwärmen.
Faustregel:
Zitat:
Rum mut,
Zucker kann,
Water bruuk nich!
Die 0,07 l bzw. 7 cl bzw. 70 ml Rum entsprechen 1/8 (englischem) Pint , bis 1970 (!) der täglichen Rumration in der Royal Navy.
Grog, original Navy-Art:7 cl Rum
14 cl (heißes) Wasser
1 TL brauner Zucker (nach Geschmack!)
2 TL Zitronensaft
Seetüchtiger ist es, statt Grogglas alles in eine bruchsicherere und kippstabilere Muck (engl. mug, öster. Häferl - so'n Becher mit Henkel eben

) geben. ("Bruchsicher" heißt übrigens auf keine Fall "aus Plastik"!)
... und ich habe kein bisschen Skorbut
Variante:
Statt braunem Zucker Honig.
Navy-Rum hat 47,75 % Alkohol, also Dosierung der jeweiligen Rumstärke anpassen! 1 : 2 ist ziemlich "nördlich", aber unter 1 : 3 sollte man nicht gehen. Grog muss Prozente haben!
Kommen wir zu den Piraten der Karibik (arrrr!), die eine Vorliebe für Rum (auch aus der Karibik) hatten.
Die "große Zeit" der karibischen Freibeuterei endete um 1720, daher gab es das Wort "Grog" noch nicht. Das Getränk schon.
Beliebt in den Hafenkneipen der Freibeuernester Port Royal auf Jamaika oder Cayonne auf Tortuga war dieses Gebräu:
Bumbo (auch: Bombo, Bumboo, Boomboo)6 cl Rum
3 cl Wasser
1 - 2 Tl brauner Zucker
1 Prise Zimt (frisch gerieben)
1 Prise Muskat (frisch gerieben)
Die Ur- und Rohform des "Spiced Rum" (z. B. "Captain Morgan Spiced Gold").
Ein Variante des Bumbo, auch aus der damaligen Zeit überliefert, verwendet Fruchtsaft (Ananas, Papaya, Orange - was gerade greifbar war - statt Wasser. Da das Frucharoma und die Süße den Geschmack des damals bevorzugten "proof" Rums (57,15% Alkohol) überdeckt, ziemlich tückisch.
Noch "wirksamer" und tückischer als Bumbo mit Fruchsaft ist ein ebenfalls aus der Karibik stammendes Getränk, das nicht zufällig Zombie heißt:
Zombie1 Teil weißer Rum
1 Teil goldener Rum
1 Teil dunkler Rum
1 Teil Aprikosen-Brand
1 Teil Ananassaft
1 Teil Papaya Saft
1/2 Teil 151-proof Rum (also: 75.5% Alkoholgehalt!)
Ein Spritzer Grenadine oder anderer Fruchtsirup
Eiswürfel
Alles außer dem 151-er Rum in einen Shaker geben, durchschütteln, in ein langes Becherglas geben, den 151-er dazukippen. Wichtig: sich die nächsten zwei bis drei Tage nichts vornehmen!